•Ä^^S^ a^^&!% &" av,. ly GARTEN-ZEITUNG Monatsschrift für Gärtner nnd Gartenfreunde. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachmänner aus Wissenschaft und Praxis herausgegeben von Dr. L. WITTMACK Professor an der Universitcät und an der landw. Hochschule, General -Sekretär des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten. Organ des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde. Erster Jahrgang 1882. Mit 13 Farbendrucktafeln und 121 Holzschnitten BERLIN. Verlag von Paul Parey. VciljgNluiidlung für l.aiidnirtlisrhaft, liartonlia'i und ForsHtcscn. 1882. InhaltsYerzeiclmiss. Seite Nymphaea zanzibariensis Casp. Von robert Caspary I Das neue Palmenhaiis auf dem Königlichen Berggarten zu Herrenhausen. Entworfen und ausgeführt vom Hof-Bauinspector AUHAGEN 6. 69 Clematis lanuginosa »Max Leichtlin«. Von F. C. Heinemann 11 Pflanzen- und Bhnnenkultus im Zimmer. Von A. Gaerdt 13. 65. 115 Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Kronprinzessin beim Neuen Palais zu Potsdam 19 Der Haupteingang des Parkes von Sanssouci. Von G. A. FiNTELMANN 24 Der einzelne Baum im Landschaftsgarten. Seine Wirkung, Stellung und Beschaflfen- heit. Von E. Jaeger 26 Mein Besuch von Chatsworth. Von HEINRICH FiNTELMANN 31-76 Der wilde Garten. Von Dendrophilus 35. 83. 130. 191. 215. 282. 331. 361. 403. 42S Das Dörren des Obstes nach amerikanischer Methode. Von B. von Uslar .... 39 Spaliergärten. Von W. Lauche .... 45 Die ersten deutschen Obstbäume in Japan. Von R. Gaertner 48. 96 Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieu 50. 98. 150. 235. 307. 364 Empfehlenswerthe Markt- und Handels- pflanzen. Von O. H 53 Hülzwerk - Anstrich in Gewächshäusern. Von G. Eichler 54 Ungleicher Wuchs von Unterlage und Edelreis 55 Die neue Reblaus -Konvention vom 3. No- vember 1881 55 Abies Eichleri Lauche. Eichlers's Edeltanne. Von W. Lauche 63 Nepenthes Northiana. Hook. fol. nov. spec. 64 Turkestan's Anstalt für Forst- und Obst- Kultur in Margelan. Von K. KooPMANN 88. 119 Zur Topfobstbaumzucht. Von Franz Goeschke 91 Wiener Briefe. Von Buche 102 Linaria maritima. Von Haage & Schmidt ii i Adhatoda cydoniaefolia Nees ab Esenb. . 1 1 1 Cycas siamensis Miq 113 Ueber die Ulmen und Negundo der Baum- züchter und die der Dendrologen. Von Dr. G. DiECK 121 Alten oder neuen Melonensamen? Von Carl Sprenger 126 Zur Behandlung des Sellerie. Von Theodor Dreesen 127 Knospenmissbildung an den Triebspitzen von Syringa vulgaris, verursacht durch Gall- milben, Phytoptus. Von L. Wittmack 128 Ein Tag in Hatfield House. Von Ludwig Freiherr von Ompteda . . . . 134. 185 Kulturversuche mit elektrischem Licht. Aus dem Englischen des Herrn Dr. William Siemens. Von L. Wittmack . .139. 244 Neue Kulturversuche mit elektrischem Licht. Originalbericht von Dr. C. W. Siemens . 255 Eine blühende Agave an.ericana L. des bo- tanischen Gartens zu Breslau. Von Dr. lackowitz 142 Das neue Palmenhaus des Königlichen Berg- gartens zu Herrenhausen (Inneres). Von H. Wendland 143 Die Ob.sternte in Tiflis. Von Scharrer . 148 Gefüllt blühende Knollen -Begonien. Von H. RoESE 149 Cattleya labiata b. Mossiae Reineckeana Rchb. f. Von Prof. Reichenbach und H. Gaerdt 159 Montbretia Pottsii Baker (Iridaceae). Von L. Wittmack 159 Dracaena Goldieana, blühend. Aus Gar- dener's Chronicle 1882 No. 420. Von Carl Mathieu 162 Bomarea Shuttleworthii Mast. n. sp. (Ama- ryllidaceae). Von L. W 164 Carl David Bouche und die ältere Bouche- sche Familie. Von L. Wittmack . .166 Ueber die Wichtigkeit des Artbegriffes in der Dendrologie. Von Th. Wenzig . . .172 Bemerkungen zur Nomenklatur und Kultur- fähigkeit der in Haage &Schmidt's Pflanzen- verzeichniss für 1882 empfohlenen Palmen. Von Oscar Drude 178 Berichte über die im Jahre 1881 zu Ver- suchszwecken vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues beschafften Sämereien, Rosen und anderen Pflanzen. Von Carl Mathieu, R. Brandt und A. Drawiel 197. 2X1 Frühlingsblumen. Von Henry Correvon 199 Die von Herrn Hofgärtner Reuter gezogenen Pfropf- Hybriden zwisclien den Kartoffel- IV Inhaltsverzeichniss. Sorten Mexicain und Black -Kidney. Von P. Magnus 207 Luculia t(iatissiina Sweet. Von O. II. . .210 Erinnerungen an eine im Aui:;ust und .Sep- tember 1881 nach Belgien und Frankreich unternommene Studienreise. Von K. (JOKTIIK 217. 291 Die Gärten des Lago maggiore. Von L. Kny 223. 259. 315. 351 Beitrag zur Kultur der Obstbäume im Topf. Von II. B. Warn'kkkx 231 Zwei werthvolle Granaten- Varietäten. Von Froküki, & Co. in Zürich 233 Nicotiana affmis hört. Von L. Wittmack 253 Ueber das öftere Vürkonmien von Rosen unter verschiedenen Namen. Von Cari, Mathiku 256 Joseph Decaisne f (geb. 9. März 1807, gest. 8. Februar 1882). Von L. Wittmack . 268 Gartenpläne für grössere Gärten im Zier- gartenstyl. I. Plan eines grossen Haus- gartens. Von L. Trzkschtik .... 280 Charles Darwin f. Von Dr. A. TSCHIRCH 286 Erklärung der Herren A. W. Eichler und L. Wittmack betreffs W. Lauchi;'s Den- drologie 297 Papaver umbrosum hört. Petrop. (-Papaver commutatum frisch, et Meyer). \'on L. Wittmack 299 Gefüllte panachirt- blättrige Pflanzen. Von Buche 301 Carica Papaya L., der Melonenljaum. Von O. HÜTTic, ■ . 305 Salvia farinacea. Von Eugen J. Peters . 306 Cecidomyia saliciperda Duf., Weidengall- mücke. Von A. Fintelmann . . .312 Die kurze Wurzelpetersilie, Apium Petro- selinum. Von Joseph Klar .... 328 Beitrag zur Hebung der Unfruchtbarkeit unse- rer Obstbäume. Von Bruno Strauwald 330 Wilhelm von Eisner Sämling (Calvill). \'on Stoll 345 Ein Beitrag zur Kenntniss des Blumenkohls (Brassica oleracea L. var. botrytis alba et nigra) und eines Feindes desselben. Von Carl Sprenger 346 Thladiantha dubia Bnge. Von EuG. J. Peters 371 W'ie kann man den an der öffentlichen Strasse stehenden jungen Baum am sichersten und dauerhaft an dem Baum- pfahle befestigen r Von A. Fintelmann 379 Kultur der Epakris 382 Ueber Fro5tbeschädigungen. \'on Dr Paul SoRAUER 391. 421 Berichtigung zur Figurenerklärung zu dem Aufsatze von Dr. P. Sorauer: Ueber Frost- beschädigungen 466 Eine Trauert^anne. Von Kott.meier . . 406 Ueber das Schneiden und Aufbewahren der Reiser. Von R. Müller 408 Hampton -Court und sein grosser Weinstock. Von I-. Wittmack 410 Bemerkungen über die beiden Theerosen Niphetos und Souvenir d'un ami. Von Friedr. Harms .... .... 412 Neuere empfehlenswerthe Pflanzen. Von R. Brandt . . 419 Lachenalia Nelsoni hört 421 Columnea Kalbreyeriana (Gesneraceae). Von L. Witt.macK 432 Angraecum Eichlerianum n. sp. Von Dr. Fr. Kränzlin . . . .' 434 Zur Kultur der Stachel- und Johannisbeeren. Von II. Wiesner 437 Chamaepeuce Sprengeri Wittmack. Von L. Witt.mack und Carl Sprenc^er . . . 439 Vögel im Garten. Von H 441 Zur Conservirung der P'rüchte. Von Bruno SrRAU\v.\Li) 442 Vorrichtung zum Versetzen grosser Bäume. Von J. Th. Mössmer 442 Englischer und französischer Gartenstyl zur Zeit der landschaftlichen Entwicklung. Von L. Trzeschtik 449 Die Prairierose, Rosa rubifolia R. Br. Von O. H 451 Die Gurkenzucht. Kulturmethode, um das ganze Jahr hindurch Früchte zu haben. Von Paul Ullrich 452 Uralte Asphodelus- Wiesen. Von Carl Sprenger 455 Rhipsaliden und Rhipsalis crispata Pfeiff. Von G A. Lindberg 458 Anthurium pedato-radiatum x leuconeurum (Hybride. Von H. Gaerdt und L. Witt.mack 467 Beitrag zur Vermehrung der Platanen. Von Franz Goeschke 468 Der botanische Garten in Genf. Von Henry CoRREVON .... 470 Die Zinketiquetten von Girard-Col für die Baumschule Von R. Müller . . . .471 Ein Orangen -Garten in Breslau. Von Prof. Dr. GöPPERT 473 Tacsonia Parritae Mast. n. sp 474 Ueber Calanthen Von G. KiTTEL jun. . .475 Ein billiger Brumataleim. Von F. WiNKLER 481 Ueber Einführung nordamerikanischer Holz- gewächse in Deutschland. Von Dr. H. R. GÖPPERT 489 Selaginella grandis Moore 490 Auszug aus dem Generalberichte der Experten der Phylloxera-Commission im Kaukasus 1881. Von H. SCH.A.RRER 492 Der botanische Garten in Glasgow. Von L. Witt.mack 494 Zur Vertilgung der schwarzen Fliege und der rothen Spinne. Von O. Massias . . . 497 Die Blutlaus. Von Goethe 498 Sprekelia glauca Lindl. (Amaryllidaceae). Von L. Wittmack 513 Die Babiana-Arten. Von L W^itt.mack . 524 Notizen über Turkestans Eremurus-Arten. Von K. Koop.mann 526 Die Riesenbaisamine 'Impatiens glanduligera Royle syn. Imp. Roylei Walp.), ein Bienen- futtergewächs für August und September. Von Prof. Dr. Munter 531 Der Park der Buttes Chaumont zu Paris. Von L. Witt.mack 532 Inhaltsverzeichniss. V Amaryllis Rougieri Carr. (Neuheit). Von Carl Mathieu 535 Vermehrung der Malmaison-Rose durch Wur- zelabschnitte. Von H. Irmlkr .... 537 Die Gartenbau -Ausstelking in Gent. Von H. CORREVON 537 Ramondia pyrenaica. Von L. Wittmack . 538 Troixieohun speciosum. Von L. Wittmack 539 Die Bkitlaus. Von C. Altmann .... 540 Interessante blühende Pflanzen: Im Jenisch'schen Garten zu Flottbek bei Altona Von F. Kramer 105 Im Königlichen botanischen Garten zu Berlin. Von W. Perring 59. 103. 152. 337. 387. 417- 508 Im Borsig'schen Garten zu Berlin. Von Gaerdt 59. 104. 153 Im Fürstlich Fürstenberg'schen Hofgarten zu Donaueschingen. Von Kirchhoff 58. 104. 156. 297. 341 In der Reichsgräflich Wilh. von Magnis- schen Orchideen -Sammlung in Eckers- dorf. Von G. Kittel jun. 204. 250. 342. 388. 464 Im Garten des Herrn Kommerzienrath Gru- son, Buckau -Magdeburg 545 Im botanischen Garten in Hamburg . .105 Im Königl Berggarten zu Herrenhausen. Von H. Wendland 106. 154. 203. 250. 338. 387 Im Königl. Berggarten zu Herrenhausen. Von Franz Sick 417 Im Königl. Hofgarten zu Karlsruhe. Von E. Mayer ... 59. 107. 156. 340. 388 Im Grossherzogl. Hofgarten zu Karlsruhe. Von Graebener 418. 544 In der Schlossgärtnerei Reuthen bei Sprem- berg. Von J. Held 157 In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelms- höhe bei Cassel. Von C. Wissenbach 107. 154. 204. 296. 339. 543 Verschiedenes: Die Berner Reblaus -Convention . . .109 Abgeschnittene Hyacinthen und Tulpen. Von O. H 202 Die Reblaus im Rheinlande 249 Gynura aurantiaca 249 Pyramidenakazie 373 Starker Olivenbaum 373 Obstbäume auf Mallorka 374 Ficus rubiginosa 374 Die Vereine für Samenbau in Schweden 374 Vertilgung der Nacktschnecken . . . .375 Aufthauen gefrorenen Bodens . . -375 Mittel gegen Hasenfrass 376 Okulation mit Spitzentrieben von Birken, Eichen etc 376 Anthurium Andreanum und A. Scher- zerianum 376 Der Frostspanner und der Brumataleim. Von C. E. C. H. MÜLLER .... 377 Birnen auf Quitten und Aepfel auf Paradies- stamm 378 Kultur der gefüllten Gaillardia picta var. Lorenziana 378 Eduard Naumann's Blumendünger . . 378 Nessler's Mittel gegen Blattläuse . . . 378 Veränderungen im botanischen Garten zu Berlin 378 Ausflug des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 379 Besuch der Studirenden und Lehrer der landwirthschaftlichen Hochschule in Ber- lin bei der Gärtnerlehranstalt in Wild- park etc 379 Billige Gartenmöbel aus Naturholz . . 379 Ausflug der Gesellschaft der Gartenfreunde 416 Perilla nankinensis macrophylla (Huber .417 Ueber den Einfluss des Luftdruckes auf das Keimen der Samen 460 Clianthus Dampieri als Freilandpflanze . 460 Schyzostylis coccinea als Winterblüher . 461 Kultur der Orchideen im freien Lande. Von OH 461 Rheum officinale Baill. als Zierpflanze . 462 Prunus serotina pendula als Zierstrauch . 462 Danziger Gärtner- Verein 463 Württembergischer Obstbauverein . . . 463 Die Kultur der Hortensie. Von Schmidt 499 Nutzen des Torfmülls bei der Vermehrung. Von W. Lauche 500 Die Jacobslilie Von O H 500 Cotoneaster Simmondsii Hort. Von O. H. 501 Passiflora coerulea. Von G. Eichler . 501 Galtonia candicans (Hyacinthus candicans . Von G. Eichler 501 Lagerstroemia indica L. Von O. H. . 502 Rosen des Herrn Harms -Eimsbüttel . . 502 Rosen und Erdbeeren des Herrn L Becker- Lockstedt 502 Der falsche Mehlthau, Peronospora viticola de Bary. Von Schule 503 Denkmal für Alexis Lepere .... 503 Dahlien -Kultur in England. Von Buche 503 Helleborus. Von C. Heinemann . . . 504 Siebold -Denkmal 504 ChambreSyndicale des Horticulteurs Beiges, Gand 5" C o r r e s p o n de n z e n : Aus Guatemala. Von James Frederick Sarg loi Aus Tifhs. Von Sch.arrer . . 147. 336 Aus Windsor Von R. L. .... 200 • Gartenbauvereins -Sitzung in Ratibor am 7 Mai 1882 335 Frühjahrsfröste in Guben Von L Groth 336 Aus Fischbach ..•._....• 337 Aus Ratibor . 383 Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur, botanische Section . . . 384 Die Fichtenlaus -Gallen Von Saint Paul- Illaire , 504 Philolendron pertusum. Von H. Saldern 504 Aus Ratibor. Von J- Oppler .... 505 Personal-Nachrichten: Hofrath Prof. Dr. von Ahles 61 VI Inhaltsverzeichniss. Seite Julius August Bentzien 466 \V. Bfittclicr 389 Oartcninspcctor Carl David Bouche . 166 (Jartcninspcctor Carl Emil Bouclio . .512 Charles Darwin 251 286 Jos. Decaisne ... 268 G. Dippe . 545 Obergärtner Erikson 344 Gartenhaulehrer H. Federle 389 Garteninspector Gottschalk 251 Ilofgärtner L. Graebener 251 Gartendirector a D. Heinrich Grube . . 344 Gartendirector Tlieodor Klett . .419 Obergärtner Carl Krämer 511 Geh. Commerzienrath Jacob Landau . .419 Willy Lauche 344 Ilofgärtner Lebl 61 Alexis Lepere 390 Universitätsgärtner Lindemuth . . . 205 Garteninspector Dr. Carl Eduard Lucas . 419 Garteninspector Marko 343 Franz X. Mattern 512 Gartendirector C. Mayer 251 (Jarteninspector E. Mayer . -251 Professor Munter 545 August Friedrich Hermann Ohlendorft" . 512 Garteninspector E Otto 205 Gärtner Otto ....251 Garteninspector Wilhelm Perring . . .109 Hofgarteninspector Joseph Pfister . . .251 Pfister sen 61 Staatsratli Dr. Regel 545 Ludwig Ringel 61 (Jartenins])ector Ritter 205 Heinrich Roess 251 Finanzminister Scholz 389 Dr. Otto Wilhelm Sonder . ... 61 Oeconomierath P'ranz Späth 205 Director G Stoll 511 Gärtner Paul Ullrich 251 Henry Vilmorin ... 390 Voss . . 389 Garteninsj^ector A. Wagner 61 Professor Dr. L Wittmack 61 Garteninspector W. Zeller 343 Ausstellungen: Antwerpen, Internationale Rosen -Ausstel- lung und Congress von Rosenfreunden 343 Die 2 Winter- Ausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues am 15. Januar 1882 Von L. Wittmack . .107 Die nationale Ausstellung für .Vrrangements von abgeschnittenen Blumen zu Berlin vom 6. 10 April 1882. \'on L. WlTTM-ZVCK 157. 239. 270 Berlin, grosse allgemeine Gartenbau- Aus- stellung 1883 . . . 298 419. 509. 545 Bremen, Gartenbau- Verein . 157. 297 389 Charlottenburg, Gartenbau -\'erein . . 297 Ausstellung des Charlottenburger Garten- bau-Vereins vom 16—20. September 1882. Von M. IIoi.KM.\N'N . . 477 Die grosse Ausstellung zu Frankfurt a. M. vom I. — 15. October 1881 und die Seite Verhandlungen und Anträge der ver- sammelten Obstbau -Interessenten da- seljj.st. Von Ru.VTZLER 195 Die Ausstellung der Gartenbau - Gesellschaft »Flora« in Dresden vom 5. — li. April 1882 Von L. WiTT.MACK .... 325 Gartenbau -Ausstellung Gent . . . 509 Hamburg, Gartenbau- Verein für Hamburg, Altona und Umgegend 157 Gartenbauausstellung zu Licgnitz . . . 509 Petersburg, internationale Gartenbau -Aus- stellung und Congress von Botanikern und Gärtnern 1883 509 Sundswall in Schweden, Nordische Samen- Ausstellung 298 Die zweite nationale Ausstellung des Ver- bandes italienischer Gartenbau -Vereine in Turin vom 8. — 17. September 1882. Von L. WiTriM.A.CK 482. 515 Ausstellung der Gärtner und Gartenfreunde von Weissensee vom 26. — 28. August 1882. Von Hoffmann 529 Ausstellung des Vereins der Gärtner und Gartenfreunde des Ost-Havellandes vom 9.— II. September 1882. VonlloFF.MANN 530 Recensionen: Bop:rnstein, Regen oder Sonnenschein . 541 Deutscher Gartcnkalender für 1883 . . 506 Fritz Ehrenberg, der practische Rosen- züchter 465 Florentia, Annuario generale della orti- cultura in Italia 386 Dr. A. B. Frank, Grundzüge der Pflanzen- physiologie 541 J. Hartwig, Der Parkgarten .... 386 J. C. Jacobsen und Tyge Rothe, Des- cription des serres du jardin botanique de l'Universite de Copenhague . 384 Julius Jablanczy, Der Obstbau für den Landmann und Obstzüchter .... 385 Julius J.a.blanczy, Die Bepflanzung der -Strassen mit Obst- und Wildbäumen 385 Her.m. J.vger, Katechismus der Rosenzucht 386 Dr. F Kienitz-Gerloff, Methodischer Leit- faden für den Unterricht in der Botanik an Landwirthschaftsschulen. Von Kränzlin 247 W. Perring, Lexicon für Gartenbau und Blumenzucht ... ... . 247 E. Pfitzer, Grundzüge einer vergleichen- den Morphologie der Orchideen. Von Kränzlin .... 247 Dr. Jos. Möller, Anatomie der Baum- rinden 541 Oenologischer Jahresbericht ... -541 Practischer ObstzUchter. Illustrirtes Volksblatt für Obst- etc. -Bau . . . 465 Th. Rümpler, Illustrirtes Gartenbau- Lexicon 60 Tu Rü.mpler, Die schönblühenden Zwiebelgewächse 508 Prof. Dr. H. M. Sch.MIDT-GüBEL, Die schädliclien und nützhchen Insecten in Forst, Feld und Garten 201 Autorenregister. VII Schmidlin's Anleitung zum Botanisiren Von Dr. Otto Wünsche 506 SCHMIDI.IN, Ilhistrirte populäre Botanik . 539 JoH. Weknz, Eine Auswalil von Kern- obstsorten, zusammengestellt nach ihrem Werthe . . . . ! .386 R. WoHi.FARTH, Die Pflanzen des Deut- schen Reichs, Deutsch -üesterreichs und der Schweiz 50S Sprechsaal 61. 205. 251. 298. 344 390 420. ■512. 546 Amtliche Bekanntmachung, betreffs Reblaus 109 Amtliche Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr von Pflanzen nach Rumänien . 343 Amtliche Bekanntmachungen, betreffend die Einfuhr von Pflanzen etc. nach I'"rankreich 511 Amtliche Bekanntmachung, betreffend die Einfuhr von Pflanzen etc. nach Ungarn 542 Aiitorenreeister. Altmann 540. Auhagen 6, 69. Brandt, R. 213, 416. Buche 102, 301, 503. Caspary, Robert i. Correvon, Henry 199, 470, 537. Dendrophilus, 35, 83, 130, 191, 215, 282, 331, 361, 403, 428. Dieck, G. 121. Döbner 55. Drawiel, A. 214. Dreesen, Theodor 127. Drude, Oscar 178. Eichler, G. 54, 501. Fintelmann, A. 312, 379. Fintelmann, G. A. 24. Fintelmann, Heinrich 31, 76. Froebel & Co. 233. Gaerdt, H. 13, 59, 65, 104, 115, 153, 159, 467. Gaertner, R. 48, 96. Göppert, Prof. Dr. 473, 489. Goeschke, Franz 91, 468. Goethe, R. 217, 291, 498. Graebener 340, 418, 544. Groth, L. 336. Haage & Schmidt lii. Harms, Friedr 412 Heinemann, F. C 11. Held, J. 157. Hoffmann, M. 477, 529, 530. Hüttig, O. 305. Jaeger, E. 26. Irmler 537. Kirchhoff 58, 104, 156, 297, 341. Kittel, jun., G. 204,342,464,475, 544. Klar, Jos. 328. Kny, L. 223. 259, 315, 351. Koopmann, K. 88, 119, 526. Kottmeier 407. Kränzlin 247, 434. Kramer, F. 105. Lackowitz 142. Lauche, W. 45, 63, 500. Lindberg, G. A. 458. Magnus, Paul 207. Massias, O. 497. Mathieu, Carl 50, 98, 150, 162, 197, 211, 235, 256, 307, 364, 535- Mayer, E. 59, 107, 156. Mössmer, J. Th: 442. Müller, C. C. H. 377. Müller, R. 408, 471. Munter 531. Nietner, Th. 19. Ompteda, Ludwig Freiherr von, 134, 185. Oppler, J. 505. von St. Paul-Illaire 504. Perring; W. 59, 103, 152, 337, 417, 508. Peters, Eugen J. 306, 371. Pettersson 545. Reichenbach 105, 159. Roese, H. 149. Runtzler 195. Saldern, H. 504. Sarg, James Frederick loi. Scharrer 147, 336, 492. Schmidt- Göbel, Dr. H. M. 201. Schmidt, Obergärtner 499. Schule 503. Sick, Franz 417. Siemens, William 139, 244, 255. .Sorauer, Dr. Paul 391, 421. Sprenger, Carl 126, 346, 439, 455- Stoll 345. Strauwald, Bruno 330, 442. Trzeschtik, L 280, 449. Tschirch, A 286. Ullrich, Paul 452. Uslar, B. von 39. Vogel, Prof. H. W. 512. Warneken, H. B. 231. Wendland, H. 106, 143, 154, 203, 338. Wenzig, Th. 172. Wiesner, H. 437. Winkler, F. 481. Wissenbach, C. 107, 154, 204, 296, 339- 418, 463, 508, 543. Wittmack, L. 107, 128, 139, 159, 166, 239, 244, 253, 268, 270, 299, 325, 410, 432, 439, 467, 482, 494, 513, 515, 524 532. VIII Sachregister. Sacliregister. Abbildungen von l'Hanzen 512. Abies Eichleri Lauche 63, 503. Actinidia polygama Sieb, et Zucc. 390. Adhatoda cydoniaefoha Nees al) Esenb. iii. Aepfel auf I'aradicsstanini 378. Agave americana L, eine bhi- hende im botanischen Garten zu Breslau 142. Amavyllis formosissima 500. Amarylhs Rougieri Carr. 535. Angraecuni Eichlerianum Kränz- lin n. sp. 434. Anthurium Andreanum 376. Anthurium pedato-radiatuni x leuconeurum (Hybride) 467. Anthurium Scherzerianum 376. Apfel: Wilhelm von Eisner Scämling (Calvill) 345. Apium Petrosclinum 328. Artbegrift in derDendrologie 1 72. Asphodelus f;stulosus 455. Aspodelus- Wiesen, uralte 455. Au(thauengcfrorenenBodens375. Ausstellungen 62, 107, 157, 195, 239, 270, 297, 298, 325, 343, 389, 419, 477, 482. 545. Ausstellung für Arrangements von abgeschnittenen Blumen 239- Babiana rubrocyanea 524. Babiana stricta Ker. 524. Bachgarten 428 Befestigung junger Bäume am Baumpfahl 379. Bergamotte »Schweizerhose«5o5. Berichte über versuchsweise ge- baute Pflanzen 197, 21 I. Birnen auf Quitten 378. Birnensorten für Hochstamm 205. Blumendünger 378. Blumenkohl 346. Blumenkohl, italienischer 512. Blumenkultus im Zimmer 13, 65. 115. Blutlaus 498. 540. Bomarea Shuttleworthii Mast. n. sp 164. Botiychium matricaria 506. Bouche, Carl David, und die ältere Bouche'sche Familie 166. Brand 393. Brassica oleracea L. var. botrytis alba et nigra 346. Bruchgarten 428. Brumataleim, ein billiger 481. Buttes Chaumont zu Paris 532. Calanthen, über 475. Calypso borealis 461. Carica Papaya L. 305. Cattleya labiata ß Mossiae Rei- neckeana Rchb. f 159- Cecidomyia saliciperda Duf. 312. Cetonia squalida L. 350. Chamaepeuce Sprengeri Witt- mack 439. Chambre syndicale des horti- culteurs Beiges, Gand 511- Champignonkultur mit Gyps und Salpeter 344, 420. Champignonzucht 344. Charlottenburg, Gartenbau- Aus- stellung 477. Chatsworth 31. 76. Chermes coccineus 504. Chermes viridis 504. Clematis lanunigosa »Max Leichtlin« 11. Clianthus Dampieri 460. Columnea Kalbreyeriana 432. Cotoneaster Simmondsii Hort. 501 Conservirung der Früchte 442. Cycas siamensis Miq. 113. Dahlien -Kultur in England 503. Danziger Gärtner- Verein 463. Darwin, Charles 286. Decaisne, Jos. 268. Dendrologie 344. Dendrologie , die Wichtigkeit des Artbegriffs in der, 1 72. Deutsche Dendrologie 344. Dracaena Goldieana, blühend 162. Eichler's Edeltanne 63. Electrisches Licht zur Pflanzen- kultur 142, 244, 255. Epakris- Kultur 382. Epiphyllum truncatum 344. Erdbeeren von Becker -Lock- stedt 502. Eremurus- Arten in Turkestan 526. Escholtzia, Geruch der Zweige nach Schwefelsäure 506. Farnkräuter, Verwendung der- selben im wilden Garten 331. Fichtenlausgallen 504. Ficus rubiginosa 374. Fliege, schwarze 497. Fröste, Einwirkung künstlicher 421. Frostbeschädigungen 391. 421. P'rostbeulen 399 Frostlappen 402. Frostspanner 377. Frühlingsblumen 199. Frühjahrsfröste in Guben 336. Gaillardia picta var. Lorenz. 378. Galtonia candicans 501. Gartenbau -Ausstellung in Ra- tibor 389. Gartenbau -Ausstellung in Span- dau 389, 530. Gartenbau- Ausstellung in Turin 389, 515- Gartenbau -Ausstellung in Weis- sensee 419, 529. Gartenmöbel aus Naturholz 379. Gartenplan für einen Haus- garten 280. Gartenstyl, englischer und fran- zösischer 449. Gefüllte panachirt - blättrige Pflanzen 301. Genf, botanischer Garten 470. Geometra brumata 377 Georginenkultur in England 503. Gewächshäuser 344. Gewächshäuser-Fabrikanten 344. Glasgow, botanischer Garten 494. Granaten - Varietäten, zwei werth- volle 233. Guatemala, aus loi. Gurkenkultur in Frühljeeten 453. Gurkenzucht 452. Gynura aurantiaca 249. Hampton -Court 410. Handelspflanzen , empfehlens- werthe 53. Hatfield House 134, 185. Helleborus 504. Herrenhausen, das neue Palmen- haus im Berggarten daselbst 6. 69. 143. Sachregister. IX Holzwerk- Anstrich in Gewächs häusern 54. Hortensienkultur 499. Hyacinthus candicans 501. Hyacinthen, abgeschnittene 202. Jacobslilie 500. Johannisbeeren -Kultur 437. Johannisbeeren , empfehlens- werthe 439. Inipatiensgland uligeraRoyle53 1 . Inipatiens Roylei Walp. 531. Isola bella 318. Isola madre 315. Italienischer Blumenkohl 512. Kartoffelpfropf- Hybriden 207. Keimfähigkeit der Samen 420. Knollen -Begonien, gefüllt h\ü- hende 149. Knospenmissbildungen , verur- sacht durch Phytoptus 128. Koch's Herbarium 503. Krebs 395. Kultur der (^ljstl)äume im Topf 231. Kulturversuclie mit electrischem Licht 139, 244, 255. Lachenalia aurea I>indl. 421. Lachenalia luteola Jacq. 421. Lachenalia Nelsoni hört. 421. Lachenalia pendula Ait. 421. Lachenalia quadricolorjacq 421. Lachenalia tricolor Thunb. 421. Lagerstromia indica L. 502. Lagt) maggiore 223, 259, 315, 351- Landschaftsgarten 26. Lepere- Denkmal 503. Lilien etc. im wilden Garten 403. Lilium bulbiferum (monströse Blüthenstengel) 505. Linaria maritin>a iii. Literatur 465, 506, 541. Luculia gratissima Sweet 210. Luftdruck beim Keimen der Samen 460. Malmaisonrose, Vermehrung durch Wurzelabschnitte 537. Margelan, Anstalt für Forst- und Obst-Kuhur 88. 119. Marktpflanzen , empfehlens- werthe 53. Maulwurfsgrille 344. Mehlthau, falscher 503. Melonenbaum 305. Melonensamen, alter oder neuer 126. Mentha crispa 506. Mittel gegen Hasenfrass 376. Montbretia Pottsii Baker 159. Moorgärten 428 Negundo der Baumzüchter und der Dendrologen 121. Nepenthes Nortiana Hook fol. nov. spec 64. Nessler's Mittel gegen Blattläuse 378. Nicotiana affinis hört 253. Nordamerikanische Holzge- wächse, Einführung derselben in Deutschland 489. Nympjiaea zanzibariensisCasp. i. (Jberitalienische Seen, Klima und Vegetation 224. ( )ljstbäume, die ersten deutschen in Japan 48. 96. Obstbäume auf Mallorca 374. Obstbäume, Hebung der Un- fruchtbarkeit 330. Obstbaumtopf- Kuhur 231. Obstdörren nach amerikanischer Methode 39. Obsternte in Tiflis 148. Obstgarten im landschaftlichen Styl 45- Odier- Pelargonie 390 Oculation mit Spitzentrieben 376. Olivenbaum, starker 373. Orangengarten in Breslau 473- Orchideenkultur im freien Lande 461. Osmunda matricaria 506. Pallanza 259. Palmen, Nomenclatur und KuUurfähigkeit 178. Papageiblume 460. Papaver commufatum F'isch. et Äleyer 299. Papaver umbrosum hört. Petrop. 299. Pappeln in Obstanlagen 420. Passiflora coerulea 501. Perilla nankinensis macrophylla (Huber) 417. Peronosporaviticola deBary 503. Pflanzen, neue des Jahres 1881 50, 98, 150, 235, 307, 364. Pflanzen -Abbildungen 512. Pflanzen , neuere empfehlens- werthe 416. Pflanzenkultur mit elektrischem Licht 139, 244, 255. Pflanzenkultus im Zimmer 13, 65, "S- Philolendron pertusum 504. Photographien von Pflanzen 512. Phylloxera-Commission im Kau- kasus 492. Plantanenvermehrung 468. Prairierose 451. Prunus serotina pendula 462. Prunica grandiflora alba pl. 234. Punica Legrellei 233. Punica plenissima 234. Punica rubra grandiflora 234. Pyramidenakazie 373. Ramondia pyrenaica Rieh. 538. Reblaus -Konvention 55. 109. Reblaus im Rheinlande 249. Reiser-Aufbewahren 408 Rheum officinale Baill 462. Rheum palmatum tanguticum Rgl. 462. Rhipsaliden 458. Rhipsalis crispata Pfeiff. 458. Riesenbaisamine 531. Rosa rubifolia R. Br. 451. Rosengarten beim Neuen Palais in Potsdam 19. Rosen unter verschiedenen Namen 256. Rosen. Theerose Niphetos 412, Rosen. Theerose Souvenir d'un ami 412. Rosen von Becker-Lockstedt502. Rosen voni larms-Eimsbüttel 502. Rose ohne Dornen 505 ■ Salvia farinacea 306. Samenbauvereine in Schweden 374. Sanssouci, Haupteingang 24. Schädlichkeit der Pappeln in der Nähe von Obstanlagen 420- Scliyzostylis coccinea 461. Schneiden der Reiser 408. Selaginella grandis Moore 490. Sellerie, Behandlung desselb. 127. Siebold -Denkmal 504. Spaliergärten 45. Spaliergarten in Verbindung mit dem Wohnhause 45. Spinne, rothe 497. Sprekelia glauca Lindl. 513. Stachelbeeren, engl. Preis-, 438. Stachelbeeren- Kultur 437. Stachelbeeren, gewöhnliche eng- lische 438. Staphylea colchica Stev. 53. Stecklingskultur 390. TacsoniaParritaeMast.n sp 474. Teichgarten 428. Thladiantha dubia Bnge. 371. Tiflis, aus 147. Tiflis, Obsternte 148. Topfkultur der Obstbäume 231. Topfobstbaumzucht 91. Torfmüll bei derVermehrung 500. Trauertanne 406. Tritoma Mac Owani 53- Tritoma Saundersi 53. Tropaeolum speciosum Poepp. et Endl. 539. Tropinota sc^ualida L. 350. Tulpen, abgeschnittene 202. Turin, Gartenbau - Ausstellung 389, 482, 515. Turkestan, Anstalt für Forst- und Obstkultur 88, I19. Ulmen der Baumzüchter uud der Dendrologen 121. Veronica prostrata 5o6- Versetzen grosser Bäume 442. Vertilgung der Maulwurfsgrille 344- Vertilgung der Nacktschnecken 375- Villa Ada 357. Villa Clara bei Baveno 351. Villa Franzosini 354. X Tafeln und Holzschnitte. Vögel im Garten 441. Weidcngallmücke 312. Weihnachtsrose 504. Weinstock, grosser, zu Hampton- Court 410. Wiener Briefe 102. Wilder (iarten 35, 83, 130, 191, 215, 282, 331, 361, 403, 428, 440. Windsor, aus 200. WinterausstcUung am 15. Januar 1882 107. Wuchs, ungleicher, von Unter- lage unil Edelreis 55. Württembergischer Obstbau- verein 463. Wurzelpetersilie, kurze 328. Zinketiquetten von Girard-Col 471. Zapfensanmilung , Aufbewah- rung 512 Tafeln und Holzschnitte. Nymphaea zanzibariensis Casp. zu S. I. Abies Eichleri Lauche zu S. 63. Linaria maritima zu S. 1 1 1 . Cattleya Reineckeana Rchb fil und Monbretia Pottsii Baker zu S. 159. Tafeln. Pfropfhybriden von Kartoffeln zu S. ,207. Nicotiana afhnis zu S. 253. Papaver umbrosum zu S. 299. Wilhelm von Elsner's Sämling (Calvill) zu S 345. Frostbeschädigungen (2 Tafeln) zu S 391. Lachenalia Nelsoni hört zu S. 421. Anthurium pedato radiatum x leuconeurum zu S. 467. Sprekelia glaucaLindl zuS. 513. Holzschnitte. (Die vörstL'hi'iiili' ZitTer ln'zi'icliiu't dir Numnier des Holzsflunttes, die naclistehende die Seitenzahl.) 1. Nymphaea zanzibariensis Casp. 4. 2. Das neue Palmenhaus zu Herrehnausen bei Hanno- ver 7. 3. Grundriss des neuen Pal- menhauses zu Herrenhau- sen 8. 4. Clematis lanuginosa »Max Leichtlinx 12. 5. Palme (Latania borljonica) mit garnirtem Fuss als Zimmer-Dekoration 15. 6. Plan des Rosengartens beim Neuen Palais zu Potsdam 20. 7. Das Theehäuschen beim Rosengarten am Neuen Palais zu Potsdam 21. 8. Der Haupteingang des Par- kes von Sanssouci 25. 9. Chatsworth 33. 10. Obstdörre nach ameri- kanischem System 41. 11. Spahergarten in Verbindung mit dem Wohnhause 46. 12. Ein Obstgarten im land- schaftlichen Styl 47. 13. Ungleicher Wuchs von Unterlage und Edelreis 55. 14. Nepenthes Northiana Junge Kanne in nat. Gr. 64. 15. Nepenthes Northiana Aus- gewachsene Kanne in '/ö nat. Gr. 64 16. Vase mit Verschaffeltia Ale- lanochoetes H. Wendland 67. 17. Längendurchschnitt des neuen Palmenhauses zu Herrenhausen 70. 18. Das Innere des neuen Pal- menhauses zu Herrenhausen 73- 19. Das grosse Conservatorium zu Chatsworth (Grundriss) 78. 20. Das grosse Conservatorium zu Chatsworth (Ansicht von oben) 79. 21. Nectarine: Elruge, in Busch- form 92. 22. Birnpyramide: Gute Louise 92. 23. Pfirsichpyramide : Rivcr's frühe York 93. 24. Birnen-Halbstamm : Alexan- der 93. 25. Adhatoda cy^doniaefolia 112. 26. Cycas siamensis jVIiq. 113. 27. Phoenix farinifera Rob 117. 28. Triebe von Syringa vulgaris mit Knospenmissbildungen 129. 29. Längsschnitt durch eine Knospe desgl. 129. 30. Einzelne Milben 129. 31. Hatfield-House; südliche Hauptfront 135. 32. Hatfield-House; im Vine- gard Burg aus Taxus baccata 137. 33. Hatfield-House; im \'ine- gard. Thuja occidentalis mit Schleppmänteln 138. 34. Das Innere des Palmenhauses zu Herrenhausen 146. 35. Monbretia Pottsii Baker 161. 36. Blüthe def Dracaena Gol- dieana 163. 37. Bomarea Shuttleworthii Mast. (Blumen' 164. 37 a. Bomarea Shuttleworthii Mast. (Knollen) 165. 38. C Bouche (Portrait) 167. 39. Chamaedorea elegans Mart. 179- 40. Kentia Baueri 179. 41. Livistona australis Corypha australis) 181. Tafeln und Holzschnitte. XI 42. 43- 44- 45- 46. 47. 48. 49- 50. 51. 52- 53- 54. 55- 56. 57. 5S. 59- 60, 62. 63. 64. 65- 66. Phoenix dactylifera var. canariensis 183. Sabal Blackburnianuni Glazebrook 184. Trithrina aconthoconia Drude 184. Hatfield House ; Garten der wohlriechend. Pflanzen 186. Hatfield House ; Rosengarten 187. Jackmann'sche \\ aldreben - Hybride 193. Luculia gratissima Sweet. 210. Obstspaliere in einer Fabrik 218. Grundriss und Querschnitt des Lerot'schen Weinhauses in Vilvorde 1 Belgien 219. Doppelte Verrier - Palmette in Vincennes 221. Einfache Verrier -Palmette in Versailles 221. Terrassen derIsolabella225. Trichocentrum Pfavii Rchb. fil. 238. Leier, mit Rosen garnirt. Von A. Thiel 240. Blumenkissen Von A Thiel 240. Spiegel mit gelben Narcissen . Von A. Thiel 242. Füllhorn mit Amaryllis etc. Von C Schirm 242. Französische Kiepe mit Co- tillon-Bouquets. Von C. Schirm 243. 61. Nicotiana affinis hört. 253- Isola bella 261. Joseph Decaisne 269. Korb mit Theerosen und Veilchen Von Ch. Käper- nick 271. Tafelaufsatz mit Füllhörnern. Von A. W. Kunkel 272. Riesentafelaufsatz in Majoli- 67. 68. 69. 70 71. 72. 73- 74. 75- 76. 77. 78. 79. 80. 81. 82, 83. 84. 85. 86, 87. 88, 89. kavase. Von Otto Rumpf 273- Trauerkranz. VonE. Poltzien 274. Bouquet-Dauerständer. Von L. Ehrenbaum 275. Tafelaufsatz. Von Neumann & Droge 276. Blumentisch Von F Bluhm 277. Füllhorn auf einem Kissen von Epheublättern. Von Frau Marie Feuersenger 278. Dekoration eines Fenstervor- setzers. Von L. Ehrenbaum 279. Nachträgliche Abbildung eines Fächers. Von A. Thiel s. S. 241) 279. Plan eines grossen Haus- gartens 281. Charles Darwin 287 Aelterer Weinschnitt in Tho- mery 293. Neuerer Weinschnitt in Tho- mery 293. Gefüllte buntblätterige Tulpe 303- Carica Papaya L 305. Zerstörungen von Ceci- domyia saliciperda Duf. an Weiden 313. Grosse Treppe zu den obersten Terrassen der Isola bella 321. Partie von den oberen Terrassen der isola bella, mit der Aussicht auf Stresa 323- Athyrium fili.x femina 331. Aspidium angulare 332. Osmunda regalis 332. Polypodium vulgare 333. Polystichum filix mas. 333. Scolopendrium officinarum 334. Strutiopteris germanica 334 90. Italienisch. Blumenkohl 348. 91. Zweig des Erfurter Zwerg- Blumenkohls 349 92. Villa Clara bei Baveno 353. 93. Scolopendrium officinarum var. undulatum 361. 94. Athyrium filix femina var. Ehvorthi 363. 95. Frostspanner ^Geometra bru- mata) 377. 96. Kokosstrick zum Befestigen von Bäumen 380. 97. Lilium auratum 404. 98. Lilium speciosum 404. 99. Trauertanne 407. 100. Der grosse Weinstock zu Hampton -Court 41 1. loi. Columnea Kalbreyeriana 433- 102. Angraecum Eichlerianum n sp 435 103. Chamaepeuce Sprenger! Wittmack 440. 104 — 107. Vorrichtung zum Versetzen grosser Bäume 442. . 108. Asphodelus fistulosus 456. 109. Rhipsahs crisp. Pfeiff. 459. HO. Tacsonia Parritae Mast, n. sp. 474. III, 112. Selaginella grandis Moore 491. 113. Die projektirte neue Ge- wächshaus-Reihe im bo- tanischen Garten'zu Glas- gow 495. 114. Schizostylis coccinea 507. 115. Lilium longiflorum var. Harrisii 507. 1 1 6. Sprekelia glauca Lindl. 513. 117. Babiana rubro-cyanea Ker. 525- iiS. Babiana stricta Ker. 525. 1 19. Plan des Parkes der Buttes Chaumont zu Paris 533. Ramondia pyrenaica 538. Tropaeolum specios. 539. 120. 121. Nympliaea zanzibariensis Casp. Von Robert Caspary, Professor zu Königsberg i. Pr. Mit I Farbendrucktafel. il^litte April 1874 erhielt ich von dem leider kürzlich verstorbenen Afrika-Reisenden J. M. HiLDEBRANDT, dem ich einen kleinen Beitrag zu seiner Reise gegeben hatte, die Samen einer Nymphaea mit der Beischrift: «Insel Sansibar. In permanenten Regenteichen. Samen von Nymphaea stellata Wild? Nro. 901.» Ich hatte HiLDEBRANDT gebeten, mir Samen von Nymphaeaceen, eingeknetet in Lehm oder Thon zu senden, ja nicht trocken oder in irgend einer Flüssigkeit. Lehm oder Thon muss er wohl nicht gehabt haben, denn er schickte jene Samen eingelegt in weissen, kohlensauren Kalk, der mit Salzsäure stark braust. Der Kalk hatte auch in der That die Dienste des Lehms gethan, denn die Samen waren keim- fähig geblieben und entwickelten in Wasser und bei + 22'^ R. in einem Becken gehalten nach zwei Monaten zahlreiche junge Pflänzchen, die glücklich durch den Winter von 1874/75 kamen. 1875 wurden in 6 Schalen 7 grosse, kräftige Pflanzen zur Blüthe gebracht und nun zeigte es sich deutlichst, wie ich dies auch schon aus den länglichen Samen geschlossen hatte, dass die HiLDEBRANDT'sche Nymphaea nicht N. stellata war, welche fast kuglige Samen hat, sondern eine neue, die ich Nymphaea zanzibai'i- ensis benannte. Sie war allerdings der Nymphaea stellata W. (Andrews), wie auch der Nymphaea caerulea Savigny und besonders der Nymphaea capensis Thunberg ähnlich, aber doch von allen beträchtlich verschieden. Ich habe parallele Diagnosen von allen vieren in der Botanischen Zeitung von de Bary und Kraus schon 1877 S. 201 gegeben und will daher hier nur Nymphaea zanzibariensis beschreiben. Sie gehört zur Abtheilung Lytoplew'a, deren Charakter darin besteht, dass die Karpelle nur auf dem Rücken zusammenhängen und einer gemeinsamen Axe nach Innen auf- sitzen, auf den Seiten aber nicht mit einander verbunden sind (vgl. Caspary in: MiQUEL Ann. Mus. botan. lugdunobatavi Tom. II Fase. VIII 243). Sie gehört dann ferner zur Unterabtheilung Brachyceras , deren Karpelle auf dem Rücken oben in einen mehr oder weniger langen Fortsatz aus- laufen (vgl. Caspary a. O.) und deren Staubblätter lanzettliche Anhängsel haben. Garten-Zeitung 18S2. I 2. R. Caspary: Die Merkmale der Nymphaea zanzibariensis sind im Wesentlichen folgende: Blüthen-Knospe ziemlich breit, länglich -eiförmig. Zahl der Blüthentheile sehr gross, 219 im Mittel, in den Extremen 175 und 300. BUithen zwischen 25 — 250 vnii im Durchmesser. Kelchblätter kurz länglich, eiförmig. Breite : Länge = i : 2,3 — 3,0, Ränder in sanftem Bogen gegen die Spitze verlaufend; aussen tief grün, im oberen Dreiviertel oft braun-kermesin angeflogen, ungefleckt; die ungedeckten Randtheile tief braun-kermesin, die gedeckten aus Braun-kermesin in tiefes Violett gegen die Kante hin übergehend. Innenseite aller zu | — \ der Länge tief violett, Grund gelblich -grün. Blumenblätter 16 — 24, länglich umgekehrt -ei- förmig, die äusseren stumpflich, die innersten spitz und zugespitzt, alle gesättigt blau, Nerven dunkler, Grund weisslich. Staubblätter 126 — 242, Anhängsel gesättigt blau, wie die Linenseite der Antheren; Aussenseite der Antheren tief kermesin-violett. Staubfäden gelb, bei den äussersten Staubblättern länglich elliptisch , bei den innersten fast umgekehrt keil- förmig. Fruchtblätter 15 — 31; freier Theil länglich dreieckig, Breite: Länge = 1:2,5 — 2,8, allmälig zugespitzt, spitz. Der freie Theil der papillosen Fläche dreieckig. Breite: Länge = 1:1,2 — 2. Fruchtknoten und stigmatische Scheibe gelb, ersterer behaart. Frucht gelblich, abge- plattet kuglig; ihr Stiel unter ihr plötzhch stark verdickt. Samen schmutzig braun, elliptisch, länglich mit Warze an einem Ende, Breite : Länge = 0,75 nun: 1,2 uiin; = 0,80 ;/////: 1,45 ;//;//. Blatt kreisrund oder elliptisch kreisrund, gespalten herzförmig, schmal schildförmig, Breite des Schildes am Ausschnitt zur Lappenlänge = 1:9 — 17; Rand grob unregelmässig buchtig-zahnig, Zähne stumpflich, die Lappen in einen zugespitzten, wenig vorstehenden Zahn verlängert. Hauptnerven jederseits 10 — 12, Hauptmasche*) meist sehr verlängert, selten kürzer; ihre Länge zur halben Blattbreite = 1:1,1 — 1,7; die Jüngern Blätter sind oben undeutlich schmutzig-schwärz- lich gefleckt, die älteren grün, unten graugrün, mehr oder weniger violett angeflogen, Nerven grünlich. Die Blüthen gehen in den besten Sommermonaten erst gegen 11 Uhr Vormittags auf und' schliessen sich gegen 5 Uhr Nachmittags; sie sinken erst unter Wasser, nachdem sie sich 5 Tage hinter einander geöffnet haben. Die Blüthe der N. zanzib. öffnet sich erst 3 — 4 Stunden später als die der verwandten Arten, bleibt dafür aber auch um 3 — 4 Stunden länger ofi"en. In Bezug auf Einzelnes füge ich noch nähere Angaben hinzu. Von den Kelchblättern ist das innere das schmälste- In einer *) So nenne ich diejenige Masche des Nervennetzes, die von dem Nerven ersten Grades, der auf dem Mittehierv am Einsatzpunkte des Blattstiels senkrecht steht, dem zunächst darüber befindlichen Nerven ersten Grades und den Nerven 2., 3. und höheren Grades begrenzt ist, in welche sich diese beiden Nerven ersteren Grades verzweigen. Die Hauptmasche ist bei ver- schiedenen Arten von Nymphaea von verschiedener Länge und dient daher als Unterscheidungs- zeichen. Nymphaea zanzibariensis Casp. Blüthe z. B. hatte das äusserste Br. : Lg. =■- 37 ;//;//: 82 inin\ das linke = 38 mm : 847/im; das rechte = 37 mm : 84 ;//;//; das innerste dagegen nur 30 mm: 84 inm\ sein Rand ist sehr breit gedeckt und daher bis 12 mm breit braun-kermesin und kermesinblau (an der Kante) gefärbt. Aussen haben die Kelchblätter 7 sichtbare Hauptnerven, die im oberen Theil stärker vertieft sind; kleinere Blüthen haben nur 5; zwischen den stärkeren stehen 8 (in kleineren Blüthen nur 6) schwächere Nerven, die sich weiter nach dem Grunde zu durch eine seichte Furche kenntlich machen, als die Hauptnerven. Die Innenseite lässt die Nerven deutlich als dunklere Linien er- kennen; sie sind zahlreicher als auf der Aussenseite (Bild 3), da die Ober- seite die seitlichen gar nicht zeigt. Am Grunde des Kelchblattes steht noch immer zwischen je zwei längeren ein kürzerer, so dass 32 Nerven und mehr am Grunde vorhanden sind. Die äussern Kelchblätter haben nie, wie das bei Nym. capensis gewöhnlich ist, unten am Grunde eine Falte. Die Blumenblätter wechseln von 16—24. Die vier äussersten grössten stehen im Quirl abwechselnd mit den 4 Kelchblättern; sie sind in der Mediane auf dem Rücken kermesinbraun über dem Grunde, oder so nur die 2 äussersten. Dann folgt ein Quirl von 8 etwas kleineren Blumenblättern, die paarweise mit den vier äusseren Kelchblättern wechseln. Darauf folgt abwechselnd mit diesem zweiten Quirl ein dritter noch kleinerer achtzähliger. Oft ist dieser nicht mehr ganz entwickelt, sondern nur zum Theil und zwar nur auf der Vorderseite und auf den Seiten der Blüthe. Von einem vierten Quirl, der mit dem dritten abwechselt, sind nur, wenn überhaupt, einzelne Blumenblätter entwickelt und zwar ebenfalls nur auf der Aussenseite der Blüthe, selbst in dem Fall bisweilen, dass der dritte Quirl nicht vollständig ist. Die Blumenblätter haben alle ausser denen des vierten innersten Quirls fünf Hauptnerven , die sich durch dunkleres Blau auf der äusseren Seite bemerklich machen. Die Stellung der Staubblätter, deren Zahl in den grössten Blüthen am grossesten, in den kleinsten am kleinsten ist, liess sich nicht ermitteln; sie erscheint in den obern Staubblättern schraubig, die untersten zeigen jedoch hin und wieder einen deutlichen achtzähligen Quirl, der mit dem vorhergehenden dritten der Blumenblätter abwechselt. In sehr grossen Blüthen zieht sich das Kermesin -Violett der Rückseite der Antheren auf das gelbe Filament der grossesten äusseren Staubblätter in der Mediane und am Rande bis zur Mitte hinunter; auch die Innenseite des Filaments ist oben auf gelbem Grunde blau angeflogen; unten hat es bei grossen Blüthen jederseits 1—2 P^alten. Der Blüthe nstaub ist gelb fürs blosse Auge, farblos unter dem Mikroskop bei durchfallendem Licht. Die Körner sind abgeplattet kuglig, ganz glatt, mit grossem Kern. Der Spitzenanhang der Staubblätter ist bei den äussersten lanzettlich, etwa 7 mal so lang als breit, dicker in der Mitte auf der Innenseite. Diese Verdickung nimmt im Verhältniss zur Breite und zur Verkürzung des Anhangs bei den mehr nach innen stehenden Staubblättern stetig zu und wird zum Kiel und zwar I * R. Caspary: Fig. I. Xymphaea zanzibariensis Casp. Bild I. Ziemlich grosse, sich bald öffnende Knospe vom äussern Kelchblatt aus gesehen. — 2. Eine kleine, dem Aufbrechen nahe Knospe, vom innern Kelchblatt aus gesehen. — 3. Aeusseres Kelchblatt einer mittelgrossen BlUthe von innen. — 4. Blumenblatt des äussersten 4zähhgen Quirls. — 5. Eins des 2. 8 zähligen Quirls. — 6. Eins des 3. Quirls. — 7. Eins des 4. Quirls. — S. Eins der äussersten Staubblätter, a von innen, b von der Seite. — 9., 10., II., 12., 13. Staubblätter in abnehmender Grösse; 13. innerstes; a und b wie bei Bild 8. — 14. und 15. Ein Blüthenstaubkorn von verschiedenen Seiten. — 16. Fruchtknoten einer mittel- grossen Bliithe am ersten Tage des Blühens. — 17. Vier stigmatische Strahlen von oben. — 18. Frucht, in halber Grösse. — 19. Samenknospe; a Wulst, aus dem sich später der Arillus erhebt. — 20- und 21. Samen; 20. gewöhnlichste Form; 21. seltenere, sehr kurze. Nymphaea zanzibariensis Casp. 5 SO stark, dass der Anhang bei den innersten, kleinsten Staubblättern dicker als breit ist, eine Verdickung, die sich auch in dem obersten Theil des Connektivs zwischen den Staubbeutelhälften fortsetzt, so dass diese seitlich im obern Theil zu stehen kommen. Die äussersten Staubblätter brechen zuerst auf, die innersten am letzten Tage des Blühens zuletzt, wie bei der ganzen Abtheilung Lytopleura. Die Staubbeutel machen mit dem Faden ein Knie, welches nach aussen liegt. Die Spitzenfortsätze der Fruchtblätter sind am ersten Tage der Blüthe gerade und schief nach hinten aufgerichtet (Bild 16), krümmen sich aber allmälig ein, so dass sie in der Frucht hakig gestaltet sind. Die anatropen Samenknospen (Bild 19) sind länglich, mit 2 Integumenten versehen und haben schon einen Ansatz zum Arillus (Bild 19, a). Die Blüthe kann sich nicht selbst befruchten, da der Blüthenstaub der äussersten Staubblätter, die zuerst aufbrechen, durch die zahlreichen davorstehenden übrigen Staubblätter auf die Narbe zu gelangen verhindert Avird. Die Pflanze bringt daher bei uns ohne künstliche Bestäubung durch Menschenhand keine Frucht. Die Bestäubung muss am ersten Tage des Blühens , an welchem Tage das Narbenwasser reichlich vorhanden ist, während es schon am zweiten Tage ausbleibt, wie bei allen andern Arten der Gattung Nymphaea, vollzogen werden; Bestäubung, am zweiten oder den folgenden Tagen ausgeführt, bewirkt keine Befruchtung. Nach dem fünften Tage der Oeffnung sinkt die Blüthe unter Wasser und es entsteht eine abgeplattete kuglige bis 56 vidi hone und 67 inin breite gelbliche Frucht, welche von den noch während der Fruchtreife etwas vergrösserten grünen, sehr steifen und ledrigen Kelchblättern gedeckt wird. Ich habe eine Frucht gehabt, bei der die Entfernung zwischen den Spitzen des äussersten und innersten Kelchblatts gegen 350 min, d. h. etwa 13^ Zoll mass. Sehr bemerkenswerth ist die starke Verdickung, die der Blüthen- stiel dicht unter der Frucht erlangt (Bild 18). Diese Verdickung fällt plötzlich in den gewöhnlichen Durchmesser des fast walzigen, mit 6 Haupt- luftgängen durchzogenen Blüthenstiels ab. Die Samen, von denen viele Tausende in einer Frucht vorhanden sind, besitzen 1 5 — 24 meridiane Reihen von kurzen Haaren, die gegen die Mitte des Samens meist unterbrochen sind (Bild 20 u. 21); die auf der andern Hälfte stehenden Reihen sind oft mit denen der ersten abwechselnd. Die Blattspreite wird gegen 2 F'uss lang und breit; dem Blattstiel sitzt am Grunde eine zweispaltige oder zweitheilige Stipula auf, deren Lappen in lange, fast lanzettliche Spitzen oben ausgezogen und die zugleich als 2 Flügel der eiförmig- walzigen Knolle, welche das Rhizom bildet, ein- gefügt sind. An Grösse übertrifft Nymphaea zanzibarienses alle Verwandten. Die Blüthen habe ich bis 9 Zoll im Durchmesser und darüber gehabt; es sind immer 2 bis 3 zugleich vorhanden. Die Blätter werden auch grösser, als die der andern verwandten Arten und sind sehr zahlreich vorhanden. R. Caspary: Nymphaea zanzibariensis Casp. Selbst Nymphaea gigantea habe ich nie so grossblumig als Nymphaea zanzibariensis gehabt; auch kann sich Nymphaea gigantea mit ihrem ver- waschenen lichten Violett, das die meisten Blumenblätter haben, mit der tiefen, reichen Fülle des Blau und Violett der Nymphaea zanzibariensis nicht messen. Es giebt wohl wenige andere Pflanzenarten, die in Bezug auf Grösse und Ueppigkeit der Blätter und Blüthen von Nahrung, Raum, Mass des Lichts und der Wärme, die man ihnen zukommen lässt, so auffallend ab- hängig sind, wie die der Gattung Nymphaea und ganz besonders Nymphaea zanzibariensis. Wird eine Knolle allein in die Mitte eines grossen Kastens von i6 Ouadratfuss Fläche und i^ Fuss Höhe, gefüllt mit guter Garten- erde, der alter nicht mehr stinkender trockner Kuhdünger beigegeben ist, gesetzt, und der Kasten- bei + 23"^ R. in grossem Becken und vollstem Licht ohne alle Deckung mit der Erde 5 — 6 Zoll unter dem W^asserspiegel gehalten, so wird die Pflanze riesig gross, mit Blättern von 2 Fuss Spreiten- länge und Blüthen von 9 Zoll und mehr Durchmesser. Setzt man eine Knolle, aus derselben Aussaat und Frucht gezogen, in eine flache Schale von etwa 15 Zoll Durchmesser bei sonst gleichen Verhältnissen, werden die Blätter und Blüthen nur halb so gross; zieht man eine Pflanze desselben Ursprungs in kleinem Topf von 8 Zoll Durchmesser, erreichen die Blüthen kaum I Zoll in der Spanne. Man hat die Grösse und Ueppigkeit der Pflanzen also völlig in seiner Gewalt. Anmerkung. Das Original zu unserer farbigen Tafel ist von Frl. ]M. ScHLEGEL nach einem Exemplar gemalt, das im Borsigschen Garten im Freien, in einem mit etwas warmem Wasser gespeisten Teiche gezogen und von Herrn Gartenbau-Direktor Gaerdt freundlichst zur Verfügung gestellt wurde. D. Red. Das neue Palmenliaus auf dem Königl. Berggarten zu Herrenliausen. Entworfen und ausgeführt vom Hof-Bauinspector AuHAGEX. aV^achdem das im Jahre 1848 nach den Plänen des weil. Ober-Hof- Baudirectors Laves erbaute Palmenhaus den Bedürfnissen nicht mehr ge- nügte, weil theils einige der bedeutendsten Palmen, wie z. B. die Livi- stona australis, Livistona chinensis und mehrere andere bei einer Höhe von 15,0 bis 17,5 ;// schon bis zur äussersten, durch die Höhe des Ge- bäudes und die Tiefe des Grundwasser-Standes gezogene Grenze in trichter- förmigen Gruben versenkt waren, theils aber die Zahl der Pflanzen im Laufe der Jahre sehr bedeutend sich vermehrt hatte, wurde schon im Jahre 1875 im Auftrage der Königlichen Verwaltungs-Commission vom Verfasser ein Plan zur Erbauung eines neuen Palmenhauses von gross- artigem Umfange ausgearbeitet, dessen Lage und Dimensionen von einer besonders dazu berufenen technischen Commission festgestellt waren. Ob- Das neue Palmenhaus zu Herrenhausen. wohl dieses von der Superrevision zwar vereinfachte, aber immerhin sehr umfangreiche Project bereits die höhere Genehmigung gefunden hatte, wurde doch von der Ausführung desselben aus nicht weiter bekannt ge- wordenen Gründen Abstand genommen, bis endlich im Jahre 1878 die Frage wegen Erhaltung jener prachtvollen und das Interesse des Publikums immer mehr erweckenden Palmen sich immer entschiedener geltend machte Fig. 2. Das neue Palmenhaus zu Herrenhausen bei Hannover. und ZU dem Beschlüsse führte, das alte Palmenhaus durch einen Erweite- rungsbau zu vergrössern. Dieser Erweiterung wurden jedoch leider sehr beengende Grenzen gezogen, besonders auch durch die örtlichen Verhält- nisse deshalb, weil man der Ansicht war, dass durch eine Verläng-erunMax Leichtlin«. 200 Sorten entlialtenden Sortiment nicht existirt, bestimmten mich sofort, diese Neuheit zu acquiriren und in Vermehrung zu nehmen, so dass ich Fig. 4. Clematis lanuginosa »Max Leichtlini. im Frühjahr 1882 im Stande sein werde, dieselbe in den Handel geben zu können. Ueber den Ursprung dieser Sorte schreibt mir Herr M. L. etwa Folgendes-. »Vor mehreren Jahren empfing ich von Herrn J. ANDERSON Henry in Edinburgh Samen von seiner besten befruchteten Clematis mit A. Gaerdt: Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. 13 der Aufforderung, sie anzubauen; dies geschah und aus vielen hundert Sämlingen ist nun vor 2 Jahren die Ihnen gesandte weisse Varietät als etwas Hervorragendes gefallen.« Clematis »Max Leichtlin« gehört zur Lanuginosa-Klasse, in welcher, nach dem in meinem Verlage erschienenen Buche »die Clematis« Seite 8, Herr ANDERSON Henry bisher die hervorragendsten Resultate erzielte und zwar ganz besonders in Bezug auf Grösse, wovon die weisse C. Lawsoniana und die dunkelblaue C. Th. Moore, die beide 24 cm gross werden, beredtes Zeugniss geben. Die Blumen vorstehender Neuheit erreichen dieselbe Grösse, wie letztgenannte, haben aber dadurch, dass sich die schön abge- rundeten Fetalen einander voll und fast in ihrer ganzen Länge überdecken, ein schön geschlossenes scheibenartiges Aussehen, während die Blume der alten Varietäten dadurch, dass sich die lanzettlich geformten Fetalen nur leichter decken, sternartig, nicht so consistent und daher weniger effectvoU erscheint. Die Farbe ist rein schneeweiss und nimmt an Intensivität gegen Ende der Blüthe noch zu. Ihr Blüthenreichthum ist ein in dieser Klasse noch unerreicht grosser. Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. Von A. Gaerdt, Kgl. Gartenbau-Direktor, Berlin. '^^n der wunderbaren Entwicklung- der in unzähligen Gestaltungen auf- tretenden Fflanzenwelt erblickt und erkennt der denkende Mensch das ge- heimnissvolle Wirken der unsichtbaren, ewig schaffenden Naturkraft. Die lieblichen, bis zu gigantischen F^ormen sich ausdehnenden Blätter, ausge- stattet mit reichem F'arbenlüstre, fesseln den Geist zur steten Bewunderung; an der Fracht der Blüthen erfreut, an dem weit in die Lüfte sich ver- breitenden Duft labt und erquickt sich der Mensch, ohne Unterschied des Standes. Der Sinn für Blumen und Fflanzen ist den meisten Menschen von der Natur gegeben, aber die Fflanzen- und Blumenliebe entwickelt sich mit dem geistigen Fortschritte. Das Verlangen, sich mit Fflanzen und Blumen zu umgeben, nicht blos den Garten, sondern auch Zimmer und Fenster damit zu schmücken, ist ein ganz allgemeines, in allen gebildeten Menschen lebendiges. Wer hat nicht so gern sein Blumentöpfchen am Fenster, selbst wenn auch zeitweise der Blumentopf die Hauptsache bleibt und das Fflänzchen darin eine traurige Gestalt darstellt, ein klägliches Dasein fristet. Von dem so allgemeinen edlen Verlangen nach Fflanzen und Blumen und dem Kultus derselben sieht man vielleicht nur da Ausnahmen, wo 14 A. Gaerdt: Indifferentismus , verknöchertes Philisterthum oder Blasirtheit einzelne menschliche Wesen umstricken. Mehr oder weniger ist in allen diesen Fällen die Goldsucht anstatt des Blumenkultus das Alpha und das Omega des Denkens und Trachtens der Geister. Doch fragen wir uns: Wo und von wem wird vorherrschend der Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer im wahren Sinne des Wortes ge- übt und gepflegt? — Die Antwort wird meist sein: >• Nicht da, wo durch eine Hand voll Gold die schönsten Pflanzen und Blumen zu jeder Zeit zu beschaffen sind; nicht da, wo das Gemach vermittelst einer einzigen Spiegelscheibe Licht erhält, wo die Wände mit theuern Gobelins ge- schmückt werden, nicht da, wo die Pflanze nur als Lückenbüsser, ohne Rücksicht auf ihre Lebensbedingungen, in den Winkeln als dekoratives Material behandelt wird, auch nicht an den Orten, wo Unwissende beim Reinigen der Zimmer die Blumentische mit ihrem Schmucke ans offene Fenster schieben, um sie in Staub zu baden, gleichviel, ob das Thermo- meter lO Grad über oder unter dem Nullpunkt zeigt. Nein, die wahre Liebe für Pflanzen und Blumen im Zimmer und für die Kultur derselben finden wir meist in den einfachen Wohnungen und von Solchen geübt und gepflegt, denen es aus dem einen oder dem andern Grunde versagt ist, sich eigene Tempel für diesen Kultus ihrer Neigungen zu errichten. Daher auch die Huldigung des Blumenkultus in allen Kreisen des gesellschaft- lichen Lebens überall da, wo das Herz und der rechte Sinn dafür waltet, besonders in dem herzlich gepflegten Heim des Bürgerthums , aber auch in der schmucklosen Hütte des Armen bis hinauf in das enge Dachstüb- chen der Almosenempfängerin, und zwar oftmals an dieser Stelle mit Be- geisterung und Zärtlichkeit ausgeübt. Als Beispiel zu dem Letztangeführten dürfte es wohl von Interesse sein, eine darauf bezügliche Anekdote, welche, wenn ich nicht irre, von dem Präsidenten des Gartenbaues in Bloomsbury, Bayley, erzählt wird, und später von E. BoESE im 8. Jahrgange der KocH 'sehen Wochenschrift mitgetheilt wurde, hier zu reproduziren; sie lautet: >Tn der Dachkammer eines Hauses, wo in jedem Zimmer eine P"a- milie lebte, wohnte eine bejahrte Frau, deren Einnahme kaum ausreichte, um ihr Leben zu fristen. Bei aller Aermlichkeit bemerkte der Präsident mit nicht geringem Erstaunen eine Erdbeerpflanze grünend und blühend in einer zerbrochenen Theekanne auf dem P"ensterbrette stehend. Da er seine Besuche wiederholte, überzeugte er sich auch bald, dass die Erd- beerpflanze in der That mit grosser Sorgfalt gepflegt wurde, lünes Tages sagte er zu der armen Frau: >Ihre Pflanze befindet sich im vorzüglichen Zustande; gewiss werden Sie bald die P^reude haben, einige reife P2rdbeeren daran zu finden.« »Nicht der Früchte wegen liabe ich die Pflanze,« ant- wortete die Frau. ^Und doch verwenden Sie auf ihre Kultur so viel Sorg- falt?« war die erneute Frage des Präsidenten. >Sehen Sie, mein Herr,« enviederte die Frau, yich bin sehr arm, so arm , dass ich kein anderes le- Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. 15 Fig. 5. Palme (Latajiia borlwnica) mit garnirtem Fuss als Zimmerdekoiation. l5 A. Gaerdt: bendes Geschöpf um mich halten kann, da habe ich denn die Erdbeer- pflanze, die mich weiter nichts kostet, als Sorgfalt, und ich freue mich, dass sie dabei so gedeiht. Ich habe etwas, was ich mein nennen kann, und woran meine Pflege nicht umsonst verschwendet ist.« Im Verfolg unserer Aufgabe gelangen wir nun zu der Frage: Wer ist das Wesen, welches in weit überwiegender Weise dem Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer huldigt? — Man wird leicht zu der Antwort ge- langen, dass es das mit Schönheitssinn ausgestattete zarte Geschlecht ist. Dies Anerkenntniss wird jeder Sachkenner und Fachmann aus der Er- fahrung bestätigen können. Wie oft werden nicht gerade von dieser Seite her die verschiedensten Fragen über Pflanzenpflege an den Praktiker gerichtet! Da heisst es: Wie soll ich meinen Myrtenbaum behandeln? Was thue ich mit meiner Camellie, sie verliert Knospen und Blätter? Was fange ich an mit meinen Alpenveilchen, sie wollen nicht wieder blühen? Meine Palme bekommt gelbe Blätter. Wie oft muss ich diese oder jene Pflanze begiessen? In diesem unermüdlichen Suchen nach Be- lehrung und Aufklärung Hegt sicherlich der Beweis, dass die Natur das schöne Geschlecht ausgestattet hat mit Sinn und Liebe für Pflanzen ^und Blumen, um sie mit Begeisterung zu pflegen. Es ist eine innige Harmonie, welche zwischen der zarten Frauenwelt und der schönen Blume waltet. Dankbar ist die Pflanze, die Blume dafür auch ganz besonders gegen das zarte Geschlecht. Sind doch Blumen und Blätter der vortheilhafteste Schmuck für das weibliche Wesen! Ist doch der Myrtenkranz auf dem Haupte der Jungfrau ein viel edlerer Schmuck als die Schnur von Brillan- ten am Halse! — Aber auch abgesehen von diesen Idealen sind die Pflan- zen und Blumen im Zimmer dankbar gegen ihre Pflegerinnen und tragen unter gewissen Verhältnissen in ihrer Einfachheit zur Erhöhung der Anmuth der weiblichen Wesen bei. Ich komme hier auf das Urtheil eines geistreichen Autors. In einer Abhandlung über Pflanzen im Zimmer im 7. Bande der 5- Natur« schreibt H. BETTZICII-Beta: >^ Die Töchter sehen, zwischen Pflan- zen und Blumen am Nähtisch oder mit der Giesskanne als holde Stuben- mädchen reizender, häuslicher und geschickter zum Frauenthume aus und bekommen eher einen Mann aus ihren Anbetern, der gewiss auch besser ist als der, der aus der Ballgesellschaft hervorgeht.« In derselben Ab- handlung an anderer Stelle heisst es: ;^Die Köpfe der P'rauen und Mäd- chen, hinter der blanken Scheibe, halb versteckt durch Pflanzen und Blumen, sehen stets viel hübscher aus. Der Romantiker und Idealist ge- messt dabei den Vortheil, zu glauben, dass viel mehr dahinter steckt.« Bezüglich der Duldung der Pflanze© und Blumen im Wohnzimmer herrschte hin und wieder, wenn auch nur vereinzelt, eine gewisse Abnei- gung , weil man anzunehmen geneigt war, dass der Aufenthalt bei Gegen- wart von Pflanzen der menschlichen Gesundheit nicht dienlich sei. Es mag dies wohl zutrefiend sein bei einem langen Aufenthalte im geschlosse- nen Zimmer, in dem sich massenhaft starkduftende l^lumen befinden; in- Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. 17 dessen ist es anders mit nicht duftenden Blumen und den beblätterten Pflanzen. Wenn auch die luftverbessernde Eigenschaft der Pflanzen im Zimmer von einzelnen Seiten bestritten wird, so ist es doch Thatsache, dass unter dem Einflüsse des Lichtes die Pflanze Sauerstoff ausscheidet und in die Atmosphäre abgiebt, welcher zur Herstellung des Gleich- gewichtes der Luftbestandtheile dient. P^s unterliegt keinem Zweifel, keinem Bedenken, dass die Pflanzen mit ihrem saftiggrünen , theils buntgefärbten Laubwerke nicht allein eine angenehme Befriedigung dem ästhetischen Sinne gewähren, sondern auch in sanitärer Beziehung ein der Gesund- heit förderlicher Schmuck des Zimmers sind. Werden doch ganz beson- ders zur Aufstellung in Krankenzimmern die Fieberbäume (Eucalyptus- Arten) empfohlen. Ich wünschte wohl, Herr Geh. Rath ViRCHOW würde einmal eine Pflanze in sanitärer Beziehung als werthvoU für's Zimmer er- kennen und empfehlen! Die Erde hätte dann nicht genug von dieser, so viele würden verlangt werden. Weit entfernt, die Nützlichkeit der Pflanzen in der Nähe des Menschen aus dem Leben der ersten Menschen im Garten Eden herleiten zu wollen, die wohl nicht in Wohnhäusern unserer Art sich befanden, sondern unter der Fülle und dem Reichthum allerlei Pflanzen wohnten, von ihnen lebten, sich damit kleideten, steht doch unzweifelhaft fest, dass Pflanzen in der Nähe des Menschen, auch in den Zimmern, einen wohlthätigen Einfluss auf das geistige wie auf das körperliche Wesen desselben ausüben; aller- dings mit Ausnahme des Manzanillo, wie des Giftbaumes, welche beide wohl zu den ausserparadisischen Pflanzen gehören. Wir kommen nun zu der Frage: Was gehört denn in erster Linie zu der Pflanzen- und Blumenpflege, nicht nur in den Glashäusern, sondern auch ganz speciell in den Zimmern? — Die Antwort ist: Nachdenken über das Leben und Wesen der Pflanze selbst. — Niemand kann Pflanzen pflegen, ohne dabei zum Nachdenken gezwungen zu werden. Da wo man mit Nachdenken Pflanzen in den Zimmern pflegt, sind sie dankbar gegen die kleine Mühwaltung und geben solches durch freudiges Gedeihen im vollsten Masse zu erkennen. Da, wo die erste Grundbedingung erfüllt ist, werden die anderen, tech- nischer Art, von selbst gefunden. Wir wollen nichts desto weniger einige derselben erwähnen. Zunächst ist es die Luft. Wie den Menschen, so ist auch den Pflanzen die Erneuerung und Zufuhr frischer Luft ein Bedürf- niss, jedoch vermeide man bei den einen wie bei den anderen die Zug- luft; sie ist für beide gleich gefährlich. Und doch wird grade gegen diesen Faktor oftmals recht viel gesündigt. Viele glauben den Pflanzen eine Wohlthat zu erzeugen, wenn sie diese ohne Rücksichtnahme auf die äusseren Temperaturverhältnisse direkt in die geöfi"neten Fensterräume stellen. Derartige Experimente müssen unter allen Umständen vermieden werden, denn man muss doch erwägen, dass beim Lüften der Zimmer die Garten-Zeitung 1SS2. 2 A. Gaerdt: Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. frische Luft überall ihren Weg hin findet und sich im ganzen Zimmer ver- breitet, auch an die Stellen, wo Zugluft ausgeschlossen ist. Gleich der Luft i.st das Licht für die in den Zimmern gepflegten Pflanzen eines der wichtigsten Erfordernisse zum Gedeihen. Alles Leben strömt dem Lichte zu, so auch die mit Bl.ättern ausgestattete, in steter Vegetation sich befindende Pflanze. Das Streben nach dem Lichte ist bei dieser ein um so regeres, weil es ihr in den Zimmern nur seitlich, nicht von oben, wie in der freien Natur oder im Glashause, zuströmen kann. Aus diesem Grunde haben auch alle Pflanzen in den Zimmern die Neigung zu einer einseitigen Gestaltung, sofern nicht durch öfteres Um- drehen der Individuen dieser Neigung vorgebeugt wird. Nur unter dem PLinflusse der Lichtes erhält das saftige Grün, die farbige Blume das richtige eigentliche Colorit. Man begnüge sich daher in den Zimmern mit weniger Pflanzen, um jede einzelne möglichst reichlich die Wohlthaten des Lichtes geniessen zu lassen. Im Bunde die dritte, als Ilauptbedingung zum Gedeihen wie zur Er- haltung der Pflanzen im Zimmer, ist »Reinl ic hkeit:< im weitesten Sinne zu nennen. Reinlichkeit ist es, welche für die Gesundheit des Menschen die erste Nothwendigkeit ist; Reinlichkeit ist es auch, welche die Ent- wicklung der Pflanzen wesentlich fördert. Staub und Insekten sind zwei der Reinlichkeit und dem Pflanzenleben feindlich gegenüber stehende Er- scheinungen. Staub erzeugt sich fortwährend in den Zimmern, setzt sich überall an und lagert sich auf den Blättern der Pflanzen ab. Staub ist es, welchen die sorgsame Hausfrau täglich von den Möbeln und anderem Zimmerschmucke aufs Sorgsamste zu entfernen sucht und wegen dessen sich mancher dienstbare Geist einen Verweis zuzieht. Mehr noch, wie von den todten Möbeln und Zimmerzierden ist es nothwendig, von den lebenden Pflanzen den Staub zu entfernen. Der Staub auf den Möbeln verletzt den Reinlichkeitssinn; Staub auf den Pflanzen hat Krankheiten und das Absterben derselben im Gefolge. Sicherlich werden die Pfleger und Pflegerinnen der Pflanzen in den Zimmern den Staub als bösen Feind der Pflanzen mit allen Mitteln und aller Macht zu bekämpfen suchen, wenn sie wissen, dass die Blätter wichtige Funktionen zu verrichten haben. Die Blattei» dienen einmal zum Athmen, sie verrichten, wenn ich vergleichend sprechen darf, die Dienste, welche im thierischen Körper der Lunge ob- liegen ; sie dienen aber andererseits auch zum Essen, denn mit den Blättern nimmt die Pflanze bei Tage die Kohlensäure, welche Menschen und Thiere ausathmen, auf, behält davon den Kohlenstoff und bildet daraus unter Zu- hilfenahme von Wasser Stärke, während sie den Sauerstoff, der neben Kohlenstoff in der Kohlensäure enthalten ist, wieder in die Luft entlässt. Die Athmung selber erfolgt wie bei Menschen und Thieren. Es wird Tag und Nacht Sauerstoff eingeathmet und Kohlensäure ausgeathmet. Zu diesem Beluife hat die Natur die Blätter mit einer grossen Anzahl von Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Kronprinzessin. jq Spaltöffnunijen versehen, welche auch Poren genannt werden. Man wird in Erstaunen versetzt, wenn man Hest, dass Dr. LiNDLEV beispielsweise die Anzahl derselben auf einem Quadratzoll der Oberhaut von Crinum amabile auf ca. 40 000 schätzte. (Wird fortgesetzt.) Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Kron- prinzessin beim neuen Palais zu Potsdam. '"^^^^Vy eiligen der Besucher Potsdams wird das Glück zu Theil, auch die Stätte betreten zu dürfen, in denen die Höchsten Herrschaften sich der Pflege des Gartenbaues in ungezwungenster Weise hingeben, wo sie, entrückt dem Gewühle der Menge, nach des Tages Arbeit ihre Er- holungsstunden suchen. Unmittelbar vor dem neuen Palais, durch dichte Hecken den neugierigen Blicken entzogen, findet sich das Tusculum ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin, ihr Rosen- garten, mit dem in nächster Nähe gelegenen Theehäuschen. Der Roseno-arten selber ist bereits in dem trefflichen Gärtnerischen Skizzen- o buch vom Königlichen Hofgärtner Th. Nietner durch einen Plan veran- schaulicht und darauf in dessen Prachtwerk »die Rose« *), einer Schrift, die in Bezug auf künstlerische Ausstattung ihres Gleichen sucht, wieder- gegeben worden; wir glauben aber den zahlreichen Lesern unserer Zeit- schrift, von denen wohl manche nicht im Besitz dieser künstlerischen Schöpfungen unseres NiETNER sein werden, einen Dienst zu erweisen, wenn wir auch an dieser Stelle noch einmal den Plan jenes Gartens mittheilen und ihn zur Orientirung für eine zweite bisher noch nicht er- schienene Abbildung, für die des erwähnten Theehäuschens mit seiner ge- schmackvollen Umgebung benützen. Ueber den Rosengarten bemerkt NiETNER I.e.: »P'riedrich der Grosse hatte bald nach dem Bau des Neuen Palais in unmittelbarer Nähe des- selben Obstgärten anlegen lassen, welche, von hohen Buchenhecken ein- gefasst, in von einander abgesonderte Quartiere von 2 — 3 Morgen P'lächen- inhalt getheilt wurden. Die Obstbäume verschwanden mit der Zeit und die zu mächtigen Wänden heranDie Kose, ihre Geschichte, Arten, Cultur und Verwendung nebst einem Verzeichniss von fünf- tausend beschiiebenen Gartenrosen. Von Th. Nif.TNER, Königl. Hof^ärtner in Potsdam. Mit 106 Holzschnitten im Text und 12 Farbendruckbildern nach Aquarellen von Maria Endeli.. Ein prachtvoller Quartband. Preis cart. 30 Mark. Geb. mit Goldschn. Preis 35 M. i>Gär/nerisches Skizzenhttch. In Verbindung mit Fachgenossen herausgegeben von Th. Niet- ner, Königl. llofgärtner in Potsdam. Heft i bis 6. Jedes Heft enthält 10 chromolithograph. Tafeln im Format von 39 cm Breite. Preis pro Heft cart. 8 M. 2* 20 Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Kronprinzessin. 22 Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der F'rau Kronprinzessin. dazu, mehr oder weniger wüste Ackerstiicke zu verbergen. So lag die Sache, als die Kronprinzlichen Herrschaften sich das Neue Palais zur Sommerresidenz erkoren. Der practische Sinn Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Vva.u Kronprinzessin, welche in bewunderungswürdiger Weise stets versteht, das Nützliche mit dem Schönen zu vereinen, erkannte denn auch sofort den hohen W'erth dieser weitläufigen Ileckenanlagen für besondere Culturen, und so ordnete die Hohe Frau sehr bald an Ort und Stelle selbst an, wie solche von nun an zu verwenden, mit welcher Arbeit der Hofgärtner dieses Reviers, Herr Em[L Seli.o, betraut wurde. Einige dieser Quartiere wurden wieder laut Allerhöchster Ordre mit hochstämmigen Obstbäumen bepflanzt, weitläufig genug, dass dazwischen mit günstigem Erfolg Spargel, Rhabarber, See- kohl, Cardy u. dgl. gebaut werden konnte. Ein anderes Quartier wurde zum Erdbeergarten eingerichtet, andere mit Zwergobstbäumen, Beerenobst- sträuchern, Erdbeeren u. dgl. bepflanzt, um Naschwerk für die erlauchte k'amilie zu liefern. Auch dem Studium der fürstlichen Kinder wurde hier- bei Rechnung getragen, indem eines dieser Quartiere bestimmt war, darin von Zeit zu Zeit mit dem Anbau der einheimischen Giftpflanzen, der her- vorragendsten Apothekerkräuter und sonst wichtiger Pflanzen von indu- striellem Werth zu wechseln. Nr. I und 2 dieser kleinen Gärten, den Kronprinzlichen Wohnräumen am nächsten gelegen, dienten anfangs als Spiel- und Turnplätze, welcher Bestimmung diese Abtheilung indess bald entzogen und nun in den Rosen- garten umgeschaffen wurde, welchen die Abbildung zeigt. a Ist der Eingang vom Palais her. d Ein oblonger Rasenplatz, aus dessen Mitte sich eine grosse Majo- lika-Vase erhebt, deren viereckiger Sockel mit einem runden Epheubeet eingefasst ist; b selbst ist von einem Mosaikbeete umgeben; die band- artigen, übereinander fortlaufenden Streifen sind von zerschlagenen, gelb- lichen und rothen Backsteinen gebildet, die davon eingeschlossenen Qua- drate aber mit verschiedenen, ganz niedrigen Sommerblumen oder so- genannten Teppichbeetpflanzen besetzt. Diesem Mosaikbeete folgt ein schmaler Kiesweg, welcher, sich in den vier Ecken ausbuchtend, hier Platz genug für je eine Bank bietet, die mit leichten halbkreisförmigen Drahtlauben überspannt und von Kletterrosen beschattet werden. Auf den Schlussstücken, Rasenstreifen, erheben sich seitlich jeder dieser Bänke aus kleinen Epheubeeten dem Mittelstück entsprechende niedrige Sockel, welche kleinere Majolika -Vasen tragen. Dieses ganze Stück wird vom Hauptwege des Gartens umgeben, der sich in den beiden nördlichen Ecken wieder halbkreisförmig erweitert, und sind hier Blumenschalen von Terracotta auf höheren Sockeln angebracht, während die Mitte der Westseite durch eine Bank markirt wird, die gleich- falls von einer Rosenlaube beschirmt ist. c Ist ein Ruheplatz in Gestalt eines Borkenhäuchens, vor demselben Der Rosengarten Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Kronprinzessin. 2"? ein Rondel, von breiten Wegen kreuzweise durchschnitten; die Mitte bildet eine kleine Fontaine, von dichtem Epheukranz umgeben. Die vier Kreisausschnitte, gleichfalls dicht mit Epheu eingefasst, sind mit Rosa Souvenir de la Malmaison bepflanzt. d Wiederum ein Borkenhäuschen, dient als Schirrkammer. c, e Majolika-Vasen etc. f Ein grösseres Bassin mit Springbrunnen, bildet den Mittelpunkt einer Ellipse, deren vier Eckstücke in ähnlicher Weise wie das Rondel vor c bepflanzt sind. Die zwischen f und b liegende lange Rasenbahn trägt in ihrer Längen- achse auf den beiden Enden und in der Mitte Blumenkörbe oder ähnliche Blumenarrangements, während sich aus den dazwischen liegenden E^pheu- beeten wieder je zwei Sockel mit Majolika- und zwei mit Terracotta- Vasen [e] erheben. g Stellt ein geräumiges Theehäuschen vor, welches die folgende Ab- bildung besonders darstellt; mit weit überspringendem Dache liegt es so, dass man durch die imposanten Laubbogen bei t\ e die Längsausdehnung des. ganzen Rosengartens mit seinen Vasen, Statuen und Springbrunnen über- sehen kann. Rechts wie links von diesem Durchblick sind wieder zwei Majolika-Vasen c, e aufgestellt, während zwei sehr gelungene Kindergruppen aus gleicher Masse den Mittelpunkt der beiden Mosaikbeete h bilden. Der ellipsenförmige Platz vor dem Theehause ist zunächst von einem breiten Rasenstreifen eingefasst, dem dann immergrüne Gehölze, wie Rho- dodendron, Mahonien, Hex u. dgl. folgen; den Beschluss macht Flieder-, Geisblatt- u. dgl. Gebüsch, während den Hintergrund des Hauses selbst dunkle Coniferen bilden. Durch eine in der nördlichen Ecke gelegene Laube von wildem Wein und Rosen, führt ein versteckter Weg hinaus;. k gegenüber ist gleichfalls ein Aus- und Eingang. //, Ii Zwei Mosaikbeete. i Ein früher zwischen hohen Hecken hinführender Durchgang ist jetzt auf beiden Enden zugepflanzt, mit Bänken besetzt und bildet so eine stets schattige Promenade. Den Querweg, welcher diese Hecken bei e, e durch- schneidet, überspannen sie in zwei mächtigen Bogen, von welchen herab leichte Blumenampeln hängen. k Eine mit dem Sockel 5 — 6 in hohe Zinkguss-Vase. / Niedrige Rosenbeete (la Belle Marseillaise), mit Mahonien ein- gefasst. in und n Lauben. Wie die Zeichnung andeutet, sind sämmtliche Hauptwege dieses Schmuckkästchens von hochstämmigen Rosen, in ca. 4 in Entfernung be- gleitet, zwischen welchen sich niedrige, meist wurzelechte befinden. Die Stämme der Kronenbäumchen, sowie deren Pfähle sind durch Kletterrosen verdeckt, die sich unterhalb der Krone in leichten Festons von Baum zu Baum fortsetzen, eine Einrichtung, die auf höchst eigene Anordnung der 24 G. A. Fintelmänn: Frau Kronprinzessin hier erst eingeführt wurde, und die wir garnicht genug zur Nachahmung empfehlen können. Von dem wahrhaft feenhaften Ein- druck dieses auf das sorgsamste und sauberste gepflegten Gärtchens während des Rosenflors, namenthch von den graziös dahinschwebenden Rosenguirhinden kann sich schwerUch Jemand eine richtige Vorstellung machen, bevor er solche tresehen. Der Haupt-Eingang des Parkes von Sans-souci. Von G. A. Fintelmänn. ^xn dem östlichen Ende der grossen Allee, welche den Park von Sans-souci durchschneidet, erhebt sich das schöne, von Friedrich dem Grossen erbaute Portal des Haupt- Einganges. Architektur und Garten- kunst haben hier ein Bild geschaffen, Avürdig der Bedeutung des Parkes, dessen landschaftliche, dessen architektonische Schönheiten hier beginnen. Das hohe ofiene Portal, dessen schlanke Säulen sich zwischen Baumes- grün in den blauen Luftraum erheben, führt auf die grossartige Allee, deren fernem Ende der mächtige Bau des neuen Palais einen bedeutungs- vollen Abschluss verleiht. Aber auch der Besucher des Parkes, der an den Terrassen von Sans- souci, an dem imposanten Wasserstrahl der grossen Fontainen vorbei, durch den bestrickenden Zauber des halbdunklen Buchenhains hindurch sich dem Ausgange nähert: er ist überrascht durch den grossartigen Anblick, den die geschmückten Bailustraden der Umgrenzung, die wahrhaft königlichen Haine zu beiden Seiten des äusseren Weges und im Hintergrund der hohe Obelisk in ihrer Gesammtwirkung hervorrufen. Das Thor ist durch zwei Gruppen von je vier gekoppelten, korin- thischen Säulen gebildet, die auf einem gemeinschaftlichen Sockel stehen und deren Schaftgesims Blumenvasen krönen, die von Kindern mit Rosen- guirlanden umwunden werden. Die Flügelthüren bestehen aus einem leichten, reich verzierten Eisengitter mit vergoldeten Spitzen. Der Park bildet hier vor dem mittleren Hauptwege gegen den öst- lichen Grenzgraben einen halbkreisförmigen Vorsprung, dessen grüne Rasenfläche mit schönen und seltenen Bäumen, mit Blattpflanzen und mit einer Hecke aus Blüthensträuchern geschmückt ist, die die steinerne Brust- wehr eben noch sehen lässt, welche im Anschluss an beide Seiten des Portals diesen halbrunden Uferplatz umgiebt. Die Brüstung ist dicht an den Säulen mit Statuen von Nymphen, rechts und links davon mit Fontainen- vasen besetzt, deren rauschendes Wasser den Graben anmuthig belebt. Die beiden ausserhalb liegenden, durch die Fortsetzung des Haupt- Der Haupt-Eingang des Parkes von Sans-souci. 25 weges getrennten Partien, deren Grundlinien die halbrunden Böschungen bilden, hatten durch den Schöpfer des Gartens, den Grossen König, einen gar eigenartigen Schmuck erhalten. Auf den halbrunden Vorsprung Hess er aus Lindenbäumen je sechs strahlenförmige Alleen zulaufen, die in der Nähe des der Grundlinie parallelen Weges in je zwei dicht bei einander stehende Bäume enden. Zwischen je zwei Alleestrahlen führten und führen Fig. 8. Dtr Haupt-Eingang des Parkes von Sans-souci. jetzt wieder Wege nach der äusseren Grenze dieser Partien. Die so her- gestellten majestätischen Baumhallen vor dem Eingange nach Sans-souci hatten im Laufe der Jahre durch wüst wachsende Pappeln, durch auf- sprossende Ahorn- und Rüsternsämlinge ihre Formen verloren. Schlecht gedeihender Rasen und Fusswege verwirrten sie vollends. Wohl war es ein glücklicher Gedanke, dass der jetzige Leiter der königlichen Hofgärten bei Seiner Majestät dem Kaiser die Erlaubniss aus- wirkte, die Friedericianischen Linien wieder herzustellen. Aus der nörd- lichen Partie ist bereits schon in diesem Jahre ein würdiger Hain geworden aus stattlichen Linden auf üppig grünenden Rasenflächen, von den alten 26 E. Jaeger: Weo-en durchschnitten. Der andern Partie, mit deren Wiederherstelltmg- bereits begonnen ist, wird der kleine See einen besonderen Schmuck ge- währen, in dessen klarem \\'asser sich die Friedenskirche mit den sie um- gebenden Pflanzungen spiegeln. — Der einzelne Baum im Landschaftsgarten. Seine Wirkung, Stellung und Beschaffenheit. Von E. Jaeger, Hofgarten -Inspektor in Eisenach. t^er einzelne Baum ist die einfachste Verwendung der Bäume im Landschaftsgarten. Aber sowie in vielen andern Dingen das Einfachste oft das Schwierigste ist, so auch hier. Der Baum wird hier zum Einzeln- wesen, bekommt eine hervorragende Bedeutung, wird mehr bemerkt und beachtet, als in Gesellschaft, und man verlangt daher von ihm auch andere, höhere Eigenschaften. Und leistet er es nicht, so spielt er, abgesehen von seiner Schädlichkeit, eine traurige Rolle. Es ist somit die erste Aufgabe des Pflanzers, nur Bäume von vorzüglicher Schönheit allein aufzustellen. Sie müssen ohne Rücksicht auf schöne Blüthen während der ganzen warmen Jahreszeit durch Wuchs und Belaubung schön erscheinen. Hätten nicht Rosskastanie und Magnolie eine schöne Belaubung, so wären die schönen Blüthen kein Grund, sie frei aufzustellen, denn die Blüthezeit ist kurz. ^^ o möglich müssen auch die Stämme und Aeste so beschaft'en sein, dass sie noch im entlaubten Zustande anziehend erscheinen. Wenn auch die malerisch-schöne Baumkrone in ihrer einzelnen Erscheinung im Allgemeinen den \ orzug verdient, so können doch in einzelnen Gartentheilen auch omamentale, regelmässige Formen zur Verwendung kommen. Sie sind nicht unentbehrlich, selbst nicht in nächster Umgebung der Gebäude, aber sie sind dort zulässig und überall nöthig, wo ein regelmässiger Platz mit regelmässig vertheilten Bäumen besetzt werden soll. Es giebt wenige gross werdende Baumarten, welche nicht unter günstigen Umständen sich so schön ausbilden könnten, dass sie einzeln gesehen zu werden verdienen; aber dennoch sollte man die seltenere Schönheit vorziehen, weil sie nur so m ihrem \\ erthe erkannt werden kann. Ich setze natürlich voraus, dass überhaupt nicht nur gewöhnliche Bäume in der Anlage vorkommen; denn wenn nur einheimische und die gewöhnlichsten fremden Bäume ver- wendet werden, so genügen diese auch zur Einzelnstellung. Als einzelner Baum (Solitärbaum^ betrachte ich aber nicht nur den emstämmigen, sondern auch den zwei- und mehrstämmigen, gleichviel ob er von Natur so gebildet ist oder ob zwei und mehr Bäume so nahe Der einzelne Baum im Landschaftsgarten. 27 zusammengepflanzt sind, dass ausgewachsen die Stämme einem Wurzelstock anzugehören scheinen. Ueber diese Doppelstämme bemerke ich, dass im Allgemeinen sich nur die Laubbäume dazu eignen, die Nadelholzbäume mit wenigen Ausnahmen nur einstämmig schön sind, weil nur so die Regel- mässigkeit des Wuchses, welche die hervorragendste Eigenschaft dieser Bäume bildet, zur Geltung kommt. Solche Ausnahmen bilden die rund- kronigen Kiefern, während spitzkronige, wie Pinus Strobus einstämmig schöner sind. Die gemeine Kiefer bildet auch im Walde, wenn sie sich überlassen bleibt, oft Doppelstämme, und die Zürbelkiefer fPinus Cembraj theilt sich oft nahe über dem Boden in zwei Stämme, welche dann aber nur eine geschlossene Krone bilden. Unter den Tannen und Fichten kenne ich nur Abies nigra (Marianaj und A. (Tsuga) canadensis, welche auch mehrstämmig schöne Bäume bilden. Erstere bildet im Alter ihre Aeste als Stämme aus, letztere hat fast eine Laubholzkrone. Allerdings kommen auch zweistämmige gemeine Fichten und Lärchen (Larix) vor, wo dann die Stämme von unten aus gekrümmt sind und an Waldrändern und Ufern höchst malerisch sind. Diese Doppel- und vielstämmigen Bäume sind, wie wir später sehen werden, die wirksamsten, weil sie im Kontrast mit der gewöhnlichen Form stehen un^ das im höheren Grade sind, was man malerisch nennt. ^Manche würden solche aus zwei oder mehr Stämmen gebildete Krone eine Gruppe nennen, sie sind es aber nicht, denn in der Gruppe müssen auch die Einzelkronen sich kenntlich machen, wenn sie auch venvachsen sind. Derjenige Landschaftsgärtner, welcher stets nur einstämmige Bäume, nie oder selten doppel- und mehrstämmige pflanzt, hat das Wesen der malerisch wirkenden Natur und der Landschaftsmalerei nicht erkannt, bringt es nie dahin, dass seine Kunstschöpfung wie Natur aussieht, was doch die höchste Stufe der malerischen Künste ist. Da dies viele Landschaftsgärtner nicht begriff"en haben, so erkennt man auch sofort die Parkpflanzung im Gegensatz vom Waldbestand und den natürlichen Gruppenbildungen. Der einzelne Stamm steht in der Regel lothrecht und bildet seine Krone nach allen Seiten gleichmässig aus. Dadurch bekommen sämmtliche Baum- kronen von ähnlichem Bau eine gewisse Gleichmässigkeit, die namentlich da unschön erscheint, wo mehrere auf einmal gesehen werden können, am unnatürlichsten, wenn viele einzelne Bäume in hainartiger Vereinigung vor- kommen. Ganz anders erscheinen Doppelstämme und mehrstämmige Bäume. Da ist das Stammende meist etwas gekrümmt, die Stämme streben auseinander und bilden eine tiefer geschnittene, daher auch stärkere Schatten zeigende, unregelmässige Krone mit häufig sichtbaren Astpartien. Bekommt der eine Stamm das Uebergewicht, so drückt seine Krone so stark auf die schwächere, dass diese sich weit hinauslegen muss, um Licht und Platz zu bekommen. Diese Unregelmässigkeit erhöhet abermals die malerische Schönheit. Gärtner, denen von Jugend auf die Zucht der Obst- und Alleebäume zur Richtschnur diente, finden sich schwer in solche 28 E. Jaeger: malerische Schönheit, und werden beim Pflanzen, wenn ein ung-lücklicher Zufall sie zum Parkpflanzer macht, schlecht f^ewachsene, gekrümmte oder gabelförmige, buschartig gebildete liäume höchstens zum Ausfüllen abge- legener Pflanzungen verwenden, als Solitärbäume stets nur nach ihrer Meinung untadelhafte Stämme aufstellen. Diese Tadellosigkeit der Stämme ist aber unendlich langweilig, hat etwas Uniformes, wie eine Anzahl Soldaten. Wohl weiss jeder unbefangene Landschaftsgärtner schön ge- wachsene Bäume zu schätzen , aber sie dürfen aus den angegebenen Gründen nicht alle untadelhaft sein. Man erkennt Bäume, welche nicht vom Anfang an frei gestanden haben, die erst später durch Wegnahme anderer Pflanzungen freigestellt wurden, sofort an der grösseren Mannig- faltigkeit der P'ormen. Die schönsten doppel- und mehrstämmigen Bäume entstehen durch Verlust der Spitzen im jugendlichen Alter, sowie durch Stockausschlag. Aus diesem Grunde bilden bald nach dem Pflanzen be- schädigte oder oben abgestorbene, am Wurzelhals ausschlagende Bäume später die tormreichsten Gestalten, und man soll sie ja nicht immer weg- werfen und durch bessere ersetzen. Ich will die Bäume, welche sich als Doppel- und Vielstämme besonders malerisch bilden, nicht nennen, da ausser den unten erwähnten Ausnahmen die meisten mehr oder weniger dazu geeignet sind; aber zwqj Bäume muss ich erwähnen, die gemeine Akazie (Robinia Pseudo-Acacia) und die Birke. Wer nur einstämmige Akazien kennt, macht sich keinen Begriff Von der malerischen Schönheit eines drei- und mehrstämmigen alten l^aumes. Ich habe mich länger mit den Doppelstämmen beschäftigt, als erst meine Absicht war, weil mir daran lag die vollste Aufmerksamkeit darauf zu ziehen. Aber auch die Verwendung der Doppelstämme hat ihre ästhetisch gesteckten Grenzen. Zu viel und überall angebracht erscheinen die Pflanzungen ebenfalls gekünstelt, namentlich bei Bäumen, welche von Natur wenig Neigung zur Mehrstammbildung haben, und deren giebt es mehrere. Wir denken uns die Eiche nur mächtig als P^instamm, wiewohl sie, leicht aus dem Stocke ausschlagend, häufig mehrstämmig gesehen wird. Die gemeine Rothbuche (Fagu.s) kommt zwar auch doppelstämmig vor, allem dann erscheint sie als unvollkommen. Man kann sich die Buche nur mit einem regelmässig säulenartigen Stamm schön denken. Dagegen bedarf die Hainbuche (Carpinus Betulus) zwar einer Verdoppelung des knorrigen gefurchten Stammes nicht, aber sie_ gewinnt dadurch an Bedeu- tung und bildet so »malerisch zackige Gestalten. Unschön würde die Ver- doppelung bei Pyramidenbäumen, z. B. P}Tamidenpappeln oder -P^ichen sein. Die Espe oder Zitterpappel gewinnt durch Verdoppelung, die gemeine Schwarz- und Canada- Pappel mit den immer geraden Stämmen sieht ge- zwungen aus. Die Silberpappel ist mächtig genug für einen Stamm, aber sie bildet auch malerische Doppelstämme. Aus diesen Beispielen scheint der noch nicht ausgesprochene Grundsatz hervorzugehen, dass alle Bäume mit sehr geraden, walzenrunden Stämmen und sehr geraden Aesten allein Der einzelne Baum im Landschaftsgarten. 2Q Stehen müssen, alle Bäume mit eckigen, oft gekrümmten, tief unten ver- zweigten Stämmen zu Doppel- und Vielstämmen sich eignen. Ueber die Anwendung des einzelnen Baums kann ich mich kurz fassen. Veranlassung zur Aufstellung sind: i) um das Licht offener Flächen zu unterbrechen und den Uebergang von diesen zu den Gehölzmassen zu ver- mitteln; 2) um Ansichten zu theilen und durch zwei und mehr Bäume Bilder einzurahmen, zugleich für den Beschauer einen beschatteten dunkeln Vordergrund zu schaffen; 3) um mit den einfachsten Mitteln ungern ge- sehene Gegenstände zu verbergen oder Theile davon zu verdecken, denn wenn ein Baum diesen Zweck erfüllt , so wird dadurch eine grössere Pflanzung erspart; 4) um die hellen Flächen grosser Gebäude zu unter- brechen, unschöne Theile derselben zu verdecken und bewohnte zu be- schatten, — alles dieses ohne eigentliches Verdecken; 5) um Kontraste hervorzubringen, sowie um gerade Horizontlinien auffallend zu unterbrechen; 6) um Wege, Plätze, Ufer u. s. w. zu beschatten; 7) um einen besonders schönen oder seltnen Baum durch seine freie Stellung auffallend zu machen und sein Aufkommen zu begünstigen. Oft erfüllen die einzelnen Bäume mehrere oder sämmtliche angeführte Zwecke. Die Zwecke 6 und 7 dürfen gegen keinen andern Verstössen, indem die dazu bestimmten Bäume in keiner Weise die Schönheit einer Anlage beeinträchtigen. Von allergrösster Wichtigkeit ist die Wirkung der einzelnen Bäume, den Uebergang des Lichtes (der hellen offnen Flächen) zum Dunkel (Schattenmassen) zu vermitteln. Wenn grössere Schattenmassen als Wald- ränder, grosse Gruppen noch so tiefe Einschnitte und Vorsprünge haben, so bleibt doch die Trennung zwischen Licht und Schatten stets scharf, unvermittelt. Diese Vermittelung bewirken davor, jedoch nicht überall aufgestellte einzelne Bäume. Je weiter sie vom Waldrande stehen können, ohne ihre Zugehörigkeit zur Hauptmasse zu verlieren, desto wirksamer sind sie. Hier ist die grösste Verschiedenheit in der Verbindung geboten. Bald sollen sie sich gruppiren, bald vereinzelt stehen, bald an solchen Stellen, wo schon eine scharfe Spitze des Waldsaums vorhanden ist, ge- wöhnlich aber vor Einbuchtungen ganz fehlen. Der Ausnahmen sind viele. So können z. B. einige Bäume in der Tiefe der Einbuchtung dazu dienen, um dieser eine scheinbar grössere Tiefe zu geben, weil sie den Einblick bis an das eigentliche Ende verhindern. Diese Baumvorposten vermitteln aber nicht nur die Trennung von Licht und Schatten durch ihre Kronen, sondern auch durch die Schatten, welche sie auf den Rasen werfen, und sie erscheinen selbst in heller Beleuchtung, wenn die Hauptschattenmassen spärlich beleuchtet sind. Ist diese Vermittlung von Licht und Schatten gut gelungen, so ist sie stets ein Zeichen, dass ein wirklicher Landschafts- künstler die Anlage oder den Plan gemacht hat. Es ist der Hauptfehler der Pläne von R. SiEBECK und seiner Nachahmer, dass das Licht zu sehr zerstreut ist, dass alle Grasflächen mit einzelnen Bäumen bedeckt sind wie mit Heuhaufen zur Zeit der Ernte. Völlig freie Flächen giebt E. Jaeger: Der einzelne Baum im Landschaftsgarten. es bei SiEBECK fast nicht. Dagegen sind derartige Pflanzungen des Fürsten PUECKLER- Muskau und LENNe's, sowie deren Schüler Mu.ster- Wegen ihrer allgemeinen Verbreitung empfehle ich /.um Studium: i) x Muster- plan eines verschönerten Landsitzes» von G. Meyer (in dessen bekanntem Werke Taf. XVII) und den kleinen Parkgarten von Marey nach LENNe'S Plan (in NiETNER.s «Gärtnerisches Skizzenbuch», Verlag von PAUL Parey). Ueber die Kontraste der l^^orm und Farben durch einzelne Bäume wäre viel zu sagen, ich muss es aber unterdrücken, weil es zu weit führen würde, und es kann um so eher unterbleiben, da dieser Gegenstand schon von andrer Hand eine sachgemässe und ausführliche Behandlung erfahren hat'''). Nur noch ein Wort über die Theilung und das Ein- rahmen von Bildern, sowie über das Bepflanzen von Wegen und Plätzen, um diese zu beschatten. In vielen Phallen genügen zwar einzelne Bäume, aber in den meisten sind mehrere zu einer Gruppe vereinigt noch wirksamer und schöner. Zwei gleiche Bäume, welche ein Aussichtsbild umrahmen, sehen einförmig aus, besonders wenn die Stämme und Kronen regelmässig sind. Sie erscheinen gleichsam wie zwei Thorpfosten (Säulen) ohne Thor und der Kenner merkt sofort die Absicht der Pflanzung. Aus diesem Grunde mache man diese Einrahmungsbäume jeder Seite so ver- schieden wie möglich, bringe mindestens auf einer Seite einen Doppel- stamm oder mehrere Bäume an. Die Wahl der Bäume ist hierbei nicht gleichgültig. Die gerundeten glatten P'ormen der Rosskastanie und mancher Linden oder die steifen Gestalten der canadischen Pappeln u. a. m. sind zu vermeiden. Bäume mit lockeren Kronen und weit abstehenden Aesten, z. B. Ulmen vorzuziehen. Pyramidenpappeln sehen aus wie die Ueberreste einer Allee. Wollte man sie zu diesem Zwecke benutzen, weil sie da sind, und von fern gesehen gerade dort bedeutend wirken, so stelle man sie w^eit genug auseinander und die Bäume der einen Seite weit zurück vom Aussichtsplatze. Aber die «Thorpfosten» werden nur dann vermieden, wenn die eine Seite der Einrahmung aus mehreren Bäumen besteht. Es kann nicht oft genug daran erinnert werden, dass die Abstände der ein- zelnen Bäume von Wegen und Plätzen möglichst ungleich weit sind, deim die Parkpflanzer setzen sie oft so, dass nicht viel an der Regelmässigkeit einer Allee fehlt. Wenn einzelne Bäume zum Beschatten eines Weges oder Platzes ge- pflanzt werden, so dürfen sie nicht nur den Plan der Anlage nicht stören, sondern müssen ausser dem Zweck der Beschattung noch andere oben genannte Zwecke erfüllen. Ein Weg, welcher quer über eine Wiese führt, darf keine Baumpflanzung bekommen, welche die Aussicht hemmt. Lieber lege man den Weg anders. Viele Pflanzer glauben den Nachtheil zu vermeiden, wenn sie grosse Oeffnun"-en zwischen den Schattenbäumen *) «Deutsclier Garten ;> 1881 erstes Heft; «Die .Anwendung des Kontrastes in der Land- schaftsgärtnerei». \'on G. Eichler, Hofgärtner in Wernigerode. H. Finteliiiann : Mein Besuch von Chatsworth. r' i lassen; das ist aber Täuschung", denn man wird immer die unterbrochene Linie vor sich sehen. HerrHch sind Wege vor einem Waldrande unter den davor aufgestellten einzelnen Bäumen. Man fühlt sich da im Walde und hat im Schatten gehend doch den Genuss der freien Flächen. Das Gleiche gilt auch für Uferlinien von Bächen und Flüssen, wo sich von selbst Bäume einfinden. Durchschneiden diese eine Fläche, welche offen bleiben soll, so ist es am besten, in grosser Breite gar keine Bäume auf- kommen zu lassen. Zum Schlüsse will ich daran erinnern, dass einzelne Bäume höher als gewöhnlich gepflanzt werden müssen, damit sie alt mit einer An- schwellung des Rasens sich erheben. Man betrachte nur Bäume, welche an Ort und Stelle aus Samen aufgewachsen sind, und man wird stets diese Anschwellung finden, wodurch der Stamm mächtiger erscheint und die ganze Gestalt freier hervortritt. Der Stamm muss dem Boden entwachsen, nicht aber in den Boden gesetzt erscheinen. Diese Anschwellung darf aber kein Hügel werden, was gekünstelt und unschön aussieht. Da beim Pflanzen nicht immer die rechte Höhe getroffen wird, so muss später der Boden umher verändert werden. a. Mein Besuch, von Chatswortli. Von Heinrich Fintelmann, Garten -Inspektor in Potsdam. lus welchem Grunde finden wir doch so selten in unserer deutschen Garten- Literatur Beschreibungen der Landsitze der englischen grossen Grundbesitzer? Der Fürst Pueckler- Muskau, der intellektuelle Mitbegründer der deutschen Landschaftsgärtnerei, hat seiner Zeit den Weg gezeigt, auf welchem wir in dieser Richtung wandeln sollten! Dieser Weg ist seit der Zeit, wo ihn dieser geniale Gartenkünstler in grossen Zügen beschrieb, von deutschen Gärtnern und solchen, die es werden wollen, so oft betreten worden, dass der Weg einer wahren Fahr- strasse gleicht; jedoch auf die mehr und mehr eingehenden Schilderungen der Landsitze englischer Grosser harren wir, mit einzelnen sehr rühmlichen Ausnahmen, bisher immer noch vergebens. Sei es mir gestattet, aus meinen Reisenotizen eine Beschreibung des auch in England mit Recht weit berühmten Chatsworth zu geben: Chatsworth, der Sommersitz -des Herzogs von Devonshire, eines der reichsten englischen Adeligen, hegt in der Grafschaft Derby, in einer ziemlich weiten Thalmulde, vom Flüsschen Derwent, welches letztere aus der Vereinigung des Ashop und des Wye-Baches entsteht, durchströmt. Die Lage des ganzen Parkes, welcher einen Umfang von ca. 1 2 engl. Meilen = ca. 5'/._, deutschen Meilen hat, ist durch den Gebirgscharakter der ganzen Land- schaft und durch den Wechsel der landschaftlichen Scenerie, in welcher schroffe 32 H. Fintelmann: Felskuppcn, sanfte und üppig bewaldete Bergabhänge, mit natürlichen Wiesen, grösseren und kleineren Baumbeständen und klaren, schnell hinrieselnden Berg- bächen abwechseln, eine so geeignete, wie sich der Landschaftsgärtner eine solche für seine Zwecke nur wünschen kann. Ja, man ist zu dem Ausspruche berechtigt, dass die Natur selber hier fast alle Momente für die Schöpfung einer monu- mentalen Charten- und Park-Anlage im grossen Style gegeben hat, und dass es nur der vorsichtig unterstützenden, und hier und dort mit Sachkenntniss ver- bessernden Hand des Gartenkünsders bedurfte, um eine Gesammtschöpfung herzustellen, wie sie unter der genialen Leitung von Sir Robert Paxton in der 'i'hat entstanden ist. Die Gebirgsformation besteht aus sehr feinem Sandsteine und Thonschiefer. Das Einzige, dessen die hiesige Landschaft entbehrt, ist das Vorhandensein einer imposanten seeartigen Wasserfläche, wie solche z. B. Trent- ham-Park besitzt. Dass man von der Herstellung eines solchen Sees mit Recht Abstand genommen, liegt in den gegebenen Verhältnissen der ganzen Boden- physiognomie und in der für diesen Zweck zu engen Begrenzung durch die seit- lichen Gebirgszüge. Sir Robert Paxton, der eigentliche Schöpfer der heutigen Park- und Garten -Anlagen von Chatsworth, fand also in den hier durch die Natur gegebenen Verhältnissen ein durchaus sehr dankbares Feld für seine künstlerische Thätigkeit bereits vor. Vergessen wollen wir ausserdem nicht, dass der Ausführung seiner Pläne eines Theils die günstigen klimatischen Bedingungen Englands überhaupt und in Sonderheit, nach unsern kontinentalen Begriffen, ganz ungewöhnliche Geldmittel zur Verfügung gestanden haben. Zur besonderen Zierde und zum landschaftlichen Effekte gereichen den einzelnen Parkscenerien ausser dem bedeutenden ornamentalen Gebäude -Kom- plexe des herzoglichen Schlosses mit seinen Beamtenwohnungen, Ställen und Gewächshäusern, noch ganz besonders einzelne, im Parke zerstreut liegende kleine Ortschaften, sowie sogenannte Cottages, kleine Parkhäuser, letztere im verschwenderischen Schmucke von Epheu, von Kletterrosen, Clematis-Arten und wildem Weine prangend. Sowohl die kleinen Ortschaften als auch die Parkhäuser finden wir ja auch bei uns in dem mit Recht berühmten Parke von Muskau wieder, und sind sie ohne Zweifel Nachahmungen des vom Fürsten Pueckler in England Gesehenen. Mein Besuch von Chatsworth fiel in den Herbst, und habe ich diesen Um- stand in Betreft' der zu dieser Jahreszeit voll entwickelten Vegetation sowohl als auch der oft prachtvollen Kontraste wegen, welche durch den häufig intensiven Farbenwechsel in der Belaubung der Gehölzmassen hervorgebracht werden, durch- aus nicht zu bereuen! Ist es doch gerade die Herbsdandschaft, in welcher auch ohne die in England so oft beeinträchtigte volle Tagesbeleuchtung, der Land- schaftsscenerie im Allgemeinen und im Besonderen eine so überaus günstige und malerische Kontrastirung in dem Kolorit der Laubmassen verliehen wird! Die gütige Mutter Natur thut ja hierin oft wahre Wunder, und häufig unendlich mehr, als wir mit unserer jetzt so oft am unrechten Platze angebrachten Effekt- malerei betreffs der Belaubungs-Schattirungen und Kontraste erreichen. In unsern jung angepflanzten, auch während des Sommers schon von einem gewissen patho- logischen Hauche in ihrer Belaubung durchwehten Gehölzmassen drängen sich überall die Blutbuchen und Blutbirken, die erst Blutbuchen und Blutbirken werden sollen, und ferner Corylus Avellana fol. purpureis mit Negundo aceroides fol. argenteo var. in oft erschreckender Weise in den Vorder- Mein Besuch von Chatsworth. 33 grund. Wir leben in einer Zeit, wo jeder junge Tausendkünstler, und auch der Dilettant, seiner Natur im Kleinen ein Licht aufstecken will, was des erforderlichen Schattens nicht entbehren soll! Wenn nur Alles recht hübsch bunt aussieht, und der Charakter der Belaubung recht oft wechselt, so ist das Bild fertig! Die Natur geht Gott sei Dank ihre eigenen Wege und sollte uns immer I.ehrmeisterin sein und bleiben! In geringer Entfernung vom Flüsschen Derwent, das hier durch eine steinerne Brücke mit Figurengruppen geziert wird, liegt auf weiter, geebneter Grundfläche, mit 3 Steinmauern abgestuft, am Fusse eines bedeutenden, stark bewaldeten Höhenzuges, der das Thal weithin 8» «- ^"^ J^">^4;l§^:rii%-5.^^^&'1^,, Fig. 9. Chatsworth. beherrscht, als leuchtender Mittelpunkt der ganzen dortigen Garten- Schöpfung, das eines Theils im jonischen, andern Theils im korinthischen Style aufgeführte Schloss Chatsworth-House, gewöhnlich Palace of the Peak genannt. Der Unter- schied in der Bauart wird dadurch erklärlich, dass das Gebäude nicht zu einer Zeit entstanden, sondern aus einem älteren und einem neueren Bau besteht. Die architektonische Vertheilung der gegliederten und reich mit Bildhauer- werk gezierten Gebäudemasse des wahrhaft fürstlichen Schlosses ist eine so ebenmässige und sich vom bewaldeten Hintergrunde durch seine gelblich graue Steinfarbe vortheilhaft und intensiv abhebende, dass man diese Sommerresidenz der äusseren Erscheinung nach als eine Musterschöpfung der neueren Baukunst ansehen kann. Der Kontrast zwischen den gestreckten Linien des Schlossbaues und der kühn geschwungenen Linie der Berglehne des Hintergrundes ist ein sehr glücklich gewählter, die Totalwirkung auf den Beschauer eine scenisch vollendete und durch das Gleichgewicht in hohem Grade eine beruhigende, Garten-Zeitung 1SS2. 3 34 IL Fintelmann: Mein Besuch von Chatsworth. indem der prachtvolle Schlossbau gewissermassen die scenische Basis des Berges bildet. Die hier und dort von flen verschiedensten Standpunkten aus unter- brochenen Linien der (lehäudcmasscn durch Gehölzmassen, welche den Vorder- grund einnehmen, muss als eine eben so glücklich ausgeführte angesehen werden. Die weiten, mit verschwenderischer Pracht ausgestatteten Räume des Schlosses bergen bedeutende Schätze der Malerei und der Bildhauerkunst, unter denen ganz besonders Reminiszenzen an den verewigten Kaiser Nikolaus I von Russ- land hervorzuheben sind. Die reiche Sammlung von Farbenskizzen und Hand- zeichnungen von englischen, französischen, italienischen und deutschen Meistern ist eine so umfassende, dass sie mit Recht eines europäischen Rufes g-eniesst. Die innere Einrichtung der Fürstenschlösser ist keineswegs ein gleichgiltiges und zu unterschätzendes Moment, indem gerade diese Ausstattung den Besucher auf die in der näheren und entfernteren Umgebung des Schlosses sich darstellenden gärtnerischen Schöpfungen gewissermassen vorbereitet. Aus dem Schlosse durch _die Orangerie, in welcher mächtige Exemplare von Orangenbäumen, und diese sind in ganz England ziemlich selten, indem an ihre Stelle Prunus lusitanica tritt, ferner Myrten, Neuholländer, besonders aber ungeheure Kübelpflanzen von Rhododendron arboreum und R. Catawbiense und ihre Varietäten, sowie endlich grosse Exemplare von Fuchsia corymbiflora be- merkenswerth, heraustretend, gewahrt man auf der rechten Seite eine durch malerische Gruppirungen von Fagus sylvatica, Carpinus Retulus, Aesculus Hippo- castanum und Acer platanoides begrenzte Rasenfläche. Den Schmuck und die Belebung des mit massigen Baumgruppen bestandenen, sanft ansteigenden Hinter- grundes bilden 2 künstliche Wasserfälle, eine bedeutende Gascade und ein Wassertempel, dem Beschauer vom Berge her Erfrischung und Kühlung zuwehend. Die gegebenen räumlichen Verhältnisse der Landschaft sind so bedeutende, dass diese Wasserkünste keine Ueberladung hervorrufen. Die Gascade sowohl als auch der Wassertempel entbehrten zur Zeit meiner Anwesenheit zu Ghats- worth ihres flüssigen Elements; ich kann daher auch kein Urtheil über ihre landschatdiche U'irkung abgeben. Von den beiden Wasserfällen spreche ich später. Senkrecht von der Schlossfront fortschreitend, gelangt man vermittelst einer durch 2 Hunde nach Thorwaldsen gezierten prachtvollen Freitreppe zum hol- ländischen Blumenparterre, in streng regelmässigen Formen angelegt und im Schmucke seiner Blattpflanzengruijpen und solcher von Pelargonien, Ghrysanthe- mum, Pentstcmon, Houstonien, Guphaeen, Petunien, Fuchsien, Verbenen und Rosen prangend. Das Gamellien-Haus dient diesem Blumenparterre auf einer Seite zur Begrenzung. Es enthält eine sehr bedeutende Gamellien-Sammlung, in theilweise starken und kleineren Exemplaren und etwa 80 älteren und neueren Sorten, welche sich, wie ihr dunkler Blättevschmuck bekundet, in guter Kultur befinden. Dieser Thcil des (Wartens wird an seiner entgegengesetzten Seite durch eine vermittelst vorzusetzender Fenster gegen den Winter zu schützende Mauer be- grenzt, an welcher ietzeren entlang sich im freien Lande Gistus, Fuchsien, " Myrtus communis grandifolia und Schinus molle im freudigsten Wachsthume befinden. Diese Mauer endet bei den ansehnlichen und ausgedehnten Pferde- ställen, an deren äusserer Wand mäclitige Exemplare von Glycine chinensis ihr freudiges Geranke ausbreiten. Der wilde Garten. 35 Hervorzuheben sind die im holländischen Blumengarten an verschiedenen Hauptpunkten aufgestellten Werke der Bildhauerkunst aus weissem Marmor. Den ganzen Hintergrund dieser regelmässigen und symmetrischen Anlage bildet das von hier aus sanft ansteigende sogenannte Stand-wood, ein natürlicher Waldbestand, über welchem der Stand, ein dem Aeussern nach alter Jagdthurm kühn emporragt. (Schluss folgt.) Der wilde Garten. »!!^ytatt dieses Ausdrucks hätte ich auch »der Naturpark« sagen können, das klang mir aber zu grossartig, oder »die verschönerte Aue«. Das war aber nicht allgemein verständlich, denn unter Aue versteht man in einem Theil unseres Landes jeden Fleck, der weder Weg, noch Platz noch Garten oder Feld, Wald und dergleichen ist, in anderen Theilen aber reiche Wiesen oder Fluss-Niederungen. Ich will nun von dem Garten reden, den jeder Gutsbesitzer, gross oder klein, um sein Haus herum sich schaffen kann, ohne mächtig tief in seine Tasche zu greifen, ohne ein grosses Stück Landes, welches er vielleicht sehr dringend zur Nutzung bedarf herzugeben und ohne sich einen neuen geschickteren Gärtner anzustellen, der dann sehr hohe Ansprüche an Arbeitskräfte und Düngerstätte stellen würde. Ich will es preisen und fördern, dass die Heimstätte des Menschen umgeben werde von all der Pracht und Schönheit, welche unser Hergott uns darreicht in Baum, Strauch und Blume; die Liebe zur Natur und den lebhatten Verkehr mit ihr wünsche ich zu fördern und darum wende ich mich speziell an die Menschen, welche hierzu besonders berufen sind, an unsere Gutsbesitzer und ihre Familien. Ihnen will ich zu schildern ver- suchen, einen wie hohen Genuss sie sich bereiten können, wenn sie ab und zu ihren Gedanken gestatten, sich mit der edlen Gartenkunst zu beschäf- tigen und diese dann auf ihre individuellen Verhältnisse anwenden. Keiner wird da schliesslich sein, der mir mit voller Wahrheit wird antworten können: »Ich habe gar keine P'reude daran gefunden«, denn mag des Menschen Herz, durch Neigung oder durch die Ungunst der Verhältnisse, auch noch so sehr auf das Materielle gerichtet sein, auf die «Ausnutzung» jedes Fleckchens Erde um ihn herum, so giebt es doch keins, davon bin ich durchdrungen, welches den Eindrücken des Schönen vollständig unzu- gänglich wäre. Mein »Wilder Garten« verträgt sich mit der intensivsten Landwirth- schaft und entzieht dem Förster keinen einzigen Baum. Dort aber in jener Ecke, wo die alten Scherben liegen und ein Rest Schutt vom letzten Bau, und wo jetzt absolut nichts Anderes gedeiht als 20 ^^'' wilde Garten. Brennnesseln, will ich künftig ein Paar hübsche Blüthensträucher sehen, die mir den Schandfleck, der doch nicht zu beseitigen ist, verdecken, oder ein Paar Succulenten und Alpenpflanzen, die den Schutthaufen viel lieber haben, als die gepflegteste, tiefgründige Rabatte, denn sie sind's halt nit anders in ihren Bergen gewöhnt. Sie erinnern uns dann aber, jedesmal wenn wir vorbeigehen, freundlich an die Reise im Salzkammergut oder Tyrol, wo wir damals so glücklich waren, während der alte hässliche Steinhaufen uns oft ärgerte. Wird er dann einmal nach Jahren gebraucht, nun dann finden seine Einwohner auch wolil noch ein anderes Plätzchen, sie sind ja dann bei uns heimisch ge- worden. Oder jener Waldesrand an dem P^elde, welches erst kurze Zeit in Kultur ist, weil uns der Boden besser geeignet zur Landwirthschaft schien, als um den Schlag wieder aufzuforsten ; warum sieht er eigentlich so düster und missvergnügt aus, als hätten wir ihm etwas vom Seinigen geraubt? So langschäftig und öde und grau ist er und alle Jahr wird er höher und hässlicher! Die Sache wäre leicht zu beseitigen. Eine Fuhre Reisig vom alten Schlage deckt die Ausgaben reichlich, um dem alten grämlichen Gesellen ein lachendes Gesicht zu verschaffen, Winter, Herbst und Sommer. Nein, nicht nur zu diesen drei Jahreszeiten, sondern das ganze Jahr hindurch. Geht mit mir durch den wilden Garten, betrachtet ihn aufmerksam, begreift seinen Sinn, erfasst ihn mit Eurem Herzen, so findet ihr künftig an diesem Waldesrande noch Euren liebsten Spaziergang! Ganz nah' heran kann man mit dem Felde doch nicht gehen, denn der Wald macht Schatten, es bleibt also ein Gras bewachsener Streifen davor liegen. Pflanzen wir nun auf der einen Stelle ein Paar einfache Ahorn darauf — die Sorte mit den leuchtenden Blättern. — Acer platanoides, pseudoplatanus oder rubrum. Weiterhin ein Paar Rotheichen als apparten Klump, dazwischen zur Vermittelung Hollunder, besonders den mit den rothen Beeren, Sambucus racemosa, auch eine Schneebeere vielleicht und Eberesche; das ist Alles für wenige Groschen zu haben, wahrscheinlich bei uns selbst, v/enn wir uns nur danach umsehen. Einigen anderen Stämmen pflanzen wir ein Paar Waldreben, F'uchswein oder wilden Wein zur Seite, sie werden sich bald in die Höhe machen, vielleicht dann noch ein Dutzend Dorne, Crataegus coccinea, dessen rothe Früchte das Wild so gern annimmt, und unser Rand ist für den Rest unseres Lebens aus einer kahlen öden Wand in ein liebliches Bild verv/andelt. Ein Paar gute Tannen würden an einer oder der anderen Stelle auch nicht übel gewesen sein. Sie haben ja Luft und bleiben bis unten hin grün. Führt uns dann zur Herbstzeit unser Weg wieder dorthin, so stecken wir uns einmal die Taschen voll Schneeglöckchen -Zwiebeln und dibbeln sie in kleinen Colonien hier und da in's Gras. Im Küchenerarten werden Der wilde Garten. 37 oft so grosse Drufe daraus, dann sind sie mit einemmal verschwunden, man weiss nicht recht wohin. «Wahrscheinhch bei dem Umgraben für den Salat von den Weibern mit untergebracht,» heisst es. Da ist's viel besser, wir trocknen sie einmal rechtzeitig ab und bringen sie dorthin, wo wir so gern die ersten Frühjahrsspaziergänge machen, um das junge Grün der Saat zu sehen. Wir werden sie schon wiederfinden, denn einer Pflege bedürfen sie nicht, sie leben wild und mehren sich reichlich. »Wilder Garten« ist nicht Wildniss, wie wir schon sehen. Im Gegen- theil, aus einer W^ildniss, einer Einöde, ist er im Stande ein kleines Paradies zu machen. Wie wir aber von Wildbäumen und von wild wachsenden Blumen und Sträuchern reden, im Gegensatz zu dem, was wir in der Umzäunung des Gartens und Hofes ziehen, so gebrauche ich den Ausdruck «Wilder Garten» im Gegensatz zum Schmuckgarten, Küchengarten, Obstgarten. Wer diese alle haben kann, kann auch noch einen wilden Garten haben und zwar wird er mit Hülfe der ersteren um so schöner werden. Ritter- sporn, Päonien, Lilien sehen viel schöner im P^reien, an passender Stelle aus, als auf einer Rabatte im Küchengarten, wo der Gärtner ihnen kaum den Raum gönnt, den sie brauchen und sie an Besenstiele festbindet, dass sie selbst aussehen wie alte Besen oder Gebunde Unkraut. Wer aber die Mittel nicht hat, sich einen Schmuckgarten beim Hause anzulegen und denselben mit seltenen schönen Gewächsen auszustatten, kann meinen «Wilden Garten» sich doch vielleicht erlauben. Ich lade ihn ein, mich durch denselben zu begleiten. Auch der glückliche Besitzer eines an sich schon schönen Parks wird demselben viele neue Reize verleihen können, wenn er die Ideen, welche dem wilden Garten zu Grunde liegen, auf denselben anwendet*). Gewiss bietet unser heimathlicher Wald uns Schönheiten in reicher Fülle dar. Wie malerisch z. B. sind Stellen oft, wo sich der wilde Finger- hut, Weidenröschen und Königskerzen inmitten eines Brombeeren-Gebüsches angesiedelt haben. Wie lieblich ist es, wenn der Untergrund eines lichten Gehölzes mit wilden Maiblumen überdeckt, eine rieselnde Quelle mit Ver- gissmeinnicht eingefasst ist und tausende von duftenden Orchis uns in den Schatten eines Erlenbruches locken. Vergegenwärtigen wir uns nun aber all die Schätze, welche uns in ähnlicher Weise entzücken könnten, so finden wir bald, dass keine Feder geschickt genug wäre, sie uns zu beschreiben, kein Pinsel glühend genug malte, um sie uns darzustellen. Genügsamkeit ist unzweifelhaft eine grosse Tugend, aber ich sehe nicht ein, dass es richtig wäre, sich damit zu begnügen, von einer schönen Blume zu wissen, dass sie in unsern Bergen wild wächst, — wie der blaue *) Anmerkung. Ich will hier übrigens erwähnen, dass dieser Ausdruck nicht von mir erfunden ist, ich fand ihn in der englischen Zeitschrift »The Garden« und er schien mir treffend. Der wilde Garten. Enzian z. B., — wenn man sie mit leichter Mühe bei sich einbürgern kann, um ihr dann auf jedem Spaziergange zu begegnen. Oder sollte ich mir es darum versagen, Alpenveilchen an einem stillen Fleckchen meines nächsten Gehölzes zu ziehen, weil ich mich noch lebhaft des Entzückens erinnere, mit welchem ich aus meinem Gebirgswägli sprang, als ich auf dem Wege von Salzburg nach Berchtesgaden ihnen zum ersten mal in freier Natur begegnete? Wer diese Genügsamkeit als richtig anerkennt, spricht damit der ganzen Gartenkunst ihr Urtheil als überflüssig, denn sie bemüht sich ja vor Allem, uns das zu schaffen und in bester, geschmackvollster Weise vor Augen zu führen, was wir nicht ohne Weiteres an jedem Weges- rand und zu jeder Zeit finden. Dass diese Wegeränder, trotzdem sie keine Gärtnerhand berührt, oft entzückend schön und viel lieblicher sind als gärtnerische Vollendung je erreichen wird, ist mir wohl bewusst. Dies Bewusstsein aber grade ist es, welches mich den ;< Wilden Garten» lieb gewinnen Hess. Ich habe einen grossen Theil der Welt durchstreift, aber jetzt erst, nachdem ich viel ruhiger daheim lebe, sehe ich ein, wie Vieles ich von den Rändern meiner Wege hätte mitnehmen können, um es zu Hause einzubürgern. Wenn ich nun hoffe, durch diese einleitenden Worte in Bezug auf meine allgemeinen Ziele verstanden zu sein, so bedarf es doch wohl heute noch einer gewissen Rechtfertigung, warum ich wünsche, dass diese Form der Gärtnerei den bei uns üblichen hinzugefügt werde. In späteren Heften werde ich dann auf die Einzelheiten des «wo» und «wie» eingehen. Rings um die Erde liegt eine breite Zone, welche in klimatischer Beziehung Deutschland ähnlich ist. Ein grosser Theil davon ist der Forschung kaum erschlossen und fast keine Post kommt an, ohne uns von neuen Entdeckungen schöner Pflanzen Kunde zu bringen, sei dies aus den Prairien von Nord-Amerika, aus den Steppen Süd-Russlands oder aus Japan. Viele der Pflanzen, hoch und niedrig, welche wir seit Jahren gewöhnt sind, als einheimisch zu betrachten, stammen daher, denken Avir nur einfach an Akazie und Kartoffel; nichts behindert uns also, die neuen, wenn sie uns gefallen, den alten beizugesellen. Nun präsentiren sich aber die meisten Pflanzen am schönsten, wenn man sie an ihren natürlichen Standorten, umgeben von ihren natürlichen Genossen, sieht. Manche verlangen sogar diese Rücksichtnahme auf ihre Individualität, um überhaupt zu leben. Bei der Art und Weise, wie wir jetzt unsere Gärten meist arrangiren, ist das sehr schwer durchführbar. Wir thun den Blum en meist schreiendes Unrecht. Zwei Haupt -Systeme existiren bei uns für das Arrangement unserer Blumen-Parterres. Entweder man pflanzt die Blumen in regelmässig ge- formten Beeten in Massen in den Rasen — Teppich-Gärtnerei — oder man bringt verschiedene Arten zusammen auf Rabatten; diese letzteren werden Der wilde Garten. 39 entweder den Baum-Partieen vorgelegt, oder auch in regelmässigen Formen nahe dem Hause untergebracht. Die Teppich-Gärtnerei hat meiner Meinung nach nur da Berechtigung, wo sie in der Vollendung gehandhabt werden kann. Auf den obersten Terrassen grosser Schlösser oder vor Etablissements wie die Frankfurter, Charlottenburger und Cölner Flora. Bei kleineren Anlagen wird schwerlich ein guter Gesammt- Effekt erzielt werden; man gelangt da zu einzelnen Beeten leuchtender Blumen en masse. Silenen mit Vergissmeinnicht-Ein- fassung im Frühjahr, dann folgen vielleicht Pelargonien, oder man hat Stiefmütterchen mit grauer Bordüre, niedergehakte Verbenen und was es dergleichen mehr für hübsche Sachen giebt. Aber wie unglaublich lang- weilig ist das auf die Dauer! Ich habe zwei Jahre lang prachtvolle Knollen- begonien, eingefasst von Kaiser-Wilhelm-Lobelien, gehabt. Der Farben- Effekt war grandios, aber um keinen Preis litte ich ihn zum dritten mal vor der Veranda, in welcher meine Damen einen grossen Theil der Sommer- tage zubringen. Nicht aus Sucht nach Abwechslung bin ich dieser Meinung, sondern weil das Auge durch die Masse des leuchtenden Roth und Blau auf die Dauer beleidigt wird. Will man aber genug wechseln, so ist der Spass nicht allein im Ver- hältniss zum Erfolge sehr theuer, sondern man muss ihm gradezu vieles Andere, Bessere zum Opfer bringen. Die Austopferei und Abräumerei dauert dann den ganzen Sommer, selten ist Alles schön gefüllt und im günstigsten Fall vernichtet der erste Oktober-Frost die ganze Herrlichkeit. In diesem Jahre habe ich mir zum Trost noch Helleborus, kleine Retinospora aurea und dergleichen auf das Leichenfeld der Begonien gepflanzt, und hoffe noch zu Weihnachten meine Freude daran zu haben. In einer späteren Nummer werde ich meine Einwendungen gegen die Rabatten vorbringen und auf Einzelheiten des wilden Gartens eingehen. Dendrophilus. Das Dörren des Obstes nacli amerikanischer Metliode. Von B. V. USLAR, Kunst- und Ilandelsgärtner in Ilildesheim. ^JS/ie wichtigste ökonomische Verwendungsart des Obstes in reichen Obstjahren ist, abgesehen von der Verwerthung des Obstes zu Wein, das Dörrverfahren. Wie viele Tausende von Hektolitern Obst sind wohl in dem letzten Jahre umgekommen oder an das Vieh verfüttert, die gedörrt in obstarmen Jahren zu hohen Preisen hätten verwerthet werden können. Wir hier im Hildesheim'schen haben i88i eine so reiche Obsternte gehabt, wie seit langen Jahren nicht. Wie es nun so oft im Ueberfluss geht, dass man AQ B. V. Uslar: das Gebotene nicht für magere Zeiten zu sparen oder zu konserviren ver- steht, so ging- es aucli diesen verflossenen 1 ierbst. Wäre nicht ein flotter Handel eingetreten, der unsern Ueberfluss nach anderen Gegenden hin di- rigirt hätte, so wäre gewiss noch viel mehr Obst zu Grunde gegangen. Hiermit will ich nicht beliaupten, dass die edlen, bekannten Sorten dem Verderben ausgesetzt gewesen wären, denn diese sind zu sehr guten Preisen verwerthet und alle an den Mann gebracht. Aber die vielen unbekannten Sorten Aepfel und Birnen, welche sich in Deutschland noch überall in grossen tragbaren Exemplaren vorfinden und deren Güte sehr zweifelhaft ist, diese sind es gerade, welche uns den Ueberfluss gebracht haben. Man sehe auf dem Lande nur einmal die Obstgärten durch, wie viele Sorten Aepfel und Birnen da nicht vorhanden sind, die in keinem pomologischen Werke beschrieben sind, und die auch kein Pomologe kennt. Dank dem deutschen Pomologen- Verein, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, diesem Wirrwar von Obstsorten ein Ende zu machen und durch Empfehlung von guten, tragbaren, für unser Klima und unsere Bedürfnisse passenden Sorten, durch Schriften und Abbildungen, Ordnung in das pomologische Durch- einander zu bringen. Hin und wieder findet man ja ^Einrichtungen, wo Obst getrocknet wird, theilweise auch, wo schönes delikates Dörrobst bereitet wird; letz- teres bleibt aber meistens in der Familie und wird kein HandelsartikeL Theilweise wird auch wieder eine Qualität Obst gedörrt, die eher aus- sieht, als wenn sie im Rauchfang gedörrt ist, und diese Qualität ist, das- jenige Dörrobst, welches bislang allgemein im Handel war. Plier bei uns im Hildesheimschen wird etwas Obst gedörrt, aber meistens bei den Bäckern im Backofen. Ist der Ofen noch zu heiss, dann verbrennt das Obst theilweise, oder es bekommt doch eine braune Farbe, wodurch der Handelswerth bedeutend beeinträchtigt wird. Richtig eingerichtete Obst- dörren giebt es hier nur vereinzelte, und diese sind dann zum eignen Ge- brauch, so dass kein Handelsobst gewonnen wird. Die Amerikaner mussten uns, wie in so vielen Dingen, erst mit einem guten Beispiele vorangehen, und uns von ihrem gedörrten Ueberflusse her- senden, damit wir sehen konnten, was sich aus dem Obste, wenn es rich- tig gedörrt wird, herstellen lässt. Der Zweck meiner Abhandlung ist, das sehr einfache Verfahren der Amerikaner hier zu schildern, zugleich aber auch eine Veränderung in der Anlage des Dörrofens zu veröffentlichen. Aus einer amerikanischen Zeitschrift lernte ich das Dörrverfahren kennen, welches hauj^tsächlich darauf beruht, »durch starken, heissen Luft- zug die wässerigen Theile aus dem Obste zu entfernen, den Zucker, das Aroma und die Gallerte zu erhalten, so dass sich die Früchte mehrere Jahre hin conserviren lassen.« Der sehr einfache Apparat besteht aus einem schmiedeeisernen Säulen- ofen, der mit einem unten und oben offenen Metallmantel umgeben ist. Ueber der oberen Oeffnung ist eine Flügelscheibe angebracht, welche von Das Dörren des Obstes nach ameiikanischer Methode. 41 der Hitze herumgetrieben wird und durch die Drehungen die Hitze gleich- massig vertheilt. Die kalte Luft strömt durch die untere Oeffnung, wird erhitzt und durchströmt die mit dem zu dörrenden Material belegten Hürden. Nach dem Durchlesen dieses Artikels erinnerte ich mich der Oefen, deren Erfinder Herr Dr. Meidinger ist, welche in dem Eisenwerke Kaiserslautern in allen möglichen Grössen und Formen fabricirt werden. Sofort verschaffte ich mir einen solchen Ofen, stellte denselben an der Fig. 10. Obstdörre nach amerikanischem System. Stelle einer Lucas 'sehen Dörre auf, Hess von einem Schlosser auf den runden Ofen einen Aufsatz von Eisenblech anfertigen, der in einem Viereck von 50 cm Seitenmass endete. An beiden Seiten und hinten Hess ich Winkel- eisen anbringen, um das Aufschieben der Hürden zu erleichtern, dagegen die Vorderseite eben herstellen. Um das Verschieben der Hürden px ver- hüten, Hess ich 2 schwache Eisenstangen (sog. Bandeisen) an jeder Seite der Winkeleisen annieten und dieselben an der Decke des Lokals befestigen. Beifolgende Zeichnung verdeutlicht das oben beschriebene Verfahren. A. ist der innere, starke, gusseiserne Ofen, welcher zur Aufnahme des Heizungsmaterials bestimmt ist. A2 ß- '^- Uslar: B. zei<^t die Eisenblechhülle, welche 5 — 6 an vom Ofen A. entfernt, das Ausstrahlen der Hitze nach dem äusseren Mantel C. verringert. C. ist die äussere Hülle, welche von der inneren Hülle wieder 5 — 6 cm entfernt ist. Die kalte Luft, welche unten zwischen den beiden Hüllen eindringt, wird erhitzt und nach oben getrieben, während die äussere Hülle oben erwärmt wird. D. ist eine eiserne Flügelscheibe, von dünnem Eisenblech gefertigt, deren eine Seite nach oben, die andere Seite nach unten gebogen ist, in der Art der Windmühlenflügel. Diese Scheibe ruht in einem Eisengestell, welches auf den oberen Rand des Ofens aufgesetzt wird. Die Scheibe muss aber so gross sein, dass sie fast den oberen viereckigen Raum des Ofens unter den Hürden ausfüllt. Durch die rasch aufsteigende erhitzte Luft wird die Flügelscheibe rascher oder langsamer in Bewegung gesetzt und zertheilt die Hitze ganz gleichmässig unter die Hürden. E. ist das Ofenrohr, welches den Rauch in den Schornstein befördert. F. sind die Winkeleisen, zwischen w^elche die Hürden G. geschoben werden. Die Hürden sind aus Tannenholz gefertigt, 50 an im Quadrat, 6 cm hoch. Die Unterseite ist mit verzinktem Eisendrahtgeflecht unterspannt, dessen Maschen i cj/i weit sind. Für meinen Ofen besitze ich 18 Stück solcher Hürden, welche den ganzen Raum zwischen dem Ofen und der Decke einnehmen, so dass nur ein Raum von 25 cm übrig bleibt, um das Aufziehen der Hürden zu bewerkstelligen. / sind kleine Häkchen, deren 4 an jeder Hürde angebracht sind, an welchen die Ketten K. befestigt werden, woran die Hürden aufgezogen werden können. Die Ketten sind starke Messingketten, wie sie bei Gaskronleuchtern gebraucht werden und müssen JS ^g: tragen. Unter der Decke ist für jede Kette eine starke Rolle angebracht, über welche die Ketten hinlaufen. Die beiden Ketten jeder Seite sind hinter der letzten Rolle vereinigt und laufen über 2 Rollen, die unter der Decke oder an der Wand befestigt sind und schliesslich in einem starken Ringe endigen, welche an dem Haken L., der in der Wand befestigt ist, nach dem Aufziehen der Hürden angehängt wird. Wenn alle 18 Hürden mit Obst belegt sind, so gehört schon immer eine Manneskraft dazu, um die Hürden aufzuziehen. Ich werde deshalb an der Wand einen Hebel anbringen lassen, an dem die Ketten befestigt werden, so däss durch Niederdrücken des Hebels das Aufziehen erleich- tert wird. Der Ofen wird beim Gebrauche ganz mit Coaks gefüllt, und wie das bei diesen Oefen üblich ist, von oben in Brand gesetzt. Die Hitze steigert sich allmälig, bis der eigentliche Ofen in Glühhitze geräth. Je stärker die Hitze wird, desto stärker wird der Luftzug von unten, so Das Dörren des Obstes nach amerikanischer Methode. 43 dass die Flügelscheibe in immer schnellere Umdrehung kommt und das Verbrennen der Früchte verhindert. Ich verbrauche in meinem Ofen täg- lich von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends für ungefähr 20 — 25 Pf. Coaks und erziele damit 15 — 20 Pfund gedörrtes Obst. Das Dörrverfahren ist bei mir folgendes: Sobald morgens der Dörr. ofen angeheizt wird, beginnt auch sogleich das Schälen des Obstes. Zum Schälen verwende ich zwei Maschinen, von denen aber eine hinreichend ist, um den Dörrofen genügend mit Material zu versehen. Ich halte das Schälen des Obstes unmittelbar vor dem Dörren für unbedingt nöthig, da das Obst, zumal süsse Aepfel, beim längeren Liegen an der Luft die Farbe verändert, braun wird und das Ansehen verliert; anderntheils halte ich das Schälen mit Maschinen für unbedingt nöthig, damit das Obst nicht mit den Fingern in Berührung kommt und durch den Saft und den Schmutz, welcher sich auf allen I'rüchten befindet, eine schmutzige Farbe erhält. Zuerst beginne ich mit dem Dörren der Aepfel, da diese P'rüchte am meisten im Handel verlangt werden. Sobald die Aepfel geschält sind, wird von anderer Hand der Kelch und Stiel nebst etwaigen Schalenresten weggeschnitten und mit einem Kernhausbohrer, deren ich vier verschiedene gebrauche, das Kernhaus ausgestochen (für die grössten Aepfel von 7 — 8 cm Durchmesser gebrauche ich einen 20 mm grossen Kernhausbohrer, der kleinste ist 9 ;//;//, mit welchem die kleinen Borsdorfer Aepfel ausgehöhlt werden). Dann werden 5 — 7 viui dicke Scheiben von dem Aepfel ge- schnitten und diese neben einander auf die Hürde gelegt. Nach 6 — 8 Mi- nuten ist die Hürde belegt und wird sofort auf den Dörrofen geschoben. Hier wird das Obst der stärksten Hitze ausgesetzt; die wässerigen Theile verdunsten sehr schnell und die Scheiben werden trocken. Nach weiteren 6 — 8 Minuten ist die zweite Hürde mit Aepfelscheiben belegt und tritt nun das Hebewerk in Thätigkeit. Die vier Ketten werden an die vier Haken der untersten Hürde gehängt und die Hürde wird in die Höhe gezogen und die zweite Hürde untergeschoben. Nun erhält das Obst der untersten Hürde wieder die stärkste Hitze, während die obere Hürde mehr der Hitze entzogen wird. Nach weiteren 6 — 8 Minuten werden die Ketten wieder an die unterste Hürde gelegt, beide Hürden werden in die Höhe gezogen und die dritte Hürde wird untergeschoben, und so wird fortgefahren, bis 10 — 12 Hürden belegt und untergeschoben sind. Einige Scheiben werden schon so weit trocken sein, dass sie aus der Dörre entfernt werden können; man nimmt diese ab und legt die trockenen Schnitte auf eine Hürde zu- sammen, wodurch wenigstens eine Hürde schon wieder frei wird zur Auf- nahme neuer Aepfelschnitte. Dabei wird aber alle 6 — 8 Minuten eine frische Hürde untergeschoben, bis alle 18 Plürden belegt sind. Sodann regulire ich die Hitze des Ofens dadurch, dass ich den Schieber an dem Ofen so weit zuschiebe, dass nur das Feuer noch schwach er- halten bleibt, nehme die oberste Hürde ab, sortire das trockne Obst von dem noch nicht (genügend getrockneten und schiebe diese Hürde, wenn 44 B. V. Uslar: Das Dörren des Obstes nach amerikanischer Methode. sie wieder vollständig belegt ist, wieder unten auf den Ofen, nehme wieder die oberste Hürde ab und verfahre auf dieselbe Weise wie vorher ange- geben. Gegen 4 — 6 Uhr Abends ist sämmtliches Obst getrocknet, und das Feuer im Ofen kann verlöschen. Ich habe dann, je nachdem die Scheiben dicker als 5 mm geschnitten waren, 24 — 28 Hürden voll Aepfelschnitte ge- trocknet und dabei alle 4 Stunden den Ofen mit frischem Coaks nach- gefüllt. Hauptsache bei dem Dörrverfahren bleibt aber, dass man den Zeitraum von 6 — 8 Minuten zum Unterschieben der Hürden nicht verlängert, sonst verbrennt das Obst oder bekommt doch gelbe oder braune Ränder, wo- durch das Aussehen sehr verschlechtert wird und auch die Qualität sehr durch den bitteren Geschmack, den verbranntes Obst annimmt, leidet. Birnen, welche nicht in Scheiben, sondern in zwei Hälften geschnitten werden, bedürfen schon längerer Zeit, ehe sie trocken werden; immerhin genügen aber 12 — 18 Stunden, um Birnen vollständig zu trocknen. Mit Zwetschen habe ich kein Glück gehabt, denn dieselben schwollen in der Hitze an, platzten dann auf, und der Saft lief durch die Hürden auf die Flügelscheibe, wodurch dieselbe oft stehen blieb, so dass die halb gedörrten Früchte verbrannten. Zu Zwetschen gehört eine gelinde, aber anhaltende Wärme, um dieselben schön zu dörren, und dazu empfehle ich die kleinen Haushaltsdörren. (Kleine hölzerne Schränke, welche 4 — 6 Hürden über einander fassen, und welche, nachdem der Küchenheerd frei ist, auf denselben gestellt werden, wo die Zwetschen dann allmälig ein- trocknen.) Sodann habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nur reifes Obst zur Herstellung von sog. Ringeläpfeln verwenden soll, da Fallobst oder unreifes Obst nie so blendend weiss wird, wie völlig reifes. Bei Birnen ist die völlige Reife nicht gut, da dieselben bei der starken Hitze an- fangen zu schmoren und dann schwer trocknen, dabei auch eine braune Farbe annehmen, obgleich solche Birnschnitzel sehr süss und wohlschmeckend werden. Dieserhalb lasse ich aber doch kein Fallobst umkommen, sondern schneide dasselbe in sog. Spalten, damit ich dieses Obst von dem reifen unterscheiden kann. Diese Aepfelspalten werden dann mit Birnen oder Zwetschen zusammen gekocht und geben mit den süssen Birnen oder Zwetschen ein schön schmeckendes Kompot. Der ganze Dörrapparat nimmt bei mir nur eine Grundfläche von 75 qcni ein und ist auf dem Flur meines Samenladens aufgestellt, weil sich hier gerade ein Schornstein befindet, in welchen der Rauch abgeleitet werden kann. Sollte ich den Ofen über Winter noch zur Heizung eines Raumes benutzen wollen, so brauche ich nur den oberen viereckigen Auf- satz abzunehmen und stelle den Ofen als Zimmerofen etc. an einer andern Stelle wieder auf. Wie sich der Dörrapparat zum Abdampfen von Ge- Spaliergärten. a^ müsen etc. eignet, habe ich noch nicht ausprobirt, werde aber die Versuche im nächsten Jahre beginnen.*) *) Die uns übersandten Dörrobst-Proben, vorgelegt in der Versammlung des Vereins z. B. d. G., waren von vorzüglicher Qualität, die Aepfel von fast blendendem Weiss. D. Red. Spaliergärten. lt^,iir das im Erscheinen begriffene treffliche Werk des Kgl. Garten-Inspectors zu Potsdam, W. Lauche, »der Obstbau« Verlag von Paul Parey in Berhn, sind so vortrefthche Abbildungen von Spaliergärten vorbereitet, dass wir uns vom Verfasser und vom Verleger die Erlaubniss ausgebeten haben, einige derselben schon vorher an dieser Stelle bringen zu dürfen. 1. Spaliergarten in Verbindung mit dem Wohnhause. Bei Fig. ii wird ein Spalierobstgarten mit Umfassungs- und Parallelmauern in der umfassendsten Weise zweckmässig ausgenutzt. Die Anlage zerfällt in zwei Hauptabtheilungen, eine für das Wohnhaus mit seiner Umgebung und eine für die Kultur der Obstbäume. A ist das Wohnhaus, von Rasen, schönblühen- den Gehölzen und Rosen f/J umgeben. B Stallung; a und /> ein Rasenstück mit Birnpyramiden oder hochstämmigen Rosen bepflanzt. Die Beete des Haupt- weges sind mit 12 Pyramiden und 24 Spindelpyramiden besetzt. Die Quartiere I, 2, 3, 4, 5 und 6 enthalten je 25 Birnpalmetten, 7, g und 11 je 28 Apfel- palmetten und 8, IG und 12 je 19 Birnpyramiden. Die nördliche Mauer («) enthält 18 Grosse lange Lothkirschen, die südliche dagegen Weinstöcke; die Parallelmauern sind an der Morgenseite mit 70 Pfirsichen, an der Abendseite mit Aprikosen und Herbstbirnen bepflanzt. 2. Der Obstgarten im landschaftlichen Styl. Peinige Grundbesitzer wollen das Nützliche mit dem Schönen verbinden und einen parkähnlichen Garten haben, der nur aus Obstbäumen und Frucht- sträuchern hergestellt werden soll. Es soll dabei von einer regelmässigen Pflanzung ganz abgesehen und die Bepflanzung in unregelmässiger Gruppirung ausgeführt werden. Die Gruppen in der Nähe der Wohnung und an der Grenze können aus Haselnüssen, Quitten, Mispeln, Kornelkirschen, Johannisbeeren und Stachelbeeren zusammengesetzt werden. In Fig. 12 ist a das Wohnhaus, /) Stallung, c Garten für Beerenobst und Erdbeeren, d hochstämmige Obst- bäume, in zusammenhängenden Gruppen von Aepfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen; e Pyramiden von Birnen, Aepfeln, hochstämmigen Stachel- und Jo- hannisbeeren. 46 Spaliergärten. igiijiPg?^/^g!gffi^Eg''''g^g^^Igg»^ Fig. II. Spaliergarten in Verbindung mit dem Wohnhause. Spaliergärten. 47 '30. ~VÄ ?« Of. /' Insleyi, Leopardinum. Oncidium exasperatum, sehr wohl- riechend. Heicia sanguinolenta. Coelogyne speciosa und fimbriata. Maxiilaria venusta. Kefersteinia graminea. Masdevallia amabilis, coccinea. » gorgona, Veitchii, infracta. » Chimaera, polysticta. und verschiedene andere. Interessante blühende Pflanzen. 59 2. Im Königlichen Hofgarten zu Carlsruhe (Baden) im October und theilweise November. Mitgetheilt vom Garten-Inspektor E. Mayer daselbst. Ansellia africana Lindl. Coelogyne (Pleione) Lagenaria Lindl. „ „ maculata Lindl. „ „ Reichenbachiana T. Moore. „ „ Wallichiana Lindl. Houlletia picta Rchb. fil. Masdevallia Lindenii Rchb. fil. „ polysticta „ „ tovarensis „ ,, NB. Agave schidigera Ch. Lem. rüstet sich zum Blühen Masdevallia Veitchii X Rchb. fil. Odontoglossum Alexandrae Batem. Oncidium incurvum Bark. ,, Lanceanum Lindl. Pescatorea Klabochorum Rchb. fil. „ Lehmannii ,, „ Restrepia antennifera H.B.K. var. fi.isca. Saccolabium Dayanum Hort. Vanda coerulea Griff'. 3. Im Borsig'schen Garten zu Berlin im November i88i. Mitfretheilt vom Gartenbau-Director Gaerdt. Angraecum bilobum Lindl. Cattleya bicolor Lindl. » labiata Lindl. Coelogyne fimbriata Lindl. » speciosa Lindl. Cymbidium giganteum Lindl. Cypripedium barbatum Lindl. » Harrisianum (hybr.) » insigne Wall. » purpuratum Lindl. » venustum Hort: » villosum Lindl. Laelia Lindeniana Hort? Laelia Perrinii Lindl. » praestans Rchb. fil. Lycaste cruenta Lindl. » macrobulbon Lindl. » mesochlaena Rchb. fil. Maxillaria picta Hook Oncidium Papilio Lindl. Phalaenopsis grandiflorus Lindl. Sarcanthus rostratus Lindl. Sigmatostalix radicans Lindl Vanda tricolor ic suavis Rchl). fil. Zygopetalum crinitum Lodd. » Mackayi Hook. 4. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin. Mitgetheilt von W. Perring. Im hiesigen Königl. botanischen Garten blüheten in den Monaten Oktober und November d. J. 259 Arten und Abarten von Gewächshauspflanzen, unter denen sich 31 Orchideen, 15 Bro- meliaceen, 78 diverse Warmhaus- und 135 diverse Kalthauspflanzen befanden. Von diesen sind nachstehende Arten und Abarten blumistisch werthvoU oder botanisch interessant. I. Orchideen: Ansellia africana Lindl., var. obscura, eine schöne von Hildebrandt aus Mombassa ein- geführte Varietät, die sich von der Stammart durch kürzere und dickere Scheinknollen, sowie durch leichtere Blühbarkeit und intensivere Blüthenfärbung vortheilhaft unterscheidet. Cattleya intermedia Lindl., hellviolett mit weissem Labellum. Cattleya violacea Hort., hellviollett. Cymbidium Mastersii Lindl., weiss. Cypripedium longifolium, grünlich. barbatum Lindl., var. superbum, purpurbraun. insigne Lindl., allgemein bekannte, in jedem Warmhause, selbst im Kalthause, gedeihende, dankbar blühende tropische Art, deren Blumen sich vortrefflich zur Binderei eignen. 6o Interessante blühende Pflanzen. Lycaste mesochlaena var. albida, weiss. Miltonia spectabilis Lindl., weiss mit hellpurpurrothem Lalicllum. Odontoglossum grande Lindl., sehr gross, gelb mit braunen Flecken. Phajus cupreus BL, kupferroth. Sarcanthus tricolor Rchb. fil., BI. klein, bräunlich in langer Traube. Stanhopea aurea Lodd., Bl. goldgelb. » oculata Lindl., gelblichweiss, braungefleckt. " tigrina Batem. ßl. weisslichgelb, braun getigert. Zygopetalum crinitum, Fetalen grünlich, braun gefleckt, Laljellum weiss, blauviolett gezeichnet. 2. Bromeliaceen: Aechmea agglomerata, roth. » discolor, roth. » fulgens, leuchtend roth. » miniata var. discolor, leuchtend roth. Billbergia Carolinae, mit prächtig rothen Herz- blättern. » amoena, roth. » Croyana, rosa und violett. » Loddigesii Steud., roth. i> splendens, leuchtend roth. 3. Diverse Warmhauspflanzen Caraguata splendens, scharlachrothe Brakteen. Nidularium amazonicum, roth. fulgens, Herzblätter feurig roth. Laurentianum, roth. » Meyendorfi var. spectabilis Rgl., mit prachtvollen, scharlachrothen Herzblättern. Pitcairnea leiolema, prächtige, zinnoberrothe Traube. Anthurium Scherzenianum, leuchtend roth. Adamia versicolor, zartrosa. Aeschynanthus grandiflorus, roth. Aphelandra bullata, Brakteen roth,Blüthen gelb. Ataccia cristata, schwärzlich purpur. Begonia Weltoniensis *), rosa. » floribunda, hellrosa. » fuchsioides, roth. » miniata, mennigroth. » nitida, rosa. •> Saundersii, roth. !> Schmidtii, weiss. » sinuata, weiss. » tomentosa ricinifolia, weiss. Cestrum aurantiacum, goldgelb. ' noctuinum var. odoratissimum. Crinum augustum, purpurroth. Eranthemum tuberculatum, krautartige, buschige Pflanze, mit weissen Blumen, reichblühend. Franciscea calycina, violett. Geissomeria longiflora, krautartige reichblü- hende Pflanze mit rothen, röhrigen Blumen. Gronovia pulchella, kleine, krautartige Pflanze mit lippenförmigen, helllila Blüthen. Justicia calycotricha, hellgelb. Naegelia (Gesnera) Geroldiana, roth. Peperomia resedaeflora, weiss. Rhytidophyllum floribundumCh. Lern., niedrige Pflanze mit langröhrigen , rothen Blüthen. Stenogastra concinna, hellviolett. Sonerilla Hendersoni Lindl. var. argentea, rosa. Tetranema mexicana, lila. Thyrsacanthus rutilans, langröhrige, rothe Blüthen in hängender Rispe. Virchowia africana Vatke, sukkulente Ascle- piadee, mit kleinen braunen Blüthen, nur botanisch interessant. (Wird fortgesetzt.) Literatur. Rümpler, Th. lUustrirtes Gartenbau-Lexikon. Berlin, Verlag von Paul Parey. Ein starker Band in Gross-Octav mit 1002 Holzschn. Preis 24»^//., geb. 27^. Das unter Mitwirkung der ersten Autoritäten von Herrn Th. Rümpler, Ge- neral-Sekretair des Gartenbau-Vereins in Erfurt, seit 1880 herausgegebene Lexikon liegt nun vollendet vor und wir können sagen, dass in der That mit diesem *) Diese und die folgenden Begonien sind als Sommerblumen bekannt, sie eignen sich aber auch vorzüglich für die späten Ilerbstmonate. Fersonalnachrichten. — Sprechsaal. 5 1 Werke einem längst gefühlten Bedürfniss abgeholfen ist. Mit Recht bemerkte die Verlagsliandliing in ihrem Prospecte, dass trotz der zahlreichen Spezialwerke ein Compendiiim nothwendig sei, in welchem Jeder, ohne viel Zeit zu verlieren, die wünschenswerthe Auskunft finde und dieser Zweck ist durch vorliegendes Werk erreicht. — Die einzelnen Artikel sind verhältnissmässig ausführlich behandelt und findet man selbst Gegenstände, die man kaum erwarten sollte. So z. B. ist sehr interessant der Artikel über > Amerika's Gartenbau«, der über »Deutsch- land«, »England«, ^) Thüringer Gartenbau« u. s. w. Wünschenswerth wäre es aber gewesen, wenn die einzelnen Orte, wie z. B. Schwetzingen, Hamburg etc. in der alphabetischen Folge wenigstens als Stichwörter und mit Hinweis auf den Artikel, in welchem sie behandelt worden, aufgeführt wären. Es hätte also z. B, heissen müssen: Hamburg, siehe Deutschland, Erfurt, siehe Thüringen. Gern hätten wir auch einen Artikel »Statistik« gesehen, ferner einen über »Gemüsebau«, in welchem die wichtigsten Gemüse bauenden Distrikte, wenigstens die Deutsch- lands, zusammengestellt wären. Doch wir verkennen nicht, dass da leicht durch Weglassung eines Namens grosse Reklamationen verursacht werden könnten. Sehr ausführlich ist Rümpler's Lexikon in Bezug auf Pfianzennamen und das ist ja schliesslich die Hau])tsache; man findet bei jeder Gattung die Familie an- gegeben, auch die wichtigsten Arten und kurz die Kiütur aufgeführt. — Ebenso ist das Lexikon sehr reich an Biographien und wird als solches nicht nur dem Gärtner und Blumenliebhaber, sondern auch vielen anderen Kreisen sehr will- kommen sein. Personalnachrichten. Dem Hofrath Professor Dr. von Ahles, Vorstand des Württembergischen Gartenbauvereins ist die Krone zum Ritterkreuz erster Klasse der württ. Krone verliehen; dem Garteninspektor A. Wagner, dem Handelsgärtner Wilhelm Pfister sen. und dem Hofgärtner Lebl in Langenburg das Ritterkreuz des Friedrichordens. — Professor Wittmack ist zum Ehrenmitglied des Gothen- burger Gartenbauvereins ernannt. Derselbe ist für das Geschäftsjahr v. October 1881 — 1882 zum I. Vorsitzenden des botanischen Vereins der Provinz Branden- burg erwählt. — Der bekannte Botaniker Dr. Otto Wilhelm Sonder starb zu Hamburg am 21. November im 70. Lebensjahre. Barmen, 16. November. Gestern starb hier der frühere Beigeordnete und Fabrikant Ludwig Ringel, 73 Jahre alt. Nach der »Rh.-W. P.« hat der Ver- storbene dem Verschönerungsverein 100,000 Mark vermacht. Sprechsaal. I. Im Juni d. J. erhielt ich einige Farnstämme und Orchideen aus Guatemala, und zog aus der diesen anhaftenden Erde eine grosse Menge Pflanzen, unter denen recht interessante Sachen zu sein scheinen. Von vorn herein that sich eine solche durch besonders üppiges Wachsthum hervor und nach den ersten Blättern meinte ich eine Dahlia vor mir zu haben Diese Pflanze, in vielen Exemplaren vorhanden, wuchs ebensogut in freiem Grund, wie im Kasten ausgepflanzt, und bildete einen stark verzweigten Busch von i — 1,20 /;/ Höhe. Im August in Töpfe gepflanzte Exemplare bedeckten sich im temperirten Hause bald über und über mit niedlichen weissen, wohlriechenden Blumen. Die Pflanze scheint den ganzen Winter hindurch blühen zu wollen und schon dadurch werthvoll zu sein , denn immer neue Triebe, immer neue Knospen und Blumen entwickeln sich. T. N. in P. Antwort: Die 2 Zähne an den Achänien charakterisiren Ihre Pflanze als zur Gattung Bidens gehörig. Ich hielt sie erst für Bidens odorata Cav., allein Prof Ascherson überzeugte 52 Sprechsaal. sei. Bidens pilosa ist ursprünglich ein Bewohner Nordamerikas, von Pennsylvanien bis Carolina, jetzt aber in allen wärmeren Gegenden verbreitet, auch in Aegypten. Vom Geruch ist in den Handbüchern nichts erwähnt. In den bot. Gärten befindet sie sich schon lange. Bitte ziehen Sie .Samen von diesem Winterblühcr! L. W. 2 und 3. Erlaube mir Ihnen Fasciation einiger Apfelzweigspitzen sowie Knollenbildung an Wurzeln eines Birnenhochstanmies zu übersenden. Die Art der Birnen-Unterlage ist nicht mehr festzustellen, ob Wildling oder Crataegus, möglicherweise auch Quitte. Beide, Apfel sowohl wie Birne sind auf lehmhaltigem Sandboden mit stark kiesigem Untergrunde gewachsen und ist die Ernährung mithin sehr langsam von Statten gegangen. — M. H. in B. Bemerkung der Redaktion, ad 2. Eine Fasciation kann man die Abnormität bei den Aepfeln wohl nicht gut nennen. Es ist eine Anschwellung des Holzkörpers an der Stelle, wo augenscheinlich der Haupttrieb abgestorben, während der Seitenzweig entwickelt ist. ad 3. Die Knollen an den Birnljaumwurzeln sind eine ziemlich häufige Erscheinung, ohne dass bisher die direkte Ursache dieser Bildung gefunden werden konnte. Möglicherweise hat eine Beschädigung der Wurzelspitzen zu dieser mit einer Maser zu vergleichenden Wucherung Anlass gegeben. 4. Per Post sende ich Urnen Probe eines Grassamens, welchen wir hier aus Mexico soeben empfingen und zwar unter der Bezeichnung »Santa Martha- Gras« . Es wird nach Angabe des Zusenders in der frostfreien Region der immergrünen Eichen dort im Grossen angebaut und giebt eine Menge herrlichen Futters Es ist perennirend, verträgt aber keinen "Frost und ist stark in einer Höhe von 12 — 1800 w gebaut. Es wird angeblich 4 — ^m hoch. Ich werde dasselbe hier an verschiedenen Stellen versuchen lassen und bitte, geben Sie die kleine Probe auch zum Versuche dort an interessirte Personen weg. C. S. Neapel. Scheint Panicum jumentorum Pers. L. W. 5. Könnte ich mögl. bald erfahren, wie der Zierstrauch heisst, von welchem ein .Stück- chen Holz nebst Samen als »Muster« beifolgt? .Seine Blüthe soll traubenartig herabhängen. K. F. in F. Ist Staphylea pinnata L. 6. Habe junge Birnbäume geritzt, deren erweiterte Wunden noch nicht verwachsen sind; Holz sichtbar. So stehen lassen oder besser mit Holztheer anstreichen? K. F. in F. Nicht mit Holztheer anstreichen, besser mit Lehm und Kuhmist und dann mit einem Lappen umwickeln, oder auch mit Baumwachs verstreichen. 7 und 8. Bitte um gütige Belehrung. Anbei: zwei Veilchenljlüthen, auf der einen sitzen auf zwei Blättern je fünf kleine rothe Blattläuse. Bei der zweiten sitzt eine mit dem Kopf ein- gegraben am Stiel. 1. Kennen Sie die Thiere oder haben Sie dort Gelegenheit, sie zweifellos bestimmen zu lassen? 2. Sind sie so gefährlich, dass es besser wäre, den ganzen .Satz Veilchen, an dem ich sie fand, zu vernichten? Die Veilchen sind: »Ruhm von CasseK, welche ich soeben erhielt und nun einstweilen in Quarantäne gesetzt habe. v. St. in F. Es sind keine Blattläuse, sondern die sog. rothe Spinne, richtiger rothe Milbe, Acarus telarius. Vertilgung durch Seifenwasser, Tabaksabkochung etc. und fleissiges Lüften. Vernich- ten der Veilchen ist nicht nöthig, aber Quarantäne halten. 9. Wer hatte doch im Januar vorigen Jahres die schönen Veilchen ausgestellt, Kreuzung zwischen, wie er sich ausdrückte, Viola rustica (nicht russica) und einer anderen Sorte? Ich glaube in Braust. v. St. in F. Ja. Rathke u. Sohn in Praust bei Danzig. Ausstellungen. Berlin. 2. Winterausstellung des X'ereins zur Bef. des Gartenbaues, .Sonntag den 15. Januar im Saal der »Passage« zu Berlin. Programme franko beim General -Sekretariat, Berlin N, Invalidenstr. 42. Anmeldungen beim Ordner, Herrn Gärtnereibesitzer Carl Lackner, Steglitz bei Berlin W. Die Gartenbauvereine in und um Berlin beabsichtigen im April 1883 zu Berlin eine grosse gemeinsame Ausstellung zu veranstalten. Hainbni'g. Grosse Frühjahrsausstellung in der neuen Ausstellungshalle April 1882. Anzeigen. 63 m ^0, Ij:#!PeiLM Samen- und Pflanzenhandlung etabl. 1834 ERFÜRT etabl. 1834 (Thüringen) versendet auf P"ranco-Anfrage gratis und franco sein reichhaltiges, illustr Haupt-Verzeichniss über Sämereien und Pflanzen aller Art. 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Jahrhunderts. — Arbeiter-Tabellen (Löhnung etc.) — Vegetations-Kalender für 1882. — Meteorologischer Notiz- Kalender. — Ptlanztafel. — Pflanzenbedarf für Gruppen. — Tejjpichbeet-Beptlanzungen. — Pflanzen- bedarf für I Hectar mit Rücksicht auf verschiedene Anordnung und Abstände. — Pflanzenstückzahl für runde und ovale Beete. — Blumentopf-Sorten. — Stückzahl-Bedarf einiger beliebter Blumen für Beete. — Ueber Rasenanlage. — Heizkraft der Brennstoffe. — Gebrauchswerth einer guten Saat- waare. — Berechnung der Erschöpfung des Bodens durch Anbau von Gemüse und Obstarten, sowie einiger Handelspflanzen. — Mittlere Zusammensetzung der Düngemittel. — Preisbestimmung der käuflichen Düngemittel. — Rettungsmittel bei plötzlichen Unglückställen. — Münzvergleichungs- Tabelle. — Wechselstenipel im Deutschen Reiche. ■ — Längen-, Feldflächen-, Flüssigkeits- und Ge- treide-Maasse. — Reductions-Factoren. — Berechnung des Kubikinhalts von runden Stämmen nach Kubikmetern. — .Schwere verschiedener Korper. — \ergleichung der Thermometcr-.Skalen. — Tabelle zur Berechnung der monatlichen unil jährlichen Zinsen nach Mark. — Die Gartenbau-Gesellschaften und verwandten Vereine in den Staaten des Deutschen Reiches. — Die Unterrichts -Anstalten für Gärtner, Pomologen, Obstgärtner, Baumgärtner etc. — Anzeigen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. ^ c Ft ^ AMes EicMen Lauctie, VERLAG vjN PAUL PAREY in BERLIN. W. Lauche: Abies Eichleri Lauche. 5^ Abies EicMeri Lauche. Eichler's Edeltanne. Von W. Lauche, Kgl. Garteninspector in Wildpark bei Potsdam. Mit I Tafel. "^t^aukasus. Mai. 30 ;// hoher, meist von der Basis an regelmässig mit Aesten besetzter Baum; Rinde bräunhch grau; Blätter zweizeilig, oft fast ringsum gestellt, aufwärts gerichtet, gekerbt, an der Spitze abgerundet, unterseits mit zwei breiten, bläulichweissen Längsstreifen versehen; junge Triebe bläulichgrün; Zapfen JO nun lang, 22 mm breit, schwarzblau, walzig, am Stiel abgerundet, an der Spitze kurz kegelförmig; Deckschuppen schwach gezähnt, mit einer kurzen, hervorragenden Spitze versehen; Frucht- schuppen deutlich gestielt. Samen geflügelt; Flügel so lang, wie die Frucht- schuppe. Abies Eichleri zählt zu den schönsten Edeltannen; sie ist raschwüchsig, vollständig winterhart und treibt im Frühjahre so spät aus, wie A. Noj-d- manniana, weshalb sie nicht durch Frühjahrsfröste leidet. Den Samen dieser bei uns unbekannten Species sendete mir vor etwa 12 Jahren Herr Dr. Radde aus Tiflis zu. Ich hielt die Pflanze — ein Same keimte nur — bis zu ihrer Fructification für eine Form der A. Nordmanniana , von der sie sich im Aeussern nur durch die weisse, heller gefärbte Unterfläche der Blätter und durch die blaugrünen, jungen Triebe unterscheidet. In diesem Frühjahre blühte die etwa 3 m hohe und 2 m breite prachtvolle Pflanze zum ersten Male; glücklicherweise zeigte auch eine in der Nähe stehende A. Nordmanniana junge Zapfen und so konnten leicht die Unter- schiede constatirt werden. Während die grünen Zapfen der A. Nord- vianniana eine Länge von 15 cm und eine Breite von 5 cm aufwiesen, er- reichten die schwarzblauen Zapfen der A. EicJderi nur die oben angegebene Grösse. Das Erscheinen männlicher und weiblicher Blüthen zu gleicher Zeit ermöglichte eine künstliche Befruchtung; in Folge derselben haben sich 14 Zapfen gut ausgebildet. Hoffentlich ist der Same keimfähig, da- mit diese schönste, noch nicht verbreitete Edeltanne auf geschlechtlichem Wege zu vermehren ist. Im Frühjahre habe ich einige A. Nordmanniana im Hause mit der in Rede stehenden Edeltanne veredelt; alle Exemplare sind gut gewachsen. Vorstehende neue Species habe ich zu Ehren des Herrn Professors Dr. Eichler, Director des Botanischen Gartens zu Berlin, benannt. Sanssouci, den i. November 1881. Garten-Zeitung 1882. 64 Nepenthes Northiana. Nepentlies Northiana, Hook. fol. nov. sp. Sp ecieschar akter: Stengel rund, glatt; Blätter lederartig, ziemlich glatt, länglich verkehrt- eiförmig, spitz, Basis in einen kurzen, breiten, stengelumfassenden Blattstiel verschmälert; jüngere Schläuche (an der lebenden Pflanze) 2 '/z Zoll lang, i Zoll breit, grün-röthlich, purpurn gefleckt, cylindrisch-becherförmig, Mündung schief, nach hinten vorgezogen, Mundbesatz dicht gerippt, Deckel herzförmig-rundlich, in der Mitte oben niedergedrückt, innen glatt, Flügel vorn, häutig, hoch, gezähnt-bewimpert. Ausgewachsene Schläuche (nach trockenen Exemplaren) 12 — 16 Zoll lang, 3 Zoll breit, häutig, purpurn-gefleckt, cylindrisch, an der Basis kaum verbreitert, schmal geflügelt, Flügel gezähnt-bewimpert, Mund schiet verlängert, 4'/« — 5 Zoll lang, i '/j Zoll breit, Mundbesatz breit (2 Zoll) übergebogen, regelmässig gerippt -gefurcht, Deckel länglich, verkehrt eiförmig, spitz, 4 — 4 '/a Zoll lang, l — i y2 Zoll breit, trocken eingebogen, innen glänzend, mit kleinen, schwärzlichen Punkten besetzt, die beiden Nerven spreizend, stark hervortretend. J. D. Hooker in Gard. Chron. n. ser. XVI (1881) S. 717. Fig. 14. Nepenthes Northiana Hook. ßl. Junge Kanne in nat. Grösse. Fig. 15. Nepenthes Northiana Hook. ßl. Ausgewachsene Kanne in '/ß ^^'^- Grösse. Das Gardeners' Chron. 1. c. widmet dieser neuen Kannenpflanze eine Abbildung auf einem besonderen Blatte, nach welcher die unsrige mit freundlicher Erlaubniss der Redaktion verkleinert wiedergegeben. N. Northiana scheint eine der riesigsten unter allen ihreii Verwandten. Sie wurde von Herbert Everett, von der Borneo-Compagnie, entdeckt und von Fräulein North, einer unternehmenden Nepenthes Noithiana. ^c Reisenden, die jetzt auf eigene Kosten in Kew-Gardens eine Gallerie für ihre Zeichnungen errichten lässt, in Sarawak, nordwestliches Borneo, gezeichnet. Diese Zeichnung enthusiasmirte Harry Veitch so, dass er sofort einen Reisenden (Curtis) aussandte, um die seltene Pflanze zu holen. — Herbert Everett, von der Borneo- Compagnie, hatte das Original-Exemplar, das Fräulein North zeichnete, gesammelt. Letztere schreibt: >Er durchwanderte pfadlose Wälder zwischen Schlangen und Lurchen, und Jemand, der die Gegend nicht kennt, kann sich keinen Begriff von der Schwierigkeit dort vorwärts zu kommen, machen. Die Pflanzen wuchsen in looo Fuss Meereshöhe an den Zweigen eines Baumes auf den Kalksteinbergen von Sarawak. Als ich sie erhielt, band ich sie in Festons um die ganze Veranda und bedauerte nur, blos einen halben Bogen Papier zum Zeichnen zu haben.« — Die jungen Kannen, die an fadenartigen Fortsetzungen der Mittelrippe des Blattes hangen, sind bei Veitch nur 2 '/2 Zoll lang, i Zoll breit, aber Curtis hat auch einige schöne getrocknete Exemplare mitgebracht, bei denen die Kannen wohl einen Fuss lang sind, dabei röhrenförmig und mit einer breiten, gefalteten Krause wie ein Damenkragen um die Mündung versehen. Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. Von H. Gaerdt, Kgl. Gartenbau-Direktor, Berlin. (Fortsetzung.) ''^n dem Bericht über die Verhandlungen der Section für Obst- und Gartenbau der Schlesischen Gartenbaugesellschaft vom Jahre 1876, heraus- gegeben vom Stadtrath MÜLLER in Breslau, finden wir einen lehrreichen Aufsatz »Beiträge zur Kultur der Pflanzen im Zimmer« vom Kaufmann J. Kramer, in welchem der Autor auf die Entfernung des Staubes von den Pflanzen ein grosses Gewicht legt und sagt: »Man entferne den Staub durch behutsames Aufnehmen mit einem weichen trockenen Leinwandlappen und achte darauf, dass hierbei die Blätter oder Stengel nicht geknickt werden. Man eignet sich schnell eine grosse Uebung an, so dass man im Stande ist, in kurzer Zeit eine grosse Anzahl Pflanzen zu säubern. Die- selben mittelst eines feuchten Schwammes vom Staube zu befreien, wie es wohl vielfach geschieht, möchte ich nicht empfehlen, da auf diese Weise nach meiner Erfahrung der Staub nur festgeklebt wird. Dagegen ist das Abwaschen der Blätter sehr angebracht, wenn sie auf die oben angedeutete Weise vorher trocken gereinigt worden sind.« Lässt man sich hinsichtlich der Reinlichkeit keinen Fehler zu Schulden kommen, so wird man, die passende Auswahl der Pflanzen vorausgesetzt, auch wenig von den thierischen Pflanzenfeinden, den Blattläusen, Schild- läusen, dem Blasenfuss (Thrips), der rothen Spinne (eine Milbenart) zu leiden haben. Haben sich diese erst eingenistet, so werden alle dagegen 5* 56 ^- Gaerdt: empfohlenen Mittel, wie Tabakräucherungen, Waschen mit Seifenlösungen etc. dem angehenden Zimmergärtner wenig helfen. Er wird im Gegentheil, unerfahren in der Anwendung der Mittel, in den meisten Fällen den Tod der Pflanzen nur beschleunigen. Durch aufmerksames Reinigen ist das Uebel ganz zu vermeiden oder im Entstehen zu ersticken. Die Reinlichkeit beschränke sich nicht bloss auf die Pflanze mit ihren Blättern, sondern erstrecke sich auch auf das Gefäss, den Blumentopf, in dem sich solche befindet. Es pflegt nicht selten einzutreten, dass an der Aussenseite des Topfes Bestandtheile sich ansetzen, welche theils der Circulation der Luft entgegen treten, theils einen moderigen Geruch erzeugen. Durch Waschen mit warmem Wasser vermittelst einer scharfen Bürste ist leicht Abhilfe geschaffen. Einen bei den Zimmerpflanzen in weit höherem Masse, als wie bei den Glashauspflanzen wichtigen Zweig der Pflege bildet das »Giessen«; denn nur durch Studien an den Pflanzen selbst, durch Scharfblick und Praxis gelangt man zur richtigen P>kenntniss desselben. Ohne Berück- sichtigung der Temperatur, der Local Verhältnisse, der Vegetations- oder Ruheperiode der Individuen, der Erdbeschaffenheit, wie der Pflanzweise dürften sich Bestimmungen nach festen Regeln nicht aufstellen lassen. Gewisse, für alle Pflanzen im Zimmer gleichbedeutende Kennzeichen für den geeigneten Moment zum Giessen bestehen nicht. Das Gewicht des Topfes, der Klang beim Anklopfen, Erschlaffung der Blätter, Farbe der Erde auf der Oberfläche oder deren bindige oder lockere Beschaff"en- heit beim Zusammendrücken zwischen den Fingern sind alles zwar Kenn- zeichen, doch nicht in allen Fällen massgebend. Würde man beispiels- weise eine Palme, eine Eirika, wenn auch nur zeitweise im Zimmer, bis zum Erschlaffen der Blätter trocken werden lassen, so wären beide un- rettbar verloren. Würde man anderseits ein succulentes Gewächs, wie den Cactus, reichlich giessen, so wäre das Verfaulen die sichere I'olge. Im Allgemeinen ist zu empfehlen, nicht zu ängstlich mit dem Gjessen zu verfahren und giesse man die Pflanzen so oft sie trocken erscheinen; lieber ein Mal zu viel als wie zu wenig. Man kann mit Sicherheit an- nehmen, dass von den in die Zimmer gebrachten Pflanzen wohl nur wenige des übermässigen Giessens wegen ihren Tod finden; dass aber mindestens 90 pCt. des Abganges aus Exemplaren bestehen, die in Folge des un- genügenden Giessens, resp. des totalen Vertrocknens selber zu Grunde gegangen sind. Beim Giessen verfahre man nicht nach homöopathischen Grundsätzen, sondern gebe reichlich Wasser. Nicht in allen Fällen ist ein rasches, gleich nach dem Aufguss erfolgtes Abfliessen des Wassers durch die Abzugslöcher als ein sicheres Zeichen einer vollständigen Durchfeuchtung des Wurzelballens anzusehen. Häufig, namentlich wenn die Erde etwas zu trocken geworden ist, kann das Wasser sofort durch die Abzugslöcher entweichen, bevor eine Sättigung des Wurzel- ballens stattgefunden hat. In diesem Falle thut man wohl, nachdem die Fig. i6. Vase mit Verschaffeltia AlelanochoeUs. W. \\'kniji.a.- 58 A. Gaerdt: Erde etwas angezogen hat, das Giessen zu wiederholen. Viele Pflanzen, z. B. Palmen und solche, deren Ballen das Gefäss stark mit Wurzeln aus- gefüllt haben, vertragen nicht nur, sondern verlangen reichliche Bewässerung. Aus diesem Grunde ist zu empfehlen, hierbei die Bewässerung vermittelst des Untersatzes anzuwenden. Bei Anwendung dieser Methode versäume man nicht, in den Untersatz ca. drei Stückchen (weil auf drei Punkten der Topf gut steht) Scherben oder Holzspähne von einigen Millimeter Stärke zu legen, darauf den Topf zu stellen und dann das Wasser hinein zu giessen. Es bietet die Anwendung des Untersatzes bei der Pflanzenpflege im Zimmer überhaupt manche, nicht zu unterschätzende Vortheile. Es wird dadurch das aus den Töpfen abfliessende W^asser aufgefangen, die Bewässerung des Ballens in seiner Tiefe bewirkt, die Zimmer frei von Wasserflecken gclialten, der Luftzutritt zu den Töpfen auch von der Unter- seite geschaffen, wodurch der Versäucrung der Erde im Topfe vorgebeugt wird. In l^ezug auf reichliche Bewässerung machen Ausnahmen: i. alle frisch bepflanzten, mit neuer Erde versehenen Töpfe. Diese verlangen mit Vor- sicht begossen zu werden, indem die beim Pflanzen verletzten, auch be- schnittenen Wurzeln bis zur Neubewurzelung empfindlich sind gegen überschüssige Feuchtigkeit; ausserdem tritt ja in diesem Stadium ohnehin ein geringerer Verbrauch von Feuchtigkeit ein, und durchfeuchtet sich auch die noch wenig mit Wurzeln durchzogene Erde leicht; 2. verlangen die Succulenten in den Zimmern namentlich während des Winters wenig Wasser. Eine zweite, stets mit dem besten Erfolge gekrönte Bewässerungs- weise der Pflanzen im Zimmer ist das sanfte Bespritzen derselben ver- mittelst des unter dem Namen »Rafifraichisseur;< oder »Drosophor« be- kannten kleinen Apparates. P^ine derartig mit Feuchtigkeitstheilchen erfüllte Luft ist sicherlich auch dem Menschen von Vortheil. Ich habe vielfach zu beobachten Gelegenheit gehabt, dass Brustleidende sich in einem Orchideenhause, dessen Luft mit milder Feuchtigkeit gesättigt, ausserordentlich wohl fühlten. Auch unter dem Laubdache des Waldes, wo der Mensch so frisch aufathmet, finden wir stets eine feuchte Luft. Es wird daher auch solche im Zimmer, in Folge des sanften Bespritzens der Pflanzen entstehende Feuchtigkeit gewiss eine Wohlthat für den Men- schen sein. Der Anfänger in der Zimmerpflanzenkultur gelangt auch zu der Frage: »Zu welcher Tageszeit soll ich die Pflanzen begiessen?« Sicherlich ist die Morgenstunde in allen Jahreszeiten der geeigneteste Moment; im Sommer aber, wo viele Pflanzen im regen Stadium des Wachsens sich befinden, reichlich Wasser verlangen und bei heissem Wetter ein täglich zweimaliges Begiessen gern hinnehmen, ist auch die späte Nachmittagszeit passend. Unter allen Umständen vermeide man das Giessen im Sommer während der Mittagszeit da, wo die Töpfe von der Sonne beschienen werden. pflanzen- und Blumcnkultus im Zimmer. 69 Am Schlüsse des Kapitels über das Giessen dürfte wohl die o-eeio-nete Stelle sein, auf ein, wenn auch vielfach geübtes, jedoch recht fehlerhaftes Verfahren aufmerksam zu machen. In der Regel wird das Wasser "■er a.D. Jl^ie Notliwcndigkeit, in Turkestan nach Ein\vandcrunc( einer grossen Anzahl Europäer neuere und verbesserte Kulturen einzuführen, andererseits auch die vorhandenen Kulturen zu schützen gegen einen der grössten Kulturfeinde, den Flugsand, sowie gegen unvernünftiges Ausroden von Baumbeständen durch die Eingeborenen, erweckte den Gedanken, eine Zentral-Anstalt zu gründen, in welcher Versuchs- Arbeiten für Kultur und Schutz des Pflanzenreiches veranstaltet werden sollten, um die hierbei er- zielten Erfolge und Erfahrungen dem Lande im Grossen zu Gute kommen zu lassen. Als passendste Ortschaft für solche Anstalt erwählte man die Stadt Margelan, welche inmitten des Thals von Ferghana gelegen ist. Genanntes Thal birgt nicht allein sehr bedeutende alte Kulturländer, sondern auch die gefährlichsten Sandsteppen für das mehr bevölkerte Turkestan, und ist rings herum von hohen Bergen umgeben. Somit die vorhandenen Kulturen stets vor Augen, kann man von hier aus am schärfsten übersehen, was fehlt, was zu ersetzen resp. zu verbessern ist; die Nähe der Sandsteppen ermöglicht ein besseres Studium derselben und gründliche Aufsicht über Versuchs-Kulturen in der Wüste; die nahen Berge endlich erleichtern die Kontrole über den Holzbestand derselben, event. auch über neue Anbau- Versuche. Im Herbst 1877 wurde mir der Auftrag gegeben, die Einrichtung obengenannter Versuchs-Anstalt zu übernehmen. Als Hauptaufgaben der Anstalt wurden aufgestellt: i) Auswahl und Anzucht solcher Bäume und Sträucher, welche auf trockncm Lehmboden, auf Sumpfboden und in der Sandsteppe gedeihen werden. 2) Bestimmung und Verbreitung solcher europäischer Obstsorten, welche in Turkestan besseren Ertrag geben werden, als das einheimische Obst. — Ausserdem sollte Sorge getragen werden für Einführung von Zierbäumen und Sträuchern, Nutzhölzern und landwirthschaftlichen Gewächsen, die bisher nicht oder in schlechten Formen kultivirt wurden; auch sollte die Anzucht und Kultur von Sommer-Blumen, Stauden und Gewächshauspflanzen gepflegt werden. Endlich wurde in Aussicht gestellt, nach Beendigung der Vorarbeiten und der Anlage des Anstalts-Reviers eine Schule zu errichten für junge Leute, die sich in Turkestan dem Forst- und Obstbau widmen wollten. Das Anstalts-Revier bildet ein Rechteck von ca. 960 ;;/ Länge und ca. 380 ;// Breite, umfasst demnach ungefähr 36^ ha Landes; dasselbe wurde zunächst mit einer 2 w hohen Mauer umgeben und gleichzeitig mit Be- Turkestans Anstalt für Forst- und Obst-Kultur. 89 arbeitung des Bodens begonnen. Der Hauptsache nach besteht letzterer aus ziemHch lockerem Lehm, ausserdem ca. 8 Jia aus Sumpf land und 3 Im aus lehmigem Sande; durchweg ist der Boden wie in fast ganz Ferghana mehr oder weniger salzhaltig. Nach der Lage der Sumpfflächen und des Sandbodens sowie auch nach dem Laufe des durch das Revier fliessenden Flusses Margelan-Sai musste sich die Hauptanlage und Ein- theilung der Baumschule und Kulturländer richten. Es wurde ein Fahrweg angelegt parallel der Einfriedigungs-Mauer, zu beiden Seiten mit 2 m breiten Rabatten zur Aufnahme einer Gehölz -Sortiments -Pflanzung, sodann wurde das Land durch 5 Quer- und 2 Längs-Fahrwege in 18 rechtwinklige Quartiere von verschiedener Grösse eingetheilt. Die einzelnen Quartiere wurden planirt, gegraben und in den Sumpf-Quartieren theils kleine Ab- flussgräben zur Ableitung des über der Erde stehenden Wassers gegraben für wirkliche Sumpf- Kultur-Versuche, theils wurde der Sumpf vollständig trocken gelegt durch Gräben, welche stellenweise 2,7 vi tief geführt werden mussten. Nach gründlicher Bearbeitung des Bodens begann die Eintheilung der einzelnen Quartiere je nach Grösse derselben und Bedürfniss; die Breite der Felder durfte 10 bis höchstens 18 ;// nicht überschreiten, um das Berieselungswasser mit grösster Leichtigkeit und nach allen Richtungen gleichmässig vertheilen zu können. Strenge wurde bei der ganzen Anlage darauf gesehen, dass sämmtliche Pflanzbeete zur Erreichung grösstmöglicher Ordnung und Uebersicht entweder perpendikulär zu den Hauptwegen oder parallel mit diesen angelegt wurden. Die Gesammtlänge der Fahr- und Eintheilungswege beträgt augenblicklich ca. 14 /'///. Nachdem hierauf noch die Leitung der Berieselungs- Gräben durchgeführt war, konnte mit Bestellung des Landes begonnen werden. Zwei grosse Quartiere wurden bereits im F'rühjahr 1878 mit Aussaaten bestellt, sowie bepflanzt mit importirten Bäumen und Sträuchern; auch ein Obst-Muttergarten wurde eingerichtet, und zum grössten Theil mit Wildlingen bepflanzt, um sofort die edlen Sorten aus dem Auslande auf frische Unter- lagen veredeln zu können. Die Sortimente wurden jährlich durch Ankauf von Samen und Pflanzen vergrössert, so dass augenblicklich die Baum- schule Gehölze in 580 Arten und Varietäten und i.] Millionen Plxemplaren aufzuweisen hat , während ca. 1 80,000 Exemplare bereits abgegeben wurden. Nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen wird die Bepflanzung des trockenen Lehmbodens die grösste Schwierigkeit machen; die Gleditschia triacanthos wird von allen hier in Frage kommenden Gehölzen wohl am besten gedeihen, wenn sie auch nur den 4ten Theil des Längenwuchses, den sie bei Berieselung erlangt, erreicht; nächst ihr die einheimische Elaeagnus angustifolia. Ailanthus glandulosa gedeiht auch, aber erreicht kaum denöten Theil des Längenwuchses, welchen derselbe bei Berieselung gezeigt hat. Die Robinia Pseudacacia zeigt oft anfangs schnellen Wuchs, sobald aber thaureiche Nächte auf längere Zeit aussetzen, lässt sie die Blätter fallen und gO K. Koopmann: Turkestans Anstalt für Forst- und Obst-Kultur. verkrüppelt. Starke Berieselung- sagt der Akazie jedoch nicht zu; eine junge Aussaat Akazien kann durch einmaliges zu starkes Berieseln zu Grunde gerichtet werden, indem der Wurzelhals der jungen Pflanzen durch Aufnahme reichlichen Wassers schwammartig aufquillt, in P'äulniss über- geht und damit der Tod des Pflänzchens unabwendbar ist. Die Robinie eignet sich besser für die Sandsteppe, woselbst meist schon Abends, oftmals jedoch auch erst gegen Morgen durch plötzliche Abkühlung der Luft eine starke Thaubildung fast jede Nacht bemerkt wurde; auch der Götterbaum scheint in der Sandwüste gedeihen zu wollen, sogar einige Eschenarten (Fraxinus pubescens, viridis und excelsior) haben sich lebend erhalten, wenn auch nur mit schwachen Kurztrieben. Es sind dieses Resultate vor- läufiger, kleiner Versuche, welche erst in grösserem Maasstabe fortgesetzt werden müssen in Verbindung mit Befestigung des flüchtigen Sandbodens durch eine niedrige Kraut- und Grasvegetation. Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Kommission, welche ihre Vorarbeiten, bestehend in Sammeln einheimischer Samen von den bewachsenen Sandsteppen und Versuchs- Aussaaten, noch nicht beendet hat. Im Sumpfe gedeihen von Eschen am besten Fraxinus americana, sodann P"r. viridis, Fr. excelsior und Ornus; von grosser Bedeutung wird für Turkestan der Eschen -Ahorn werden; Negundo fraxinifolium gedeiht im Sumpfe ausgezeichnet, auch N. fr. vio- laceum und N. californicum; diese Ahorn- Arten werden die Eucalyptus er- setzen müssen, welche letztere nicht allein in kalten Jahren erfrieren, sondern auch vom Salz des Bodens erkranken. Von Coniferen hat sich bis jetzt nur Taxodium distichum bewährt durch kräftigen Wuchs und gesundes Aussehen. Von anderen Bäumen gedeiht Gymnocladus canadensis sehr gut im Sumpf, wird aber wohl immerhin nur ein Zierbaum bleiben. Alnus glutinosa und Rhus-Arten leiden ungemein vom Salzgehalt des Bodens; die Erle verkrüppelt sogar gänzlich im Sumpf, wogegen dieselbe im ge- wöhnlichen Lehmboden, der weniger Salz enthält, bei Berieselung freudig gedeiht. Im Uebrigen versprechen besonders gute Kultur-Erfolge Bäume und Sträucher der Leguminosae, Rosiflorae, Elaeagnaceae, Saxifragaceae, Aceraceae, Therebinthineae, Urticineae, Betulaceae, Juglandaceae, Salicaceae Diospyrineae, Loniceroideae, Contortae, Ligustrincae, Labiatiflorae, Tubiflorae ; von Coniferen: Taxineae, Cupressineae, Taxodineae, Sequoieae; besonders schlecht gedeihen: Rhamnaceae, Aquifoliaceae, Sapindaceae, Tiliaceae, Cupuliferae, Bicornes und Abietineae. Hauptaufgabe der Margelaner Anstalt war besonders in den ersten Jahren Anzucht aus Samen, welche der Hauptsache nach aus Hamburg- Bergedorf bezogen wurden. Wegen des langwierigen Transportes konnten mit eingeführten Samen nur Aussaaten im Spätfrühjahre und Sommer gemacht werden. Herbstaussaaten haben sich überhaupt nicht bewährt, indem die Samen länger im Boden lagen als bei April- Aussaaten; letztere lieferten die besten P^rfolge, auch bei den meisten gewöhnlich überliegenden Samen, wenn dieselben vor der Aussaat eine Woche in Sand geschichtet F. Goesclikc: Zur Toplobstbauniziiclit. QI und reichlich ang-cgossen der direkten Einwirkuni^ der Sonnenstrahlen aus- i^csetzt wurden. Gleditschien, in diesem Jahre am 14. Juli ausgesäet, keimten bereits am 26. Juli. Alle Aussaaten im freien Lande wurden in Reihen ausgeführt, was schon das im lange unkultivirt gelegenen Lande reichlich vorhandene Unkraut erforderte; im Uebrigen wurde dicht gesäet und die Saatbeete wurden beständig durch J^erieselung in Rinnen gleich- massig feucht gehalten. Sobald eine Saat aufgelaufen war, musste Einhalt im Berieseln gethan werden, im anderen Falle erkrankten die Pflanzen sofort, was sich durch Gelbwerden der Cotyledonen oder ersten Blättchen zu erkennen gab. Beständiges Feuchthalten des Bodens hat sich nur bewährt bei Aussaaten bis zur Keimung, bei Steckholz und Ablegern bis zur Bewurzelung; sobald solche erfolgt ist, sowie auch bei allen übrigen Baumschulkulturen hat sich stets nur bewährt, zu berieseln, so oft der Boden vollständig abgetrocknet war. Für Steckholz- und Ablegerschulen ist Berieselung in Rinnen von ausserordentlichem Erfolge. (SchliiPs folgt.) Zur Topfobstbaumzucht. Vdii Franz Gueschke, Proskau. '^n der Obstbauliteratur linden wir vielfach Anleitungen über die Cultur der Obstbäume in Töpfen oder Kübeln. Selbst eingehendere Si)ecialschriften sind vorhanden, welche dieses Thema ausführlicher behandeln. Es wird dieser interessante Zweig der Obstcultur namentlich solchen Obstfreunden empfohlen, denen nur ein sehr kleiner Garten zu (iebote steht. Wenn wir aber nach so vielseitiger Anregung uns umsehen nach der thatsächlichen Verbreitung der Topfobstbaumzucht, so muss es uns Wunder nehmen, rlass wir nur selten oder ganz vereinzelt einer guten Topforangerie begegnen. Wir müssen im Gegentheil leider eingestehen, dass sowohl von .Seiten der Dilettanten wie der Obstzüchter von Fach diesem Gegenstande im Ganzen nur geringe Aufmerksamkeit ge- schenkt wird. Unfl doch werden wiederum an einzelnen Orten mit dieser Cultur Resultate erzielt, welche alle dagegen laut werdenden Einwendungen oder Entschuldigungen ohne Weiteres zum Schweigen bringen. Auf einer im September d. J. unter- nommenen Reise nach Hamburg hatte ich an diesem Orte, sowie auch in Bremen, mehrfach (relegenheit, grössere Sammlungen von Topfobstbäumchen zu sehen, die an Gesundheit der Stämme, Zahl und VoUkonmienheit der Früchte in keiner W^eise etwas zu wünschen übrig Hessen. Wer solche Topfbäumchen gesehen, wird nicht daran zweifeln, dass deren Cultvu- ebenso interessant wie dankbar und lohnend ist. Die Besucher der Hamburger Ausstellung selbst hatten Gelegenheit, die zahlreich ausgestellten, mit den schönsten, vollkommensten Früchten reich behangenen Aepfel-, Birn- 92 F. Goeschke: lind Pfirsich-Bcäumchen zu hewundern und sicli von den auf diesem Gebiete zu erzielenden Krfolj^en zu überzeugen. Besonders reichhaltig war die SLOMAN'sche Sammlung, nicht minder Vorzügliches war aber auch vcjn anderen Ausstellern, z. B. von H. Wksselhoickt, geliefert worden. Fragen wir uns, wie es zugeht, dass die 'i'opfoljstbaumzucht sowohl von Dilettanten, wie auch besonders von Oärtnern von Fach nicht in viel ausge- dehnterer Weise beirieben wird, so lassen sich einigermassen stichhialtige Gründe Fig. 22. Biinpyraniide: Gute Louise. Fig. 21. Ncktarinc: Flnige, in Buschfonn. 3 Jahr alt. für diese Vernachlässigung kaum anführen. Wir können nur annehmen, dass die Topfobstbäume bisher von andern Modeculturen verdrängt sind. Was deren zierende Eigenschaften betrifft, so wird der Besucher eines Gartens nicht minder freudig berührt sein durch den Anblick der im Blüthenkleide prangenden oder mit einer Anzahl schöner, lachender Früchte behangenen Bäumchen, als wenn er vor einer Gruppe schöner Blattpflanzen steht. Etwaige Einwürfe, dass die Cultur schwierig, die Auswahl geeigneter Sorten gering sei, oder der Frucht- ertrag nicht der aufgewandten Mühe entspräche, können bei- den in der Neuzeit gemachten Fortschritten in der Obstbaumzucht nicht in Betracht kommen. Aller- Zur Topfoljstbaumzucht. 93 dings gehört etwas Interesse und Liebe zur Sache dazu, sie muss Passion werden. T^, die Topfobstbaumzucht ist eine noble Passion, das zeigt zur Genüge der Umstand, dass in Hamburg und Bremen so hoch angesehene (jartenheb- haber diesem Zweige ein eingehendes und warmes Interesse schenken. Im Baumschulbetriebe ist die Anzucht der Obstbäume in Töpfen gar nicht eingeführt. Der Dilettant wird dadurch abgeschreckt, dass er mit jungen, friscli aus der Baumschule in Töpfe gepflanzten Bäumchen erst einige Jahre warten muss, bis sie Fruchtholz bilden. Er würde gern einen entsprechend höheren Preis zahlen, wenn er nur sogleich tragbare Bäumchen in Töpfen zu kaufen be- Mg. 23. Pfirsichpyramide: Rivers frühe York. Fig. 24. Birncn-Halbstanini > Alexander. käme. Wollten deshalb die Baumzüchter den Ciartenfreunden dadurch entgegen- kommen, dass sie letzteren schon vorcultivirte, entweder mit Fruchtholz oder wohl gar mit Früchten besetzte Stämmchen in Töpfen zu entsprechenden Preisen ab- lassen, so würde voraussichtlich beiden Theilen gedient und der Sache genützt werden. Was die Auswahl der für die Topfcultur geeigneten Sorten anbetrifft, so war dieselbe eine beschränkte im Vergleich zu den sonst vorhandenen grossen übstsortimenten. Die in Bremen und Hamburg gemachten Beobachtungen zeigen jedoch, dass noch sehr viele andere als die bisher empfohlenen, be- sonders grossfrüchtige Sorten sich erfolgreich in Töpfen cultiviren lassen. Zu- gleich sei bemerkt, dass die gewöhnliche Pyramidenform die allgemein ange- 94 l\ Gocschke: wendete ist. Wie ül)er;i!l üblich, waren die Töpfe l)is /.nni Rande in rlen Boden eingesenkt, sodann wurde al)er den liäumen reichliche Düngung gegeben und zwar in der Weise, dass oben auf den innern To])frnnd ein etwa 3 c//i breiter Reifen aus Eisenblech aufgelegt war, dessen innerer Raum eine l^age verrotteter oder kurzer, lockerer Kuhdünger ausfüllte. 1 )urcli das Hegiessen wird der Dünger allmälig aufgelöst und den Wurzeln zugeführt, derselbe schützt aber auch zugleich die ^Vurzell)allen vor dem zu schnellen Austrocknen durch die Sonnenstrahlen und gewährt demselben dadurch ein vortheilhaftes Pailles. Im Garten des Herrn D. D. Knoop in Hörn bei Bremen (Übergärtner Seh rader) sah ich eine ausgezeichnete, sehr reichhaltige Collection in stattlichen Exemplaren, welche von prächtigen Früchten förmlich strotzten. .\n sehr vielen hal)e ich 30 und mehr Früchte gezählt. Es waren u. A. folgende Sorten ver- treten: Aepfel. Danziger Kant-A., Nelsons Belletleur, Gelber Richard, Rother Herbst -Calvin, Baldwin, Ribston Pepping, Prinz Nicolaus, Newton Pepping, Northern Spy (sehr reichtragend), Cornwalliser Nelken-A., Böhmischer Jungfern-A., Menagere (= Hausmütterchen oder Gloria mundi), Schoener von Erbenheim, Le- mon Pepi)ing, Rambour d'hiver, Champagner Wein-A., Maidenblush, Fameuse, Winter-Gold-Parmäne, Sommer-Bellefleur, Calville St. Sauveur, Cellini, Reinette ä chair verte, Reinette d'Amerieiue, Herefordshire Parmäne. Birnen. Calebasse Carafon (= Van Marums l'"laschenbirne, auch Calebasse Nerkmans) Frucht sehr gross, Williams Christbirne, Passe Colmar, Clairgeau's Butterb., Columbo, Gute l>ouise von Avranches, Amerika, Frucht sehr gross, Arenberg's Butterb., Doyenne de Fontenay, Amanlis' Butterb., Forelle, Esperen's Bergamotte, Hardy's Butterb., ganz vorzüglich, Frucht gross und prachtvoll, St. Germain, Soldat Laboureur (= Blumenbachs Butterb.), Conseiller de la Cour (= Hofrathsbirne), Cure? (= Pastorenbirne), General Todtleben, Souvenir Napoleon, Souvenir du Congres, Herzogin von Angoulemc, Triumph von Jodoigne, Prince Albert (van Mons), Double Philippe (= Doppelte Philippsb.), Dumont's Butterb., Fulvie Gregoire (= Neue Fulvie), Jaminette, Doyenne blanc, Jalousie de Fontenay (= Belle d'P^squermes). Der Garten des Flerrn Kaufmann Bi.ühm in Ham bei Hamburg (Obergärtner Hennigs) zeichnet sich neben tadelloser Weintreiberei besonders auch durch vorzügliche Topfobstcultur aus. Namentlich wird hier dem Steinobst eine grössere Beachtung geschenkt. Von Aepfeln sah ich nur eine Anzahl bekannter Sorten vertreten, als Ribston Pepping, Weisser Winter-Calvill , Winter-Czold-Parmäne, I.emon Pepping u. a. m. Von Birnen: Bachelier's Butterb., Esperens Ber- gamotte, Winter-Nelis, ganz vorzüglich und reich tragend. Van Mons' Butterb., Marie Louise, Amanlis' Butterb., Forelle, Gute Louise von Avranches, Hardy's Butterb. (zeigte hier mehrere aufgeplatzte Früchte). Von Pllaumcnsorten sah ich nur Coes Golden Drop (= Coes rothgefleckte Pflamne). Sehr zahlreich dagegen waren die Pfirsichbäume in Töpfen, darunter zeichneten sich folgende Sorten aus: Lord Napier, Earlv Albert, Alexandra Noblesse, Pine apple Nectarine (sehr lebhaft gelb und roth gefärbt) Princess of Wales, Victoria Nectarine, Bullegarde, Noblesse Peach. — Als eine ganz vorzügliche Piirsichcultur in Töpfen verdient diejenige des Herrn Wesselhoekt in Teufelsbrück bei Blankenese (^übergärtner Toppert) rühmend erwähnt zu werden. Die Bäume waren in einem etwa 12 Fuss hohen, Zur Topfobstbaunizucht. qC 2 2 Fuss breiten und 40 Fiiss langen Hause mit senkrechten seitlichen Fenstern und Satteldach aufgestellt und meist in einfacher Kronenform gezogen. Zu be- merken ist noch, dass die Nectarinen wie in England so auch in den Hamburger Gärten sehr beliebt sind. Sie setzen auch in Töpfen reich und willig an. Folgende Sorten habe ich als besonders hervorragend notirt: Alexandra Noblesse (Rivers), eine sehr grosse, ziemlich spät reifende Frucht von ausgezeichneter Schönheit. Prince of Wales (Rivers), sehr gross, gelblich grün und dunkel carmoisinroth ge- zeichnet, spät reifend, von vorzüglicher Qualität. Early York, grosse, sehr gute Frucht von sehr frühzeitiger Reife. Barrington, Frucht gross, sehr saftig und aromatisch, von erster Qualität, sehr reichtragend, aber spätreifend. Galande, bekannte, sehr reichtragende Sorte. Gros Pitmaston Orange Nectarine, eine ansehnliche, schön gefärbte Frucht. Darwin Nectarine, sehr schön gefärbte Frucht. Reine des Vergers, bekannte vorzügliche Sorte. Pineapple Nectarine, eine Frucht ersten Ranges, sowohl was Geschmack und Aussehen, als auch Tragbarkeit anbetrifft. Byron Nectarine, eine schöne ansehnliche Frucht. Lord Napier, extra, das feinste unter den Pfirsichen an Grösse, Schönheit und Geschmack, daher sehr zu empfehlen. Elruge Nectarine, bekannte, dankbare, sehr schön aussehende Frucht. Early Alfred (Rivers), mittelgrosse, sehr saftige Frucht von deliciösem Geschmack, frühreifend. Princess of AVales (Rivers), eine der grössten und besten bekannten Pfirsichen, jedoch sehr spätreifend. Royal George, schöne grosse Frucht. Einen geradezu überraschenden Anblick gewährten im W es selhoeft 'sehen Garten die Topfbäumchen von Aepfeln und Birnen. Etwas Vollkommneres an Schönheit, Grösse und Zahl der Früchte dürfte wohl selten zu finden sein. Bei der grossen Menge der Bäumchen war trotzdem jedes einzelne durchgängig mit 30 — 35 — 40 Früchten von tadelloser Ausbildung besetzt. Die Zahl der Sorten war jedoch nur eine sehr geringe, sie beschränkte sich auf folgende: Aepfel. Englischer Melonen-Apfel, eine in Hamburg im Freien nicht gut gedeihende Sorte, die sich für Topfkultur ausgezeichnet bewährt hat. Weisser Winter-Calvill, wahre Brach tbäumchen' mit sehr grossen, ganz reinen, fleckenlosen Früchten. Die Stämmchen waren auf Paradies-, nicht auf Doucin-Unterlagen ver- edelt, Reinette d'Angleterre und Northern Spy. Birneu. Winter-Nelis, Madame Treyve, Hardenponts Winter-Butterb. , drei äusserst reichtragende Sorten von bekannter vorzüglicher Qualität für die Tafel. Ausser den im Vorstehenden genannten Sorten habe ich in verschiedenen Gärten noch folgende als guttragend in Töpfen verzeichnet: Aepfel. Winter-Pfirsich- A. , Warner's King, Duchess of Oldenburg, Braun- schweiger Milch-A,, Faros-A. (=DanzigerKant-A.?), Canada-Reinette, Winter-Quitten- Apfel, Schwarzenbach Parmäne, Birneu. Capiaumont, Six Butterb., Duc de Morny, Lt^on Gregoire, Marie Garten-Zeitung 1882. 7 qg R, Gaertner: Louise Delcourt, Delice d'Hardenpont (=Hardenpont's Leckerbissen), Josephine von Mecheln, Hochfeine Butterb., Baronin von Mello, Commissaire Dehnont. Pfirsich. Stanwick Ehaige. .P.S. Obstfreunde, welche sich mit der Behandhmg der Topfobstäume sjjecieller bekannt machen wollen, verweise ich auf das betreffende Capitel meiner Schrift «Der Obstbau«. (Leipzig, H. Voigt). Die ersten deutsclien Obstbäume in Japan. Von R. Gaertner, Berlin. (Schluss.) Nachilnick verboten. '^itthch packte Alles auf das Sorgfältigste aus, pflanzte ein Stämmchen nach dem anderen, nachdem ich die Moosemballage von den Wurzeln entfernt hatte, so dicht als möglich in handrechte Holzkästen und stellte diese in den Schatten einer Mauer, welche den Vorgarten des L. Kniffler'schen Hauses, in dem ich z. Z. Gastfreundschaft genoss, von der Strasse abschloss. Blühende Kamellien und Bäumchen, gewiu-zig duftende Daphnen und die schönsten Coniferen bildeten ihre Gesellschaft an einem zierlich bepflanzten Goldfischteich. Aber die Nächte waren noch schneidig kalt; nicht selten präsentirten sie der aufgehenden Sonne wie Diamanten strahlende Reifcrystalle und die bereits gesprossten Blüthen und Blätter meiner Bäumchen gingen wieder ein. Sie mussten sich das hiesige Klima wohl anders vorgestellt haben, denn kaum hatten sie die japanische Luft eingeathmet, so wurden sie schwarz und Hessen die Köpfchen hängen. Meine Pflege konnte sich nur darauf beschränken, dass ich die Stämmchen durch häufiges Besprengen vor dem gänzlichen Vertrocknen beschützte. Als ich am 28. März auf der französischen Brigg »Jeanne und Joseph« Passage nach Hakodade fand, trug ich Bedenken, meine armen Patienten am Deck des Schiftes zu plaziren, denn die Seeluft ist streng, und wir hatten über 150 deutsche Meilen dem Norden zuzusteuern, wo noch Schnee und Eis und so schlechtes Wetter zu befürchten war, dass das Deck leicht mit Salzwasser ge- waschen werden konnte. Ich sorgte daher dafür, dass meine bepflanzten Kisten, nahe der grossen Hauptluke, unter Deck aufgestellt wurden, und glaubte damit das Beste für meine Pfleglinge gethan zu haben. Die Passage währte länger als berechnet war, denn starke nördliche Brisen mit Windstillen abwechselnd, herrschten vor, so dass wir nur langsam an der Ostküste von Nipon in dem hochwogenden Stillen-Ocean hinaufkreuzen konnten. Ganz schlecht erging es uns — dem Ziel der Reise nahe — in der Sangair- Strasse. ^V^ind imd Strömung warfen uns in den Ocean zurück, und als wir den Eingang zur Strasse durch mühsames Kreuzen wieder gewonnen hatten, trat Windstille ein, so dass wir — Hakodade-Höh bereits in Sicht — machtlos auf den langgestreckten, spiegelglatten Wogen umherschwankten vmd schliesslich vor Anker gehen mussten, um eine günstige Chance zur Weiterfahrt abzuwarten. — Die ersten deutschen Obstbäume in Japan. 07 Zu meinem Glück hatte mir und meinem Capitain der Kniffler'sche »Canon« (ein vorzüglicher Bordeaux -Wein) so gut gemundet, dass der auf die Passage berechnete Vorrath erschöpft war, und sich der Capitain auf mein Zureden ent- schloss, da völlige ^Vindstille herrschte, die Hauptluke zu öffnen, damit ich zu meinem Hauptstock gelangen und eine mit diesem Wein angefüllte Kiste öffnen könne. Es war mir natürlich auch darum zu thun , mich nach dem Befinden meiner Bäumchen während ihrer zweiten Einkerkerung umzusehen. Aber, o Schrecken, was erblickten meine Augen! Ratten oder Mäuse, wenn nicht beide Species gemeinschaftlich, hatten sich derart an meinen armen Pfleghngen ver- sündigt, dass ich fast starr vor Entsetzen dastand und mir die grossesten Vor- wlh-fe machte, dass ich bei meiner Disposition dieses losen Gesindels nicht ge- dacht hatte. Wie in der Regel bei solchen Unglücksfällen resp. Infamieen hatten sich die erbarmungslosen Unholde grade das Werthvollste, die Aepfelbäumchen, zum Hauptopfer ihrer Schandthaten ausersehen und sie dermassen benagt und aller strotzenden Augen beraubt, dass ich glaubte, sie vollständig verloren geben zu müssen. — Sie jetzt in diesem wunden und über und über geschundenen Zustande aus dem Rattenkerker zu befreien und an die freie Luft zu bringen, würde ihnen vollends den Gnadenstoss gegeben haben; nur die geschlossene Luft unter Deck konnie ihnen den letzten Funken von Lebenskraft noch erhalten. Ich Hess daher nicht nach, bis der Schiffszimmermann alle Kisten derart mit Brettern, Latten und Draht überkleidet hatte, dass wenigstens weitere Beschädigungen der ruchlosen Baumfrevler unmöglich wurden. Erst am 11. April, nach 14 tägiger Reise, traf ich in Hakodade ein und meine Bäumchen kamen zur Ruhe resp. auf ihren Standort. Zuvor galt es aber, ihnen ihre Wunden zu verbinden, was ziemlich gleichbedeutend damit war, ihnen eine neue Rinde zu verschaffen. Ich bediente mich zu diesem Zweck des japanischen Papiers, welches aus ebenso feiner wie haltbarer Zelluluse besteht und besonders bei feuchtem Wetter sehr weich und dehnbar ist; — als Binde- mittel nahm ich gekneteten, gahr gekochten Reis, welchen die Japaner beim Papierkleben verwenden. Diese Arbeit führte ich auf das Sorgfältigste aus, in- dem ich die Stämme, so weit sie benagt waren, umwand und beklebte, dabei jedes nur irgend erkennbare Auge freilassend. Und wirklich, meine Mühe wurde belohnt! Die grosse Mehrzahl der Stämmchen trieb aus; nur die Stachel- beeren und Johannisbeeren versagten gänzlich. Als ich im folgenden Jahre meine Pachtung in Augustenfelde bei Nanai an- getreten hatte, konnte ich 49 Stämmen noch den weiteren Marsch von drei Meilen in das Innere des Landes zumuthen, wo sie ihren dauernden Standort einnehmen sollten. Dort erhielt ich auch bereits im Jahre 1870 den Tribut ihrer Dankbarkeit durch einige ganz köstlich gerathene Ersdingsfrüchte. Einige hundert Aepfel- und Birnwildlinge, welche ich mir selbst aus Kernen gezogen hatte, die in Berlin am Tische meiner Eltern gesammelt waren, konnte ich, be- vor ich Augustenfelde verliess, noch veredeln, und höre nun nach 10 Jahren, dass sich die Stätte meiner damaligen Wirksamkeit durch schönes eurojjäisches Obst auszeichnet. In Yokohama sah ich im Jahre 1870 eine kleine Obstbaum-Anpflanzung, von dem deutschen Gärtner, Herrn Kram er, ausgeführt. Es waren vorzugsweise Aepfel, welche aus San-Franzisko bezogen waren. Diese litten aber an der Calamität, dass ein Wurm im Marke der jungen Triebe hauste und ihr Gedeihen 7* 98 C. Mathieu: bedenklich in Frage stellte. Augenscheinlich sagte ihnen auch das dortige Klima nicht zu. Da ich jetzt Besitzer einer Baumschule bin und die besten Obstsorten kultivire, so würde ich mir ein Vergnügen daraus machen, meinen deutschen Landsleuten im Auslande derartige Sendungen zugehen zu lassen, im Fall sie Verwendung dafür haben. Dass der Obstbaum solche Transporte selbst — wie in diesem Falle — mit zweimaliger Passage der Linie ertragen kann, geht aus meinen Mittheilungen hervor. Meine Bäumchen waren von Berlin bis Yokohama mehr als 6 Wochen, im Ganzen gegen 3 Monate auf der Reise gewesen. Auch die Jessoer Actinidia polygama lasse ich stark vermehren, nachdem ich sie durch Samen hier eingeführt. Sie ist als höchst decoratives, winterhartes Rankgewächs sehr zu empfehlen und wird auch in Europa ihre interessanten Früchte zeitigen, sobald die Stöcke älter und kräftiger geworden sind. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieu, . Charlottenburg. (Fortsetzung.) 4. Amaryllideae. Agave Toneliana. Baker. Amaryllidaceae. Gard. Chron. No. 377 S. 362. Eine Pflanze der Peacock'schen Sammlung, jetzt in Kew in Kultur. Blätter 40 — 50 in dichter Rosette, i'\s^// im Durchmesser, lanzettlich, steif, 50 — do cm lang, 8 — 10 Oll in der Mitte breit, dann sich auf 6 — 8 cm verschmälernd, schmutzig grün, im jungen Zustande meergrün, an der Spitze in einen braunen, 27., cm langen Dorn endigend. Rand der Blätter mit braunen 2 — 3 cm langen Dornen be- setzt. Blüthen noch unbekannt. Criuuni Forbesianum. Herb. Bot. Mag. 6545. Von der Delagoa-Bay. 1877 von Monteiro gesammelt auf den Lebom- bobergen und nach Kew gesandt. Die Zwiebel besitzt die Grösse eines Manneskopfes. Blumen 40 — 50 in einer Dolde, \'^—2\ciii lang, röthlich und hängend. Nerine ßlifolia. Baker. Bot. Mag. 6547. Wie alle Nerinen ein hübsches Zwiebel-Gewächs des Kalthauses, oder Cap- Kastens. Zwiebel klein, eiförmig, Blätter 6 —8, zugleich mit den Blumen, pfriemen- förmig, grasgrün, \^— 20 cm lang, Blüthenschaft ungefähr t,o cm lang, schlank, drüsig, M^eichhaarig. Dolde 8 — 10 blumig, Blumen rosa. Vaterland Orange-Frei- staat. Im Kew-Garten. Hymenocallis Harrisiana. Herb. Bot. Mag. 6562. In Mexico einheimisch. Die Zwiebel 4 cm im Durchmesser, Blätter 3 — 5. Blumen in Dolden zu 2 — 3, weiss, wenig wohlriechend. Pflanze 30 cm hoch, Blumenschaft 20 — 23 cm lang. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. gg Bomarea conferta. Benth. Gard. Chron. No. 402 S. 330. Wurzelstock dick, viele Wurzeln in fleischige, kartofifelartige Knollen ohne Augen endigend, Knollen S'/.j on lang, 3"o cm dick, von süsslichem Ge- schmack und vielleicht deshalb essbar. Stengel zahlreich, kletternd, Blumen 5 — 6'/2 cm lang, zahlreich, glänzend carmin, in Dolden hängend. Auf den Bergen von Bogota und Pichincha, Süd-Amerika. Crimim Balfoiwii. Baker. Bot. Mag. 6570. Zwiebel 8 cm im Durchmesser, eiförmig. Blätter etwa 12 in einer Rosette, gleichzeitig mit den Blumen, riemenförmig, hellgrün, ungefähr 30 cm lang, 4 — 5 cm breit. Schaft von der Spitze der Zwiebel unter den Blättern ausgehend, 45 — 60 cm lang. Blumen 10 — 12 in einer Dolde, wohlriechend, weiss mit grünlicher Röhre. Von Dr. Balfour auf Socotra entdeckt. 5. Bromeliaceae. ChevaUicrea Germinyana. E. A. Carr. Revue hört. 1881. S. 230. Pflanze von sehr kräftigem Wüchse, erreicht eine Breite von 1,50 m bis 2 VI im Durchmesser, Blätter horizontal, etwas wellig, 60 — 80 cm lang, glänzend grün auf der Oberfläche, Unterseite weiss bestäubt, Blumenschaft über die Pflanze sich erhebend, Blumen weiss mit rosa Schein. Nach dem Crrafen Germiny be- nannt, auf dessen Besitzung sie zum ersten Male blühte. Billbergia Lietzii. E. Morren. Belg. hört. 1881 S. 97. Aus Brasilien. Blätter lederartig, gekrümmt, riemenförmig, Rand dornig, Unterseite grau, Schaft glatt, Blumenscheide scharlachroth. Aehre aufrecht, wenig blumig (6 — 13). Spindel hin und hergebogen, Blüthen sitzend. Kelch- blättchen meergrünlich, Kronenblätter grün, Saum zurückgerollt, bläulich. Zu Ehren des Gärtners Lietze in Rio benannt, welcher die Pflanze an E. Morren sandte. Die Pflanze neigt zum Gefülltwerden. QuesneHa Van Hoiittei. E. Morren. Belg. hört. 1881 S. 163. Blätter sehr zahlreich mit starken Dornen versehen, und oft grau gestreift auf der Unterseite. Der Blumenschaft sich etwas über die Blätter erhebend, trägt eine dicke, cylindrische Aehre, mit über 150 gedrängten Blumen. Blumen- blätter weiss, an der Spitze blau, Deckblätter rosa mit am Grunde weissem Flaum, eingeführt von L. v. Houtte und nach ihm benannt. Anoplophytuin distichion. E. Morren. Belg. hört. 1881 S. 164. Blätter fleischig, rosettenartig ausgebreitet, lanzettlich, gekielt, grau, Schaft ge- krümmt, sich über die Blätter erhebend, mit Blättchen besetzt. Rispe zweizeihg, gedrängt, Aehrchen elliptisch, mit fast 10 Deckblättern. Blumen weiss. Vaterland Brasilien. Vriesia chrysostachys. E. Morren. Belg. hört. 1881 S. 87. Blätter rosettenartig, schlaff, zahlreich (30), ungefähr 30 cm lang, 40 — 48 »im breit, riemenförmig, blassgrün, auf der Unterseite meergrün und röthlich am Grunde, Schaft 35 cm lang, mit Hochblättern, Hochblätter kurz, grün, etwas röth- lich. Aehre einfach, zweizeilig, ungefähr 20 cm lang, mit gelben Deckblättern. Blumen gelb, kürzer als die Deckblätter. Aus Peru, aus Samen bei J. Veitch gezogen. 6. Orchideae. Oncidium Lietzii Regel. Gartenflora 1881 S. 163. Dem Oncidium amictum Lindl. verwandt. Scheinknollen schmäler, an deren lOO ^- Mathieu: Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Spitze nur ein Blatt, Blumen einfarbig braun, die Seitenlappen der Kronenlippe schmal, zurückgebogen, 'l'emperirtes Orchideenhaus. Vaterland Brasilien, von wo der Gärtner Lietze in Rio Pflanzen an Herrn Regel schickte. Coelogyne Arthuriaiia. Rchb. f. Gard. Chron. No. 367 S. 40. Aehnlich der C. maculata. Zu Ehren des Herrn Arthur Veitch benannt. Oncidiuin Brieiiiaiiiuii. Rchb. f. (rard. Chron. No. 367 S. 40. Vaterland Paraguay. Blumen ein helles glänzendes Schwefelgelb. Eine Varietät davon, var. rufida, hat braune Blüthen. Oncidium Brienianum hat kurze kleine Scheinknollen, gedrungene, nickende Blüthentraube mit sehr kurzem Blumenschaft. Blühte vor Kurzem in der Henderson Gärtnerei, Maida Vale, Pine apple nusery. Catasetum tigrhmni. Rchb f (rard. Chron. No. 367 S. 40. Blumen weiss, mit vielen zimmetbraunen Elecken. Die Kronenblätter (Pe- talen) sehr breit. Die Griftelsäule und Lippe weisslich-ockerfarben gefärbt. Lippe dick, schmal, dreieckig, mit verdickten Rändern. Bei J. Veitch & Sons. Cypripedium tcssellatiim. Rchb. f Var. porphyreum. Gard. Chron. 367 S. 41. Ein Bastard vom Cypripedium Sedeni, in J. Vehch iv: Süns' Gärtnerei ent- standen. Die Kelchblätter (Sepalen) sind hellgelblich olivengrün mit bräunlichen Adern, die Lippe ist fast wie bei C. Sedeni. Obcronia 7-ufilahris. I^indl. Gard. Chron. No. 369 S. 104. Blätter dick, reitend, in Büscheln, ähnlich dem Oncidium iridifolium. Blüthen- stand nickende, sehr dichte Endquirle, mit kleinen Blumen und borstenartigen Deckblättern, welche die Blumen überragen. Blumen hellgelb, nachher hellroth. Die Lippe und die Ränder der Griftelsäule dunkel ziegelroth, in Eorm der Lippe der Aceras anthropophora ähnlich. Stammt aus Birma oder Assam. Bei W. Bull in Blüthe. Mormodes Ocannac brachylobiiiii. Rchb. i. (iard. Chron. No. 369 S. 104. Durch J. Veitch & Sons eingeführt. Eine Varietät der Stammform, welche sich durch die sehr kurzen Seitenlappen der Lippe unterscheidet. Masdevallia erinacca. Rchb. i. Gard. Chron. No. 369 S. 104. Vaterland Mexico. Blumen klein, hellockerfarbig mit wenigen Flecken. Ent- deckt durch B. Roezl und durch W. Bull eingeführt. Odoiitoglossiiiii tripitdians. Var. Xanthoglossa. Reh. f. Gard. Chron. No. 369 S. 104. Eine Varietät des O. trip. mit gelber Lippe, dunklen Flecken und rein weissen Kammfäden. CalantJie Barhcriaua. Reh. f. Gard. Chron. No. 370 S. 136. Bastard zwischen C. vestita und C. Turneri, von Barber in Old Hall ge- züchtet. Die Blumen gleich der C. vestita, nur etwas schmächtiger, rein weiss, mit gelb am Grunde der Lipj)e und auch an der innern Seite der Czriffelsäule. Mormodes Cartoiii. Hook. Var. stenantha. Reh. f Ebendaselbst. Vaterland Neu -Granada, an J. Veitch & Sons durch Kalbrever gesandt. Blumen hellockerfarbig mit braunen Streifen. Alorinodcs Cartoin. Var. aurantiaca. Ebendaselbst. Neu-Granada. Blumen orangefarben, Lippe schwefelgelb. Mormodes pardinum. Batem. Var. aspersa Reh. Ebendaselbst. Blumen blass schwefelgelb mit zahlreichen kleinen unmerklichen blass braunen Flecken. i^Wird fortgesetzt.) Aus Guatemala. jqi Aus Guatemala. Von Herrn Kgl. Hofgarten-Direktor Jühlkk ist uns nachstehendes Schreiben des Herrn Consuls Sarc in Coban, Guatemala freundlichst zum Abdruck übersandt worden. Hochverehrtester Herr ! Ihr liebenswürdiges Schreiben vom 6. Juli ist mir gestern geworden und hat mich dessen Inhalt sehr erfreut. Das gute Ankommen der Farnstämme hat mich überrascht, ebenso das Absterben der Tillandsien, von denen einige übrig gebliebene nach fünfmonatlichem Lagern auf einem Dachboden doch wieder im Freien zu treiben begannen. Ich bedauere lebhaft, dass die gelbe Sobralie abermals verunglückt ist; ich werde versuchen, Ihnen dieselbe in offenem Kasten in Erde gepflanzt und unter besonderer Obhut der Seecapitäne zukommen zu lassen. Wenn Sie dieselbe in Blüthe gesehen , so werden Sie mir gerne zugestehen, dass sie sich der angewandten Mühe lohnt. Ich hatte gehofft, Ihnen seit dem Datum meines letzten Ergebenen vom 17. Februar Einiges von der Küste zu senden. Meine Reise dahin, wenige Tage nach jenem Datum unternommen und die ich wohl vorbereitet wähnte, erwies sich für mich als eine Reihenfolge von Täuschungen, Omissionen und Schwierigkeiten jeder Art, so dass ich sechs Wochen in Port Livingston zubrachte, ohne mich von der Stelle rühren zu können. Da der Ort auf der Landseite von dichtem Urwald eingeschlossen , so ist man ausschliesslich auf Excursionen zu Wasser angewiesen. Die aus einem Stücke Mahagoni-Stamm gefertigten, sehr seetüchtigen Boote der Caraiben bieten jedoch, da sie ganz offen, dem Sammler keinen Schutz weder für seine Person noch für seine Sammlungen und Mundvorräthe. Schon einen Monat vorher hatte ich einen tüchtigen Menschen nach dorten gesandt, um ein Boot in Stand zu halten und um eine Wohnung zu bauen. Die Eingeborenen waren aber nicht zu bewegen gewesen ihm bei diesem Bau behülflich zu sein, auch die Arbeiten am Boot stockten, da man zur Be- schaffung von Nägeln nach der 180 Meilen entfernten englischen Colonie Belize senden musste. Die von mir längst bestellten und zum Fischen in tiefen Gewässern nothwendigen Dynamit- Patronen hatte man aus Furcht der Bootsführer nicht übersenden können ; der gehoffie Eintausch eines Exemplars der nautischen Jahrbücher war mir nicht geglückt — ohne dieses waren keine Beobachtungen mit dem Sextanten zu machen und der Ausfall der topographischen Aufzeichnungen bei so völlig unerforschten Stromgebieten wäre mir recht fatal gewesen — kurzum die Reihe dieser Contre-temps hätte sich wohl noch weiter gesponnen, wenn nicht meine Gesundheit, die durch den gezwungenen Müssiggang und den Aufenthalt in einer feuchten Rohrhütte zu leiden begann, zum Rückzuge aufgefordert hätte. Die sich selten bietende Gelegenheit benutzend, trat eh mit meinen Gefährten, den Herren Hans von Türckheim und Oscar von Nostitz die Rückreise an und auch diese sollte uns eine unangenehme Ueberraschung bringen : nach dreissig- stUndiger Fahrt wurde das Fahrwasser für den kleinen Flussdampfer zu seicht — ohne Hoff- nung, einem anderem Fahrzeuge zu begegnen, da die Osterfeiertage vor der Thüre, ohne von der zwei Köpfe starken Bemannung des Dampfers Hülfe beanspruchen zu können, mussten wir, in ein kleines Boot zwischen unser Gepäck eingezwängt, ohne Ruder, nur mit Stangen aus- gerüstet, die mühselige Reise stromaufwärts antreten. Die Sonne bei Tage und die Mosquitos bei Nacht überboten sich in Gefälligkeiten. Meinen Reisegefährten , die aus Berliner Kreisen stammen, in denen derartige Pic-nics nicht programmmässig sind, wird der kleine Ausflug gewiss lange in Erinnerung bleiben. Heute bin ich in der Lage, die projectirte Tour mit grösserer Aussicht auf Erfolg zu unter- nehmen und so soll sie denn am 2g. dieses abermals in Begleitung des Herrn von Türckheim angetreten werden. Die huldvolle Aufnahme, die meine Sendungen durch Ihre gütige Mühewaltung gefunden haben, wird mich ermuthigen, Ihnen auch fernerhin wenn auch ebenso unscheinbare Sachen zuzusenden. Für die ehrenvolle Placirung meiner Pflanzen in den Gärten Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Wilhelm spreche ich Ihnen meinen Dank aus. Mögen dieselben ein schwacher Beweis I02 Wiener Briefe. sein, dass die Deutschen in Central-Amerika, Einer und Alle mit treuer Liebe an ihrem Vater lande und mit begeisterter Verehrung an ihrem Kaiser und dessen Familie hängen. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung l)in ich Ihr ganz ergebener James Fkederick Sarg. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Hofgarten-Direktor Jühlke Sanssouci bei Potsdam. Wiener Briefe. ]. Habent sua fata — plantae! Auch die Pflanzen haben ihre Geschiclite. Wie schnell wurde z. B. der Alleinbesitz von Anthurium Andreanum fast in einen Allgemeinbesitz um- gewandelt! Eine ähnliche Geschichte erzählt die Aletris fragrans foliis medio pictis, die auf der Hamburger September-Ausstellung von L. J. Makoy in Lüttich als Dracaena Massangeana aus Brasilien, Provinz Goyas (Siehe Monatsschrift d. V. z. Bef. d. G 1880 Seite 421) als eine Neuheit ersten Ranges, und noch nicht im Handel ausgestellt wurde. Wien sah diese Pflanze schon im Frühjahr 1880 und gab dem fürstlich Schwarzenbergischen Hofgärtner Wacha in Frauenberg in Böhmen, dem Zücliter derselben, eine silberne Medaille. In diesem Schlosse werden viele Pflanzen nur für die De' orationen während der Jagdsaison im Herbste heran- gezogen , um dann wieder weggeworfen zu werden. An einem solchen der Vernichtung auf dem Composthaufen anheimgegebenen alten Aletrisstamme wurde der panachirte Trieb bemerkt, allgeschnitten, bewurzelt und vermehrt und an Bekannte verschenkt, so dass man im Herbste 1880 Pflanzen schon zu 5 fl. per Stück in Böhmen haben konnte, und Rudolf Abel sie als Alet. frag. Wacheana in seinen Katalog aufnahm. Makoy nun erhielt sie durch einen ehe- maligen Wiener Handelsgärtner, der sich wahrscheinlich über ihre Verbreitung nicht kümmerte, als eine noch nicht verbreitete Neuheit (!) Hat sie nun auch jetzt schon alle Welt, so bleibt sie doch immer eine ganz vortreffliche elegante Dekorationspflanze, die auch in Bezug auf Zimmerungemächlichkeiten einen ordentlichen Puff aushält, daher zur Kultur sehr zu empfehlen ist. Aehnliches können wir von einer weiteren schönen panachirten Pflanze mittheilen. Ficus elaStica foliis aureo marginatis giebt zwischen andern einfarbigen Ficus und anderen grünen Dekorationspflanzen ein prachtvolles Bild , insbesondere wenn er sich im Herbste vollkommen ausgefärbt hat und sein bis 3 cm breiter Rand neben der dunkelgrünen Mitte herrlich goldgelb leuchtet. Weniger auffallend ist die elegante Zeichnung, wenn die Pflanze in feuchtwarmer Temperatur in voller Vegetation ist, dann weicht das Goldgelb einem hellen gelblichen Grün, das aber bei einiger niedriger Temperatur wieder glänzend hervortritt. Die Pflanze ist bei einem Krauterer in .Simmering vor sieben Jahren erzogen worden und waren demselben für die ersten 5 Pflanzen 100 fl. geboten worden. Heute hat die ziemliche Vermehrung Herr Rudolf Abel an sich gebracht und giebt sie im Frühjahr in den Handel — während ähnliche Ficus auch schon in Belgien und England erschienen sind ; höchstwahrscheinlich auf geheimnissvolle Weise aus dem Besitz des Züchters verschwundene Exemplare! Endlich lassen Sie mich Sie noch auf eine neue buntblättrige Pflanze aufmerksam machen, die rasch ihren Weg machen wird, weil sie sehr schön ist: Begonia metallica fol. variegatis. Wir kennen unter den Begonien einige panachirte, so z. B. die verschwundene Rexsorte Harlekin mit rosa Trieben, Lactea rosea mit durchsichtigen Stellen und Saundersi fol. varieg. mit hübsch gestreiftem Blattwerk, aber keine von allen reicht der neuen Beg. metall. f. v. das Wasser. Die grossen weissen und wiedei rosarothen Blatttheile geben derselben einen Glanz, der sie in ganz erhöhtem Masse zu einer Dekorationspflanze ersten Ranges erhebt, um so mehr als sie auch willig blüht und mit der Blüthe ebenfalls ihren Platz überall behauptet. Wiener Briefe. I. jq^ Eine ganz neue Klasse von Begonien schuf der bekannte flortikulturist Hoibrenk in Ilietzing; sie dürften durch Makoy in den Handel kommen und zeiclinen sich Ijesonders dadurch aus dass sie mehr oder weniger durchsichtige goldgelbe Punkte und Flecken zeigen , wodurch bei den verschiedenen , den Rex-Hybriden eigenthümlichen silbernen , grünen oder schwarzen Zeich- nungen ganz besondere herrliche Effekte auftreten, welche die in der neuern Zeit etwas vernach- lässigte Kultur der Begonia Rex wieder heben dürften. Da wir nun schon bei den bunten Pflanzen sind, lassen Sie mich noch zwei solche Schön- heiten erwähnen , die aber jedenfalls erst eine grössere Vermehrung erfahren müssen, bevor sie die Gärtnerwelt kennen lernen wird. Es besitzt nämlich die hiesige Gartenbaugesellschaft ein gelbgestreiftes Anthurium crystallinum und Herr Hofgarteninspektor Vetter in Schönbrunn eine ganz wunderschöne Vriesia splendens medio aurea. Die ohnedies schön grün und schwarz in Querbinden gestreiften Blätter dieser Vriesia zeigen in der Mitte einen durchsichtigen bernstein- gelben manchmal getheilten Streifen, der ungemein zierend wirkt, und ist die Vermehrung dieser schönen Erscheinung sowohl durch Nebentriebe wie ähnliche Sämlingspflanzen gesichert. Die Gartenbaugesellschaft besitzt überdies zwei Sämlinge von Anthurium Scherzerianum, das mit A. leuconeurum befruchtet worden, welche eine dem letzteren ganz ähnliche Blattfonn und zwerghaften Wuchs zeigen , um so mehr aber die Erwartung rechtfertigen, welche man auf das Erscheinen der Blumen richtet. Erlauben Sie mir, Sie hierbei auf die Hybriden von Anthuri- um und Philodendron aufmerksam zu machen, die Herr Prof. C. KoCH vor Jahren von dem Züchter Herrn Kellerwann erhalten hatte und die sich sicher noch im botanischen Garten in Berhn finden müssen. Sie wurden auf der ersten Pariser Ausstellung mit der goldenen Medaille prämiirt und kamen nie in den Handel. Hier in Wien sind sie bis auf zwei Sorten ganz ver- schwunden ; ich kann Sie aber versichern, dass es darunter der Kultur werthe, namentlich für Zimmerkultur harte Pflanzen mit ganz absonderlichen Blattformen gibt, so dass deren Hervor- ziehen gewiss gerechtfertigt scheint. Sehr schöne äusserst grossblumige und reichblüthigc Formen von Anthurium Scherzerianum besitzt auch die ganz neue grossartig angelegte Gärtnerei des Baron Rothschild in Döbling. dessen intelligenter Garteninspektor H. JOLY dieselben aus Italien mitbrachte, woher auch eine sehr grossblumige, dichtgefüllte purpurrothe Primula chinensis stammt, die schon im November in prächtigen Dolden in Blüthe stand. Bewundernswerth fanden wir ferner jetzt im Dezember dort zu Hunderten das glänzend gelbe Linum trignyum , ganze Beete scharlachrother Begonia Fröbeli , ein halbes Haus voll Bouvardia leiantha, Massen von bunten und gefüllten Balsaminen, mit denen man ein paar Säle dekoriren könnte , Tausende von Coleussämlingen , deren einige in der Blattgrösse den neuen Coleus grandis weit übertreffen und die ganz neue bizarre Fär- bungen aufweisen etc. Von den in der Frühjahrsausstellung prämiirten Abutilon , die ganz interessante und sehr schöne Hybriden unter sich haben, bringt die Firma Weyringer ein Sortiment in den Handel, ebenso eine neue dunkelpurpurne, centifolienartige, äusserst wohlriechende und bis spät im Jahre remontirende Rose. Buche. Interessante blühende Pflanzen im December 1881. (Wir beabsichtigen regelmässig monatlich derartige Verzeichnisse zu geben und bitten die geehrten Vorsteher von Gärten, uns gefällige Mittheilungen der Art freundlichst gleich nach Schluss jeden Monats zugehen lassen zu wollen. D. Red.) 1. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin im November 1881. Mitgetheilt von W. Perring. (Fortsetzung). 4. Kalthauspflanzen: Acacia piatyp tera Lindl. , sehr zu empfehlende, reichblühende bis 1,50/« hoch werdende I04 Interessante blühende Pflanzen. Art, mit flachen, blattartig verbreiteten Zweigen und goldgelben, runden BlUthenköpfchen. Leider setzt die Art meist keinen Samen an, auch ist solcher nur selten käuflich zu haben, weshalb sie durch Stecklinge, die aucli niclit leicht wachsen, vermehrt werden muss. Acacia glaucopteris. » lunata. x retinoides in mehreren Varietäten, X y 1 o c a r p a alle 1) 1 ü li e n hellgelb in runden Köpfchen. Agatliea amelloides 1). C., blau mit gelber Scheibe. Bauera rubinoides Andr., hcllpurpur. Beaufortia decussata R. Er., leuchtend roth. Brugmannsia atrosanguinea, dunkelroth. Komaria oligantha Baker, rothblühende Ama= ryllidee. Candollea cuneiformis Lahill., gelb. Correa cardinalis major, roth. Crowea saligna Andr., roth. Daphne hybrida, hellpurpur. Datura cornigera, weiss. Erica assurgens, weiss. » blanda, rosa. » Boweana, weiss. » bucciniformis, langröhrig, gelbroth. » concolor, röthlich gelb. » cruenta, roth und weiss. » » var. exerta, roth und weiss. i> Tresenii var. lutea, röthlich gelb. » gracilis autumnalis, rosa. » hirtiflora mollis, violetrosa. » hyemalis, weiss mit roth, langröhrig. » mammosa, rosa. Erica mammosa, atropurpurea, dunkelroth. » >• coccinea, scharlachroth. » » pallida, gelbroth. » Petivieri, fleischfarl^en, » stricta, röthlichweiss. » » purpurea, pupurroth. » tenella, dunkelrosa. » vagans, röthlichweiss. » verticillata, rosa. » >j Rohani, leuchtend roth. Eupatorium ageratoides. » glabratum. » Weinmannianum und andere Arten, alle weissblühend. Fuchsia Cottinghami, kleinblumig, purpur. » Melliezii, kleinblumig, roth. » microphylla, kleinblumig, dunkelrosa. » serratifolia, langröhrig, purpurrosa. » spectabilis, langröhrig, roth. Jberis semperflorens L., weiss. Phylica ericoides L., weiss. >> rosmarinifolia, weiss. » parviflora, röthlich weiss. Polygala myrtifolia L. var. latifolia, Schöne Abart mit grossen glänzendgrünen Blättern und dunkleren Blumen wie die der Stammart. Salvia janthina, lebhaft violett. Stevia salicifolia, weiss. 2. Im Borsigschen Garten zu Berlin. Angraecum eburneum P. Tli. " superbum P. Th. Brasavola glauca Lind. Calanthe vestica Lindl. » » rosea Veitcli. Dendrobium nobile Lindl. » Pierardi Wght. Epidendron ciliare L. Leptotes bicolor Lindl. Lycaste cruenta Lindl. Mitgetheilt von IL Gaerdt. Oncidium ephippium Rchb. fd. Phajus grandifolius Lour. Sarcanthus rostratus Lindl. Selenipedium Roezli Rchb. fil. Trichopilia suavis Lindl. Vanda insignis Blume. Vanda tricolor Rchb. fil. >' - b. pallida. • » c Scliilleriana Rchb. fil. 3. Im Flirstl. Pürstenbergischen Hofgarten zu Donaueschingen (Baden) im l)eceml)er iSSi. Mitgetheilt vom Garten-Inspektor Kirchhofk daselbst. Masdevallia amabilis, caloptera, tovarensis, polysticta! — Coelogyne speciosa und Gardneriana, Trichosma suavis! — Lycaste vSkinneri picturata. Odontoglossum Madrense, Alexandrae Lehmanni, Interessante blühende Pflanzen. 105 maculatum superbiim, Restrepia antennifera, Oncid. incuromus, Forbesii, Cavendishii, ornitho- rhynchum, zebrinuin, Cattleya Perinii, intermedia. Laelia albida, aiitumnalis, Maxillaria picta und venusta, Rodriguezia Barkerii, Cypripedium Roezlii, Harrissonii pardinum, purpuratum, Lawrenceanum, Dayanum, Dominianuni, Crossiaum, Warnerianum, Cymbidium Lowii. Calenthc Veitohi, Batemannia Wallisii und meieagris, Pescatorea Lehmanni und Klabochorum, Phalaenopsis Schilleriana. Vanda suavis und gigantea. Rrassia glumacea. Zygopetalum intermedium. Oncidium Kramerianum. 4. Im Jenisch'schen Garten Mitgetheilt von Aerides Vandarum (cylindricunij. Calanthe Veitchii X (hybride). » " var : superlia X Cattleya quadricolor. Colax jugosus. Cypridiuni Ashburtoniae X » Harrisianum y » insigne « » var. Cliantini. » Lawrenceanum. » longifohuni. » Roezhi. » Schhmii. » ^ var: albuni. » Sedeni ^ !> venustum. » villosum. Cymbidium Mastersi. Epidendrum tigrinum. Houlletia ßrocklehurstiana. Lycaste cruenta. ZU Flottbeck bei Altona. F Krämer. Lycaste leucantha. » macrophylla. » Skinneri. iVIaxillaria grandiflora. " Lehmanni Masdevaüia Chelsoni < " polysticta » tovarensis. » Veitchii. Odontoglossum Andersonianum var: lobatum. » bictoniense. » constrictum majus. » Insleayi var; leopardinum. Oncidium barbatum majus. » dasystyle. » purpuratum. tigrinum. Sophronitis grandiflora. Vanda tricolor var: Hrubyana. Zygopetahnn crinitum roseum. Makyi. 5. Im Botanischen Garten zu Hamburg. Mitgetheilt von Professor Reichenbach. Nebst Beschreibung einer neuen Orchidee. Im Botanischen Garten zu Hamburg blühten am 11 Januar a. c. folgende Orchideen unter Herrn Donat's Cultur. Oncidium cheirophorum, Lockhartia amoena, Miltonia Warscewiczii, Trichocentrum Pfavii, Ada aurantiaca, Trichopilia tortilis, Ornithidium Sophronitis, Polystachya luteola, Zygopetalum rostratum, Aeranthus sesquipedalis, Angraencum eburneum , Eria coronaria (Trichosma suavis), Coelogyne viscosa, Preptanthe vestita (Calanthe vestita), Restrepia guttulata, Dayana, Masdevallia tovarensis, corniculata, Pleurothallis balaeniceps, ornata, Cirrhopetalum Makoy- anum, Cypripedium insigne, venustum, Harrisianum, Selenipedium longifolium, Roezlii. Triclio centrum Pfavii ist eine kleine, zierliche Art von Chiriqui. Die Blüthe hat einen ganz kurzen Sporn und gelbvveisse, quer bandirte Sepalen und Tepalen. Vor dem Grunde der weissen Lippe steht ein tief purpurrother Fleck. Die grossen Säulenflügel haben braune Fleckchen am Rande. Ornithidium Sophronitis ist eine dichtrasig verzweigte, kleinbulbige, kleinbl.ättrige Art. Sie scheint in der Regel erst nach Jahren zu blülien, wo sie dann mit den zierliclien, scharlach- rothen gelblippigen Blüthen übersät ist. Cypripedium Harrisianum besitzen wir nur in einer hraunblüthigen Aiiart. Es giebt jo6 Interessante blühende Pflanzen. fast schwarzblüthige Exemplare in England, welche zu den allergrössten Kostbarkeiten gerechnet werden, da die ganze Aussat nur ein paar solcher dämonisch .-r Schönheiten aufwies. Dieser Bastard von Cypripedium villosum und barbatuni führt den Namen eines englischen Arztes, Dr. Harris in Exeter, der Herrn Dominy, den langjährigen Orchideenkultivateur der Herren Veitch, zur Anzucht der Bastarde anregte. Pleurothallis ornata ist ein allerliebstes, zierhches Gewächs, welches den äusseren Eindruck einer kleinen Masdevallia macht. Aus einem Rasen auf ganz kurzen Stämm.chen stehender elliptischer, gewölbter dicker Blätter erhelien sich ganz dünne, haarfeine Blüthenstiele mit armen Trauben, deren Blüthen nicht gleichzeitig sich öffnen.- Sie sind leicht ockergelb mit braunvioletten Fleckchen und ausgezeichnet durch ein^ Besatz randständiger weisser, länglicher stumpfer Lamellen, welche an jene bei Bulbophyllum saltatorium und Careyanum und die mancher Stapelien erinnern. Gewisse Herren werden in diesen Ornamenten Organe erkennen, welche allein bezwecken, die Neugier der Insekten zu erregen (,,for attracting the curiosity of insects"). Wie bei vielen grossen Gattungen Mitteltypen vorkommen, bei denen das Unter- scheidungsmoment verwischt ist, so giebt es auch einige Arten, welche zwischen Masdevallia und Pleurothallis stehen. Man muss alsdann nach den Nebencharakteren forschen, was meistens zur passenden Beiordnung führt. So gehört diese Art schhesshch besser zu Pleurothallis. .. Sie stammt aus Mexico und verdanken wir sie dem unermüdlichen Einführer neuer Pflanzen, Herrn F. Sander zu St. Albans, Hertfortshire bei London, der ein Bremenser ist. Eine Diagnose füge ich hier bei. Pleurothallis ornata (Apodae Caespitosae) : dense caespitosa, caulibus secundariis brevissimis, foliis ellipticis, maiginatis apice minute tridentatis carnosissimis, pedunculo capillari longe exserto, racemo paucifloro, floribus hysterochronicis, sepahs oblongis, obtuse acutis, latera- libus medium usque connatis, marglne lamellis tremulis ligulatis, obtusiusculis ornatis, tepalis spatulatis dorso gibberosis, labelli unguiculati lamina quadrata (!) seu oblonga acutiuscula sagittata (!), columnae alis subquadratis , ad mediam columnam extensis, androclinii limbo serrulato. Flores pallide ochracei, maculis plurimis brunneo violaceis. Lamellae albae, Diametrus ;;/ o,oi. Folia m o,02 longa. Merkwürdig ist auch an dieser Art, dass sie ihren Organen einen verschiedenen Bau gestattet. Die Lippe sah ich ganz länglich viereckig, und länglich spitz pfeilförmig. H. G. Rchb. fl. 6. Im Königlichen Berggarten zu Herrenhausen. im Monat Dezember 1881. Mitgetheilt von Herrmann Wendland. Aroideen. Anthurium Andreanum. » Lindeni. Orchideen. Cycnoches Warscewiczii. g Masdevallia macrura. » tovarensis. Renanthera Lowii mit 3 Rispen Sophronitis grandiflora. Trichosma suavis. Schomburgkia tibicinis. Odontoglossum Uro-Skinneri Paphinia cristata. Cypripedium Fairianum Palmen. 1 Aphelandra bullata. Drymophloeus Rumphii. I Nenga Wendlandii. Rhopalostylis Baueri. D sapida. Roscheria melanochaetes. Pinanga coronata. Archontophoenix Cunninghamiana. Licuala celebica. Astrocaryum latisectum sp. n. Morenia Poeppigeana ^ Diverse. Freycinetia Baueriana. Musa sanguinea. Lapageria rosea fl. albo. Interessante blühende Pflanzen. 107 7. Im Grossherzoglichen Hofgarten zu Karlsruhe. Mitgetheilt vom Ilofgarten-Inspektor E. Mayer. Orchideen. Angraecum pelkicidum Ldl. Cattleya chocoensis Lind, et And. » quadricolor Batem. Cymbidium Mastersii Ldl. Dendrobium litniflonim Ldl. » Wardianum Rchb. fil. Limatodes rosea Ldl. siiperba. Odontoglossum Uro-Skinneri Ldl. Pescatorea Klabochorum Rchb. fil. Phajus Blumei Ldl. Phalaenopsis grandiflora Lindl. » .Schilleriana Rchb. fil. Pleurothallis longissima Ldl. Selenipedium longifolium Rchb. fil. Roezlii Rchb. fil. 2 Schlimmii Rchb. fil. Vanda gigantea Lindl. Warrea Lindenii Lindl. M u s a c e e n. Heliconia augustifolia. 8. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel im Dezember 1881. Mitgetheilt von Kimstgärtner C. Wissenbach. In den Verzeichnissen blühender Pflanzen im Januarhefte dieser Zeitschrift vermisste ich mehrere Gewächse, die sich hier durch Schönheit und dankbares Blühen auszeichnen und daher mit Vorliebe kultivirt werden. Orchideen werden der sehr beschränkten Kulturräume wegen nur in ganz geringer Anzahl kultivirt. Es standen in der letzten Decemberwoche in Blüthe: Orchideen: Cypripedium insigne. » venustum. Dendrobium nobile. Epidendrum viscidum Lycaste Skinneri. Miltonia spectabilis. Nephelaphyllum pulchrum. Odontoglossum Alexandrae. Zygopetalum Makayi. (Wird fortgesetzt.) Die 2. Winterausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in Berlin, im Saale der Passage, am 15. Januar 1882. Von L. WiTTMACK. Die zweite \ . nterausstellung konnte und sollte dem Programm nach nur eine kleinere sein, da alle bekannten und bewährten Kulturen, wie Maiglöckchen, Hyacinthen, Tulpen etc. aus- geschlossen waren. Dass sie aber so klein würde, wie sich schliesslich herausstellte, hatten wohl nur Wenige erwartet. Viele Programm-Nummern wurden nicht gelöst, neue Blüthensträucher waren z. B. nicht vorhanden, eine blühende Luculia gratissima suchte man vergebens, Gardenien und Eucharis, Poinscttia etc. ebenso. — Hätten nicht unsere grösseren Handelsgärtnereien aus Liebe zur Wissenschaft und zur Kunst solche Aufgaben neben ihren Specialkulturen zu lösen sich vornehmen können? — Doch trotz der Kleinheit war die Ausstellung wegen der Qualität der Ausstellungsgegenstände eine bedeutungsvolle; sie bekundete nach zwei Richtungen Fortschritte, einmal in der Rosentreiberei und zweitens in der Nelkenzucht. Konnte auch der i. Preis für Rosen in Töpfen noch nicht vertheilt werden, so fanden sich doch zwei sehr beachtenswerthe Leistungen von Berliner Gärtnern, die des Herrn Wen dt, Hasenhaide (II. Preis I grosse silberne Medaille und 100 Mark) und die des Herrn H. Witzeil in Weissensee bei Berhn (III. Preis i grosse silberne Medaille und 50 Mark). Herr Wen dt hatte 15 Stück in etwa II Sorten ausgestellt, darunter die Tiieerosen; Belle Lyonnaise, Adam (President), Mme. 108 D''^ 2. Wintcrausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. de Vatry, Safrano, Souvenir d'un anii, Mme. Willermoz, Monier, Marechal Niel, die Noisette- rose Revc d'or, die Bourlionrosen Mrs. Hosanquet und Pierre de Saint-Cyr, sowie die Remontantrosen : Anna Alexieff und la l'rance. — Herr Witz eil führte vor die 3 Reniontant- sorten: Louise Odier, Jules Margottin und Triomphe de l'exposition. Die Krone der ganzen Ausstellung bildeten aber die abgeschnittenen Rosen dos Herrn F. W. Spiess in Lockstedt bei Hamburg, denen verdienter Massen eine golde ne Medaille zu Theil wurde. — Die einzelnen Blumen waren zwischen Moos in einem aus Korkrinde gefertigten Schaukasten, der mittelst einer Glasscheibe oben verschlossen war, in anmuthigster und zweckmässigster Weise aufgestellt. Es waren 36 Stück, darunter von Theerosen Adrienne Christojjhle und Gloire de Dijon, von Remontanten : la France, Madame Elise Jenisch, Charles Lefebvre, Alfred Colomb, Monsieur Boncenne, Comtesse d'Oxford, alle so schön, so frisch, so gross, dass sie das allgemeinste Staunen erregten und den eingeführten frisch getriebenen Pariser Rosen würdig zur Seite gestellt werden konnten. Herr Spiess hat ganz entschieden in diesem Jahre noch besser geformte Blumen und diese in grösserer Sorten Zahl vorgeführt als im vorigen Winter, wo er auch bereits eine goldene Medaille davontrug. — Aber Rosen in Töpfen zu bringen, war ihm nicht möglich gewesen, da diese, ebenso wie die mehrerer Berliner Züchter noch nicht genug mit Blüthen bedeckt waren. W^ahrscheinlich wird man bei den nächsten Winterausstellungen den Termin doch etwas weiter hinausschieben müssen , denn es scheint nicht möglich, sofort zu einer früheren Treiberei der Rosen, namentlich der Remontantrosen zu kommen, sondern nur allmälig. Von wunderbarer Schönheit war ferner ein Korb voll abgeschnittener Rosen Marechal Niel und Gloire de Dijon aus der Schlossgärtnerei Reuthen bei Spremberg (Obergärtner Held), und endlich verdienen die ausserordentlich langstieligen Rosen Cramoisi superieur des Herrn Kuntze (f. C. Schmidt), Berlin, ebenfalls lobend hervorgehoben zu werden. Von Remontant-Nelken in Töpfen war nur i Aussteller, dem aber mit bestem Gewissen der erste Preis zugesprochen werden konnte: Herr Anton Janicki in Berlin. Unter seinen 12 Sorten in 48 Exemplaren sind zu. nennen als schönste weisse: Hermina, als schönste feuer- rothe: Lucifer, Alphonse Karr, Allegatiere, als schönste rosa: Irma. Entzückend war ein Bouquet echter Grenadier Nelken von Lackner, so schön, dass Herr Hofgärtner Nietner es sich für die Prinzess Wilhelm, eine grosse Blumenfreundin, erbat. Als höchste Leistungen nach den Rosen und Nelken müssen wir die Veilchen bezeichnen. Herr F. Kerkow in Pankow stellte 6 Sorten vorzüglicher Veilchen in Töpfen aus: semper- florens, rossica, Hamburger, Czar, sans pre, le Lilas; letztere beiden gehören zu den Sorten, die Herr Kerkow für den Verein zu Versuchszwecken kultivirt; die Herren Rathke Kaiserin-Augusta», eine Kreuzung von rossica mit semperflorens. (Siehe Monatsschrift 1881 S. 38) An dieses Veilchen knüpft sich eine allerliebste Herzens- Geschichte! — Herr Rathke jr. liess das Veilchen malen und entdeckte in der Malerin ein zweites so liebliches \'eilchen, dass er sich rasch entschloss, auch dieses zu sich zu nehmen und sich zur Gattin zu erwählen! Von ganz besonderer Schönheit waren die abgeschnittenen Veilchen (semperflorens) des Herrn Becker in Lockstedt bei Hamburg, der ausserdem gute Champignons heferte. Die Blumen hatten einen Längen-Durchmesser bis zu 3 cm und einen vorzüglichen Geruch. Getriebene Blüthens trau eher hatte namentlich der auf diesem Gebiete rühmlichst bekannte Herr Allardt, Schöneberg bei Berlin, ausgestellt. Prunus triloba fl. pl., Prunus si- nensis n. pl., Syringa vulgaris Charles X, weiss, im Dunkeln getrieben, sowie auch Clematis. — Ausserdem brachte Herr Wen dt getriebenen Flieder, Deutzia gracilis, als Garnirung Aphelandra Rözlii ; Herr ( >berg. Krüger Leucopogon Cunninghami, viele Epacris, sowie Amaryllis, Chvia nobilis etc. Herr Peter Smith iS: Co., Bergedorf bei Hamburg, sandten, um auf eine alte Pflanze wieder aufmerksam zu machen, 3 Töpfe Seh izostylis coccinea, desgl trefflichen getriebenen Rhabarber. — Herr Kuntze (Firma J. C. Schmidt) erregte allgemeine Aufmerksamkeit durch das geschmackvolle Arrangement einer Jardiniere mit Orchideenblüthen ," Phalaenopsis Schille- Die 2. Winterausstellung. — Amtliche Bekanntmachung. IO9 riana, P, grandiflora und Cypripedium insigne umgaben grazieus einen hohen ausgepflanzten Phajus grandifolius. In bereitwilligster Weise hatte auf Veranlassung des Herrn Hofgarten-Direktor Jühlke Herr Hofgärtner Nietner in Charlottenburg ausser Concurrenz eine reiche Gruppe von blühen- den Begonien (B. hydrocotylaefolia, coccinea, incarnata, Mohringii, sehr hoch, Verschaffelti, fuchsioides, metallica, manicata, Beg. discolor x rex: A. Carriere), sowie von Amaryllis crocata, Libonia floribunda, Spiraea prunifolia etc. eingesandt. Im Gemüse zeichnete sich, wie im vorigen Jahre, Herr Garteninspektor Hampel in Koppitz (Oberschlesien) aus; es waren als besondere Specialität Gurken, Bohnen und Ananas; unter ersteren: i) Hampel's Treibhausgurke, 2) Sämling von Rollisons Telegraph, befruchtet mit der weissen chinesischen Gurke, Cuthills black spine, Duke of Edinburgh, Climax, gelbe monströse Gurke, letztere nach Herrn Hampel nicht gut für's Haus. Von Bohnen: gelb- hülsige Flageolet, Ilsenburger, Osborne's irUhe Treibbohnen, letztere sehr reich tragend. Ananas wurden in allen Stadien vorgeführt, um zu zeigen, dass man zu jeder Zeit solche haben kann. Herr Hoppe, Pankow, hatte ausser Concurrenz mehrere sehr schöne Gartenpläne aus- gestellt, Herr Namslau & Sohn, Berlin NO., Kaiserstrasse 24, broncirte Blumenkörbe imd Jardinieren etc. aus leichtem Blech zu äusserst billigen Preisen, welchen Artikel wir besonders den Herren Blumenhändlern empfehlen möchten. Die Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin, endlich, die 2 Ehrenpreise gestiftet, stellte ihre zahlreichen Publikationen in geschmack- vollen Einbänden, der deutsche Gärtnerverband in Erfurt seine Zeitung aus. Verschiedenes. Die Berner internationale Reblaus-Convention vom 3. November 1881 nebst der Zusatz- erklärung vom 16. December 1881 ist in der 26. Sitzung des Reichstags am 16. Januar in I. u. 2. Lesung angenommen. Desgleichen die Anträge der Petitions-Commission; über die Petitionen, welche die Ablehnung der Convention verlangen, zur Tagesordnung überzugehen, diejenigen aber, die auf Einführung strengerer Massregeln im internen Rebverkehr gerichtet sind, dem Reichskanzler zur thunlichsten und baldigsten Berücksichtigung zu überweisen. Personalnachricliten. Der bisherige Universitätsgärtner Wi Ihelm Perring ist an Stelle des verstorbenen Carl David Bouche zum Inspektor des kgl. botanischen Gartens in Berlin ernannt. Amtliche Bekanntmachung. Berlin, den 17. December 1881. Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. Nach einer von dem Herrn Minister der auswärtigen Angelegenheiten mir mitgetlieilten Anzeige des Kaiserlichen Botschafters zu St Petersburg ist zur Verhütung der Einschleppung der Reblaus die Einfuhr von Komposten, Gartenerde, Weinreben, Pfeifenröhren, Stäben und Blättern nach Russland durch eine in Nr. 67 des russischen Gesetzblattes veröffentlichte Ver- ordnung vom 26. Mai d. J. verboten worden. Dagegen ist die Einführung anderer lebender Pflanzen gestattet, jedoch nur über diejenigen russischen Zollämter, welche nördlicher als der an der Lemberg-Odessaer Bahn gelegene Grenzort Wolotschisk hegen. Nach der gedachten Mittheilung hat der genannte Botschafter ferner angezeigt, dass einer Auslassung des St. Peters- burger Zolldepartements zufolge bei Einführung der letztgenannten lebenden Pflanzen die Beibringung von Ursprungs- oder sonstigen Zeugnissen nicht erforderlich, sondern nur ein vom j jO Eingegangene Preisverzeichnisse. Absender zu unterzeichnender Revers darüber beizufügen sei, dass diese Pflanzen nicht zur Kategorie der Weinstöcke gehören. Den Vorstand setze ich hiervon mit dem Anheimgeben in Kenntniss, durch die vom Vorstand herausgegebenen oder für die Publikationen desselben ])isher benutzten Organe den Betheiligten vom Inhalt dieser Verfügung Mittheilung zu machen. Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, gez. Lucius. An den Vorstand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten. Eingegangene Preisverzeiclinisse. L. Paillet in Vallee de Chatenay bei Sceaux (Seine). — Louis Leroy in Angers (Maine et Loire). — N. L. Chrestensen in Erfurt. — Cultures horticoles etablies a Tostat, Canton de Rabastens (Hautes-Pyrenees), Tarbes. — Compagnie continentale d'horticulture (Societe anonyme), ancienne firme J. Linden, ä Gand — Frr Burvenich , ä Gentbrugge — lez-Gand. — Jacquemet Bonnefont pere et fils a Annonay et Lyon. — Fr. Sensenhauser'sche Verlags- und Sortiments- buchhandlung in Berlin C, Grenadierstrasse 33. (Verzeichniss empfehlenswerther deutscher Garten- literatur). — Eugen Ulmer, Stuttgart, Verlagsbuchhandlung. (Empfehlenswerthe Bücher und Bilder- werke aus dem Gebiete der Gartenbauliteratur und Botanik Herbst 1881.) — F. Gaucher, Stutt- gart. — H. B. Warneken in Burgdamm, Station Burg-Lesum bei Bremen. — Joseph Klar in Berlin C Linienstr. Nr. 199. — Louis van Houtte in Gent (Belgien). — Gebr. Hanses in Rinseke bei Altenhundem (Westfalen). — Wildpret & Schenkel in Orotava (Teneriffa). — F. Chappelier in Neuelly- Paris (le jardin fruitier-ecole ambulant). — Vilmorin, Andrieux & Co. in Paris, Quai de la megisserie No. 4. — Chr. Lorenz in Erfurt.. — Sutton u. Sons in Reading, London und Paris. — James Carters u. Co. in High -Holborn London. — F. C. Heinemann in Erfurt. — Schlieben & Frank in Ratibor. — Fr. C. Pomrencke in Altona. — J. Samson in Gent. — Provinzial-Baumschule zu Althof-Ragnit bei Tilsit. — Chr. Lorenz in Erfurt. — J. L. Schiebler & Sohn in Celle. — Alb. Lindberg (vormals Christian von Brocken) in Lübeck. — Volkmar Döppleb in Erfurt. — Gebrüder Dippe in Quedlinburg. — C. Plate u. Sohn in Erfurt. — Friedrich Spittel in Arnstadt bei Erfurt. — Emil Kratz in Hochheim-Erfurt. — Carl Czermak in Fulneck (Mähren). — Anton Schieb in Klattau (Böhmen). — Otto Mann in Leipzig. — Julius Dürr in Laibach (Krain). — Friedr. v. d. Heiden in Hilden (Rheinpreussen). — Haage & Schmidt in Erfurt. — Dr. Ad. Blankenhorn, Verzeichniss der Präparate der Phylloxera, ihrer natürlichen Feinde und anderer, an der Rebe lebender Thiere. — Otto Schulz und H. Gühler in Buckow (Bienenwirthschaft). — Ad. Schmidt Nachf. (Fr. Kropp) in Berhn SW., Belle- allianceplatz 17. — C. G. MÖHRING, Samenhandlung, Kunst- und Handels-Gärtnerei in Arnstadt i. Thüringen, etablirt 1830, empfiehlt seinen neuen, reichhaltigen Katalog über Gemüse- und Blumen-Samen etc., Topf- und Land-Pflanzen, Bindereien etc. zur gefälligen Benutzung franco und gratis. Linaria maritima. 7 j i Linaria maritima, Dec. 4 o von Haage & Schmidt in Ei fiirt. Mit farljiger Abbildung. ■pii^ine sehr hübsche bis jetzt in den Gärten noch nicht verbreitete Species, welche zur Blüthezeit einen reichen Teppich hübscher blau-violetter Blumen bildet; die einzelnen Blumen sind ansehnlicher als die der L. alpina und der ganze Effect ist ein grösserer. Die Pflanze ist zwar wie jene perennirend, wird aber auch, da sie im ersten Sommer blüht und Samen trägt, vortheilhaft als Annuelle behandelt; sie bildet 15 cm hohe sehr verzweigte Büsche, die den grössten Effect hervorbringen, wenn sie in Beeten zusammengepflanzt sind; sie blüht während der Monate Juli und August und ist Alles in Allem genommen eine schöne Zierpflanze für den Sommerschmuck der Gärten. Den Samen erhielten wir von Hrn. Ed. BoiSSlER in Valeyres bei Orbes, nahe Genf, der daselbst eine ausgezeichnete Staudensammlung besitzt. Adliatoda cydoniaefolia Nees ab Esenb. Acanthaceae. Hauptgattungscharakter: Kelch glockig, bis zur Mitte oder noch tiefer 5 spaltig, Lappen lanzettlich, die 2 vorderen zuweilen lange zusammenhängend. Blumenkrone weit 2 lippig, Röhre kurz, Oberlippe aufrecht, eingebogen, helmförmig, fast ganzrandig, Unterhppe zurückgebogen — ausgebreitet, breit 3-spaltig, Gaumen derselben konvex, Mittellappen breiter. Staubgefässe 2 (die 2 vorderen), das eine Antherenfach höher eingesetzt als das andere, beide stumpf, oder das untere an der Basis kaum mit einer Spitze, nicht gespornt. — Hohe Sträucher, glatt oder behaart, Blätter ganzrandig. Blüthen weisslich oder purpurn. Deck- und Vorblätter krautartig. 6 Arten in den Tropen der alten und neuen Welt. (Nach Bentham et Hooker, Genera plant. II 11 12.) Speciescharakter. A. cydoniaefolia N. ab E. in Mart. Flor. bras. fasc. 7. 148 t. 25. D C. Prodromus XI 389—730. Bot. Mag. t. 4962. Fl. d. serr. XII t. 1222. Rev. hört. 1873 S. iio mit färb. Abb. Journ. of hört. 18S1 S. 543 mit Holzschn. — Strauchartig, zottig, Blätter oval, Blüthenstiele kurz, 2-bliithig, Deck- und Vor- blätter oval, kürzer als der Kelch, oder so lang wie dieser. — Brasilien, Prov. Rio de Janeiro. Blüthe: October — März. Ein weitschweifiger, etwas windender wurzelnder Strauch, bis 2 in hoch, Aeste aufsteigend, Blätter oval, in Gestalt der Quittenblätter, mit dem kurzen Stiel 5 — 10 cm Garteu-Zeituiig 1S82. 8 112 Adhatoda cydoniaefolia Nees ab Esenb. lang, 2 — 3 '/o cm breit, lederartig, oberseits glänzend, überall, besonders unterseits behaart, Blüthenstiele kurz 2-blüthig, achselständig; Blume gross, 2^1^ cm lang und länger, weichhaarig. Oberlippe purpurn, oberseits silbern behaart, Unterlippe violett mit weissen Mittelstreifen. Staubbeutelfächer fast i)arallel (daher vom Gattungscharakter etwas abweichend). Die Gattung Adhatoda ist mit Justicia nahe verwandt und unterscheidet sich nur durch die wenig gespornten Antheren, sowie meistens durch den Habitus und den Kelch. Unsere Art wurde von Veitch in Exeter eingeführt, blühte dort 1855 und 1856, hat aber lange nicht die Verbreitung gefunden, die ihr als Winterblüher gebührt. Fig. 25. Adhatoda cydoniaefolia N. ab Es. ca. '/^ nat. Grösse. Kultur im Warmhause in bindiger Erde, in einem Gemisch von Lauberde mit etwas Haideerde. Vermehrung nach v. Houtte durch Stecklinge, die in Haideerde unter Glocken bald Wurzeln bilden. Carri£:re sprach 1873 die Meinung aus, dass sie vielleicht bald Marktpflanze werden möchte. — Das Journal of hört., dessen Redaktion freundlichst eine Reducirung der daselbst 1. c. befindlichen Abbildung gestattete, bemerkt 1881 S. 543: Diese Pflanze lässt sich leicht kultiviren. Der einzige Fehler ist, dass sie etwas sparrig wächst; aber der Einsender des Artikels (W. K.) hat sie unter dem Dach oder an einem Pfeiler gezogen und da scheint sie ganz zu Hause. Die beste Zeit zur Vermehrung ist im F-rühjahr, wenn sie an- gefangen hat zu wachsen. Die Stecklinge machen sehr schnell Wurzeln, wenn sie etwas Bodenwärme erhalten und sollten dann, sowie die Wurzeln erscheinen, in eine leichte, reiche Erde verpflanzt werden. Sowie die Wurzeln Cycas sianiensis Miq. 113 den Topf erfüllen, müssen sie wieder verpflanzt werden und können dann, wenn angewurzelt, pincirt werden. — Hierauf kann man sie entweder in grösseren oder kleineren Töpfen ziehen oder sie ausjjflanzen auf einem Beet im Warmhause und wie erwähnt an einem Pfeiler unter das Dach leiten. Warmhaus oder temperirtes Haus. Sie blühte in England im Herbst reichlich bei ca. 15—16« C. Cycas siamensis Miq. Speci es Charakter. C. siamensis Miq. Bot. Zeitg. 1863, S. 334. D. C. Prod. XVI. 2 S. 528 (nicht XIII. 2, wie in Illustr. hört. 1881, S. 157 citirt). Regel Acta hört, petropol. IV., S. 282. Derselbe in Linden, Illustr. hört. 1881, S. 157 mit farbiger Abbildung. — Cycas aurea kort. Verschaffeltianiis. Fig. 26. Cycas siaiiiensis Miq. Blätter 60 — 80 cm lang, die jüngeren etwas behaart, später ziemHch glatt. Blattstiel (Wedelstiel) zusammengedrückt, an der Basis jederseits dornig. Dornen entfernt, zurückgekrümmt, mehrmals kürzer als der Durchmesser des Blattstiels. Spindel unten convex, oben in einen Kiel vorgezogen. Blättchen breit-lineal, flach, j ^A Cycas siamensis Miq. an der Spitze plötzlich in einen kurzen Dorn zugespitzt, bis i6— 20 rw lang und ca. 7 ////// breit, alle an der Basis nach vorn am Blattstiel etwas hinlaufend, die unteren plötzlich in kleine Dornen verändert. — Stamm aufrecht, einfach, 2 bis 3 /// hoch. Blättchen jederseits 40 und mehr, graugriinlich. Blattstiele und Spindel geblich. E. Rgl. Zapfen nach Miqukl 1. c. gestielt, spateleiförmig, mit Ausnahme der Lappen der 2eiigen Fruchtschuppen ockerfarbig-filzig, Kndspreite rhombisch-eiförmig, gekämmt-fiedersi)altig, zugespitzt, oder s])itz, junge Frucht ganz glatt. In Siam, bei Kaw-Boerie (Teysmann). Stamm an der Basis verbreitert, oben zusammen- gezogen. Unsere Abbildung ist nach der schönen farbigen Tafel in Illustr. hört. 1881 S. 157 gefertigt. Re(;el bemerkt an demselben Orte: Diese Art ist eine der schönsten der Gattung. Ihre majestätische Tracht erinnert an die von Cvcas circuialis L. In dieser Gruppe giebt es nur wenig Charaktere, um die Arten gut zu unterscheiden. Der dicke gerade Stamm, mit vielen Blattresten bedeckt, ist allen Arten der Gruppe der Cycas clrcinaUs gemeinsam, welche sich von Cxcas revohita durch die flachen Blätter unterscheiden. Während C. circinalis L., C. glauca Miq., C. media R. Br. und C, gracilis Miq. Blattstiele besitzen, welche von ihrer Basis bis zum Sechstel oder gar bis zur Hälfte der Länge an den Rändern mit kurzen Dornen besetzt sind, haben bei C. siamensis und C. Ruminiana die Blattstiele bis zur Spitze kurze Dornen. Diese sind aus nicht entwickelten Blättern hervorgegangen. — Bei C. Riiminiana sind die Blättchen 10 — 12 nun breit und verschmälern sich allmälig in eine nicht stechende Spitze, bei C. siamensis dagegen endigen sie plötzlich in spitze dornige Fortsätze. In der Revue horticole 1881 S. 397 ist eine ganze Gruppe älterer C. siamensis aus dem Garten des Akklimatisationsvereins im Bois de Boulogne nebst einer weiblichen Schuppe abgebildet. Daselbst befinden sich nicht weniger als ca. 50 Exemplare, von 2 m Höhe und 15 — 25 em Stammdurchmesser, die an der Basis wie riesige Pyncenectitia tiiberciilata aussehen. Nach Carricre 1. c. ist der weibliche Blüthenstand sehr dick, fast kugelig, aus rothen wollig-filzigen Schuppen zusammengesetzt. Die einzelnen Fruchtschuppen sind sehr lang gestielt, an der Spitze verbreitert, und tief getheilt, die Fiedern derselben ungleich, zugespitzt, grünlich, an der Basis die 2 Ovula tragend. Männlicher Blüthenstand endständig central, oval-elliptisch oder spindelförmig-konisch, ca. 15 cm lang, Schuppen roth- gelb, zugespitzt. Blüthenstaub körnig, blassgelblich. CtOdeffroy-Lebeuf in Argenteuil , der C. siamensis im Vaterlande gesehen, kann in Rev. hört. 1881 S. 43S nicht genug die Schönheit dieser übrigens sehr variirenden Cycas loben. Nach ihm wächst sie in Cochinchina auf der Insel Ponlo-Condor (8. — 9.'^ n. Br.) sehr reichlich ; trotz dieser südlichen Heimath hielt sie aber in Argenteuil in einem Zimmer, wo während zwei Winter die Temperatur oft auf 0*^ sank, sehr gut aus. Sie ist also für jeden Wintergarten geeignet und wahrscheinlich auch eine gute Marktpflanze. H. Gaerdt: Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. I I c Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. \'on H. Gaerdt, Kgl. Gartenbau-Direktor, Berlin. (Schluss.) ^SS'ie Beschafifenheit des Wassers, welches zum Bewiessen und Spritzen der Pflanzen in den Zimmern verwendet wird, darf nicht als ein gleich- gültiger Gegenstand angesehen werden. Die Nützlichkeit des Regenwassers steht obenan. Nächst diesem dürfte das Flusswasser als bestes anzusehen sein, namentlich solches, welches aus Flüssen entnommen, deren Lauf durch Städte und Dörfer geht, wo ihm mehr oder weniger Material zu- geführt wird, welches, im Wasser aufgelöst, für die Pflanzen nützliche Dungstoffe bildet. In Folge dessen ist auch das Spreewasser zum Be- giessen der Pflanzen ein ganz geeignetes. Brunnenwasser ist möglichst zu vermeiden, weil es, seines meist hohen Kalkgehaltes wegen, nach längerer Anwendung in dem Wurzelballen zu viel Kalk zum Nachtheile der Pflanzen absetzt, ausserdem aber auch bei Verwendung zum Spritzen die Spaltöff"nungen der Blätter verstopft und auf den Blattflächen Schmutzflecke erzeugt. Wird das Brunnenwasser ab- gekocht und dann längere Zeit der Luft ausgesetzt, so ist es zum Giessen verwendbar. Das Wasser aus städtischen Wasserleitungen ist zum Giessen weniger geeignet, weil in Folge des Filtrirens manche Pflanzennährstofife dem Wasser entzogen worden sind. Dagegen ist es zum Spritzen gut verwendbar. Werden dem Leitungswasser, wie überhaupt allem zum Begiessen der Pflanzen verwendeten Wasser Pflanzennährstofife — aber in Spuren — hinzugefügt, wie z. B. kohlensaures Ammoniak, auch von Zeit zu Zeit Kali, so werden damit wesentliche Verbesserungen geschaff"en. Jedoch muss hervorgehoben werden, dass mit Hinzufügung derartiger Stoffe vor- sichtig zu Werke gegangen werden muss, denn Ueberfluss kann auch schädlich werden. Wasser, welches man zum Giessen wie zum Spritzen verwendet, sollte stets einen Wärmegrad von 25 — 30 Grad R. haben. Es ist das warme Wasser zugleich auch ein Mittel gegen alles Gethier. Was die PZrde anbetrifl"t, so ist diese ja nicht für alle Zimmerpflanzen ein und dieselbe; die eine verlangt eine schwerere, die andere eine leichte Erdart, bald lehmartig, bald haideerdeartig. Da nun aber der auf Zimmer- pflanzenkultur beschränkte Liebhaber wohl nicht sich in der Lage befindet, Erdmagazine anzulegen, so thut er wohl daran, zur geeigneten Zeit den Bedarf an Erden von einem soliden Gärtner zu beziehen. Auch bei der Pflege der Pflanzen in den Zimmern tritt eine Vegeta- tions- und eine Ruheperiode ein; dem entsprechend sollten auch die jj5 H. Gaerdt: Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. Temperaturverhältnisse sich regehi. Pflanzen, in der besten Wachsthums- periode begrififen, Heben eine höhere Temperatur als wie zur Zeit der Ruhe. Der richtit^e Zeitpunkt für das Verpflanzen oder Versetzen, d. h. für die Gewährun<^ neuer, frischer, nahrhafter Erde tritt ein, wenn die Individuen von Neuem zu wachsen bef;innen, mithin nach der Ruheperiode; sie sind in diesem Stadium am geneigtesten zur Erzeugung neuer Wurzeln. Vor allem hat man sich von der Beschaffenheit des Wurzelvermögens zu überzeugen. Es lässt sich nicht mit Bestimmtheit festsetzen, wie oft ein Individuum verpflanzt werden muss, ob alljährlich oder alle zwei, alle drei Jahre, indem dies von der Wüchsigkeit und den Wurzelverhältnissen ab- hängig ist. Um die Erde in den Gefässen gegen Versäuerung zu schützen, ist beim Verpflanzen darauf zu achten, dass auf den Boden des Topfes eine dem Gefässe angemessene ca. 2 — 5 cm hohe Lage zerkleinerter Ziegel- oder Kalksteine von der Grösse wie kleine Haselnüsse gebracht wird. Diese Drainage verhindert jede Ansammlung und Stagnation des Wassers. In Folge plötzlicher Ueberführung der Pflanzen aus der feuchten Glas- hausluft in die trockene Zimmerluft gehen viele Pflanzen schon in der ersten Zeit an ihrem neuen Aufenthaltsort zu Grunde. Dieser grosse und oft schmerzliche Uebelstand würde in einer viel geringeren Weise er- scheinen, wenn die Pflanzen zu einem derartigen Uebergange vorbereitet würden. Unser sehr verehrter PVeund, Staatsrath Dr. Regel bespricht diesen wichtigen Punkt in höchst interessanter Weise im 14. Bande der Garten- flora Seite 73 unter dem Titel »Akklimatisirung der Pflanzen im Zimmer« und äussert sich darüber in folgender Weise: »Nachdem eine zweckmässige Auswahl zur Kultur der Pflanzen -im Zimmer getroffen ist — ist damit noch keineswegs jede Schwierigkeit be- seitigt, denn die meisten aus den Gewächshäusern übergeführten Pflanzen, selbst wenn sie übrigens zur Kultur im Zimmer vollständig geeignet sind, leiden bei der Ueberführung. Im Gewächshause bildeten sich die vegetativen Organe derselben unter Einfluss einer feuchten Luft aus, es ist mithin das ganze Gewebe der grünen Pflanzentheile vollsaftiger, weil unter dem P^influsse der feuchten Luft die Verdunstung eine geringere war. In die trockene Luft des Zim- mers übergeführt, wird die Verdunstung der weichern Gewebstheile so stark, dass nicht genugsam Nahrungssaft nachgeführt werden kann, trockene Blattspitzen und Blattränder, wie allmäliges Abtrocknen der Blätter ist daher oft gerade bei solchen Pflanzen die Folge, die einmal akklimatisirt sich als die schönsten und geeignetesten Pflanzen zur Zimmerkultur erweisen. Ganz anders verhalten sich die unter Einfluss der trockenen Zimmer- luft gebildeten Blätter solcher Pflanzen. Diese bilden ihre ganze Gewebs- masse in einer Weise, dass sie auch dem Einflüsse der Zimmerluft voll- ständig zu widerstehen im Stande sind, ja erhalten sich gemeiniglich an Fig. 27. Phoenix J'arinifera. Roxb. Cochinchir Il8 H. Gaerdt: Pflanzen- und Blumenkultus im Zimmer. der Pflanze viel länger, als dies im Gewächshause der Fall ist, wo ein früheres Abstossen derselben erfolgt. Da nun ferner mit dem Verderben der l^lätter nach dem Ueberführen der Pflanzen des Gewächshauses in das Zimmer auch ein Verderben der Wurzeln verbunden ist, namentlich wenn die Exemplare schon grösser sind und in grösseren Töpfen stehen, so habe ich es stets am vortheil- haftesten gefunden, um schöne untadelhafte Exemplare zur Dekoration im Zimmer zu erziehen — kleine Exemplare in kleinen Töpfen ins Zimmer überzuführen. Bei solchen können die Blätter verderben, ohne dass das Exemplar später dadurch an Ansehen verliert und im kleinen Topfe tritt auch beim theilweise oder gänzlichen Abtrocknen der Blätter die Fäulniss der Wurzeln nicht so leicht ein. P^in Verpflanzen in grössere Töpfe und schwerere Erde darf erst dann vorgenommen werden, Avenn die Pflanze schon im Zimmer den neuen Trieb gemacht, — oder wenn man lieber so sagen will — sich akklimatisirt hat. Dabei Avird man die P'reude haben, Avenn es nämlich Pflanzen sind, die zur Zimmerkultur geeignet, dass die neugebildeten Blätter nicht nur dauerhafter sind, sondern dass jedes der folgenden kräftiger und grösser A\ird.« Der Mensch sucht ausserhalb seines geAvöhnlichen Aufenthaltsortes in einem anderen Luftkreise Avährend des Sommers P^rholung und findet sie in den Gebirgslanden oder in der Nähe der Avogenden See. Die in Anforderungen betreffs der Lebensbedürfnisse so bescheidene Zimmerpflanze beansprucht allerdings keine Gebirgsreise, keine Badekur, aber nichtsdestOAveniger dient zu ihrer Kräftigung und Restaurirung Aväh- rend einiger Sommermonate ein zeitAveiser Standort im freien Garten, in einem mit milder Bodenwärme hergerichteten Kasten oder in einem Glas- hause. Unter Beobachtung derartiger Hilfsmittel lassen sich eine grosse Anzahl von Pflanzenarten, aus den verschiedensten P'amilien, mit den günstigsten Erfolgen A-erAvenden. Die Auswahl der Zimmerpflanzen richtet sich nach den Localverhält- nissen und den ZAvecken der VerAvendung. Wenn schon als feststehende Regel gilt, dass die günstigsten Local- verhältnisse diejenigen bleiben, avo die Fenster nach Süden, Südosten, Osten und SüdAvesten gerichtet sind, dagegen Aveniger AverthvoU solche sind, Avo sie sich nach Norden zu befinden, so steht doch auch die That- sache nicht vereinzelt da, dass in gleich günstigen Räumen, bei gleich sorgfältiger Pflege, dennoch die Ergebnisse in Bezug auf Wachsthum der Pflanzen dififeriren. Es sind dies Folgen von Localeigenthümlichkeiten, deren Ursachen einzig und allein durch Beobachtung zu ergründen sind. Die Wahl der Zimmerpflanzen für die A'erschiedenen Localitäten und ZAvecke bleibt eine Avichtige Aufgabe, die in Aveiteren Abhandlungen Gegenstand der Besprechung sein soll. Die falsche Wahl hat sicherlich dem Laien und Anfänger in der Pflanzenpflege im Zimmer ebensoviel Opfer und Lehrgeld gekostet Avie die Aneignung der Pflege selbst. K. Koopmann: Turkestans Anstalt für Forst- und Obst-Kultur. iig Turkestans Anstalt für Forst- und Obst-Kultur in Margelan. Von K. KOOPMANN, Kaiserl. Russ. Garten-Director a. D. (Schluss.) -l^ächst den bisher erwähnten Kulturen wurde ein Hauptaugenmerk gerichtet auf die Verpflanzzeit der Gehölze. Gemäss der gewöhnlichen Ansicht, Gehölze in trockenem Boden im Herbst zu versetzen, wurden auch hier Versuche damit gemacht, entgegen der bei den Ssaten, den Bewohnern des Landes, ausschliesslich angenomm.enen Frühjahrspflanzung. Die Versuche haben gelehrt, dass die Herbstarbeit sich nicht bev/ährt; im Gegentheil gedeiht die späte Frühjahrspflanzung am besten. Es wurden die Versuche nicht allein mit ein- und zweijährigen Sämlingen in der Baumschule gemacht, sondern auch ausgedehnt auf Verpflanzen grösserer Bäume, wie z. B. Ulmen mit 30 — 35 cm Stammdurchmesser; letztere wurden im Frühjahr vorher durch Umgraben und Abstechen der Wurzeln zum Verpflanzen vorbereitet; die Zeit kurz vor Austrieb der schon anschwellenden Knospen erwies sich als die geeignetste. Zweijährige Negundo fraxinifolium von 2,5 — 3 m Höhe vertrockneten bei Herbstpflanzung an der Spitze bis auf i \ 111 Stammhöhe, trotzdem hinreichend für Berieselung gesorgt wurde; dagegen wuchsen noch gleiche Stämme, im I^^rühjahr mit 3 — 5 cm langen Trieben verpflanzt, freudig fort. Ausserdem empfahl sich in der Baumschule ein starkes Zurückschneiden der Sämlinge, sogar bis auf i — 2 Augen, wodurch ein kräftiger, gerader Trieb erweckt wurde, der in den meisten Fällen während des Sommers vollauf Kronenhöhe erreichte; nur einige gegen den Schnitt empfindliche Gehölze wie Juglans, Fraxinus etc. gaben unbeschnitten bessere Erfolge; bei diesen wie bei jenen wau-den während des Sommers durch Pinciren überflüssiger und Seiten -Triebe und ein Aufputzen im Spätsommer zur Erziehung kräftiger Alleebäume die besten Resultate erzielt. Was die Obstkultur betrifft, so war besonders auf Einführung von Aepfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, theilweise Beerenobst und Schalenobst Rücksicht zu nehmen; von den übrigen Obstarten wurden nur zum Vergleich mit hiesigen Sorten kleine Sortimente angepflanzt. Die erste Hauptfrage, welche Sorten für hiesiges Klima zu empfehlen sein werden, kann selbst- verständlich erst mit den Jahren beantwortet werden und mit ihr die Frage über Reifzeit und Nutzung der einzelnen Varietäten. Nur soviel steht bis jetzt fest, dass sich die Einführung europäischer guter Obstsorten bewähren wird, da die ersten Früchte von Williams-Christbirn, Clairgeaus Butterbirn, Virginischer Rosenapfel, Admiral-Rigny-Damascene u. a., auch Johannisbeeren, Stachel- und Himbeeren als vollkommen passend für hiesigen 1 20 K. Koopmann : Turkestans Anstalt für Forst- und Obstkultur. Boden und hiesiges Klima sich schon erwiesen haben, und durch sie das einheimische Obst bei weitem an Güte übertroffen ist. — Was Veredlungs- Art und Zeit betrifft, so ist man in der Lage, von Mitte März bis Ende Juni aufs treibende Auge zu oculiren, um noch 60 — 70 c?/i lange gut aus- gereifte Edeltriebe zu erlangen; jedoch ist immerhin die Oculation aufs schlafende Auge vorzuziehen, da man weniger Arbeit mit Unterdrücken der Wildtriebe hat, welche bei Frühjahrsveredlungen sehr reichlich auf- treten; auch erhält man bei Herbstoculation im darauf folgenden Jahre hin- reichend starke Stämme in Kronhöhe; die letztere muss im September ausgeführt werden. Für Aepfel eignet sich nach den bisher gemachten Erfahrungen am besten Oculation; für Birnen Oculation und Pfropfen in die Rinde; für Pflaumen und Kirschen Copulation, für Stachel- und Johannis- beeren Oculation und auch Copulation auf 60 r;// hohe Stämmchen von Ribes aureum. Was endlich den Schnitt der Bäume betrifft, so konnte bis jetzt nur festgestellt werden, dass man zur Erlangung gut geformter, gesunder und tragbarer Bäume nur sehr behutsam auf die Form derselben zu achten hat durch Fortnahme schlecht wachsender Triebe resp. Zweige; der Flolzwuchs ist kräftig, dabei der Ansatz von Fruchtknospen sehr be- deutend und früh. Birnen auf Quitte veredelt erwachsen ohne starken Schnitt zu Spindelpyramiden und besetzen sich von Anfang dicht mit kurzem Fruchtholz; allerdings werden in dieser Beziehung bei verschie- denen Varietäten allenfalls noch abweichende Beobachtungen gemacht werden. Für die Gewächshaus-Vermehrung wurden bis jetzt 4 Häuser ge- baut; von diesen das erste mit Kanalheizung, welches jetzt ausschliesslich für Veredlungen bestimmt ist. Sodann wurden im Sommer 1879 drei Gewächshäuser mit Dampf- Wasser-Heizung erbaut, jedes 28,5 vi lang, mit geräumigem Kesselhaus und 3 Arbeitsstuben an der Nordseite. Diese Häuser sind ursprünglich nur bestimmt zur Vermehrung von Freiland- Bäumen und Sträuchern; im Herbst daher Vermehrung von Coniferen und immergrünen Gehölzen aus Stecklingen; im Winter krautartige Vermehrung von Laubgehölzen und Anzucht aus Augen und Wurzeln; im Frühjahr hauptsächlich Anzucht aus Samen; im Sommer Vermehrung solcher Ge- hölze des freien Landes, welche gut wurzeln aus Stecklingen, wie Ligustrum, Forsythien, Philadelphus, Deutzien, Ribes, Rhodotypus und im Spätsommer besonders Rosen. Soviel wie Zeit und Umstände erlauben, wird ausserdem auf Anzucht von Sommerblumen und Stauden, ganz besonders auf Gewächshauskulturen gesehen; die Anstalt besitzt recht reichhaltige Sortimente von Agaven, Cacteen, Crassulaceen, Palmen, Cycadeen, Dra- caenen, Aroideen und Begonien. — Dem Dirigenten der Anstalt sind zur Führung der praktischen Arbeiten zwei Obergärtner und ein Beamter für die wirthschaftlichen und Bureau- Arbeiten zugetheilt; Arbeitskräfte sind täglich auf 35 Mann im Durchschnitt berechnet, welche theils als Monats-Arbeiter angenommen, theils als Tage- Dr, G. Dieck: Ueber die Ulmen und Negundo der Baumzüchter. 12 1 löhner nach Bedürfniss gemiethet werden. Die Verwaltung der Anstalt steht unter Kontrole der Gouvernements-Regierung von Ferghana. Soviel über Zweck und Einrichtung einer Anstalt, die, im Inneren Asiens errichtet, berufen ist, den ersten Impuls zu geben zur Kultur unab- sehbarer Länderstrecken, welche nie einer Bearbeitung unterworfen wurden. Der Gedanke einiger weniger, wohlgesinnter Männer, etwas Gemeinnützliches zu leisten durch ihr Einwirken auf Einführung von Kulturen in der Wüste, um Klima und Gesundheit des Landes, Wohlstand und Bildung des Volkes zu heben, hat sich vorläufig verwirklicht durch die ersten, geringsten Vor- arbeiten, welche nur mit Mühe und Mittel, die in hochherzigster und frei- gebigster Weise gespendet werden, durch irgend welchen sichtbaren Erfolg gekrönt werden können. Möge die Zukunft lehren, dass die begonnenen Arbeiten Segen dem Lande bringen und einen guten Fortgang nehmen, zu Ehren des für die gute Sache mit allen Kräften seit 1 5 Jahren arbeitenden General KOROLKOW, der in wahrhaft edler Weise nie nachgelassen hat, die hochwichtige Sache zu fördern, zu schützen und, wo es Noth that, für sie zu kämpfen. Margelan im Juli 1881. Ueber die Ulmen und Negundo der BaumzücMer und die der Dendrologen. Von Dr. G. Dieck. ^^as Ausland hielt und hält das deutsche Volk für das Volk der Denker und Forscher »par excellence« , für einen Ausbund wissenschaft- licher Gründlichkeit. Sind wir denn nun dieser einstimmigen Hochachtung des Auslandes in dieser Richtung auch so ganz würdig? Ist wirklich wissenschaftliche Gründlichkeit auch in die breiten Schichten der nicht ausschliesslich geistig arbeitenden Volksmassen gedrungen? Hat auch das Volk das Verständniss oder doch wenigstens den Trieb gezeigt, sich die Arbeit seiner gelehrten Forscher nutzbar zu machen? Leider müssen wir bei näherer Prüfung der thatsächlichen Verhältnisse uns sagen, dass die gute Meinung, welche die Welt von uns hegt, nur ganz ausnahmsweise und besonders nur in solchen Disciplinen, die eine gewissenhafte Ausnutzung aller bezüglichen wissen- schaftlichen Errungenschaften und Erfahrungen unbedingt erfordern, um im Kampf um's Dasein concurrenzfähig zu bleiben, eine wirklich verdiente ist, während andere, bei denen der wissenschaftliche Hintergrund mehr als ein erstrebenswerthes Ideal, denn als eine Naturnothwendigkeit anzusehen ist, die Wissenschaft gar zu gern als unnützen Ballast bei Seite schieben. 122 Dr. G. Dieck: Zu diesen letzteren Disciplinen g;ehört >:leider.< auch im Ganzen und Grossen die deutsche Pflanzenkunde, soweit dieselbe von praktischen Gärtnern und Pflanzenzüchtern betrieben wird. Nehmen wir als Heispiel die Dendrologie. Das deutsche Volk kann sich rühmen, eine Reihe der hervorragendsten Dendrologen hervorgebracht zu haben und vor Allem einen Professor C. Kocil, der in seiner, trotz mancher Schwächen und Irrthiimer, wahrhaft ^ klassischen ■; Dendrolog-ie die Resultate der P^orschungen eines halben Jahrhunders mit bisher un- erreichtem kritischen Scharfblick uns nutzbar gemacht hat. Klassisch ist sein Werk vor Allem, weil er der erste war, der den Muth der Ueber- zeugung besass, um mit ri^icksichtsloser Konsequenz auch in der dendrolo- gischen Nomenklatur das einzig felsenfest fundirte Gesetz, nämlich das der Priorität, durchzuführen, welches in den meisten anderen Zweiten der beschreibenden Naturkunde sich schon lange allgemeiner Anerkennung er- freut. Haben denn nun die Autoren, die nach ihm mehr oder weniger als wissenschaftlich anzuerkennende Bücher über dendrologische Stoffe publicirt haben, dieses Hauptverdienst Kocil's erkannt und seine wissenschaftlich gereinigte Nomenklatur angenommen ? Nicht dass ich wüsste ! Haben denn andererseits die Herrn Baumzüchter insgesammt in ihren Arboreten und Preisverzeichnissen die Belehrung dankend benützt und den elenden, alten Schlendrian der Garten- und Baumschulennamen endlich möglichst bei Seite geworfen? Nicht dass ich wüsste! Wenn der, leider viel zu früh für uns und seine Wissenschaft verblichene Autor der Dendrologie die neuesten, lO Jahre nach Herausgabe seines W'erks erschienenen Baumschulenkataloge Deutschlands durchmustern könnte, er drehte sich wahrlich im Grabe herum! Nach dieser kleinen Abschweifung will ich zurückkehren zu dem eigentlichen Zwecke dieser Zeilen, und will versuchen an einigen eklatanten Beispielen zu erläutern, dass es auch für die Baumzüchter eine Lebens- frage ist, den alten Schlendrian der Baumschulennamen über Bord zu Averfen und zu der P^ahne der gereinigten, dendrologischen Nomenklatur zu schwören. Vor einigen Jahren fragte eine städtische Verwaltung bei hiesigen Baumschulen an, ob dieselben in der Lage seien, einen grösseren Posten amerikanischer Ulmen in Alleebaumform zu liefern. Ich liess zurück- schreiben, dass die Uhnns avicrkana L., wenn überhaupt in deutschen Baumschulen acht vorhanden, doch sicherlich nicht hundertweise in Allee- baumform zu beschaffen sein würde, dass aber die unter diesem Namen ganz allgemein verbreiteten UIi/iiis scabra MiU. oder Uliiius hievis Fall, zu Gebote ständen. Die Folge meiner Ehrlichkeit war, dass meine Besser- wisserei mit Verachtung gestraft wurde und die betreffende Stadtverwaltung jedenfalls aus anderer, minder scrupulöser Quelle einen entsprechenden Posten Berg- oder Bastrüstern aufgehängt erhielt. Dieser Vorfall regte mich an, mir um jeden Preis die ächten amerikanischen Ulmenarten Ueber die Ulmen und Negundo der Baumzüchter. 123 U. aviericana L. und U. fulva McJix. zu beschaffen zu suchen , zunächst aus deutschen, französischen und niederländischen Baumschulen. Wie vor- ausgesehen , erhielt ich überall unter diesen Namen allbekannte deutsche Formen, so dass ich gezwungen war, mir die ächten Pflanzen der Autoren direct aus Amerika zu verschreiben, um über jeden Zweifel erhabene Typen zu erhalten. Bei diesen Nachforschungen ergaben sich recht interessante Dinge. Ich bezog unter dem Namen Ubnns aincricana aus den deutschen Baumschulen, besonders auch aus Berlin, ganz allgemein Ulnuis scabra Mill. = iuontana With., aus Alt-Geltow dagegen, unter dem Namen U. avie- ricana nigra, eine Form, die ich für einen Blendling zwischen Ulvnis lacvis und Ulmiis flava McJix. halten möchte, der ganz leicht in Deutschland selbst gefallen sein kann, weil in den aus dem vorigen Jahrhundert stammen- den Parks, wo sehr viel mehr amerikanische Gehölze gepflanzt wurden als selbst jetzt, die ächte Uhniis fulva hie und da sich als alter Baum vorfindet. Aus Frankreich erhielt ich als Ubinis aincricana nigra nichts als unsere ehrliche deutsche Bastrüster, Uliniis laevis Fall = effusa Willd., die mir auch aus Samen erwuchs, den ich unter dem Namen Ulinus aincri- cana aus zwei italienischen Samenhandlungen bezog. Aus Holland erhielt ich schliesslich eine buntblättrige, sogenannte Uliiius aincricana, die zweifellos zu Uliniis cainpestris und speciell zu der glattblättrigen Unterart Ulmns glabra Mill. gehört. Nun ist von Berlin aus bis vor Kurzem jahre- lang die ächte Ulmns scabra mit Recht als beste Veredlungsunterlage verbreitet worden, aber unter dem Namen Ulinus aincricana. Das deutsche Gärtnerpublikum hat sich begreiflicher Weise sehr bald daran gewöhnt, diese amerikanisirte Berlinerin hoch zu schätzen und mehr oder weniger ausschliesslich für ihre Veredlungsschulen zu benützen. Plötzlich fingen Transon freres an, ganz Deutschland mit ihren Katalogen zu überschütten und da fanden denn viele deutsche Baumzüchter, dass die Ulinus aincricana vom Ufer der Loire doch recht sehr viel wohlfeiler sei, als die vom Ufer der Spree, bestellten also fortan bei Transon und er hielten — Ulinus lacvis (effusa) , auf der nichts, absolut nichts w^ächst. Zwar steht in dem Veredlungsbuch des Herrn Teichert, weiland könig- lich preussischen Lehrers der Veredlungskunst an der Gärtnerlehranstalt zu Sanssouci, schwarz auf weiss zu lesen, dass zweifelsohne die Vlinns effusa die beste Veredlungsunterlage für Ulmen sei und besonders »okulirt« alles hinter sich lasse — zwar haben seitdem verschiedene Verfasser von Gehölz- und Veredlungsbüchern (incl. Gartenbaulexikon), augenscheinlichst ohne diese Angabe einer praktischen Prüfung unterworfen zu haben, ganz oder zum Theil diesen Schnitzer ganz munter reproducirt und doch wieder- hole ich: diwi Ulinus effusa vjdichi^i nichts, gar nichts**)! Ich habe, durch *) Auffallend war, dass der verstorbene Gartenin^pector BiXKER mir aus den, durch ihr grosses Sortiment alter edler Ulmen besonders ausgezeichneten Miechowitzer Parks weder Ulmns americana noch Ulnnis fulva beschaffen konnte **) Einer der Herren Transon, den ich auf diese Verhältnisse aufmerksam machte, replicirte 124 Dr. G. Dieck: Teichert's Buch verführt, vor ca. 5 Jahren mit dieser Unterlage experi- mentirt und habe auf dieselbe nicht weniger als einige 20 Ulmensorten okuliren, pfropfen und kopuliren lassen, kann daher aus Erfahrung sprechen. Die meisten Sorten wuchsen gleich gar nicht an, denn der wie krankhaft wuchernde Kallus der Unterlage verband sich nicht mit dem Edelholz, sondern stiess es ab und wuchs zum Theil sogar selbst in Zweige aus; andere Formen, wie die Exeterulme, saugten sich »gepfropft« einigermaasen an, machten einen kräftigen Jahrestrieb, fielen aber bei der geringsten Berührung ab, wie man das z. B. auch beobachten kann, wenn irgend welche Pirussorten von unwissenden Gärtnern auf Firns pninifolia Willd. oder deren Verwandte veredelt worden sind. Am längsten hielt noch die oben erwähnte Ulinus avicricmia nigra von Alt-Geltow aus, wahrscheinlich, weil sie, wie ich oben andeutete, mit aus der U. effusa hervorgegangen sein wird, aber auch von dieser ist nur noch ein todtkrankes Exemplar vorhanden, die einzige Pflanze von circa 400 auf N. effusa ver- edelten, die den 5. Sommer ihres Daseins erlebte! Diejenigen Leser, welche die ächte U. aniericaiia nicht kennen, mögen sich merken, dass dieselbe sehr leicht an den, beim seitlichen Zusammen- falten der langen Blätter sich nahezu deckenden, das heisst congruenten Blatthälften zu erkennen ist. Zum Alleebaum taugt sie nicht wegen der überhängenden Zweige, die sie gewissermassen zum Trauerbaum stempeln. Kongruente Blatthälften hat von allen in Deutschland kultivirten Ulmen meines Wissens nur noch die ächte U. parvifolia Jacq., die, nebenbei ge- sagt, zu den zierlichsten Gehölzen gehört, die ich kenne. Die schnellste und beste Vermehrungsart von Ubmis aniericana, parvi- folia und anderen kleinblättrigen Ulmen ist eine sehr leichte, wenn auch noch fast ganz unbekannte, denn wir sind hier erst durch mehrfache Ver- suche selbst darauf gekommen. Diese Ulmen wachsen nämlich den ganzen Sommer hindurch mit grösster Leichtigkeit aus Grünstecklingen. Die Bewurzelung erfolgt im kalten Kasten ebenso schnell als bei Sainbucus, Denisia etc. In derselben Weise vermehren wir hier auch mit Glück Carpiiins, diverse Acer und Betnla, vereinzelt sogar auch Alnns und Prunus . Was die zweite amerikanische Ulme (U.fuha Mchx.) betrifft, so geht unter diesem Namen in Deutschland ganz allgemein jene von KoCH als Uluins scabra Pitteursi Arb. Muse, bezeichnete Form des grossblättrigen Rüsters, die bräunlich austreibt und rauhhaarige Blätter hat, eine Eigen- schaft, welche der ächten U. fnlva in so hohem Masse eigen ist, dass man bei wiederholtem Anfassen der Blätter jedes Mal von Neuem davon über- in seiner liebenswürdigen jovialen Weise: »En effet, notre orme d'Amerique n'accepte pas la greffe, mais il se vend bien en AUemagne « Frei verdeutscht heisst das etwa: Die Sorte taugt allerdings nichts, aber die Deutschen kaufen sie ja trotzdem. — Uebrigens sind diese Herren sonst äusserst reelle und coulante Geschäftsleute und ich bin weit entfernt, ihnen schaden zu wollen, indem ich dieses Geschichtchen zum Besten gebe. Ueber die Ulmen und Netrundo der Baunizüchter. 125 rascht wird. Ausser diesen beiden Arten bieten die Amerikaner noch die Samen von zwei »sogenannten« Ulmen aus, wovon die eine, U. raccinosa, mit merkwürdig grossen Samen, bisher hier nicht hat keimen wollen*), während die andere, U. crassifolia , sich als die sehr wahrscheinlich ächte Planer a aqiiatica Walt, entpuppte**). Eine zweite Gruppe von Gehölzen, die jetzt mehr als je in aller Munde ist und die dringend einer Richtigstellung ihrer synonymischen Verhältnisse bedarf, ist die A't'^« ;/'~>Q.\\ emporschiessen sahen, ohne dass sich ein erheblicher Absatz zeigen wollte, konnten nun auf einmal gar nicht genug davon beschaffen. Ob das Material, was da massenweise als Negundo califoDÜcinn verkauft wurde, auch wirklich diese Art war, daran dachte wohl nur ein minimer Bruchtheil der Züchter, geschweige denn, dass er in seinem »KoCH« nachgelesen hätte, was es eigentlich mit dem Negundo califo7'niaini T. et Gr. für eine Bewandtniss hat. Da steht denn ganz deutlich zu lesen, dass die Blätter dreizählig und unten filzig behaart sein müssen und dass in den Gärten sehr häufig unter diesem Namen Pflanzen kultivirt werden, die zum gemeinen Negundo gehören. Ich bin weit entfernt, hier definitiv entscheiden zu wollen, aber ich bemerke nur soviel, dass keine der vielen von mir aus Frankreich und Deutschland als N. californicuni bezogenen Pflanzen mit der KoCH'schen Beschreibung völlig übereinstimmt, am wenigsten die Berliner Form. Dagegen erhielt ich von Herrn SCHMIDT, dem verstorbenen Obergärtner der Flottbecker Baumschulen, vor Jahren einige Reiser eines Negiindo »aus Californien«, *) Sollte ein Anderer damit glücklicher gewesen sein, so würde ich für Ueberlassung eines oder einiger Sämlinge sehr dankbar sein. **) Einige französische Baumzüchter bringen unter dem Namen Ulinus sibirica eine Pflanze in den Handel, die ganz und gar keinen Anspruch auf den Ulmusnamen machen kann. Es ist das einfach unsere ehrliche alte Ptelea trifoliata. Als mildernden Umstand wollen wir con- statiren, dass die alten Griechen unter dem Namen Ptelea unsere Ulme verstanden, denn vielleicht steht dieser Umstand mit dieser sonderbaren Verwechslung im Zusammenhang. 120 Dr. G. Dieck: Ueber die Ulmen und Negundo der Baumzüchter. die eine Form ergaben, welche mit dem angeblich aus Japan stammenden Neg. cissifoimm der französischen und holländischen Baumschulen durchaus übereinstimmt. Diese höchst elegante Art hat olivenbraune Zweige und unten dicht behaarte, dreizählige Blätter, zeichnet sich ausserdem durch zierlichen Wuchs und fast ziegelrothe Farbe der jungen Triebe aus, was ihr einen ganz besonderen Reiz und landschaftlichen Werth verleiht. Sollte nicht diese Art der ächte Negundo californicinn T. et Gr. sein? Es wäre doch nicht die erste Gehölzart, die sich gleichzeitig im Vv-estlichen Nord- amerika und im östlichen Asien fände; mit jedem Jahre finden sich ja neue floristische Analogien und Berührungspunkte beider Gebiete. Leider besitze ich nicht die Flora von Nordamerika von TüRREY und Gray, in welcher der Negundo californicuni T. et Gr. näher beschrieben sein soll, weiss sie mir auch nicht zu beschaffen und muss also in dieser Beziehung günstiger situirten Dendrologcn überlassen, ob sie uns über diese Pflanze gelegentlich gütigst aufklären wollen. Jedenfalls möchte gewissenhaften Baumzüchtern immerhin anzurathen sein, ihre bisher geführten Sorten nicht als Neg. californicuni der Autoren, sondern als die der Gärten zu be- zeichnen. Die letzteren allein besitzen forstlichen Werth, der bestellende Forstbesitzer kann also nur den eventuell unächten, nicht aber den wahr- scheinlich ächten kalifornischen Eschenahorn gebrauchen, denn letzterer gehört zu den schvvachwüchsigen und zärtlichen Gehölzen und eignet sich nur für den Parkgarten. Diese beiden Beispiele werden genügen, um denjenigen Herren Gärtnern und Baumzüchtern, welche überhaupt höhere Interessen haben, die Ueber- zeugung zu geben, dass es doch auch von realem Nutzen sein würde zu wissen, nicht nur wie und wie viel Bäume man zieht, sondern auch, ob diese Bäume auch wirklich das sind, für was man sie vom Grossvater her gehalten hat. Hat sich diese Ueberzeugung erst unter den Producenten Bahn gebrochen, so werden auch die Kataloge sorgfältiger und gewissen- hafter ausgearbeitet werden und mehr als bisher das Vertrauen und die Kauflust auch der gebildeten Konsumenten erwecken und stärken. Rittergut Zoeschen bei Mersebure, November i88i. Alten oder neuen Melonensamen. Von Carl Sprenger in Neapel. Es ist nicht meine Sache, gegen Anderer Ansichten und Schreiben zu Felde zu ziehen, allein es sind oft merkwürdige, ich möchte sagen recht einLältige Behauptungen von Gärtnern aufgestellt und aufgetischt, die zum mindesten noch der eigensten gewissenhaften Untersuchung entbehren und desshalb allemal besser weggelassen werden als sie einfach traditir nell nachzuschreiben oder zu erzählen. — Solche immer wieder gehörte und gelesene Unwahrheit ist die Behauptung, frische Melonen- oder Gurkensamen geben nur Ranken und männliche Blüthen und fast keine C. Sprenger: Alten oder neuen Melonensamen. 12/ Früchte. Ich selbst habe leider nicht Zeit gehabt, diese Sache genau zu untersuchen, nichts- destoweniger bin ich überzeugt, dass sie einst nur von einem ahen Pfiffikus erfunden wurde, der sie verbreitete in dem guten Glauben , das Rechte erfunden zu haben , während doch das mehr oder weniger Früchte bringen der altem oder frischem Samen entstammenden Pflanzen höchstwahrscheinlich andere Ursachen hatte. Bodenstedt's Verse passen hier, wenn es heisst Dass die Menschen meist so dumm sind — Stets nur Fremdes wieder sagen Und im Selbstgedachten stumm sind. In Ganz Unter-Italien baut man Melonen in ungeheueren Mengen. Ganz Neapel liebt sie, alt und jung, arm und reicn, bewahrt sie noch bis Ostein auf. Niemals wohl bepflanzt man die Felder mit alter Saat; da die Samen zu einer Art Getränk verarbeitet werden, hat man nie mehr als zur Saat gebraucht werden. Niemand, und ich verkehre mit alten Praktikern der Terra di laroso , weiss davon und doch erntet man Melonen jahraus, jahiein in unzähl- baren Prachtstücken und kann nicht einmal alle Früchte an der Pflanze lassen, so viel setzt sie oft an. Mir will scheinen, dass es gerade umgekehrt ist, wie behauptet wird und Samen von recht schönen, reifen, grossen Früchten des ersten Jahres nur vorzügliche Resultate hefern, natürlich vernünftige Kultur vorausgesetzt. Das Gesagte gilt auch von Gurken, die ich, so oft ich sie baute, im reichlichen Ansätze von ganz frischer Saat hatte. Welche Melonen von aus England, Frankreich oder Deutschland bezogenen Kernen ich auc^ baute, alle gaben hier reichlich Früchte. Je mehr Kraft im Boden, je geeigneter ein Klima, je praktischer, hebevoller der Züchter zu Werke geht, desto mehr Ranken, und in P'olge dessen auch mehr und schönere Früchte! So glaube ich. Alles andere Diesbezügliche ist Wahn, leerer Wahn und Aberglaube. — Wo das Klima nicht geeignet ist, lasse man die Melonenkultur — da helfen auch alte Samen nicht und selbst künstlich gealterte (wie es neuerdings die Pfiffigsten thunj, an der wärmsten Körperstelle eine Zeit lang getragene Kerne werden keine Wunder thun. Ueber die vorzeitige Keimung von Kürbissamen hätte ich interessante Berichte zu geben, nicht allein, dass dieser merkwürdige Vorgang alljährlich bei einer Cucumis verrucosa und anderen Kürbisarten und Melonen von uns hier constatirt wird, sondern auch mehrere Citrus- Arten, wie die grosse milde Calabreser-Citrone und die Malta-Apfelsine zeigten dasselbe. — Gelegentlich, wenn der Markt dieser Früchte beginnt und ich eine oder die Andere ent- decke, will ich sie Ihnen einsenden. Sonst fand ich diesen Vorgang nur noch bei Amaryllis Belladonna, die ihren Samen hier im Spätherbste reift und deren Kapseln sehr fleischig sind und lange frisch bleiben. Am wenigsten kann ich mir die Sache bei Citrus erklären, deren Keimlappen merkwürdig vorgeschritten waren und dunkelgrün erschienen, während die Würzel- chen, die fleischige Masse durchdringend, sich an die Wände der Hüllen gelegt hatten. Zur Behandlung des Sellerie. Von Theodor Dreesen in Bruchsal. ^gie grössten Sellerieknollen erhält man, wenn die Pflanzen, sobald sie ca. \o cm hoch sind, auf eine halbschattige Stelle in einer Entfernung von 6 — 2> cm verstippt werden. Vor dem Setzen werden die Wurzeln um die Hälfte ihrer Länge eingekürzt, sowie auch die Blätter — mit Verschonung des Herzblattes — abgeschnitten; bei Sonnenschein sollte die Pflanzung einige Zeit beschattet werden. — Man lässt sie ungefähr 3 — 4 Wochen fortwachsen und versetzt sie nun ohne sie zu beschneiden auf ihren bleibenden Standort. Zum Ausheben be- dient man sich eines kleinen Spatens oder dergl., damit die durch das Beschneiden Gartcn-Zeiuiiig 188:.'. 9 128 ^ii- iJieesen: Zur Behandlung des Sellerie. hervorgerufenen zahlreichen Wurzelverästekingen nicht zu sehr zerrissen werden, die Pflanze auch möghchst mit dem Ballen versetzt wird. Die Wurzeln des Sellerie sind sehr empfindlich gegen Sonne und trockene Luft; es dürfen des- halb nicht zu viel auf einmal herausgenommen werden. Das beste flüssige Dungmaterial ist eine, in einem alten Fass bereitete Mischung von Holzasche, Russ und etwas Salz (Vieh- oder Dungsalz), mit ge- nügend Wasser vermengt. Kann diese Mischung, die mit dem Rohr an die Pflanzen gebracht wird, nicht bereitet werden, so bestreue man die Felder einige- mal kurz vor einem Regen mit altem, abgelagertem Russ, der ja in jeder Haus- haltung zu haben ist; der Russ verhindert das leidige Rostigwerden der Knollen. Das Salz, ein vorzügliches Dungmittel (Leibdünger) für alle Wurzelgewächse, wird, wenn nicht in flüssiger Form angewendet, im Herbst oder zeitigen Früh- jahr obenauf gestreut. Nochmals sei — wie schon im Aprilheft vorigen Jahres — auf das so schädliche starke Abblatten der Sellerie aufmerksam gemacht; ich habe im vorigen Jahre Pflanzungen gesehen, die fast den ganzen Sommer über nur 5 — 6 vollkommene Blätter hatten; dass dabei die Knollen klein und trocken bleiben müssen, ist doch leicht begreiflich. Wenn die Knollen von den Seitenwurzeln gereinigt werden, bindet man die Blätter mit einer Schnur zu- sammen, die später wieder gelöst wird, oder blättert doch nur leicht. Nach Mitte September erst wird ein Theil der Blätter abgenommen, damit Licht und Luft besser eindringen können, wodurch die Knollen eine gewisse Reife erlangen. Die Knollen erhalten sich, im Freien 25 cm tief in Gärten eingeschlagen und bei starkem Frost mit Laub und Stroh bedeckt, frischer wie in dumpfen Kellern im Sande. Empfehlenswerthe Sorten sind der Erfurter grosse und der P> fürt er kurzlaubige frühe. Rhein. Gartenschr. Knosp enmissbildung an den Triebspitzen von Syringa vulgaris, verursacht durch Gallmilben, Phytoptus. \'on L. WiTTiMACK. '^)m Herbste des Jahres 1881 zeigte sich an den Endtrieben von zahlreichen Flieder- (Syringa-) Sträuchern im Garten der Kgl. Thierarzneischule zu Berlin eine grosse Menge verkümmerter, z. Th. auch verdickter Knospen, die um so mehr auf- fielen, als auch zugleich eine bedeutende Vermehrung derKnospen stattgefunden hatte, so dass man die Erscheinung mit kleinen Hexenbesen vergleichen könnte. Schon im Frühjahre war das beobachtet, aber nicht weiter untersucht worden; die damals befallenen Knospen waren aber als vertrocknete schwarzbraune Knäuel sitzen geblieben und traten jetzt, nach dem Laubfall, um so stärker hervor. Aehnliche trockene Knäuel bemerkte ich seit Jahren an den Syringen, welche den Weg auf der Höhe im Schlosspark zu Tegel, parallel der grossen Allee, die nach Humboldt's Grab führt, begrenzen, ohne jedoch im Sommer je Parasiten darin zu finden. — Die Untersuchung der frischen Knospen aus der Thierarzneischule Mitte November d. J. löste endlich das Räthsel. Die Knospen waren im Innern L. Wijtmack: Knospenmissbildung an Syringa. 129 buchstäblich mit Milben übersäet, nur die äussersten Schuppen der Knospe waren frei davon. Durch ihre grosse Menge fielen die Thiere schon dem blossen Auge oder deutlicher unter der Lupe als röthlichbraune Massen auf. Fig. 29. Längsschnitt durch eine Knospe, die äusse- ren Blätter entfernt, mit zahlreichen Gall- Milben, Phytoptus. (Halb schematisch.) Vergrössert. Fig. 28. Friebe von Syringa vulgaris mit Knospenmissbildungen ; die dunklen Partien sind bereits vertrocknete Knospen. '/^ nat Grösse. Fig. 30. Einzelne Milben, stärker vergrössert. Sie gehören zur Gattung Phytoptus, Gallmilbe, haben die charakteristischen zwei Paar Beine (im Gegensatz zu den vier Paar der meisten übrigen Milben), den meist langen walzenförmigen Hinterleib mit zwei langen Borsten am Ende und drei Paar Borsten an den Seiten. Ihre Länge beträgt bis 0,19, selten bis 0,22 mm, die Breite ca. 0,05 mm. 9* j -jQ I,. Wittniack: Knoppenmissbildung an Syringa. Aehnliche Deformationen sincl namentlich von Prof. Frank bei Haselnuss beschrieben und hat genannter Avit(jr in seinem trefflichen Werke »Die Krank- heiten der Pflanzen 1880« S. 669 ff. überhaupt alle bis dahin bekannten Defor- mationen, die durch Gallmilben entstehen, zusammengestellt. — Ausserdem hat Dr. SoRAUER in seinem bekannten »Handbuche der Pflanzenkrankheiten', 1874, S. i6g ff. genau den Entwickelungsgang des die »Po( kcnkrankheit ; der Birn- baumblätter verursachenden Phytoptus beschrieben und Taf. I. abgebildet. — Wie der Augenschein ergiebt, haben die Thiere, welche ohne Zweifel in den Knospen überwintern , durch ihren Reiz den Trieb zu übermässiger Knospen- bildung angeregt; der Nahrungssaft ist immer aufs Neue zu Adventivknospen ver- braucht und der Trieb kann sich deshalb nicht strecken, auch die einzelnen Knospen nicht zur Entwickelung bringen. — Als Oegenmittel soll das Abschneiden sämmtlicher inficirter Knospen versucht und zugleich eine kräftige Düngung ge- geben werden. Nachtrag. Prof. Thomas in Ohrdruf, der bekannte Specialist auf diesem Gebiet, macht mich darauf aufmerksam, dass diese Kncspendeformation an Syringen bereits von Dr. Franz Low, Wien, in den Verhandkmgen der zool. bot. Gesellschaft Wien Bd. 29. 1879. S. 726 beschrieben ist. Die dort gegebene Charakteristik stimmt ganz mit der hier beobachteten überein, nur sind die Milben der Berliner Deformationen meist nicht weiss, sondern bräunlich. Low schreibt: Dieses Phytoptocecidion (Milbengalle) ist sowohl in den Parkanlagen der kaiserlichen Lust- schlösser zu Schönbrunn und Hetzendorf nächst Wien, als auch in vielen der alten Wiener Gärten sehr häufig. — Er hebt ferner ausdrücklich hervor, was auch ich als besonders auf- fallend fand, dass weder an den deformirten Schuppen, noch an den Blattanlagen der Knospen eine Bildung von Haaren stattfindet, wie sie z. B. bei den durch Phytoptus erzeugten Gallen auf den Weinblättern (dem sogen. Eryneum) sehr bemerkbar ist. Der wilde Garten. Von Dendrophilus. (Fortsetzung.) ß~t\s ein Beispiel, wie reiche Schätze wir für unsern vorliegenden Zweck in einer einzii^^en Pflanzen-Familie finden, will ich nun einige der Haupt- arten der Vergiss-mein-nicht-P\imilie anführen und bin überzeugt, dass der- jenige Leser, welcher sich nicht schon eingehender mit Botanik beschäftigt hat, erstaunt sein wird über die Fülle des Materials, welches eine ein- zige Familie uns darbietet. Dieser Gegenstand ist sehr hübsch in dem englischen Werke »The w^ild garden.< von W. RoBlNSUN behandelt; ein Werk, welches ich mit vielem Genuss gelesen und dessen geistreichem Autor ich nicht dankbar genug für die Anregung sein kann, welche er mir für meine eigenen Anlagen gegeben. Ich werde öfter Gelegenheit haben, aus diesem Born zu schöpfen. Eine andere Bemerkung sei mir erlaubt, hier ein für alle mal einzu- schalten. Wenn ich von einer »Vergiss-mein-nicht-P^amilie-< rede, so ist mir wohl bewusst, dass ich mich hierin keinesweges botanisch correct ausdrücke, Dendiophilus: Der wilde Garten. j -2 i eine solche giebt es nicht, auch nicht einmal gärtnerisch üblich ist der Ausdruck. Da ich mir aber vorgenommen habe, hauptsächlich für Liebhaber und Laien zu schreiben und bei diesen die Liebe zur edlen Gartenkunst zu fördern, so will ich mich bemühen, mehr verständlich, als wissenschaftlich correct zu sein, auch mehr gut deutsch zu reden, als in der Kunstsprache. Ich glaube das ist hier mehr am Platz. Gewiss wende ich mich directer an das Herz und Gemüth unserer schönen PVeundinnen auf dem Lande, und darf auf freudigeres Entgegenkommen hoffen, wenn ich ihnen sage: > Plaudern wir vom Vergiss-mein-nicht und seiner ganzen grossen Familie« als wenn ich sagte: »Detailliren wir die Boragmeae, eine Pflanzen-Familie der CoroUiflorac des de Candolle'schen Systems.« Vergiss-mein-nicht-Pflanzen. Diese Familie ist eine grosse und gut kenntliche, sie enthält eine An- zahl grober Unkräuter und eine Menge der reizendsten, zierlichen Blumen, von denen die meisten für den wilden Garten brauchbar sind. Theils sind sie einjährig: 0 oder zweijährig: :^ oder cf, meist aber perennirende Stauden: 4. Diejenigen, welche die Wissenschaft zu den Halbsträuchern rechnet, inter- essiren uns hier nicht, denn sie sind zart und halten bei uns nicht im Freien aus. Die Höhe der Pflanzen variirt von wenigen Centimetern an bis fast zur Manneshöhe und herrscht in ihnen die blaue Farbe entschieden vor, von der Manche behaupten, dass die Natur damit sparsam umgehe; einige sind rosa und weiss; gelb dagegen ist nur vereinzelt vertreten. Das grosse Garten-Vergissmeinnicht (Omphalodes verna 4), aus Portugal stammend, aber ganz hart, übertrifft das Wiesen- oder Sumpf- Vergissmeinnicht an Tiefe der Farbe und an Blüthenreichthum, es bewohnt mit Vorliebe schattige oder halbschattige off"ene Stellen in den Gehölzen und ist an jedem Rande an seinem Platz, vorausgesetzt, dass er nicht zu oft gemäht werde, so dass der Same Zeit hat zu reifen und auszufallen, und dass die Lage nicht gar zu sonnig und trocken sei. Das Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestriscT) hat eine noch leuchtendere P'arbe, das wahre reine Himmelblau. Es ist auf den deutschen Alpenwiesen zu Hause, kommt aber selbst in Thüringen bei Eisenach häufig wild vor. Es verträgt die vollste Sonne, sobald sein Fuss nur in frischem, feuchtem Erdreich steht. Man hat von ihm, ab- gesehen von mehreren Formen, die nur eine Rolle in Samen-Catalogen spielen, eine rosa und eine weisse Varietät. Als dritte Art in. diesem Bunde und zwar als die schönste nenne ich Myosotis dissitiflora. Es ist aber in Deutschland nicht leicht echt zu haben, oft erhält man ein ganz unbedeutendes Mäuse-Ohr unter diesem Namen. Leichter vielleicht ist das gleichfalls sehr schöne Vergissmeinnicht Kaiserin Elisabeth zu finden; es wurde von Wien aus verbreitet. 7 22 Dendrophilus: Alle diese genannten sind viel brauchbarer im wilden, als im Schmuck- Garten. Man kann zwar Einfassungen aus ihnen bilden, hier und da auch ein schönes Frühlingsbeet, z. B. in Verbindung mit der hängenden rosa Silene; steckt man sie aber irgendwo in einiger Menge, die sehr leicht anzuziehen ist, ins Holz, an Grabenränder oder auf unbenutzte Auenstückchen, so findet man sie jedes Jahr von Neuem an ihrem Platz. Ebenso werthvoll ist die kaukasische Wallwurz (Symphitum cau- casicum4)- Einige zerschnittene Wurzeln, an lichte Gehölzstellen ge- steckt, genügen, die Pflanze anzusiedeln. 50— 60 ^'w. hoch; Blätter länglich eirund, zugespitzt, rauhhaarig; Blumen röthlich, später blau, reizend hängend. Die Wallwurz ist so recht geeignet, eine Lehre in Bezug auf den wilden Garten zu ertheilen, für den sie weit geeigneter ist als für irgend einen anderen Platz. Sie breitet sich leicht aus, macht stattliche Pflanzen, unter- drückt das Unkraut, wird aber selbst nicht dazu. Sie ist höchst geeignet, Lücken im Gebüsch zu füllen, ja wird sie von selbst aufsuchen. Unsere einheimische Wallwurz (Symphitum officinale) lebt haupt- sächlich an schattigen Uferstellen, besonders an fliessendem Wasser und bildet hier höchst dekorative Gruppen. Um Abwechselung in den Blüthen zu erzielen, kann man die böhmische Wallwurz (S. bohemicum) mit dunkel carmoisinrothen Blüthen, deren Farbentiefe oft überraschend ist und die orientalische W. (S. Orien- tale) mit weissen Blüthen, verwenden. Beide passen im Habitus sehr gut zu der kaukasischen und blühen auch im April und Mai mit ihr zu gleicher Zeit. Die grösste Wallwurz ist S. asperrimum; sie wird -fast mannshoch, hat grosse herzförmige l^lätter, aber auch schmalere; die ganze Pflanze ist stark behaart, die Blumen sind schön blau mit violett abschattirt, in hängenden Trauben an den Zweigspitzen. Die Wallwurze sind ein wahrer Schatz für den wilden Garten, es giebt ihrer wohl zwanzig Arten, deren Heimath meistens Mittel- Europa und Sibirien ist. Die starkwüchsigen gröberen sind für Graben, Bach und Teichrand, die kleineren für rieselnde Quellen oder feuchte Stellen. Schatten ist nicht Lebensbedingung, aber besser für sie; einige halten die Sonne vortrefflich aus. Indessen sind wir für diese letzteren Lagen in der Vergissmeinnicht-Familie auch nicht in Verlegenheit, da der Steinsame (Lithospermum ^j.) hierher gehört, besonders der kriechende (L. pros- tratum). Es ist eine hübsche niederliegende Pflanze mit aufrechten Blü- then, purpur mit blau, sie ist für P'elspartieen geeignet und verträgt die Sonne gut, ist im Uebrigen aber nicht gerade ein Blender. Viel lieblicher sind die Lungenkräuter (Pulmonaria, jetzt meist Mertensia genannt ^). Man findet sie in unseren Blumengärten selten; ganz natürlich, denn dort verkommen sie bald auf trockenen, sorgfältig gehackten Rabatten. Selbst das bekannteste, älteste, das virginische Lungen kraut (P. vir- Der wilde Garten. jßß ginica) ist sehr wenig gekannt, trotzdem es eine äusserst zierliche Pflanze, etwa 30 — 50 cvi. hoch ist. Es hat graugrüne wechselständige Blätter; die endständigen Röhren- Blüthen stehen in Doldentrauben. Röhre violett, der Rand dunkelblau. Statt einer Rabatte weise man dem Lungenkraut eine feuchte Stelle an einem Bach oder eine torfige Mulde an, so wird es nicht allein leben, sondern uns jedes Jahr von Neuem erfreuen. Das sibirische Lungenkraut (Pulmonaria sibirica) ist härter und im Ganzen kräftiger, daher für Norddeutschland vielleicht der amerikanischen Pflanze noch vorzuziehen. Vermehrung am besten durch Samen. Stock- theilung ist wohl auch anwendbar, aber da die Stöcke nicht gross werden, so ist Aussaat besser. Blüthezeit ist April und Mai; schon zur Heuernte ist die Pflanze verschwunden, also für den wilden Garten wie geschaffen. Da wir uns nun doch einmal speciell in den Boretsch-Gewächsen be- wegen, wollen wir doch unseres einheimischen Boretsch (Borratsch, Gurken- kraut, Borago officinalis O) nicht vergessen. Er wird als Salatpflanze oft im Küchengarten gezogen, aber kommt dort dann selten in Blüthe, weil er fortwährend durch Abpflücken der jungen Triebe und Blätter für den Salatnapf, worin er sehr gut schmeckt, maltraitirt wird. Wenige Körner Samen, auf trockenes gutes Erdreich gesäet, genügen, um die hübsche Annuelle einzubürgern, man lasse ihr nur ihre Freiheit, sich selbst auszusäen, so wird man sie nicht leicht wieder verlieren. Ihre hübschen blauen Blumen erscheinen in reicher Fülle von Juni bis Sep- tember. Am Waldesrand in Massen ist der Boretsch reizend, im Blumengarten leidiges Unkraut. Zwei Pflanzen sind noch der Mühe werth hier zu nennen, die immer- grüne und die italienische Ochsenzunge (An chusasempervirens U.A. italica 4). Mit jedem Schutthaufen sind sie zufrieden, jede Lücke im Gebüsch füllen sie aus, nur sei sie nicht gar zu trocken im Untergrunde. Beide wachsen zu ganz netten Büschen bis zu i 111. und darüber heran, bauen sich leicht und haben hübsche himmelblaue Blumen. Man lasse den Samen ausfallen, so kommen sie reichlich wieder. Man sieht, dass diese Familie allein uns Pflanzen für die verschiedensten Stellen des wilden Gartens bietet, sie ist eine wahre Fundgrube dafür. Grosse malerische Pflanzen mit kräftigem Blätterschmuck geben die Wallwurze; die verschiedensten mittelgrossen Pflanzen für Gehölzränder und Lücken die Lungenkräuter, Ochsenzungen und der Boretsch; die zier- lichen Pflanzen sind in den vielen echten Vergissmeinnicht-Arten vertreten. Alle blühen sie reich und doch gehört keine einzige so recht eigentlich in den Schmuckgarten. 134 Freiherr von (Jnipteda: Ein Tag in Hatfield House. Von Ludwr; Im-lkiiierr von Omi'TEDA. jl^rüherc Hefte der Oaiten-Zeitung haben uns eine frische, fesselnde Schil- derung des berühmten englischen Landsitzes Chatsworth gebracht. Dort ist aller- dings eine für Gartenfreunde hochwichtige Stätte, insofern jene Gärten, deren Anlage etwa um das Jahr 1700 begann, als die Wiege der enghschen modernen I.andschaftsgärtnerei betrachtet werden dürfen. Zugleich aber steht Chatsworth noch heute in der künsderisch und wissenschaftlich entwickelten, sogenannten hohen Gärtnerei als ein grossartiges und unerreichtes Vorbild da, selbst neben den so musterhaft umgestalteten und bewirthschafteten königlichen Gärten bei Windsor. Die Gärten von Hatfield House, in welche ich heute die Leser führe, bilden einen sehr bemerkenswerthen Gegensatz zu denen von Chatsworth. Die Kultur des Obstes, der Gemüse und der Blumen wird auch zu Hatfield in tadelloser Vollendung und in dem umfangreichen Masse betrieben, welches die Bedürfnisse des grossen Haushalts und der ungewöhnliche Reichthum des hochgestellten Eigenthümers mit sich bringen. Dagegen spielt die moderne englische Land- schaftsgärtnerei dort nur eine achtungswerthe Nebenrolle. Es ist kein Raum mehr zu ihrer vollen und beherrschenden Entfaltung vorhanden. Denn als diese neuere Schule sich entwickelte, hatten die Gärten von Hatfield House bereits eine Geschichte von anderthalb Jahrhunderten. Aber von den dortigen Schöpfungen aus den Zeiten der Tudors und Stuarts sind so grossartige und seltsame Ueberreste bis auf unsere Tage erhalten geblieben, dass Hatfield House als ein historisches Museum der Gartenkunst meines Wissens unver- gleichlich und einzig in der Welt dasteht. Das Städtchen Hatfield erreichen wir von London aus nach etwa einstün- diger Fahrt mit der Grossen Nordbahn. Schon wenige Schritte vom Bahnhofe aus glauben wir uns in ein Architekturbild des Mittelalters versetzt. Die male- rischen weissgetünchten Fachwerkhäuser wenden sich hier noch mit ihren spitzen, durch schwarzes eichenes Gebälk verzierten Giebeln und ihren kleinen vier- eckigen Fenstern der engen Gasse zu, welche sie mit dem vorgebauten, Licht und Luft suchenden »Sommerzimmer« überschatten. Der kleine Ort hat es zu keiner besonders glänzenden Vermehrung an Wohnstätten und Insassen inner- halb seiner langen geschichdichen Laufbahn gebracht. Denn schon im Dooms- daybook (1086) erscheint ^>Hetfelle« als eine erwähnenswerthe Ansiedlung. Oben auf der Höhe über der bürgerlichen Niederlassung sassen Benediktiner und verwalteten hier ein schönes Gut in der Abtei Ely. Später wurde diese ein Bischofsitz und die Bischöfe bauten sich (1480) auf ihrem INIeierhofe einen Sommerpalast, von dem wir noch ein herrliches Stück Ueberrest bewundern werden. Unter Heinrich VIIL wurde Hatfield eine beliebte königliche Residenz. Eduard VL und seine Schwester Elisabeth verlebten hier einen Theil ihrer Jugend. Jakob I. vertauschte (1607) die schöne Domaine an seinen Minister Robert Cecil. Mit diesem Wechsel stieg der Bischofs- und Königssitz zu noch höherem und dauerndem Glänze empor, denn dem neuen Eigenthümer genügte die kö- nigliche Residenz nicht. So baute er in dem alten Park, neben dem Palast, das prächtige, diesen weit überragende »House«, welches wir, nebst den weiten und Ein Ta7 italienischer Art. Unter der Terrasse liegt ein kaltes (lewächshaus, in welchem blühende Azaleen, Fuchsien und harte Farne um Ruheplätze in getälligen Gruppen aufgestellt sind. — Die Gartenkultur nahm in England erst zur Zeit Heinrichs VIII. (150g — 47) einigen Aufschwung. Der König selbst legte einen, jetzt längst wieder vom Erdboden verschwundenen Garten bei seinem „Non Such Palace," dem Palaste ohnegleichen an, mit allerlei schalkhaften Wasserkunststücken, die viel Bewun- derung und Nachahmung fanden. Der allmächtige Kardinal Wolsey pflanzte die bekannten Gärten in Hampton Court mit dem zu jener Zeit niemals feh- lenden grossen Irrgarten. Fit Hatfield Hoiise. Im Vinevard. Rurp aus Taxus l)accatn. Jedoch erst unter Elisabeths Regierung (1558 bis 1603) entwickelte sich die Gärtnerei im Allgemeinen als Landessitte. Dieser Fortschritt hing mit dem Wechsel in der Bauart der Herrensitze auf den grossen Landsitzen zusammen, die, nach dem Frieden der beiden Rosen, nicht mehr wehrbare, hinter ISLauer und Graben abgeschlossene Burgan, sondern frei zugängliche Wohnhäuser sein sollten. Auch der Gartenbau als Gewerbe scheint bis dahin wenig gepflegt zu sein. Noch im Jahre 1550 schreibt Roger Asham, P^lisabeths bekannter Lehrer in den alten Sprachen, aus Gent seinen Freunden in Oxford: „Wenn man doch allein auf den wüsten Plätzen innerhalb Londons solche Gärten anlegen wollte, wie sie hier jede Stadt auf eine Meile hinaus, voll Kraut und Gemüse, umgeben; zuvörderst für die Fremden, welche diese Kost gewohnt sind; nach und nach würde auch die grosse Menge der Einheimischen aus Noth, Sparsamkeit oder Massigkeit davon Gebrauch machen und dann dürften sich in England die Lebensmittel bald billiger stellen, als es jetzt der Fall ist." 1^.8 Freiherr von Oiiipteda: Wir werden nun sehen, welch bedeutende Fortschritte die Gartenkunst in England bis zum Anfange des siebzehnten Jahrhunderts gemacht hatte, in dessen erstem Jahrzehnt die Gärten um Hatfield House angelegt sind. Wie es scheint, übten l)ei jener Entwickelung französische Lehrer einen bedeutenden Einfluss; solche sind auch hier gewesen. Es giebt wohl wenige Orte, die dem Landschaftsgärtner und dem Garten- freunde ein grösseres, vielseitigeres Interesse bieten als Hatfield House. Alte A'ergangenheit imd neuester Fortschritt bilden hier die stärksten Gegensätze; dennoch sind sie, jedes in vollkommener Leistung, zu einem schönen, gross- artigen und gefälligen Ganzen verschmolzen. Die (iärten von Hatfield und der sie cinschlicssende Park enthalten ein nicht unbedeutendes Stüc-k enulischer Fig- 33- Hatfiekl Ilcuse. Im Viiieyard. Thuja occidentalis mit Schleppmänteln. Geschichte. Zum Lhcil sind diese Anlagen älter als das „Haus"; grösseren Theils gleichalterig. — Wir verlassen jetzt die ,,Pleasure Grounds", die tiefliegenden Blumengärten unterhalb der östlichen Terrassen und näherp uns, den getährlichen Eintritt in ein Labyrinth aus Laxushecken vorsichtig vermeidend, — durch stolze Baum- gänge alter Eichen und Hagebuchen dem „Vineyard". Dieser Weinberg je- doch, für den Robert Gecil fimfzigtausend Reben und zwei (Partner aus Frank- reich ^•erschrieb, ist längst verschwunden. Sehr wahrscheinlich wurde der Wein- bau, der im Mittelalter ziemlich häufig in England wie im nördlichen Deutsch- land betrieben wurde, hier als ein hoffnungsloses Beginnen bald wieder aufge- geben. Statt dessen sehen wir Le Notre's (iartenkunst in ungewöhnlich kunst- voller Anwendung vor uns. \'on unserem Standpunkte auf tlcr Höhe eines Al^hanges, der sich hier an Ein Taezug auf Farbe und Dicke des Stengels. Das rothe Crlas verursachte schlaften Wuchs und gelbliche Blätter, das blaue noch schlafteren Wuchs und kränkliche Blätter. Der unbedeckte Theil zeigte einen kümmerlichen Wuchs und sehr dunkle, z. Th. verschrumpfte Blätter. Es muss bemerkt werden, dass die Versuche im Januar 1881 stattfanden, dass das elektrische Licht von 5 Uhr Nachmittags bis 6 Uhr Morgens brannte (aus- genommen Sonntags) und tlass zerstreutes Tageslicht in den Zwischenräumen nicht ausgeschlossen, auch dass für Luftcirculation durch das Lattenwerk Sorge getragen war. Diese Versuche bestätigen die von Dr. J. W. Draper (»Scientific Memoirs«, Memoir X) bei seinen Kultur-Versuchen im Sonnenspectrum 1843 gefundenen Resul- tate welche ihn im Gegensatz zu der damals herrschenden Meinung zu dem Schluss führten, dass die' gelben und nicht die violetten Strahlen die wirksamsten be- hufs Zerlegung der Kohlensäure in der vegetabilischen Zelle sind. Nachdem nun das elektrische Licht mit einer Laterne aus durchsichtigem Glas umgeben war, wiu-den bald bessere Resultate erzielt. Erbsen, Ende Oktober gesäet, brachten reife Früchte am 16. Februar, Himbeerstauden, am 16. Dezember ins Haus gebracht, lieferten reife Beeren am i. März, Erdbeeren, um dieselbe Zeit gepflanzt, zeitigten reife Früchte von vortrefi"lichem Geschmack und Farbe am 14. Februar. Wein, der am 26. Dezember ausschlug, trug am IG. März reife Trauben von kräftigerem Geschmack als gewöhnlich. Weizen, 142 Dr. I.ackowitz: Gerste und Hafer schössen ausserordentlich schnell unter dem beständigen Licht auf, aber sie wurden nicht reif, da sie wcj^cn geilen Wuchses umfielen, als sie ca. 12 Zoll hoch waren. Samen von \\'eizcn, (lerste und Hafer ini Freien ausgesäet und von dem aussen angebrachten elektrischen Licht beschienen, gaben aber bessere Resultate. Am 6. Januar in Reihen gesäet, keimten sie wegen Frost und Schnee schwer, die Pflanzen entwickelten sich aber bei milderem Wetter schnell und gaben reife Körner Knde Juni, nachdem sie bis Anfang Mai das elektrische Licht zur Hilfe gehallt hatten. (Fortsctzuni; folgt.) Eine blüliende Agave americanaL. des botanischen Gartens zu Breslau. Von Dr. Lackowitz, Assistent des botanischen Gartens. Gegenwältig blüht im botanischen Garten zu Breslau eine Agave americana L., ein Ge- schenk Sr. Durchlaucht des Herzogs von Ratibor. — Das lebhafte Interesse, welches die blühende Pflanze hierorts hervorgerufen hat, sowie die an und für sich in unseren Gärten immer- hin seltene Erscheinung einer blühenden Agave rechtfertigen den Wunsch, eine Mittheilung über diese Pflanze, wie eine kurze Besprechung letzterer nach ihrer Verbreitung und technischen Verwendung auch an dieser Stelle erfolgen zu lassen. Als die botanische Section der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur am 19 Juni 18S1 in Kauden (Ob.-Schles.) ihre diesjährige Wanderversammlung abhielt, konnte man, in der Blattrosette einer im dortigen Sclilossgarten isolirt stehenden Agave americana versteckt einen ein paar Zoll hohen Trieb wahrnehmen, die in Streckung begriffene Inflorescenzanlage. Schon nach 3 Monaten hatte sich dieser kurze Trieb zu einem nicht weniger als 20' hohen Blüthen- schaft entwickelt, reich mit Blüthendolden besetzt. Akropetal fortschreitend kommen die ein- zelnen Trugdolden zur Entfaltung, und während von den 30 Dolden die untersten schon lange abgeblüht haben, sind jetzt noch nach 3 Monaten die Blüthen der obersten Trugdolde erst zum kleineren Theil aufgebrochen. Der Blüthenschaft hat an der Basis einen Umfang von 27 <•/;/., dementsi)rechcnd einen Durchmesser von 9 cm., sich allmählich nach der Spitze hin verjüngend und trägt in seinen candelaberartigen mit je einem Blüthenbüschcl gekrönten Verzweigungen nicht weniger als 3000 Blüthen. Ungefähr Mitte fanuar haben die letzten Blüthen des obersten Blüthen- knäuels abgeblüht. Sie wurde im November 1881 aus Räuden hierher gebracht, und ca. 3 Wochen hier im Freien belassen. Mit Recht wird die Pflanze den prachtvollsten Gewächsen gleichgestellt, welche uns Amerika für unsere Treibhäuser liefert, denn wie der Augenschein lehrt, kann die Agave in voller Blüthe mit zu den imposantesten Erscheinungen aus der ganzen Pflanzenwelt gerechnet werden. Sie i>t ein Ki'nl des mittleren Amerika. Genaues lässt sich über ihre Heimath nicht angeben. Ihre älteste Kultur und \'erwendung hat dieselbe in Mexico gefunden und findet sie noch. \ Oll ticrt wurde dieselbe zuerst um das Jahr 1560 nach Spanien und den Niederlanden gebracht, um von hier aus allmählich Eingang in die Gärten der übrigen Länder Europas zu finden. Nachgewiesen ist, dnss die erste kultivirte Pflanze dieser Art in Italien (Pisa) 15S3 zur Blüthe gelangte. Seit jener Zeit sind r.n den verschiedensten Orten Europas blühende E.xemplare beobachtet worden, in Schlesien das erste 1662 im gräflich Oppersdorfer Garten bei Glogau, danach an mehreren anderen Orten, so dass im Ganzen mit der gegenwärtigen, im Schlossgarten zu Räuden zur Blüthenentwickelung gelangten Pflanze in Schlesien bis jetzt zehn derartige Fälle Eine blühende Agave americana L. 143 beobachtet worden sind. Gegenwärtig ist die Agave eine in den Ländern um das Mittelmeer herum häufig kuhivirte und vielfach verwilderte Pflanze. Namentlich im südlicheren Italien wird sie in grosser Zahl angetroffen, und wegen ihrer stacheligen Blätter zu Umfriedungen von Ländereien und Gärten als Schutz gegen ungeladene Gäste vielerorts benutzt. In ihrer Heimath blüht die Pflanze bereits nach den ersten 8 — 10 Jahren, trägt Früchte und stirbt dann ab, während zahlreiche Wurzelschösslinge sich gleichzeitig entwickeln. In Europa dagegen erreichen die in unseren Gärten kultivirten Exemplare je nach der Güte des Bodens und den sonstigen Lebens- bedingungen ihre volle Entwickelung erst nach 50—60 Jahren, ja es sind Fälle bekannt, wo nachgewiesenermassen solche erst nach mehr als 100 Jahren zur Blüthe kamen. Diesem unter Umständen so ausserordentlich verzögerten Ablauf ihres vollständigen Lebensprocesses ist es auch zuzuschreiben, dass die Pflanze die volksthUmliche Bezeichnung »Hundertjährige Agave« oder fälschlich Aloe erhalten hat. Die Entwickelung des über 20' hohen Blüthenschaftes nimmt gewöhnlich 2 — 3 Monate in Anspruch. Die Blüthenproduction ist eine enorme. Unser Exemplar trägt wie angegeben in seinen 30 Blüthenbüscheln, jeder durchschnitttlich zu hundert Blüthen gerechnet, etwa 3000 Blüthen von gelber Farbe und angenehmem Duft. Diese sondern in ihrem Grunde reich- lichen Honigsaft ab, durch welchen die Insecten angelockt werden, die ihrerseits die Bestäubung vermitteln. In ihrem Vaterlande ist die Agave wegen ihres vielfachen Nutzens eine höchst ge- schätzte Pflanze Fast alle Theile derselben finden Verwendnng. Die lockere, breiige Blatt- substanz wird roh und zubereitet genossen , die Blattoberhaut wird zur Verfertigung von höchst brauchbarem, pergamentartigem Papier, die festen Fasern des Blattes werden zu feinen Geweben und Stricken, wie Hanf oder Flachs benutzt etc. Eine Hauptverwendung findet jedoch der in der Pflanze enthaltene reiche Zuckersaft. Sobald nämlich der anfangs spargelähnliche Blüthen- schaft sich aus der Blattrosette zu erheben beginnt, schneidet man ihn heraus, so dass ein 2 napfFörmige, von den innersten Blättern dicht umgienzte Grube entsteht. In dieser sammelt sich der eigentlich zum Aufbau des Blüthenschaftes bestimmte zuckerreiche Saft in so grosser Menge an, dass dieser innerhalb 24 Stunden mehr als 50 Pfd. betragen soll, welcher Process 2 — 3 Monate lang dauert Der frische Saft wird durch Gährung in ein alkoholisches, erfrischendes Getränk übergeführt, das einen für Europäer sehr unangenehmen, widrigen Geruch hat, den sogenannten Pulque, das bekannte Nationalgetränk der Mexicaner. Aus diesem wird ferner durch Destillation ein sehr berauschender Branntwein, der Mescal (der Mexical bereitet. Bei uns hat stere Pflanze hat eine Stammhöhe von 3,45 ;;/, trägt 5 Blätter und ist gewöhnlich mit Blüthenkolben geschmückt. Das Phoe- nicophorium hat 12 Blätter, ist im Stamm 1,85 ni hoch und 0,55 in im Umfange dick; es steht der südlichen PLingangsthür gegenüber und ist durch die ganzen, meistens ungetheilten Blattflächen, sowie hinsichtlich der röthlichen Blattfärbung eine auffallend schöne Palme. Links von der Mittelpflanze steht eine Acanthorrhiza Warscewiczii mit 10 Blättern und einer Stammhöhe von 2 ;//, rechts ein höchst seltenes Astrocaryum lati- sectum mit 1 1 Blättern. In der Mittellinie hinter der Livistona steht zu- nächst ein starkes Angiopteris evecta, dann folgt eine Livistona Jenkinsii und ein mehrstämmiger Chrysallidocarpus lutescens, die alte Hyophorbe lutescens oder indica der Gärten. Links von der Mittellinie stehen ausser- dem noch als bemerkenswerthe Pflanzen Phoenix dactylifera, Socratea exorhiza mit 4 Blättern, einer Stammhöhe von fast 2 /// und einer Stamm- dicke von 0,15 VI Umfang in der Höhe eines Meters. Ausserdem sind die bemerkenswerthen in diesem Quartiere ausgepflanzten Palmen noch die folgenden: Hyophorbe Verschaff"elti und amaricaulis, Dictyosperma aureum und album, die seltene und sich durch eine 2 zeilige Blattstellung aus- zeichnende Wallichia disticha mit fast 3 ;// langen Blättern, ferner Livis- tona rotundifolia, und der sehr seltene Pholidocarpus Ihur, Pty- chandra glauca, Deckenia nobilis, Ravenea Hildebrandtii, Acanthophoenix crinita, Ptychosperma vitiense, sp. nova, die ächte Seaforthia elegans richtiger Ptychosperma, Veitchia Joannis, Phoenix silvestris. Kleinbleibende Palmen aus den Gattungen Geonoma, Chamaedorea, Synechanthus, Morenia, Rhapis und Bactris sind nebst verschiedenen Aroideen, Scita- mineen und P\irnen zwischen gepflanzt, so z. B. grosse P^xemplare von Anthurium magnificum, cristallinum, Lindenii, Miquelianum, Philodendron speciosum und Selloum, Calanthe zebrina, Ih'menodium crinitum, Menis- cium macrophyllum, Dichorisandra ovalifolia etc. *) Bei den Angaben der Stammhöhe ist der obere mit Blättern besetzte Theil mit ein- gerechnet. Das neue Palmcnhaus zu Herrenhausen. Inneres. i^e Der Quartierrand ist mit Selaginella vorläufig in einer Breite von ^ji in bepflanzt, zwischen welchen eine Menge kleiner Farnarten, Berto- lonien, Aphelandren, Bromeliaceen, Ixora, buntblättrige Gramineen ein Unterkommen gefunden haben. Als Gegensatz ist eine fruchttragende Chamaedorea tenella von 2 dm Höhe vor das Phoenicophorum mit seinen grossen einfachen 2 in langen und i in breiten Blättern gepflanzt worden, welche nur eben aus der Selaginella-Einfassung herauslugt. Ganz vor- züglich halten sich zwischen den Selaginellen die Bertolonia Houtteana, guttata und marmorata, welche ihre originelle Zeichnung vollständig be- halten haben und freudig fortwachsen. Um die vier Mittelpfeiler sind verschiedene kletternde Palmen als Desmoncusarten, Calamus equestris, asperrimus, flagellum, ornatus, die höchst seltenen C. Nicolai und Imperatrice Maria, Daemonorhops melano- chaetes, oblongus, crinitus und ferner Korthalsia Junghuhnii, Plectocomia elongata, spectabilis und hystrix nebst Bambusa latifolia, Freycinetia Baueriana und insignis, Clusia sp. und Vitis gongylodes gepflanzt worden. Der zuletzt genannte Vitis zeichnet sich durch grosse, tiefgetheilte Blätter und besonders durch 4 kantige, stark geflügelte Stengel aus und eignet sich ganz besonders zu einer Pfeilerbekleidung. Zwischen je einem Mittel- pfeiler und dem seitlichen Pfeiler ist eine leichte Stellage in einer Höhe von ungefähr 5 vi über dem Boden angebracht, auf welche einige grössere Cycadeen gestellt sind; es sind darunter Encephalartos Lehmanni, lanu- ginosus, longifolius, Dion edule, Lepidozamia Perofl'skyana und Denisonii. In die Mitte des mittleren Quartiers der nördlichen Hälfte ist die grösste der hier befindlichen Palmen, die Livistona australis, ausgepflanzt; sie hat eine Stammhöhe von 13 ;// und trägt nahe an 100 Blätter; sie zeigt ein sehr kräftiges Wachsthum und ist augenblicklich mit 12 über meterlangen Blüthenrispen geschmückt. Dass die Pflanze sobald nach dem Wechsel des Standorts zu blühen beginnt, daran ist wohl allein der er- höhte Einfluss des Lichts schuld. Um diese Livistona herum sind, da sie den höchsten Raum über sich hat, mehrere sehr hoch werdende Palmen gepflanzt worden, so z. B. Iriartea gigantea mit 6 Blättern und einer Stammhöhe von 2,56 in, ferner ein Cocos flexuosa, Oenocarpus caraca- sanus, Iriartea deltoidea, Caryota urens, Euterpe edulis und decurrens, Dictyosperma paleaceum und rubrum, Archontophoenix Veitchii, zwischen welchen sich kleiner bleibende Palmen als Aiphanes caryotoides, Licuala paludosa, Catoblastus praemorsus, Raphia flabelliformis, Cocos campestris, Grisebachia Forsteriana, Geonoma pinnatifrons, Chamaedoreen , ferner Heliconia, Alpinia, Alsophila contaminans und australis, Angiopteris longi- folia und verschiedene Musaarten befinden. Auf dem westlichen Quartiere dieser Abtheilung findet sich als domi- nirende Pflanze Arenga saccharifera mit 8,5 ;// hohem Stamm und 10 l^lät- tern, ferner Livistona Hogendorpii, Caryota obtusa, Cumingi und propin- qua, Pritchardia Martiana, Rhopalostylis Baueri und sapida, beide häufig 10* 146 H. Wendland: Fifl. 34- Das Innere des ralmenhauscs /u Herrenliausen. Ansicht \on Südost nach Nordwest. Links in der Mitte im Hintergründe Arenga saccharifera, rechts IJvistona attstralis, im \'ordergriMide Liiistoiia chinensis. Das neue Palmenhaus zu Herrenhausen. Inneres. 1^7 blühend und mit Fruchtständen, Rhaphia Hookeri, Hyophorbe sp. , Wal- lichia caryotoides, Trachycarpus Griffithianus, Roscheria melanochaetes, fast immer blühend und 2 ;;/ hoch, Pinanga Kuhlii, coronata und javana, erstere beiden mit Blüthen und Fruchtständen, verschiedene Bactris, Geo- noma und Chamaedorea -Arten; Farn, Musaarten und verschiedene Aroi- deen sind untergepflanzt. Das östliche Quartier ist bepflanzt mit Ceroxylon andicola, Calyptro- calyx spicatus mit fast 3 /// hohem Stamm und 9 Blättern, Trachycarpus excelsus, Caryota maxima, Euterpe Manaele, Sabal Blackbourneana, Prit- chardia Gaudichaudii, Phytelephas microcarpa, Grisebachia australis, Zalacca edulis, Pinanga latisecta, Loxococcus rupicola, Arenga obtusifolia, Wallichia obtusifolia, Diplothemium maritimum, Acanthorrhiza aculeata, Morenia Poeppigiana cT, Pandanus furcatus cT, dieser ist 10 vi hoch und reich verästelt, Thrinax elegans mit 7,3 ni Stammhöhe und 13 Blättern, und Archontophoenix Cunninghami 10,5 ;// hoch und 13 Blätter. Auf den Stellagen, welche sich im Umkreise des Hauses über den Heizungsröhren befinden, sind eine Menge Pflanzen aufgestellt, so auf der südlichen Seite die nicht unbedeutende Cycadeensammlung. Der Boden des Hauses wird auf 18 bis 20° durch Dampf erwärmt. Schliesslich kann ich nicht umhin mitzutheilen, dass ich das Haus als ein für die darin vorzunehmende Kultur bis jetzt ganz vorzügliches erkenne und mich glücklich schätzen konnte, mit einem Baumeister zusammen arbeiten zu müssen, der meinen Ideen und Wünschen zum grossen Theil Rechnung getragen hat. Für Gärtner, welche Gewächshausbauten zu leiten haben, bitte ich folgende wichtige Punkte zu beachten, namentlich darauf Rücksicht nehmen zu wollen, dass die Trennung der Eisentheile der Pfeiler und Sparren (siehe Beschreibung Seite 10 unten), wie ich vorge- schlagen hatte und wie zur Ausführung gekommen ist, durchgeführt werde, wodurch die Bildung von Rauhfrost im Innern des Hauses unmöglich ge- macht wird; auf meinen Antrag wurden ferner bei Verglasung des Hauses die Scheiben der inneren Glaswand, statt des sonst üblichen Ueberein- anderlegens, aufeinandergestellt. Leider ist diese, wie sich gezeigt hat, ganz vorzügliche Einrichtung nur theilweise zur Ausführung gelangt. Aus Tiflis. (Prunus Pissardi. — Obsternte in Tiflis ) Herr Garteninspektor Scharrer in Tiflis sclireibt uns : Gelegenthch der Notizen in Nr. 8 der Monatsschrift des V. z. Bef. d. G. iSSi pag. 356 über Prunus Pissardi erlaube mir Ihnen mitzutheilen, dass, wie auch Carriere angiebt, dieser Baum bei Tiflis in Gärten hcäufig zu finden und von mir schon mehrmals nach dort mit anderen Pflanzen geschickt ist. Die Frucht, hier Kirmisi-Ali-Buchara genannt, (rothe Pflaume von Bokliara) ist in der Jugend schön weinroth, und wird zur Reife schwarzpurpur. Die Färbung der Blätter verhält sich umgekehrt, im Frühjahr blutroth, wird sie hier im Sommer schmutziggrün. 148 Aus Tiflis. Dieselbe Eigenschaft bemerken wir an allen nichtgrünen Gewächsen, und ist dieser Umstand so störend, dass wir an Bepflanzung von Teppichbeeten mit Alternanthera, Coleus und dergl. im Sommer gar nicht denken können, denn es kommen keine reinen Farben, sondern ein elendes Gesudel heraus, das keinen Sinn hat. Erst Ende August oder im September, wenn die thaufrischen Nächte eintreten, gewinnen die buntblättrigen Pflanzen ihre charakteristischen Tinten wieder, doch ist die Zeit zu kurz, da ■oft schon Ende September die ganze Herrhchkeit durch Nachtfrost ein Ende findet. Dies kann also dem Werthe unserer Ali -Buchara keinen Eintrag thun, denn ich glaube, dass hier örtliche Verhältnisse, die Trockenheit der Luft in und über dem im Sommer von der Sonne durchglühten Felsenkessel, in welchem Tiflis das Vergnügen hat zu liegen, verderblich einwirken. Die Frucht ist hier wenig geschätzt, sie ist mehlig, süss-fade und nicht von langer Dauer. Aus nachstehendem Verzeichniss werden Sie ersehen , dass wir weit bessere Früchte in Massen haben. In Persien mag d^s anders sein, ist mir aber kaum glaublich *) Aus dem hiesigen Akklimatisationsgarten, der nach lojährigem Bestehen dies Jahr seine erste Frucht-Collection cum laude ausgestellt hat (ca. 80 Sorten), kann ich Ihnen Reiserund eventuelj auch veredelte Häumchen schicken, wenn sich Liebhaber finden. Die Reiser zu 5 Kopeken ist Taxe. Bis jetzt hat sich die Phylloxera hier auf einen nun längst (im Juni) gleich aus- gerotteten kleinen Weingarten in Suchum am schwarzen Meere beschränkt, vielleicht ist diesmal die asiatische Trägheit unser Glück, dass so wenig Pflanzen aus West-Europa importirt wurden. Ich bin als Mitglied der Phylloxera-Commission in der Lage, darüber sicher berichten zu können. Die Obsternte in Tiflis. Die Obsternte war im Jahre 18S1 besonders reich, was Quantität und Qualität anbelangt. Im April und Mai. Kirschen und Erdbeeren, letztere wenig, erstere in Unmassen und in vorzüglicher Grösse. Im Juni. Aprikosen, Schiras und die doppelt und dreifach grössere Gerger, 4 und 5 Stück ein Pfund schwer, pfirsichartig. Alutscha (Prunus divaricata), grüne Pflaume, meist unreif verzehrt. Im Juli. Frühbirnen: Gulabi, Muskateller, Blankette, Frühtrauben Adreuli, Kischmisch etc. Späte europäische Aprikosen. Im August. Die Masse der Frühäpfel, dann alle Beurre, in herrlichen Exemplaren; da ist von steinigem Fleisch etc. nicht die Rede, es ist Alles Saft und Süssigkeit, Beurre blanc, Napoleon, Giffard, bonne Louise, u. A. Mehr und mehr kommt der Wein auf den Markt, meist einheimische Sorten, deren Aul- zählung ich früher versucht habe. Dieses Jahr ist der Ertrag sehr beeinträchtigt durch das (Jidium, es soll ziemlich schwach aussehen in den Provinzen. Wir hatten bis 5 Pfund schwere Trauben im Akklimatisationsgarten von Dachabi, weiss und schwarz, Hussein und Mollah Hussein do. aus dem Daghestan und Eriwan. Der erbsengrosse, zuckersüsse Chahli und der grosse Sachabi und Bisch baba mit fleischigen Früchten zieren jetzt den Tisch neben einer Menge anderer. Der Muscat erfreut sich mit Recht grosser Beliebtheit. Im September kommen nun die Aepfel; Bei d'Octobre, Josef de Brigi, Antonofka, Haw- thornden sind schöne Tafelzierden und neben den massenh ift angebotenen Pfirsichen, die centner- weise für Spottgeld verkauft werden, jetzt die Herren des Marktes. Später kommen die Früchte aus den Provinzen, um den Bedarf aufzufrischen, die prachtvollen asiatischen Birnen und Aepfel aus Adscharien und Achalziche, die wir auch zum ersten Male hier reifen sehen, wie Schach- Alma, Pasch-Alma, Jr.ch-Alma, Sudak-Alma und Birnen Nanasyr, Bey-Armud, Nar-Armud etc. und die dem Malaga ähnlichen Trauben von Gandscha, die bis Neujahr und Ostern nebst den späten Pfirsichen von Eiiwan sich frisch erhalten und zu Markte kommen. *) Herr Baumschulbesitzer SrAiiTH, Berlin SO., Köpnickerstrasse wird in diesem Jahre Prunus Pissardi Carr. in den Handel bringen, da er sie aber nur für eine Varietät von Prunus cerasifera hält, wird er sie einfach Prunus cerasifera fol is purpurus nennen. D. Red. II. Roese: Gefüllt blühende Knollen-Begonien. j^q Gefüllt blühende Knollen- Begonien. Vom Hofgärtner H. RoESE in Eutin. Auf der Pflanzen-Ausstellung des vergangenen Herbstes in Halle a. d. S. erregten die gefüllt- blühenden Knollenbegonien des Herrn Paul Hirt in Uelzen, Prov. Hannover, durch die reiche Füllung ihrer Blumen ein wohlberechtigtes Aufsehen. Herr Dr. Sorauer äusserte sich über sie: »Da stehen wir wieder vor einem Stück Arbeit, dem man die höchste Achtung nicht versagen kann». — Wenn von einem Züchter aus einer Sämlingszucht von vielleicht mehr als 15000 Stück eine grössere Anzahl Pflanzen mit gut gefüllten und wohlgestalteten Blüthen aus- gewählt werden kann, so nimmt das nicht Wunder; wenn aber unter einer Anzahl von nur ca. 200 Sämlingen ca. 60 pCt mit meist gut und elegant gebauten und dicht gefüllten Blumen ge- funden werden, so ist man berechtigt zu schliessen, dass der Züchter bei der Befruchtung seiner Samenzuchtblumen nicht nur verständnissvoll, sondern auch minutiös peinlich und mit unermüd- licher Ausdauer zu Werke gegangen sein muss, und das trifft bei Herrn . Hirt in vollstem Maasse zu, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Herr H. erzählte mir die Anfänge seiner Züchtungen, die vor lojahren, mit den ersten in den Handel gekommenen einfachen Begonia boliviensis, Pearcii u. a., welche er aus Samen erzog, begannen. Er hatte anfangs damit, theib aus Unkenntniss ihrer Kultur, theils wegen anderer ungünstiger Umstände nicht einmal allzuviel Glück, so dass er nur zwei Pflanzen, welche sich durch gute Färbung der Blumen, kräftigen Bau und dunkele Belaubung auszeichneten, zurückbehielt. Erst nach mehrjähriger Kultur und mancherlei vergeblichen Versuchen erhielt er einen Stamm kräftiger Pflanzen, mit denen er 1878 in Bremen förmlich Furore machte. — Schon 1874 hatte sich bei den Blumen einiger Pflanzen Neigung zum Gefülltwerden gezeigt, doch waren die Anfänge so verschwindend klein, dass er kaum erwarten konnte, damit Erspriessliches zu erreichen Herr HiRT verlor aber den Muth nicht, und erzog schon im darauf folgenden Jahre eine ganze Reihe von Pflanzen, deren Blumen auch weniger scharfen Augen eine bedeutende Veränderung zeigten. Von da an datiren nun seine Versuche, eine stärkere Füllung, einen vollkommeneren Bau der Blüthen und zugleich kompakteren Wuchs und elegantere Belaubung zu erzielen, die ihm in so schönem Maasse ge- lungen sind. Herr HiRT hat also ohne jede Einwi rkung schon gefüllter, von England oder Frankreich bezogener Pflanzen ein bess eres Resultat erzielt, als diese fremden, gefüllt blühenden Begonien zeigen, und seine Züchtungen halten nicht nur den Vergleich mit diesen fremden aus, sondern übertreffen sie, besonders was vollkommene Füllung der Blumen betriff"t, vollständig. Was nun meine eigenen, mit von Hirt bezogenen Samen gemachten Erfahrungen betrifft, so mag zuerst erwähnt werden, dass mir bisher die gefüllten Begonien nicht sehr sympathisch waren; alle Zeichnungen und Abbildungen, welche ich von einigen der englischen und französischen und von den ersten von Hirt gezogenen (Neuberts Magazin 1880) gefüllten Blumen gesehen, imponirten mir zu wenig, als dass ich es hätte über mich gewinnen können, schon früher die immer noch theueren Pflanzen derselben anzuschaffen. Endlich Hess ich mich im vorigen Früh- jahr doch bewegen, von Herrn Hirt eine kleine Portion Samen seiner gefüllt blühenden Be- gonien zu beziehen, und das Resultat war ein mich völlig überraschendes. Die ca. 200 Pflanzen, welche ich von einer grösseren Anzahl Sämlinge zurückbehielt, lieferten etwa 6opCt. vollkommen oder fast vollkommen gefüllter Blumen. Gleich die erste zeigte eine etwa thalergrosse, dicht mit schmalen, etwa 2,5 cnt. langen Blättchen besetzte, von breiten muschelförmigen Sepalen gut eingefasste Blüthe von lebhaft fleischrother Färbung, die Pflanze selbst mit guter Belaubung und von gedrungenem kräftigen Hau, und so ging es fort, bis die nasskalten sonnenlosen Herbst- tage selbst im Hause dem Blühen ein Ziel setzten. Herr Hirt setzt seine Befruchtungen nun auch mit Beg. Sedenii fort, und wir können von ihm noch manch schöne Varietät erwarten Einem Jeden, der sich für diese wirklich schönen Pflanzen, die ein Resultat rein deutscher Zucht und ein Zeichen eifrigsten Strebens, ohne jeden fremden Einfluss sind, interessirt, rathe ich, mit HiRT'schem Samen einen Versuch zu machen; er erhält bei richtiger Kultur, deren Kenntniss man ja wohl jetzt bei jedem Gärtner voraussetzen darf, bestimmt ein ihn zufrieden- stellendes Resultat. I CO C. Matthieu: Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieö, Charlottenburg. (Fortsetzung.) Odontoglossuin Marriottiamim. Reh. f. Gard. Chron. 371 S. 168. Wahrscheinlich ein natürhcher Bastard zwischen O. Hallii und O. cirrhosum, welcher unter einer Sendung von O. cirrhosum bei G. Marriott blühte. Blumen weiss, mit purpurnen Mittellinien auf der Aussenseite der Kelchblätter (Sepalen) und mit zahlreichen hellpurpurnen Flecken auf der Innenseite der Kelch- und Kronenblätter. Die Lippe mit gelber Scheibe am Grunde, die Griffelsäule gelb mit braunen Streifen. Cypripedium calophyllum. Reh. f. Ebendaselbst. Künsdicher Bastard zwischen C. barbatum und C. venustum in J. Veitch &: Sons' Gärtnerei. Zwar schon alt, aber noch nicht beschrieben. Das obere Kelch- blatt (Sepalum) ist dreieckig wie bei C. barbatum, und hat mehr grüne Adern, Aussenseite etwas purpur schattirt. Die Kronenblätter ebenso mehr an C. bar- batum erinnernd als an C. venustum, mit grossen Borsten an den Rändern und vielen Warzen. Das untere Kelchblatt gleich dem von C. venustum. Lippe gleich der von C. barbatum. Die Farben der Blumen fast wie bei C. barbatum. Oncidium phylloglossiim. Reh. f. Ebendaselbst. Dem O. ventilabrum sehr nahestehend. Blumen glänzend kastanienbraun, Blumenblätter (Sepalen und Fetalen) gelb gerandet, Lippe am Grunde gelb ge- randet, Spitze weiss. Aus Neu-Granada durch W. Bull eingeführt. Acanthophippium Curtisü. Reh. f. Ebendaselbst. Blumenkrone mit Ausschluss der Lippe hellrosa mit vielen purpurnen Flecken, Lippe gelb, die Einschnitte weiss mit purpur. Von den Malaiischen Inseln durch J. Veitch & Sons eingeführt. Laelia anceps Hilüana. Reh. f. Ebendaselbst. Eine Var. der L. anceps zu Ehren des Herrn Hill auf Arnot Hill benannt. Odontoglossuin Rossü. Lindl. Var. rubescens. Reh. f. Gard. Chron. 372. S. 202. Blumen schön hellrosa mit dunkelpurpur marmorirt. Masdevallia fasciata. Reh. f. Ebendaselbst. Neu-Granada. Der M. heteromorpha sehr nahe stehend. Odontoglossunt deltoglossum. Reh. f. Ebendaselbst. Es scheint ein Bastard zwischen O. leucopterum und O. odoratum zu sein Blume schwefelgelb mit braunen Flecken, Lippe schwefelgelb, am Grunde orange- farben mit einigen braunen Streifen an den Seiten. Calanthe bella. Reh. f. Gard. Chron. No. 373 S. 234. Ein Bastard zwischen C. Veitehii und C. Turneri, in der VEiTCH'schen Gärtnerei gezogen. Blumen Ulla, der Grund der Lippe carmin. Microstylis chlorophrys. Reh. f. Gard. Chron. No. 374 S. 266. Von Borneo durch W. Bull eingeführt. Die ganze Pflanze von bräunlicher Färbung, die Blätter hellgrün gerandet, Blumenstiele hellrosa mit purpur gerippt. Blumen purpur, der geöhrte Theil der pfeilförmigen Lippe ockerfarben. Die neuen Pflanzen des Jahres iSSi. irj Octomeria cochkaris. Reh. f. Ebendaselbst. Aus Brasilien. Blätter meergrün. Unterseite purpur mit vielen Querfurchen. Blumen weisslich ockerfarben, Lippe dreitheilig, schwefelgelb. Faradisanthus Moscni. Reh. f. Gard. Chron. 375 S. 298. Vaterland Brasilien. Blumen grün mit einzelnen braunen Streifen. T.ippe weiss mit dunklen Streifen am Grunde. Pescatorea Dormaniana. Reh. f. Gard. Chron. 370 S. 330. Blumen weiss, ähnlich dem P. Klabochorum und P. Lehmanni. Zu Ehren des Mr. Dorman in Sydenham benannt. Cypripedtiim conchifennn. Reh. f. Ebendaselbst. Bastard zwischen Pearcei und Roezlii. Der steife Blumenstiel trägt etwa sechs, auch mehr Blumen, welche am Grunde grün, sonst braun sind. Lippe hell grünlich ockerfarbig, weiss in den hervorragenden Theilen, die Seitenlappen braun gefleckt mit glänzend grünen Warzen. Erzogen im Charten des Herrn BowRiNG, Forest Farm. Blüht vom Dezember bis März. Odotitoglossiiin cirrhosiiin geinmatuin. Reh. f. Ebendaselbst. Sehr ähnlich einer grossblumigen Varietät des O. Klabochorum. Calanthe Sandhurstiana. P. H. Gosse. Gard. Chron. No. 378 S. 395. Sehr ähnlich der C. Veitchii, erzogen von Gosse in Sandhurst. Fhajus ticberculosus. Bl. Gard. Chron. No. 379 S. 428. Blätter Vs '■'' lang, Blumen ^ cm im Durchmesser, schneeweiss, die oberen zwei Seitenzipfel der Lippe gelb mit purpur gefleckt, der mittlere Lappen weiss, mit dunklen Randflecken. Vaterland Madagascar. Miltonia Warczeiuiczii. Var. aetherea. Reh. f. Ebendaselbst. Blumen vom hellsten Gelb mit weissen Spitzen, Lippe weiss mit lilla Grund und Rändern. Mormodes biiccinator. Lindl. Var. theiochlora. Reh. f. Gard. Chron. 379. S. 428. Blumen hellgrün, Lippe schwefelgelb. Griffelsäule weiss. Neu-Granada. Odontoglossiiin aspersum violaceuin. Reh. f. Ebendaselbst. Gleich der Stammform, mit Ausschluss der Griffelsäule und Lippe, welche dunkelviolett sind. Odontoglossuin cuspidatuin xanthoglossiiiu. Reh. f. Ebendaselbst. Ein schönes O. mit grossen schön gelben Blumen von kastanienbrauner Färbung, in vielblumiger Blüthentraube oder Rispe. Vaterland Columbia, Süd- Amerika. Collabium simplex. Reh. f. Gard. Chron. 380 S. 462. Blätter hellgrün mit vielen dunkelgrünen Flecken. Blüthen in Trauben. Blumen grünlichgelb mit braunrothen Flecken. Lippe weiss, am Grunde ])urpur. Vaterland Borneo. Bollea paUens. Reh. f. Ebendaselbst. Blumen violett mit grünlichgelben Rändern, Lippe ockerfarben, Säule schwefel- gelb, am Grunde roth punktirt. Nur von botanischem Werth. Epidendrum Stangeanum. Reh. f. Ebendaselbst. Ebenfalls eine botanische Merkwürdigkeit. Pflanze 12—15 cm hoch mit steifen, halbstielrunden, riemenförmigen Blättern, Blumen sehr klein und grün in wenig- blumigem Blüthenstande. Aus Panama, von F. Stange in Hamburg eingeführt. Cypripediuin grande. Reh. f. Ebendaselbst. 152 Interessante blühende Pflanzen. Bastard zwischen C. Roezlii und C. barbatum, gezogen von Seden in der J. VEiTCH'schen (järtnerei. Catasetum fimbriatut)i. Lindl. Wax.ßssa. Reh. f. Gard. Chron. No. 381 S. 498. Bhimen grün mit braunrothen Streifen und Flecken, Lippe grün. (Wird fortgesetzt.) Interessante blühende Pflanzen. 1. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin im Dezember 1881. Mitgetheilr vom Garten-Inspector Perring. 258 Arten und Abarten von Gewächshauspflanzen, unter denen sich 12 Orchideen, 16 Bro- meliaceen, 109 diverse Warmhaus- und 137 diverse Kalthauspflanzen befanden. Von diesen sind nachstehende Arten und Abarten blumistisch werthvoU : I. Orchideen. Cattleya mutabilis, gelbbraun. Laelia Perrini Lindl., hellviolett. Cypripedium barbatum Lindl., braun. Maxillaria alba Lindl., var. grandiflora, gelb- » insigne Lindl., gelblich grün mit lieh weiss. Rodriguezia Barkerii Hort., gelb. i> densiflora Lodd., gelb. Sophronites cernua Lindl., leuchtend roth. weiss. Cypripedium Sedenii, rosa. » superbum Lindl., braun. " villosum Lindl., hellbraun. \ 2. Brom eliac een. Aechmea discolor, roth. i Billbergia amoena, grünlich mit blauen Spitzen » fulgens, leuchtend roth. 1 » Simonii, röthlich. » Martensii, gelb mit rothem Schaft. j » nutans, grünlich mit blauen Rändern 3. Diverse Warmhaus pflanzen. Aeschynanthus grandiflorus. Balsamina longiflora. Adamia versicolor. Aphelandra bullata, roth. » Roezlii, leuchtend roth. >> aurantiaca, orange. Centropogon Lucyanus, rosa. Centradenia floribunda. » rosea. Franciscea calycina. » macrantha. Poinsettia pulcherrima. Phyllocactus crenatus, var. amarantinus und mehrere andere schön rosa und dankbar blühende Varietäten. Thunbergia laurifolia, Schlingpflanze mit grossen hellblauen Blüthen. 4. Diverse Kalthauspflanzen, oldgelb , noch vom No- Erica floribunda, weiss. Acacia platyptera vember. Banksia GUntheri Regel, neuholländische Pro- teacee mit grünlich gelbem, zapfenförmigem Blüthenstand. Correa pulchella Lindl., blassroth. Crocus longiflorus Rafin., blau. » ochroleucus, weissgelb. Erica Roweana, weiss. » caffra, weiss. » concinna, röthlich weiss. » cruenta exerta, roth. » gracilis, roth. » hirtiflora mollis, lilla. ;> hiemalis, weiss mit roth. » persoluta nitida, weiss. » sparsa, weiss. » tenella, lebhaft roth. Jasminum nudiflorum L., bekannte, in neuerer Zeit mit Unrecht vernachlässigte, reich gelb blühende Pflanze. Lasiandra macrantha, violettblau. Muraltia Heisteri D. C, violett. Interessante blühende Pflanzen. 153 Phylica axillaris, ericoides var. acerosa, glauca, oleifolia, paniculata, parviflora und rosma- rinifolia, alle mit kleinen weisslichen Blüthen- köpfchen. Reinwardtia trigyna Planch. (Linum trigynum L.), mit grossen, goldgelben Rlüthen. Tempeltonia retusa, rosa. Im Januar 1882. 168 verschiedene Arten und Abarten von Gewächshauspflanzen, von denen nachstehende blumistisch weithvoU oder botanisch interessant sind: I. Orchideen. Angraecum eburneum P. Th., grünlich mit weissem Labellum. Cattleya Wagnerii, Rchb. fil., weiss. Cypripedium Sedenii, schön rosa, schon vom Dezember. Cypripedium villosum Lindl., gelbbraun, vom Dezember. Dendrobium nobile Lindl., dankbar blühende auch im Kalthause zu kultivirende Art, [ 2. Bromeliaceen. Ausser den bereits im Dezember blühenden und einigen weniger schönen Arten nur: Billbergia Libonii, blau, am Grunde weiss, Bracteen roth. 3 Diverse Warmhauspflanzen. Blüthen violettrosa mit weiss und dunklem Auge. Dendrobium Wallichianum Hort., ähnlich der vorigen Art, nur in allen Theilen etwas grösser. Phajus maculatus Lind!., hellgelb mit braunem Labellum , in jedem Warmliause zu kulti- viren. Begonia Froebeli, leuchtend roth, späte .Säm lingspflanze. Epiphyllum truncatum, lila. » pachypterum, rosa. Franciscea americana, calycina, eximia und ma- crantha, alle violettblau. Goldfussia anisophylla Nees, hellviolett. 1 isophylla » » Rhipsalis funalis. 4. Diverse Kalthauspflanzen. Aloe arborescens Haw., roth mit grünem Saum. » socotrina Salm., desgl. i> virens, roth mit grünem Saum. Crocus Imperati Teh., weiss. Correa cardinalis, leuchtend roth. » pulchella, rosa. Daphne odora rubra, weiss mit rosa. Erica mediterranea in mehreren Varietäten, weiss. Erica nidularis, weiss. " pellucida affinis, fleischfarben. 1 persoluta, weiss. Ausserdem noch 10 bereits im Dezember blühende Arten. Galanthus Elwesii Hook, fil., weiss. » plicatus R. Er., weiss. Himantophyllum cyrtanthiflorum, grünlich gelb, Mahonia intermedia, gelb. Rhododendron praecox, prächtige, im Freien ausdauernde, niedrigbleibende Art mit gro- ssen, purpurrosa Blüthen. Trymalium spathulatum (T. fragrans), angetrie- bene, sonst im April sehr dankbar blühende Kalthauspflanze mit wohlriechenden, kleinen weissen Blumen in grossen lockeren Rispen; zur Binderei vortrefflich geeignet. 2. Im Borsig'schen Garten zu Berlin im Januar 1882. Mitgetheilt vom Gartenbau-Direktor Gaerdt. Acineta Humboldtii Lindl. Angraecum eburneum T Th. (= virens Lindl.) Calanthe veratrifolia R. Br. Cattleya Lindeni. " Lindigii, var. purpurea Karst. Cirrhopetalum Medusae Lindl. Coelogyne cristata Lindl. Cypripedium barbatum Lindl. a D rtoribundum. » Harrisianum i> purpuratum Lindl. « venustum. 154 Interessante blühende l'flanzen. Dendrobium nobile Lindl. i> Pirardi Roxb. Epidendron ciliare L. Erica stellata Lindl. Laelia anceps Lindl. Leptotes bicolor I>indl. Lissochilos speciosus R. Br. I^ycaste cruenta Lindl. Oncidium ephippiuni Kchb. fil. Phajus grandifolius Lour. Phalaenopsis grandiflorus Lindl. j> Schilleriana Rchb. fil. Tillandsia Lindeni. Vanda gigantea LinJl. » tricolor Rchb. fil. " ' suavis Rchb. fil. » ' pallida. 3. Im König!. Berggarten zu Herrenhausen. Mitgetheilt vom Oberhofgärtner H. Wenuland. Cypripedium insigne Chantini. Masdevallia polysticta, melanopus u. amabilis. Odoiitoglossum cirrhosiim, gloriosiini. Oncidium cheirophoruni u. serratum Angraecum sesquipedale u. eburneum. Physurus qiierceticola. Livistona australis, mit 12 Rispen. Archontophoenix Cunninghamiana. Billbergia nutans. Tillandsia Lindeni Calanthe vestita, Veitchii 11. hiteo-oculata. Laelia autumnalis. Restrepia elegans. Microstylis metallica. Mormodes Wendlandii. Ornithidium miniatum. Linospadix monostachya. Wallichia nana. Vriesea brachystachis. Encholirion corallinum. Freycinetia Baueriana. (/* Anthurium Andrcanum u. Scherzerianum sp. albo. Ixora salicifolia. Philodendron amazonicum. 4. In der König!. Hofgärtnerei zu Wiüielmshöhe bei Cassel im December 188 1. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. (Fortsetzung.) Warmhauspflanzen: Adamia versicolor, bläulich. Amaryllis pardina, gelblich weiss, roth punktirt. Aphelandra Fascinator, roth. Begonia odorata » gunneraefolia » Schmidti » Moonlight » floribunda j . ,,. / hellrosa. f metallica ) " incarnata hybrida, rosa. " fuchsioides, Scharlach. Centropogon Lucyanus, roth, sehr empfehlens- werth. Ceropegia Gardneri, grau, braun punktirt, sehr interessante Blume. Cuphea Roezli, orange, kleiiibluniig. Dalechampia Roezli rosea, roth, botanisch interessant. Epiphyllum truncatum, mehrere Varietäten, leuchtend karmin. Eranthemum pulchellum, prächtig himmelblau ! Geissomeria longiflora, roth, rcichbliihend. Hibiscus rosa sinensis, roth. Himantophyllum ininiatum, orange. Justicia speciosa, violett, sehr dankbar. Manettia bicolor, Blumen röhrenförmig, orange- roth; reichblühend und sehr zierlich. Monochaetum robustum, karmin. Nidularium spectabile (Bromeliacee). Pentas kermesina, rosa, Ijlülit seit Juli. Peperomia resedaeflora, weiss. Primula sinensis (temperirtes Haus) besonders schön die dichtsjefüllten Varietäten : Interessante blühende Pflanzen. 155 Chorizema Lawrenceana, dunkelroth. Correa magnifica, weiss. » cardinalis, roth. Cyclamen persicum, weiss. Diosma ambigua, weisslich, sehr kleinblumig. Eupatorium Weimannianum, weiss, zur Bou- quetbinderei sehr geeignet. Erica gracilis autumnalis, roth. » barbata major, weiss. » caffra, weiss. i) cerinthoides major, roth » colorans, weiss mit röthlich, sehr schön. » exurgens, orange. » hiemalis, weiss. » scabriuscula, blassrosa, sehr zierlich und elegant. Grevillea Preissi, roth, sehr schön. Habrothamnus Ilugeli, dunkelkarmin. Lasiandra macrantha, purpurblau, grossblumig, prächtig. Lechenaultia formosa • "| . ^ . . > rostfarbig. » Baxteri major j ^ Leptodactylon californicum, rosa. Rochea falcata, feurig roth. Rogiera gratissima, rosa, sehr lange blühend. Sparmannia africana, weiss. Siphocampylos bicolor, orangeroth. Witsenia corymbosa, blau, blüht fast das ganze Jahr hindurch. Von den im vorstehenden Verzeichniss erwähnten Pflanzen blühten am 6. Februar d. J. noch eine grosse Zahl. Im Laufe des Monats Januar 1882 kamen zur Blüthe: Orchideen: Dendrobium nobile Wallichianum 1 Maxillaria leucochila. Lycaste cruenta. | Odontoglossuni pulchellum. Warmhauspflanzen: ßlushing Beauty, zartrosa. Exquisite, weiss. Delicata, weiss mit rothem Hauch. Fairy, weiss. Emperor, roth, farnblättrig. King of Purples, purpurroth. Magnifica, roth. Mrs. Eyre Crabbe, roth. Princess of Wales, weiss. Rubra grandiflora, roth. Rondeletia speciosa major, dunkelorange. Ruellia macrantha, karmin, grossblumig, sehr schön. Russelia multiflora, leuchtendroth. Sciadocalyx Luciani, roth. Sonerilla, mehrere Arten, rosa. Sphaeralcea umbellata, blutrothe Malvacee. Stenogastra concinna, bläulich. Tetranema mexicana, violett. Thunbergia Harrisi, blassblau. Thyrsacanthus rutilans, roth, lang herab- hängende Rispe. Torenia pulcherrima, blau mit purpurnen Flecken. Tropaeolum Lobbianum var. Lilli Smith, bräunlichgelb. Kalthaus pflanzen: Acacia platyptera, gelb. Arbutus Unedo, weiss. Aeschynanthus speciosus, leuchtend Scharlach, prächtige Ampelpflanze. Anthurium ornatum, Spatha weiss, Spadix dunkelkarmoisin. » Scherzerianumgrandiflorum, Spatha Scharlach, Spadix orange. Anthurium bellum ) ohne blumistischen » magnificum J Werth. Aphelandra Roezli aurantiaca, scharlachorange. Begonia dichotoma, weiss. 2 manicata, hellrosa , zierlich und sehr elegant. » " punctata, weisslich. " palmata, rosa. Centradenia rosea 1 , ,, [ hellrosa. j" floribunda J Euphorbia jaquiniflora, scharlachorange. Franciscea eximia \ bläulich violett, i> hydrangaeformis I sehr dankbar. Hexacentris mysorensis, Schlingpflanze, mit sehr interessanten Blumen in lang herab- hängenden Trauben. Blumen orange, rost- farbig gefleckt. Passiflora kermesina, karmin, sehr reich- blühend. Plumbago coccinea, karmoisinscharlach. Poinsettia pulcherrima plenissima, durch die scharlachrothen Bracteen sehr zierend. Sanchezia nobihs, gelb. Streptocarpus polyanthus, hellblau. 156 Interessante blühende Pflanzen. Acacia dealbata 1 gelb. » Riceana ) ^ Correa bicolor, roth mit weissen Spitzen. Crassula lactea variegata, weiss. Erica herbacea alba, weiss. » » rubra, roth. Grischowia hirta, karnioisin. Pflanzen der kalten und temperirten Häuser: Libonia penrhosiensis, dunkelorange. Lopezia miniata, Scharlach, kleinblumig, sehr zierlich. Monochaetum ensiferum, karmoisin. Rhododendron praecox, lila, sehr reich blühend. Sericobonia ignea, roth. Viburnum Tinus, weiss. , 5. Im Königlichen Hofgarten zu Carisruhe (Baden) Chysis aurea v. Limminghii Hook Coelogyne cristata Hook. Cypripedium villosum Lindl. Odontoglossum Pescatorei Lindl. Meyenia Vogeliana Hook Mussaenda frondosa_ L. Rogeria amoena Planch. im Januar 1882. Mitgetheilt vom Garten-Inspektor E. Mayer daselbst. Orchideen. Oncidium ornithocephalum Lindl. Sophronitis grandiflora Lindl. Vanda tricolor Lindl. v. cinnamomea — riecht stark. Sonstiges. [ Solandra vindiflora Kar. I Spathicarpa platispatha H. Herrenh. 6. Im Fürst!. FUrstenbergischen Hofgarten zu Donaueschingen (Baden) im Januar 1882. Mitgetheilt vom Garten-Inspektor Kirchhoff daselbst. Orchideen der kälteren Abtheilung. Cattleya chocoensis u. intermedia. Epidendrum ciliare u. floribundum. Laelia autumnalis, prachtvoll u. Maxill. venust. Lycaste Skinneri purpurascens; Oncid. Forbesii. Restrepia antennifera u. spec. nova. Sophronites grandiflora, Zygopetalum interme- dium. Odontoglossum Alexandrae, Lehmanni. Cyprip. Harrissianum, pardinum u. villosum. Masdevallia amabilis, nycterina, polysticta triangularis, tovarensis, Veitchii. Orchideen der warmen Abtheilung. Angraecum distichum, eburneum. » pellucidum. Cymbidium eburneum u. Lowii. Oncidium Cavendishii u. 3 Kramerianum majus. Pescatorea Klabochorum. Dendrochiliuni glumaceuni, sehr wohlriechend. Ferner andere Pflanzen Cyprip. Boxalli, Dayanum. » Dominianum, Warnerianum. » barb. Crossianum u.. purpuratum. Phalaenopsis Schilleriana. Saccolabium giganteum, Vanda suavis. Amaryllis pardina, in vielen Prachtexemplaren. Gomphia Theophrasta, herrlich. Sterculia mexicana, herrlich. Tillandsia vittata Rohani. » musaica, in 3 Prachtexemplaren » Lindeni ) luxurians j '" ^ Exemplaren. Vriesia brachystachys u. psittacina. Spatiphyllum Ortgiesii, Pavonia Wioti. Philodendron callophyllum, prachtvoll. » Wendlandii, neu. Bronieliaceen. Encholirion Saundersii u. corallinum. Nidularium Mayendorfii splendens. Bilbergia Liboniana, Bromelia sp. Ortgiesia tillandsioides u. a. m. Ausstellune-en. 157 7. In der Schlossgärtnerei Reuthen bei Spremberg im Januar 1882. Mitgetheilt vom Obergärtner J. Held. Angraecum superbum. » virens. Cattleya amethystina. Coelogyne cristata. Cypripedium Dayanum » barbatum major. » Harrisianum. i> hirsutissimum. i> villosum. Cypripedium venustum. Lycaste Skinneri. Phajus grandifolius. 1- Wallichi. Vanda gigantea. j> insignis. Zygopetalum Mackayi. Cypripedium longifolium. Camellia reticulata fi.pl. Ausstellungen. Berlin. Nationale Ansstellung für Arrangements ans abj?esclinittenen Blnnien. Der Verein « selbstständiger Blumenhändler Berlin's und Umgegend« veranstaltet vom 6. bis 10. April 1882 in den Räumen der Passage, Unter den Linden, eine Nationale Ausstellung für Arrangements von abgeschnittenen Blumen. Derselbe motivirt diese mit folgenden Worten: Der Umstand , dass bei den bisherigen gärtnerischen Ausstellungen nur wenig auf Hebung der Leistungen in den verschiedenen Zweigen der Blumenbinderei Bedacht genommen wurde, lässt den Verein selbstständiger Blumenhändler Berlin's und Umgegend die Initiative zu diesem Unternehmen ergreifen, in der Voraussetzung, dass solches bei den betreffenden Interressenten innerhalb Deutschlands Anklang finden werde. Diese Ausstellung soll als erste in diesem Genre dem Publikum eine Gesammtleistung auf dem Felde der Blumen-Arrangements vor Augen führen, fördernd und anregend in der Ge- schmacksrichtung auf den Aussteller wirken und im Publikum Vorliebe zu Blumengeschenken erwecken. Um dieselbe recht vollständig erscheinen zu lassen, werden auch die fachverwandten Industriezweige, deren Fabrikate in der Blumenbinderei Verwendung finden, mit herangezogen. Aussteller von decorativen , blühenden und Blattpflanzen , Neuheiten , namentlich solcher Pflanzen, deren Blumen sich hauptsächlich zu Bindezwecken eignen, werden sehr willkommen sein. Der Verein selbstständiger Blumenhändler Berlin's und Umgegend richtet nun hiermit an alle Blumenbindereien sowie Gärtner und an die fachverwandten Industriezweige Deutschlands die dringende Bitte, dieses Unternehmen bestmöglichst mit umfangreicher Betheiligung unter- stützen zu wollen. Ausgeschrieben sind 35 Concurrenzen, meist mit 3 — 4 Preisen. Anmeldungen etc. bis 25. März bei dem Schriftführer R. Sabin, Berlin SVV., Simeonstr. 26. Hamburg'. Grosse Ausstellung des Gartenbauvereins für Hamburg, Altena und Umgegend vom 6. — 10. April 1882. 7 Staatspreise (gold. Medaillen ä 100 M.), 25 goldene, 208 gr. sil- berne, 209 kl. silberne, 37 bronz. Medaillen und Geldpreise im Betrage von 73657!/. — Anmeldungen bis i. April beim Schriftführer F. Krämer, Klein-Flottbeck bei Altona. Bremen. Der Bremer Gartenbau-Verein feiert sein 25 jähriges Bestehen durch eine grosse Ausstellung vom 25.-28. August d. J. Dresden. Frühjahrsausstellung der Flora, Gesellschaft für Boti.nik und Gartenbau in Dresden vom 5. 11. April 1882. Anfragen an den Königl. Gartendirektor Krause in Dresden. Preisverzeiclinisse. Georg W. Gaedertz in Feuerbach -Stuttgart. — Franz Anton Haage in Erfurt. — J. L. Schiebler & Sohn in Celle. — Ferdinand Jühlke Nachfolger in Erfurt. — Rafifaello Mercatelli in Florenz (Camellien-Catal. pro 1882). — S. Ender in Königsberg i. Pr. — Schlieben & Frank in Ratibor O. Schi. — Herzogliche Landesbaumschule bei Cöthen. (Anhalt). — Halbcntz & Engel- IC8 Preis Verzeichnisse. — Sprechsaal. mann in Zerbst (Anhalt). — Rittergut VViesenburg (Brandenburg). — Metz & Co. in Berlin. J. Butterbrodt (E. Hermes) in Mildesheim.. — Wilhelm Pfitzer in Stuttgart. — Vilmorin, An- drieux & Co. in Paris, Quai de la megisserie 4. — Eduard Naumann in Cöthen (Blumendünger). — R. Kiesewetter, vormals W. Rogge in Genthin. — C. Kühne in Altena. — Jardin botanique de Rouen. — Gebrüder Dittmar in Heilbronn (Instrumente, Werkzeuge und Geräthe für Obst- und Gartenbau). — E. Boese & Co. in Berlin C, Landsbergerstr. 70. — B. v. Uslar in Hildes- heim. — Gräflich von Hardenberg'sche Gartenverwaltung in Hardenberg bei Nörten. — Gräflich H. Attems'sche Samenkulturstation in St. Peter bei Graz. — Stassfurter chemische Fabrik (vorm. Vorster & Grüneberg) in Stassfurt (Kali- und Magnesiadünger). — Edmund Mauthner in Buda- pest IV, Kronprinz Rudolfgasse No. 18. — Jacquemet-Ronnefont pere tS: fils in Annonay und Lyon. — Carl Mauch in Göppingen (Württemberg) — Baron E. Rothschütz' Krainer Handels- bienenstand zu Weixelburg bei Laibach. — Gr.iflich Thurn Hohenstein'sche Garten- Verwaltung in Tetschen a. E. — Gebrüder Koch in Grabow a. O. Sprechsaal. 10. H. in U. Ich erhielt vorigen Sommer eine grosse Kiste Sämereien aus Süd-Brasilien, darunter ist eine Nuss, von welcher der Absender schreibt: »Eine eigenthümliche Nuss, sehr wohlschmeckend, aber etwas abführend, so dass 2 bis 3 dem Stuhl sehr förderlich sind. Hier werden sie überzuckert von den Kindern als Confect gegessen.» — Ist sie zur Kultur geeignet? Ist Aleurites niohtaana IVilld. (A. triloba Forst.), eine Euphorbiacee, deren Samen auch Candlenuts, d. h. Lichtnüsse genannt werden, weil man sie auf den Südseeinseln mit einem Docht durchzieht, mehrere auf einander stellt und sich so ein Licht bildet. Die Pflanze ist jetzt über sänmitliche Tropen verbreitet und „werden die Samen schon mehrfach in Deutschland zur Oelgewinnung eingeführt und die Rückstände, Candlenut-Kuchen, in der Landwirthschaft verfüttert. Der Baum wird hoch, hat lange hängende und aufsteigende Zweige, Blätter an der Spitze der Zweige genähert, lang gestielt, ihre Spreite bis 20 cm lang, gewöhnlich "^ oder \ mal kleiner, Gestalt sehr wechselnd, breit-eiförmig bis lineal-lanzettlich, 3 — 7 lappig oder ungelappt, Lappen dreiecki.^ zugespitzt Blüthenrispen 10 — 15 cm lang, rostfarbig filzig, Blumen weisslich, klein. — Vielleicht als Blattpflanze zu benutzen, blühen würde sie wohl erst im späteren Alter. 11. V. Ch. in G. Giebt es ein Adressbuch sämmtlicher in Deutschland bestehender Handels- gärtnereien ? Ja. F. J. M. PlumI'I';, der Gartenbau im Deutschen Reiche. Handels- Adress- Buch der Handelsgärtnereien, Samenhandlungen, Baumschulenbesitzer Deutschlands. Mit Angabe der Einwohnerzahl und des neuen Gerichtsverhältnisses, bewährter Rechtsanwälte, Bank- und Incasso- Geschäfte und Spediteure in den aufgeführten Städten. 18S0. Selbstverlag des Herausgebers. Berlin SW., Oranienstrasse 108. 12. W. in R. Ist Abies Douglasii vollkommen winterhart und eignet sich dieselbe zum Anbau in Waldbeständen r Die Akten über A. Douglasii sind noch nicht geschlossen. An einigen Orten haben Sämlinge und jüngere Exemplare etwas gelitten, in Ihrem milden Klima am Rhein dürfte das aber wohl nicht zu befürchten sein. Man geht damit um, sie als Waldbaum anzupflanzen, doch liegen noch keine langjährigen Erfahrungen vor. Die berühmte Douglasfichle zu Jägerhof bei Wolgast, wohl die grösste in Deutschland, ist übrigens trotz ihrer ausserordentlichen Entwickelung doch nicht grösser und stärker als die nebenstehenden gleichalterigcn Fichten (Pinus Abies L.), 13. E. E. in L. Wo sind Coniferen in seltenen und schönen Exemplaren zu haben? In Hamburg bei Peter Smith & Co. Hamburg, Bergedorf; James Booth & Co., Klein-Flottbeck bei Altena, J. C. Jürgens, Nienstädten bei Altona etc." In Berlin bei L. Späth, F. Lorberg, Metz & Co., Schwarzburg, Schöneberg; Carl Schnitze, Charlottenburg. In Celle bei Schieb 1er und Sohn. Wo in den Ihnen näher gelegenen südlichen Theilen Deutschlands gute Coniferen zu haben, beantworten uns vielleicht die Leser daselbst freundlichst. 14. \\. E. in L. Ich wünsche ein einfaches Gewächshaus von höchstens 15 in Länge zu bauen, bestehend aus einem geräumigen Kalthause, einem temperirten Hause mit Bassin und einem kleinen Warmhause. Heizung: Wasserheizung. Sehr gute eiserne Gewächshäuser bauen u. a. Schmidt tS; Schlieder in Leipzig, die Ihnen auch Ansichten und Zeichnungen schicken. — Am zweckmässigsten wäre wohl ein eisernes Geripppe, aber hölzerne Fenster. 1 Cattlep Reiuedeana Rchl).f. l Montiretia Pottsii Baker. VERLAG VON PAUL PAR£Y in BERLIN, Reichenbach: Cattleya labiata Reineckeana. I cq Cattleya labiata b. Mossiae Reineckeana Rchb. f. Von Prof. Reiciienbacii, HamburL,^ ^_ (Mit farbiger Abbildung.) 3^ie formenreiche Cattleya labiata zeigt sich in Venezuela als die liebliche Cattleya Mossiae. In der Regel lila -amethystfarbig mit tiefpur- purnen Strahlen vorn auf der Lippe ist sie auch in zwei schneeweissen Abarten erschienen. Die eine hat nur etwas gelbe Farbe auf der Lippe. Diese ist meine var. Wageneri, die ich einst, bethört durch das Zureden meines hochverdienten verstorbenen lieben Freundes Wa(;ener für eine eigene Art ansah. (Xenia I. Tab. 13. S. 28). Die andere hat schöne kurze Strahlen auf der Lippe, von denen die vorderen tief purpurn, die äusseren und inneren tief gelb sind. Ich nannte sie nach dem verewigten Ober- gärtner Reinecke, der sie zuerst in Blüthe brachte, Cattleya labiata Mossiae Reineckeana. (Seemann, Bonplandia IV. 327. Xenia II. S. 30). Bemerkungen des Hrn. Gartenbau-Direktor Gaerdt zu dieser Pflanze. Cattleya Reineckeana Rchb. f. wurde von dem Herrn Professor Dr. Karsten in der Provinz Caracas entdeckt und wird deren Einführung in Europa in der Zeit von 1850 — 52 erfolgt sein. Sie ist benannt zu Ehren des langjährigen Mitgliedes des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, des 1881 verstorbenen Jul. Reinecke, feiner Zeit Obergärtner im von Decker'schen Garten zu Berlin, wo er sich durch Pflanzenkulturen im Allgemeinen, wie um die Pflege der Karsten'schen Einführungen neuer interessanter Palmen und wohl der ersten importirten starken Baumfarn- stämme einen bedeutenden Ruf erworben hat. Cattleya Reineckeana war lange Zeit ein Unicum des v. Decker'schen Gartens und gehört noch heute zu den seltensten Arten der Cattleyen. In der Kultur bedarf sie nur der Aufmerksamkeit und Pflege, welche der denkende Gärtner auch jeder andern Art zuwendet. Nicht allgemein möchte es bekannt sein, dass zu ihrem Gedeihen wesentlich beiträgt, wenn sie, wie auch viele andere, während des Sommers einige Zeit an einem geeigneten Orte im Freien placirt wird; man erreicht damit eine der Natur entsprechende Ruheperiode. Montbretia Pottsii Baker (Iridaceae). Von L. WiTTMACK. (Mit farbiger Abbildung.) Gattungscharakter. Montbretia. (Benannt nach G. Coquebert de Monieret*). Blüthenhülle unregelmässig, Röhre oberhalb des Fruchtknotens lang oder kurz vorgezogen, ober- *) Coquebert de Montbret, französ. Naturforscher, bereiste mit Aucher-Eloy den Orient, f 1836. Nach Wittstein, etymolog.-botan. Handwörterbuch .S. 594. Garten-Zeitung 1SS2. j5o -l'- ^Vittlnack: wärts cylindrisch , allmählich schief breit trichterförmig, Abschnitte kurz , länglich , ungleich, der obere grösser, die drei unteren kleiner, an der Basis gefleckt oder zuweilen mit einer vor- gezogenen Schwiele. — Staubgefässe an der Basis des trichterförmigen Theiles der Röhre an der einen Seite eingefügt, einseitswendig, gebogen, zusammenneigend, Fäden fadenförmig, An- theren lineal, an der Basis befestigt. Fruchtknoten 3 fächerig, Ovula in jedem Fache gehäuft, Griffel fadenförmig, mit den Staubfäden gebogen, die drei Narben tragenden Aeste umgekehrt lanzettlich, ganzrandig, sichelförmig. — Kapsel klein, länglich, 3 höckerig, häutig, fachspaltig, 3 klappig, Samen klein, kugelig, Samenschale braun, häutig, Eiweiss hornig. Zwiebel-Gewächse vom Kap (nur i Art im tropischen Afrika). Die Zwiebeln mit häutigen oder faserig-netzigen Hüllen, Blätter gedrängt, lineal, grasartig, lächerförmig, Blüthen in Aehren, die zwei Klappen der Scheide oft klein, länglich, an der Spitze ausgefasert -gezähnelt, zuweilen grösser, ganziandig, lanzettlich. Saum der Rlüthenhülle bleich oder röthlich. De Candolle in Bull. Philom. 1803. 251. — (Baker Journal of Linnean Soc. XVI. p. 167.) Speciescharakter. M. Pottsii Baker Gard. Chron. n. ser. Bd. VIII. S. 424 (1877). Wurzelstock kriechend, fadenförmig, Zwiebel kugelig, Stengel i — i^jzvt hoch, in der obern Hälfte ästig; Blätter 5-6, zweizeilig, glatt, lineal-schwertförmig, ziemlich fest, Rispe sehr locker, ihre Aeste aufsteigende, lockere allseits wendige Aehren bildend; die Klappen der Scheide ganzrandig, oder an der Spitze ausgerandet, unten grün, oben röthlich trockenhäutig, die äussere Klappe lanzettlich, die innere Klappe länglich, die Abschnitte der trichterförmigen rothgelben Blüthenhülle (des Perianths) länglich, stumpf, ziemlich gleich lang, halb so lang als die von der Mitte nn schnell erweiterte Röhre; Geschlechtsorgane eingeschlossen. Syii. Gladiolits Pottsii M^Nab in Hort. Edinb. Diese Pflanze ist, wie schon Baker 1. c. hervorhob, eine der werth- vollsten Bereicherungen, die seit langer Zeit bezügUch harter Cap-Zwiebeln uns geworden. Sie blüht im August und wurde eingeführt von G. H. POTTS zu Lasswade bei Edinburg. — Das Genus Montbretia lässt sich nach Baker populär bezeichnen als diejenige Abtheilung der Iris, welche den Habitus und die kleinen, trockenhäutigen Scheidenblätter der Ixia in Ver- bindung mit dem unregelmässigen trichterförmigen Perianth und den parallelen einseitswendigen Staubgefässen von Gladiolus besitzt. Die vor- liegende Pflanze ist für eine Montbretia ungewöhnlich gross, da sie eine Höhe von i — i '/s ''i erreicht. Die einzelnen Blüthen sind ungefähr eben so gross als die der kurzröhrigen schon bekannten Montbretia-Arten, wie z. B. M. securigera und lineata. In der Farbe erinnern sie am meisten an die von Tritonia (Crocosma) aurea, Bot. Mag. t. 4335; es ist ein glän- zendes dunkles Gelb, auf der Aussenseite mit Roth getönt. Die Montbretia- Blüthen gehören zu den am wenigsten vergänglichen unter den Irideen und da unsere vorliegende Art 4 — 5 allmählich centripetal, d. h. in diesem Pralle von oben nach unten aufblühende Aehren von je 12—20 Blumen trägt, so bleibt sie lange Zeit in Blüthe. M'Nab hat sie glücklich auf seiner Felspartie in PMinburg kultivirt und sie als Gladiolus Pottsii vertheilt. Baker erhielt das Exemplar, nach dem er obige Beschreibung fertigte, von Max Leichtlin in Baden-Baden, der sie dort im freien Lande erzog. — Inzwischen ist sie vom Verein zur Beförderung des Gartenbaus beschafi't und bei Herrn Brandt und Herrn Carl Matiiieu in dem letzten Sommer mit gutem PLrfolge kultivirt worden, und die Berichte beider Herren sind Montl)retia Pottsii Be I6i so günstig, dass Baker's Voraussicht, die Pflanze würde ein populärer Liebling werden, wohl bald in Erfüllung gehen dürfte. Die Zwiebeln sind kugelig und durch ein fadenförmiges Rhizom ver- bunden. Stengel i — i '/.^ on hoch, incl. den Blüthenstand, welcher bis zur halben Höhe herunterreicht. BLätter ungefähr 4 in einer zweizeiligen Rosette an der Basis des Stengels und 2 andere weiter oben, unterhalb der Inflores- Fi£ 55. Monibretia Pottsii Baker. a Knospe, b Grundriss der Blüthe. c Längsschnitt, d Anheftiing der Staubgefässe. e Staub- gefäss. y Griffel, g ein Stück der Narbe, vergr. // Pollen-Tetraden. /Querschnitt, ^Längs- schnitt des Fruchtknotens. cenz, lineal-schwertförmig, massig fest in ihrer Textur, grün, glatt, '/,- — V3 w lang und i V2 — 2 cm breit. Rispe V2 m lang, bestehend aus 3 — 4 seitlichen und einem Endzweige, die unteren gestützt von verkleinerten '/u ;// langen Blättern. Aehren 16 — 24 cm lang, allseitswendig, im aufgeblühten Zustande 6 cm breit, 12 — 20 blüthig. Klappen 7 — 8 mm lang. Frucht- knoten grün, länglich, 4 mm lang, Blüthe 3 cm lang; dunkel glänzend gelb, auf der Aussenseite getuscht mit Ziegelroth, die unter einander ziemlich gleich langen Zipfel halb so lang als die Röhre, letztere an 1 1 * 102 L. Wittmack: Montbretia Pottsii Baker. der Basis cylindrisch, ohne jede Anschwellun^i;, in der Mitte, besonders an der oberen (inneren) Seite plötzlich verbreitert, an der Mündung- fast I on im Durchmesser. Geschlechtswerkzeuge eingeschlossen. Staubgefässe einseitswendig, in halber Höhe der Röhre eingefügt (bei meinem Exemplar unten W.), Staubfäden fadenförmig, glänzend gelb, fast l cm lang; Antheren lineal-länglich. nach Baker an der Basis befestigt (bei meinem Exemplar in der Mitte. L. W.), wie die Staubfäden gefärbt. Griffel herausragend aus der Blüthenhülle mit 3 \ cm langen Aesten , Aeste ganzrandig (bei meinem Exemplar etwas ausgeschnitten. L. W.), an der Spitze keilförmig verbreitert und rund um die äussere Kante papillös. [Die zahlreichen Ovula sind an meinem Exemplar stets in der Mitte der Centralsäule (nicht oben und unten) befestigt (siehe den Längs- schnitt durch den Fruchtknoten). Die Pollenkörner finde ich stets noch zu 4 in Tetraden vereinigt, wie sie durch Theilung aus der Mutterzelle hervorgingen, auch bei den stäubenden Antheren, Tetraden 0,060 mm bis 0,100 mm im Durchmesser, einzelne Pollenkörner kugelig. Beides scheint bisher nicht angegeben. Ob es sich immer so verhält? L. W.] Dracaena Goldieana blühend. Aus Gardener's Chronicle 1882 No. 420. S. 48. von Carl Mathieu, Chailottenbiirg. Cijjeder kennt wohl jetzt das buntgefleckte Blattwerk dieser W'armhaus- pflanze, welche vom westlichen tropischen Afrika an den Botanischen Garten zu Glasgow gesandt und durch William Bull, London, in den Handel gebracht wurde. Bei Einführung dieser Pflanze wurden Zweifel laut, ob dies wirklich eine Dracaene sei. Jetzt hat sie nicht nur in Marseille, im Garten des Dr. IvENOUARD, welcher eine Flugschrift in Folge dessen herausgab, geblüht, sondern auch in der Gärtnerei von W. BuLL, von wo die- beifolgende (aus Gard. Chron. entlehnte) Abbildung genommen wurde, und in der Gärtnerei der General Horticultural Society (JoilN WiLLS), Melbourne Nursery, unter der Pflege von Mr. Bause. Die Blüthe hat jeden Zweifel gehoben und hatte auch BAKER in Bezug auf die systematische Stellung bereits vorher in seiner Monographie der Liliaceae im Journal der Linnean Society Vol. 14, S. 535 von vornherein ihr den richtigen Platz angewiesen. Die zahlreichen Blumen stehen in einer dichten halbkugeligen After- dolde am Plnde des Stammes, untermischt mit breiten sitzenden Deck- blättern, welche nach der Spitze des Blüthenstandes zu immer kleiner werden; bei Dr. RenüUARD werden sie als tief rosa beschrieben, wogegen C. Mathieu: Diacaena Goldieana blühend. 163 sie hier trüb -blass- violettbraun waren. Die einzelnen Blüthen sind etwa einen Zoll oder 3 cm gross, ungefähr bis zur Hälfte der Länge noch cy- lindrisch röhrenförmig und dann in 6 lineale, stumpfe und hohle Abschnitte von trüber blass violettbrauner Farbe ausgehend. Die 6 Staubgcfässe sitzen auf dem Schlünde oder dem obersten Theile der Blumenröhre, und sind mehr oder weniger in den hohlen Abschnitten der l^lüthenhüUe verborgen. Die Staubfäden und der Griffel sind rein weiss, die kleinen länglichen blassgelben Staubbeutel sind an den Staubfäden mit der Mitte ihrer Rück- seite befestiet. l'^S- 3^- Blüthc der Dracacua Goldieana. ca. ';Jj nat. Grösse. Die Bltithe i^^fach, der Pollen loofach vergrössert. Unsere Bemerkung in Bezug auf die Farbe der Blumen ist von der Pflanze genommen, welche durch Herrn WlLLS ausgestellt war, und unter- scheidet sich dieselbe von der des Dr. Renouaru, welcher die Blumen als rein weiss und wohlriechend beschreibt. Nach Dr. Renouard breiten sich die Blüthen am Nachmittage aus, die Abschnitte krümmen sich und die Narbe erhält ihre Reife, bevor die Staubbeutel stäuben , so dass im wilden Zustande die Hülfe von Insekten zur Befruchtung nothwendig ist, was auch Mr. Smitii fand. Ohne Zweifel wird die Pflanze jetzt bald überall blühen, denn es ist eine bis jetzt noch nicht aufgeklärteErscheinung, dass einige Pflanzen, wie diese Dracaene, nachdem sie mehrere Jahre kultivirt worden, ohne zu blühen, plötzlich, an ganz verschiedenen und entfernten Orten zu 164 Bomarea Shuttleworthii Mast. gleicher Zeit zu blühen anfangen. In den Gärtnereien blühte die Pflanze wohl deshalb noch nicht, weil stets ^ie Pflanze der Vermehrung wegen zurückgeschnitten wurde, doch trifi"t dies nicht zu bei den Liebhabern, woselbst die Pflanze im Wüchse kaum gestört wurde. •* Bomarea Shuttleworthii. Mast. n. sp (A m a r y 1 1 i d a c e a e.) ^m Gard. Chron. 1882 n. s. vol. XVII S. 'j6 beschreibt MAXWELL Masters diese neue schöne Art und geben wir mit seiner Erlaubniss die Fig- 37- Bomarea Sliuttleivorlhii Mast. Blumen orange-scharlach und gelb, j^ nat. Grösse. Bomarea Shuttleworthii Mast. 165 betr. Abbildungen hier wieder. — Die Pflanze wurde von Carder eingeführt und bei Shuttleworth, Carder & Co. kultivirt. Sie gehört zu der Sektion mit verzweigtem Blüthenstande und gleich langen Blüthenblättcrn, zu denen ausserdem nach Baker nur noch B. Carderi Mast. (Card. Chron. 1876 n. ser. v. V. 793 Fig.), B. Jacquesiana und B. formosissima zu rechnen sind. Beschreibung. Wurzelstock dick, kriechend, einfache Wurzel- fasern treibend, die in grosse ei- förmige (zur Vermehrung nicht geeignete) Knollen enden. Blätter glatt, breit eiförmig, beiderseits spitz; Trugdolde (cyma) hängend, doldenförmig, verzweigt, gemein- same und einzelne Blüthenstiele ziemlich lang, spreizend; Blumen 2^/2 Zoll engl, lang, trichter- förmig; Abschnitt der Blüthen- hülle (nach Carder's Aquarell) ziemlich gleich lang und gleich gestaltet, länglich, etwas spitz, die 3 äusseren orange-roth, die 3 inneren gelb, alle an der Spitze grün punktirt, Mittelnerv röthlich ; Kapseln i ^/^ Zoll lang, drei- eckig, keulenförmig, an der Spitze gestutzt; Samen von der Grösse einer kleinen Erbse, ziemlich kugelig, schwärzlich, eingedrückt punktirt. In Colum- bien bei Ocana von Carder ent- deckt. Die Knollen sind vielleicht ess- bar, wie Masters vermuthet, da auch die von B. edulis und B. salsilla genossen werden sollen. Nach Carder wühlen die Schweine zehren sie mit Begierde. Fig. 37. Bomarea Shuttlcn'orthii Mast. Knollen, ^j nat. Grösse. sie mit grosser Müht auf und L. W. l66 L. Wittniack: Carl David Bouche und die ältere Bouche'sclie Familie. Von L. WiTTMACK. ^g^in langes, rcichbewegtes Leben ist mit dem Manne erloschen, der viele, viele Jahre dem Königl. Botanischen Garten zu Berlin als Inspektor vorstand, und die grosse Zahl seiner Freunde sehnt sich darnach, noch einmal^ das Buch des Lebens dieses Mannes zu durchblättern und im Geiste noch einmal alle die Perioden mit zu durchleben, die er als Knabe, als Jüngling, als Mann durchlebt. So seien denn die nachstehenden Zeilen gegeben als kurzer Abriss aus BoucilE's Lebensgeschichte, die wir theils mündlichen Mittheilungen desselben, theils seinen eigenen Angaben in der Monatsschrift des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues i88i, S. 331, theils dem an Biographieen so reichen Rümpler'schen Gartenbau-Lexikon, ferner einer kleinen Broschüre: Die alten Firmen Berlins von Max HORWITZ, Berlin 1877, dann der trefflichen Geschichte des Königl. Botanischen Gar- tens zu Berlin von Dr. Urban (im Jahrbuch des Königl. Botanischen Gar- tens und des Botanischen Museums zu Berlin I. 1881), sowie endlich einem nur für die Familie gedruckten Blatte entnehmen, das über die Vor- geschichte uns Auskunft giebt. Dieses letztere Blatt sei zunächst hier mitgetheilt. Wir verdanken es dem Verstorbenen selber, der allerdings, als wir es in der Monatsschrift im Anschluss an seine Autographie abdrucken lassen wollten, uns schrieb : »Das Blatt behandelt nur einen Garten unserer Familie. Lassen Sie diese Angelegenheit vorläufig noch ruhen, bis ich Zeit gewinnen werde, Ihnen ausführlichere Notizen über die Geschichte der Gärten der ganzen Familie BOUCHE geben zu können. Es treten darin so interessante Momente auf, dass sich sogar der Verein für die Geschichte Berlins dafür interessiren würde. Als ein Beispiel führe ich nur an, dass in dem Garten meines Grossonkels, JOHANN BouCHE, welcher das Grundstück Kommandanten- strasse 9 besass, zwei noch jetzt sehr rentable Hyacinthen-Sorten Henri le grand und La jolie blanche aus Samen erzogen sind, und nicht zu Tausen- den, sondern noch mehr, alljährlich nach Holland geschickt wurden. Das gedruckte Blatt Hess mein Onkel Fr. BouCHE zum 9. April 1857 drucken und vertheilte es nur an Freunde und Bekannte; in den öffentlichen Blättern ist es nicht erschienen.« Dies Blatt hat folgenden Inhalt: Der Bouche'sche Garten zu Berlin. Aufgefordert von mehreren Seiten, einige Notizen über den Bouche- schen Garten und über die Familie BOUCIIE mitzutheilen, bemerke ich Folgendes: Es war unter der Regierung eines Mannes, den wir noch immer mit Carl David Boiiche. 167 Verehrung' den grossen Kurfürsten nennen, als die protestantischen Bewohner Frankreich's unter Ludwig XIV. durch Aufhebung des Ediktes von Nantes, 17. Oktober 1685, aus ihrem Vaterlande vertrieben wurden. Unter diesen ihrer Religion Getreuen befand sich auch mein Urgrossvater, David Bouche, ein armer Winzer aus Bonnay an der Loire, Departement Loiret, Bezirk Gien, (Champagne), geboren 1669, der seinen Weinberg ohne Entschädigung verlassen musste. Er fand, wie viele seiner Schicksalsge- nossen, eine gnädige und freundliche Aufnahme im l^randenburgischen ^.^C-^. 2^" und siedelte sich in Berlin an, wo er, fremd der Sprache und Sitten, sich kümmerlich von der Gärtnerei ernährte, bis es ihm gelang, am 9. April 1704 ein Grundsti:ick von vier Morgen in der Lehmgasse, jetzt Blumen- strasse — im WinkeP'-), durch Beihülfe einiger reicherer Landsleute für den Preis von 1200 Thalern zu erstehen; hier trieb er besonders Obst- und Gemüsebau, bis der Tod ihn 1727 abrief. *) Der Stelle des jetzigen Residenztheaters, ehedem die ^ grüne Neune« genannt. l68 L. VVittmack: Von dieser Zeit ab ging der Garten an den Sohn des Verstorbenen PiKRRK David Bouciie, 1703*) geboren, über; derselbe kaufte noch ein bedeutendes Stück Garten von 3^- Morgen für den l'reis von 800 Thalern hinzu, von dem ehemaligen Markgräflichen Garten; er führte mit einigem Glück die Gärtnerei in derselben Weise fort, hatte aber mit Noth und Mangel mancherlei Art zu kämpfen, indem er eine starke Familie — es wurden ihm aclitzehn Kinder geboren — zu ernähren hatte. Gewiss war er einer der ersten Gärtner, welche in Berlin die Blumen- und Obsttreiberei einführten. Kr starb 1784. Im Jahre 1781 übernahm mein Vater, der jüngste Sohn des PlERRE Bouciie, Jean David, 1747 geboren, das Geschäft. Es gelang ihm, unter günstigen Verhältnissen die Blumenzucht emporzubringen. Er erbaute eine Reihe Treibhäuser von beinahe 400 Fuss Länge und richtete einige derselben zur Aufnahme von Kaffeegästen ein, die hier im Winter unter Blumen ihren Kaffee tranken. Die damalige Neuheit des Blumengartens zog viele l^ewohner Berlin's an und die höchsten Herrschaften beehrten denselben mit ihrem Besuche. Die hochseligen Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm IIT. haben oftmals ein Dejeuner in den Treibhäusern eingenommen. Auch Se. Majestät der jetzt regierende König erzeigten dem Garten oft die Gnade Ihres Besuches. Diesen Umständen verdankt grösstentheils der Garten sein Emporkommen und seine Erhaltung, denn es wurden dadurch viele Besucher angelockt. Mein Vater wurde mir 18 19 durch den Tod entrissen, er hatte mir das Geschäft bereits 181 2 übergeben, welches ich mit abwechselndem Glücke fortgeführt. Mein Bestreben war immer, den Garten nicht allein zu erhalten, sondern auch zu verschönern; ob es mir gelungen, mögen meine Zeitgenossen entscheiden; es war stets mein Bemühen, ein getreuer und gehorsamer Unterthan zu sein und soweit möglich, der Kunst und Wissenschaft zu nutzen und das Menschenwohl zu fördern. Seit 1845 ist mein Sohn (ebenfalls Peter Friedrich genannt) bemüht, das Werk thätig fortzuführen, es scheint ihm wohl zu gelingen, denn er hat schon manche Verschönerung angebracht. So möge denn das Werk noch lange bestehen und blühen!**) F. Bouciie sen. Der in diesem Bericht erwähnte Jean David Bouciie, geb. 1747, ist als der Erste zu bezeichnen, der die BhtmeuzivicbcIziicJtt in Berlin einführte, daneben trieb er die Zucht von Ananas, Obst, Wein und Gemüse im Freien und in Mistbeeten, sowie besonders von Primeln, Nelken und Rosen, von letzteren besonders Rosa centifolia und Rosa bifera zum Treiben. Gross- *) Nach des Inspektors Carl Bouciik Angaben 1709 (siehe Monatsschrift 1881, S. 333). **) Im Jahre 1863 wurde das Grundstück verkauft, weil die Wallncrtheaterstrasse liier durch- gclegt wurde. Petkr Friedrich Bouchk junior, geb. 1820, starb 1876. Carl David Bouche. 169 artiges leistete er auch in der Kultur von hochstämmigen Pelargonien, Lantanen , Hibiscus und Spartium junceum etc. Er führte die Hortensia und Rosa semperflorens ein, trieb Blüthensträucher wie Syringa persica, Granaten, Schneeball, Philadelphus, gefüllte Mandeln und Kirschen, Veilchen, Rosen etc. Da ist es erklärlich, dass seine Gewächshäuser der Sammel- platz der vornehmen Welt waren, dass man gern zu BouCHE im Winter zum Kafifeetrinken ging und dass die Redensart entstehen konnte ^Ihm ist so wohl wie Excellenz bei BouCHE.« Der Schreiber obiger Zeilen, Peter FRIEDRICH BouCHE, nebenbei ein tüchtiger P2ntomolog, war mit seinem älteren Bruder Peter Carl anfangs associirt, und führten beide wichtige Pflanzen ein: Nerium Oleander splendens, Ficus elastica, Camellia japonica, Azalea indica u. s. w. ; Peter Carl, ein fleissiger Botaniker, trennte sich von ihm aber 1827 und wurde Instituts- gärtner bei der Königl. Gärtnerlehranstalt in Schöneberg (f 1855). P> ii^t der Vater des Garten-Inspektor BouCHE und war einer der 7 Männer, die 1822 den Verein z. Bef. d. Gartenbaues gründeten. Der dritte Bruder und zwar der älteste, Carl David Bouche, geb. 1782, kaufte sich 18 10 ein Grundstück neben dem seines Vaters, siedelte nach 1 5 Jahren aber nach der Blumenstrasse 70 über, wo sein Sohn JoHANN David das Geschäft noch betreibt. Unser Carl David Bouche wurde geboren am 4. Juni 1809 zu Berlin, Alte Jacobstrasse 3 — 4, jetzt 18 — 19. Nachdem er das Gymnasium zum grauen Kloster 1823 verlassen, trat er am 17. April desselben Jahres bei seinem Vater und seinem Onkel, die damals noch das Grundstück ge- meinsam besassen, in die Lehre (3 Jahre) und blieb daselbst bis 1831. Während dieser Zeit hatte er Gelegenheit, sich vom Vater in der Botanik, vom Onkel in der Entomologie unterweisen zu lassen. Am i. Juli 1831 trat er unter dem Gartendirektor Otto als Gehülfe in den botanischen Garten ein, bereicherte hier seine Kenntnisse in Bezug auf botanische Pflanzen ausserordentlich und machte im Januar 1835 das Obergehülfen Examen, wobei er das Zeugniss No. I. mit »vorzüglich bestanden« erhielt. Hier machte er auch die Bekanntschaft vieler Botaniker, wie KuNTH, Chamisso, Klotzsch, Walpers und Link; PiiiLirri, Lessing, Bauer, Regel waren z. Th. seine Jugendfreunde. WiLLDENOW, SciILECllTENDAHL, Schultz-Schultzenstein, Hayne etc. waren P^reunde seines Vaters. Am 30. Juni 1839 (nach Urban 1837) verliess BOUCIIE den botanischen Garten, da er vom General -Gartendirektor Lenne als Kultivateur der Palmen nach der Pfaueninsel berufen wurde; bald wurde er hier Königlicher Obergehülfe unter seinem langjährigen Freunde, dem Hofgärtner GUSTAV Fintelmann. Von der Pfaueninsel ward er aber schon 1843 provisorisch als Leiter des Königl. botanischen Gartens nach Berlin berufen und trat diese Stelle am 9. Oktober desselben Jahres an. Im Mai 1844 wurde er definitiv als Inspektor angestellt. Der grossen Unordnung, die leider unter seinem Vorgänger Otto in den letzten Jahren eingerissen war, zu steuern, I/o L. Wittmack: war die erste Aufgabe BouCHE's. Er entfernte 1400 überflüssige Pflanzen, vereinigte die verwandten, soweit es die Kultur erlaubte, in demselben Hause und fertigte unter KUNTII einen General-Catalog an, der (1846) 1 4061 Arten (1878 ca. 17000 Arten, und ca. 1 000 Varietäten, Hybriden etc.) ergab, eine Zahl, die den l^eriiner botanischen Garten damals als den reichsten in ganz Europa hinstellte. — Weit mehr Arbeit aber verursachte der Bau neuer Gewächshäuser. Diese umfassten nur 1585^;;/ und standen weit hinter denen anderer Gärten, auch in Bezug auf Konstruction zurück. Es wurden drei neue Warmhäuser erbaut und mehrere andere umgeändert. Bereits damals Hess BOUCHE eiserne Fensterrahmen anbringen und hat er diese bis an sein Lebensende für die besten erachtet, obwohl bekanntlich gar vieles sich gegen dieselben einwenden lässt. Dagegen soll er kurz vor seinem Tode eine andere Ansicht, dass nämlich halbweisses Glas besser sei als ganz weisses aufgegeben haben. Ausserdem schuf er eine neue Kulturstätte für die Freilandpflanzen, indem er eine sandige Fläche durch Rajolen und Auffahren von Lehm für den Anbau der ein- und zweijährigen Gewächse vorbereitete; er pflanzte die Gehölzgruppen zusammen, legte Beete für Crassulacecn etc. an, führte die Zinketiquctten ein, und brachte von seinen Reisen nach anderen bo- tanischen Gärten viele werthvolle Pflanzen mit, resp. tauschte er solche ein. Im Jahre 1852 wurde das Victoriahaus errichtet, die Hauptaufgabe wurde aber bald der Bau eines neuen Palmen hauses und die Erweiterung des Gartens. Das 1829 erbaute (zweite) Palmenhaus war so baufällig ge- worden, dass es 1853 gestützt werden musste, da Balken und Sj^arren vom Schwamm zerstört waren, der selbst an den Stämmen der Palmen in die Höhe stieg. Um ein geeignetes Terrain für ein neues Palmenhaus zu ge- winnen, musste ein Stück Land (ca. 4} Jui) unter sehr schwierigen Um- ständen hinzugekauft werden, und 1857 gegen Ende des Sommers ward der Grund zu dem neuen Palmenhause gelegt. Dass dieses Ende September 1858 vollendete Gebäude noch bis heute vorzüglich sich bewährt, verdankt man sicherlich nicht zum Wenigsten der Mitwirkung Bouche's bei dem Baue. Der übrige Theil des neuen Terrains ward grösstentheils zum Arboretum eingerichtet, das 1 860 890 Arten zählte, und ausserdem wurden 2\ a dem Verein z. Bef. d. Gartenbaues zum Versuchsstück auf Widerruf eingeräumt. Wegen des Baues des neuen botanischen Museums wurde dem Verein dies Terrain am i. April 1878 wieder entzogen. BoucilE war inzwischen mit dem Bau eines neuen Orchideen- und eines neuen Farnhauses beschäftigt. P>steres entstand bereits 1863, letzteres aber, obwohl im Zusammenhange mit ihm projektirt, erst 1875. Mehrere dieser Neubauten werden in BoucilE's noch nicht erschienenem Werke über Gewächshauskonstruktion abgebildet werden. ]jis in die letzten Jahre hinein hielt BouCIIE selber früh 6 Uhr den Appell ab und war bis in die späte Abendstunde im Garten thätig; dann erst betjann er seine amtlichen Schriftstücke zu fertieen und schliesslich Carl David Bouche. j 7 j noch die literarische Seite zu pflegen. Zahh'eiche Aufsätze und kleinere Mittheilungen, namentlich in den Verhandlungen des Vereins z. Bef. d. G. und der Gesellschaft naturforsch. Freunde legen davon Zeugniss ab; mit Braun zusammen veröffentlichte er auch viele neue Arten in dem Anhange zum Samenkataloge. Daneben ertheilte er während des Winters allwöchentlich den Gehülfen und Lehrlingen Vorlesungen über Gärtnerei; wirkte auch seit ca. 1865 am landwirthschaftlichen Institut (jetzt landwirthschaftliche Hochschule) als Lehrer für Gartenbau und ward endlich für die weitesten Kreise ein Lehrer durch seine zahlreichen Mittheilungen in den gärtnerischen Vereinen und im Garten selber. Ein ganz ausserordentliches Gedächtniss für Pflanzennamen und z. Th. mit in Folge dessen eine staunenswerthe Pflanzenkenntniss zeichnete EouciIE ganz besonders aus; ausserdem war er ein Meister in der Zucht der Neu- holländer- und Cappflanzen, der Nymphäaceen und deren Hybridisation etc. Dabei war er mittheilsam nach jeder Richtung hin, obwohl es oft scheinen mochte, als wenn er sich von seinen lieb gewonnenen Pflanzen nicht trennen könne. Gern erzählte er auch von seinen Vor- fahren und wusste genau anzugeben, wie sein Vater, Onkel, Grossvater und Grossonkel es getrieben. An Ehrenbezeugungen hat es BouCHE nicht gefehlt, im Jahre 1868 erhielt er den rothen Adlerorden 4. Klasse, 1869 den russischen Stanislausorden 3. Klasse, 1873 wurde er Ehrenmitglied des Vereins z. Bef. d. Gartenbaues, dem er seit 1843 angehört. Ausserdem war er Ehren- resp. corresp. Mitglied vieler anderer Vereine. Im Jahre 1879 erhielt er vom Ver. z. Bef. d. G. die höchste Auszeichnung: die Vereins- medaille mit dem Motto »für Förderung der Zwecke des Vereins durch allgemeine P'örderung des Gartenbaues«. Endlich am i. Juli 1881 wurden ihm zur Erinnerung an den Tag, an welchem er vor 50 Jahren als Gehülfe in den botanischen Garten eingetreten, von allen Seiten Ovationen darge- bracht. (Siehe Monatsschr. d. V. z. B. d. G. 1881, S. 333). Nicht lange mehr sollte der so Gefeierte noch seiner Kunst sich widmen; ein altes Lei- den, nach den Aussprüchen des Arztes eine Magen -Verletzung, die er sich durch den Stoss an einer Baumwurzel zugezogen, kehrte, nachdem er im Spätsommer noch eine kleine Reise gemacht, wieder und machte seinem thatenreichen Leben nach kurzem Krankenlager am 27. September 1881 ein Ende. 1^2 1"h. Wenzig: Ueber die WicMigkeit des Artbegriffes in der Dendrologie. Tu. Wenzig, Berlin. ^l^in Hauptschmuck unserer Gärten, Anlagen und Parks sind Sträucher und Bäume, der Gegenstand der Dendrologie. Durch die zahlreichen Ein- führungen der Arten aus China, Japan, Sibirien, dem Amurgebiet, dem Kaukasus, Nordamerika (oft schon seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts) bieten unsere Gehölzgruppen den heutigen schönen Anblick dar. Je weiter der Kreis der Neueinführungen wird, desto dringender er- scheint die Nothwendigkeit der Feststellung der Arten. Auf der Kennt- niss der Art beruht die Dendrologie. Die fortschreitende Erkenntniss der Thätigkeit der Thierwelt bei der Befruchtung der Pflanzen macht die Resultate der Aussaaten (Irrthümer nicht ausgeschlossen) weniger ent- scheidend, aber die Kenntniss der Art in ihrem ganzen Umfange zur Bedingung. Den Begriff der Art, seit der Lehre der Descendenztheorie Darwin's von manchen Seiten angefochten und doch bei der Bewältigung und Ordnung der Naturerscheinungen unentbehrlich, scheint mir SCHLEIDEX in seinem »Meer« (1874, 2. Auflage S. 143) vorzüglich zu definiren: sEs steht ganz fest, dass in der Geschichte unserer Erde die Formen der Organismen wechseln. Gewiss ist, dass streng genommen jedes Individuum seine ihm eigenthümliche Form besitzt, wodurch es sich von anderen unterscheidet. Individuen, die nur wenig, wie wir es zu nennen pflegen, in »unwesentlichen Dingen^: von einander abAveichen, wie etwa ein Wein- stock von einem andern, ein Sperling vom andern, bei denen sich also eine gewisse, gleichsam mittlere Grundform immer wiederholt, zählen wir, wenn diese Grundformi in einer längeren, von Menschen zu übersehenden Zeit sich scheinbar gleich bleibt, zu einer Art, species, und nennen jene, eigentlich nur ideale Grundform, in der wir die gemeinsamen Merkmale jener Individuen vereinigt haben, einen Artbegriff. Arten sind also Individuengruppen, deren gemeinsame Form relativ (für eine kürzere Zeit) constant erscheint, absolut (für die Geschichte der Erde) aber durchaus veränderlich ist. < In einem in der Linnaca veröfl"entlichten grösseren Aufsatze über Mespilits und einige nordamerikanische Arten, veranlasst durch die neueren Auflagen von ASA Gr.W, Manual of Botany, habe ich ausgesprochen, dass nicht ein einzelner Charakter zur Bezeichnung einer Art genüge, sondern das Gesammtbild von unterscheidenden Charakteren, wie Torrey und AsA Gray in P^lora of North America bei den nordamerikanischen Arten von Ueber die Wichtigkeit des Artbegriffes in der Dendrologie. Ijß MespÜHS (Crataegus) dies ausgeführt haben, dann lassen sich die wild- wachsenden oder in der Gartenkultur entstandenen h'ormen leicht einordnen, die Arten selbst unterscheiden. Wie sehr die Art sich ändert, variirt, dafür zeugen die einblättrige Form der sonst gefiederten Blätter bei Fraximis excehior , Robinia Pseud- acacia, die zerschlitzten Blätter von Fagus silvatica, Betula alba, Corylus Avellana, Tilia iiluiifoUa, Juglans ngia, die schmalblättrige Form (salici- folia) der Blätter von Laurns nobilis, Rapliiolepis iiidica, Citrus Aurautium, a aviara Link, Qucrcus rubra L., aber auch die breiteren in der Form ab- weichenden Blätter der untersten Zweige an älteren Stämmen von Qucrcus palustris und rubra, das Verschwinden der Behaarung an Zweigen, Blättern, Blüthenstielen und Kelchen durch tiefen Schatten oder grosse Feuchtigkeit der Vegetationsperiode etc. Ein zehnjähriges Studium der Arten aus der Familie der Pouiacccn hat mir gezeigt, dass durch die Gartenkultur, durch Veränderung des Standortes (von trockner Bergspitze in den Humusboden des Tieflandes z. B. Cotoneaster zmlgaris LindL, Sorbus Chamaeinespilus), durch heisse oder feuchte Sommer, durch Versetzen aus hellem Sonnenlicht in dichten Baumschatten, durch das Stutzen und Kappen älterer Zweige und Aeste (Mespilus Cr US Galli, M. nigra, M. sanguiuca, M. unißora) wundersame Wandlungen im Habitus, in der Form der Blätter hervorgerufen werden können. Die verschieden gestalteten Blätter der Sommerreiser, geiler Triebe, dienen zuweilen zur leichten Erkennung der Art (Malus Toringo V. Sicbold) und der Eltern bei Hybriden. Von grossem Interesse war es für mich, den Einfluss der Oertlichkeit meiner drei speziellen Beobachtungsorte: des Königl. botanischen Gartens zu Berlin, der Königl. Landesbaumschule in Alt-Geltow bei Werder und der Pfaueninsel bei Potsdam auf I^äume und Sträucher zu beobachten. In dem botanischen Garten ist oft eine beschränkte PLntwickelung der Bäume und Sträucher in Bezug aut Blüthen- und Fruchtbildung zu bemerken, be- dingt theils durch die fortschreitende Bebauung der Umgegend durch Häuser, theils durch die grosse Fülle der zu kultivirenden Arten. Die Landesbaumschule zeigt die volle charakteristische Entwickelung bei den Musterexemplaren, denen das reichlichste Licht und Spielraum zur Aus- breitung gegeben; das meist hochgelegene, wellige Terrain mit den nicht fernen kleinen Bergen und den grossen Wasserflächen (der breiten Havel und dem Schwielowsee), der hierdurch bedingte Boden und die Luft machen Alt-Geltow wohl zu dem günstigsten Punkt für eine solche Anlage. Die Pfaueninsel bringt viele schöne Erscheinungen, begünstigt durch ihr Insular- klima in Folge der Nähe ebenfalls grosser Wasserflächen; abweichend von unserem Breitengrad überwintert hier manche Art, ohne oder mit geringer Bedeckung, leichter im P^-eien. Die Poviaceen erfordern zur vollen Entwickelung, zur Blüthen- und P^ruchtbildung, das ungeschmälerte Sonnenlicht. ^74 'ih. Wenzie: Man begründet meist mit Recht die Feststellung der Geschlechter und Arten auf die I'rucht. Aber wie lange Zeit des Wachsthumes be- dürfen die Bäume, um Früchte zu bringen; oft setzen die Blüthen keine Früchte an, oft zerstören die Raupen, die Feinde der Pflanzenwelt, die sich bilden wollende Frucht, und die Jahre reich an Früchten folgen nur in gewissen Zwischenräumen, wenigstens in unserem Klima. Daher er- scheint es wünschenswert!!, bei der Frkennung der Art auch andere Cha- raktere (an Blättern, Knospen u. s. w.) zu Hülfe nehmen zu können. Zur Feststellung von Art, Form, Hybride, habe ich es für nöthig er- achtet, Blüthenzweige und Zweige mit völlig ausgebildeten Blättern nebst Früchten, auch Sommertriebe von demselben Strauche oder Baume in verschiedenen Jahren einzusammeln und zu trocknen. Je mehr man dabei bemüht ist, recht charakteristische Exemplare zu erlangen, desto lehrreicher wird das Resultat, auch zur Anschauung für andere Augen, als die eignen. Hat das Geschlecht (genus) nur eine Art und ist diese unabänderlich durch den Einfluss der Kultur oder durch den Standort, so hat die Be- stimmung, Charakterisirung keine Schwierigkeit. Diese beginnt mit der Veränderlichkeit durch Kultur und Ort, dann kommen die Gartennamen, die Bezeichnungen einzelner Beobachter. Die Schwierigkeiten steigern sich durch die Hybridität, die Bastardirung mit einer anderen Art, durch das Hinzukommen neuer Arten oder durch den Reichthum an Arten in einem Geschlecht. Eine andere Schwierigkeit entsteht, wenn sich die Beschreibung der Form des Blattes, Blattrandes oder der Frucht nicht auf genaue Messung stützt, welche jede Willkür in der Bezeichnung ausschliesst. Die älteren dendrologischen Werke geben meist nur dürftige Diagnosen, es giebt rühmliche Ausnahmen, z. B. SPACH, Histoire naturelle des vegetaux. In Folge meiner oben schon erwähnten neuen Arbeit über Mespilus (in der Linnaea) habe ich wieder grössere Umschau in der Fachliteratur ge- halten und gefunden, dass J. C. LouDON, Arboretum et fruticetum bri- tannicum (London 1838) gross 8., ein ganz vorzügliches, nicht genug zu empfehlendes Werk über Dendrologie ist. Die Zeichnungen sind wahr und charakteristisch, sie geben das Mittel, die Art leicht zu erkennen oder in das Gedächtniss wieder zurückzurufen. Die Originalexemplare der Autoren können bei schA\-ierigen Arten, z. B. Mespilus (Crataegus') wegen ihrer Unvollkommenheit nicht immer genügen oder fehlen, so dass nur bei unzweifelhaft festgestellter Identität nach meinem Dafürhalten die Synoymie von Werth ist. In neuerer Zeit ist ein Werk erschienen, welches durch seinen Reich- thum an Notizen und wissenschaftlichen Forschungen das g-rösste Interesse erregt und verdient, ich meine die in den Jahren 1869 — 1873 in 2 Bänden erschienene Dendrologie von dem Professor Kar[. Koch. Aber von so hohem Interesse es für den Bearbeiter einzelner Pflanzengruppen ist, be- sonders in denen, die K. Kocil mit grossem Eifer öfter bearbeitet hat, Ueber die Wichtigkeit des Artbegriffes in der Dendrologie. j 7 c wie Mespilus, so wenig ist es geeignet dem, der nur eine Art bestimmen will, dies zu erleichtern. Dies rührt daher, dass K. Kocii immer originell oder original sein wollte, das heisst sich von den Arbeiten anderer Forscher zu emancipiren suchte. Wenn man diese zu Hülfe nimmt, welche Gestalt gewinnen dann die Arten nach K. KoCH's Dendrologie? Hiervon habe ich mich bei meiner Arbeit über die Pomacceii überzeugt, besonders bei Mespilus, bei dessen nordamerikanischen Arten ich mich an die unbestrittene Auto- rität von Professor Dr. ASA Gray, des ersten botanischen Systematikers Nordamerikas, wandte. Ein Beispiel sei mir gestattet. AsA Gray sagt in der Flora of North America von TORREY und ASA Gray (1840) Vol. I, p. 464: Crataegus sanguiuea (Pallas) ß, Douglasii. Dornen kurz und stark, Früchte klein, dunkelpurpurn, saftig und süss (beide ktzteren Eigenschaften ein Charakter von Crataegus sanguiuea Pallas Ug). Kleiner I^aum mit röthlichen Zweigen. Die Oregou-Vüanze (von Douglas dort gefunden) stimmt mit unseren Exemplaren von Crat. sanguiuea Pallas vom Altai, Sibirien, gut überein. Sie scheint sattsam unterschieden von Crataegus coccinea. — K. Koch stellt Crat. sanguiuea ß, Douglasii T. et. Gr. — »häufiger 20 als 10 Staubgefässe X K. KoC'll — nicht zu Crat. sanguiuea Pallas, der bei ihm in der sechsten Gruppe : Aechte Dornen der alten Welt Icosandrae (mit 20 Staubgefässen) steht, sondern als Folge der unglücklichen Ein- theilung der Arten, in die der alten und neuen Welt, in die fünfte Gruppe Hahndorne, Subdecandrae mit 10, selten 15 oder 20 Staubgefässen. In diese Gruppe gehören ausser Jllespilus Crus Galli und dessen Formen, hier Arten: AI. pruuifolia und M. salicifoUa mit linearis, aber auch Mesp. coccinea (»meist mit 20 Staubgefässen« K. Kocii) und dessen Formen, hier Arten: M. rotundifolia, viridis, flabellata. Bei K. KoCH steht die Crat. sanguiuea ß, Douglasii zwischen Mesp. Crus Galli und M. cocchiea, fern von Mesp. sanguinea Pallas. K. KoCH sagt aber auch Mesp. sanguiuea T. et Gr. und bemerkt von der Farbe der Früchte »schön roth«, ebenso wie bei Mesp. rotundifolia Mönch, dessen Früchte in der Farbe den Früchten von Mesp. coccinea gleichkommen. K. KoCH will auch Crataegus vuicracantlia Loddiges (grossdornige) als Form hierher führen. Ein allen Aussprüchen AsA Gray's genügendes Exemplar von Cra- taegus sanguinea ß, Doiiglasii habe ich im Friedrichshain (Berlin) gesehen, von dort Blüthen- und Fruchtzweige zum Einlegen und Trocknen em- pfangen. Im Berliner Herbarium liegt ein Originalexemplar, von Dr. LVALL 1861 am Pseud Oreille River (Oregon Boundary Commission) gesammelt. Ein Beispiel, wie vorsichtig man die von K. KoCH gebrauchten Synonyme aufzunehmen hat, ist Folgendes. In der Dendrologie I p. 216 heisst es N. 12: Pirus nivalis Jacq. fl. Austr. II, 4, t. 107 (1774) ^ /' connnunis L. ß. Achras Wallroth sched. crit. 213 (1822). In dem Kgl. Berliner Herbarium liegt ein Originalexemplar mit Original- Garten-Zaituug 1882. 12 170 Th. Wenzig: Handschrift von Wa LI, ROTH: Pirus connmniis ß, Achras aus Thüringen, so wie sehr schöne Exemplare von Firns nivalis aus der Gegend um Wien; ein Zweifel an der Verschiedenlieit der beiden Arten ist nicht möghch, schon bei dem flüchtigsten Anbhck. Wie sehr aber dennoch wieder K. Kc)Cii in anderer Weise zu respek- tiren, zeigt seine scliarfsinnige Vertheidigung der Einigung der beiden Gattungen Mespilns und Crataegus zu Mcspilus. Darüber sei mir das Nach- stehende zu sagen gestattet: Wenn Professor Dr. W. Damel Jdseph Kocii in seiner berühmten Synopsis florae Germaniae et Helveticae (2. Ausgabe, 1843, p. 259) mit Rücksicht auf unsere Mcspilus germanica, Crataegus nionogyna und Cr. Oxyacantha den Trennungscharakter für Mespilus in der über die Ober- fläche der Fruchtkarpellen ausgebreiteten Scheibe (discus) annimmt, so wird dieser Charakter schon hinfällig bei der auch von ihm angeführten Cratae- gus Azarolus. In der deutschen Dendrologie*) von Herrn W^ LAUCHE, die durch die Unterstützung der Herrn Professoren ElCHLER und WiTTMACK, durch trefi"liche Abbildungen eine sehr beachtenswerthe literarische Erscheinung ist, in welcher leider bei den Arten den Aussprüchen K. KoCH's Folge geleistet wird, ist gegen die Ansicht K. KoCH's Mespilus wieder in Mespilus und Crataegus getrennt werden. Nun zeigt sich eine merkwürdige Erscheinung. Den Trennungs- charakteren von Mespilus treten die angeführten Crataegus- Arten entgegen. Bei Mespilus (p. 566) wird als Charaktere angegeben: »Blüthen einzeln«, dies findet sich aber auch bei Crataegus uniflora MüncJüi. p. 571. »Blüthenachse kreiseiförmig«, auch bei Crat. grandiflora K. Koch, p. 569. »Kelchtheile laubartig«, auch bei Crat. unißora Münchh., sehr stark aber bei Mespil. cuncata v. SiEPJ. u. Zucc, wie ich 1879 im botanischen Garten beobachtete, abweichend von dem Originalexemplar im Münchener Herbarium (gesammelt von BuERGER, aus dem Leydener Herbarium). »Früchte fünf«, auch bei Crat. pentagyna Kit. p. 575. »Schein- frucht von einer tellerförmigen Scheibe gekrönt, die so breit, als ihr Durchmesser ist«. Messungen Ende September 1881 (an Früchten aus der Landesbaumschule) haben mir hex JMesp. germanica folgende Zahlen gegeben: Durchmesser der Frucht: 0,032 ;//, 0,031, 0,029 / 0,028 » >- Scheibe: 0,018, 0,017, 0,016 l 0,017, o,oi6, 0,013 am 6. October 1881 an Früchten von der Pfaueninsel: Frucht: 0,039 0,037 ^^ 0,035 0,033 ^ (0,033 0,030 0,028 Scheibe: 0,023 ' 0,020' 0,020' 0^19' 0,017''"^'^ \ 0,01 5 ' äoT6 ' o,öT3 Prüchte von Mespilus monogyna (kleine Bäume im botanischen Garten, Berlin) gaben am 9. November 1881 Durchmesser der P^rucht 0,009, der Scheibe 0,004 ^>i- *) E)eutsche Dendrologie. Systematische Uebersicht, Beschreibung. Kulturanwtisung und Verwendung der iD Deutschland ohne oder mit Decke aushaitenden Gehölze. Mit üüS Holzschnitten nach Zeichnungen des Verfassers. Berlin, Paul Parey. 1880. Preis 20 Mk. Gebunden 22 Mk. 60 Pf. Ueber die Wichtigkeit des Artbegriffes in der Dendrologie. jyj Seringe in De CandoUe Prodromus II, p. 633, fügt wenigstens Mesp. grandiflora Sviith der M. germanica hinzu. Bei den Früchten der in England kultivirten Mcspilits mexicana tritt die Grosse der Scheibe von Mespilns, bei denen der auf dürrer Hochfläche in Mexico wildgewachsenen Exemplare die Grösse der Scheibe von Crataegus auf; derselbe Fall bei Mespilns Azarolns kultivirt und Mesp. Aronia die wildwachsende Form. Die übrigen Mespili zeigen Uebergänge in Betreff der Grösse der Scheibe. Aber auch der von mir zur Trennung angedeutete mögliche Charakter: eine Braktee an der Basis des Blüthenkelches wird in nassen Jahren durch Auftreten von noch ein Paar Brakteen in der Nähe des Kelches bedenklich. Da Plerr W. LAUCHE auf der ersten Seite der Vorrede sagt, dass er »für jede Belehrung oder Berichtigung (der Zeichnungen) sehr dankbar sein werde«, erlaube ich mir aufmerksam zu machen, dass •» Cotoneaster nigra Walilenbergv- p. 579 nicht die in Norwegen, Schweden, Sibirien ge- wöhnliche Form darstellt, sondern mehr die Gartenform: Cot. laxiflora Jacqnin fii, die aber auch im Donaugebiet Ungarns, laut Exemplaren in dem Herbarium des Herrn Professor Kerner in Wien, vorkömmt. Der Autor von Cot. nigra ist Pehr FRIEDRICH Wahlberg, nicht Wahlenberg, wie wohl durch einen Schreibfehler schon bei K. KoCH angegeben ist. Ferner stellt die Zeichnung ■>-> AnielancJiier vulgaris Mönch« (p. 583), den Aniel. ovalis Seringe in DC. Prodromus = Firns ovalis Willd. = A. canadensis y., rotnndifolia T. et. Gr., einen in Gärten häufigen Strauch dar. Amc- lanchier vnlgaris MncJi. = A. rotnndifolia K. Koch, Crataegus rotnndifolia Lamarck kommt, wie K. KoCH sehr richtig bemerkt, selten in Gärten vor, dagegen auf Bergen und Felsen Mittel- und Südeuropas, gdes Kaukasus. Nur zur Blüthezeit anmuthig, zeigt der Strauch später wenige Blätter an kahlen Stengeln. Seit dem Erscheinen der Dendrologie von KoCH haben wir zwei neue sehr fördernde Arbeiten zu verzeichnen. Die Gattung Rnbns ist von Dr. FoCKE in Bremen, die Gattung Rosa von Prof CRePiN in Brüssel be- arbeitet worden. Die Monographien über die Coniferen von Pariatore und über die Gattung Qnercns von Alphons Decandolle sind trotz grossem Fleiss und Wissenschaftlichkeit wohl nicht der Abschluss der behandelten Thema. Dass aber K.KoCH hQxSalix den mustergültigen Monographen dieser Gattung, den Schweden ANDERSON nicht als entscheidende Autorität gelten lässt, ist zu beklagen. Wer aber auch immer unternehmen will, auf Grund fremder tüchtiger Vorarbeiten, von denen wohl manche, z. B. über Spiraea, noch zu erwarten ist, eine erschöpfende Dendrologie zu schreiben, der möge nicht versäumen, bei K. Koch nachzusehen, dem wie nicht leicht einem zweiten vergönnt war, durch ein langes Leben und Studium, durch die Kenntniss der ni- und ausländischen Kulturorte: Pflanzen- und Baumschulen und durch die Freundschaft der Leiter dieser Institute begünstigt, einen grossen Schatz von Wissen zu erwerben. 178 Oscar Drude: Bemerkungen zur Nomenclatur und Kulturfähigkeit der in Haage & Schmidt's Pflanzen- Verzeichniss für 1882 empfohlenen Palmen. Von Professor OsC'yVR Drude, Direktor des l)otanischen Gartens in Dresden. ^JS/er soeben ausgegebene diesjährige Katalog der in Warmhaus- pflanzen am meisten renommirten Gärtnerei, den ich als Maasstab für das im deutschen Pflanzenhandel an Palmen augenblicklich zumeist Vorhandene ansehe, und dessen Benennungen sich weit verbreiten, giebt mir zu den nachfolgenden Bemerkungen Veranlassung. Dieselben sollen dazu beitragen, wenigstens einige der vielen Abweichungen von der wissenschaftlich- botanischen Benennung und einige fehlerhafte Namen zu beseitigen; denn es lässt sich nicht läugnen, dass in der Benennung der jetzt so sehr be- liebten Kulturpalmen unserer Gewächshäuser sehr viele Fehler in botanischen wie Handelsgärten zu finden sind. Zweitens aber sollen diese Bemerkungen für diejenigen, welche sich selbst eine Auswahl der ausgebotenen schönen Pflanzen machen wollen, Plinweise über die grössere oder geringere Schwierigkeit der Kultur, sowie über den von den einzelnen Arten in den Gewächshäusern zu erzielenden Efi"ekt enthalten; denn ich gehe von der Ansicht aus, dass man, abgesehen von der relativen Schönheit, solche Palmen sich auswählen soll, welche Aussicht auf Erfolg in der Kultur versprechen und in ihr womöglich zu einer gewissen Vollkommenheit gelangen können. Dass z. B. Chamaerops humilis, excelsa und das Heer der Chamaedoreen (s. ein junges Exemplar einer der beliebtesten Arten Fig. 39) in der Kultur seit lange bevorzugt wird, liegt wohl mit Recht auch darin begründet, dass diese Pflanzen sich in massig hohen und mittelmässig ausgerüsteten Gewächshäusern kultiviren lassen, dass sie bei normalem Wüchse blühen und sogar P^rüchte reifen können. Die dekorativen Blätter vieler anderer grösserer Palmen sind zwar nicht zu entbehren, und können ja auch aus dem Grunde, dass die hohen Palmbäume viele Jahre hindurch stammlos bleiben, sofern die betreff"ende Art überhaupt bei uns gut kultiviit werden kann, leicht zu einer gewissen Vollkommenheit gebracht werden; aber wie viele PZrfahrungen sind nicht überall schon darüber gemacht worden, dass die als >• schönste < angepriesenen grossen Palmen vielfach kaum ihre ersten Lebensjahre im kleinsten und feuchtesten VVarmhause oder Dampfkasten überstehen, um unter weniger günstigen Kulturbedingungen alsbald zurückzugehen. Dies gilt z. B. von den schönen Attalea's, welche Haac;e & Schmidt zu 10 bis 20 Ji das Stück anpreisen; wo nicht sehr gute Kultur-ÄIethoden und -Bedingungen vorhanden sind, wird die Ausgabe wohl umsonst gewesen sein. — Bemerkungen zur Nomenclatur empfohlener Palmen. 179 Ich lasse nun im Anschluss an den genannten Katalog- spezielle Be- merkungen zu einzelnen der Gattungen und Arten folgen; die Namen des Katalogs sind hier gesperrt gedruckt. Acrocomia sclerocarpa: grosse und schwer zu ansehnlicher Grösse kultivirbare Palme Brasiliens. Fast alle stachligen Cocoineen, zu denen auch sie gehört, ebenso wie die im Kataloge aufgeführten Astrocaryum Tucuma (gross) und Bactris concinna (sehr zierliche Palme von Chamaedorea-Grösse) gehören den feuchtwarmen Klimaten Amerikas an und sind daher zärtlich; nur Astrocaryum Ayri und ähnliche Arten Central-Brasiliens und Bactris setosa scheinen sich leichter kultiviren lassen zu können. Fig. 39- Cliaiuaedorca elcgans Jl/arf. F"ig. 40. Keiitia Bauer i. Areca: auch nach Verweisung einiger Arten zu Hyophorbe weist der Katalog (wie die Palmen sehr vieler Gärten 1) ausser A. Catechu (schwer zu kultiviren) keine ächte Areca-Species auf; ohne in der Trennung zu weit zu gehen, müssen die sehr empfehlenswerthen A. Baueri (siehe Fig. No. 40) und A. sapida (Norfolk-Insel resp. Neu-Seeland) zu Kentia, Sect. Rhopalostylis, und A. oleracea zu Oreodoxa (West-Indien, sehr hohe Palme, siehe auch Oreodoxa regia) gerechnet werden; im Habitus der jungen Pflanzen finden sich nicht sehr bedeutende Unter- schiede, so dass der dekorative Effekt bei ihnen ein ziemlich ähn- licher ist. Attalea: alle aufgeführten Arten sind sehr gross und nur in feuchtwarmer Luft kulti virbar, da sie dem Amazonenstromthal und amerikanischen Küstengebiet entstammen; dasselbe gilt von der ähnlichen im Katalog unter Scheelea aufgeführten A. princeps. igo Oscar Drude : Caryota urens: die meisten Gärten enthalten und versenden unter diesem Namen C. sobolifera Wall., welche sich auch vielmehr zur Kultur empfiehlt wegen ihrer geringeren Grösse (meist bis 20 Fuss) und leichteren Blüh- barkeit; C. urens ist mehr als doppelt so hoch. — [Arenga- Arten (A. saccharifera) sind dieses Mal nicht im Katalog enthalten, sonst aber häufig in Warmhäusern; sie sind durch die einfache Fiederung ihrer Blätter von den beim Heranwachsen stets doppelt gefiederten Caryoten sogleich zu unterscheiden.] Chamaerops Fortunei und excelsa empfehlen sich Rir hohe, luftige und massig warme Glashäuser; in den »Winterhäusern ^ der englischen Gärten entwickelt die erstere, nordchinesische Art häufig starke Blüthenkolben, muss aber viel Platz haben, fast so viel als eine grosse Livistona chi- nensis. Chamaerops Hystrix (= Rhapidophyllum Hystrix Wndl. und Dr.) ist unter ähnlichen Kulturbedingungen wie Gh. humilis sehr empfehlenswerth, kann in Kalt- und Warmhäusern gezogen werden, hat denselben Platz wie Gh. humilis nöthig, ist aber wegen des in ein dichtes Fasernetz eingekleideten Stammes sehr viel dekorativer. Blüht leicht mit in den Blattscheiden fast verborgenen und nicht ansehnlichen Kolben. Cocos. So schwierig die C. nucifera zu einiger Maassen ansehnlicher Entwicklung zu bringen ist, weil in der Kultur ihre natürlichen Bedingungen nicht erfüllt werden, so zahlreiche gut gedeihende Arten bietet diese grosse Gattung unseren Gewächshäusern aus den nördlichen Provinzen Argentiniens und den südlichen sowie hochgelegenen centralen Provinzen Brasiliens. Alle anderen Arten des Katalogs ausser C. nucifera betrachte ich als leicht kultivirbar, einige derselben sogar für nicht zu kühl gehaltene Kalthäuser geeignet; zwar sind manche so stolze Bäume (C. aüstralis, C. coronata, plumosa und Romanzoffiana), dass sie sich nur in den höchsten und grössten Gewächshäusern Europas richtig entwickeln und blühen können ; die übrigen im Katalog gebotenen aber haben niedrigeren Wuchs, meistens eine Stammhöhe von 5 bis 10, seltener 15 Fuss, und beanspruchen also auch für ihre meist 5 bis 9 Fuss langen Blätter nicht so sehr viel Platz; die Blühbarkeit ist noch nicht gut festzustellen, da die meisten hierher gehörigen Arten erst seit kürzerer Zeit ausgeboten werden. Cocos Blumenavia, C. Gaertneri und C. Maria Rosa sind drei unzweifelhaft sehr der Kultur dienliche Palmen unter falschem Namen; letzterer ist eben rein gärtnerisch, und wenn nicht in Regel's Garten- flora, Jahrgang 1881 S. 103 ein Artikel über die zwei erstgenannten Cocos-Arten von Dr. Blumenau erschienen wäre, der mir erst nach Abschluss des jetzt in Druck erschienenen Fasciculus 85 der Flora bra- siliensis: Palmae I, zu Gesicht kam, so würde ich diese Palmen nicht unterbringen können. Aus dem angeführten Artikel ergiebt sich für mich aber sicher, dass die C. Blumenavia = C. eriospatha Mart. oder C. capitata Mart. (Palmae brasilienses, S. 424) ist, die C. Gaertneri = Bemerkungen zur Nomenclatur empfohlener Palmen. i8r C. leiospatha Barb. Rod. var. ß. angustifolia Drude oder vielleicht eben- falls C. eriospatha Mart. (Palmae brasil. S. 424). Cocos Maria Rosa kann dagegen nur C. Prokopiana Glaz. sein, da diese, in der Regel 1 5 Fuss Höhe erreichende ausgezeichnet schöne Palme mit wolligen Blattrippen und lanzettlichen Segmenten in Südbrasilien, wo sie häufig ist, allein den Vulgärnamen »Maria Rosa« führt. Die Nützlichkeit der beiden ersten Arten für die Kultur ist schon von Dr. Fig. 41. Livisto/ia australis. (Corypha australis.) Blumen AU in der Gartenflora hervorgehoben; dasselbe gilt auch von der letztgenannten C. Prokopiana. — Cocos Bonneti kenne ich nur wenig aus ihren Früchten, wird aber unzweifelhaft auch nur im Gartennamen einer anderweit gut bekannten Art versteckt sein, und zwar aus der Verwandtschaft mit C. australis. Copernicia cerifera ist bis jetzt merkwürdig selten in den Glashäusern, scheint aber eine vorzügliche Dekoration für hohe und luftige, massig feuchte Warmhäuser werden zu können; doch beansprucht sie dabei einen Platz wie Chamaerops excelsa oder noch mehr. Sie ist eine der schönsten Fächerpalmen mit rundlich zusammengehäufter Krone aus sehr vielen j g2 Oscar Drude : Blättern, welche von Wachssecretion weiss schimmern, und zwar unter dem Namen »Carnaüba« in Central - Brasilien und Nord- Argentinien berühmt, welche keine eng begrenzten klimatischen Bedingungen hat und auch in trockneren Gegenden gut gedeiht, wenn nur der Boden ihr die genügende Feuchtigkeit liefert. Sie lässt sich daher wahrscheinlich in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit in unseren Gewächshäusern den vorher genannten drei Cocos-Arten anreihen. Corypha umbraculifera: nicht für häufigere Kultur zu empfehlen, trotz der Majestät dieser Palme in freier Natur. Bei Hyophorbe (empfehlenswerth für feuchte Wärmhäuser!) ist auch auf Wendland's ChrysaHdocarpus lutescens (Bot. Ztg. 1878, S. 118) auf- merksam zu machen, die leicht mit Hyophorbe indica verwechselt wird. Iriartea exorhiza: eine der grössten Palmen des Amazonenstromthales, welche in der Gewächshauskultur wohl niemals zu normaler Entwicklung gelangen kann, aber auch schon in kleinen Exemplaren für botanische Gärten viel Interesse besitzt. Herrenhausen besitzt ein Exemplar mit fast 2 m hohem Stamm (s. S. T44 dieser Zeitschrift). Latania: die ächten Latanien sind zwar sehr schöne, aber sehr schwer kultivirbare Fächerpalmen; wo nichts darauf ankommt, versuche man es lieber mit Copernicia, Thrinax und Trithrinax, oder auch mit der bei aller Gewöhnlichkeit immer schönen Livistona chinensis, bei der die Gärtner durchaus nicht die gänzlich falsche Benennung Latania borbonica zum Vergessen bringen können, oder mit Livistona australis, welche auch noch häufig systematisch falsch (wenngleich mit eher zu entschuldigendem Fehler) Corypha australis (s. Fig. No. 41) genannt wird. Wer einmal Blüthenkolben oder auch nur Früchte von Latanien und Livistonen mit einander verglichen hat, wird bald erkannt haben, dass beide die Typen verschiedener Tribus der Palmen repräsentiren und dass L. chinensis eine Livistona ist. Kentia: sämmtlich empfehlenswerth für feuchtere Warmhäuser, da sie Australiens Ostküste oder den ostwärts davon gelegenen Liseln entstammen. Obgleich man die Gattung Kentia in mehrere Gattungen theilen kann und sie wenigstens in Untergattungen zerlegen muss, so genügen die im Katalog gegebenen Benennungen der Wissenschaft. Von Licuala und Livistona auch die weniger bekannten Arten sehr em- pfehlenswerth für feuchte Warmhäuser. Martinezia: wegen der Segmentform (Caryota ähnlich) sehr interessante stachlige Cocoineen des aequatorialen Südamerikas, aber nur in sorgfältiger Kultur gedeihend; M. caryotifolia verträgt im ausgewachsenen Zustande (10 bis 20 Fuss hoch) Kultur in hohen und deshalb minder feuchten Warmhäusern und entwickelt daselbst häufig Blüthen. Phoenix: alle Arten empfehlenswerth; Ph. canariensis (s. Fig. 42.), cycadifolia und tenuis sind nur Racen der vielgestaltigen Dattelpalme. Bemerkungen zur Nomenclatur empfohlener Palmen. • 183 Pritchardia filamentosa (sehr empfehlensAverthe Fächerpalme für mässio-- warme Gewächshäuser) ist neuerdings (in Bot. Ztg. 1879, S. 65 — 68) von Wendland Washingtonia filifera genannt. Sabal. Von dieser Gattung kommen leicht kultivirbare Arten aus den südlichen Vereinigten Staaten in den Handel, z. B. die kleinere S. Adan soni und die grössere, an Höhe Chamaerops excelsa entsprechende S. Palmetto; ausserdem aber werden unter verschiedenem Namen (z. B. S. glaucescens) schwerer, und nur in feuchten Warmhäusern kultivirbare Arten aus Columbien ausgeboten, alle schön in Wuchs und Blattform, ¥ig. 42. Phoenix dactylifera var. canarieiisis. (Abbildung von Wildpret & Schenkel in Orotava, Albert Schenkel in Hamburg.) die meist zu der gigantischen Sabal mauritiiformis Gr. et Wndl. gehören. Zu dieser Art dürfte wohl auch die ausgebotene Sabal Blackbur- nianum (s. Fig. Nr. 43) gehören; doch habe ich selbst darüber kein sicheres Urtheil. Stachyophorbe Deckeria na: eine sehr schöne Chamaedoree ; die an- geführte Gattung ist eine von mehreren Untergattungen der im Blüthen- kolben vielgestaltigen Chamaedorea, welche Untergattungen für die Gewächshauskultur ziemlich belanglos sind, da sie keinen scharf ausge- sprochenen Habitus für sich haben. Stevens onia grandifolia (bekannter noch unter dem in Baker's resp. Balfour's Flora von MAURITIUS verworfenen Namen Phoenicophorium i84 Oscar Dfiide: Bemerkungen zur Xomenclatur empfohlener Palmen. sechellanum) ist eine der schönsten Palmen, welche nach Europa einge- führt sind, und besitzt durch die breiten fiedernervigen, aber nicht in Fiedern zerschnittenen Blätter, einen sehr seltenen Habitus; leider ist sie nur schwierig zu kultiviren und geht in trockneren Häusern (ähnlich wie auch die Verschafifeltien) leicht zurück. Syagrus: Section von Cocos; die im Katalog angeführten Arten gehören zu hochstämmigen Palmen, welche in kleineren Gewächshäusern keine gute Ausbildung erlangen können. Tritlirinax brasilicnsis (s. Fig. No. 44) ist nach der davon mitgetheilten Sabal Blackbitr/iianuDi Glazebrook. Fig. 44. Trithrinax acontJiocoma Drude. (Thrjthr'max brasilicnsis Hort.) Abbildung Trithrinax acanthocoma Dr. (in Regel's Gartenflora 1878, Taf. 959), eine aus vielen Gründen empfehlenswerthe Palme Süd- brasiliens; ihre Kulturbcdingungen und die mehrerer anderer, entschieden noch härterer Arten, die in Nord-Argentinien und in Rio Grande do Sul wachsen und leider noch nicht bei uns eingeführt sind, habe ich am angegebenen Orte besprochen. Trithrinax maurit iaeformis = Sabal mauritiiformis Grsb. und Wndl. (Fl. of Brit. West Ind.), eine schöne und grosse Palme für sehr feucht- warme Glashäuser; siehe das darüber unter Sabal Gesagte. Dresden, den 9. Januar 1882. Freiherr von Ompteda: P2in Tag in Hatfield House. Ein Tag in Hatfield House. Von Ludwig Freiherr von Omi'teda. (Schlus?.) ^^s giebt keine angenehmeren schattigen Wandelbahnen an einem heissen Sonnneitage als die Bogengänge der Weinberge mit ihren Durchblicken auf alle diese seltsamen Gestaltungen. Die ganze Anlage ist märchenhaft und feierlich, eine etwas prosaische Poesie; höchst absonderlich in der Idee und grossartig durch die Ausdehnung. Eine Wanderung durch die Gärten von Hatfield House sollte, bei kunstgerechter Vertheilung des Stoffes, eigentlich mit dem Weinberge, schliessen, denn alles Andere ist geringer, mag auch Einiges noch älter sein. In diesem Zauberwalde steigen wir zum Flusse oder See hinab. Das grosse Ausgangsthor ist, wie ein Baldachin, mit Federbüschen geschmückt, die in regel- mässigen Abständen aus dem oberen schliessenden Bogen emporstreben. Wir besteigen hier eine Fähre und betreten am anderen Ufer den alten Küchen- garten, (Fig. ^^ S. 138 im Hintergrunde) dessen Umfassungsmauer die Jahreszahl 1633 trägt. Seit 250 Jahren also wird hier Gemüsebau und Obstzucht getrieben. Selbstverständlich sind die Fruchtbäume bereits oft ersetzt, aber die jetzigen lassen an Holzentwickelung und Fruchtansatz nichts zu wünschen übrig. Auf den Salatbeeten stand manches Hundert Glasglocken in Reihen. Wir versetzen uns von hier aus plötzlich an das entgegengesetzte westliche Ende des Parkes, in die neuen Küchengärten. Auf ihrem Gebiete von etwa 12 Morgen geben sie uns ein vollständiges Bild neuester englischer Hochkultur. Alle feinen Gemüse werden hier morgenweise gezogen, in langen Reihen von Mistbeeten, unter Glocken und im Freien. ,,Wie ist es nur möglich" frug ich verwundert und ungläubig, „dass das Alles im Haushalte verzehrt wird?" „Möglich?" frug der Obergärtner, Mr. Norman, „Sie sollen sogleich noch mehr erstaunen. Ich liefere für die Küche jährlich 5000 Stück Sellerie, Endivien und Kopfsalat in die Zehntausende. Vor zwei Jahren wurden einmal binnen fünf Tagen 800 Köpfe Endivien verbraucht." Unter der Führung des Obergärtners treten wir in das anstossende Gebiet der Treibhäuser. Hier reift die Traube für den Tisch vom April bis in den Februar hinein, in sieben verschiedenen Häusern von insgesammt 100 Metern Fänge. Black Hambro und der grüne Forster Seedling werden vorzugsweise ge- trieben. Die einzelnen Trauben sind über 30 Centimeter lang, die Beeren haben die Grösse einer mittleren englischen Stachelbeere. Diese vollkommene Aus- bildung wird wesentlich mit dadurch erreicht, dass man aus der Traube mehr als die Hälfte der Beeren, wenn diese die Grösse einer starken Erbse erreicht haben, ausschneidet — ein Verfahren, welches sich bei allen Tafeltrauben empfiehlt, selbst für den Handel, da im Endergebnisse auch das Gewicht nicht beein- trächtigt wird. Ausserdem wird aber auch auf die Anlage der Weinhäuser und nicht minder der Pfirsichhäuser in England ganz besondere Sorgfalt ver- wandt. Es wird zunächst eine Grube von 3 Metern Tiefe und 5 Metern Breite in der für das Haus beabsichtigten Länge ausgehoben. Zu unterst in diese i86 P"reiheir von Oiii])teda: Grube bringt man eine Lage von Kalk und Steinbrocken, dann eine Schicht Backsteine; hierauf füllt man die (Irube aus mit der besten alten Düngererde; Soden von abgeschältem Rasen sind l)esonders beliebt, aber selten und kostspielig. Dieses Erdmaterial wird nm- nach und nach, in vertikalen Schichten, eingesetzt und so jeder Schicht Zeit gelassen, sich unter dem Einflüsse von Luft und Sonne zu entsäuern. Die gesammte Masse ist mit Drains durchzogen. Die äussere Schrägwand des Hauses steht über der Mitte der Grube, so dass die Wurzeln der Reben, innen und aussen, je drittehalb Meter Raum finden. Die l>üftung wird durch obere und untere verstellbare Eenster geregelt, die gemein- schaftlich der Drehung eines kleinen Steuerrades leicht gehorchen. Röhren mit Fig. 45. Hatfiekl-House. Garten der wolilricchenden Pflanzen. Im Hintergründe der westliche Flügel des Schlosses. kaltem und heissem \\'asser laufen im Erdboden und über demselben hin und wieder. Die Knochendüngung wird sehr stark angewendet; auf eine Abtheilung von 10 Rebstöcken bringt man bis zu 10 Kilozentner zerschlagene Knochen. Die Reben (und Pfirsichstämme) laufen in den Warmhäusern unter dem schrägen Glasdache an Drähten hinauf. Nur in den ersten Jahren des Betriebes in einem neuen Hause, wenn die definitiven Pflanzen noch klein sind, duldet man wohl ältere interimistische an der graden Rückwand; später werden diese beseitigt. Nach der strengen Observanz soll jedes Haus nicht etwa nur eine Gattung von Obst, sondern sogar nur eine Sorte desselben enthalten, da die, dem jeweiligen Entwickelungsstande der Früchte angemessene Temperatur und der unausgesetzte Kampf mit Pilzen und Insekten, durch Spritzen und Tabakräuchern, sonst ge- stört wird. Nur für die Topferdbeeren wird wohl eine Ausnahme zugestanden, Ein Tag in Hatfield Hoiise. 187 denn von diesen kann man nie genug aufstellen, um der Nachfrage völlig zu entsprechen. Gehen wir weiter durch die Häuser. In vier Abtheilungen von zusammen 30 Meter Front werden Gurken, Melonen imd üohncn getrieben. Die Pflanzen werden am schrägen Glasfenster in die Höhe gezogen und die grossen Früchte und Schoten hängen dann frei herab, was namentlich im Gurkenhause sehr im- posant aussieht. Die Melonen ruhen auf kleinen untergebundenen Krettchen. Daneben stehen zwei Ananashäuser; es folgen zwei Pfirsichhäuser, jedes 20 Meter lang; dann zwei andere (iebäude, mit je 15 Metern Front, ausschliesslich tür Erdbeeren. Aus den letzteren waren am Tage zuvor 20 Kilo Erdbeeren für h\\ 1 /•-,'» Fig. 46. Ilatfield House. Rosengarten. Im Hintergründe die Banketthalle des alten Palastes. die Tafel geliefert, und trotzdem hing eine neue reichliche Ernte an den Büschen. Für die Ausschmückung des Schlosses und des Stadthauses in London mit Blumen und Zierpflanzen ist durch ein Kalt- und ein Warmhaus gesorgt; zugleich steht hier ein reich gefüllter Wintergarten. Ich war überrascht, hier Azaleen zu finden, welche den Wundern gärtnerischer Kunst wenig nachgaben, die ich einige l'age zuvor auf der Ausstellung der »Royal Botanic Society« in Regents- park angestaunt hatte. Wohl ein halbes Dutzend Kegel waren hier aufgestellt in den prächtigsten Farben: dunkelroth, lachsfarbig, scheckig, weiss. Die Über- flächen der kreisförmigen Pyramiden sind dicht geschlossen mit Blumen bedeckt, kein Blatt ist sichtbar. Die Pflanzen sind etwa 1,50 Meter hoch und halten 0,75 Meter im Durchmesser der Grundfläche. Diese Prachtstücke sind allerdings grossartige Kunstleistungen, al.ier etwas jgg Freiherr von Oiiipteda: steif, zopfig. Die freien hohen Büsche im Pahnengarten zu Frankfurt erscheinen mir weit anmuthiger, denn im (Irunde sind doch Blätter nicht eine Unvollkommen- heit der Natur, welche die Kunst zu berichtigen berufen ist. Dann folgen nochmals ein Pfirsich- und ein Feigenhaus, beide achtzehn auf sechs Meter enthaltend; endlich zwei Ananashäuser und eine Treiberei, in der nur Trauben in Töpfen gezogen werden. Diese werden dann in geschmückten Majolikavasen oder auch in silbernen Ihnen auf die Tafel gesetzt. Ausserdem fehlen die Vermehrungshäuser und der übrige Zubehör an Wirthschaftsräumen nicht. Ich kann jedoch meine Leser nicht aus den Treibhäusern von Hatfield frei- lassen, ohne des Heizapparates zu erwähnen. Hier haben wir ein Stück aller- modernster Gartenindustrie. Der grosse Wasserkessel für alle diese Häuser wird nicht direkt durch Kohlenfeuerung geheizt, sondern er ruht auf einem Ofen, in welchem eine Kalkbrennerei betrieben wird, und empfängt so die vom Kalke entweichende hochgradige Hitze. Mr. Norinian sprach sich völlig zufrieden über das Ergebniss aus und bemerkte, dass bei durchschnittlichen Kalk- und Kohlenpreisen die gesammte erforderliche Wärme kostenfrei erzeugt und daneben an der täglichen Kalkproduktion noch fünf Mark und darüber verdient würden. Wir nähern uns jetzt wieder dem Schlosse und gelangen an dessen süd- westliche Ecke. Hier verändern die Anlagen ihren Charakter. Sie erscheinen ungepflegt, veraltet und von der modernen Verbesserung ausser Acht gelassen. Eine niedrige Mauer schliesst einen geräumigen quadratischen, gegen die Um- gebung vertieften Platz ein; wir steigen zu ihm auf halbverfallenen Stufen hinab. Rundum läuft an drei Seiten ein Laubgang von alten knorrigen, verschnittenen und verschränkten Linden, ein niedriger düsterer Kreuzgang mit Durchblicken in das Innere des Gartens. In seiner Mitte liegt ein grosses Wasserbecken, von geschorenem Juniperus umgeben. Die übrige Grundfläche liegt in Rasen, in welchen schnörkelhafte, mit einfachen veralteten Sommerblumen besetzte Beete, meistens in fleur de lis Form, eingeschnitten sind. In jeder der vier Ecken steht ein nicht grosser, aber sehr alter und durch eiserne Klammern zusammen- geschrobener Maulbeerbaum. Es ist ein Stück mittelalterlicher Gärtnerei aus der l'udorzeit, in welches wir eingetreten sind. Die Abtheilung heisst noch jetzt: >;der Privatgarten«. Er gehörte zum alten Tudorpalaste und ward wahrscheinlich in seiner jetzigen allgemeinen Anlage zur Zeit der Königin Elisabeth hergestellt, welche auch die, damals zuerst in England eingeführten Maulbeerbäume mit eigner hoher Hand gepflanzt haben soll. Danach wäre diesen vier ehrwürdigen Greisen ein Alter von etwa 300 Jahren zuzuerkennen und sie standen bereits an ihrer jetzigen Stelle, als Robert Cecil hier (1603 — 1612) sein neues »Haus« neben den alten ?/Palast« erbaute. Aus dieser hoch interessanten Gartenruine führen uns wenige Schritte in den »Garten der wohlriechenden Pflanzen« (Fig. 45). Dieser ganze Ciarten liegt in Rasen. Die Blumenbeete, in eleganten, ein- fachen, gradlinigen, runden und arabeskenhaften Figuren, sind in Buchsbaum ein- gefasst und ausschliesslich mit wohlriechenden Blumen besetzt. Hier finden wir, im reichen Wechsel je nach der Jahreszeit: Heliotrop und Nelken, Thymian, La- vendel, Rosmarin und Reseda, Levkojen und Nachtviolen, Maiblümchen und Veilchen. Um den Mangel an Farben in den Mustern der Beete zu ersetzen, sind alle Wege und Umkränzungen der Beete mit lebhaft buntem Sande in Ein Tag in Hatfield House. 189 wechselnden kunstvollen Mustern beschüttet. Ringsum läuft eine Hecke von wohlriechenden Feldrosen, Lonicera und Jasmin. Wir umwandern jetzt einen stattlichen, 6 — 7 Morgen grossen See mit offenen grünen Ufern. Bei seiner Anlage verursachte die Dichtung des Grundes be- deutende Schwierigkeiten. Man überwand diese leichter, indem man die Arbeit abtheilungsweise ausführte, jedes fertige Quartier mit einem provisorischen Deiche umzog und dann auf Wasserdichtigkeit probirte. Die Anlage ist noch jung und bedarf zwanzig Jahre zum Heranwachsen der Bäume, ehe sie in ihrer vollen Schönheit erscheint. In der Nähe des Ufers steht eine Trauerweide von ausser- gewöhnlicher Entwickelung. Sie stammt von St. Helena, vom Grabe Napoleons I. Ganz nahe diesem lebendigen Denkmale gefallener irdischer Grösse gelangen wir in den unmittelbar anstossenden Rosengarten (Fig. 46), ein geräumiges Viereck, dessen Hintergrund der alte Palast bildet. Als die Tudors hier noch Hof hielten, war das jetzt blühende und duftende Rosenfeld ein kahler innerer Hof, den der Palast mit vier Flügeln umgab. Die Stellen, an denen ehemals die Eckthürme standen, sind durch erhöhte Beete bezeichnet, über denen sich, an eisernen gebogenen Gestellen, üppige Kletterrosen ranken. Die älteren hoch- stämmigen Rosen sind hier zu wahren Bäumen ausgebildet. Alles gedeiht prächtig, die Pflanzen geniessen den doppelten Vortheil der um einige Fuss erniedrigten halbschattigen Lage und einer Bewässerung durch unterirdische Röhren. In der Mitte der Anlage sprudelt ein erfrischender Springbrunnen unter einem offenen Dache von Schhngrosen. Die Hauptfront des alten Palastes, auf dessen Grunde wir stehen, lief dem jetzigen westlichen Flügel des neuen Schlosses parallel und lag an der alten Heerstrasse von London, die sich hier in das Städtchen Hatfield hinabbog. Diese Front und die beiden Seiten wurden niedergerissen; man bedurfte des Bauplatzes. Zum Glück blieb das rückwärtige Gebäude verschont. Es enthält eine einzige grosse Halle (Fig. 46), in deren Mitte ein Thurm den Haupt- eingang überhöht. Der Bau ist im reichen spätgothischen, dem sogenannten Tudorstile, aus Back- und Hausteinen ausgeführt, die auch heute noch keine Spuren des Vertalls tragen. Das erhabene Masswerk an den Gesmsen, die Zierrathe an den Rahmen und Kreuzen der Fenster sind besonders kunstreich gearbeitet. Das alte Gebäude ist künstlerisch wohl schöner als das neue, weit höhere „Haus" zu nennen und könnte ihm durch den Reichthum seiner stilvolleren Formen und durch den Marmen dunklen Ton seiner Steine Eintrag thun. Die grosse Halle ist überwölbt mit einer nach innen offenen und reich ornamentirten Holzdecke, ähnlich dem berühmten Dachstuhle in Westminster Hall. Einst gab es hier hohe königliche Feste, von denen eines noch nicht ganz vergessen ist. Nachdem die junge Prinzess Elisabeth aus der Gefangenschaft des Towers entlassen war, welche ihr die angebliche Theilnahme an einem Komplott gegen die Heirath der Königin mit dem katholischen Spanier Philipp II. zugezogen hatte, da beschränkte die Eifersucht der Königin Mary den Aufenthalt der ihr widerwärtigen protestantischen Nachfolgerin auf Hatfield, welches Eduard AT. der Schwester geschenkt hatte. Als Wächter ward ihr Sir Thomas Pope bestellt, der jedoch anscheinend keinen Beruf fühlte, es mit seiner Gefangenen, der vor- aussichtlichen Thronerbin, durch überflüssige Strenge zu verderben. Denn in der Fastnachtszeit des Jahres 1556 gab er auf seine Kosten der Lady Elisabeth eine glänzende Maskerade in der grossen Halle zu Hatfield, mit prächtigen j QO IVeilicrr von r)nipteda: Aufzügen und Belustigiingen. Da erschienen zwölf alterthümliche Minstrels, ferner achtundvierzig Herren unrl Damen, gekleidet in rothen Atlas mit Gold, Spitzen und Perlen. Es war ein Kastell dargestellt aus goldgestickten Stoffen, dessen Zinnen mit (hanatbäumen verziert und mit den Schildern der sechs Ritter behängt waren, die davor in reicher Rüstung turnirten. Der Kredenz in der Halle hatte zwölf Stufen übereinander, alle geschmückt mit Gold- und Silbergeschirr. Heim Bankette waren siebzig Plätze gelegt und es gab dreissig verschiedene Speisen mit Zwischengängen von gewürzten Süssigkeiten und feinem Backwerke. Alles ging auf Kosten von Sir Thomas. Am folgenden Tage wurde, zum Schlüsse des Festes, das Schauspiel vom Holofernes aufgeführt. Indessen die strenge und eifrige Majestät gab dem armen Sir Thomas hinterher das allerhöchste Missfallen über diese lockeren Fastnachtsscherze in einem sehr ungnädigen Handschreiben zu erkennen, und so hatte das Maskiren fürder zu unterbleiben. Jetzt ist jede Erinnerung an die frühere Herrlichkeit in der neueren Ein- richtung verschwunden. Denn diese königliche Banketthalle dient jetzt als hoher, luftiger, ganz modern eingerichteter — Pferdestall! — Inzwischen mahnt die sinkende Sonne, sich zum Diner anzukleiden. Um 8 Uhr erscholl die Hausglocke und man versammelte sich im Drawingroom neben der grossen Speisehalle. In diesen Räumen waltet in England der weibliche Genius und bethätigt sich vor allem in der zarten und geschmackvollen Anordnung der reichen Blumenpracht, die, in den Treibhäusern vorbereitet, Wohnzimmer und Tafel stets mit frischem blühenden Leben schmückt. Die Mi ttagstafel trug ebenfalls einen lebendigen und durch seine Anordnung ausserordentlich gefälligen Aufsatz. Das Mittelstück bildete eine schlanke trompetenförmige Cilasvase. Sie stieg empor aus einer Hülle von Farn- und Caladiumblättern. Innen befanden sich weisse Campanula, kirschrothe Begonien, gefiederte Gräser und Farnzweige. Die Unterschale der A^ase war gefüllt mit weissen Cactusblüthen, Büscheln aus rothem Geranium, weissen Campanula und Frauenhaarfarn. Um den Stamm der Vase schmiegte sich ein kleiner dunkel- blättriger Zweig von Cissus discolor. Die grosse Vase war umgeben von vier kleineren, ebenfalls trompeten- förmigen. In jeder stand eine Echeveria, eingefasst von blühender Deutzia gracilis, Zittergras und den Blättern der scheckigen Spiraea ulmaria. In den schmalen S förmigen Glasgefässen, die in verschiedenen gefälligen Figuren rund umherliefen, wechselten grosse dunkle Stiefmütterchen mit rothen und weissen Marienröschen und mit Vergissmeinnicht, hie und da unterbrochen durch dunkle Epheublätter. Diese Ausstattung des Tisches war frisch, zart und doch wirkungsvoll glänzend durch die Reflexe der im Krystallglase unendlich gebrochenen Licht- strahlen. Silbergeschirr war dazwischen völlig verbannt. In Wahrheit! es lag eine grosse Kunst in dieser raffinirten Einfachheit. Der Blumenschmuck sah so heimlich und natürlich aus, als ob die Töchter des Hauses das ganze Material auf dem Spaziergange in Wiese und Wald gesammelt hätten. So hat sich in England die Neigung für die Blumen in der pflegenden Hand der Frauen zu einer liebenswürdigen Seite des Nadonalcharakters entwickelt. — Als. wir nach Tische wieder hinaus auf die Terrasse traten, erglänzten die Gärten im Schimmer des klaren Vollmondes. Die Jugend war bereit, mir den Ein Tag in llatfield Ilouse. 191 nördlichen Park und besonders seinen „ältesten Baum" bei Mondschein zu zeigen. Bald bogen wir in den breiten alten Baumgang ein, dessen viel- hundertjährige Eichen schon dem armen jungen Könige Eduard VI. Schatten spendeten, als er, ein zartes Kind, unter ihnen spielte. Mit feinem historischen Takte ist dieser nördliche Theil des Parkes niemals umgestaltet worden. Der Boden zu beiden Seiten der Baumreihen ist forstartig mit hohem Earnkraute bedeckt, über welchem in unregelmässigem lichten Bestände alte Baumriesen sich breiten. Nach kurzer Wanderung bogen wir in einen Seitengang ein, an dessen Ende uns bald gespensterhaft ein riesiger Eichen stumpf im weissen ungewissen Mondlichte entgegentrat. Seine Krone ist längst gebrochen und lebt nur noch scheinbar, indem einige in den hohlen Stamm eingesäete Eicheln junge, grüne Loden getrieben haben. Zu seinen beiden Seiten grünt und wächst die Gegen- wart in zwei anderen kräftigen Eichen, von der jetzt regierenden Königin und dem nie genug betrauerten Prinzen-Gemahl vor Jahren eigenhändig gepflanzt. Wir stehen vor dem ältesten Baume von Hatfield House, vor der Eiche der Königin Elisabeth. Hier liebte die junge Prinzess im Schatten des damals in seiner Vollkraft treibenden Baumes zu sitzen und mit Roger Asham griechische und lateinische Klassiker zu lesen. Hier sass sie auch eines Tages, im Jahre 1558, voll ängstlicher Spannung wegen der Nachricht, die ihre Ver- trauten ihr über die tödtliche Erkrankung ihrer gefürchteten königlichen Schwester hatten zugehen lassen. Plötzlich erschien auf der Strasse von London her ein Trupp Reiter vor dem Palaste zu Hatfield und folgte der Prinzess in den Park nach. Es waren Mitglieder des Geheimrathes. Sie kamen, der Lady Elisabeth den Tod der Königin Mary anzuzeigen und der neuen Herrin, die von ihrer Schwester nie als ebenbürtig anerkannt war, zu huldigen. Es war die protestantische Partei, welche die Tochter Anna Boleyn's auf den Thron erhob, gegenüber der, immerhin besser berechtigten, katholischen Schottin Maria Stuart. Da löste sich die quälende Spannung zwischen Axt und Krone, welche Heinrichs VIIL grosse Tochter seit Jahren gefoltert hatte. Im überwältigenden Gefühle der Befreiung sank sie unter dieser Eiche in die Knie und rief laut mit dem Psalmisten: „Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen." Diese Worte erwählte sie dann auf dem Throne zu ihrem lebenslänglichen Wahlspruche. — Der wilde Garten. Von Dendropiiilus. (Fortsetzung.) Beispiele zur Verwendung der Waldreben (Clematis). ^#'or einigen Jahren besuchte ich einen alten PVeund in Mecklenburg- auf dem Lande. Kaum waren die ersten Regrüssungen vorbei, und ich in dem Zimmer installirt, in welchem ich ein Paar Tage hausen sollte, so Garten-Zeitung 18S2. Ij j Q2 Dendrophilus : fanden wir uns bei unserm «gemeinsamen Lieblings-Thema, die Waldkultur, zusammen. Die jungen Eichen, welche wir vor drei Jahren gemeinschaftlich ge- pflanzt hatten, standen pr.ächtig, es waren schon tüchtige Heister geworden, aber das Gedeihen der in das Nadelholz eingesprengten Buchen war doch noch freudiger. »Mischwald ist überhaupt das Wahre. Bei der immer wiederkehrenden Plage der Kiefernraupe kann man gar nicht mehr wagen, sich einzig und allein auf diesen sonst so nutzbringenden J^aum zu ver- lassen«, meinte mein Freund — sein Nachbar hatte i 50 Morgen geschlossenen Kieferwald verloren. — »Ja, und der Mischwald ist auch viel, viel anmuthiger« fügte dieFrau hinzu. »Der Schönheit muss doch auch Rechnung getragen werden, das ewige Einerlei ist gar zu langweilig! Denke nur an den neuen Weg nach Buch- holz, durch das Stangenholz hindurch, lieber Mann. Ich mag ihn schon gar nicht mehr fahren, trotzdem er mich eine Viertelstunde schneller zu meiner Schwester bringt; und dann muss man auch immer bei der häss- lichen Steingrube vorbei, wo Ihr alles Wegematerial hergeholt habt; früher war dort ein reizender, blumiger Abhang. — Nein, unten am See herum ist's viel schöner. Sie sollen es selbst sehen, lieber DENDROPHILUS ; heute Nachmittag gehen wir nach dem Eichenkamp beim See hinaus und über den neuen Weg zurück; Sie werden über den Abstand schaudern, so ein neuer Weg zerstört alle Poesie. Alles ist so grade, so scharfkantig und so kahl.« »Ja mit Deiner Poesie bliebst Du aber noch am 15. Mai, als wir Deiner Schwester zum Geburtstag gratuliren wollten, unten im Birken- grunde auf's Schönste im Sumpf stecken, der Braune ist noch buglahm von der Anstrengung, den Wagen wieder herauszuziehen und wir kamen eine Stunde zu spät zu Tische <. — — »Aber ich war ausgestiegen und hatte während dessen für Marie einen grossen Strauss von den Vergiss-mein-nicht gepflückt, die uns Dendruphilus dort angesiedelt hat. Auch das hübsche Lungenkraut blühte noch. Marie Avar vollständig dadurch getröstet.« — »Da könnten wir ja meinen diesmaligen Besuch durch einige Ansiede- lungen am neuen Wege feiern, dann verbinden wir das Nützliche mit dem Schönen.« — — Gesagt — gethan! Gleich Nachmittags zogen wir hinaus und fanden die schönste Gelegen- heit für wilde Garten-Anlagen, die man sich nur denken kann, besonders zur Verwendung von Waldreben und einigen andern Rankern. Der Nadelwald begann auf einer kleinen Anhöhe, bis an welche die Felder reichten und, um gleichmässige Steigung zu erzielen, war mit einem Durchstich in den Wald hineingegangen. Die kahlen Böschungen und darüber die astfreien, stehen gebliebenen, etwa 60 Jahre alten Stangen sahen wirklich recht unschön aus. Es wurde nun beschlossen, an den Der wilde Garten. 193 Ecken noch einige Stämme unregelmässig fortzunehmen und statt ihrer einige caHfornische Ahorne (Acer caUfornicum [Hort.])*), welche sehr rasch- wüchsig sind, hinzusetzen; zu Füssen derselben einige Haselbüsche; zwischen diese und auf dem Abhang selbst, Brombeeren. Mitten hinein spendirten wir endlich ein Dutzend schöner Waldreben. Auf die Schattenseite setzten wir Clematis vitalba und montana grandiflora; auf die Sonnenseite Jackmann i und rubella. Fig. 47. Jackmann'sche Waldreben -Hybride. Drei Jahre sind seitdem verflossen und nichts, absolut nichts ist für die Anlage geschehen, als dass einmal, beim Düngerfahren auf das nächste Feld, einige Karren voll abgegeben und etwa handhoch auf die Wald- reben-Wurzeln ausgebreitet worden sind; trotzdem übertrifft dieser Wald- *) Siehe über diesen Baum »Garten-Zeitung« Heft 3 S. 125. Die Red. ]QA 1 )c-iulrop!iiIuS: eingang an malerischer Schönheit schon heute die kühnsten Erwartungen, die ich von ihm hegte. Von dem dunklen Nadelliolzrand, welcher sich rechts und links vom Wege dem J^eschauer präsentirt, hebt sich das hellgriuie Laub des eschenblättrigen Ahorns in angenehmem Kontraste ab; die Haselbüsche bilden darunter gut gerundete volle Massen und der ganze Wege-Abhan<^ ist von Brombeergestrüpp gedeckt. Das Ganze aber ist durchlaufen und überzogen von den graziösen Ranken der Waldreben, welche mit enormen Massen der schönsten ßlüthcn prangen. Weithin schon sieht man die warmen, satten l-'arben der C. rubella und Jackmanni leuchten, während gegenüber das schneeige Weiss der ]^erg-Wa!drebe den Eindruck hervorbringt, als ständen im Hochsommer dort Kirschbäume in vollster Blüthe. Zum Herbst wird noch der Reiz der äusserst zierenden Fruchtbäitj hinzutreten, denn alle Clematis-Arten haben an ihren Früchten, welche in dicken Köpfen zusammenstehen, die langen, federgleichen Grannen. Die Anregung, welche ich zum Anpflanzen der Clematis in. diesem Walde gegeben hatte, war auf guten Boden gefallen. Noch an zwei anderen Stellen waren dieselben mit ausgezeichnet malerischem Erfolge angepflanzt worden. Die hässliche Steingrube, an der Seite des Weges eine zerklüftete steile Wand von etwa 5 ;// Höhe bildend, auf welcher oben aber eine dicke Schicht guten Waldbodens lagerte, war ringsherum mit Waldreben bepflanzt worden, welche in reicher Drapirung sowohl herabfiel, als auch in graziösen Festons die freigelegten und durch den Regen vollständig von der Erde entblössten Wurzeln der auf der Höhe stehenden Bäume verbanden. Eine alte Kiefer wiu- umgestürzt, an einer Seite fand sie noch durch ihre Pfahlwurzel Halt, welche sich in einer tiefen Spalte Nahrung gesucht hatte, auf der anderen war sie mit ihren Aesten auf einem Fels- vorsprunge hängen geblieben, so dass sie in dieser schiefen Lage weiter wuchs; eine kräftige Pflanze von C. Prince of W^ales war in Gemeinschaft mit einer C. graveolens auf dem -Stamme entlang gelaufen und beide sandten lange Triebe aus den Zweigen herab; ein eigenthümlicher Schmuck für das ehrwürdige Haupt der alten Kiefer. Die blauen, sammetartigen Blumen von Prince of Wales kontrastirten reizend mit den kleineren gelben der graveolens, deren starker Geruch sich weithin verbreitete. Uebrigens ist diese glückliche Kombination doch nur dem Umstände zu danken, dass diese Steingrube ein äusserst warmes, geschütztes Fleckchen bildete, sonst würde letztere dort kaum so üppig gedeihen, denn sie ist etwas zart. Die zweite mit Clematis geschmückte Stelle war auch eine höchst nützliche, aber früher wenig schöne Lokalität, eine verlassene Köhlerstätte. Als der Weg durch das Holz gelegt war, schaffte man die gerodeten Stubben und Wurzeln zusammen, um sie zu Kohle zu \erschwelen. Mochte man nun für den Augenblick genug haben, oder war die Arbeit aus anderen Gründen unterbrochen worden, kurz auf schwarzem Untergrunde ruhte ein Der wilde Garten. 195 grosser, wüster Haufen der schlechtesten knorrii^en Wurzeln, welche wohl dem Herrn Köhler für seinen Meiler am wenigsten handlich gewesen Avaren. Man hatte sich nicht einmal die Mühe gegeben, sie zu stapeln, .sondern hatte sie einfach zusammengeworfen, so dass nach allen Seiten lange Enden wild in die Lüfte ragten. Das hatte nun die schmückende Hand unserer Freundin benutzt, um den Rest ihres Pflanzen-V^orrathes zu placiren. Da aber alles, als besonders schön bekannte Material schon verbraucht war, so blieben hierfür nur einige Pflanzen aus der Viticella-Klasse übrig, welche aber um so reicher ihre P'ülle von violetten und röthlichen Blüthen über jeden Ast hingen, den sie erreichen konnten. Nur eine einzige Pflanze der Clematis lanuginosa war aus Versehen mit hierher gerathen; sie friert alle Jahr bis zur Erde zurück, treibt aber unermüdlich wieder aus und bringt im Laufe des Sommers viele ihrer, oft 20 cm grossen, zarten, lila Blumen. Es giebt eine sehr grosse Zahl von Waldreben, über 200 Arten allein, denen sich noch eine Unzahl von Spielarten zugesellen. Besonders sind es einige japanische, grossblumige Arten, welche uns in den letzten zehn Jahren ein überreiches Garten-Material geliefert haben. Für unsere Zwecke wäre es unpraktisch, wenn wir uns an die bota- nische Klassifikation halten wollten; darum will ich hier eine Eintheilung in grossen Zügen folgen lassen, welche auf die Zeit und Art der Blüthe basirt ist und von THOMAS MoORE und Georcje Jackmanx, zwei ausge- gezeichneten Kennern, vorgeschlagen wurde. (Fortsetzung folgt.) Die grosse Ausstellung zu Frankfurt a. M. vom I. bis 15. Oktober 1881 iiiul die Verhandlungen und Anträge der versammelten Obstbau-Interessenten daselbst. Aus einem Bericht des Herrn Garten-Direktor Runtzler. Zu den vielen Schaustellungen des Jahres 1881 stellte auch Frankfurt a. M. sein grosses Contingent. — So viel mir bekannt ist, wurde im Allgemeinen an- genommen, dass die letzte Obstausstellung in Verbindung mit der »Allgemeinen Patent- und Musterschutz-Ausstellung , nachdem bereits 2 temporäre Gartenbau- und eine Obst-Ausstellung daselbst voraufgegangen waren, nicht mehr bedeutend ausfallen könnte. — Wie sehr man sich aber mit dieser Ansicht getäuscht, hat die über alle Begrifte reichhaltige Ausstellung des herrlichen Obstes zur Genüge bewiesen; — und alle Besucher dieser Schaustellung werden mit mir der Ansicht sein, dass wir in Deutschland noch keine so reichhaltige Obstausstellung gesehen haben. — Zur Unterbringung der ausgestellten 65 Kollektionen waren vor der Villa Leonhardsbrunn 2 grosse Hallen errichtet, dieselben waren in der Mitte und zu beiden Seiten mit Tafeln versehen, die grosse Massen von Tellern und Körben fassten, — dennoch mussten noch drei ganze Gewächshäuser mit in An- spruch genommen werden und immer reichte der Platz nicht zur Unterbringung jQß Die grosse Ausstellung zu Frankfurt a. M. aller Einsendungen aus. Die Kollektion des Herrn von Lade-Geisenheim enthielt allein 431, Dr. [.ucas-Reutlingen 415, Kgl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau (Icisenheim 414 Sorten, die Kollektion des (iartenbauvereins Coburg sogar über 600 Niunmern, — leider waren hier, wie in vielen anderen Kollektionen, Sorten doppelt, ja sogar 7 — 8 mal unter verschiedenen Namen ausgestellt. — Fast ohne Unterschied waren die meisten Einsendimgen reichhaltig und, der Wittenmg entsprechend, die Früchte ausserordentlich schön entwickelt. — Gemäss dem Ausstellungs- Programm erfolgte die Zusammenstellung nach Höhenlagen oder Kulturdistrikten und sei bemerkt, dass fast aus allen deutschen (iauen, sowie aus Niederösterreich und Böhmen, ja selbst aus Warschau und Kiew Sendungen eingegangen waren. Den Glanzpunkt aller schönen Kollektionen bildeten unstreitig die reichen Sammlungen des Herrn von Fade und der Königl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau ^.u Geisenheim, der Consul Loewenthal'schen Verwaltung zu Rheinberg und der Kaiserl. Obst- und Gartenbau -Schule zu Grafenburg, nicht allein in Hinsicht der grossen ausserordentlich entwickelten Prachtfrüchte und Reichhaltig- keit der Sammlungen und Sortimente, sonflern vielmehr in Folge der ausser- ordendich gelungenen Arrangements und Zusammenstellung der verschiedenen Früchte. — Die reichhaltigsten und besten Sammlungen von Aepfel und Birnen hatten Dr. Lucas -Reudingen, Stadtgemeinde Obernberg am Main, Franz Hohm in Gelnhausen und M. Touchon in Hohenau geliefert. Deutschlands Grosskultur in Obst wird nur in Hochstamm-Bäumen bestehen können, dass dieselben aber in ihren freien Lagen nicht gleich grosse Pracht- früchte wie Formbäume an Spalieren und geschützten Räumen bringen können, ist selbstverständlich; mir scheint es daher rathsam, bei der Preisbeurtheilung mehr Gewicht auf gute normale Früchte von Hochstämmen zu legen; — im Programm können daneben Preise für die von Formbäumen vorgesehen werden. Vielfach hört man von Hof- und Guts-Besitzern sagen: »Ich habe die und die Ausstellung besucht und Früchte gesehen, wie sie mein Boden nicht bringt und habe nicht mehr Lust, Bäume zu pflanzen- . Derartige Ansichten verhindert man, wenn die Preisrichter das Obst von Hochstämmen auf Ausstellungen ent- sprechend würdigen. Dass eine Schaustellung nach Höhenlagen oder gleichartigen Kultur- Distrikten fördernd wirkt, steht wohl ausser Zweifel, ebenso zweifellos ist aber auch, dass nicht gleich zu Anfang alle Einsendungen bei einer grossen Ausstellung der wirklich richtigen Kulturzone zugewiesen werden können, weil jede Grund- lage, ja selbst wie in Frankfurt a. M. ein wissenschafdich gebildeter Geologe fehlt. Will man in dieser Weise weiter gehen, so wird es nothwendig sein, dass alle Ausstellungsobjekte mindestens 48 Stunden vor der Eröffnung der Aus- stellung am Platze sind und dass der Kommission stets ein tüchtiger Geologe zur Seite steht. Sehr zu beklagen war, dass in Frankfurt nur i Mitglied der Jury Auskunft über Höhe und Klima geben konnte und dass auch dieses bereits am I. Oktober Abends die Stadt wieder verlassen musste. Von sämmdichen 25 Preisrichtern waren überhaupt nur 8 erschienen (was gewiss nicht rühmens- werth), so dass diese 8 ihre Arbeit trotz aller x\nstrengung nicht gut bewältigen konnten. Zu den angesagten Verhandlungen hatten mehrere Regierungen und Garten- bauvereine Delegirte abgeordnet; nach langer Diskussion, worin die missliche Lage der deutschen Obstkultur vielfach beleuchtet und die Ansicht einstimmig ausgesprochen wurde, dass zur Hebung derselben unbedingt etwas geschehen müsse, wenn Deutschland in dieser Kultur nicht noch mehr zurückgehen und am National -Wohlstande verlieren sollte, einigte man sich zu nachstehenden Resolutionen: I. Die Bestellung von pomologisch durchgebildeten Kreiswandergärtnern, die thunlichste Ausdehnung der Anlagen von Schulgärten und Unterstellung der- selben unter die Kontrole der Kreiswandergärtner, sowie die Einführung eines Die grosse Ausstellung zu Frankfurt a. M. jqT obligatorischen Lehvkursus über praktische Obstbaumzucht an den Seminarien durch einen tüchtigen Obstgärtner ist anzustreben. 2. Die Behörden sollen es den Kreiswandergärtnern zur besonderen Pflicht machen, in ihrem Bezirk zuerst die besten Lokal-Obstsorten gehörig zu verbreiten und hernach nur die Sorten zu berücksichtigen, die von den Deutschen Pomo- logen-Versammlungen empfohlen sind, soweit diese Sorten den klimatischen und lokalen Verhältnissen entsprechen. 3. Unterstützung von Gau- oder Kreis -Ausstellungen mit specieller Berück- sichtigung von gleichartigen klimatischen und Boden- Verhältnissen, wo stets möglichst genau festgestellt werden soll, welche Sorten sich für den betreffenden Bezirk eignen, ist empfehlenswerth. 4. Prämiirungen seitens der Regierung und der Gemeinden für mustergiltig ausgeführte grössere Obstanpflanzungen sind anzustreben. 5. Es ist darauf hinzuwirken, dass alle anzustellenden Wegebauaufseher, Strassenmeister und Chausseewärter die nöthigen Fachkenntnisse in der Baum- pflege sich erwerben. 6. Es ist zu veranlassen, dass alles geeignete fiscalische Areal (Eisenbahn- dämme, Landstrassen, Gemeindewege und Anger etc.) mit tauglichen Obst- sorten, durch hierzu passende Kräfte bepflanzt und gepflegt wird, und sind Submissionen hiervon auszuschliessen, weil durch sie die Sache selbst nicht ge- fördert werden kann. 7. Es ist zu veranlassen, dass von den Gemeinden geeignete junge Leute in die Obst-Baumschulen zum Unterricht entsendet werden und dass denselben Stipendien zur Ausbildung seitens des Staates und der Gemeinden gewährt werden. — Hardenberti; bei Nörten (Hannover), den 12. Januar 1882. Berichte über die im Jahre 1881 zu Versuchszwecken vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues beschafften Sämereien, Rosen und anderen Pflanzen. 1. Von Carl Mathieu. Sämereien von F. C. Heinemann, Erfurt. 1. Reseda odorata var. amdiorata aurea, (rold-Reseda. Eine sehr gute, wenn beständige Spielart; unterscheidet sich von den andern Sorten durch die goldgelbe Färbung der Staubgefässe von den weissen, röthlichen und dergl. Staubgelässen der ameliorata Sorten. Wuchs im Topfe niedrig und gedrungen, Blätter gross und die runzlige und blasige Eigenschaft der ameliorata Spielarten besitzend. Bau pyramidal. Ln freien Lande verliert sich diese Eigenschaft und die Stengel werden wie bei der gewöhnlichen mehr halb aufrecht und aufwärts steigend oder auch gestreckt. Sehr reich blühend, und ist zu hoffen, dass sie nicht in alte Formen zurück- schlägt. Eignet sich sehr gut zur Topf-Kultur. 2. Tropaeolum Lohbianuin hyhr. cardhialc. Eine sehr schöne scharlachrothe Spielart, unter drei Pflanzen war jedoch nur eine, welche die richtige Cardinal-Farbe hatte, die andern waren bräun- liche und dunkelbraune Schattirungen, wie sie unter den Lobbianum-Arten in Menge vorkommen; ob diese beiden nun falsche Samen von andern Spielarten waren oder ob diese Art so unbeständig ist, war nicht möglich zu eruiren, da Wuchs, Form der Blätter und Blüthen sich durch Nichts von den Lobbianum-Arten unterschieden. Eine sehr schöne Art zur Bekleidung der bezüglichen Gegenstände im Sommer; sie soll nach H. Drawiel aber im Gewächshause im Herbst oder Winter ganz gelb werden, und ist in Folge dessen als Winterblüher werthlos. jQg Berichte über die im Jahre iSSi beschafften Sämereien. 3. Verbejia hyhrida lutea. Eine schmutzig gelbweisse oder gelbliche Verbene, keine reine Farbe, zum Schnitte nicht zu gebrauchen, auch sonst durch bessere Formen ersetzt. 4. Diantlius hybridus seinperßorens. Ein Hastard zwischen 1). chinensis und caryophyllus. Hält so ziemlich die Mitte zwischen I). chin. und caryoph., wenn man will, eine Chineser- Nelke in vergrössertem Massstabe, mit der graugrünen Farbe der Blätter einer Garten -Nelke. Da die Pflanze zweijährig ist, so blühte erst eine der- selben, rosenroth, Blumen halb gefüllt. Muss sich in diesem Jahre erst end- gültig zeigen, ob sie zum Schnitt oder sonst zu gebrauchen ist. 5. Elodea virginica, nicht aufgegangen. 6. Malcolinia strigosa, nicht aufgegangen. 7. Friinida rosea, nicht aufgegangen. 8. Phlox Drummondi granditlora nana compacta atropurpurea. Eine Zwergart der grossblumigen Phloxarten, purpurn, gut für Ciruppen und auch für Töpfe. 9. JVi/ox Drum, grandifl. nana comp, nivea oculata. Dieselbe Zwergart weiss mit rothem Auge. Wie alle diese Spielarten etwas unbeständig, weil sie immer noch gern in alte Formen und Farben zurückschlagen oder auch wohl aus sich selbst ohne künsdiche Befruchtung variiren. (Jute Sorten. Hange «S; Schmidt, Er f u r t. 1. Anthirrliinuiu iiiajus nainiiii pictu)\ituiii. Eine Zwergart des gewöhnlichen T.öweninauls, nur niedriger, Farben waren gut, eignet sich sehr gut zum Schnitt, da sie das ganze Jahr bis zum Frost blüht, und von den Marktleuten gern genommen wird. 2. Corydalis Sewerzowi, nicht aufgegangen. 3. Crauibe Seiucrzoivi, eine Staude, welche erst in diesem Jahre sich ausbildet. 4. Fcrula kokanica ging nicht auf. 5. Megarrhiza caUfornka. P^ine hübsche rankende Cucurbitacee. Wurde 7' hoch, blühte jedoch nicht, woran wohl der ungünstige Sommer Schuld war, erfror Anfangs No- vember, und liegt unter Decke, da ich nicht weiss, ob ausdauernd oder einjährig. Scheint jedoch einjährig zu sein. Zum Beranken von Lauben etc. sehr gut, hübscher Wuchs und zierliches Blatt. 6. Saxifraga Strachcyi. Zu der Ünterabtheilung der Megaseen gehörend, also ähnlich im Wuchs, Blatt und Blüthe der S. crassifolia, cordifolia, ligulata etc. Als Frühlingspflanze eignet sie sich zum Treiben in den Gewächshäusern, wo- selbst sie hellrosenroth und weiss blüht. Gut. 7. RJicuin Ribes, nicht aufgegangen. 8. IxioUrion tataricum (montamwi). Gutes Zwiebelgewächs, siehe Monatsschrift 1881, S. 355 u. S. 517, Taf. IX. 9. Salvia farinacca. Eine ziemlich hübsche Salbei, jedoch nicht besonders als Zierpflanze zu gebrauchen, zeich.net sich durch die mehlige Bestäubung der Färbung ihrer Blätter aus. Mehr von botanischem Werthe. IG. Boinarca Caldcri, noch nicht aufgegangen, liegt noch in der Aussaat. Gemüsesamen. Erbse. Wunder von Amerika. Empfehlenswerthe äusserst niedrige Zwerg-Erbse, ähnlich einer Schnabel- Erbse. Grosses Korn, kräftiger Wuchs und fruchtbar. Henry Correvon : Fiühlings-Blumen. I gg Kopf-Salat. Dippe's grosser, gelber, spätschliessend. Gute Sorte, sehr zu empfehlen, ähnlich dem gelben Prahl, Hol- ländischen Dauer, Grossen Montree oder ähnlichen Arten. Buscidwhnc, Wachs- Dattel-. Durch die Nässe litt sie, so dass sie faulte und von Pilzen bedeckt war, und schliesslich zu Grunde ging. Wo hingegen die folgende Sorte: C/ievrier's Grüne Flageolet Buschbohne sich sehr widerstandsfähig erwies und reife Samen ansetzte. Ist als neue Art zu beachten, hält indessen keinen Vergleich mit der rothen Flageolet, welche die kräftigste und beste von Allen ist, und mit der Ilsenburger, welche viel reichtragender und früher ist, aus. Samen von grüner Farbe. (Wird fortgesetzt.) FrüMings - Blumen. Von Henry Correvon, Inspector des Botanischen Gartens zu Genf. Wenn sie nicht die allerschönsten sind, so sind doch die Blumen, die in den drei ersten Monaten des Jahres im Freien erscheinen, die willkommensten und geliebtesten von allen. Wir begrüssen sie mit Freude, nicht nur weil sie die ersten sind, die unsere Augen erfreuen, sondern auch als Vorboten des kommenden Frühlings. Demjenigen besonders, der im Garten kein Gewächshaus besitzt und daher lange Monate das Vergnügen entbehren muss, Blumen und Pflanzen zu pflegen, sind diese Pflanzen lieb. Es scheint mir deswegen nicht ohne Interesse zu sein, einiges mitzutheilen über diese frühzeitigen Floraliebling- und meinen geehrten Lesern die Kultur derselben zu empfehlen. Im Monat Januar erscheinen schon, unter dem mitteleuropäischen Klima, mehrere Helleborus- Arten, die, im Falle sie in einer sonnigen, geschützten Lage stehen, reichlich den ganzen Winter hindurch blühen. Uie Weihnachtsrose (Helleborus niger L ), allen Lesern wohl bekannt, zeigt schon ihre zarte CoroUe anfangs Januar. Sie stammt aus Mittel-Europa und ist eine von unsern besten Stauden. Ihr zierliches Blatt ist eine schöne Zierde für den Sommer und bleibt den ganzen Winter durch. Durch Selection hat Herr HeinemAiNN in Erfurt mehrere schöne Varietäten er- halten, welche ein wahrer Schatz für unsere Gärten werden dürften. Helleborus abschasicus AI. Braun (II. caucasicus var. abschasicus, Regel's Flora iS6o) stammt aus dem Kaukasus und blüht am Ende Februar. Blume weiss-rosa. Helleborus pur- purascens Willd. Ungarn. Blumen kupferroth- bleifarbig; in Genf erscheinen ihre Blumen im Anfang Februar schon und dauern den ganzen Frühling. Ihre Blätter, die den Blumen bald nachfolgen, sind eine schöne Zierde des Sommers. Hell, colchicus Reg. Garten-Flora, ist wohl die schönste Hell.-Art. Aus dem Kaukasus stammend kann diese Pflanze, deren Blumen sich im Monat März dunkelkupferroth zeigen, nicht genug hier empfohlen sein. Mehrere andere Helleborus würden hier ihren Platz finden, aber mein Ziel ist, hier die aller- besten nur zu erwähnen. Alle Arten dieses Genre verlangen die gleiche Kultur; diese ist sehr einfach. Ein starker, lehmiger und kräftiger, und wenn möglich kalkhaltiger Boden ist's, was ihnen am besten gefällt; eine Kompost- oder leichte Erde ist ihnen nicht gut und sogar nach- theilig. In Norddeutschland dürfen sie wohl im Winter mit etwas Laub bedeckt werden, aber sie sind alle gute und robuste Stauden, die man aber, um schöne. Pflanzen davon zu bekommen, nicht verpflanzen darf. Je länger sie an der gleichen Stelle stehen, desto schöner werden sie und reichhcher blühen sie. Ich nabe oft welche gesehen, deren Büsche seit 25 bis 30 Jahren an der gleichen Stelle gebheben waren und sie waren wohl die schönsten, die ich je gesehen habe. Sie werden vermehrt durch Theilung der Wurzeln oder Aussaat. Eranthis hiemahs Sahsb., einheimisch hier und da, aber ziemlich selten. Ist auch eme Ranunculaceae, deren dunkelgelbe Blume mit einem grünen Unterkelch'chen umgeben, mehr emem 200 Henry Corruvon: Friihlings-Blumen. Kanunciilus ähnlich ist. Diese niedliche Pflanze ist eine der allerersten, die ihre Köpfchen aus dem Boden emporheben. Sie erscheint im Monat Januar, wenn sie am Fusse einer südlichen Mauer steht. Sehr gut als Einfassung und zum Pflanzen im Gras, wo sie l)liiht, während noch alles um ihr im Schlaf stellt. Tussilago fragrans Vill. ist eine der besten Winterptlanzen, und wohl die einzige, die einen (ieruch licsitzt. Ihre P>lumen, zuerst schnceweiss, werden später rosa und dann dunkelpurpur, Ihres starken Vanillen-CJcruchs wegen hat man sie »Winter-Heliotrop« genannt. Ehemals war es in Frankreich Mode, sie im Herbst in Töpfe zu pflanzen und als Zimmerblume zu benutzen; da gab sie Blumen den ganzen Winter (Kirch. Im freien Lande gedeiht sie in jedem Boden, und blüht schon im Laufe des Januai , gleichzeitig mit der Weihnachtsrose. Ihre Blätter sind eine wahre Zierde für den Sommer. Im Laufe des Monats Februar fangen auch die verschiedenen Scimee- und Märzglöckchen an sich zu zeigen und ihre zarte CoroUe aus dem kaum ausgefrorenen Boden empor zu heben. Galanthus nivalis L., einheimisch, G. plicatus Bieb., aus dem Kaukasus und das schöne Leucojum vernum L., einheimisch, sind sannnt ihren Varietäten alle meinen Lesern wohl bekannt. .Sie gedeihen in jedem kräftigen Gartenboden und sind selir empfehl:nswerth. im Genfer botani- schen Garten Ijlüht G. plicatus schon am Ende Januar. Iberis sempcrvirens L. ist bei uns schon im Laufe l"el)ruar in Blüthe und kann nicht genug als Staude oder Einfassungspflanze empfohlen werden. Trotz dem raulien Klima zeigt schon anfangs März die prächtige Anemone hepatica L. ihre zarte, verschiedenfarljige Corolle und ist für diese Zeit die allerbeste Pflanze. Diese nied- liche Anemone ist einheimisch in unsern \\nldorn und Gehölzen und wird wohl allen Lesern bekannt sein. Man besitzt von ihr mehrere Varietäten , gefüllt und einfach, blau, rosa, weiss und gestreift, deren Kultur ich nicht genug empfehlen kann. Sie verlangt einen leichten Boden oder eine kalkhaltige Lauberde und eine sonnige Lage; in diesen Vethältnissen Ijildet sie grosse Büsche und Ijliiht reiclilich im Monat März. Erica carnea L. ist eine der niedlichsten Alpenjjflanzen; kann aljer auch als Staude im freien Lande kultivirt werden. Sie verlangt eine leichte Lauljerde, sonnige Lage und blüht den ganzen Winter durch. Icli habe oft diese Blumen um Weihnachten im Freien pflücken können. Scilla bifolia, Crocus vernus, Primula acaulis sammt ihren Varietäten, Primula denticulata, Caltha palustris fl. pl., Adonis vernalis etc., können auch als gute frühzeitige Blumen empfohlen werden, kommen aber erst gegen Ende März aus dem Boden. Mein Ziel beim Schreiben dieser Zeilen war blos, die allerersten Blumen des Frühjahrs vor die Augen der geehrten Leser zu stellen und ihnen deren Kultur zu empfehlen. Ich kenne keine grössere Freude, als diejenige, die man l)ei Beginn des Frühlings fühlt, wenn die lieblichen Blumen des Gartens eine nacli der andern ihre Köpfchen aus dem Boden heben und trotz der noch kalten Luft scheinen uns sagen zu müssen: Der Frühling ist da. Aus Windsor. 1 1. Januar 18S2.*) Aeusserst angeneinn für uns ist dieser so ungewöhnlich gelinde Winter. Unsere Treibereien beginnen jetzt schon vollkommen frühjahrsmässig auszusehen Pfirsiche blühen seit 14 Tagen, ebenso einige Erdbeeren. Der Wein wird auch in nächster Woche so weit sein. Die hinteren Wände des Hauses sind mit Heliotropen und Rosen bekleidet und diese sind gleichfalls mit Blüthen bedeckt. Champignon'haljen wir dieses Jahr in ungewöhnlicher Fülle; 3 — 5 Pfund werden mir jeden Morgen geliefert, somit ist für die sich ja stets einfindenden Liebhaber eine grosse Auswahl. Die Beete in den Weinhäusern sind mit Bohnen bedeckt und pflücken wir ca. 5 — 6 Pfd. jeden Morgen. Ausserdem werden jeden Morgen frisch geschnittene Gurken beigefügt. Ver- gangenen Montag, den 9. Januar, haben wir das letzte, d. h. späteste Weinhaus geräumt. Es *) Aus Mangel an Raum verspätet. D. Red. Aus Windsor. — Literatur. 20I waren noch 765 Trauben in demselben. Aufbewahrt werden diese während der nächsten Zeit in einem kühlen Räume, in welchem Blechröhren, mit i dem entfernten Oeffnungen versehen und mit Wasser ai.gefiült, '/' "' über einander an den Wänden befestigt sind. Auf diese Weise Laken sie sich bis zur Reife derjenigen Trauben, die in den frühesten Treibhäusern wieder heranwachsen. R. L. 11. I. März 1882. Wir haben diesmal gar keinen Winter gehabt. Ms ist ein wahres Vergnügen, die saftigen, frischen, grünen Wiesen hier zu sehen Die Kühe und Ochsen etc. sind den ganzen Winter nicht von der Weide herunter gekommen. Sonntag den 19. Februar habe ich eine kleine Fuss- tour in Windsors Umgegend gemacht, und war erstaunt über die Zahl der blühenden Gehölze und Pflanzen. Ich lasse hier diejenigen folgen, welche ich vorgefunden. In voller Blüthe folg. Gehölze: Ulex europaeus, Jasminum nuditlorum, Ulmus campestris und effusa, einige Salix sp., Berberis, Aquifolium , Chimonanthus praecox (last verblüht), Alnus glutinosa und incana, Cornus mas , Amygdalus communis, Corylus Avellana, Cydonia japonica, Rhododendron ponticum (nur eine Pflanze blühend gesehen), Taxus baccata , Vinca minor, Lauras Tinus. Auch einige I'flaumen, Aprikosen und Pfirsiche blühen bereits. Populus sp. sind kurz vor Entfaltung. Rosen haben über zolllange Triebe, so auch Sambucus. Ausserdem sind Crocus in allen Varietäten, Primeln, Hyacinthen, Leucojum vernum, Galanthus, Viola, Arabis alba?, Aubrietia deltoidea, Narcissus, Eranthis, Scilla, Pulmonaria, Ficaria rnnunculoides , Cheiranthus Cheiri in Blüthe. Selbstverständlich sind dieses lange nicht alle jetzt bhihenden Pflanzen; jedoch ist Windsor und Umgebung sehr schwach mit Frühlings- blumen versehen. Bei jenem Ausfluge fand ich auf dem Kirchhofe von St. Laurence Church in Upton einen Taxus von 5 m Umfang, Kronendurchmesser ca. 18/«, Höhe ca. 12;«. Es ist das schönste Exemplar, welches ich je gesehen. Sie werden aus ol^en erwähnten Pflanzen so ungefähr sehen, wie weit wir hier sind, zumal die meisten der aufgeführten Gehölze etc. schon seit 14 Tagen blühen. Uer gelinde Winter ist für unsere Treibereien vorzüglich. Ersparniss an Kohlen kolossal. Unsere ersten Weintreibereien sind schon weit vorgeschritten und sind die Beeren schon bis I cm Durchmesser stark. Pfirsiche befinden sich nahe vor der Steinbildungsperiode. Erdbeeren werden in ca. 14 Tagen die ersten Lieferungen geben. Eine Hauptbeschäftigung ist jetzt das Ausbeeren des Weines. Ausser den zwei frühesten Häusern sind im kgl. Schlossgarten jetzt noch 3 andere, die zusammen ca. 200 Fuss lang und 20 Fuss breit sind, im Gange. R. I,. Literatur. Die schädlichen und nützlichen Insekten in Forst, Feld iindClarten V. M. Dr. H. M. Schmidt-Göbel, Professor der Zoologie a. D. I. Abtheilung: Die schädlichen Forstinsekten. 6 Foliotaf. in Farbendruck nebst iig S. Text 8 broch. (8 Bogen) mit g Holzschn. Preis fl. 5. II. Abtheilung: Die schädlichen Insekten des Land- und (iartenbaues. 6 Folio- tafeln in Farbendr. nebst 296 S. Text 8 broch. (ca. 15 Bog.) mit Holzschn. Preis fl. 5,80. Supplement zu beiden Abtheilungen: Die nützlichen Insekten, die Feinde der schädlichen. 2 Foliotafeln in Farl)endruck nebst 52 S. Text 8 l)roch. (3 V4 Bogen) mit emem Holzschnitt. Preis fl. 1,80. Verlag von Fduard Hölzel, Wien 1881. Preis zusammen 25 M. 20 Pf. In vorliegender Arbeit begegnen wir, soweit es sich um die Tafeln handelt, einem Prachtwerke ersten Ranges. Mit Recht Ijemerkt die Verlagshandlung über dasselbe : -7Q2 ] -itcrntiir. Es fehlt unter den Schriften über Insektenkunde nicht an gediegenen Leistungen, aber ein 'l'heil derselben entbehrt der höchst wichtigen, oder besser gesagt, unentbehrlichen Beigabe von Abbildungen, ein anderer Theil bringt zwar solche, sie sind jedoch auf Holzschnitte oder mit der Hand flüchtig colorirte Lithographien beschränkt und daher meist nicht geeignet, um das abgebildete Insekt leicht und sicher danach in der Natur wieder zu erkennen, was sie doch bezwecken sollen. Wo aber dieses Ziel in einzelnen Lallen durch sorgfältig colorirte Kupferstiche erreicht wird, macht ein unvermeidlich sehr hoher Preis sie für den grössten 'ilieil des Publikums, dem sie ein Bedürfniss sind, ganz unzugänglich, wie denn z. B. ein rühmlichst bekanntes Werk, das aber nur die Lorst-lnsek ten allein behandelt, nicht weniger als 63 Mark kostet. Die wohlberechtigten Wünsche des betreffenden Publikums, der Lorstleute, (Garten- besitzer unfl Landwirthe, sowie der ITnterrichtsanstalten nach einem die Insekten- welt behandelnden billigen Werk mit naturgetreuen Abbildungen sind demnach bisher offenbar nicht befriedigt. Die Verlagshandlung hat nun den Versuch gemacht, sie zn.\ erfüllen und wir glauben getrost behaupten zu dürfen, dass es ihr gelungen ist und dass sie auf clen durch den sorgfältigsten und correctesten Farbendruck nach Vorlagen tüchtiger und fachkundiger Zeichner (worunter auch der Herr Autor) hergestellten Tafeln eine Reihe von Abbildungen geliefert hat, die durch vollkommene Treue in Zeichnung und Colorit es auch dem Anfänger leicht machen, das Insekt zu bestimmen und sich sodann im Text weiter über die Lebensweise und Bekämpfung desselben zu belehren. Last alle im Texte besprochenen Insekten sind auch nebst ihren Larven, Puppen, Frass etc. auf den Tafeln abgebildet und es ist ein solcher Reichthum von Abbildungen bisher noch in keinem derartigen Werke geboten worden. Wir haben dem Vorstehenden nur hinzuzufügen, dass die Tafeln, aus der artistischen Anstalt von Eduard Holz el hervorgegangen, in der That meister- haft ausgeführt sind und dass an der Hand solcher Abbildungen das Bestimmen der Insekten wesentlich erleichtert wird. Bezüglich des Textes hat sich der Verfasser auf die allerwichtigsten Insekten beschränkt und das vielleicht mit Absicht. Wir hätten aber gern noch einige mehr besprochen gesehen, _denn die Zahl der schädlichen Insekten ist doch eine zu grosse; namentlich ist der forstwirthschaft- liche Theil etwas kurz ausgefallen. — Wenn der Verfasser sagt, dass sich gegen den Frostspanner Geometra brumata gar keine Gegenmittel anwenden lassen, so mag das für den Forstmann richtig sein, der Gärtner kann sich aber bekannt- lich durch Papierstreifen, die mit klebriger Substanz, Brumata-Leim etc. bestrichen sind und die um den Stamm angebracht werden, ziemlich schützen. — Wir hätten diesen Schmetterling in die Abtheilung für I>and- und Gartenbau gebracht, ebenso den Maikäfer, wenngleich dieser auch für die Forsten oft schädlich wird. — Im Uebrigen ist aber gerade der den Landmann und den Gärtner interessirende Theil am stärksten ausgefallen und sei das Werk daher namentlich diesen bestens empfohlen. Aber auch der Forstmann wird befriedigt sein können, wenn er nur alle in dem ihm gewidmeten Theile aufgeführten Insekten kennt. Ihn interessiren ausserdem ja ganz besonders auch die nütz- lichen Insekten, speciell die Schlupfwespen, welche im 3. Theile behandelt sind. VersctLiedenes. Abgescliiütteue Hyacintlieii und Tulpen. In Folge cIlt prachtvdllon l'"riihlings\vitterung war im verflossenen Jahre die Blüthezeit der Hyacinthen, 'l'ulpen etc. in llaarleni's Umgegend schöner wie je, und da die trockene Witterung der Versendung der aljgeschnittenen Blumen dieser Zwiebelgewächse wenig Hindernisse in den Weg legte, so haben diese Versendungen von Blumen von Hyacinthen, Tulpen, Narcissen etc., später auch von Anemonen, Ranunkeln und Gladiolus im letzten Jahre einen Umfang erreicht, wie noch nie zuvor. Namentlich ist dadurch der Londoner Markt überschwemmt worden und Verschiedenes. 20^ ist in Folge dessen der Verkauf der gleichzeitig dort gezogenen Blumen aus früher aus Holland erhaltenen Blumenzwiebeln beinahe unmöglich geworden. Indess nicht nur in London, sondern auch an andern englischen Orten, und auch hier und da auf dem Festlande, haben sich die dortigen Züchter von Holländischen Blumenzwielieln liierüber nicht ohne (Jrund beklagt. Die meisten Züchter und Händler in Blumenzwiebeln in der Umgegend von Haarlem haben einge- sehen, dass im Interesse eines geregelten Verkaufes tler Zwielieln diesem Verschleudern der ab- geschnittenen Hiunicn auf ausländisclien Märkten Einhalt gethan werden niiisse. Demzufolge ist in einer aussergewöhnlichen (iencralversanmilung des Allgemeinen Vereins zur Beförderung der Kultur der Blumenzwiebeln zu Haarlem (ein Verein, welcher gegenwärtig in i2.Sectionen nahe an 500 Mitglieder zählt) diese Sache zur gründlichen Berathung gekommen und durch diese Generalversanmilung folgender Beschluss gefasst: Sämmtliche Züchter von oder Häntller in Blumenzwiebeln in Holland, gleichviel ob sie Mitglieder des Vereins sind oder nicht, werden eingeladen, eine Erklärung zu unterzeichnen, durch welche sie sich verpflichten, 1. Weder in das Inland, noch in das Ausland zu versenden: abgeschnittene Blumen von Hyacinthen, Tulpen, Narcissen, Anemonen, Ranunkeln und Gladiolus, es sei denn: a) als Muster in Sendungen unter 5 '^'i'"' b) als Gratissendungen für Ausstellungen. 2. Keine abgeschnittenen Blumen der genannten Gewächse zu veikaufen, zu verschenken oder Andern als Handelsartikel zur Disposition zu stellen. Die Unterzeichnungen werden durch die Comites der Sectionen von den einzelnen Züchtern und Händlern gesammelt werden. Man erwartet, dass diese Massregel dem Zwecke entsprechen wird. Tanacetuni leucophyllum Rgl. (Compositae). Die »Gartenflora« beschreibt diese, in Turkestan am Fusse der Gletscher heimische Pflanze, wo sie rasenförmig wächst und eine Masse von aufsteigenden silberweiss behaarten Stengeln aus dem Wurzelhalse treibt, an deren Spitze die gelben Blüthenköpfe in laxen Doldentrauben stehen; de Blättchen des Hüllkelches schwarzgerandet, die Blätter fiederschnittig und ebenfalls silberweiss behaart. Die Pflanze bildet auf halbsonnigem Standort einen dichten, sillierweissen Rasen, der in Petersburg unter leichter Decke von Tannenreisig sicher und gut überwinterte. Es dürfte deshalb diese zierliche Pflanze einen erwünschten Zuwachs zu unseren Teppichbeet-Pflanzen abgeben. Kraut und Blumen besitzen einen angenehmen Wnhlgeruch. Vermehrung durch Samen und Theihmg. (>. H Interessante blüliencie Pflanzen. 1. Im Königl. Berggarten zu Herrenhausen. Im Februar 1882. Mitgetheilt vom Oberhofgärtner H. Wendland. Brassavola glauca. 1 Gongora truncata. Cattleya chocoensis. Cypripedium longifohum. Selenipedium Schlimii. Dendrobium Kingianum. P^pidendrum variegatum u. virgatum. Oncidium Cavendishii u. serratum. Orchis longicruris. Ophris lutea, Scolopax u. speculum. Paphinia cristata. Phalaenopsis Schilleriana. Tillandsia erubescens. Spathiphyllum commutatum. Ceratozamia mexicana. rj' Medinilla magnifica. Euterpe elongata sp. nov. 204 Interessante blühende Pflanzen. 2. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Ende Fcl)ruar — Anfang Mär/ 1882. Mitgetheilt vom Kunstgäitncr C. Wissknhach. Es l)liihten hier Ende Februar gegen iio Arten und Abarten von Kalt- und Warmhaus- pflanzen. Der Kürze wegen fülne ich hier nur die schönsten und wichtigsten an. Den in früheren Listen erwähnten Pflanzen ist ein f vorgesetzt. ( ) r c li i d c e n : Bletia purpurea. Coelogyne cristata. ■f Od(nitoglossuni pulchellum, vvohhiechend. J5 r o m e 1 i a c e e n : Aechniea fulgens. Caraguata van Volxemi. Enchohrion coralhnum. W a r m h. auspflanze n : Aeschynanthus ramosissinius, scharlachorange, prächtig für Ampeln. Amaryllis robusta. » vittata nebst einer Menge Hybriden. Anthuriuni Dechardi, Sj)adix schmutzig weiss, Spatha innen weiss, aussen grün. j" Anthurium ornatum. •j- » Scherzerianum grandiflorum. f Begonia odorata 1 t » dichotoma weiss. » scandens | j i> manicata, helirosa. » lobulata » Begonia Verschafifelti, karmin. » Roezli, Scharlach. •j" Franciscea cximea, prachtvoll! j- » hydrangaeformis. f Ilexacentris mysorensis, wunderschön. f Passiflora kermesina. Pavonia Makoyana, Bhnnenkrone schwärzlich, Kelch sehr gross, schmutzig Scharlach. •j- Streptocarpus polyanthus. Strelitzia Reginae, Blumen von sehr inter- essantem Bau und schöner orangegelber und blauer l'"arbe. f Thunbergia Harrisi, ungemein reichblühend. P f 1 a n z e n der kalte n u "j" Acacia dealbata » linearis / gelb, f j> Pliceana ) Boronia pinnata, zartrosa. Camellia japonica, zahlreiche Varietäten. ■j" Correa bicolor. ■{" » cardinalis. "f » magnifica. Chorizema cordata splendens, orangeschar- lach. Chorizema Lavvrenccana, karminscharlach. f Cyclamen persicum Epacris, ein Dutzend Arten und ebenso viele Abarten in den schönsten Farben von weiss bis dunkelkarmin. nd temperirten Häuser. f Erica, gegen ein Dutzend Arten und Ab- arten. Grevillea elegans, gelb und rotli. ■{" » Preissi, roth. Hovea purpurea, l)lass purpurblau. Lechenaultia intermedia ^ r , ■ , T, • ■ ( rostfarbaig. I y> Baxteri major J f Leptodactylon californicum. f Libonia penrhosiensis. f Lopezia miniata. Polygala cordifolia, violett. Pultenaea subumbellata, gelb und braun, äusserst reichblühend. Sericobonia ignea. rotii. I f Siphocampylos bicolor. I "j" Sparmannia africana. 3, In der Reichsgräfl. Wilh. v. Magnis'schen Orchideen-Sammlung zu Eckersdorf. Im l'cbruar 1882. Mitgetlieilt von G. KiTTKi. jun. Angraecum eburneuni P. 'l'li., Madagascar. » virens P. Th., Madagascar. pellucidum Lindl. , Sierra Leone. Brassia glumacea Lindl. (Oncidium glumaceum Rchb. fil.), Merida. Cattleya amethystina Morr., St. Catharina. Coelogyne cristata Lindl., Nepal. » Gardnoriana I-indl., Ostindien. » ocellata Lindl., Nepal. » speciosa Lindl., Java. Interessante blühende Pflanzen. — Personalnachricliten. 205 Cymbidium Mastersii Griff., Ostindien. Dendrobium aggregatum Boxb., Ostindien. » Wardianum Warner, Assam. Lycaste Skinneri Lindl., Guatemala. » i> purpurata Lindl , Guatemala. Masdevallia coccinea Lindl. Rchb. fil., Neu- Granada. Masdevallia Houtteana Rchb. lil., Neu-Gra- nada. Maxiilaria densa Lindl., Mexico. a luteo alba Lindl , Süd-America. !> picta liook., Brasilien. Cypripedium longitolium Warsc. et Regel, Costa Rica. Cypripedium villosum Lindl., Indien. » venustum Wall., Nepal. Odontoglossum bictoniense Lindl., Mexico. » Ehrenbergii KL, Mexico. i> grande Lindl., (juatemala. Odontoglossum jnilchellumBatem., Guatemala. " Uro-Skinneri, Guatemala. Oncidium Cartaginense Jacq., Carthagena. Phalaenopsis rosea Lindl., Manilla. Phajus cupreus Rchb. fil., Amboina. » maculatus Paxt., Nepal. » Wallichii Lindl., Khasya-Htigel. Rodriguezia Barkerii Hook., Brasilien. » granadensis Rchb. fil., Neu-Gra- nada. Restrepia autennifera H. B. K., \'enezuela. \'anda insignis Lindl., Malayische Inseln. » suavis Lindl., Java. » tricolor Lindl., Java. » B naevium Lindl , Java. » » suavissima Lindl,, Java. Trichopilia suavis Lindl., Costa-Rica. Hylobium squalens Lindl., Brasilien. Zygopetalum crinitum Lindl., Brasilien. Personalnachricliten. Dem seit längerer Zeit in Folge eines Schlaganfalls leider halb invaliden Garteninspektor E. Otto in Hamburg ist am 28. Januar d. J. , seinem 79. Geburtstage, von einer Deputation des Gartenbauvereins für Hamburg, Altona und Umgegend eine grosse goldene Medaille (Portu- galöser) überreicht. Der frühere Institutsgärtner Linde.muth in Poppelsdorf bei Bonn ist zum Königl. Universitäts- gärtner in Berlin ernannt. — Dem Haumschulbesitzer Franz Späth in Berlin ist der Charakter als Oekonomierath, dem Obergärtner Rittkr zu Engers ist der Titel Königlicher Garten-Inspector verliehen. Spreclisaal. Weitere Antwort zur Frage 13. Coniferen in seltenen und schönen Exemplaren liefert u. A. Fr. Hermann Ohlendorff zu Hamm bei Hamburg und M. Lorgus, Stralsund. Weitere Antwort zur Frage 14. E. E. in L. Als Gewächshaus-Fabrikanten nennen wir Ihnen noch Bretschneider & Krügner, Berlin SO., Elisabethufer 48, C. F. Biesel & Co., Berlin N., Fehrbellinerstrasse 45. - Als Referenzen nennen uns erstere Herren Herrn Martin Grashoff, Quedlinburg. 15. V. M. in G. Ich stehe im Begriff, am Südgiebel meines Wohnhauses in der Richtung von Nord nach Süd mir ein Gewächshaus zu bauen; dienlich als Wintergarten, Raum zum Heranziehen von Stecklingen etc., und zum Ueberwintern von Kalthauspflanzen und würde gern einen kleinen Aufsatz über die Hauptgesichtspunkte, die beim Bau eines Gewächshauses zu beobachten sind, in der Gartenzeitung sehen. — Oder giebt es praktische Schriften darüber, auch über Heizungen ? Wir werden s. Z. einen solchen Aufsatz bringen, einstweilen .empfehlen wir Ihnen Hartwig J., Gewächshäuser und Mistbeete. Berlin bei Paul Parey 1876 (Thaerbibliothek). Die Heizungen sind darin aber ziemlich kurz behandelt. — Von grösseren Schriften ist zu nennen Wörmann, der Garten -Ingenieur. \'on älteren: Neumann, Gewächshäuser und Mistbeete. Q'-'^"<^1^'"^'"'"S und Leipzig bei Bosse 1846. 16. C. W in S. bei K. Für unser sehr rauhes Klima war ich vor einigen Jahren benöthigt, etwas Birnensorten für Hochstamm zu verschreiben und wurde mir die Anstalts-Gärtnerei in Kloster-Neuburg bei Wien zu diesem Zwecke empfohlen. Ich erhielt ausser direkt bezeichneten bekannten Sorten auch die untenstehenden zugesandt, habe sie vermehrt, finde sie aber in keinem andern Katalog oder mir zugänglichen Gartenbuch. Eine Beschreibung oder auch Ver- zeichniss halje trotz Anfrage von obiger Gärtnerei nicht erhalten. Nun geht meine Bitte dahin, eine verehrte Redaktion möchte im Sprechsaal Näheres über den Werth oder Unwerth der hier bezeichneten Sorten mittheilen. 2o5 Sprechsaal. Einige Sorten davon habe ich bereits auf alte Hochstämme gepfropft, doch tragen sie noch nicht. Kommendes Frühjahr will ich ein Quartier veredeln und wäre es mir sehr erwünscht, nur Gutes veredeln zu können. Antwort. Königin der Birnen. Eine mittelgrosse, rostfarbige, steinige Frucht, ähnlich dem Trocknen Martin, gut zum Kochen und zum Dörren, Baum ziemlich kräftig, verlangt guten lioden, Reifezeit November. Entspricht keineswegs ihrem Namen. Diese Königin der Birnen ist aber nicht zu verwechseln mit der Königin der Birnen des Königs Ludwig von Baiern, welcher eine l'"rucht an der Tafel des Papstes Fius IX. kostete und sie als die Reine des poires, Königin der Birnen, erklärte. Diese geht unter dem Namen Saint Louis de Rome oder Reine des poires. Sie reift Mitte September bis Mitte October, und hält sich etwa 6 Wochen. Wurde von Laurentius in Leipzig ausgegeben. Fleisch weiss, schmelzend, saftreich, mittelgrosse Frucht, Haut bräunlich mit einem Flaum, ähnlich der Grauen Reinette bedeckt Es fragt sich nun, ob Sie die Koch- oder die Tafellrucht besitzen, was nach der Beschreibung beim Tragen wohl bald zu entscheiden wäre. Wildling von Chaumontel. Alte sehr gute Frucht in dem ihr zusagenden Boden, Reifezeit Anfang Winters. Am besten als Spalier und als Hochstamm, da sie, von unregel- mässigem Wüchse, schlechte Pyramiden bildet Ist in Betreff des Bodens und Klimas sehr wählerisch und würde in rauhen, hohen Lagen kaum gute Früchte liefern Arlequin musque. Ziemlich alte Frucht, mittelgross, aber wenig angebaut, wohl nur in Sammlungen, Reife im October, gute Pyramiden auf (Quitte bildend, ziemlich gut tragend auf Hochstamm. Harter Baum. ZartSchalige Sommerbirne. Gute Sommerfrucht im August, sehr tragbar als Hoch- stamm, auf Quitte und Wildling. Graue Pfundbirne. Giebt es nicht, soll vielleicht Grüne Pfundl;irne heissen, welches eine gute Koch- und Dorrfrucht ist, Reife im October. Fondant e des l)ois. Eine der besten Birnen des Herbstes. Will etwas geschützte Lage als Hochstamm, der Winde wegen, welche die grosse Frucht leicht abwerfen (Holzfarbige Butter- Birne in Deutschland). Professor Dupont. Unter diesem Namen giebt's keine Birne. Ist entweder ein Local- Name, oder der Name ist verschrieben; es giebt eine Professeur Dubreuil. Gefärbte Herbstbirne. Unbekannt. Vielleicht Broncirte Herbstbirne, welche eine vor- zügliche Frucht des Herbstes ist. Madame Durieuse, nicht Mme. Durien. Frucht sehr gut, Form der Bergamotten, Wuchs massig als Hochstamm. Reife October. Salzburger. Kleine, sehr gute, reichtragende August-Marktfrucht, sehr gut als Hochstamm für rauhe Lagen. Jägerbirne. Sehr gute, ziemlich grosse Marktfrucht. Gut als Hochstamm und sehr fruchtbar. Colmar d'Alost. Mittelgrosse Frucht, sehr gut, Baum von schöner Pyramidenform, sehr tragbar. Reife im October. Sie benbürgeri-n. Ziemlich grosse, hübsche P'rucht, gelb mit rosa verwaschen, ziemlich gut, im September reifend. Virgouleuse. Alte bekannte, sehr gute grüne, nachher gelbliche Winterfrucht, in Berlin zur Zeit in jedem böhmischen Obstkeller zu haben. In rauhen Lagen jedoch am Spalier an der Morgenseite zu ziehen. Pinchart Leonie. Unbekannt, wahrscheinlich ein falscher Name. König Eduard. Sehr grosse Paradefrucht wie die Belle Angevine und van Marum, citronengelb mit roth verwaschen; wenn zu richtiger Zeit gebrochen und von günstigem Boden, auch als Tafelfrucht zu gebrauchen, sonst für die Wirthschaft. Reife im October. Nur als Formbauin zu verwerthen, da sie zu gross für Hochstamm ist. Wenig fruchtbar. Da Sie be- absichtigen , im Frühling ein Quartier mit guten Sorten zu veredeln , so wäre es jedenfalls nur rathsam, die vom Deutschen Pomologen- Verein aufgestellten, so wie andere empfehlenswerthe Sorten zu vermehren, und sind wir gern bereit, erforderlichen Falls Sie mit unserm Rath zu unterstützen. Carl ]\Iathieu. 17. v. K. in O. bei M. Ich bitte um Antwort auf folgende Fiage; i>Wie kon.^ervirt man am besten alte hohle Bäume, z. B. Eichen, Weiden? Soll man den hohlen Raum ausfüllen r Mit welchem Material:« Ja! Am besten mit einem Gemenge von Lehm und Kuhmist oder gar mit Cement, nachdem vorher der Mulm aus dem Baum entfernt und das Innere möglichst glatt geschabt, mithin alle vermoderten Theile entfernt sind. Hauptsache ist, dass die Füllmasse fest eingestampft werde, damit sich keine hohlen Räume bilden, in denen sich Feuchtigkeit sammeln kann. T?ericlltigUU5r. S. 161 in der Figuren -Erklärung lies: u Klappen (Deck- und Vorblatt; statt: Knospe. m^ 5« ^ Q3 S ^ cd ^ P. Magnus: Pfropf hybriden zwischen Kavtoffelsorten. 207 Die von Herrn Hofgärtner Reuter gezogenen Pfropf- hybriden zwischen den Kartoffelsorten Mexicain und Black-Kidney. Von P. Magnus. (Vorgetragen in der Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues am 30. Dezember i88i.~) Hierzu eine Farbendrucktafel. J^uf der von Herrn B. Hache freundlichst nach der Natur gemalten Tafel sind die Knollen der dunkel-bleigrauen rundlichen Kartoffel »Black- Kidney« , sowie die der weissen, langen, dünnen »Mexicain« dargestellt, welche die Novara-Expedition aus Amerika mitgebracht hatte. Herr Hof- gärtner Reuter hatte sie schon viele Jahre kultivirt und erzog 1874 durch Pfropfung einen Pfropf hybriden aus beiden, der von mir vorgezeigt und besprochen wurde in der Sitzung des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg am 30. Oktober 1874 (S. Verh. des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg 17. Jahrg. 1875 Sitzungsber. S. 4 — 7). In den zwei unteren Figuren sind auf beigegebener Tafel einzelne Knollen dieser Pfropfhybriden abgebildet. Herr Reuter schnitt aus der weissen, langen Mexicain-Knolle ein zweiflächig-keilförmiges, ein Auge führendes Stück heraus und setzte es in einen ihm congruenten Spalt der Black-Kidney ein. Von 8 so be- handelten Knollen erhielt er an 2 Stauden die Pfropf hybride, und wurden 1874 diese durch Pfropfung erhaltenen Mittelformen in die Ausstellung des Acclimatisations-Vereins gesandt und lagen so zur Beurtheilung einem grossen sachkundigen Publikum auch ausserhalb des Botanischen Vereins vor. Herr Reuter hat seitdem, und das ist gegenüber einigen ab- sprechenden Urtheilen sehr hervorzuheben, in den letzten 7 Jahren seit 1874 diesen Bastard konstant aus den 1874 erzielten Knollen gezogen, so dass die der Versammlung vorgelegte Pfropfhybridenknolle vollständig mit der 1874 von Herrn B. Hache gemalten übereinstimmt. Ich sage, dass dies sehr hervorgehoben zu werden verdient, so selbstverständlich, wie es Manchem erscheinen möchte. Denn Herr H. LiNDEMUTH, der in seinem Aufsatze »Vegetative Bastarderzeugung durch Impfung« (aus Landwirth- schaftliche Jahrbücher 1878 Heft 6) die Bildung von Pfropf hybriden der Kartoffel durch schätzenswerthe Beobachtungen über Variation der Kartofifel- knollen zu widerlegen sucht, führt z. B. p. 40 folgende Beobachtung des Herrn A. W. RiMPAU auf Schlanstedt an: »Ich selbst habe nur im Jahre 1874 6 wechselseitige Okulirungen (also im Ganzen an 12 Kartoffeln) in der von HiLDEBRAND beschriebenen Weise gemacht; ich nahm daher stets Garten Zeitung 1882. '4 208 E. Magnus: auf einer Unterlage von weisser Farbe ein Auge von einer rothen Varietät und umgekehrt. Ob eine wirkliche Verwachsung eintrat, konstatirte ich nicht. Unter dem Ertrage der 12 Kartoffelstauden fanden sich neben vielen reinen Repräsentanten der Varietät, von der das jedesmalige Pfropf- auge stammte, einige reine Repräsentanten der Unterlage-Varietät (ver- muthlich von unzerstörtcn, übersehenen Augen herrührend); ausserdem fand ich 5 Knollen, die ich allenfalls als intermediäre zwischen der Unterlagen- und der Pfropfungen - Varietät hinsichtlich der P^arbe ansehen konnte. Diese 5 Knollen pflanzte ich 1875; sie ergaben dann alle aber Nach- kommenschaft, welche von der 1874 benutzten Pfropfungen-Varietät nicht zu unterscheiden war. Seitdem habe ich die Versuche nicht weiter fortgesetzt«. Auch citirt Herr LiNDEMUTH selbst S. 46 die von NoBBE formulirte und vom Congresse bei der Kartoffel-Ausstellung in Altenburg angenommene Forderung. »4. Als eine wirkliche Sorte kann ein Züchtungsprodukt erst dann Geltung erlangen, wenn dessen Knollen-, Stengel-, Blüthen- und Blattbildung mindestens 5 Jahre lang durch beglaubigte Versuche sich als konstant bewährt hat«. Nun, dieser Forderung ist jetzt von Herrn Reuter mehr als Genüge geschehen, da er, wie gesagt, den Pfropfhybriden seit 1S74 konstant er- zogen hat und ihn wiederholt in verschiedenen Jahren sachverständigen Männern zusandte, wie z. B. 1878 dem unterdessen verstorbenen Professor Hanstein (vergl. dessen Mittheilung in den Sitzungsberichten der nieder- rheinischen Gesellschaft in Bonn vom 6. Mai 1878). Was nun die intermediären Eigenschaften der Pfropfhybriden betrifft, so will ich sie in Kürze nochmals im Vergleiche zu den Eigenschaften der Eltern hervorheben, um den so oft angerufenen Zufall zurückzuweisen. Die Pfropf hybride, die Herr Hofgärtner Reuter passend »Kind der Insel« nennt, zeigt in Form und Färbung eine Mittelbildung zwischen den Elternsorten. Sie ist breiter und dicker, als die lange, dünne Mexicain, länglicher, als Black-Kidney (vergl. die Tafel). Die normale Form der Pfropfhybriden zeigt die unter der Mexicain abgebildete Knolle derselben, während die unter Black-Kidney dargestellte eine weit seltenere, etwas längliche P'orm derselben präsentirt; diese beiden P'ormen sind die äussersten Grenzen der Variation, die ich in den 7 Jahren beobachtet habe. Beide Formen halten noch streng die Mitte zwischen den Eltern, wie das aus der Beschreibung noch deutlicher hervorgeht. Die Pfropf- hybride ist breiter und dicker als die lange, dünne Mexicain, länglicher als Black-Kidney. Ihr Nabel liegt stark vertieft, wie bei Black-Kidney, und wenn die eine -der Bastardknollen durch länglichere PZntwickelung des vorderen KnoUentheiles den kürzeren Knollen der Mexicain in der P'^orm ähnlich scheinen möchte, so unterscheidet sie sich noch immer sehr auf- fallend durch den vertieft liegenden Nabel von der Mexicain, bei welcher Propfhybriden zwischen Kartoffelsorten. 200 der Nabel immer ganz flach, kaum etwas eingesenkt liegt. In Verbindung'- damit ist das Nabelende bei Black-Kidney und den Pfropfhybriden stets stark abgerundet, während es bei der Mexicain schwach zugespitzt verläuft (vergl. die Tafel). Was die P'ärbung der Pfropfhybriden betrifft, so ist sie im Allgemeinen schön kupferroth gefärbt, welche kupferrothe Färbung hier und da flächenweise und streifenweise durch einen gelblichen Ton unterbrochen wird. Ich will noch hervorheben, dass die bleigraue Farbe der Black-Kidney davon herrührt, dass die äussersten Parenchymschichten unter der mächtigen Korklage mit intensiv rothem Zellsafte direkt erfüllt sind. Die schöne kupferrothe Färbung der Pfropf hybriden entspricht daher einer helleren P^ärbung der Black-Kidney, entsprechend einer Aufhellung durch die gelbe Farbe der Mexicain, die hier und da auf der Bastard- knolle durchdringt. Was die Grösse der Knollen des Pfropfhybriden betrifft, so hält sie häufig, wie an den auf der Tafel abgebildeten Knollen, die Mitte zwischen der Grösse der Elternsorten; doch kommt es auch häufig vor, dass Knollen der Pfropfhybriden grösser als viele Knollen beider Elternsorten sind. Immer aber ist das Verhältniss der Längsdurchmesser zum Breitendurch- messer bei der Knolle der Pfropfhybriden das Mittel zwischen dem Verhältnisse der Länge zur Breite bei den Elternsorten. So waren z. B. von den dem Verein in der Sitzung am 30. Dezember 1881 vorgelebten Knollen die der Black-Kidney 4,5 cm breit, 6,5 cm lang Mexicain 3.5 » » 9 » » Kind der Insel 5,2 » » 11,6 » » Hätte die Pfropfhybride das Verhältniss der Länge zur Breite, wie Black-Kidney, so müsste sie bei 5,2 cm Breite 7,5 cm lang sein; hätte sie dass Verhältniss der Länge zur Breite, wie Mexicain, so müsste sie bei 5,2 cm Breite 13,3 cm lang sein. Man sieht daher, dass die Länge 11,6 cm wirklich das Mittel der relativen Länge der Elternsorten ist. Es ist nun inter- essant, dass bei diesen drei Knollen, deren specifisches Gewicht Herr Prof. WiTTMACK auf meine Bitte hat- freundlichst durch seinen Assistenten Herrn BalCKE in der Landw. Hochschule bestimmen lassen, der bedeutenderen Grösse der Ppropfhybriden ein geringeres specifisches Gewicht, d. h. ein geringerer relativer (nicht absoluter) Gehalt an Trockensubstanz, d. h. ein grösserer Gehalt an W^asser entspricht. P3s zeigte von den voro-ele"-ten Knollen, deren Grössemaasse eben mitgetheilt sind Black-Kidney Spec. Gew. 1,092, dem entspricht Trockensubstanz 24,3 pCt. Stärke 16,86 » Mexicain Spec. Gew. 1,087, dem entspricht Trockensubstanz 23,1 pCt. Stärke 15,7 » 14* 2IO Lnculia gratissima Sweet. Kind der Insel Spec. Gew. 1,078, dem entspricht Trockensubstanz 2 1 pCt. Stärke 13,5 ^ Die absolute Masse der producirten Trockensubstanz der Pfropf hybriden möchte daher auch dem Mittel zwischen der der beiden Elternsorten nahe kommen. Die recht ijenaue Mitte der Eigenschaften zwischen den bei der Pfropfung angewandten Elternsorten, sowie auch die Constanz der l'orm, zeigen daher auf's Deutlichste die auf dem Wege der Pfropfung entstandene Mischlingsnatur der Kinder der Insel. Herr Hofgärtner Reuter theilte mir noch brieflich mit, dass das Kind der Insel zwar keine feine Tischkartofifel ist, aber eine vortreffliche P'utterkartoffel sei, indem sie reichlich ansetzt und stets sämmtliche Knollen von beträchtlicher Grösse sind. Luculia gratissima Sweet. ^yn. Cinchona gratissima Wall., der Ordnung der Rubiaceae Bartl. oder Krapp-Gewächse und der Familie Cinchonaceae Lindl. angehorig, also der Cin- Fig. 48. Ltiadia i^ratissiiua Sxvect. chona officinalis L., dem Apotheker-Fieberrindenbaum nahe verwandt, in Nepal und Silhet in Ostindien heimisch, wo sie bis 5 /// hoch wird, ist eine bekannte schöne Pflanze mit grossen wohlriechenden Blüthendolden, eine prachtvolle Zierde des Gewächshauses, wo sie leider nur selten zu finden ist, obwohl ihre Blüthe Luculia gratissima Sweet. 2 I I auch in unserer blumenärmsten Zeit, im Spätherbst und Winter, sich entwickeln kann. J. A. Bautgian giebt nach englischen Quellen in »Dansk Have tidende« folgende Kultur-Anweisung : Man schütze die Pflanze vor allen Dingen vor plötzlichem Temperatur- wechsel, Schmutz und starkem Sonnenschein. Im Februar schneide man sie auf altes Holz zurück und gebe ihr Bodenwärme; sobald sie beginnt zu treiben, verpflanze man sie in einen grösseren Topf mit Rasen- und Lauberde, halte die Bodenwärme auf 16 — 18° R. und die TAift feucht, schütze sie aber auch vor der Mittagssonne. Die Bewässerung richtet sich nach dem stärkeren oder schwächeren Wachsthum. Im Juni kann man die längsten Triebe entspitzen. Wenn die Triebe im Wachsthum nachlassen, ungefähr im August, befördere man ihre Reife durch mehr Luftgeben, halte sie aber doch schattig, und bringe die Pflanze in ein kaltes Gewächshaus, wo sie bald ihre herrlichen Blumen ent- wickeln wird. Wenn diese verblüht sind, hält man die Pflanze trockener und weniger warm und schneidet ihre jüngsten Triebe zurück. Will man Blumen früh im Herbst haben, wird die Pflanze in einen wenig grösseren Topf versetzt imd in ein temperirtes Haus mit feuchter Luft gebracht. Die Vermehrung geschieht durch Stecklinge von halbreifen Seitentrieben, die in kleine Töpfchen unter Glasglocken gesetzt werden , wo sie bei einer Temperatur von +10 — 15 °R. bald Wurzeln bilden, wenn sie beschattet und bei klarem Wetter überspritzt wurden. Luculia gratissima ist seit 1823 bekannt, als sie von Nepal nach England kam, sie hat rosenrothe, wohlriechende Blumen in Dolden, die sich gern im Herbst und Winter zeigen, und langgestielte, elliptische saftgrüne Blätter, die ein wenig herabhängen. Eine andere Art, L. Pinceana, wurde 1837 eingeführt imd hat hellrosenrothe, beinahe weisse Blumen von ausgezeichnetem W'ohlgeruch; sie wächst kräftiger als die vorige. Beide Arten überwintern am besten in einer Temperatur von + 6 — 8° R. Schild- und Blattläuse finden sich mit Vorliebe auf den Pflanzen ein und sind baldigst zu vertilgen, z. B. wie die Wiener Illustr. Gartenzeitung empfiehlt, durch Ll^eberpinseln mit einer Lösung von Gummi arabicum in warmem Wasser (i Th. Gummi in 8 Th. Wasser), die später mit lauwarmem Wasser abzuwaschen ist, aber in keiner Weise schadet. O. H. Berichte über die im Jahre 1881 zu Versuchszwecken vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues beschafften Sämereien, Rosen und anderen Pflanzen. 1. Von Carl Mathieu. (Fortsetzung.) Pflanzen. Euryangiiim Sumbul. Staude von Turkestan, durch E. C. Heinemann erhalten. Wurde ins freie Land gepflanzt, ohne besondere Anzeichen des Anwachsens gemacht zu haben. Im Herbste in einen Topf gepflanzt, treibt sie jetzt gut und soll zum Frühling nochmals ins Ereie gepflanzt werden. 212 Berichte über die im Jahre l88i beschafften Sämereien. Chionodoxa Liiciliae. Ebenfalls von Heinemann erhalten. Kam in Blüthe an, und setzte auch emige Samen an. Sehr zu cmji fehlen des Z\viel)el- (i ewächs. Siehe Monatsschrift August 1881. Rosa riigosa. Kaiserin des Nordens oder R. rugosa flore pleno. Wurde unter obigem hochtrabenden Namen von irgend einem specu- lirenden Geschäftsmanne in die Welt geschickt, ohne etwas Anderes als die R. rugosa fl. pleno zu fein. Eine sehr zu empfehlende, gute und sehr harte Rose für uns. Von einer Firma ein trauriges Exemplar erhalten, einen vom Mutterstamm abgerissenen Schössling ohne Wm-zeln, der, ins Freie gepflanzt, in kurzer Zeit abstarb. Montbretia Pottsü, von Leimoine in Nancy. F.inc sehr hübsche Irideae vom Cap. Blume orangefarben, einer kleinen (iladiolus-Klüthe ähnlich. Zur Topf-Kultur sehr geeignet, ebenso zur Kultur fürs freie Land, ähnlich der Crocosmia (Tritonia) aurea, zu (iruppen oder eingesprengt in niedrige Parthien sehr zu empfehlen. Eine der besten neuen Bereicherungen für die Gärten.*) Salvia involucrata Betheli von I^emoine in Nancy. Eine der schönsten Salbeiarten fürs freie 1, and, sowohl während des Sommers, als auch zur Topf-Kultur. Sie blüht ununterbrochen während des Sommers bis in den Herbst hinein, und nur der Frost setzt dem Blühen ein Ziel. Sie bildet ausgepflanzt zu (iruppen oder auch einzeln auf Rasen einen -/j bis über i m hohen Busch mit sehr schönem Laub und schönen rosenrothen Blüthen mit grossen rosenrothen Stütz- oder Deck- blättern versehen, welche, je weiter die Blüthen erscheinen, mit der Zeit ab- fallen. In Töpfen wird die Pflanze gedrungener und blüht früher, daher eine gute Pflanze tür den Markt. Ceanothus Gloirc de W^rsailles, von Crousse in Nancy. Wie alle Ceanothus-Arten ist dies eine hübsche Pflanze; ganz besonders zeichnet diese sich aber durch ihre sehr grossen, dunkelhimmelblauen, in Trauben stehenden Blumen vor allen andern Sorten aus. Sie blüht während des Sommers reichlich, im freien Lande sowohl als auch im Topfe, eignet sich zu Gruppen, zum Schnitt und zum Marktverkauf. Eine sehr gute Sorte. Sie ist während des Winters gedeckt worden und soll versucht werden, ob sie unter günstigen Umständen unsern Winter gut im Freien überdauert. Agcratmn Gcnitro, von Crousse in Nancy. Gehört zu den Kalthaus-Eupatorien, wie E. glechonophyllum etc., kann jedoch für den Sommer sehr gut als Freiland-Pflanze angewandt werden und muss dann beim Eintritt der kalten Jahreszeit wieder in Töpfe gepflanzt werden. Wie alle Eupatorien gut zu Blumensträussen, besonders im Winter, zu gebrauchen. Rosen von Louis v. Houtte in (icnt. Hybrides rcuioiiiaiits. Red Dragon. Auf (Jrifteraie veredelt, aufs schlafende Auge; das Auge muss beim Transport gelitten haben , obgleich die Rosen von v. Houtte sonst ohne *■) Siehe Beschreibung und Abbildung S. 159 der »Garten-Zeitung». D. Red. Berichte über die im Jahre iSSi beschafften Sämereien. 21"^ Tadel waren, die Sorte trieb nicht aus, und vertrocknete das Auge in Folge dessen. Rosy Moni. Von Paul & Son gezogen, eine sehr schöne hellrosenrothe Rose, Blume sehr gross imd wohlriechend, Wuchs massig; würde sich vielleicht gut zur Treiberei eignen. Mme. Oswald de Kcrchowe. Eine vorzügliche Rose, sehr ähnlich der Elisa Boelle, sowohl in Bezug aufwuchs. Stacheln und Farbe der Blume. Es scheint fast als wäre es ein Sämling von dieser. Wuchs gedrungen. Stacheln grün, Farbe der Blätter ein stumpfes Grün, Blumen ein schönes fleischfarben Weiss. Blüht den ganzen Sommer wie Elisa Boelle, wird sich aber vielleicht nicht zuin Treiben eignen, da sie nur schwaches Holz macht und mehr für freie Kultur in gutem Boden geeignet ist. Coli nie SS of Roseberry. Eine zur Victor Verdier Gruppe gehörige Rose. Blumen lebhaft dunkel rosenroth, sehr schön, Wuchs massig, gut remontirend, würde sich gut zur Treiberei in Töpfen eignen. Diichess of Bedford. Zur grossen Rosomenen (Jactjueiriinot etc.) Gruppe gehörend. Schöne dunkelrothe, leuchtende Blume sehr reichblühend, von ziemlich kräftigem Wüchse. Gut fürs freie Land, in Bezug auf Treiberei müsste sie erst versucht werden. Julius Finger. Schöne weisse, fleischfarbig schattirte Rose, ähnlich der Capt. Christy Blume, einzeln auf starkem Stiele, aber nicht sehr reich blühend,, ähnlich darin der Baronne de Rothschild, auch ähnlich im Wüchse, sehr grosse Blume, gut fürs freie Land, zum Treiben wohl geeignet aber nicht dankbar genug, weil zu wenig Triebe und daher auch wenig Blumen her- vorbringend. Perle d' Angers. Bourbon Rose. Von unmässigem Wüchse, viel Triebe machend, brachte sie bis jetzt noch nicht eine einzige Blume hervor. Muss jedenfalls erst sausrauschen« und sich »setzen«, um dem Züchter nachher desto mehr Freude zu bereiten. Mlle. Marie Berton. Thee-Rose. Sehr schöne (hell) gelbe Theerose. Wuchs kräftig und die Pflanze den Sommer über ziemlich reichblühend. 2. Bericht aus der Gärtnerei von R. Brandt, Charlottenburg. V e r s u c h s p f 1 a n z e n . Rosen Mnie. Oswald de Kerchotve, ist zartrosa mit gelblichem Herz, feines stach- hges Holz mit zahlreichen Knospen; des nassen Sommers wegen waren wenig offene Blumen zu sehen. Mm. Marie Berton noch nicht geblüht. Monbrctia Pottsii. leichtblühendes Zwiebelgewächs mit gelbrothcn Blumen, eine Rispe bildend, als Topfpflanze, zu hohen Bouquets, aber auch als Gruppen- pflanze zu empfehlen. 21 A Berichte über die im Jahre 1881 beschafften Sämereien. Erythrina Crista GalU var. compacta. Blume wie E. Crista Galli, aber als ganz niedrige Pflanze blühend, als Marktpflanze von grossem Werth. Foinsettia pulcherrima fl. pl., schöner als die einfache; die Blätter ganz den Eichenblättern ähnlich, die Brakteen wie bei P. pulcherrima, aber die einzel- nen Blumen noch von kleinen Brakteen umgeben. Salvia involitcrata BctlicU, eine ausgezeichnete Varietät. Die Blätter von atlas- glänzendem eigenartigem (Irün, die Knospen runde Knöpfe, lösen, wenn die Blumen hervorbrechen, 2 rosa Knospenschuppen ab; die Blüthen bilden effectvolle Quirle, zur Handelspflanze gut geeignet, da frühe Stecklinge zeitig blühen; auch als Gruppenpflanze von schönem Effekt. Swainsonia Ferra/idi, eine dem Clianthus puniceus ähnliche Pflanze, die Blumen weiss, einer Wicke ähnlich; die Pflanze ist empfindlich gegen Regen und rauhe Winde. Ceanothus Gloire de Versailles, ausgezeichneter Halbstrauch; hellblaue Dolden bedecken die Pflanze den ganzen Sommer hindurch; für Gruppen nicht genug zu empfehlen. Bei gut hergerichtetem Standort erreicht er eine Höhe von I m und baut sich sehr zierlich; das Treiben geht langsam. Ageratuin Genitro, ganz wie die bekannten Arten, nur ist die Blume weisser. Petufiia grandifl. ßinbrlata plcna. bei guter Pflege schön, kann aber weniger Nässe ertragen als andere. Petunia Prinz von Württemberg , von ausserordentlicher Grösse, schöner Farbe und hübscher Zeichnung. Petunia Prinzessin von Württemberg, gross, Farbe matt. Petufiia maxima, brillantrosa, gut als Gruppenpflanze. Rodgersia podophylla, noch nicht geblüht, Staude wie Spiraea palmata. Begonia semperßorens rosea. Wuchs wie die bekannte weisse, die Blumen schön rosa, an der Sonne beinah roth, aus Samen echt. Begonia smaragdina splendens, wie die bekannte imperialis zwischen den braunen Flecken silberweisser Grund; es waren von 5 Pflanzen eine ganz, zwei ziemlich echt. Lietzea brasiliensis, wie Tidea, noch nicht geblüht. Chamaepeuce gnaphalioides , fast ein Halbstrauch, mit schmalen beinahe hand- langen Blättern, die nach auswärts herunter gebogen, rund um den Stamm stehen. Oberseite der Blätter grau -grün, Unterseite derselben weiss und rauh wie bei Gnaphalium. 3. Bericht des Herrn A. Drawiel. Noa's Treibgurke. Keine besondern Resultate erzielt, obgleich die Samen gut aufgegangen und die Pflanzen kräftig waren. Salat Montreux, neuer von? hat keine guten Resultate gegeben, vielleicht zum sehr frühen Treiben geeignet, Tropaeolum Lobbianum cardinale, von 5 Korn nur i Korn aufgegangen. •Kräftiger Wuchs, aber als Winterblüher nicht zu empfehlen. Die Bohnen und Erbsen hat bei dem trocknen Juni der Mehlthau vernichtet. Die erhaltenen Rosen und Fliedersorten stehen gut, haben aber meist noch nicht geblüht, die Rose Julius Finger wird nächstens blühen. Mlle. Fran- ziska Krüger, Theerose von Schultheiss, blühte am 23. Februar 1882; ist sehr zu empfehlen, treibt sich gut, litt nicht vom Mehlthau. Dendrophilus: Der wilde Garten. 21 5 Die übrigen Berichte bestätigen im Allgemeinen das vorstehend Gesagte. Betreffs der Veilchen ist zu bemerken, dass die meisten der zu theuren Preisen angeschafften Sorten nicht blühen wollen, mit Ausnahme von Sans prez, dass aber auch dieses dem russischen Veilchen nicht gleich kommt. Sie sollen übrigens noch weiter kultivirt werden. Ueber die Nelken lässt sich noch nichts Entscheidendes sagen, ebenso über verschiedene Clehölze, Obstsorten etc. Der wilde Garten. Von DENDROrillLUS. Beispiele zur Verwendung der Waldreben (Clematis). (Fortsetzung.) Eintheilung der WalöLreTsen nach ihrer Blüthezeit und ihren Blumen. I. Am vorjährigen Holze blühend. Im Frühjahr mit mittelgrossen Blumen Montana - Classe Im Frühjahr mit grossen Blumen Patens- Im Sommer mit grossen, oft gefüllten Blumen .... Florida- 2. An dem jungen diesjährigen Triebe blühend. Im Spätsommer mit kleinen Blumen Graveolens- Im Sommer mit sehr grossen Blumen, welche sich nach und nach einzeln entfalten Lanuginosa- ,, Im Sommer und Spätsommer mit grösseren Massen mit- telgrosser Blumen Viticella- Im Sommer und Spätsommer in überreicher Fülle und meist dunkelen grossen Blumen Jackmanni- Von den Clematis, welche nicht echte Ranker sind, sehen wir bei dieser Classification ganz ab. Für den wilden Garten interessiren uns eigentlich nur die Graveolens-, Viticella- und Jackmanni-Classen, allenfalls auch die Montana; da diese aber 1880 bei mir erfroren ist, so will ich sie nicht für allgemeine An- pflanzung empfehlen, besonders, da wir doch noch reichlich genug haben. Von der Graveolens-Klasse sind die besten: C. graveolens, Blüthe hellgelb, stark riechend, August— September. C. orientalis, „ gelb August— September. C. viorna, „ aussen purpur Juli— September. C. virginiana, „ grünlich weiss, duftend, Juli — August. C. vitalba, ,, grünlich weiss, duftend, Juli— September. Letztere ist unsere heimische Waldrebe, sie klettert sehr hoch und ist überall dankbar. 21(5 Dendrophilus: Der wilde Garten. Von der Vit icclla -Klas sc emi) fehle ich: C. viticella, die kleine violette italienische Waldrebe, welche nicht sehr hoch klettert, aber ungemein viel Reben und Blüthen treibt Juli — September. C. viticella rubra grandiflora, ein etwas schmutziges Roth, wie Rathenower Ziegel, sehr reich blühend und da- durch von Werth für den wilden Garten .... Juli — September. C. viticella venosa, reich geäderte Blüthe, weiss mit violett schattirt, recht hübsch Juli — September. Ausserdem giebt es noch mindestens zwanzig Varietäten, welche aber nichts Eigenthümliches haben und an Schönheit durch die folgenden über- troffen werden. J a c k m a n n i - K 1 a s s e. Sämmtliche Hybriden dieser Klasse sind dunkelblau, in violett und purpurrot!! übergehend, manche von ihnen sind schön sammetartig, sie erscheinen in grosser Menge und langer Folge, so dass diese Klasse die bedeutungsvollste für den wilden Garten ist. C. Jackmanni, intensiv violett purpur. C. Prince of Wales, tief dunkelpurpur. C. velutina purpurea, ganz dunkelpurpur, sammetig. C. rubella, bordeaux-roth. C. Madame Granger, dunkel bordeaux, reich sammetig; mit Prince of Wales zu den schönsten zu zählen. Die übrigen lo — 12 Namen der Kataloge haben nur Werth für Sammler und stehen den fünf genannten so nahe, dass ich sie übergehe. Die grossen entzückend schönen Clematis der Lanuginosa, Patens- und Florida-Klassen gehören in den Schmuckgarten, daher besprechen wir sie gelegentlich an anderer Stelle. In Bezug auf die Kultur der Waldreben ist eigentlich nur ein Punkt in unserem Falle wichtig zu beachten. Man nehme beim Anpflanzen starke Pflanzen, — etwa dreijährige • — ■ und gebe ihnen ein reichlich grosses Loch, unten mit Ziegelbrocken und dann mit guter, reicher Erde gefüllt (Lehm, Lauberde und Dünger). Wenn man ihnen ausserdem ge- legentlich ein Paar Schaufeln Dünger im Herbste über die Wurzeln breiten kann, so werden sie dies durch üppiges Blühen lohnen. Bei einer Clematis Jackmanni sind Tausende von Blüthen die Regel. Nassen Untergrund vertra;Flora« besuchte. Gartendirektor Niepraschk hatte die Freundlichkeit, mir die ausge- dehnten Anlagen und die Gewächshäuser zu zeigen und mir einen Einblick in den Betrieb und die Organisation des Ganzen zu verschaffen. Unzweifelhaft gehört die Flora zu den bedeutendsten Schöpfungen der modernen Landschafts- gärtnerei und dient bis auf den heutigen Tag als Muster für alle derartigen Anlagen. Es ist eine wahre Heimstätte der Gartenkunst und der Gartenkultur und Direktor Niepraschk, welcher seinerzeit den von Lenne entworfenen Plan ausführte, versteht es, immer wieder neue Schönheiten und Scenerien zu schaffen imd so , den ursprünghchen Gedanken Lenne's immer mehr zu vertiefen und zu veredeln. Dass in einem derartigen Etablissement die Zöglinge der damit verbundenen Gartenbauschule eine vortreffliche Gelegenheit zu allseitiger praktischer Aus- bildung und Verfeinerung ihres Geschmackes vorfinden, unterliegt wohl keinem Zweifel. Auch der Umstand, dass der Garten öffenüich ist, dass die Blumen- gruppen und Dekorationen fortwährend geschmackvoll geordnet sein müssen und ein reger Pflanzenverkauf stattfindet, trägt wohl nur dazu bei, die Schüler mit der späteren Praxis ihres Berufes vertraut zu machen. A'on Köln fuhr ich nach Gent, zuerst durcli endlose und nur selten von Obstbäumen unterbrochene Ackerflächen, später durch Distrikte, in denen Berg- bau und Fabriken das charakteristische Moment der Gegend ausmachen. Hier tritt der Obstbau schon mehr hervor. Hinter Aachen sieht man ein deutliches Zeichen der Nähe Belgiens und des Einflusses der dortigen Obstkultur, die ersten Obstspaliere an den Wänden der Fabriken und Häuser, die dann in allen Formen immer häufiger auftreten, um in Verviers, der ersten belgischen Stadt, ganz allgemein zu sein. Diese Benutzung der Häuserwände hat sich in Belgien derart eingebürgert, dass auch der kleine Besitzer, der Fabrikarbeiter, der Landmann diese Art der Spalierzucht in ihren Mussestunden ausführen und durch den Verkauf der durch Schutz und Wärme der Mauern um so vorzüglicher gewordenen TafeHrüchte nicht unerhebHche Neben-Einnahmen erzielen, abgesehen davon, dass namendich die Arbeiter durch die ihnen liebgewordene Beschäftigung mit den Spalieren in einem gewissen Grade vom Wirthshausbesuch fern gehalten werden. (Fig. 49.) Von Verviers quer durch das so vorzüglich bebaute und wohlhabende Land mit seinen sauberen Häusern und gut gepflegten Gärten fahrend, kam ich nach 2l8 R. Goethe; Gent, dieser alten und renommirten Gärtnerstadt. Unter der liebenswürdigen Führung eines der hervorragendsten der dortigen Fachmänner, des Herrn Prof. Pynaert van Geert, selbst Besitzer einer bedeutenden Gärtnerei, gewann ich die interessantesten Einblicke in die grossartigen Etablissements und die in der That staunenswerthen Kulturen der belgischen Handelsgärtner. Man findet da Pflanzenschätze aus allen Welttheilen zusammengetragen und stets durch neu entdeckte Species vermehrt. Was die belgischen (Gärtnereien so wesendich von vielen deutschen unterscheidet, ist der Umstand, dass man sich nicht wie bei uns auf die massenhafte Anzucht junger Pflanzen und deren baldigen Verkauf- beschränkt, sontlern den Schwerpunkt in die Kultur von tadellosen, in schönster Entwicklung stehenden Muster-Exemplaren legt, welche dann in ihrer Schönheit zu bedeutenden Preisen bereitwillige Käufer finden. Freilich darf ich nicht unerwähnt lassen, dass das belgische Publikum auch ganz andere Preise anzu- wenden gewöhnt ist als das unsrige und namendich auch die Gartenliebhaberei Fig. 49. Obstspaliere in einer Fabrik. mit ganz anderen Mitteln betrieben wird. So besuchte ich den Garten eines Genter Apothekers Namens Puls, in welchen sich auf einem verhältnissmässig kleinen Räume mehrere äusserst splendid eingerichtete Reben-Treibhäuser be- fanden, in denen man die vollendetsten Exemplare von Trauben bewundern konnte. Ein solches Treibhaus von 15 Schritt Länge und 4 Schritte Breite kostet den Besitzer gegen 8000 Frcs. In diesem Style ist der ganze Garten bis auf die Frühbeete herunter eingerichtet und solcher Gärten giebt es in Gent viele. Diese Liebhaberei für Reben-Treibereien ist überhaupt ganz auffallend und lässt erkennen, wie sehr man in Belgien von englischen Anschauungen beeinflusst wird. Es bot sich Cielegenheit, eines der grössten dortigen Etablissements in Vilvorde, die Firma Lerot, zu besuchen. Diese Herren haben 44 Treibhäuser ausschliesslich für Trauben. Ausserdem kultiviren sie jährlich 25,000 Töpfe mit Erdbeeren, ebenfalls zur Treiberei und erwerben so mit l'rauben und Erdbeeren jährlich bedeutende Summen. Hier herrscht im Gegensatz zu dem soeben ge- schilderten Garten des Herrn Puls die grösste Einfachheit in der Einrichtung; namentlich sind die Treibhäuser ohne allen Luxus, aber durchaus praktisch und Erinnerungen an eine Studienreise. 219 ohne grossen Kostenautwand konstruirt. Die gezüchteten 'J'rauben und Erdbeeren werden in dem nahen Brüssel stets sehr gut bezahlt. Um den Raum in den Treibhäusern besser auszunutzen, ziehen die Gebrüder Lerot auch viel Topf- reben. Sie verwenden hierzu Töpfe von 25 c Durchmesser und 30 c. Höhe und kultiviren hauptsächlich den Frankenthal (blauer Trollinger) und den Gut- edel (Chasselas). Die Erde für diese Topfreben wird auf das Sorgfältigste unter reichlichster .Anwendung von Sand, Kuhmist (den eigendichen Excrementen), Kalk etc. präparirt. Behufs besserer Lockerung mischt man der Erde kleine Knochentheile bei. Als Treib-Erdbeeren werden die Sorten L. Vilmorin und Marguerite am Meisten geschätzt. In Vilvorde besuchte ich auch die Staats-Gartenbauschule, welche ganz neu eingerichtet ist und ein Areal von 7 Hektaren im Betriebe hat. Leider konnte sich mir der Direktor Gillekens in Folge einer gerade stattfindenden Prüfung nur kurze Zeit widmen, aber das genügte doch, um mir bei einem Rundgange durch die Anstalt zu zeigen, dass hier die Mittel nicht gespart Zrx Th :[l@it Canal Fig. 50. Grundriss und Querschnitt des Lerot'schen Weiniiauses in Vilvorde., Belgien. worden sind und nicht gespart werden, um ohne Rücksicht auf die Kosten etwas Mustergiltiges zu schaffen. Dies macht sich namentlich im trefflich ein- gerichteten Spaliergarten und bei den Gewächshausanlagen bemerklich; man hat nicht wenige grosse, nur mit erheblichen Unkosten zu unterhaltende, sondern viele kleine, sehr zweckmässig eingerichtete Gewächshäuser gebaut, die für die einzelnen Spezial-Kulturen dienen und den Schülern lehren, wie ein grösserer Handelsgärtnerei-Betrieb einzurichten ist. Im Spaliergarten fand ich nur Neupflanzangen, da die älteren Formenbäume durch den harten Winter 1879/80 total zerstört worden sind. Man erkannte aber bei allen diesen Neuanlagen den Grundgedanken, nur wenige einfache Formen und wenige erprobte gute Sorten anzuwenden. Ausserdem treibt man in Vilvorde auch die Baumzucht in e'ner ziemlich umfangreichen Baumschule und den Gemüsebau. Die Schüler verrichten sämmt- liche Arbeiten und werden auf diese Weise zu tüchtigen Praktikern herangebildet. Verfolgt die Staats- Schule in Vilvorde den Zweck, brauchbare und nament- lich im Obstbau gut beschlagene Gärtner zu erziehen, deren praktische Kennt- nisse grosser sind als die theoretischen, so strebt die Gartenbauschule in Gent, welche von der Provinz, der Stadt und dem dortigen Gartenbauvereine unter- 220 K. GoetliL-: halten wird, vielmehr dahin, ihren Schülern neben einer tüchtigen Praxis auch umfassende theoretische Kenntnisse beizubringen. Zu dem Zweck unterrichtet man die Schüler des Nachmittags in den hierfür eingerichteten, im Botanischen Garten befindlichen Räumen und lässt sie des Vormittags in vier Genter Eta- blissements, dem Zoolog^ischcn Garten, der Kunst- und Handelsgärtnerei von PvNAF.RT VAN Geert, dcii Baumschulen von Purvenich und dem Botanischen (harten arbeiten. Rüdkias, Direktor des Zoologischen Gartens, unterrichtet in der Landschaftsgärtnerei, Pvnaert in der Blumenzucht und Vermehrung der Pflanzen, Burvenich in der Obstkultur und van Hülle, Direktor des Botanischen Gartens, in der Botanik. Diese vier Professoren stehen unter dem Direktor Kicks und sind auch in den weitesten Kreisen wegen ihrer Eintracht und ihrer tüchtigen Leistungen bekannt. Ich erinnere mich mit grosser Freude an die mit ihnen verlebten Stunden und danke ihnen auch hier noch einmal für die waJirhaft herzliche Aufnahme. Ich kann den Bericht über Belgien nicht schliessen, ohne des Botanischen Gartens in Brüssel Erwähnung zu thun, welcher, was Vortrefflichkeit der Kulturen und Reichthum an Pflanzenschätzen anlangt, wohl unter den Ersten seiner Art genannt werden muss. — Ursprünglich hatte ich beabsichtigt, auf dem Wege nach Paris die Normandie zu berühren, um einen Einblick in die dortigen ausgedehnten Obstpflanzungen und die Art und Weise der Cider-Bereitung zu gewinnen. Schon lange vor Beginn der Reise schrieb ich an mehrere Redaktionen französischer Fachschriften und bat sie um Rath wegen des besten Weges und der hauptsächlichsten und interessantesten Produktionsorte. Da ich aber von keiner Seite her eine Antwort erhielt, unterliess ich diese Abweichung von der direkten Linie und fuhr von Brüssel ohne Umweg nach Paris, die Besichtigung der Normandie auf günstigere Zeiten verschiebend. Da ich Paris und seine Umgebung schon aus den Jahren 1867 und 1870^71 her kenne, verwendete ich die Zeit des Aufenthaltes aus- schliesslich für den Zweck meiner Reise und besichtigte zuvörderst die beiden Gartenbauschulen von Vincennes und Versailles. Wenn man von Westen her durch die Porte des Picpus in das Bois de Vincennes eintritt, sieht man sogleich linker Hand die hohen Spalierwände der übrigens dem Publikum nicht geöffneten Fxole d'arboriculture de la Ville de Paris. Durch eine besondere Freundlichkeit des Jardinier en chef vom Bois de Vincennes, Herrn Primout,*) durfte ich den Garten unter seiner Führung ohne die sonst erforderliche Erlaubniss des Seine-Prefekten betreten und mir die ganze Einrichtung ansehen. Charakteristisch für die Schule sind die nach den Entwürfen des Direktors Professor Dubreuil ausgeführten Spaliergärten. Man befindet sich in der Hochschule der Spalierzucht, deren Regeln so strenge befolgt werden, dass man lieber auf Früchte verzichtet, als dass man die kleinste Unregelmässigkeit in der P'orm der Bäume zugeben wird. Der Boden ist sehr gering und überreich an Kalk, aber trotzdem fruchtbar; die sonst meistens auf Quitte veredelten Birnsorten gedeihen hier nur, wenn sie auf Birnenwildlinge gepropft wurden. Von allen Spalierformen giebt man in Vincennes der doppelten "\'errier-Palmette, wie sie die Skizze Fig. 51 darstellt, den Vorzug; ausserdem bepflanzt man die zwischen den Spaliermauern resp. deren Rabatten befindlichen *) Herrn Primcnit sage ich für seine Führung besten Dank. Erinnerunaren an eine Studienreise. 22 I Beete mit Apfel-Kesselbäumen. Es kommen übrigens auch liier die grossen Spalierformen immer mehr ab und werden durch kleinere Palmetten ersetzt. Professor Dubreuil lässt ein ganz kurzes Einkneipen der seitlichen Sommertriebe behufs baldiger Umwandlung in Fruchtholz ausführen; er wendet es selbst bei Pfirsichen an, die bei uns unter einer derartigen Behandlung sehr bald den Gummifluss bekommen und zu Grunde gehen würden. An den grossen Spaliergarten schliesst sich ein Reb-Versuchsfeld, mit einigen zwanzig der besten Rebsorten bepflanzt, welche an Drahtgestellen gezogen werden. Hier traf ich einen alten Bekannten, unsern Riesling, der vom JohannisbBrg stammte. Herr Primout rechnete es sich zum ganz besonderen Verdienste an, diese raisin principal des Allemands in Frankreich eingeführt zu haben. An das Rebfeld stösst ein mit Hochstämmen angepflanzter Obstgarten (V erger). Der theoretische Unterricht wird in dem Gebäude der Gartenbau-Gesellschaft in Paris ertheilt und zwar während der Dauer der Kurse am Dienstag und Donnerstag Morgen. Unzweifelhaft spielt die Theorie eine Nebenrolle; Haupt- Doppelte Venier-Palmette (in Vincennes). Fig. 52. Einfache Verrier-Palmette (in Versailles). Sache ist der praktische Unterricht. Man beschränkt sich auch auf die Abhaltung von zwei Cursen im Jahr. Der eine beginnt im Februar zur Zeit des Baum- schnittes und dauert bis Juni, der zweite ward im Herbst abgehalten. Am Schluss jedes Kursus finden Prüfungen slatt, bei welchen die Antworten nach Nummern abgeschätzt werden, o ist neant, i bis 5 mal, 6 bis 11 passable, 12 bis 14 assez bien, 15 bis 17 bien, und 18 bis 20 tres-bien. Nur diejenigen Kandidaten haben Anspruch auf ein vom Seine-Prefekten ausgestelltes Certificat de capacite, welche sich über 200 emporschwangen; Preise erhalten diejenigen Schüler, welche die höchsten Zahlen aufweisen können. Ein ganz anderes Bild als die Schule von Vincennes gewährt die staat- liche Ecole d'horticulture in Versailles. Erstere ist eine ganz neue Schöpfung, welche nur über ein Lehrmaterial von doch immerhin massigem Umfange ge- bietet und ausschliesslich praktischen Zwecken dienen soll; letztere verfügt über bedeutende Lehrmittel und will ihren Schülern auch tüchtige theoretische Kennt- nisse beibringen. Sie wurde zwar erst im Jahre 1873 durch den Staat in's Leben gerufen, aber man errichtete sie in dem Jardin potagere des weltberühmten R. Goethe: Erinnerungen ,-in eine Studienreise. Parkes von Versailles und stattete sie dadurch mit dem werthvollsten Unterrichts- materiale aus. (Ich habe hier dem Direktor der Schule, Herrn Professor Hardy, für die freundliche Führung und die interessanten Auiklärungen über französische Spalierzucht bestens zu danken.) Der (iemüsegarten Ludwig XIV. nimmt einen Raum von 9,5 Hektaren ein und ist von einer grossen Zahl hoher Mauern durchzogen, welche zur Anzucht von Spalieren aller Art eine Fläche von 12,000 (^u.-Met. darbieten und 5000 Met. lang sind. Die zwischen den Mauern befindlichen Quartiere dienen entweder ebenfalls zur Sjjalierzucht oder zum Gemüsebau, und wie in Vinccnnes die doppelte Verrier-Palmette allgemeine Anwendung fand, so zieht man in \'ersailles die Bäume vorwiegend in Form der einfachen Verrier-Palmette, aber nur mit 3 Etagen. (Siehe die Skizze Fig. 52.) Ich möchte doch an dieser Stelle aus- zusprechen mir erlauben, dass die Franzosen die allzu künstlichen Spalierformen, wie man sie in Deutschland oftmals antrifft und für untrügliche Zeichen einer besonderen Virtuosität in der Baumzucht hält, sehr abfällig beurtheilen und für unnütze Spielereien erklären Ueberall wo ich hinkam, sah ich das Bemühen, die Spalierzucht zu vereinfachen und nur diejenigen Formen beizubehalten, welche leicht zu erziehen sind und reichlich tragen. (Um zu zeigen, dass auch in Frankreich die Fachmänner über wichtige Arbeiten in der Spalierzucht nicht einig sind, möchte ich nur anführen, dass der obenerwähnte Direktor Dubreuil das kurze Pinciren der Pfirsich für das Rationellste hält, während Direktor Hardv dieses kurze Pincement der Pfirsich verwirft und es auf Grund seiner Erfahrungen sogar für schädlich hält.) An der Ostseite des Gartens sind die Quartiere, welche zur Gemüse- und Obst-Treiberei und zur Blumen-Kultur dienen. Man sieht hier lange Reihen verschieden konstuirter Frühbeete; ausserdem findet man hier die Gewächshäuser, 8 an der Zahl und jedes einem besonderen Zw^ecke dienend. Sämmtliche Kulturen sind tadellos und können die strengsten Ansprüche be- friedigen. Die Schule von Versailles hat nur externe Schüler; sie giebt den Unterricht unentgeltlich. Die Schüler sollen ein Alter von mindestens 17 und höchstens 27 Jahren haben; sie verpflichten sich 3 Jahre in der Schule zu bleiben. Der Eintritt wird von einem Examen abhängig gemacht, für welches die Kenntnisse unserer Volksschulen genügen. Die Schule bezweckt die Heranbildung von tüchtigen (lärtnern, welche sowohl theoredsch als praktisch gehörig unterrichtet sind. Sie müssen sämmtliche Arbeiten ausführen und werden darin von sieben sogenannten contre-maitres unterwiesen. Ausserdem lernen die Schüler mit Schnitzbank, Drehbank und Hobelbank umgehen, um sich alle diejenigen Ge- schicklichkeiten anzueignen, welche im späteren i)raktischen Leben so unent- behrlich sind. Am Ende jeden Schuljahres wird ein Examen abgehalten; diejenigen Schüler der obersten Klasse, welche bestanden haben, bekommen ein vom Minister der Landwirthschaft unterschriebenes certificat d' dtudes. Je drei durch ihre Leistungen hervorragenden Schülern werden zum Besuch grosser gärtnerischen Etablissements Frankreichs und des Auslandes Sdpendien von 1000 Mark bewilligt. Diejenigen, den beiden unteren Klassen angehörigen Schüler, welche beim Examen nicht bestehen, dürfen nicht in die oberen Klassen einrücken, sondern müssen die Anstalt verlassen. Unterrichtet wird in der Spalierzucht und Ol^stbaum-Treiberei, der Obst- L. Kny: Die Gärten des Lago maggiore. 223 Sortenkunde, der Obstbaumzucht, der Wildbaumzucht, im Gemüsebau und in der Treiberei, in der Blumenzucht im Freien und in den Gewächshäusern, in der Landschaftsgärtnerei und der Garten-Architektur, in Physik, Meteorologie, Chemie, Geologie, Mineralogie, Zoologie, Entomologie, Geometrie und in der französischen Sprache. Der Staat unterhält i6 ganze Freistellen zu je 800 M. und 2 halbe zu je 400 M. ; ausserdem zahlen 3 Gartenbau-Gesellschaften und 11 Departements 14 Freistellen im Betrage von 9160 M. Dies ist ein hervorragendes Beispiel von Interesse für den Gartenbau; möchte es in Deutschland Nacheiferung finden. Die Schule von Versailles hat in mir den besten Eindruck hinterlassen; ich bin überzeugt, dass aus ihr eine ganze Reihe von tüchtigen, praktisch und theo- retisch gebildeten Gärtnern hervorgehen wird. (Schluss folgt.) Die Gärten des Lago maggiore. Von L. Kny. jlS^ie Durchbohrung des massigen Granitstockes, welcher den Mittel- punkt für die Gebirgsgliederung der Schweiz bildet, und der seine Gewässer nach drei Meeren entsendet, hat Deutschland und Italien um ein gutes Stück näher gebracht. Dank dem St. Gotthards- Tunnel, wird es fortan auch denen, welche den westlichen Theil unseres Vaterlandes bewohnen, vergönnt sein, zur Zeit, wo die heimischen Fluren die Keime ihres Pflanzenlebens unter der schützenden Schneedecke bergen, das sonnigere Klima des Mittelmeeres auf dem kürzesten Wege zu erreichen, ohne Be- sorgniss, dass Sturm und Eis der Alpenpässe ihnen ein unerwünschtes Halt gebieten. Insbesondere sind uns die Seen des nördlichen Italiens durch die neue und bequemere Verbindung mehr, als früher erschlossen. Unmittelbar am Südabhange der Alpen gelegen und in ihrem Ursprünge mitten in deren inneres Gefüge eingreifend, haben sie durch den Gegensatz ihrer heiteren, rebenbekränzten Gestade und der in ihrem Hintergrunde auf- steigenden, schroffen Felskämme und schneebedeckten Spitzen zu allen Zeiten eine besondere Anziehungskraft geübt. Nirgendanderswo an der Grenze des deutschen und italienischen Sprachgebietes tritt dem Bewohner des Nordens der Zauber der südlichen Landschaft überraschender und unvermittelter entgegen, als hier, wo Himmel und Wasser, wo der starre Fels und die sich ihm anschmiegende saftige Pflanzendecke zu Bildern zusammentreten, wie eine reiche Phantasie sie nicht schöner zu gestalten vermöchte. Vor kaum 24 Stunden hatten wir vielleicht erst am Bernina-Passe die Eisgehänge des Cambrena- Gletschers in den »Weissen See« ab- schmelzen sehen; oder sandten wir am Maloja den düsteren Arven den Garten-Zeilung 1882. '5 -224 L. Kny: letzten Abschiedsgruss zu, welche, mit dem zarteren Laube der Lärche vermischt, den ernsten Thälern des Ober-Engadin ihren Character geben; oder hatten wir am Simplom-Hospiz einen Strauch verspäteter Alpenrosen gepflückt; — und nun, nachdem uns die Strasse, den schäumenden Wasser- läufen folgend, rasch der Tiefe zugeführt hat, grüssen dunkelblaue Trauben zwischen dem Laube der Rebstöcke und der ihnen als Stütze dienenden Ahorn- und Weidenbäumchen hervor, erfreut uns das kraftvolle Bild der Maisstaude und überrascht uns an südlichen Lagen der ungewohnte Anblick des Oelbaumes. Ueberall, wo das Dampfschiff auf seiner vielverschlungenen Fahrt sich dem Lande nähert, heben sich aus den Gärten zahlreiche, dem neuen Ankömmling ungewöhnliche Pflanzengestalten heraus; und selbst bekanntere, wie Lorbeer und Oleander, erscheinen ihm fremdartig durch die üppige Entwickelung, welche die Gunst des Klimas ermöglicht. 1. Klima und Vegetation der oberitalienischen Seen. Wie bei der geringen räumlichen Entfernung und bei der Aehnlichkeit ihrer Lage nicht anders zu erwarten ist, zeigt das Klima der grösseren norditalienischen Seen, neben mancherlei Abweichungen im Einzelnen, eine Reihe im Wesentlichen gemeinsamer Züge. Die nach Norden hochaufgethürmten Alpenketten und die von ihnen sich abzweigenden, bis dicht an das Wasser herantretenden Vorberge bieten fast überall einen wirksamen Schutz gegen kalte Luftströmungen. Hierzu kommt die freie Oeflhung der grösseren Seebecken gen Mittag und die unmittelbare Wirkung der von einem vorwiegend wolkenlosen Himmel den südlichen Abhängen zufliessenden Sonnenstrahlen. Die Folge hiervon ist, dass sowohl die Mittelwerthe der Wintertemperatur, als auch die unteren Extreme erheblich günstiger sind, als in der südlicher ge- legenen lombardischen Ebene. Einen wesentlichen Antheil an der gleich- massigeren Vertheilung der Wärme hat auch der mässigende Einfluss der grossen, in den Seebecken aufgehäuften Wassermassen. Sie verhüten während des Sommers eine übermässige Erhöhung der Temperatur und speichern den Ueberschuss für die kältere Jahreszeit auf. Die in der Um- gebung Mailands oft recht schroff hervortretenden Uebergänge werden hierdurch an den Ufern der Seen in glücklicher Weise vermittelt. Sehen wir nach dieser Richtung hin das Klima im Gebiete der nord- italienischen Seen sich mehr demjenigen der Mittelmeerküste näJiern, als in der zwischen beiden liegenden Po-Niederung, so treten doch andererseits sehr erhebliche Unterschiede hervor, welche der Förderung des Pflanzen- lebens an den Südabhängen der Alpen im Vergleich zu dem südlicher gelegenen Vegetationsgebiete sehr zu Statten kommen. Bekanntlich drängen sich im Bereiche des Mittelmeerklimas die feuchten Niederschläge zum bei weitem grösseren Theile auf die Winter- monate zusammen. In Rom beispielsweise fallen im Sommer nur 9,7 cm Die Gärten des Lago maggiore. 225 Regen, welche sich auf nur 1 5 Regentage vertheilen. Für andere Punkte ergeben sich andere Zahlen; doch können die Abweichungen im Grossen und Ganzen nicht als sehr erheblich gelten. Diese anhaltende Sommer- dürre ist es, welche in erster Linie den Character der Mittelmeervegetation bestimmt; durch sie ist das Vorherrschen der immergrünen Holzgewächse mitbedingt. Dem gegenüber zeigt sich das sogenannte insubrische Gebiet, dem unsere Seen angehören, in hohem Maasse bevorzugt. Nicht nur ist die jährliche Regenmenge hier eine sehr grosse und nähert sich den höchsten in Europa überhaupt beobachteten Werthen, sondern es ist auch bei deren Vertheilung der Sommer mehr begünstigt, als an der Küste des Fig. 5: Terrassen der Isola bella. Mittelmeeres. Im Gebiete des Canton Tessin betrugen die Niederschläge des gesammten Jahres im Mittel 169 an. Hiervon kamen 20 cm auf den Winter, 44 cvi auf den Frühling, 46 cm auf den Sommer und 59 cm auf den Herbst. Dabei sind aber die Tage hier kaum weniger sonnenhell, als unter dem südlicheren Theile des gepriesenen italienischen Himmels; denn rasch, oft plötzlich, sammeln sich an den Südabhängen der Alpen die Gewitterwolken, um ihre Ströme über die dankbare Erde zu ergiessen und ebenso rasch wieder zu verschwinden. Lugano erfreut sich im ganzen Jahre 212 heiterer Tage (gegen 179,3 in Mailand), von denen 54 auf den Winter, 46 auf den Frühling, 62,5 auf den Sommer und 49,5 auf den Herbst kommen. Gänzlich bedeckte und nebelige Tage, wie sie im nörd- lichen Deutschland uns geläufig sind, gehören dort zu den Seltenheiten. 15* 226 L. Kny: Das Klima des norditalienischen Seegebietes ist also nicht nur durch eine für die geographische Breite relativ hohe Jahrestemperatur, sondern auch durch geringe Temperatur-Extreme und deren mehr allmähliche Ver- mittelung, sowie durch einen grossen Reichthum von Niederschlägen bei zahlreichen sonnenklaren Tagen ausgezeichnet. Licht, Wärme und Feuchtigkeit, wenn sie gewisse Grenzen nicht über- schreiten und von allzu grossen Schwankungen sich fern halten, sind aber gerade die mächtigsten Förderer pflanzlicher Entwickelung. Wir werden desshalb erwarten dürfen, dass an den Gestaden unserer Seen die Vegetation einen besonderen Reichthum entfalten und dass mit Gewächsen der Mittel- meerflora auch manche im Norden heimische Art, welcher weiter südlich nicht die genügende Feuchtigkeit für ihre Entwickelung dargeboten wird, gesellig zusammenleben werde. Lassen wir zum Belege hierfür CHRIST sprechen, welcher in seinem schönen Werke »das Pflanzenleben der Schweiz«, Zürich 1879*) von der Umgegend von Locarno am Nordende des Lago maggiore folgende lebendige Schilderung entwirft: »Dieser Strich hat ein fast süditalisches Gepräge. In seltener Steilheit fällt der Kamm des Gebirges zum See nieder: Die Punta di Tros, 1866 in, schwebt fast senkrecht über dem Gestade. Die malerische Kirche Madonna di Sasso auf steiler Höhe, mit ihren aus dunkelm Laube glänzenden Stationen, ist ein Bild, das an Amalfi erinnert. Eine Reihe felsiger Vor- sprünge zieht sich am Fusse des leider stark entblössten Berges bis Ponte BroUa hin, wo der Eingang in's Maggia-Thal durch die enge Klamm, eine darüber schwebende Brücke und den in seiner Art einzigen Schlund bezeich- net wird, in welchem der Strom fliesst. Die Maggia hat hier die Terrasse anstehenden Gneises, welche die Thalsohle bildet, an 70 111 tief ein- geschnitten. In dieser Tiefe tost der krystallklare, herrlich grüne Strom. In seinem Bett starren als Rest der weggerissenen Felsmassen einige Felsenblätter, durchsetzt von mehreren schmalen Rinnen, die vollkommen frisch und kunstgerecht wie von Menschenhand eingesägt erscheinen, mit senkrechten, glatten Wänden und scharfen Rändern Zwischen Ponte BroUa und dem PLingang der Valle Verzasca, auf den Gneisbändern und Fels- lagern, dehnt sich nun die einzige Vegetation unseres Landes aus, die mit den Macchien, den Buschheiden der Mittelmeerzone zu vergleichen ist. Denn es tritt hier die Form der Cistrosen tonangebend ein. Der Cistiis salvifohus überzieht als Strauch mit seinen zwar immergrünen, aber grau- filzigen, runzeligen Blättern die Gehänge; von diesem trockenen Ton des Laubes sticht im Juni die milchweisse, sehr vergängliche Blume lebhaft ab und zaubert eine P'üUe weisser Rosen über die Felsen hin.« »Wo der Cistiis in Masse auftritt, da sind wir über den mediterranen Character der Landschaft nicht in Zweifel. Keine einziere der 20 euro- ") Diesem Werke sind auch mehrere der obigen klimatischen Angaben entnommen. Die Gärten des Lago maggiore. 227 päischen Cistrosen entfernt sich namhaft vom Littoral des Mittelmeeres, oder überschreitet irgendwo die Alpen. Und wenn der C. Jiirsutns vom atlantischen Littoral von Portugal bis zur Bretagne geht, so wissen wir, dass dies oceanische Gebiet klimatisch noch wesentlich dem Süden ange- hört. C. sahifoliiis dringt nirgends so tief bis an den Fuss der hohen Alpen vor, als bei Locarno. Haller und nach ihm Kf)CH und Gaudin geben ihn auch bei Riva und Chiavenna im Gebiet des Comersee's an: es ist mir unbekannt, ob er dort noch vorhanden ist. Am Ostrand der Kette, am Gardasee, ist es eine andere Art: C. albidiis mit rothen Blüthen, die sich, aber nur bis zum M. Baldo, also zum äussersten Vor- berg, heranwagt. Ebenbürtig der Cistrose, als echte Vertreterin des Mittelmeerclimas , reiht sich die Baumheide, Erica arborca an. Zwar findet sie sich nicht im Canton Tessin, wohl aber nach FranzoNI am Comersee ob des V. Sommariva. Haller fand .sie zwischen Riva und Chiavenna und im Veltlin zwischen Poco d'Adda und Morbegno : Facchini in den Wäldern des südlichsten Tyrols gegen den Idrosee.« »Betrachten wir nun die Begleiter des Cistiis an den Felsen bei Solduno, so sind wir erstaunt, die seltsamste Zusammenstellung von sonst weit auseinanderliegenden Vegetationsgruppen auf demselben Raum zu finden: Arten, deren gleichzeitiges Vorkommen mit dem Vertreter der Cisteta wohl kein Pflanzengeograph je sich träumte. Neben dem Cistns, dem Heteropogon Allionii, der Pollinia Grylhis, der völlig verwilderten Feige und dem Zürgelbaum (Cdtis mistj-alis) kleben am schimmernden Gneisfels überall die mächtigen Rosetten des Steinbrechs (Saxifraga Cotyledon) und der Alpenhauswurz (Semperviznaii tectoniiny, der Milzfarn des hohen Nordens (Aspleninvi scptentrionale) sitzt in den Spalten; die Alpenerle (Tros der Tessiner) beschattet das Venushaar des Südens (Adianttun Capilliis Veneris). Und in der Schlucht nordwärts der Madonna di Sasso, wo die Agave die Felsen belebt und die Diospyros verwildert als Baum auftritt, pflücken wir, noch etwas tiefer thalwärts, <^\q Calaviintha grandiflora und mpetoides, die Cainpamda spicata, wieder den Cistns und den stachligen Ruscus und daneben die Heidelbeere, die Calamagrostis silvatica und die rostfarbene Alpenrose (Giup der Tessiner und der Oberengadiner Ro- manen), indess sich rings ein Teppich des zierlichen Lycopodiwn Chamaecy- parissus ausbreitet. Alles dies, keine loo in über dem Spiegel des Langen- see's. Alles selbst p:nde Juli strotzend von Saft, von ewiger Frische. Und mehr noch: am Rande der staubigen .Strasse, wo links sich der Mais in doppelter Manneshöhe erhebt, wo nur der sparrige Ruuiex puldicr und das immer welke Glaskraut (Parietaria diffusa) der Hitze widerstehen, da ziehen sich rechts, am Abhang hin, echte kleine Torfmoore mit Sphagnum, saftgrüne Vertiefungen, ausgefüllt mit den charakteristischen Moorpflanzen : Carcx, freilich nicht die gemeine distans , sondern die seltene punctata, Rhynchospora alba und fusca, Schoenns nigricans, Montia fontana, Gratiola officinalis. « 228 I- ^'^"y- Besonders auffallend für dieses Gebiet ist die Fülle der Farrnkräuter. »Von 40 Arten der Schweiz fehlen dem Tessin nur 3 vorwiegend nordische: 2 Botrychiimi und Aspidium cristatimi sowie die kühlschattige Cystopteris viontana\ alle anderen sind daselbst, meist in Masse, vorhanden, und gerade die niedlichsten, welche der übrigen Sciiweiz fehlen: Asplcnhim Brejnii, Osuinnda, Strut/äoptcris (letztere in der Valle Maggia und am Cenere), vor Allem aber Pteris cretica und die Notocldaoia Marantae.!. »Beide letzteren haben hier ihre Nordgrenze; die Ptej'is überspringt sogar ihren eigentlichen Bezirk namhaft, welcher der südlichen, insularen Mittelmeerregion: Neapel, Corsica, Sardinien und dem Archipel angehört. ^ Mehr aber noch, als durch die Vegetation des Freilandes, wird das Klima eines Gebietes durch den Inhalt der Gärten gekennzeichnet, falls letztere mit Verständniss angelegt sind und mit Liebe gepflegt werden. Dem Schutze des Menschen entzogen und sich selbst überlassen, unterliegt die Pflanzenwelt dem unerbittlichen Gesetze der Bewerbung. Dass eine Pflanze unter natürlichen Verhältnissen von einem bestimmten Florengebiete aus- geschlossen ist, beweist noch nicht, dass das Maass der in ihm dargebotenen Wärme und Feuchtigkeit und dass deren Vertheilung auf die einzelnen Jahreszeiten ihr nicht entsprechen; oder dass die chemische oder sonstige Beschaffenheit des Bodens oder die Natur seines Untergrundes keine günstigen für sie sind; oder dass sie durch die Nachstellungen von Thieren aus- gerottet werden; oder dass die Insecten fehlen, an deren Mitwirkung die Blüthen bei der Samenbildung angewiesen sind. Alle diese Bedingungen können für die betreff"ende Pflanze günstig sein und ihre dauernde Erhaltung wohl ermöglichen; und dennoch kann sie vom Bürgerrecht ausgeschlossen bleiben, Aveil andere Pflanzen von ähnlichen Bedürfnissen sich unter den gegebenen Verhältnissen noch kräftiger entwickeln und sie von den Standorten, auf welche sie vermöge ihrer Organisation Anspruch machen könnte, verdrängen. Die Pflanzenwelt ist nicht das friedliche, harmlose Reich, als das sie uns erscheint. Es genügt nicht, dass die Natur die Samen mit allen erdenklichen Mitteln ausgerüstet hat, um einen passenden Ort für ihre Entwicklung zu finden und während der ersten Stadien der Keimung zahlreichen Einflüssen erfolgreich Widerstand zu leisten; — die Keimpflanzen haben weiterhin jeden Zoll des Nährbodens zu erobern und gegen grosse und kleine Mitbewerber zu behaupten. Eine geringe Ueber- legenheit der letzteren in dem Grade der Anpassung an Boden und Klima oder an die Mitbürger der Flora und Fauna ist genügend, um eine Art voll- kommen auszuschliessen. Was würde aus unseren Freiland-Culturen werden, wenn sie sich durch mehrere Generationen selbst überlassen blieben? Der ununterbrochene Kampf des Landwirthcs und Gärtners mit den über- wuchernden Unkräutern zeigt, wie schweren Stand die Cultur-Pflanzen ihnen gegenüber haben. Und doch vollenden sie ihre Entwicklung in normaler Weise und zeigen damit, dass sie unserm Klima angepasst sind. In erhöhtem Maasse gilt das eben Gesagte von den Zierpflanzen Die Gärten des Lago maggiore. 22Q der Gärten. Zum grösseren Theile erst kürzlich aus ihrer Heimath zu uns eingeführt, haben sie nicht, wie manche seit Jahrtausenden der Cultur unterhegende Nutzpflanze, unter den neuen Verhältnissen eine tiefgreifende Veränderung erfahren. Ihr freudiges Gedeihen liefert daher den Beweis, dass das Klima ihres Adoptiv- Vaterlandes den von der Geburtsstätte der Art mitgebrachten Bedürfnissen vollkommen entspricht. Die Garten-Culturen dürfen deshalb nicht ausser Acht bleiben, wenn es zu zeigen gilt, was das Klima eines Landes für die Vegetation zu leisten vermag. 2. Der Lago maggiore. Wo die Natur die Bedingungen für die Gartencultur so gleichmässig günstig gestaltet hat, wie an den grösseren norditalienischen Seen, darf es billig Wunder nehmen, die gärtnerischen Leistungen auf so verschiedener Stufe zu finden. Ist ja doch das ganze Gebiet von einem und demselben Volksstamme bewohnt, welcher sich an diesen gesegneten Gestaden durch- weg eines vergleichsweise hohen Wohlstandes erfreut; und wenn auch einzelne Theile der Bevölkerung zeitweise verschiedene politische Schicksale erfahren haben, so ist dieser Umstand doch schwerlich ausreichend, für diese auf den ersten Blick sehr befremdende Thatsache eine genügende Erklärung zu bieten. Es wird kaum Widerspruch finden, wenn wir unter allen Gärten denen des Lago maggiore und des Comer-Sees den Preis zuerkennen. Was, verglichen mit ihnen, der Luganer- und der Garda-See bieten, nimmt sich sehr dürftig, fast armselig aus. Und doch ist der Lago di Garda der einzige der genannten Seen, an dessen gen Süden gelegenen Felsenterrassen wegen der günstigeren Temperaturverhältnisse noch eine lohnende Cultur der Citrone in grösserem Maasstabe möglich wird und in dessen Oelbaum-Pflanzungen vom Monte- Brione bis nach Arco und zum Castello di Tenno hinauf wir uns an die Gestade des Mittelmeeres versetzt wähnen. Und am Luganer See, obschon dessen Spiegel 85 m über demjenigen des Lago maggiore liegt, treibt die amerikanische Agave auf den Felsen bei Gandria in völlig verwildertem Zustande aus saftstrotzender Blattrosette ihre hohen Blüthencandelaber, und auf sandigem Grunde, wenige Fuss unterhalb des Wasserspiegels, gedeiht eine der merkwürdigsten Bürger der mediterranen Süsswasserflora, die allbekannte Vallisneria spiralis, welche an langem, korkzieherartig ein- gerollten Stiele ihre Stempelblüthen emporstreckt, um von den abgelösten, auf der Oberfläche schwimmenden männlichen Blüthenständen die Bestäu- bung zu empfangen. Nur der Umstand, dass der Lago maggiore und der Comer See allgemein den Ruf grösserer landschaftlicher Schönheit geniessen, dass sie dem reichen Mailand nahe liegen, und dass einige der verkehrsreichsten Alpenpässe an ihren Ufern ausmünden, lässt die Bevorzugung vor ihren 230 ^-- Kny; Die Gärten des Lngo maggiore. Schwestern verständlich und selbst naturgemäss erscheinen. Wo, neben so vielen von der Natur zusammengedrängten Vorzügen, Industrie und blühender Handelsverkehr reichliche Mittel bereit stellen, dieselben dem edleren Lebensgenüsse dienstbar zu machen, bedarf es nur der Anregung für Schön- heit empfänglicher, für Natur und Kunst gleich begeisterter Männer, um in der Gartenkunst Vollendetes zu schaffen. Das von Einzelnen gegebene Beispiel hat, wie in ähnlichen Fällen, auch hier seine fördernde und be- lebende Wirkung auf weitere Kreise geübt, und es ist hierdurch der Garten- bau an beiden genannten Seen auf eine Stufe gehoben worden, wie wir sie selbst in begünstigteren Theilen Italiens nur vereinzelt wiederfinden. Der Lago maggiore oder Langensee, welcher uns in den folgenden Zeilen specieller beschäftigen soll, ist nicht, wie der Name anzudeuten scheint, der grösste der norditalienischen Seen. Er wird an Flächeninhalt vom Garda-See übertroffen und führt seinen Namen nur desshalb, weil um ihn herum sich eine Anzahl kleinerer Seen gruppiren, deren Gewässer sich in ihn als ihren Mittelpunkt ergiessen. Er erstreckt sich nordöstlich von 46° 3' — 45^^37' nördlicher Breite, zeigt aber in seinem oberen Theile eine deutliche Abweichung in nordöstlicher Richtung. Die mancherlei Unregel- mässigkeiten im Verlaufe der Ufer haben grosse Verschiedenheiten in seiner Breite zur Folge. Im Minimum beträgt dieselbe zwischen Arona und Angera etwas mehr als einen Kilometer, im Maximum zwischen Laveno und Fariolo aber etwa 12 Kilometer. An dieser Stelle, welche ein wenig südlich von der Mitte gelegen ist, bildet der See nach Nordwest hin die herrliche Bucht mit den berühmten Borromäischen Inseln. Hier empfängt er durch den Toce (auch Tosa genannt) einen erheblichen Theil seines Zuflusses, wenn freilich auch die grössten Wassermassen ihm am Nord- ende durch den am St. Gotthardt entspringenden Ticino und durch die Maggia zugeführt werden. Ausserdem senden ihm zahlreiche kleinere Flüsse und Bäche, sowie alle ihn umgebenden Seen ihre Gewässer zu; so der kleine, 80 ;;/ höher gelegene Lago d'Orta durch die Negoglia und die Strona; ferner der stattliche, yy in über dem Lago maggiore gelegene Luganer-See mittels der an seinem Westende ausfliessenden Tresa; ebenso die kleineren Lago di Varese, di Biandronno, di Monate und di Comabbio. Was von diesen dem Lago maggiore zugeführten Wasser- massen nicht durch Verdunstung verloren geht, vereinigt sich zu dem am Südende bei Sesto Calende ausfliessenden Ticino. Die Hügelreihen, welche hier die Wasser stauen, sind, wie bekannt, die Front-Moränen enormer, zur Eiszeit von den Hochalpen zur lombardischen Ebene herniedergestiegener Gletscher. Die Spuren ihrer Thätigkeit sind auch sonst an den Ufern des Sees noch vielfach kenntlich, und an mehr als einem Orte ruhen Findlings- blöcke, welche den Gneis -Rücken bei Locarno und den Granit-Massen des Mont' Orfano entstammen. Dass aber, wie von einzelnen Geologen angenommen wird, die Aushöhlung des Seebeckens vorwiegend durch die abschleifende Thätigkeit der Eismassen erfolgt sein sollte, ist bei der II. n. Warneken: Beitrag zur Kultur der Obstbäume im Topf. 2^1 grossen Tiefe (im Maximum 854 ;// bei 197 m Seehöhe des Wasserspiegels) und bei der grossen Unebenheit des Grundes nicht wahrscheinHch. Gleich dem Corner- und dem Garda-See, stellt der Lago maggiore eine Verbindung der Hochalpen mit der Ebene her, indem die an seinen Ufern sich erhebenden Gebirgsmassen sich von Norden nach Süden mehr und mehr abflachen. P'reilich geschieht dies nicht allmählich, sondern sehr sprungweise. Ueberall drängen sich zwischen den Oeffnungen der Thäler sanft abgestufte oder schroff abstürzende Felsmassen gegen das Seebecken vor, unter denen der Sasso del Ferro, Intra gegenüber, einer der mäch- tigsten und ansehnlichsten ist. (Wird fortgesetzt.) Beitrag zur Kultur der Obstbäume im Topf. \'on H. B. Wakneken in Marssei bei Burgdamm bei Bremen. '^^ch Stehe im Allgemeinen, was die möglichst weite Verbreitung der Topfobstbaumzucht anlangt, auf demselben Standpunkt wie Herr Fr. Goeschke*) und möchte mir nur erlauben, den warmen Worten, die mein geehrter Herr Kollege diesem Zweige des Obstbau's widmet, noch Einiges hinzuzufügen, damit über unsere hiesige Bremer Kulturen nicht irrthümliche Ansichten verbreitet werden. — Ein Hauptzweck der Kultur auch von Aepfeln und Birnen in Töpfen bleibt der, solchen Sorten dieser Obstgattungen, die vermöge ihrer Zartheit und grossen Ansprüche, welche sie an den Boden stellen, im freien Grunde nicht ihre volle Güte und Grösse erreichen, hierzu Gelegenheit zu geben, indem wir sie so unterbringen, dass sie stets transportfähig sind, somit vor schädlichen Einflüssen aller Art geschützt werden können. — Von Aepfeln sind dies in unserem Klima, ich spreche natürlich nicht von einzelnen be- sonders rauhen Gegenden, nur wenige Sorten und zwar vor allem der König unserer Aepfel, der Weisse Winter - Calville, dem man den sehr schönen und etwas zarten Amerikanischen Melonenapfel (nicht Englischen M. , wie Herr GoESCHKE sagt) hinzufügen kann. Diese wenigen Sorten werden nebst einigen andern speciell für diese Zucht verwendet, jedoch wird nur Derjenige alle möglichen beliebigen Sorten in Töpfen kultiviren, der entweder Obstbäume nicht in anderer Form züchten kann oder eben aus Liebhaberei alle möglichen Sorten in Töpfe pflanzt, ohne dabei an die bedeutend grösseren Ansprüche zu denken, die ihm solche Bäume gegenüber Zwergobstbäumen in anderen Formen verursachen. — Weshalb sollen wir z. B. die Winter-Gold-Parmaine, Kaiser Alexander, Charlamowsky, Gravensteiner, Canada- Reinette etc. etc. im Topfe kultiviren, da wir dieselben im Freien in so tadellosen Exemplaren und von solcher Grösse erziehen können, wie diese Sorten sie nur je erreichen können, wovon sich z. B. die Besucher der grossen Hamburger Herbst-Aus- *) ;»Garten-Zeitunga 18S2, Heft 11. S 91. 232 H. P). W'arnekcn : Stellung im September 1881 an den von mir von den meisten obigen Sorten ausgestellten Früchten überzeugen konnten; denn sämmtliche von mir dorthin gesandte Früchte erhielten trotz der stärksten Konkurrenz (bei (Jold-Parm. 7, bei K. Alex. 5 und beim (iravensteiner 13 Konkurrenten) die ersten Preise, und waren nur von Zwergbäumen im freien (Irunde, (jravensteiner sogar nur am Hoch- stamm gewachsen. — Was dagegen IHrnen anlangt, so liegt die Sache dabei so, dass man mit Vorliebe feine Tafelbirnen in Töpfen kultiviren kann und von diesen hauptsächlich wieder diejenigen Sorten, die sich entweder durch enorme Grösse oder besondere Fruchtbarkeit auszeichnen. Hierher gehören also Sorten, wie, i. Duchesse d'Angouleme,* 2. General Tottieben,* 3. Doyenne d'hiver,f 4. Beurre d'Hardenpont,y 5. Bon Chrtftien William, 6. Blumenbach's Butterbirn,f 7. Souvenir du Congres,* 8. Madame Treyve,* 9 King Kdward's,* IG. Winter Nelis,f n- Bergamotte Esperen, y 12. Amanlis' Butterbirn,-j- 13. Louise bonne d'Avranches,f 14. Beurre Diel,* 15. Beurre Clairgeau* etc. etc. Von obigen zeichnen sich diejenigen Sorten mit * durch enorme Grösse der Frucht, die mit j durch Feinheit der Sorte und auffallende Fruchtbarkeit speciell aus; auch sind Sorten darunter, die 1879 — 80 im Freien stark vom Froste litten, wie Nr. I, 5, 6, 7, 9, II, 15 und bei denen wir also durch Kultur derselben im Topfe Verlusten durch Frost etc. vorbeugen können. — Der mir persönlich sehr nahe bekannte Herr Joh. Wesselhoeft, dessen in Teufelsbrück bei Altona befindliche Topf-Orangerie Herr Gokschke so lobend erwähnte, sprach mir bei einem Besuche, den er mir noch wieder im Sommer 1881 hier auf meinem Gute machte, ganz dieselben Grundsätze und Ansichten aus, die ich oben entwickelte und auf das Urtheil eines so sehr berufenen Kenners, wie Herr Wesselhoeft es ist, möge man daher hören. Die Orangerie des Herrn W. ist so ziemlich die älteste und noch stets mit die beste bei Hamburg, indem sie jetzt schon ca. 22 Jahre besteht. Die Aepfel für Topfkultur sollen nur auf den echten französischen Paradiesstamm (nicht den englischen von Rivers oder den holländischen) veredelt sein, nie auf den Dougin; dies, d h. auf franz. Paradies veredelt, ist bei Herrn W. der Fall, wogegen die Aepfel bei den meisten anderen Herren auf den englischen Paradiesstamm veredelt sind, da die Herren eben meist ihre ganzen Orangerien von England bezogen haben. Auf dem französischen Paradies wird z. B. der Galville blanc nicht so enorm gross wie auf den englischen, dafür hat er jedoch bedeutend feineren Geschmack. — Ich komme damit von selbst auf England zu sprechen, wo man sich ja lange schon deshalb mit transportablen Obstbäumen behelfen musste, um von dem Klima unabhängiger zu sein, wodurch dann die sogenannten »Obsthäuser« entstanden. Dies sind meistens Satteldach-Häuser, die theils ganz ohne oder auch nur mit etwas Heizung versehen, hauptsächlich den Zweck haben, die Blüthe des Toi)fobstes vor Nachtfrost zu schützen und somit jedes Jahr eine ganz gesicherte Ernte schöner Früchte zu erzielen. — Von diesen Obsthäusern erbaute meines Wissens in Hamburg Herr Wesselhoeft das erste, und im Jahre 1868 folgte ihm als erster in Bremen mein verstorbener Vater, der Kauf- mann J. D. Warneken; nach diesem letzteren Obsthause ist das Haus des Flerrn D. D. Knoop in Hörn bei Bremen erbaut — bei dem Herr Goeschke auch zugleich des wirklich schönen Topfobstes erwähnte. Diese Kollektion hat nur den Fehler, dass alle nur möglichen Sorten in Töpfe gesetzt wurden, so dass der Herr vor einigen Jahren ein Sortiment Aepfel ausstellen konnte, das Beitrag zur Kultur der Obstbäume im Topi. 2 '^2 aus loo Sorten, sämmtlich im Topf kultivirt, bestand. — Aus Obi- gem werden sich meine I.eser erklären können, woher es kommt, dass in Hamburg und Bremen die Kultur der Topfobstbäume in so hohem Ansehen steht, da eben in Hamburg und Bremen viele Herren den guten Beispielen folgten und so entstanden auch die vielen Obsthäuser, von denen mir das des Herrn Blom in Hamm bei Hamburg mit seinem herrlichen Steinobst, speciell Pflaumen sehr wohl bekannt ist. Namentlich die Pfirsiche, die meist das ganze Jahr im Obsthause bleiben, passen sehr für diese Kultur, erntete doch mein verstorbener Vater fast jedes Jahr in seinem Obsthause zwischen 4 — 6000 Stück Pfirsiche. — Aepfel und Birnen kommen, sobald die Frucht wallnussgross geworden, ins Freie, da sie natürlich nur dort ihr volles Aroma erlangen können. Zum Schluss will ich noch bemerken, dass ich seit Jahren tragbare Topfobst- bäume aller Arten zum Verkauf kultivire und so dem Wunsche des Herrn GoESCHKE abgeholfen ist, dass man keine solche Bäume käuflich erhalten könne; dem widersprechen auch die vielen Bäume, die ich in allen Arten: Aepfel, Birnen, Pfirsich, Pflaumen, Feigen nach Hamburg, Bremen und manchen anderen Städten seit Jahren versende. — So wird man denn auch ferner stets gute Auswahl von Topfobstbäumen bei mir finden, jedoch von Aepfeln fast nur den Calville blanc und den amerikanischen Melonenapfel. Mögen diese Zeilen ihren Zweck erfüllen und als Nachtrag eines Lokal- kenners den vorhergegangenen Artikel meines geehrten Herrn Kollegen in einigen Punkten vervollständigen und der schönen Kultur des Obstes im Topfe neue schon etwas orientirte Freunde zuführen. Zwei wertlivolle Granaten-Varietäten. Von Froebel & Comp., Zürich. (joVjjnter diesem Titel finden wir im Dezemberhefte des »Deutschen Gartens« einen Artikel über P. Legrellei und Comte Lud. Taverna. Wir sind in der Lage, über die Entstehung der ersteren dieser beiden schönen Spielarten einige Angaben zu machen, die für Ihre Leser nicht ganz ohne Interesse sein werden und um so eher auf Mittheilung in Ihrer »Garten- Zeitungv< Anspruch machen dürften, als sie dazu bestimmt sind, einige nicht ganz correcte Angaben Ihres Correspondenten zu berichtigen. Als die Punica Legrellei von van HOUTTE in den Handel gebracht wurde, bezogen wir einige Exemplare, die wir zu Kübelpflanzen heran- kultivirten. Auf einer dieser Mutterpflanzen entstand die Eorm mit grossen leuchtend scharlachrothen Blumen, welche wir nach mehrjähriger Prüfung als wertlivolle Neuheit dem uns befreundeten italienischen Grafen Taverna widmeten und als P. Comte Lud. Taverna im Jahre 1870 in den Handel brachten. Seit jener Zeit haben wir hunderte von Pflanzen in der Schweiz, nach Deutschland und Frankreich, überhaupt in ganz Europa abgegeben und sind wir daher Züchter und Verbreiter dieser schönen Pflanze; wir -7-) 1 Froebel & Co.: bedauern sehr, dass sich Herr W. SCHEURER SEN. dieser Thatsache nicht mehr zu erinnern scheint. Mit Punica Legrellei hat es eine ähnHche Bewandtniss wie mit dem durch Kreuzung entstandenen vielbesprochenen Cytisus Adami. Wie sich auf alten Exemplaren dieser Pflanze einzelne Inflorescenzen oder ganze Zweige bilden, die nach den Gesetzen des Atavismus in die eine oder andere der beiden Stammformen zurückschlagen und daher entweder die rein- gelben Blüthentrauben von C.Laburnum oder aber die rothen Einzelblumen von C. purpureus zeigen, so treten bei grossen Kübelpflanzen der Punica Legrellei einzelne Zweige mit rein scharlachrothen Blüthen auf (unsere P. Comte Taverna), während sich in anderen seltneren Fällen grosse gelblich- weisse Blüthen entwickeln (P. grandiflora alba plena). Neben der Spielart Comte Taverna, die wir als Bäumchen von i iu Stammhöhe und i — 2 cm Stammdurchmesser mit entsprechenden Kronen in grosser Menge ziehen, kultiviren wir noch folgende neuere P^ormen, Avelche sich sämmtlich durch besseren* Wuchs, üppigere Belaubung und schönere grössere l^lumen von der alten Stammform auszeichnen und der- selben für Kultur vorzuziehen sind : Piuiica r2ibra grandiflora und P. ploiissiuia. Zwei in Bezug auf Be- laubung und Kelchform zwischen der alten gefüllten Granate und unserer P. Comte Taverna die Mitte haltende Formen, deren erstere sich durch dunklere Färbung und dichtere Füllung der oft sehr grossen Blumen aus- zeichnet, während die letztere (eine von uns entdeckte und in den Handel gebrachte Varietät) in Bezug auf dichte Füllung der Blüthen Alles über- trifl"t, was bis jetzt in Granaten existirt. Punica grandiflora alba plena hat letzten Sommer zum ersten Male geblüht und scheint mit ihren schön geformten blassgelben Blüthen in Form und Grösse ein würdiges Gegenstück zu P. Comte Taverna zu bilden. Die Granaten zeigen aber nur im besten Kulturzustande ihre volle Schönheit. Magere und verkümmerte Exemplare bringen meist gelb- liche Blätter und kleine unansehnliche, bisweilen fast einfache Blüthen, die von der üppigen Schönheit normal entwickelter Pflanzen keinen Begriff geben können. Wir halten es daher nicht für überflüssig, hier einige kurze Angaben über die richtige Kultur der Granaten zu machen, welche zu denjenigen Pflanzen gehören, die sich nicht nur sehr leicht ziehen lassen, sondern auch die wenige auf sie verwendete Sorgfalt in sehr dankbarer Weise lohnen. Die Anzucht der Unterlagen, die Veredlung der besseren Sorten auf dieselben und das Erziehen der jungen Pflanzen zu Bäumchen mit geraden Stämmen und gut formirten Kronen wird in den meisten Fällen dem in solchen Arbeiten erfahrenen Gärtner überlassen bleiben. W^enn die Bäumchen stark genug sind, um in Kübel von 30 bis 40 cm Durchmesser gepflanzt zu werden, bereiten wir zu diesem Zweck eine Erdmischung, welche zur Hälfte aus mit Rindermist versetzter, gut verwester Rasenerde, zur Hälfte Zwei werthvolle Granaten -Varietäten. 235 aus gewöhnlicher Composterde besteht und stellen unsere Pflanzen an einem möglichst sonnigen und geschützten Orte im Freien auf. Recht warme und sonnige Tage sind in unserm rauhen Klima eine Hauptbedingung zum Gedeihen und reichlichen Blühen dieser in Nordafrika und Südeuropa eigentlich einheimischen Pflanzen. Wenn warmes Sommerwetter eintritt und die Granaten üppig zu treiben beginnen, müssen sie fleissig mit Regen- oder Flusswasser begossen werden und i bis 2 Mal wöchentlich Dungguss erhalten, der aus einer Lösung von Rinder-, Hühner- oder Taubenmist in Wasser, oder noch besser aus einer Mischung von Mist und Hornspähnen mit Wasser besteht, die man so lange stehen lässt, bis die Masse gährt und einen starken Geruch annimmt. Eine dünne, auf der Erdoberfläche ausgebreitete Decke von Rindermist ist dem Wachsthum der Pflanzen im Sommer ebenfalls sehr zuträglich. Um eine volle buschige Krone und damit grösseren Blüthenreichthum zu erzielen, werden alle längeren jungen Triebe pincirt, sobald sie aus der Krone herauswachsen. Sie bleiben auf diese Weise eine Zeitlang in der Entwicklung zurück und geben so den anderen Trieben Zeit nachzuwachsen und auf diese Weise das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Zweigen herzustellen. — Je nach 2 Jahren werden jüngere Exemplare in grössere Kübel gepflanzt, bis sie die gewünschte Grösse erreicht haben und nun je nach Umständen längere Jahre im nämlichen Kübel stehen können. Im Herbst lassen wir unsere Granaten im Freien stehen, bis sie die ersten leichten P""röste durchgemacht haben und die Blätter abgefallen sind; als Winterquartier kann ein heller, trockener und nicht zu warmer Keller, ein frostfreies Magazin, eine Orangerie oder ein gewöhnliches Kalthaus dienen. Besitzt man grössere Bäume, so lohnt sich wohl der Versuch, dieselben an passenden recht warmen Stand- orten im Park oder Garten in's freie Land zu pflanzen und sie den Winter über ohne Kübel in irgend einem frostfreien Lokale mit ihren Wurzelballen in Erde einzuschlagen. Schliesslich müssen wir bemerken, dass die Blüthen unserer Mutter- pflanzen von P. Legrellei und Comte L. Taverna bedeutend grösser sind als die auf Ihrer schönen Farbentafel abgebildeten Blumen und durchweg die Grösse einer g-ut aufgeblühten Centifolienrose erreichen. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieu, Charlottenburg. (Fortsetzung.) Keffersteinia mystacina. Reh. f. Gard. Chron. No. 382 S. 530. Wuchs wie K. graminea, Blumen gelblichgrün, ebenso die Lippe, am Grunde weiss mit purpurnen Punkten, ebenso die Säule. Vaterland Columbia. 236 C. Matthieu: Cyinhidiuin eburneuin. Lindl. var. Williamsiana. Rcli. f. Nach Mr. Williams, Besitzer der Victoria und Paradise nursery, benannt. Fhalaenopsis speciosa. Reh. f. Gard. Chron. No. 383 S. 562. Die Blätter der BKithenhüUe weisslich rosa, auf der Aussenseite mit purpur gefleckten Reihen, inwencHg purpur mit wenigen weissen Streifen am Grunde, Seitenlappen der Lippe gelb, Spitze und Grund weiss, Mittellappen fast überall ]jurpurn, Blumen in einer Rispe oder Traube. Zeichnet sich durch besonderen Wohlgeruch aus. Vaterland das tropische Asien. Odontoglossum facetiim. RdT^. f. Ebendaselbst. F.s ist möglich, dass es ein Bastard zwischen O. Hailii und O. tripudians, oder zwischen O. Hailii und O. luteo-purpureum ist. Blumen hellgelb mit vielen grossen und kleinen braunen Flecken, Lippe hellgelb. Aus W. Bull's Gärtnerei. Saccolabium borneensc. Reh. f. Ebendort. Eine botanische Seltenheit, dem S. densiflorum nahestehend. Blumen in dichter Traube, Blätter der Blüthenhülle an der Spitze zimmetbraun, am Grunde ockerfarbig, Lippe mit einigen purpurnen Linien. In W. Bull's Gärtnerei. Coelogyne cristata. Lindl. \-ax. hololeuca. Reh. f. Ebendort. Gleich der C. cristata, mit Ausschluss der Kammfäden der Lippe, welche weiss sind. Bei W. Bull. Cypripcdium Biilkanum ociilaium. Reh. f. Ebendort. Eine sonderbare A^arietät des C. BuUeanum. Blätter der Blüthenhülle mit einer violetten Scheibe an der Spitze imd auf den Rändern mit fast schwarzen oder sepiabraunen Flecken, Lippe hell ockerfarben mit vielen dunkelbraunen Flecken und Streifen. Der Schuh dunkelbraun mit grünem schmalen Rande. Vaterland Borneo. Maxillaria fractißexa. Reh. f. Gard. Chron. 386 S. 656. BlüthenhüUblätter in sehr lange Enden, bis über 16 cm lang, auslaufend, am eirunde und an den Spitzen purpurn, sonst weiss, Lippe dreitheilig, weiss, der Mitteleinschnitt und die Spitzen der Seitenlappen roth, durch ihre schwanz- förmigen Blüthenhüllenblätter sehr charakteristisch. Fhalaenopsis tctraspis. Reh. f. Ebendort. Aehnlich der P. sumatrana. Blumen ganz weiss mit einem Flecken auf jedem der Seitenlappen der Lippe. Odontoglossum maciilatum antennatinn. Reh. f. Gard. Chron. No. 387 S. 688. Bei Haage & Schmidt, Erfurt. Fhalaenopsis equestris Icucaspis. Reh. f. Ebendort. Bei Mr. Barber, Old Hall. Vatida teres anrorea. Reh. f ELbendort. Blumen schneeweiss mit hellrosa Schattirung an dem vorderen Theile der Lippe und etwas hellgelb im Schlünde. Bei W. Bull. Oncidium praetextum. Reh. f. Gard. Chron. No. 388 S. 720. Von den Herren J. Veitch & Sons zuerst eingeführt. Blumen rosa. Oncidium grandißorum. Reh. f. Gard. Chron. No. 2,^0 S. 782. Besitzt den Wuchs des O. macranthum und so ziemlich die Blumen von O. aemulum. Von Columbien, Süd-Amerika, durch W. Bull eingeführt. Cattleya luteola Roczlii. Reh. f. Ebendaselbst. Aus Peru. Unterscheidet sich von C. luteola durch hellere Färbung der Blumen. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. 23? DenJrobiiiin speciosiiiii BancroftianiiDi. Reh. f. Ebendaselbst. Blumen wie 1). speciosum, doch sind die Fetalen etwas länger. Lippe vom hellsten Schwefelgelb mit sehr wenig purpur am Grunde derselben. Zu Ehren des Dr. Bancroft in Brisbane benannt. Fhalaenopsis siimatra?ia sanguinea. Reh. f. Ebendaselbst. Von Borneo durch J. Veitch & Sons eingeführt. Die seitlichen Blätter der Blüthenhülle (Sepalen) fast ganz dunkelroth, mit wenigen gelblich grünen Punkten. Eria ignea. Reh. f. Ebendaselbst. Aehnlich der H Dillwynii Hock., aber mit sehr kleinen Scheinknollen und schmalen BLittern, der Blumenstiel sowohl als der Fruchtknoten sind hell Chrom- gelb; Blüthen^tand eine Traube, Blumen zinnoberroth, Eippe blassgelb. Von Borneo durch J. Veitch & Sons eingeführt. Bolbophyllum Boivringiaiuiin. Reh. f. Gard. Chron. No. 391 S. 814. Blumen in verlängerter, sehr dichter cylindrischer Traube. Sepalen weisslich ockergelb, gefleckt und gestreift mit hell purpur. Fetalen weiss, grün an der Spitze, am Grunde mit dunkelrothem Fleck. Lippe gelblich grün mit vielen kleinen sepiabraunen Flecken. Säule gelblich grün. Vaterland Assam, durch Mr. BowRiNü eingeführt. Cypripcdium gemniifcnim. Reh. f. ebendaselbst. Hat die Blätter von C. Hookerae. Blumenstiel dunkel braunroth. Das obere Kelchblatt weiss mit rosa Färbung am Rande, mit 11 grünen Streifen an jeder Seite des Mittelnervs. Die Kronenblätter (Fetalen) grün am Cirunde, purpurn in der Mitte, weiss an der äussersten Spitze. Lippe mit sepiabraunem Schuh und aufrechtem Sporn von derselben Farbe, der grünliche Nagel mit röthlich- braunen Warzen bedeckt. l'^anda Denisonac punctata. Reh. f. Ebendaselbst. Eine neue Varietät von hellster, gelblieh weisser Farbe mit vielen braunen Flecken, mit Ausschluss der Lij^pe, deren Cirund und Mitte weiss ist. Bei Low in Clapton. Brassia signafa. Reh. f. Ciard. Chron. No. 392 S. 6. Blüthenhülle grün, sjjäter gelb. Am Grunde der Fetalen befinden sich drei braune Linien, bei den Sepalen eine einzige. Lippe weiss mit 2 — 4 purpurnen Flecken in der Mitte, und 2 orangefarbigen am Grunde. Eingeführt durch Backhouse & Sons in York. Pleurothallis Barberiana. Reh. f. Ebendaselbst. Eine kleine hübsche Pflanze durch Low eingeführt, wahrscheinlich von Süd- Amerika, Blüthenstand traubenartig, fünfblumig, Blüthenhülle hell ockerfarben, deren Sepalen mit feinen dunkelpurpur Flecken. Lippe ähnlieh wie die einiger Cypripedien. Zu Ehren von Barber in Old Hall benannt. Coclogyne hrachyptera. Reh. f. Ebendaselbst. Blüthenstand eine mehrblumige Traube, Blumen sehr ähnlich der C. lentigi- nosa Lindl. Blüthenhülle hell papageien grün, Li])pe weiss mit braunem Fleck. Grififelsäule hellgrün mit einigen braunen Linien am Grunde. Vaterland Birma, durch Low eingeführt. Cattleya guttata. Lindl. Var. lilacina. Reh. f. Gard. Chron. No. 393 S. 38. Dies wäre die seltene Cattleya guttata Frinzi, Reh., wenn die Blätter der Blüthenhülle nicht hell lilla anstatt weiss oder grünlich weiss wären, und die dunkleren Plecken nicht stärker gerandet. Die Lippe ist dieselbe, weissUch mit 238 C. Matthieu: Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. lilla Anhaucli, der mittlere Einschnitt ist von schönem Purpur. Blüthenstand eine Traube von 9 grossen BUmien. Wurde durch T. Lawrknxe unter dem Namen C. Leopoldi eingeführt. Cypripedhim Biirbridgci. Reh. f. Ebendaselbst. Sehr cähnlich dem C. javanicum und virens Reh. f. Die Lii)pe ist kegel- Fig. 54. Tnchoccntriiin P/avii Rchb. fil. -ji nat. Grösse. förmiger als bei irgend einer Art. Blumenblätter hellgrün mit einer Reihe sehr dunkler Warzen an jeder Seite und auf der Mittellinie, und einigen dunkel violetten an den Rändern der Lippe. Aerides falcatum. Lindl. Var. expansa. Reh. f. Ebendaselbst. Leicht durch die ausgebreitete Lippe und durch die Seiten- und den Mittel- L. Wittmack : Nationale Ausstellung von allgeschnittenen Blumen. 2'^Q Lappen von der alten Art zu unterscheiden; auf den Seiten-Lappen ziemlich grosse amethystfarbige Flecken, ebenso auf den Rändern des mittleren Ein- schnittes. Die Blätter der Blüthenhülle mit mehr purpur als der Fruchtknoten. Sehr ähnlich dem A. crispum. Bei J. Veitch & Sons. Angiiloa media. Reh. f. Ebendaselbst. Wahrscheinlich ein Bastard zwischen A. Clowesii und A. Ruckeri. Blüthen- hiille fast orange auf der Aussenseite, braunroth auf der Lmenseite der Blätter, Die Seiten-Sepalen haben einen orangenfarbigen Mittelnerv, und viel Orange am Grunde, mit einigen blassbraunen Flecken. Lippen ockerfarben, Seiten-Abschnitte röthlich braun, Säule gelbbraun gefleckt. Von Bowring. Trkhoccntniin Pfavii. Reh. f. Gard. Chron. No. 394 S. 70. (S. Fig. 54.) Blumen paarweise in einer Traube, Btüthenblätter spateiförmig, stumpf, halb braun, halb weiss, Lippe weiss mit rothem Fleck in der Mitte, keilförmig, fächerartig, 2-lappig, kraus. Blühte bei Sander & Co. zu St. Albans und ist im Gard. Chron. Nr. 422 (18S2) S. 117 abgebildet, nach welcher Abbildung die un- serige gefertigt wurde. Central-Amerika, vom Schweizer Sammler Pfau entdeckt. (Wird fortgesetzt ) Die nationale Ausstellung für Arrangements von alD- gesclinittenen Blumen zu Berlin vom 6. — 10. April 1SS2. ■ ■ Von L. Wittmack. ^)ass die Blumenbinderei in Deutschland in den letzten Jahren sich ausserordentlich gehoben, dass speciell Berlin und Frankfurt a. M. eine Stufe erlangt, die sie mit Paris und Wien wohl in gleichen Rang stellt, haben wir schon öfter Anlass gehabt zu constatiren, nie hatte man aber wohl bessere Gelegenheit sich hiervon zu überzeugen, als bei einem Rund- gange durch die erste nationale Specialausstellung für Arrangements aus abgeschnittenen Blumen, welche der Verein selbstständiger Blumenhändler Berlins und Umgegend in dem Ecksaale der Passage veranstaltete. National, im geographischen Sinne, war die Ausstellung nun allerdings nur im beschränkten Maasse, der Natur der Sache nach bildeten Berliner Aussteller das Hauptcontingent und selbst von diesen fehlten einige der ersten Firmen, deren Schaufenster alltäglich so zu sagen eine Ausstellung bietet; aber national gestaltete sie sich dadurch, dass viele Auswärtige sie besichtigten und so sicherlich die Muster guten Geschmackes auch in die fernsten Kreise getragen wurden. Um hierbei zur Hülfe zu kommen, haben wir einige der besten Stücke durch Abbildungen wieder zu geben versucht, wenn auch die Hauptsache, die Farben hierbei fehlen. Die Ausstellungszeitung vom 9. April nennt 37 Aussteller von Arrangements und Topfgewächsen, sowie 22 Aussteller von Utensilien für die Binderei etc. — Allen voran stand in Bezug auf Zierlichkeit der Garten-Zeitung 1882. ^" 240 L. Wittmack: y'^g. 55- Leier mit Rosen frainivt von A. Tiin.i, Blmnenkissen von A. Thiei. Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 24 1 Arrangements A. Thiel Berlin, Leipzigerstrasse "jG, dem auch der höchste Preis, der Ihrer Majestät der Kaiserin zugesprochen wurde. Abgesehen von reizenden, leicht gebundenen Sträussen, Brautkränzen und Garnituren, Hand- und Vasenbouquets ragten besonders hervor: eine vergoldete Leier (Fig. 55) mit Rosen so geschmackvoll dekorirt, dass unserer unmassgeblichen Ansicht nach diesem Stück vor allemi die Krone gebührte. Am Fusse der Saiten der Lyra fanden sich la France, Gloire de Dijon, weiter oben General JACQUEMINOT, Empereur du Maroc etc., das Ganze untermischt mit einisfen bunten Gräsern und von einem Kolibri umflattert. Ferner fand reichen Beifall ein Blumenkissen (Fig. 56), der Rand aus grauem Rennthiermoos, das Feld selbst aus dunklen Veilchen, darauf helle Rosen, Farnkräuter etc. Sodann zwei Spiegel , der eine umrahmt mit blauen Hyacinthen, die oben in ein Bouquet aus weissem Flieder, Cypripedium barbatum und hellen Rosen endeten, das gehoben ward durch die bunten Blätter von Pelargonium zonale Miss Pollock; der zweite (Fig. 57) umgeben von gelben Narcissen, die oben in ein Arrangement aus Abutilon Darwini, gelben Akazien, Imantophyllum und Cypripedium insigne ausliefen, welches ein kleiner Papagei umschwebte, das Ganze ein Meisterstück der Farben- abtönung. — Wozu eigentlich diese garnirten Spiegeltoiletten? wird mit uns gewiss Mancher fragen. Uns, die wir eigentlich nicht für dieselben ein- genommen sind, ward zur Antwort, dass sie doch öfter bestellt werden. Wenn ein junges Paar eine neue Wohnung bezieht, sendet oft ein Freund als erstes Wirthschaftsstück einen solchen Spiegel in's Haus! Ein gleiches Muster von dem trefflichen Farbensinn der Frau Thiel — denn dass es nur gleich gesagt sei, bei allen Ausstellern ist es meist die sinnige weibliche Hand, welche die Blumen so harmonisch verkettet — waren die Fächer. Da war einer aus granatrothem Atlas mit Arrangements aus Grenadier- Nelken, rothen Camellien und Anthurium Scherzerianum, ein gelber mit Marechal-Niel-Rosen und Akazienblüthen, ein dunkelgrauer für ältere Damen mit graublauen Hyacinthenglocken , ein rosafarbener mit sfleichfarbieen Rosen, weissem Flieder und braunen Mahoniablättern, endlich ein cremefarbiger mit gefüllten Veilchen. Originell war auch ein Korb, der einzig und allein mit Pulsatilla gefüllt und garnirt war. Nachbarlich zusammen mit A. TlllEL finden wir CARL Schirm, Friedrichstr. 207, Vorsitzender des Vereins (silberne Staatsmedaille). Der- selbe lieferte u. A. einen Korb mit Marechal-Niel-Rosen, ein sehr hübsches Füllhorn mit Amaryllis, weissem Flieder, Rosen, Anthurium Scherzerianum, Polypodium Reinwardtii etc. (Fig. 58), einen Korb mit weissem Flieder, la France Rosen und Adiantum, eine französische Kiepe mit kleinen Bouquets, das neueste Arrangement für den Cotillon (Fig. 59), die W^achsbüste einer Dame mit Brautkranz, Collier und Ohrgehängen aus Myrten, besonders um zu zeigen, wie ein Brautkranz unten etwas concav gearbeitet werden muss, damit er gut sich dem Haupte anschliesst, endlich einen grossen schönen Lorbeerkranz mit einer Reihe echter, vergoldeter Lorbeerblätter, 242 I-. Wiltmack: l^iy- 57. Spiegel mit gelben Narcissen etc. von A. Thikl. Fig. 58. Füllhorn mit Aniarvllis etc. von C. Snin: Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 243 durchwirkt mit Theerosen, zu einem 50 jährigen Jubiläum, desgleichen oben offenen Lorbeerkranz mit einer Lyra in der Mitte und der Zahl einen Fig. 59. Französische Kiepe mit Cotillon-Bouquets von C. ScillRM. 25 in Silberschrift, einen Spiegel mit dunklen Stiefmütterchen und Marechal- Niel-Rosen etc. ^^^^^^^^ ^^^^^^^, 244 L. Wittmack: Kulturversuche mit elektrischem Licht. Aus dem Englischen des Herrn Dr. William Siemens Von L. Wittmack. (Schluss von Heft 3, S. 142.) Igjs sind von einigen Botanikern Zweifel erhoben, ob Samen von bei elek- trischem Licht erzogenen Pflanzen keimfähig seien; um dies zu prüfen, wurden die am 16. Februar geernteten Erbsen am 18. Februar wieder ausgesäet. Sie keimten in wenigen Tagen und zeigten ein vollkommen gesundes Wachsthum. Dr. Gilbert wird über ähnliche Versuche mit Weizen, Gerste und Hafer be- richten. Ich weiss, sagt Siemens, dass Darwins gewichtige Meinung dahin geht, dass viele Pflanzen, wenn nicht alle, einer täglichen Ruheperiode zu ihrer normalen Entwickelung bedürfen. In seinem grossen Werke über »Die Bewegungen der Pflanzen« bespricht er mit erstaunenswerther Genauigkeit die natürlichen Be- wegungen der Circumiiutation und die nächtliche oder nyctitropische Thätigkeit der Pflanzen, aber er dehnt seine Untersuchungen nicht auf continuirliches Licht aus. Er zeigt, dass nyctitropische Thätigkeit (Nachtstellung W.) den Zweck habe, die zarten Blattzellen vor Erkältung durch Wärmestrahlung zu schützen; aber es folgt daraus nicht, dass dieses Schutzmittel die Nothwendigkeit (das Vorhanden- sein W.) des schädlichen Einflusses beweist. — Kann man nicht eher aus Darwins Versuchen schliessen, dass die Abwesenheit des Lichtes während der Nacht eine Schwierigkeit für das Pflanzenleben verursacht, welcher durch be- sondere Bewegungsorgane entgegengetreten wird — und dass diese Organe viel- leicht allmählich weniger ausgebildet werden möchten, wenn die Pflanzen dem continuirlichen Lichte während mehrerer Jahre oder Generationen ausgesetzt sind ? Mit grosser Vorsicht, und ohne generalisiren zu wollen, fühle ich mich verpflichtet, als Resultat meiner Versuche, die sich über 2 Winter ausdehnten, zu berichten, dass, obwohl periodische Dunkelheit augenscheinlich das Längen- wachsthum der Stengel befördert, der continuirliche Reiz des Lichtes günstig erscheint für eine gesunde und bedeutend beschleunigte Entwickelung in allen Stadien des Pflanzenlebens, vom frühen Blatt bis zur Frucht. Die Frucht ist derjenigen, die bei abwechselndem Licht, d. h. nur bei Tageslicht erzogen ist, an Grösse, Aroma und Farbe überlegen. Es sind aber noch weitere Versuche nöthig, ehe man generalisiren darf. — Selbstverständlich hat diese Frage der täglichen Ruhe nichts zu thun mit der jährlichen oder Winterruhe, welche wahrscheinlich die meisten Pflanzen, die nicht Annuelle sind, nöthig haben. Der wohlthätige Einfluss des elektrischen Lichtes zeigte sich sehr deutlich bei einer Banane, welche während 2 Perioden, zur Zeit des ersten Wuchses und zur Zeit der Fruchtentwickelung, im Februar und März 1880 und 1881, zur Nachtzeit einem elektrischen Lichte ausgesetzt wurde, welches man hinter Glas nicht über 2 Yards (engl. Ellen ä o,g m) von der Pflanze entfernt anbrachte. Das Resultat war ein Fruchtstand im Gewicht von 75 Pfund (engl, ä 453 gr,), jede einzelne Banane von ungewöhnlicher Grösse und unübertroffenem Wohl- geschmack. KultLirversuche mit elektrischem Licht. 245 Wegen Grösse und aromatischem Geschmack bemerkenswerthe Melonen wurden ebenfalls im ersten Frühjahr 1880 und 1881 unter beständigem Licht erzogen und ich bin sicher, dass noch bessere Resultate erzielt werden können^ wenn erst die besten Bedingungen der Temperatur und der Nähe des elektrischen Lichtes genau festgestellt sind. Meine bisherigen Versuche hatten mehr den Zweck, die allgemeinen Be- dingungen, welche nöthig sind, um Wachsthum durch elektrisches Licht zu er- zielen, kennen zu lernen, als cjuantitative Resultate zu erlangen; aber ich bin geneigt anzunehmen, dass die Zeit niclit fern ist, wo das elektrische Licht als eine werthvolle Bereicherung derjenigen Hülfsmittel erkannt werden dürfte, welche dem Gärtner zu Gebote stehen, um ihn wirklich unabhängig von Klima und Jahreszeit zu machen und welche ihn mit der Macht ausstatten, neue Va- rietäten zu erzeugen. Ehe aber Elektro-Hortikultur als ein praktisches Verfahren eingeführt werden kann, ist es nöthig, die Kosten kennen zu lernen, und meine Versuche im letzten Winter sind theilweise auf diesen Punkt gerichtet gewesen. Wo Wasser- kraft zu Gebote steht, kann das elektrische Licht zu ausserordentlich massigen Preisen geliefert werden; die Kosten für Kohlen-Elektroden, Abnutzung und Verzinsung der Apparate und Maschinen, betragen zusammen nach anderweitigen Erfahrungen 6 d = 60 Pfg. per Stunde für ein Licht von 5000 Kerzen. Die per- sönliche laufende Arbeit in solchem Falle besteht nur in dem Ersatz der Kohlen- Elektroden alle 6 — 8 Stunden, was durch den Gehülfen (Unter-Gärtner), der die Heizung der Gewächshäuser besorgt, ausgeführt werden kann. In meinem Falle war keine natürliche Kraftquelle vorhanden und es musste eine Dampfmaschine angewendet werden. Die Maschine, von nominell 6 Pferde- kraft, welche ich für die 2 elektrischen Lichte ä 5000 Kerzen benutze, verbraucht 56 Pfund (engl.) Kohlen pro Stunde; dies macht bei 20 sh. pro ton 6 d, oder 3 d pro Licht von 5000 Kerzen. Dagegen ist aber die Ersparniss an Brennmaterial für Heizung der Gewächshäuser (welche mit den Retourdämpfen geheizt wurden) in Abrechnung zu bringen. Diesen Betrag konnte ich nicht genau ermitteln, er kann aber sicher zu ^3 der Kohlenkosten der Maschine angenommen werden, so dass die Kosten der Feuerung für i elektrisches Licht sich auf i d pro Stunde stellen; die Gesammtkosten pro Licht von 5000 Kerzen betrügen somit 6 d plus I d, gleich 7 d (70 Pfg.) pro Stunde. Diese Berechnung wäre richtig, wenn das elektrische Licht und die Dampf- kraft 12 Stunden pro Tag gebraucht würde, aber da das Licht bei Tage nicht gebraucht wird, während das Feuer des Kessels der Maschine zum Heizen der Häuser unterhalten werden muss, so geht bei Tage ein Betrag von motorischer Kraft verloren, gleich gross mit dem, der in der Nacht verbraucht wird. Um diese Kraft auszunutzen, habe ich Mittel ersonnen, um die dynamische Maschine auch bei Tage arbeiten zu lassen und die erzeugte elektrische Kraft mittelst Drähten nach verschiedenen Punkten der Gutswirthschaft zu leiten, wo Häcksel und Rüben zu schneiden, Bretter zu sägen und Wasser zu pumpen ist. Diese Verrichtungen erfolgen mittelst kleiner dynamischer Maschinen, die an den be- treffenden Punkten aufgestellt sind und welche mit der den Strom erzeugenden dynamischen Maschine nahe der Dampfmaschine in Verbindung stehen. Die Lei- tungsdrähte bestehen jeder aus einem nackten Strang (straiui) Kupferdraht, getragen von hölzernen Pfosten oder von Bäumen, ohne Isolatoren, während die Rückleitung 2^5 L. Wittmack: Kulturversuche mit elektrischem Licht. mittelst des Parkgitters oder des Drahtzauns des betr. Platzes erfolgt, welche sowohl mit der Uebertragungsmaschine, wie mit der Arbeitsmaschine durch kurze Enden Draht verbunden sind. Um die metallische Kontinuität des Drahtzaunes zu sichern, muss man Sorge tragen, da, wo Thore sind, ein Ende Draht unter- halb des Thores zu legen, welches die Verbindung mit der andern Seite herstellt. Was das Wasseri)um])en anbetrifft, so wurde ursprünglich eine 3 pferdige Dampfmaschine angewendet, welche 2 Dampfpumpen von 3 '/o ^-o\\ engl. Durch- messer, die 36 Doppelhübe pro Minute machten, in 15ewegung setzte. Die gleichen Pumpen werden auch noch jetzt angewendet, aber von einer dynamischen Maschine getrieben , welche 4 Centner wiegt. Wenn die Cisternen am Hause, in den Gärten und in der Wirthschaft gefüllt werden sollen, werden die Pumpen durch einfaches Drehen des Commutators an der (Hau])t-) elektrischen Maschine neben der Dampfmaschinen-Station in Bewegung gesetzt, und in ähnlicher Weise werden die übrigen erwähnten Arbeiten von einer und derselben primären Kraft ausgeführt. Es würde in diesem Falle schwer sein, genau die Procentzahl der Kraft anzugeben, welche wirklich an der entfernten Station zur Geltung kommt; aber durch Versuche mit Kraftmessern an denselben Maschinen unter ähnlichen AViderstandsverhältnissen sind 60 pCt. erzielt. Zum Schluss bemerkt Siemens, dass die erwähnten Arbeiten zur Erzeugung des elektrischen Lichts und der Kraftübertragung für die verschiedenen andern Zwecke vollständig unter der Leitung seines Obergärtners Buchanan stehen, der dabei von dem gewöhnlichen Personal von Gehülfen (Untergärtnern) und Feld- arbeitern, die wahrscheinlich nie vorher von der Kraft der Elektricität hörten, unterstützt wird. — Elektrische Kraftübertragtmg kann eventuell auch zum Dreschen, Mähen und Pflügen benutzt werden. Diese Arbeiten werden jetzt in ausgedehntem Masse von transportablen Dampfmaschinen ausgeführt, einer Klasse von Maschinen, welche einen hohen Grad von Ausbildung erlangt haben, aber der elektrische Motor bietet den grossen Vorzug der Leichtigkeit, da sein Gewicht pro Pferdekraft nur 2 Ctr. beträgt, während das Gewicht einer trans- portablen Dampfmaschine nebst Kessel voll Wasser auf 15 Centner pro Pferde- kraft angenomnien werden kann. Ausserdem erfordern die transportablen Dampf- maschinen eine fortdauernde Versorgung mit Wasser und Brennmaterial, während die elektrische Maschine ihre Kraft durch den Draht (oder eine leichte Schiene, auf welcher sie sich bewegen kann) von der Central-Station erhält, wo dieselbe mit weniger Ausgaben für Heizung und Bedienung erzeugt werden kann, als auf dem Felde. Auch können sekundäre Batterien mit Vortheil angewendet worden, um die elektrische Kraft aufzuspeichern, wenn sie nicht gebraucht wird. Wenn man so die Arbeiten einer Gutswirthschaft von einer Centralstation ausführt, lassen sich beträchtliche Ersparnisse machen. Die Dampfmaschine wird hauptsächlich für Tagesarbeit gebraucht werden und ihre Nachtarbeit, für die Zwecke der elektrischen Gärtnerei, wird eine sekundäre Ausnutzung der Einrichtung sein, die geringe Extra-Ausgaben verursacht. Zugleich sind die Mittel gegeben, die Gartenhalle und die Strauchpartien in der vollkommensten Weise zu erleuchten und Effekte in der Landschaftsgärtnerei zu erzielen, die überraschend schön sind. So weit Siemens' frühere Versuche. Literatur. 247 Literatur. \V. Perring, Inspektor des kgl. bot. Gartens zu Berlin, Lexiken für (iartenbau und l'.lunien- zucht. Handbuch für Gjirtner und Gartenliebhaber über alle Zweige des gärtnerischen Be- triebes, mit besonderer Berücksichtigung von Topfpflan^.enkultur, Obst- und Gemüsebau. Leipzig. Verlag des Bibliographischen Instituts 1SS2. 8. 514 S. Preis 6 Mk. 50 Pf. Während das illustrirte Rümpler'sche Lexikon mehr für Wohlhabendere bestinnnt ist, eignet sich dieses Lexikon auch für Denjenigen, dessen Mittel nur bescheiden sind. Zu einem aussergewöhnlich niedrigen Preise (wie alle Meyerschen Fach-Lexika) wird hier auf 514 S. des Belehrenden von fachmännischer Seite so viel geboten, dass die Erwartungen bedeutend übertroffen werden. Vor allem ist zu bemerken, dass der Verfasser wie seine Mitarbeiter praktische Gärtner sind, und dass demzufolge auch die Kulturangaben der Praxis entstammen. Einzelne kleine Ungenauigkeiten abgerechnet ist das Werk sehr correct geschrieben und ver- dient warme Empfehlung; das im Anhang gegebene Autoren-Verzeichniss ersetzt zweckmässig die sonst fehlenden Biographien. L. W. Dr. F. Kienitz-Gerlokf. — Methodischer Leitfaden für den Unterricht in der 15otanik an Land wirthschaftsschulen. Berlin 1881. Winkelmann S. 8. XV. 224 S. Gartenbau und Landwirthschaft haben so viele Berührungspunkte, dass die gelegentliche Erwähnung eines Lehrbuches der letzteren wohl keiner weiteren Explication bedart. Der Ver- fasser theilt den Gegenstand in 3 Kurse. I. Erläuterung der morphologischen Grundbegriffe im Anschluss an die Betrachtung einzelner Pflanzen, Bildung von Gattungs-Familien etc., Charakteren durch Vergleichung mehr oder weniger verwandter Pflanzen, Uebersicht des Linne'schen Systems. Das Ganze mit eingestreuten Notizen über die Lebensweise der betr. Pflanzen. Diese selbst sind allbekannte und leicht in Menge zu Demonstrations-Zwecken zu beschaffen, überhaupt smd alle Pflanzen des ganzen Buches solche, welche jedem gebildeten Gärtner geläufig sein müssen. Kursus II behandelt schwierigere Pflanzen und ist in jedem Punkte eine Erweiterung der Kennt- nisse des ersten. Neu hinzu kommen ausländische Kulturpflanzen, Thee, Cacao, Citrus etc. und einiges aus der Physiognomik der Gewächse, sowie eine Repetitionstabelle. Kursus III, die ganze 2. Hälfte des Buches umfassend, enthält Anatomie, Physiologie, insektenfressende Pflanzen etc., Pflanzenkrankheiten, sowohl durch Pilze verursacht, wie auch andere. Schmarotzerpilze der Kulturpflanzen, Entwickelungsgeschichte und Befruchtungserscheinung der wichtigsten Kryptogamen Geographische Verbreitung der Kryptogamen. Systematik derselben, sowie e n paar Worte über Paläontologie Für den letzteren Kursus sind Wandtafeln von Kny, Dodel-Port, Pilzmodelle und leichtere Experimente, sowie Demonstrationen mit dem Mikroskop die Hilfsmittel des Vortrages. Gegen diesen letzteren Kursus lässt sich freilich Verschiedenes einwenden. Er ist erstens zu umfangreich, sei das Semester so lang und seien die Schüler so gereift wie möghch. Ferner: Die Kryptogamen und ihre oft höchst fatalen Thätigkeiten in allen Ehren, aber es ist der Ehre zu viel, sie so ausführlich zu behandeln. Drittens fehlt eine gute Darstellung der geographischen Verbreitung der Phanerogamen. Dies musste, um dem Buche allseitig gerecht zu werden, ge- sagt werden. Die Vorzüge bleiben deshalb ungeschmälert und diese bestehen darin, dass mit Hilfe desselben es allerdings sehr wohl möglich ist, Studirende der Ackerbauschulen und fügen wir unbedenklich hinzu — auch der Gärtnerschulen in die Anfänge nicht nur der Pflanzen- kunde im Allgemeinen, sondern auch der modernen wissenschaftlichen Botanik einzuführen. Kränzein. E. Pfitzer. Grundzüge einer vergleichenden Morphologie der Orchideen. Heidelberg 1882. Winter'sche Universitäts- Buchhandlung 4" IV. 194 p. i Farbentafel, 3 schwarze Tafeln und zahlreiche Holzschnitte. Dieses Werk, hauptsächlich für Botaniker von Fach geschrieben, enthält eine Zusammenstellung der zerstreuten Notizen über den vegetativen Aufbau dieser Gewächse und zahlreiche Eigenbeob- achtungen des Herrn Verfassers. Der Blüthenbau ist nur hier und da erwähnt und ist dieser 248 Literatur. grössere Theil des Buches für den dartner von Eeruf etwas seitabliegend. Im höchsten Grade wichtig sind jedoch eine Anzahl biologischer Notizen im Schliisscapitel des Buches — meist Citate aus schwer zugänglichen Reisewerken, welche hier angefügt sind, da ja der vegetative Aufbau ein Resultat der Lebenserscheinungen ist. Diese Notizen in ihrem vollen Umfang an- genommen, würde folgen, dass die Art und Weise, wie Orchideen bei uns kultivirt werden, l'unkt für Punkt das grade Gegentheil der naturlichen Lebensbedingungen weitaus der meisten Orchideen darbietet. Es folgt daraus, dass an den natürlichen Standorten den Pfl mzen Extreme von liit/,e und Trockniss zugemuthet werden, welche wir für ohne Weiteres tödtlich erklären würden. Ileisse Winde von 44,4 C. wehen in der lleiniath von Saccolabium giganteuni, welches — wie ausdrücklich hinzugefügt wird — in laubabwerfenden, also schattenlosen Wäldern lebt (deciduus jungla). Saccolabium rubrum blüht während der heissen Zeit in den glänzendsten Farben, während seine Blätter »trocken, ausgedörrt und braun« sind. Von Angraecum sesqui- pedale wird (nach Ellis) berichtet: es suche stets »die trockensten Stämme und Aeste dünn- belaubter iiäume«. Phalaenopsis amabilis wächst »niemals in den feuchten und schattigen Wäldern^. Dies sind Arten mit permanenten Blättern. Unter den Orchideen, welche in der trocknen Jahreszeit, um die Verdunstungsfläche zu vermindern, ihre Blätter abwerfen, ertragen Dendrobium Devonianum, Dahlho-sianum, Bensoniae trockene Hitze von 120° F., d. h. nahezu 49'^ t:. Dendrob. formosunr 1 10° F. = 43— 44° C. Mormodes Catasetum und ähnliche »Ebori- lingues« bevorzugen ausgesprochen die trockensten Standorte. Wie stimmt dies alles mit der herkömmlichen Behandlung, die Orchideen in einer — wir wollen nicht sagen triefenden, aber doch immerhin — ziemlich feuchten Luft zu kultiviren ! Aljer noch weiter! Es gül als eine doch so ziemlich allgemein anerkannte oder sagen wir bisher befolgte Regel, in den heissen Sommermonaten die Häuser zu decken und die im Freien befindlichen Orchideen irgendwie zu beschatten. Und nun Folgendes: Richard und Galeotti nennen die Oncidien mit fleischigen und cylindrischen Blättern Bewohner der vom Ende October bis Juni (7 — 8 Monate) traurigen und ausgedörrten mexikanischen terra caliente. Nach HoOKiCR gedeihen Eria sp., Coelog>'ne Wallichii und andere unseres sogenannten indischen Hauses, unter Verhältnissen, die sehr verschieden sind von denen, in welchen sich die Pflanzen in den feuchten, dunstigen, ungesunden Orchideenhäusern befinden. Coelogyne Wallichii — kann ich hinzufügen — blühte und wächst üppig im Wardschen Kasten, dessen Thüren stets halb geöffnet sind, in meinem Arbeitszimmer, in dem Fenster und Thüren ziemlich viel in Bewegung sind Weiter heisst es, dass diese Orchideen fröhlich ge- deihen, so lange sie hoch oben auf den Baumwipfeln, allem Wetter ausgesetzt, schaukeln, dass sie kränkeln und zu Grunde gehen, sobald der Baum umstürzt und die Pflanzen in das Unter- holz (1: w jungle) gerathen. Aus eigner Erfahrung können wir hinzufügen, dass eine ganze Anzahl Orchideen, im Sommer in einem geschützten Bosquet kultivirt, keineswegs gut fortkam, dass sie dagegen kräftig weiter wuchsen, als wir genöthigt waren, sie auf eine sehr exponirte Veranda zu bringen, wo sie der Sonne, dem Wind und allem Wetter ausgesetzt waren. Gardner beobachtete zahlreiche Orchideen »auf steinigem Boden, der keine Rasenfläche mehr hervorbrachte«. Hervorgehoben wird, dass die eigentlichen Urwälder an parasitischen Orchideen arm sind (Heller) und weiter »Niemals sah ich (van Volxem) Orchideen im Dun- kel des Urwaldes — sie kommen an dessen äusseren Grenzen vor oder auf den höchsten Baum- ästen, wo sie volles Licht geniessen, das nur wenig durch Belaubung gemindert wird. a purpurata Lindl., Guatemala. Masdevallia coccinea Lindl. et Rchb. fil., Neu- Granada. *) Wir bitten unsere geehrten Leser ur Masdevallia triangularis Lindl., Caracas. Maxillaria squalens Hook., Brasilien. IMegaclinium falcatum Lindl., St. Leone. Mormodes lentiginosa Hook., Mexico Odontoglossum bictoniense Lindl., Mexico. Odontoglossum cirrhosum Klabochoruni, Peru. » cristatum, Peru. » Ehrenbergii Kl., Mexico. » pulchellumBatem., Guatemala. " Uro-Skinneri, Guatemala. ()ncidium Cartaginense Jacq., Carthagena. a Kramerianum Rchb. fil., Central- Amerika. Phalaenopsis equestris Lindl., Manilla. Phajus cupreus Rchb. fil., Amboina. ^ gracilis, Nepal. 1 maculatus Paxt., Nepal. jetl. Mittheilungen auch aus anderen Gegenden. D. Red. Personalnachrichten. — Eingegangene Preisverzeichnisse. 2 15 1 Phajiis Wallichii Lindl., Khasya-Hügel. Pleione humilis, Indien. Trichopilia sua^'is Lindl., Costa-Rica. Vanda Bensoni, Rangoon. i> in"signis Lindl., Java. Vanda suavis Lindl., Java. » tricolor Lindl., Java. j> » naevium Lindl., Java. » » suavissima Lindl., Java. » 1) Veitchii Lindl., Java. PersonalnachricMen. Gartendirector C. Mayer in Karlsruhe wurde (27. März 1882) auf sein Ansuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen Dienste und unter Verleihung des Commandeurkreuzes des Ordens vom Zähringer Löwen in den Ruhestand versetzt; ebenso wurde Garteninspector E. Mayer in Karlsruhe auf sein Ansuchen wegen leidender Gesundheit , unter Anerkennung seiner treuen Dienste und unter Verleihung des Ritterkreuzes II. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen, in den Ruhestand versetzt. Gleichzeitig wurde zum Vorstand der Gartendirection in Karlsruhe mit dem Titel Hof- garteninspector ernannt: Herr Jos Pfister von Reichartshausen (Nassau), früher (1863 — 79) Obergärtner der von Rothschild'schen Gärtnerei zu Gimthersburg bei Frankfurt a. M. und nach- her Inhaber einer Blumen- und Pflanzenhandlung in Frankfurt a. M. Gartenassistent L. Grä- bener in Karlsruhe wurde unter Ernennung zum Hofgärtner der Gartendirection beigegeben. Dem herrschaftlichen Gärtner Otto zu Würchland im Kreise Glogau ist das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. — Herr Paul Ullrich ist als Gärtner der Grafen Revard in Gr.- Streblitz, seinem Geburtsort, angestellt. — Herr Garten-Inspektor Gottschalk, bisher in Gr.- Streblitz, hat eine Handelsgärtnerei in Franziskanerhof bei Gnesen errichtet. Am I.April starb nach kurzer Krankheit der Mitinhaber der Firmi Ferd. Jühlke Nach- folger, Erfurt, Herr Hicinrkti Roess. Am 19. April starb nach kurzer Krankheit der berühmte Naturforscher Charles Darwln in Down, Grafschaft Kent, England, geb. 12. Februar 1S09 zu .Shrewsbury. Er wird in der Westminster-Abtei beigesetzt werden. Eingegangene Preisverzeichnisse. Friedr. C. Pomrencke in Altona, (Gemüse-, Feld-, Gras-, Wald- und Blumen-Sämereien, Baumschul-Artikel etc.). — H. Weyringer in Wien, Rothenthurmstr. 26, (Samenkultur-Anstalt und Samenhandlung). — The Dingee & Conrad Co. in West-Grove, Chester, (the new guide to rose culture 1882). — E. Mosisch in Treptow bei Berlin, (Baumschulen). — Heinrich Mette in Quedlinburg, (Gemüse-, Oekonomie-, Gras-, Holz- und Blumensämereien etc.). — Franz Anton Haage in Erfurt, (Gemüse-, Feld- und Blumensamen, Pflanzen etc.). — S. Ender in Königsberg i. Pr., (Feld-, Gemüse-, Gras- und Blumensämereien, Frühbeetpflanzen). — Rudolf Schwarz & Co. in Freihof Freundorf, TuUn, Niederlage in Wien I, Augustinerstr. No. 6, (Baumschul-Artikel, Gemüse-, Feld-, Gras-, Wald- und Blumen-Sämereien, Saatkartcffeln, Garten- Utensilien etc.). — Schlieben & Frank in Ratibor, (Gemüse-, Gras-, Feld- und Blumensämereien, sowie Warm- und Kalthauspflanzen, Georginen, Rosen, Ziersträucher, Obstbäume etc.). — Carl Schliessmann in Kastel-Mainz, (Fabrik und Ausstaffirungsgeschäft in Gartenartikeln, Spalier- Bauwerken und Arbeiten, Zug-Jalousien, Rollläden etc ). — Louis van Houtte a Gand, Bel- gique. (Prix-courant des plantes de serre chaude et de serre froide etc. Nr. 197.) — P Klein m Wiesbaden, (Pflanzen des Warm-, Kalthauses und freien Landes, Ziersträucher in Töpfen, Rosen, Georginen etc.). — Eduard Naumann in Cöthen, Anhalt, (Chemische Blumendünger). — E. H. Krelage & Zoon te Haarlem, (Tentoonstelling van bloeiende Hyacinthen, Hyacinthen- Pronkbakken). — Louis de Smet a Ledeberg-lez-Gand, Belgique, (Supplement au catalogue general). — Sutton & Sons in Reading, Berkshire, Farmer's Year-book 1882. — Christof Steinpöck in Altlengbach, Oesterreich unter der Enns, (Voralpen- und Alpenpflanzen). — Joh. Mich. Helm's Söhne in Grosstabarz bei Gotha, (Grassamen, Kleearten und Futterkräuter, Nadel- und Laub holz-Samen). — E. Boese & Co. in Berlin C. , Landsbergerstr. 70, (Sämereien für Gartenbau, Land- und Forstwirthschaft). — Friedrich Spittel in Arnstadt bei Erfurt, (Neueste und edelste Georginen [Dahlien], Sortiments- und Teppichbeetpflanzen für Zimmer, Gewächshäuser und für's freie Land). — Wilhelm Richter in Zwickau, Sachsen, (Georginen, Pelargonien und Nelken, sowie Saatkartofteln). — Kallenberg & Feyerabend, Fabrik von Blech-, Eisen- und Draht- waaren etc , in Ludwigsburg, Württemberg, (Gitter-, Gatter- und Gewebe-Geflecht). — Sprechsaal. Frage 18. L. in S. Wie vermehrt und kultivirt man am besten Scirpus natalet2sis in grösserer Menge? 2 c 2 Sprechsaal. Antwort. Ich kultivire alle Jahr 5 — 6000 Scirpus natalensis auf folgende Weise: Der Same wird im F"ebruar ausgesäet, nach dem Aufgehen piquirt und im März in kleine Töpfe auf ein warmes Beet gebracht. Nach und nach werden die Pllan/en durch Lüften, ähnlich wie bei Sommergewächsen, abgehärtet und später die Fenster ganz heruntergenommen. Nachdem die Exemplare sich gekräftigt und circa I P'inger lang sind, werden sie in gewöhnliche Mistbeeterde in 4 — 5 zöllige Töpfe gepflanzt und im Freien an einen schattigen, geschützten Platz gestellt. Will man sehr starke Pflanzen ziehen, so kann man sie später, im Juli-August, noch einmal in grössere Töpfe pflanzen. Recht viel Wasser und auch Kuhmist ist ihnen, wenn sie im scharfen Wachsthum sind, sehr zuträglich. — Bei dieser einfachen Kultur habe ich sehr schöne Pflanzen erzielt. Gustav A. .Schultz, Eckartsberg bei Berlin O. Frage 19. v. d. R. in G. a) Kommt die amerikanische Moosbeere Vaccinium macro- carpum in einem Klima, wie in Kurland, also in einem etwas rauheren Klima, als in der Pro- vinz Ostpreussen, noch gut fort und in welchem Werke wird die Kultur derselben eingehender behandelt r b) In welchem Alter fangen die besseren .Sorten Haselnusssträucher an, Nüsse an- zusetzen ? c) Welchen Boden verlangt die Fintts ceinbra, ist sie schneljwüchsig, wie hoch wächst sie, und in welchen Handelsgärtnereien ist sie nicht nur als Zierbaum, zu verhältnissmässig hohen Preisen, sondern zu 100- oder lOoo-Preisen zu haben? Antwort, ad a) Die amerikanische Moosbeere wächst am liebsten im Sumpf, die hohen Erträge werden wenigstens in Amerika da erzielt, wo die Terrains die meist Gesellschaften ge- hören) lange unter Wasser stehen. Dadurch wird eine spätere Blüthezeit erzielt und die Blü- then erfrieren nicht. Bei Ihnen dürfte sie aushalten, aber Sie haben in der russischen uKlukwa«, Vaccinium oxycocctis, der europäischen Moosbeere, ja eine so nahe und so viel benutzte Ver- wandte, dass Sie kaum nöthig hätten, die amerikanische zu pflanzen. Eine Rente wird letztere auch in Deutschland wohl nie abwerfen, da die wild gesammelten Preissei- und Moosbeeren viel billiger kommen. Die Preisseibeeren haben dazu auch einen viel schöneren Geschmack, und wenn die Amerikaner unsere Preisseibeere hätten, würden sie schwerlich die Moosbeere kultiviren. Anleitung zur Kultur finden Sie in A. S. Fuller's Kultur der Beerensträucher, über- setzt von H. Maurer. Weimar 1S68. ad b) (Haselnüsse.) Ist sehr verschieden, je nachdem sie aus Ablegern oder aus Samen erzogen sind. Erstere tragen oft schon in den Baumschulen im zweiten Jahr; letztere erst spät. In einzelnen Gegenden Bayerns, wo sehr viele Haselnüsse gebaut werden, hat man des- halb auch nur die Vermehrung durch Ableger eingeführt. ■ — Siehe übrigens Palandt's neues Werk, Der Haselstrauch, Berlin bei P. Parey. — ad c) rittiis ceiiibra liebt thonreichen Boden mit Quarz, sowie Feuchtigkeit, kommt übrigens auch auf jedem anderen Boden fort. Sie wächst sehr langsam und braucht in der Heimath, den Gebirgen, nach Nördlinger's Deutsche Forstbotanik, 60 — 70 Jahre, um Mannshöhe zu er- reichen, in der Ebene wächst sie rascher und erreicht in England z.B. in 40 Jahren 12 w Höhe. Bäume von mehr als 20 ni Höhe sind im Hochgebirge selten. — In der Späth'schen Baumschule sind einige Hundert zweijährige P. cembra abzugeben. Frage 20. v. K. in O. a) Ist Taxoditcm disticliiini bei uns winterhart, und b) würde diese Conifere es wohl ertragen, wenn ihr Standort im Winter geraume Zeit überschwemmt würde? Antwort, ad a) J^i t)ei Herrn Oekonomierath Späth stehen zwei grosse Pyramiden, die bisher nicht erfroren; auch im bot. Garten hält sie sich meist gut. ad b) Obwohl der Baum Sumpf- Cypresse heisst, dürfte er schwerlich das unter Wasser stehen bei uns ertragen. Frage 21. M. S. in E. Was thut man gegen die kleinen weissen Würmchen, die sich bei Topfpflanzen in der Erde befinden? Sie fressen den Samen auf. Antwort Wir bitten uns dieselben zuzusenden, da sich so nicht sagen lässt, was es für Würmer sind und wie man sie vertilgt. Gegen viele Würmer hilft ein Begiessen mit einer Ab- kochung von Wallnussblättern oder Extract von Rosskastanienfrüchten. Auch soll das Daneben- stellen von Mii)tulns inoscliatus ihnen unangenehm sein. — Am besten ist's, Sie nehmen neue Erde. — Frage 22. E. V. in B. Kann man die bisher erschienenen Abbildungen von Blumen kaufen, ohne sich die betr. Werke, in denen sie erschienen sind, anzuschaffen? Und wo? Antwort. Nein; nur die Expedition der Belgique horticole Lüttich (Liege), ä la Boverie No. i verkauft, so viel wir wissen, ihre Tafeln einzeln zu 50 Cts., bei grösseren Bestellungen zu 40 Cts. Bei'icLti^llIig. Im IV. Heft S. 206 (Sprechsaal) lies: Birne Madame Durieux statt: D u r i e u s e. Anzeigen ;ial 2 («/5) für eiserne Gewäclisliäuser sowie A deren Heizung Verglasung. f.ÖvO-'- iCHMDT &ffcHLIEDER¥,«, =€i:Serner Gewächshäuser CO Ki Samen -Culturen und Handels -Gärtnerei. Einführung von Neuheiten in- u, ausländischer Züchtungen. S23eciality,t: Gemüse-, Oecoiioiiiie-, Gras-, Holz- und Bhnneii-Säinereieu. Die Vorrätlie stehen unter Controle der Sanien-Control-Station in Kiel. lo Galvanisirte (verzinkte) Drahtgewebe und Draht, sowie alle zur Anlat lUustrirte Preis on Drahtzäunen nöthigen Bedarfsartikel. 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Einjährig, überall (mit Ausnahme der Blumenkrone) drüsig behaart, Stengel i— 172 vi hoch, aufrecht, etwas sparrig verzweigt, untere Blätter (ca. 16 cm lang) oval, stumpf, in einen geflügelten Blattstiel verschmälert, die Flügel am Stengel etwas herablaufcnd, O, Fig. 61. Nicotiana affinis hört. a Längsschnitt durch den oberen Theil der Blüthe, um den Ansatz der Staubgetässe im oberen Theil zu zeigen. Die Staubfäden ziehen sich als Rippen (Gefässbündel) noch bis zur Basis der Blumenkrone, b Staubgefäss mit dem oberen freien und dem unteren rippenförmig- angewachsenen Theil. c Anthere von vorn, d Pollen. e Geöffneter Kelch, um Griffel und Fruchtknoten nebst, dem ringförmigen Diskus an der Basis desselben zu zeigen. Fig. 60. Nicotiana affinis hart. obere Blätter kleiner, fast stengelumfassend, ei-lanzettlich , zugespitzt, Blüthen in end- und achselständigen, traubig angeordneten Wickeln, daher das Deckblatt nicht unterhalb jeder Blüthe, sondern derselben gegenüber, Blüthen auf ca. 2 cm langem Stiele steif, zuletzt fast Garten-Zeitung 1882. ^7 2 CA. ^' Wittmack: horizontal abstehend, sehr gross. Kelch 5 spaltig (bis zur Mitte getheilt), Zipfelschmal, pfriem- lich, Blumenkrone stieltellerförmig, sehr gross, Röhre schlank, 8— lO cm lang, im oberen Drittel, wo die Htaubgefässe befestigt sind, etwas erweitert, Saum 5 lappig, 6 — 7 an im Durchmesser, Lappen in der Knospenlage gefaltet und gedreht, stumpf oder etwas einge- schnitten, weiss, aussen wie die Röhre etwas grünlich-weiss (beim Verwelken einen mehr oder weniger purpurnen Ton annehmend), Abends sich öffnend und einen herrlichen Geruch entwickelnd. Staubgefässe 5, im oberen Drittel der Röhre eingefügt, der vordere kürzer; Pollen oval, im Wasser rundlich, 0,028—0,042 m/u Durchmesser. Fruchtknoten an der Basis mit einer ringförmigen Scheibe (Discus) umgeben. Kapsel 2 fächerig, vielsamig. Blüthezeit im Freien im August. Zur Zeit, WO die Aufmerksamkeit aller Kreise auf den Tabak gerichtet ist, möchten wir unsern Lesern einen Tabak vorführen, der zwar nicht genau zur Spezies des Monopol-Tabaks gehört, aber sich gleich ihm in wenigen Jahren so zu sagen die Welt erobert hat. Die ansehnliche Grösse, die herrlichen wohlriechenden Blumen und die lange Blüthezeit sind Eigen- schaften, die Nicotiana affinis sehr begehrenswerth erscheinen lassen. Dazu besitzt sie die Eigenthümlichkeit, sich erst gegen Abend zu öffnen und die ganze Nacht über offen zu bleiben. Den starken, sehr angenehmen, süsslichen Geruch und die leuchtend weisse Farbe theilt sie mit manchen Nachtblühern, die namentlich durch den Geruch, aber auch durch die Farbe die Insekten behufs der Befruchtung anlocken. Im Frühjahr aus- gesäet blüht sie im August; in England säet man sie aber jetzt auch im Herbst aus und erhält so die Blumen im Januar bis März. — Inter- essant ist, dass die abgeschnittenen Zweige sich, in Wasser gestellt, min- destens 14 Tage frisch erhalten und allabendlich gegen 5 Uhr sich dann eine neue Blüthe entfaltet. — Diese Eigenthümlichkeit, sich so lange frisch zu erhalten, ist übrigens auch unserem gewöhnlichen Tabak eigen; ich habe im Winter im warmen Zimmer einen nicht blühenden Zweig von Nicotiana virginica gegen 6 Wochen in einem Glase Wasser stehen gehabt; er trieb immer wieder neue Blätter und Zweiglein. Der einzige Fehler, den man der Pflanze nachsagen könnte, ist der, dass sie etwas sparrig ist; die Blumen stehen oft fast wagerecht ab. Vermehrung durch Samen. Kann in's Freie gepflanzt werden, oder im Topf bleiben, in welch' letzterem Falle sie niedriger bleibt. Verlangt einen guten Boden und reichliche Bewässerung. Ueber den Autor und das Vaterland dieser Pflanze sind wir noch im Unklaren. Der Same soll von Hyeres gekommen sein, wie T. Moore im Gard. Chron. n. ser. XVI, 1881, S. 141, Fig. 31 bei seiner Beschreibung der Pflanze bemerkt. Auch der Verein zur Beförderung des Gartenbaues erhielt den Samen von HuBER & Co. in Hyeres. Nach MoORE steht die Pflanze der N. longiflora Sweet (Brit. flow. gard. 2 ser. t. 196) = r N. un- dulata (Bot. Mag. t. 673) = N. fragrans = N. odorata (nach Gard. Chr. 1. c. 183) nahe, aber die Blumen sind w^eit grösser. — Uns scheint es, dass sie zu keiner von diesen genau passt und dass wir es vielleicht mit r — N. persica Lindl. (Bot. Reg. n. ser. VI, t. 1592), Nicotiana affinis lunt. '55 der Stammpflanze des echten Schiras -Tabaks! oder mit N. alata zu thun haben. N. persica hat zwar aussen etwas grünhchere Blüthen, sonst aber dieselbe Grösse, auch Abends »einen schwachen, aber angenehmen Geruch« , und stimmt nach der Beschreibung besser mit unserer Pflanze überein als die meisten oben erwähnten. (3b von den 5 Staubbeuteln auch der eine kürzer ist, wie bei N. affinis und N. longiflora, ist in Lindley's Beschreibung der letzteren nicht angegeben; aus der Abbildung von N. persica geht aber hervor, dass sie dort unterhalb der Mündung im er- weiterten Theil der Röhre eingefügt sind; dies trifl"t auch bei N. affinis zu, während sie bei N. longiflora an der Mündung stehen. Sehr ähnlich, ja noch ähnlicher ist N. alata Link et Otto (Abbild. neuer u. seit. Gew. d. bot. Gart, zu Berlin 1828, S. 63 t. 32; Regel's Gartenflora 1880, S. 131 t. lOio), die von Haage & SCHMIDT als N. de- currens in den Handel gegeben ist. LiNK und Otto sagen von dieser Pflanze: »Am Tage schliesst sie die Blumen und lässt sie hängen; des Nachts öffnen sie sich. Ist die Witterung trübe, so öff"nen sich die Blumen schon um 5 Uhr Abends, ist sie hell, erst um halb 7 Uhr; ebenso schliesst sie die Blumen bei heiterer Witterung schon des Morgens um 6 Uhr, bei trüber erst um 7 Uhr«. — Das passt ganz genau auf unsere N. affinis. Nur laufen bei letzterer die Blätter nicht so stark »in einen schmalen Flü- gel des Stammes herab«, es fehlt auch die schwielige Spitze am Blatt und der Rand der Blätter hat keine Zähne, die mit einer kleinen schwieligen Spitze versehen sind, was übrigens auf der Link und OxTO'schen Abbildung auch nicht angedeutet ist. Nach LiNK und Otto ist N. alata ausdauernd, nach Regel einjährig. — Regel giebt die Länge der Blumen bei N. alata nur auf 2^2 cm an; wenn das normal ist, so ist seine Pflanze wohl nicht dieselbe, wie die von LiNK und Otto, wo die Röhre 4 — 6 cm lang ist, und vielleicht haben Haage & SCHMIDT deshalb noch den Namen N. decurrens beibehalten. Die Blumen der N. affinis sind grösser als sie unsere farbige Ab- bildung zeigt. Neue Kulturversuclie mit elektrischem Licht. Originalbericht von Dr. C. W. Siemens in London. wl'on unserem hochverdienten Landsmann, Herrn Dr. Carl WILLIAM Siemens, erhalten wir folgende Zeilen, wofür wir ihm unsern besten Dank aussprechen: »Der Wunsch, Ihnen einen kurzen Bericht über meine diesjährigen Versuche, die Einwirkung des elektrischen Lichtes auf das Wachsthum der Pflanzen betreff'end, geben zu können, ist Schuld daran, dass ich Ihr werthes Schreiben vom 28. März bis jetzt unbeantwortet gelassen habe. 256 Dr. C. W, Siemens: Neue Kulturversuche mit elektrischem Licht, Ich habe seit dem 30. November v.J. zwei elektrische Lampen, jede von 4000 Kerzen Leuchtkraft, in nächtlichem Betriebe gehabt, mit Aus- nahme der Sonntagsnächte. Eine dieser Lampen ist in einem Glashause, 4,50 VI im Quadrat und 3 vi hoch, aufgestellt, in einer hohlen Glaskugel von 0,40 in Durchm. vom Dache hängend, mit Ventilation nach aussen. — Die zweite Lampe hängt an einem Pfosten ca. 3,5 ;// vom Boden und vertheilt ihr Licht über zwei niedrige (eingesenkte) Glashäuser sowie auch über einen offenen Garten, 5 vi im Quadrat, welcher reihenweise mit Wei- zen, Hafer, Gerste, Raps, Klee (Trifolium) und Blumenkohl im Anfang De- cember v. J. besäet wurde. Einige Felder wurden gleichzeitig mit identi- schen Samen besäet, und da Boden und sonstige Verhältnisse ziemlich dieselben sind, so gewährt dieser Versuch einen guten Vergleich zwischen Tageslicht allein und Tageslicht sammt elektrischer Beleuchtung während 6 von den 7 Nächten der Woche. Der Weizen steht auf dem elektrisch-erleuchteten Felde jetzt 0,70 in hoch und scheint nahe daran zu sein, Blüthe zu zeigen, während er auf dem äusseren Felde kaum die halbe Höhe erreicht hat. Alle Früchte auf dem elektrisch-erleuchteten Felde sehen kräftig aus, doch lassen sich massgebende Resultate selbstredend erst dann aufstellen, wenn die Früchte ihre Reife erreicht haben. Im Uebrigen wiederholen sich die vorjährigen Resultate. Ich hatte reife und schmackhafte Erdbeeren am 25. Januar, Melonen am 15. April, Trauben am 18. April und Pfirsiche von guter Grösse sind eben im Begriff zu reifen. Die nächtliche Beleuchtung und die Benutzung der Dampfmaschine (von 6 Pferdekr.) am Tage zur elektrischen Transmission von Kraft zum Pumpen, Sägen, Häckselschneiden etc. gehen ihren guten Gang unter Lei- tung des Pächters und ohne technische Beihilfe. Da der verbrauchte Dampf ferner zur Heizung der Häuser verwendet wird, so ist der Kosten- aufwand nicht bedeutend. Genaue Angaben über den Kostenpunkt kann ich indessen noch nicht geben. London, 28. April 1882. C. Wm. Siemens.« Ueber das öftere Vorkommen von Rosen unter ver- schiedenen Namen. Von Carl Mathieu. ^o unangenehm und überflüssig schon jede doppelte oder mehrfache, ja sogar vielfache Benennung einer Pflanze in botanischer Hinsicht ist, um so mehr ist es zu bedauern, wenn diese Plage, wie wir dieselbe bereits in so ausgebildeter Weise in der Pomologie haben, nun auch anfängt sich in der Floristik, bei den Rosen zu zeigen. Glücklicherweise findet sie sich bis jetzt noch in sehr kleinem Maasse, aber dennoch besteht sie, wie vielleicht mancher Rosenfreund und C. Mathieu: Rosen unter verschiedenen Namen. I^l Züchter schon bei der Bestellung der Rosen erfahren haben wird, sowohl bei den von Frankreich, als auch bei den von deutschen Züchtern erhaltenen Sorten. Mir selbst begegnete dies bei Rosen wie Mme. de Stella. Avocat Duvivier, alba rosea, Enfant de Lyon, Mme. Rival, Mme. de Challonge , Miss Hassard, Puebla, Mme. Hirivaux etc. Ich glaubte bei den Bestellungen eine neue Sorte erhalten zu haben, fand jedoch bei der Blüthe dieselbe mir so bekannt, dass ich mir sagte, der Absender hat sich entweder vergriffen oder die Rose besteht schon unter bekanntem Namen, und dir ist eine alte Sorte unter neuem Namen für gutes Geld aufgehängt worden. Es waren in der That entweder alte Sorten, welche noch einmal als neue unter anderen Namen ausgegeben, oder die neue Züchtung glich auf ein Haar einer alten Pflanze, wurde aber durch Unkenntniss des Züchters oder durch Leichtsinn oder wohl auch, weil der Züchter aus Eigendünkel nun einmal unbedingt einen Unterschied finden wollte, für theures Geld, in der Regel 25 Franken, in die Welt geschickt. Die Folge davon ist, dass man bei den vielen jetzigen Neuheiten sehr vorsichtig wird, sich die Art der Abstammung genau ansieht, ebenso die Beschreibung, welche in der Regel bombastisch genug geschrieben und nachgeschrieben wird, oder lieber etwas wartet, bis die Neuheit billiger geworden oder Andere die Erfahrung machten, dass etwas Gutes an der Sorte ist. Der bekannte Lyoner Rosist J. Schwartz hat sich nun das Verdienst er- worben, eine Zusammenstellung aller doppelnamigen Rosen zu machen, die ihm bis jetzt vorgekommen und die von ihm als solche erkannt sind; es ist daher jeder Rosenfreund durch die Kenntniss dieser Sorten in den Stand gesetzt, seine Sammlung zu berichtigen, und der Züchter kann es vermeiden, dass dieselbe Sorte von ihm unter doppeltem Namen vermehrt und versandt wird; es wird daher manche unangenehme Täuschung mit ihren Folgen vermieden werden können. Ich gebe die Liste, wie sie Herr Schwartz in der Januar-Nummer d. J. der Zeitschrift Lyon-Horticole, S. 10 (daraus im Journal des roses, Februar- heft pag. 28) mitgetheilt hat, und wäre es nur zu wünschen, dass damit die An- zahl der Doppelnamen bei den Rosen abgeschlossen sei und Herr Schwartz in Zukunft nicht nöthig haben möchte, noch mehr dergleichen verzeichnen zu müssen, da die Liste schon gross genug ist. Der älteste Name in folgender Liste muss beibehalten werden. Liste der Rosen mit mehrfachen Namen. Tliee-Rosen (Rosa indica fragrans). Aeltester Name Syionyme Adam President. Albion Mme. Plantier (nicht zu verwechseln mit R. hy- brida Mme. Plantier). Belle de Bordeaux Gloire de Bordeaux. Bougere Clothilde. Clara Sylvain Lady Warrender. Comtesse de Labarthe Duchesse de Brabant, Enfant trouve. Elisa Sauvage Mme. William. Eugenie Jovain Mme. Roussel. Fafait Triomphe d'Orleans. Guillot Surabondant, Boiron. Mme. Bravy alba rosea. Mme. de Sertot. 258 C. Matthieu: Aeltester Name Synonyme Mme. Maurin Adele Prarlel. Mme. Denis. Niphetos Mathilde. (Mousseline bei Granger, C. M.) Smithy Smith's Yellow. Souvenir d'un aiui Queen Victoria. Beugal-Kosen. (Rosa semperßorens). Cramoisi superieur Agrippina. Gros Charles Comble de Gloirc Imperatrice Eugenic He Bourbon. Marguerite Lartay. Virginale The Mme. Lacharn.e. liosa Noisettiana. Liesis. Cloth of Gold, Comtesse de Beaunietz. The Marechal. Mme. de Challonge. Adelaide Pavie. Enfant de Lyon. Beauty of Glazenwood. (Rosa borbonica). Margat jaune. Celine Forestier . . . Chromatella .... Lamärque Le Pactole .... Mme. Deslongchamps Narcisse Fortune's Yellow (Jaune de P'ortune) Bourbon-Roseii. Charles Souchet Catherine Guillot Michel Bonnet. Duo de Richmond Isabelle Latour. Edouard Desfosses Gloire de Brotteaux. Emotion Alice Fontaine. George Cuvier Beaute de Versailles. Henri Lecoq Duc d'Estrees. Hermosa Mme. Neumann. Melanie Lemarie. (Die Bennctt'sche Setina scheint auch nichts weiter als Hermosa [kletternde Hermosa] zu sein. C. M.) Leweson Gower Souvenir de la Malmaison a fleurs rouges. Louise Odier Mme. de Stella. Mrs. Bosanquet The Sappho. ModMe de perfection Celine Gonod. Virginie Breon Eugenie Breon. Hybrides remontants. Aubernon Mlle. Henriette. Auguste Mie Mme. Rival. Baron Heckeren de Wassenaar Mme. Eug. Cavaignac. Charles Lefebvre .... Marguerite Brassac. Clementine Seringe ..." Pauline Plantier. Mrs. Wood. Comte de Paris General Hudelet. Docteur Marx . Marquis d'Ailsa. Gervais Rouillard General Lamoriciere. Henderson Triomphe de la terre des roses. La reine Reine du Midi. Lion de combats Beaute frangaise. Louise Peyronny Laelia. Mme. Charles Crapelet Mme. Herivaux. Mme. Campbell d'Islay Triomphe de Valenciennes. Mme. Damet Belle Egaree. Mme. Masson Gloire de Chatillon. Mme. Renard Miss Hassard, Rosen unter verschiedenen Namen. Aeltestzr Name Synonyme Mareclial \'aillant Avocat Duvivier. Mrs. Standish Froissard. Paul Dupuy Isoline. Pourpre royal Duc d'EIchingen Prince Albert P'utur empereur des Frangais. Queen Victoria Rose-la-reine ä fleurs blanches. Senateur Favre Puebla. Frangois Fontaine. Sophie Coquerel Julie de St.-Aignan. Souvenir d'Anselme Enfant d'Ajaccio. Virginal Mme. Liabaud. Itosa portlandica. Celine Dubos ' .... Rose du roi ä fleurs blanches. Mogador Rose du roi ä fleurs pourpres. Rosa riigosa. Rosa rugosa flore rubre pleno himalayensis. (Königin des Nordens in Deutschland [Erfurt] C. M.) Rosa rugosa flore simplice Regeliana. Taicoun. Rosa centifoUa. Unique panachee Provins Mme. d'Hebray. Rosa rnuscosa. White Bath Muscosa alba. Rosa vnMfolia. Beaute des prairies . Queen of the prairies. Eosier du Japon. Rosa Camellia . Rosa sinica. Rosa Yvara Rosa oxyacantha. Rosier provins panaclie. (Rosa gallica versicolor.) Commandant Beaurepaire Hybride panachee d'Angers. Panachee double Rubanee. Belle Villageoise. Perle des panachees Village Maid. 259 Die Gärten des Lago maggiore. Von L. Kny. (Fortsetzung.) 3. Pallanza. (joyjm das, was die Gartenkunst am Lago maggiore unter der Gunst der örtlichen Verhältnisse zu leisten vermag, rasch und bequem kennen zu lernen, empfiehlt es sich, in Pallanza für mindestens eine Woche sein Standquartier aufzuschlagen. Wenige an den Seen gelegene Orte laden durch herrliche Lage und allseitig leichte Verbindungen zu Wasser und zu Lande in gleichem Maasse zu längerem Verweilen ein. Für uns Deutsche besitzt das aufblühende Städtchen noch dadurch eine besondere Anziehungs- 26o L. Kny: kraft, dass ein mit allen Bequemlichkeiten ausgestattetes und von einem aufmerksamen Landsmanne gut geleitetes Gasthaus, das Grand Hotel, uns gestattet, auch in der Fremde uns heimisch zu fühlen. Da wo der in nordsüdlicher Richtung sich erstreckende See in seiner unteren Hälfte die weite Ausbuchtung mit den Borromäischen Inseln bildet, springt von Norden her das Land in scharfem Vorgebirge gegen die Wasserfläche vor, während das gegenüberliegende südliche Ufer sich ganz allmählich rundet. Hinter dem Vorgebirge, der Punta di Castagnola, er- hebt sich nach rückwärts eine mit Gärten und Villen bedeckte Anhöhe, welche sich nach Norden zu einem den Wasserspiegel nur wenig über- ragenden Vorlande hinabsenkt. Dieser flache Theil verbindet hinter der Anhöhe von Castagnola das am Hauptbecken des Sees liegende Intra mit dem an seinem nordwestlichen Seitenarme sich ausbreitenden Pallanza. Letztgenannter Ort erstreckt sich in seiner Hauptmasse mit nur geringer Erhebung vom Ufer aus landeinwärts; das die besseren Gasthöfe und Villen enthaltende östliche Ende aber lehnt sich unmittelbar an die vorher- bezeichnete Anhöhe an. Vom See aus gesehen, bietet das von zwei schlanken Kirchthürmen überragte Städtchen einen sehr malerischen und dabei saubereren Anblick dar, als wir diess von der Mehrzahl italienischer Ortschaften von ähnHchem Umfange rühmen können. Schon in grösserer Entfernung verweilt der Blick mit Wohlgefallen auf dem saftigen Grün der Gärten, in welches die vorwiegend hellfarbigen, roth bedachten Häuser getaucht sind. Zur Linken schliesst sich der Stadt die flache Kuppel des mit Wein- und Maulbeer-Pflanzungen bedeckten Monte rosso an, und im Hintergründe erheben sich in freier Anordnung und schönem Schwünge der Linien Gipfel an Gipfel. Ueberall reicht die Cultur des Bodens und mit ihr die menschlichen Wohnungen bis zu Höhen empor, wie sie nur ein gesegnetes Klima ermöglicht. An der schönsten Stelle des östlichen Theiles von Pallanza, welcher durch die Anhöhe von Castagnola nach Norden hin geschützt ist, hat sich das Grand Hotel de Pallanza angesiedelt. Um für das grosse, gegen die Wasserseite sechsstöckige Gebäude und den vor ihm liegenden umfang- reichen Garten Raum zu gewinnen, ist eine im Grundrisse etwa halbkreis- förmige Terrasse weit in den See hineingebaut. Die Aussicht von dieser und von allen nach Süden und Westen gekehrten Theilen des Gebäudes ist eine unvergleichliche, mag die Sonne in vollem Glänze strahlen oder der Vollmond sein milderes Licht ergiessen. Unmittelbar vor der Brüstung der Gartenmauer und nur durch eine enge Wasserstrasse von ihr getrennt, liegt die kleine, mit einem einfachen Schlosse und freund- lichen Anlagen ausgestattete Isola di S. Giovanni. Zum Theile von dieser verdeckt, taucht inmitten des Sees die schöne Isola madre wie der obere, gewölbte Theil eines immergrünen Strausses aus den grünen Fluthen empor. Jenseits des Wassers erstreckt sich das mit zahlreichen sauberen Die Gärten des Lago maggiore. i6i Ortschaften und vereinzelten Landhäusern besetzte Ufer von Brisino über Stresa und Baveno bis nach Fariolo hin. Die berühmte Isola bella und die mit einem Fischerdorfc bedeckte Isola dei pescatori, welche dem gegenüberliegenden Ufer näher liegen, als Pallanza, gewähren den Eindruck, als ob sie jenem schon ganz angehörten. Ueber den genannten Ortschaften steigen saftig grüne, bis zu mehr als 300 w über dem Wasserspiegel mit Kastanien-Gehölzen geschmückte und mit zahlreichen aus ihnen hervor- schauenden weissen Häusern und Kirchen besetzte Abhänge empor. Zur Linken sieht man die von Schluchten zerrissenen Gebirgsketten bei Brisino Fig. 62. Isola bella. aus dem See aufsteigen, sich in der kahlen Pyramide des Motterone gipfeln, um in raschem Abfalle nach dem Thale des Toce und der mit ihm sich vereinigenden, vom Lago d'Orta kommenden Strona sich hinabzusenken. Wo die letzten Felsen gegen das Flussthal hin in den See abfallen, er- glänzen am Wasserspiegel die weissen Häuser von Fariolo, von dem am Abende des 15. März 1867 in Folge eines Erdrutsches etwa ein Viertel im See versank. Zur Rechten schliesst sich diesem Orte der isolirte Mont' Orfano an. Die hellen Stellen an seinen Abhängen und in der Richtung gen Baveno bezeichnen die Lage der ergiebigen Steinbrüche, welche nicht nur die Ortschaften in der Nähe des Sees, sondern selbst Mailand und andere Städte Italiens mit schönem, weissen und fleischrothen Granit ver- sorgen. Die grossen, von den Brüchen sich weit hinabziehenden Schutt- 202 L, Kny: halden gereichen der Landschaft freüicli nicht zur Zierde. Hinter dem Mont' Orfano erheben sich die hochansteigenden Gebirgstöcke, welche die Thäler der Strona und des Toce vor deren Vereinigung trennen. Das letztgenannte Thal, zur Rechten von den über den Monte rosso sich aufthürmenden Felsgraten begrenzt, ist derjenige Punkt, welcher vor allen anderen am Lago maggiore die Bewunderung fesselt. Von den höchsten Bergrücken beiderseits nach dem Thale sich hinabsenkend, schieben die Kämme sich coulissenartig zwischeneinander ein. In ihrer Umrahmung steigen im Hintergrunde eine Reihe eisbedeckter Pyramiden in stolzer Pracht empor. Es sind die Bergriesen, welche dem Simp Ion -Passe angrenzen. Ganz über alle Beschreibung herrlich ist das Bild, wenn die Morgen- sonne die sonst blendend weissen Spitzen vergoldet, während das Thal des Toce und der See noch in tiefem Dunkel liegen, oder zur Zeit, wo das Tagesgestirn von ihnen aus dem Seebewohner am Abend den Abschieds- gruss zusendet. Doch zaubert auch die Mittagssonne , welche das Ganze mit bläulichem Dufte umgibt, ihre ganz besonderen Schönheiten hervor. Kein Standort kann für die Betrachtung günstiger sein, als der, wie ihn die Terrassen des Hotels bieten. Der See glitzert hier überall zwischen den Baumkronen des Gartenj hindurch. Zur Linken wird das Hochgebirgs- Panorama von der freundlichen Isola di S. Giovanni, zur Rechten von den Gärten und Häusern von Pallanza abgeschlossen. Haben wir vom Zimmer aus den ersten, bei günstiger Beleuchtung wahrhaft berauschenden Eindruck der Aussicht zur Genüge auf uns wirken lassen, so wenden sich unsere Schritte alsbald den schönen, zu Füssen desselben liegenden Anlagen zu. Ihre Schöpfung reicht wenig mehr, als ein Decennium zurück. Verfasser dieser Zeilen hatte vor 7 Jahren zum ersten Male Gelegenheit gehabt, sie kennen zu lernen und war, als ihn eine Ferienreise im letzten Herbste wieder dem Lago maggiore zuführte, nicht wenig von den grossen Fortschritten in ihrer Entwickelung während des verhältnissmässig kurzen Ze traumes überrascht. Die höchsten Bäume massen nunmehr schon 15 bis 20 m und spendeten im Vereine mit dem dichten Strauchwerk überall erquickenden Schatten. Bei näherer Betrachtung fallen sofort zwei Züge in die Augen: — einmal das freudige Nebeneinandergedeihen nordischer und südlicher Holz- gewächse, und dann das Vorherrschen der Coniferen und immergrünen Laubhölzer von Bäumen und Sträuchern mit abfallenden Blättern. Dass immergrüne Pflanzen in den Gärten am Lago maggiore besonders bevorzugt werden, findet wol darin seine genügende Erklärung, dass das Klima der norditalienischen Seen, wenn es auch zur Sommerszeit im Vergleich zu anderen Theilen des italienischen P'estlandes ein gemässigtes ist, doch ganz besonders im Herbst, Winter und P'rühling zu längerem Verweilen einladet; und diess ist ja gerade die Zeit, in welcher die Vorzüge der immergrünen Vegetation vor der sommergrünen zur Geltung kommen. Die Gärten des Lago maggiore. 203 Zu Füssen der hohen Terrasse, auf welche man aus den Gesellschafts- zimmern tritt, liegt ein grosser Rasenplatz. — In seiner Mitte, gleichzeitig derjenigen des Gartens, erhebt sich ein tadelloses Exemplar der Musa Ensctc. Der Schutz des Gebäudes und der benachbarten hohen Bäume hat verhütet, dass die mächtigen Blätter, wie diess sonst ausserhalb des Gewächshauses so leicht geschieht, frühzeitig durch den Wind parallel den Seitennerven zersetzt wurden. Im Umkreise der stattlichen Banane sind, theils auf diesem, theils auf benachbarten Rasenplätzen, eine grössere Zahl mehr als mannshoher Exemplare der im gemässigten China und Japan heimischen Chmnacrops (Trachycarpus) cxcclsa vertheilt. Diese Palme gehört bekanntlich zu den härteren der in europäischen Gärten ein- geführten Arten und gedeiht selbst auf der Insel Wight ohne Bedeckung; wir wundern uns deshalb nicht, dass sie die Strenge der beiden letzten Winter an unserm See ohne Nachtheil ertragen hat. Empfindlicher sind die beiden, in ihrer Nähe stehenden Exemplare der Dattelpalme und die Musa Ensete. Erstere verlangen, dass sie zur Winterszeit der gegen Norden schützenden Front des Hauses näher gebracht werden; letztere bedarf während der kälteren Monate sogar des Schutzes der Gewächs- häuser. Dagegen hatte man es mit bestem Erfolge gewagt, einige kleine Exemplare von Cycas revoluta ohne Bedeckung der so aussergewöhnlich niedrigen Winter-Temperatur preiszugeben. Zu beiden Seiten des mittleren Rasenplatzes, welchen ausser den genannten Pflanzen noch zwei volle Büsche des Pampasgrases (Gyneriunt a7'genteuni) beleben, erheben sich stattliche Sträucher der mit mattgrünem, grossblättrigen Laube ausgestatteten, wohlschmeckende P'rüchte tragenden japanischen Mispel (Eriobotrya japonica), des RJiododcndron poiiticinn, des Erdbeerbaumes (Arbutns Uncdo) u. a. m. So sehr die lebhaft roth- gefärbten Früchte der letztgenannten Art äusserlich an unsere Garten- erdbeeren erinnern, so wenig gleichen sie ihnen im Geschmack. Ihr Werth liegt ganz auf der ästhetischen Seite , da sie die Eintönigkeit der klein- blättrigen immergrünen Belaubung zur Zeit ihrer Reife in glücklichster Weise unterbrechen. Weiter rechts fällt ein vollbelaubtes, in kräftigstem Wachsthume befindliches Bäumchen der nordamerikanischen Magnolia gran- diflora in die Augen, dem sich volle Büsche von Bambus-Rohr (Bambiisa aiirea und B. niitis) anschliessen. In ihrer Nähe gruppiren sich eine Fülle prachtvoller Coniferen, unter der die Deodora-Ceder in ihrer rein-grünen und bläulich-bereiften Form, sowie zahlreiche Cypressen von China, Indien und dem Himalaya vorherrschen. Als alte Bekannte begrüssen wir unter ihnen auch unsere heimische Rothtanne (Picea excelsa) und die in unseren Gärten überall gepflanzte Weymouths-Kiefer (Pimcs Stj-obus). Die Rothtanne ist im westlichen Theile des Gartens so reichlich vertreten, dass ein Blick aus dem Speisezimmer des Hotels bei empfänglichen Gemüthern mitten im Sommer Weihnachtsstimmung hervorrufen kann. Auch unter den Laubhölzern ist an Contrasten kein Mangel. Unfern 204 L. Kny: dem Oelbaum (Olca curopaea) gedeiht die sibirische Spiraca sorbifolia; neben fruchtbedeckten CamelHensträuchen, dem Campherbaum (CavipJiora officinariivi), dem \^iburniiin Timis die bei uns überall eingebürgerte Ross- kastanie. Das Dach einer prachtvoll schattigen Laube wird von der Krone einer stattlichen Laurus glmidulosa, ihre Seitenwände von Kirschlorbeer (Pnimis Laiiroccrasiis) gebildet. Die nahe verwandte Pi-iimis lusitanica, zu dieser Jahreszeit mit Früchten bedeckt, ist an verschiedenen Stellen des Gartens vertreten. Die hohe Brüstung der nach vorn in den See ab- fallenden Gartenterrasse wird zur Rechten von Platanen und der Sophora jap07iica, zur Linken von Acacia Julibrissin beschattet. Beide letztgenannten Leguminosen werden in Pallanza und auch anderwärts am See vielfach als Alleebaum verwendet. Die genannte Acacie ist unter den zahlreichen Gattungsgenossen, welche ich in den Gärten Oberitaliens gesehen habe, die stattlichste, wenn auch die kleinblättrige, weissbereifte Acacia dealbata sie an landschaftlicher Wirkung übertrifft, besonders da, wo sie sich von dem dunklen Hintergrunde hochstämmiger Cypressen und Lorbeerbäume abhebt. Beide sind gegen den Wechsel des Tageslichtes gleich empfindlich, und ihre Blätter selbst dann in tiefem Schlaf versunken, wenn der Voll- mond die Fülle seines Lichtes über den See ergiesst. Zu den verhältnissmässig wenigen Holzgewächsen der hiesigen Gärten, welche im Spätsommer blühen, gehört die aus China stammende Olea fra- grans. Ihre unscheinbaren, weissen Blüthen würden kaum eines besonderen Interesses von uns gewürdigt werden, wenn sie nicht durch ihren orange- artigen, bis in die Zimmer eindringenden Duft unsere Aufmerksamkeit länger gefesselt hätten. In ihrem Vaterlande werden sie zur Verbesserung des Aromas dem Thee zugesetzt. Wenn auch bei Anlegung des Gartens vor dem Grand' albergo di Pallanza Schönheitsrücksichten in erster Linie massgebend waren, so ist doch auch das Nützliche nicht ganz dabei vergessen worden. Zwischen zahlreichen Zierpflanzen, welche sich an der Vorderwand des Gebäudes emporwinden, finden wir auch spalierartig gezogene Feigenbäume, Pfirsich- bäume und Weinreben. Doch ist der ihnen gewährte Raum immerhin ein recht beschränkter. Die grosse, von den Gesellschaftszimmern in den Garten führende Freitreppe ist wieder ganz dem Schmuck gewidmet; ihre Brüstungen und Geländer sind von einem anmuthigen Dickicht von Rosen, Solamini jasminoides , yasniinnui grandifloriim , Elaeagnus reflexa u. a. m. überdeckt. Letztgenannte Art wird in und um Pallanza mit besonderer Vorliebe dazu verwendet, Gebäude und Gärten mit undurchdringlichen Einfassungen zu umgeben, indem man die langen, windenden Schosse untereinander oder mit den Stäben eiserner Gitter sich verflechten lässt. In virtuosester Weise ist diese Art der Behandlung in der Villa Bozzotti in Pallanza durchgeführt, wo von dem oberen Ende des an der Strasse grenzenden Gitters die Zweige des Elacagnns sich zu einem nach den Fenstern des Die Gärten des Lago maggiorc. 265 ersten Geschosses des etwas weiter zurückstehenden Hauses zeltartig aus- gespannten Dache vereinigen, das sich hier unmittelbar in eine dem oberen Theile des Hauses sich enganschliessende Wandbekleidung fortsetzt. Von den in unmittelbarster Nähe von Pallanza gelegenen Gärten nimmt den ersten Rang derjenige der GEBRÜDER ROVELLI ein. Im Gegensatze zu dem, welchen wir soeben kennen lernten, waren bei seiner Anlegung nicht Rücksichten der Schönheit, sondern der Nützlichkeit in erster Linie massgebend. Die Besitzer zählen unter den ersten Handelsgärtnern Nord- Italiens und versorgen mit ihren reichen Culturen, besonders mit den Spröss- lingen ihrer ausgedehnten Baumschulen, zum grossen Theile die gärtnerischen Bedürfnisse eines weiten Umkreises. Unmittelbar hinter unserm Gasthofe gelegen und nur durch die am Seeufer entlang nach Intra führende Strasse von ihm getrennt, bedeckt die RovELLl'sche Anlage einen grossen Theil der Punta di Castagnola. Am steilen, gegen die Strasse gewendeten Südabhange liegt das Wohn- haus, dem sich einige Gewächshäuser und mehrere übereinander aufgebaute Terrassen für Freiland-Culturen anschliessen. Bei der günstigen Exposition und dem vollen Schutze gegen Norden hin sehen wir hier wahrhaft über- raschende Resultate. Unter schönen Exemplaren von Chamaerops humilis, der südeuropäischen Zwergpalme, welche aber hier im Freien ebenso, wie in unseren Gewächshäusern, zum hohen Stamme heranwächst, von Ch. exceha (reichlich mit Früchten bedeckt), Phoe?iix tetmis, Sabal Adansoni, Cocos aiistralis und Pritchardia filifera (im Winter nur leicht mit Stroh eingedeckt) fällt uns ganz besonders ein Prachtexemplar der chilenischen Cocos-Palme (Jnbaea spectabilis) in die Augen, einer Art, welche, da sie den letzten polwärts vordringenden Vorposten der Palmen auf dem südamerikanischen Continente bildet, am Lago maggiore offenbar sehr günstige Bedingungen für ihr Gedeihen findet. Wir werden ihr auch in anderen Gärten noch mehrfach begegnen. Nach freundlicher Mittheilung der Herren Rovelli ist das in ihrem Garten befindliche Exemplar das grösste am See. Ich bestimmte seinen Stammumfang an der Basis auf 3,12 w, die Höhe (mit Einschluss des Wedel) auf etwa 4,5 in. Als be- sonders bemerkenswerth notirte ich ferner schöne Exemplare von Agave ßalniiana, Dasylirion longifolium und Dracaena indivisa. Der Stamm einer sehr kräftigen reichverzweigten Pflanze der letztgenannten Art maass über dem Boden 1,70 w im Umfange; ihre Höhe betrug etwa 6,5 vi. Das Ge- schlecht der Bambusen ist durch eine grosse Zahl zum grossen Theile sehr stattlicher Arten vertreten, welche mit ihren schlanken, graziös gebogenen Halmen und der hellen Belaubung zu den steiferen Formen der Nadelhölzer und den dunkelen, schweren Kronen der immergrünen Laubhölzer, denen sie in buntem Wechsel eingestreut sind, einen sehr gefälligen Gegensatz bilden. Ich notirte Bambusa mitis, Sinioni, nigi'a, aurea, gracilis, scriptoria, viridis glaucesceiis, viridis striata, Fortunei (fol. varieg.). 266 L. Kny: Unsere Schilderung'- würde zu einer trockenen Aufzählung von Arten werden, wollten wir Alles namentlich anführen, was zum Schmucke dieser südwärts gelegenen Terrassen beiträgt. Auch mit kleineren, blühenden Gewächsen ist hier nicht gespart. Zu den ansehnlichsten unter ihnen, der Strauchform sich schon nähernd, gehört das aus Japan stammende Des- inodimn racciiiosuiii, welches seine violetten Rispen auf schlanken, nicht selten verbändernden Schäften nach allen Seiten hinüberneigen lässt; zu den augenfälligsten ein blendendroth blühender Salbei (Salvia splendens). ISeide Pflanzen finden wir fast in allen grösseren Gärten wieder. Es lockt uns, zwischen die herrlichen, theils bekannten, theils fremd- artigen Baumgestalten einzudringen, welche als kleiner, geschlossener Hain die gegen Südwesten vorspringende Kante des Abhanges bedecken. Zum Glück waren die Exemplare Anfangs nicht so dicht gepflanzt, dass sie sich gegenseitig in der Ausbildung gehindert hätten. Die meisten konnten sich nach allen Richtungen frei entfalten und desshalb zu hoher Voll- kommenheit emporwachsen. Der Löwenantheil dieses in seiner Art einzigen Arboretums gehört den Coniferen. Von ihnen sollen nur einige solche Arten namhaft gemacht werden, die in hervorragender Weise vertreten sind. Von den eigentlichen Kiefern gedeihen hier Piiius canariensis, welche die Gebirgsabhänge Tene- rife's und der angrenzenden Inseln mit ausgedehnten Waldungen bedeckt, die in Mexico heimischen P. patula und P. Riisselliana, die nordamerikani- sche P. Lambertiana etc. ; von Tannen die kleinasiatische Abies cilicica, die griechische A. cephalonica, »die wilde Ceder« vom Berge Enos, die califor- nische A. bracteata, die nordamerikanische A lasiocarpa. Unter allen diesen tritt aber ganz besonders die aus China stammende A. Fortimei hervor*), deren kräftiger, etwa \2 vi hoher Stamm reichlich mit Kork be- deckt ist. Von Fichten fiel mir besonders die trauernde Varietät unserer heimischen Art (Picea exceha var. inverta) auf. Cryptonieria japonica war durch ihre typische Form und durch die als Cr. Lobbii und Cr. viridis be- zeichneten Varietäten vertreten. Von Cupressus- Arten traten besonders C. toridosa (nördl. Indien, Nepal), C Corneyatia (Japan und Nord- China), C Lindleyi (Mexico) und C macrocarpa (Ober-Californien) hervor. Ein Stamm der letztgenannten Art hatte in Brusthöhe 2,59 in Umfang. Dass auch Cedrus Libani und C Deodara in verschiedenen Formen nicht fehlen, ist selbstverständlich. Einer hervorragend schönen Vertretung erfreuen sich von Nadelhölzern ferner: Thitjopsis dolabrata, Podocarpus Totara (Dacrydimii spicatum) , wovon ein etwa 6 Jii hoher prachtvoller Strauch vorhanden, CnniiingJiaviia sinensis (var. glanca), c. 15 in hoch, Thuja gigantea (Libocedrns deciirrens) (mit einem in Brusthöhe 1,87 in im Umfang messenden Stamme), Th. Menzicsii, Torreya Myristica, T. nncifera, T. grandis , Ceplialotaxus Fortimei, Podocarpus cliiliiia (buschiger Strauch *) Auch fälschlich als A.jczo'cnsis bezeichnet. Die Gälten des Lago maggiore. 207 von etwa 9 — 10 m Höhe), Araucaria brasiliensis (zwei sehr schöne Bäume) und Pseudolarix Kaeitipferi. Diese zuletzt genannte, im nördlichen China und Japan verbreitete Lärche gehört ebenso, wie die bei uns einheimische Larix europaca, zu den wenigen Nadelhölzern, welche sich alljährlich ent- lauben. Vor dem Abfallen nehmen die Blätter eine prachtvoll goldgelbe Färbung an, was dem Baume für die Landschaftsgärtnerei einen besonders hohen Werth gibt. Das Exemplar im Garten der GEI5RÜDER RUVELLI ist das älteste am Lago maggiore; es ist 12 — 13 ;// hoch und trägt reichlich Fruchtzapfen; der Stamm besitzt in Brusthöhe einen Umfang von 1,25 ;;/. Die durch den Coniferen-Hain*) gelegten Wege führen uns allmählich bis zur Höhe der Anlage empor, welche zum grösseren Theile von der Baumschule eingenommen wird. Wenn wir, aus dem Dickicht hervor- tretend, dieselbe erreicht haben, breitet sich ein Panorama vor unseren Blicken aus, noch umfassender, als es die Terrasse vor dem Hotel darbot. Vom See haben wir hier nicht nur die Ausbuchtung mit den borromeischen Inseln vor Augen; es liegt nach der anderen Seite auch der süd-nordwärts gestreckte Haupttheil desselben zu unseren Füssen, und es thürmen sich in seinem Hintergrunde die uns wohlbekannten Felskämme und Spitzen empor. Wie überall in der Nähe von Pallanza, wo die Punta di Castagnola ihn nicht verdeckt, tritt auch von hier der Intra gegenüberliegende, scheinbar isolirte Sasso del ferro in seiner ganzen Majestät hervor. Derjenige Theil der RovELLl'schen Anlagen, welcher sich in östlicher Richtung gegen den See hinabsenkt, dient hauptsächlich der Cultur der Camellien, welche in einer grossen Zahl verschiedenster Formen für den Verkauf gezogen werden. Nach der Versicherung von Augenzeugen ist der Flor in den ersten Monaten des Jahres ein überraschend reicher. Wie wohl die Pflanzen sich ohne Bedeckung an unserm See fühlen, geht allein schon aus der grossen Zahl apfelähnlicher (freilich ungeniessbarer) Früchte hervor, wie sie selbst ah kleineren Sträuchern zur Entwickelung gelangen. Der Giardino ROVELLI ist der älteste der in und dicht bei Pallanza gelegenen nennenswerthen Gärten. Er wurde von dem Vater der gegen- wärtigen Besitzer im Jahre 1850 angelegt. Von den jüngeren, noch im Weichbilde der Stadt gelegenen Gärten, wie sie den zahlreichen Land- häusern sich anschliessen, wird sobald wol keiner an botanischem und gärtnerischem Interesse mit ihm sich messen können, wenn auch Rasen- plätze und Blumenbeete in so manchem mit mehr Sorgfalt gepflegt werden. Der schönen Lage wegen verdient unter ihnen vielleicht am meisten derjenige des Marchese Federigo della Valle di Casanova einen *) Derselbe enthält übrigens auch zahlreiche Laubhölzer eingestreut, u. a. eine Anzahl immergrüner Eichen (Quercus macrophyUa (ca. 15 m hoch), Qii. deaUmta, Qti. sckrophylla, Qu. inversa, Qu. Hex , Qu. SuberJ; ferner Arbutus Unedo , A. Andrachne, Skiinniia japonica, Magnolia fuscata , Olea fragrans , Launis glanduhsa fca. 16 w hoch), Hex japonica , Malioiiia ncpalcnsis etc. 268 I- Wittmack: Besuch. Auf dem höchsten Punkte der Anhöhe gelegen, welcher der RoVELJj'schc Garten sich anlehnt, gestattet er einen noch freieren und vollkommeneren Blick nach allen Richtungen. Pallanza und Intra mit dem nahezu ebenen, reichbebauten Landstriche zwischen ihnen liegen zu des Beschauers Füssen. Um das die gesammte Anlage nach oben hin ab- schliessende Landhaus sind sommergrüne Eichen, edle Kastanien und Robinien in grosser Zahl und zum Theil stattlichen Exemplaren gruppirt; an den südwärts gerichteten Abhängen, über welche die Fahr- und Fuss- wege in anmuthigen Windungen emporführen, haben besonders Cypressen, Cedern, die californische Riesentanne (Wellingtonia gigantea), Kiefern und andere Coniferen, sowie Dracaenen, Yucca- Ax\.i::\\ und zahlreiche blühende Gewächse Verwendung gefunden. Demselben Besitzer gehören noch drei etwas tiefer gelegene und von dem grossen Garten getrennte Parcellen. Die eine ist ebenfalls als Schmuck- garten zu Füssen eines einfachen Wohnhauses angelegt. Die zweite ist als Handelsgärtnerei eingerichtet und dient vorzugsweise der Blumencultur. Von den schönen OrcJiideen und anderen kostbaren Topfpflanzen, den Bewohnern mehrerer kleinen Gewächshäuser, war leider ein Theil zur grossen National -Ausstellung in Mailand geschickt worden. Die dritte Parcelle dient als Baumschule. (Fortsetzung folgt.) Joseph. Decaisne -J- (geb. den 9. März 1807, f 8. Februar 1882) von L. WITTM4CK. ^^m 8. Februar d. J. starb zu Paris nach kurzem Leiden ein Mann, der sich vom einfachen Gärtner zum Professor und Mitglied der Akademie der Wissenschaften aufgeschwungen: JOSEPH Decaisne. Er wurde ge- boren am 9. März (nach Meyers Konversations-Lexikon am 11. März) 1807 zu Brüssel und war der jüngere Bruder des Historien- und Portraitmalers Henri Decaisne (geboren 1799 zu Brüssel, gestorben 1855 zu Paris). Wahrscheinlich durch die Arbeiten seines Bruders veranlasst, beschäftigte er sich anfangs mit Landschaftsmalerei und Lithochromie, trat aber dann aus Liebe zur Pflanzenwelt im botanischen Garten (Museum) zu Paris mit 18 Jahren als Gärtnerlehrling ein. Die Nächte verwendete er zu seiner Ausbildung, was bald von Adrien DE JUSSIEU bemerkt wurde. Er ward dann Chef der Samenstation (chef des semis), später (1832) Assistent von Mirbel beim Lehrstuhl für den Unterricht in landwirthschaftlicher Botanik, widmete sich besonders der beschreibenden Botanik und der Pflanzen- physiologie, trat 1834 in die Direktion des botanischen Theils der Annales Joseph Decaisne "j" 26q des Sciences ein, veröffentlichte 1835 »Herbarü Timoriensis descriptio«, 1841 »Plantes de l'Arabie heureuse, recueillies par BoTTA« , 1843 ^Essai sur une Classification des algues et des polypiers calciferes». Mit Vorliebe wandte er sich auch der landwirthschaftlichen und gärtnerischen Botanik zu, wovon Zeugniss ablegen die Werke: Recherches anatomiques et phy- siologiques sur la garance (Krapp), Brüssel 1837, Recherches sur l'analyse et la composition chimique de la betterave ä sucre et sur l'organisation anatomique de cette racine mit Peligot, Paris 1839, Histoire de la maladie des pommes de terre en 1845, Paris 1845. Im Jahre 1847 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften (membre de l'institut) und 1851 an Mirbel's Stelle Professor für Kultur am Museum. Fig. 63. Joseph Decaisne. In dieser Stellung wirkte DECAISNE sehr für Hebung des Gartenbaues in Gemeinschaft mit Naudin, Carriere, Verlot u. s. w. Er war Mitarbeiter an der >Maison rustique^<, Dictionnaire universel des sciences naturelles, Revue horticole, Bon jardinier, Flore des Serres (nach RODIGAS in Revue de l'hortic. beige 1881 S. 61 von 1846 — 1859), Gar- dener's Chronicle etc. Mit Naudin zusammen gab er heraus »Manuel de l'amateur des jardins«, mit Le Maout die »Flore des champs et des jardins« und das ganz vorzügliche, auch in Deutschland verbreitete Werk »Traite general de botanique«, das sich durch gedrängte Kürze und eine ausser- ordentliche Zahl vorzüglicher Abbildungen auszeichnet. Der verhältniss- mässig niedrige Preis von 30 fr. für dieses nützliche Handbuch soll nur dadurch ermöglicht sein, dass Decalsne auf jedes Honorar verzichtete. — Das Werk aber, das Decaisne's Namen in gärtnerischen Kreisen für alle Zeiten einen ehrenden Platz sichern wird, ist die grosse Pomologie: »Jardin Garten-Zeil uns; ISSi?. l8 270 L. Wittmack: fruitier du Museum« (1858 — 1873) mit wundervollen Abbildungen der wichtigsten Birnen, Pfirsiche, Pflaumen, Erdbeeren, Johannisbeeren und der in Asien wild wachsenden Pirus- Arten. Im Jahre 1853 begann er grosse Aussaaten von Birnen zu machen und wies die Veränderlichkeit, die unsere Obstbäume im Laufe der Zeit erlitten haben und noch erleiden, nach. Noch seine letzte Arbeit war den Birnen gewidmet. In Flore des serres et des jardins de l'Europe XXIII 3. fasc. 1881 schrieb er: j>Du poirier et du cidre«, und bemerkt darin, dass die wilden Birnen in zwei Formen auf- treten, in abgeplattet kugeliger (Pirus Pyraster) und in eiförmiger nach dem Stiele zugespitzter, also kreiseiförmiger, (P. Achras); dass er aber diese beiden unter P. communis vereinige und nur eine in Savoyen einheimische Form mit filzigen heurigen Zweigen, eiförmigen, rundlichen, gekerbten, im Alter oberseits glänzenden, unterseits grau behaarten Blättern und sehr lang gestielten kreiseiförmigen Früchten als wirkliche Varietät P. communis var. sabauda anerkenne. Er hält diese für einen Bastard zwischen P. communis und P. parviflora. — Er weist ferner darauf hin, dass in Frankreich wenige Orte nach dem Birnbaum benannt sind und erklärt dies daraus, dass der Birnbaum zwar stets heimisch war, dass seine Anpflanzung im Grossen, zur Cider-Gewinnung, wie sie jetzt im westlichen Frankreich statt hat, aber spät eintrat, und er glaubt, dass die Ciderbereitung erst im XIV. Jahrhundert dort eingeführt sei, wo sie die Bereitung der damaligen leichteren Biere verdrängt habe. Du GuESCLIX, meint Decaisne, habe auf seinen Feldzügen im nördlichen Spanien, wo Cider das gewöhnliche Getränk sei, wahrscheinlich den Nutzen desselben kennen gelernt und die zur Ciderbereitung geeigneten Bäume nach der Bretagne verpflanzt, von wo sie sich nach der Normandie verbreiteten. — Im Anschluss an diese Arbeit giebt Decaisxe als allerletzten Artikel (i. Dezember 1881) dann noch eine Antwort auf die Kritik des Herrn Th. Wenzig, Linnaea 1881 vol. IX 2 ser. p. 6'j über sein Memoire sur les Pomacees. Die nationale Ausstellung für Arrangements von ab- geschnittenen Blumen zu Berlin vom 6. — 10. April 1S82. \'on L. Wittmack. (Sclilus?.) G. Bock, Unter den Linden 43 (goldene Medaille), brachte einen Riesenblumenkorb voll der schönsten duftigsten la France-Rosen und vielen anderen Blüthen, garnirt mit Begonienblättern etc., zwei Kiepen mit Hyacinthen, resp. rothen Camellien, einen Tisch, dessen Platte aus dunklen Stiefmütterchen, darauf gewissermassen gestickt ein Bouquet aus Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 271 weissen Camellien, Flieder etc., zwei aufgeschlagene Bücher, das Papier dargestellt durch weisse Hyacinthen, die Abbildungen durch rothe Nelken und Cyclamen. Ch. Kaepernick, Markgrafenstrasse 63 (grosse goldene Medaille), lie- ferte Todtenkränze, Kissen, ein weisses Kreuz, Brautbouquets, Handsträusse, hohe Vasenbouquets und einen sehr schönen flachen Korb mit Theerosen und Veilchen, am Rande mit goldenen Blättern (Fig. 64). A. W. Kunkel, Potsdamerstrasse 119 (silberne Staatsmedaille), hatte seine Ausstellung durch einen geschmackvollen Hintergrund aus blühenden und Blatt-Pflanzen, in deren Mitte die Büste Ihrer Majestät der Kaiserin, sehr gehoben, nicht weniger schön waren aber auch seine Arrangements. Ganz besonders verdient Erwähnung ein Tafelaufsatz (Fig. 65). Eine untere Fig. 64. Korb mit Theerosen und Veilchen von Ch. Kaepernick. Schale desselben enthielt weissen Flieder und dunkle Rosen, während die Säule in der Mitte drei Füllhörner trug, das eine mit Acacia lophantha und Cypripedium barbatum, das zweite mit gelben und bunten Abutilon, Convallarien und Melaleuca-Blüthen, das dritte mit Clianthus Dampieri, Habrothamnus und Epacris, während die obere Schale, resp. Glocke Clianthus, Habrothamnus und Spiraea japonica, untermischt mit zartem Bindegrün, Asparagus procumbens und gebleichtem Myriophyllum etc. enthielt. Recht hübsch waren auch einige Kränze, darunter einer nur aus grünen und bunten Blättern, sowie eine Garnitur aus Begonien -Blättern mit rothen Camellien. Eine ganz neue Idee waren die Tafel-Sträusschen mit Schleifen, auf denen die Namen der Gäste in Goldschrift, so dass sie als Tischkarten dienen können. Sehr schöne Lorbeerkränze lieferten u. A. J. Mever, Lausitzer Platz 16, und Chr. Drescher, Engelufer 4. Letzterer hatte den ganzen Aus- stellungsraum mit Laubgewinden höchst geschmackvoll dekorirt, auch u. 18* L. NVittmack: 272 A. eine über i m hohe Krone aus Lorbeerblättern und ein Symbol: Glaube, Liebe, Hoffnung aus Lorbecrn gefertigt. Eine schwierige Aufgabe hatte sich Otto RumI'F, Königsstrasse 65 gestellt: 5 Riesentafelaufsätze in Fig. 65. Tafelaufsatz mit Füllhörneni von A. W. Kunkf.i.. Majolikavasen. Aber die Lösung war sehr gut gelungen und schauten die Amaryllis, Chrysanthemum, Hyacinthen, Narcissen u. s. w. zwischen ganzen Zweio-en von Rosen, Cytisus, Dicentra, Camellien etc. höchst zierlich hervor. Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 273 langes Trauerkreuz, bei dem nur der grossen weissen lunroseucn ua... unserer Ansicht zu viel waren. Von E. POLTZIEN, Wallstrasse 8. stammte ein Trauerkranz (iMg. 6^\ der zu den (Fig (>6). Aufsehen machte sein _ - - Tüllrosetten nach unserer Ansicht zu viel waren. Von Fig. 66. Riesentafelaufsatz in Majolikavase von Otto Rumpf. schönsten der Ausstellung gehörte. Max Buntzel, Nieder- Schonwe de hatte selbst-ezogene Rosen Marechal Niel in bekannter Vor.ughchke.t m ein m slcl>T,°Korbe vereinigt, L. EhrexeaUM, Unter den Lmden .o, Teh^r ÄentisTh-e. eine vergoldete Schubkarre mit Blumen-Ostere.ern 274 L. Wittmack: und dergleichen Ueberraschungen, einen halbgeöffneten Sonnenschirm mit Blumen, sowie einen Fenstervorsetzer, reizend mit gelben Rosen, Mai- glöckchen, Flieder, Farn, Acer- und Ribcs sanguineum-Blüthen garnirt, zwischen welchen sich ein Nest mit einem Vögelchen befand (Fig. 72). Von seinen vielen anderen Gegenständen ist ganz besonders als neu hervorzuheben ein pyramidales Gestell »Bouquet-Dauerständer« genannt Fig. 67. Trauerkranz von E. PoLTZiEN. (Fig. 68), mit vielen Ringen, in die lange mit Wasser gefüllte Gläser gehängt werden. Diese Gläser nehmen kleine Bouquets auf, welche sich auf diese Weise lange frisch erhalten. Das Ganze, einen Tafelaufsatz darstellend, ist auch für Schaufenster zu empfehlen. Neumann und DröGE, Leipzigerstrasse 134, hatten hohe Vasenbouquets, in denen Ataccia cristata, die man überhaupt mehrfach auf der Ausstellung sah, malerisch ver- wendet war, ein Trauerkissen mit Cycas- Wedeln, Camellien und Rosen als Neuheit, Jardinieren, Brautkissen, Ballgarnituren etc. eingesandt, sowie Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 275 einen Pantoffel aus dunklen Stiefmütterchen, im Innern weisse Arabis- Blüthen — ein Polterabendscherz, endlich einen Korb mit Blumen und Früchten, sowie einen allerliebsten, von der gewöhnlichen Form einmal abweichenden Tafelaufsatz (Fig. 69). A. DÄNNER, Wasserthorstrasse 48, erfreute durch ein kleines leicht gebundenes Brautbouquet, was vortheilhaft Fig. 68. Bouquet-Dauerständer von L. Ehrenbaum. abstach von den meist üblichen grösseren; ausserdem durch einen Braut- kranz und Halsgarnituren in hübschen Cartons. H. FiNKE, Neue Wil- helmstrasse II, erwarb sich eine kleine goldene Medaille für einen grossen Blumenkorb mit Rosen, Vanda, Cypripedium, Ranunkeln und — Chryso- splenium! sowie für einen Korb mit prachtvollen Rosen, Palmenzweigen 276 L. Wittmack: u. s. w. Julius Krohn hatte sich die grosse Mühe gegeben, das Berhner Wappen in Bkimen darzustellen; viel schöner waren das Vasenbouquet und der umgestürzte Blumenkorb. F. I^LUILM, Friedrichstrasse 36, lieferte einen hübschen lilumentisch, Kränze und Bouquets (Fig. 70). — Von Auswärtigen verdient besonderer ]<>wähnung Frau Marie Tafelaufsatz von Nku.MANN und Droge. Feuersenger, Königsberg in Preussen. Herrliche Garnituren aus Camellien, Rosen, Cyclamen und Hyacinthen, mit bunten Epheublättern abschattirt, deutsche Sträusse, ein Füllhorn mit Camellien, Maiglöckchen etc. auf einem Kissen von braunbunten E])heublättern erhaben (!) gearbeitet (Fig. 71), ein Blumenkorb, reizend garnirt mit Magnolien, Camellien, Adiantum etc. etc., waren ihre Hauptleistungen. Ferner Frau LOUISE BOEHME, in Firma Gustav Nationale AusstellunEf von abjjeschnittenen Blumen. 277 Zawadzki, Bromberg, deren Brautkränze wohl die allerzierlichsten der Aus- stellung waren, während einzelne Berliner ziemlich steif erschienen. Auch Fig. 70. Blumentisch von F. Bluhm. schöne Bouquets, w-eisse Trauerkränze und Lorbeerkränze fanden sich hier. Otto Schnurbusch, Cottbus, lieferte sehr hübsche Brautgarnituren, sowie 278 L. Wittmack: Haarschmuck etc. mit Erica Wilmoreana; L. Seck, Heringsdorf, ein ^^be- quemes« Reisebouquet, ziemlich flach g-ehalten und daher etwas der Zier- Hchkeit entbehrend, ferner Lorbeerkranz mit Anker und Sternen; MÜLLER UND Sauber, Cassel, ein Handbouquet; Frl. LiNA KöMMER, Bremen, Kränze; endlich M. CoR.STENS, Thisted in Dänemark, Lorbeerkränze, durchwirkt mit Hyacinthen und einer Calla als Schleife, ein Kissen mit Selaginella und Hyacinthen etc. — Als Kuriosum gedenken wir noch eines Bouquets unter einer mit Wasser gefüllten, umgestürzten Glasglocke vom Gärtner LUDWIG in Danzig, das sich sehr gut im nassen Element conservirte. Gehen wir zu den Arrangements aus trockenen Blumen über, so sind hier zu nennen: A. STADELER, Kommandantenstrasse 41, der im Fig. 71. Füllhorn auf einem Kissen von Epheublättern von Frau Marie Feuersenger. Vorsaale eine grosse Widmung an den Verein in Form eines Tableaus etc. angebracht hatte; J. F. LooCK, Friedrichstrasse, mit Makart- Bouquets und Arrangements zu Jubelhochzeiten; Harry FRIEDRICHS, Lindenstrasse 73, mit Makartbouquets; L. SPECIIT, Potsdam, desgleichen; L. Merkelt, Loschwitz bei Dresden, mit Kränzen, Kissen etc. in schönen Farben; sowie Frau DORA Zeppitz, Hannover, und Adolph Mau, Carlsbad, mit gepressten Blumen und Arrangements daraus. Bezüglich der Makartbouquets brachten wir übrigens in Erfahrung, dass Frau Hasslinger in Wien die Erfinderin derselben ist. Von fachverwandten Gegenständen erfreuten alle Besucher die herrlichen Bouquetmanschetten etc. von Sabin & Neye, Simeonstrasse 26 (gold. Med.), und von C. Bohrloch, Fehrbellinerstrasse 88, merkwürdiger- Nationale Ausstellung von abgeschnittenen Blumen. 279 weise die beiden einzigen Aussteller dieser in Berlin so ausgebildeten Branche, dann die Cartons zu »duftenden Grüssen« von Gebr. POLENSKi und Bauer, Prinzenstrasse 43; die geschmackvollen und billigen Jardinieren, Töpfe etc. aus feinem porösen Thon, in denen sich die Pflanzen auch kultiviren lassen*), vom Splauer Thonwerk bei Schmiedeberg, Reg.-Bez. Merseburg (Besitzer Dr. WiLH. COHN, Vertreter in Berlin E. ScilUSTER, Neuendorferstrasse 28); die billigen Jardinieren und Töpfe aus Zink und Weissblech, die bemalten Metall-Blumentöpfe von J. MUNCK, Taubenstr. 43 ; die zierlichen Korbwaaren von J. G. Teuscher & SoilN, Friedrichstr. 193, Fig. 72. Decoration eines Fenstervorsetzers von L. Ehrenbaum. Die Garnirung des Rahmens mit Epheublättern ist nur links oben angedeutet.) Fig. 73- Nachträgliche Abbildung eines der S. 241 be- sprochenen Fächer von A. Thiel. und G. Wittstock, Brunnenstr. 132; die Jardinieren und Blumentöpfe von F. A. Steiner, Metzerstrasse 18, der selbst nach Paris und Wien vergoldete Füllhörner, Muscheln, Leiern, kleine Kiepen mit Dornreisig etc. liefert. Nennen wir noch die Drahtarbeiten für Bindereien von W. Grieschow, Sebastianstrasse 62, von F. W. Grassmann, Schulzendorferstrasse 36, und Tn. Wolf, Bellealliancestrasse 26; den Bindedraht von E. Zylicz, Andreas- Strasse 54; die Eisenmöbel (Blumentische etc.) von CARL SCHULTZ, Linden- Strasse 115; die Holzwaaren von N. L. Chres FENSEN, Erfurt; die Blumen- *) Beschrieben und abgebildet in «Monatsschrift des Vereins zur Beförderung des Garten- baues doktrinären Erstarrung« aller beschreibend - naturwissenschaftlicher For- schung der zündende Blitz, der rettende Gedanke wurde, war Darwin's »On the origin of species by means of natural selection; or, the preservation of favoured races in the struggle for life. (1859) 19* 288 A. Tschirch ; [Ueber die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigsten Racen im Kampfe um's Dasein]. Es ist viel darüber gestritten worden, ob Darwin wirklich der erste war, der die Idee der natürlichen Zuchtwahl gehabt. BUFFON, Lamarck, St. Hilaire, Wells, Owen, Hüxlev, Naudin, und last not least auch unser GöTHE (Metamorphose der Pflanzen) und viel andere haben wohl mehr oder weniger klar Darwln's Gesetz geahnt und auch ausgesprochen, aber keiner von ihnen hat es durch eine solch' erdrückende Fülle von Experi- menten bewiesen; und nicht die vermuthungsweise ausgesprochene, auf ein oder zwei Fälle sich gründende Idee, sondern der experimentelle, nach allen Richtungen durchgeführte Beweis ist ein wesentliches Verdienst im naturwissenschaftlichen Sinne, und der ist in überraschender Weise in Darwin's Hauptwerke erbracht. Die Einführung der Begriffe Anpassung und Vererbung als, neben den organischen Bildungsgesetzen, ausschliess- lich bestimmende Faktoren, ist völlig neu, der Kampf um's Dasein unter den organischen Wesen »welcher unvermeidlich aus dem hohen geo- metrischen Verhältnisse ihrer Vermehrung hervorgeht' und unter den Mit- bewerbern nur für die Meistbegünstigten siegreich endigt und daraus folgend die natürliche Zuchtwahl kleiner aufeinander folgender Variationen, welche das »Erlöschen minder geeigneter Lebensformen veranlasst < und das bewirkt, was DARWIN »Divergenz des Charakters« nennt, in klarster Weise als Gesetz erwiesen. Eine unzählige Menge von Erscheinungen wurde dadurch verständlich, die lebhafte Farbe der Blumen und des Feder- schmuckes vieler Vögel, die Flugapparate der Samen, eine grosse Anzahl auffallender, besonderen Verhältnissen angepasster Blüthenformen, und, seit Wallace's Entdeckung der Mimicry, auch die merkwürdige Form und Farbenübereinstimmung gewisser, systematisch weit von einander ent- fernt stehender Thiere. Die Teleologie war nun nicht mehr ein leitendes Prinzip in der Naturbetrachtung, da Zweckmässigkeit und »Zielstrebigkeit« aus dem Kampfe um's Dasein und der natürlichen Zuchtwahl sich leicht ableiten Hessen. Niemals sind um ein Gesetz festzustellen mehr sorgfältige Versuche angestellt worden als bei diesem. Freilich hat Darwin lange gesammelt und beobachtet, ehe er Schlüsse zog, aber alle grossen Dinge werden schwer geboren. C0FERNICU.S brütete 33 Jahre über seinem grossen Werke, Newton behielt 20 Jahre lang seine Idee der Gravitation für sich, widmete ebensolange Zeit seiner Entdeckung der P""luxionen und würde ohne Zweifel fortgefahren sein sich nur privatim damit zu beschäftigen, wenn er nicht gefunden hätte, dass Leibnitz auf seiner Spur sei (TvNDALL, der Materia- lismus in England) — so hat auch Darwin bis 1859 mit der Publication seiner Entdeckung gezögert. Das Werk, dessen erster beredter Interpret HUXLEV wurde, und dem dann als Ergänzung 1S68 The Variation of animals and plants under domestication (dasVariiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestikation) folgte, in dem die dort nur skizzirten Charles Darwin f 289 Ideen weiter ausgeführt wurden, erregte ungeheures Aufsehen und lebhaften Widerspruch. Es ist wohl kaum über irgend eine Theorie mehr geschrie- ben worden, als über die DARWiN'sche Descendenztheorie. Die Schriften für und gegen bilden eine Bibliothek. Die hauptsächlichsten Gegner fanden sich in England und Amerika, denn obwohl D. in erst viel später erschie- nenen Werken [The descent of man (1871) und Expression of the emotions in men and animals (1872)] den Menschen und seine Beziehungen zu den Thieren in den Kreis seiner Betrachtungen zog, erkannte man doch bald die Consequenzen der neuen Theorie, besonders die Systematiker der alten Schule, die Zoologen CuviER's und Botaniker LiNNE's opponirten heftig, da die Basis aller Systematik, die scharfe Definition der Art so sehr er- schüttert wurde. Die Pflanzenzüchter jedoch, die D. am besten kontrol- liren konnten, gehörten unter die ersten Anhänger der neuen Lehre. Man stritt in den sechziger Jahren mit ungemeiner Lebhaftigkeit für und wider und nicht immer sine ira et studio. Jetzt ist der Streit verstummt: unser ganzes naturwissenschaftliches Denken ist durch und durch darwinistisch geworden und einer der lebhaftesten Streiter gegen die neue Idee, der greise Agassiz gestand kurz vor seinem Tode mit wehmüthiger Resigna- tion, »dass er nicht darauf gefasst war die besten Geister unserer Zeit sich, wie es geschehen, zu dieser neuen Theorie bekennen zu sehen«. Den fruchtbarsten Boden fanden Darwin's Ideen in Deutschland und mit mehr Recht als von Shakespeare dürfen wir von Darwin einen Theil beanspruchen. Seine Werke wurden noch druckfeucht übertragen (beson- ders durch Victor Carus, dem wir auch die deutsche Gesammtausgabe verdanken), viele Forscher verfolgten die botanische und zoologische Seite seiner Arbeiten weiter, eine eigene Zeitschrift vertritt seine Ideen, ja im Grunde genommen ist die grosse Mehrzahl aller Forscher auf dem Gebiete der organischen Naturwissenschaften mehr oder weniger, bewusst oder unbewusst, mit dem Ausbau darwinistischer Ideen beschäftigt, besonders der Gärtner begegnet allenthalben Problemen der Anpassung und natürlichen Zuchtwahl, für die nur die Descendenztheorie die Lösung bietet, der beste Dank fürwahr für die ungeheuere Förderung, die gärt- nerische Cultur der neuen Theorie bereitet, hat doch DARWIN seine grössten Erfolge der planmässig geleiteten Cultivation zu danken. Besonders auf botanischem Gebiete besitzen wir von DARWIN eine Reihe sehr werthvoller Arbeiten, die sich alle durch die Fülle sinnreicher Experimente, die logische Schärfe und die Klarheit im Ausdrucke aus- zeichnen. Tyndall sagt von ihm: »Er schreitet mit der leidenschafts- losen Stärke eines Gletschers über den Gegenstand hinweg und das Ab- schleifen der Felsen findet bisweilen sein Seitenstück in der logischen Zermalmung des Gegners. Aber obgleich er bei der Behandlung seines gewaltigen Themas jede Leidenschaft zum Schweigen gebracht hat, verleiht doch eine von der Entdeckung neuer Wahrheiten unzertrennliche innere Bewegung den Blättern Darwin's oft eine warme Färbune:«. Dabei ist 2go A. Tschirch: Charles Darwin f seine Bescheidenheit eine geradezu rührende — so sagt er z. B. von sich in der Einleitung zu den > Bliithenformen«, dass er auf den Titel eines Botanikers ?.kein Anrecht habe:<, er, der diese Wissenschaft so enorm bereichert hat! — der Ton in seinen Schriften ist, selbst den Gegnern gegenüber, allezeit würdig, auch verschweigt er gewissenhafterweise niemals etwaige Fehlerquellen in seinen Untersuchungen. Seine botanischen Schriften sind zahlreich. In dem kleinen Schriftchen »On the various contrivances by which british and foreign Orcliids are fertisilised by insects etc. (1862)4: — mit glücklichem Takte hat D. gerade diese zur Exemplifikation so geeignete Familie ausgewählt — hat er, an- knüpfend an die seiner Zeit vorangeeilten Arbeiten Sprengel's (Das ent- deckte Geheimniss der Natur. 1793) zum ersten Male eine geschlossene Familie systematisch daraufhin untersucht, inwieweit Insekten zur Befruch- tung der Blüthen nothwendig seien. Schon in diesem Werke sprach er das Gesetz aus: »die Natur schreckt vor beständiger Selbstbefruch- tung zurück«, welches Gesetz dann in den bald folgenden beiden Werken The eff^cts of cross and seif fertilisation in the vegetable king- dom, 1876 (Die Wirkungen der Kreuz- und Selbstbefruchtung) und The different forms of flowers on plants of the same species, 1877 (Die verschiedenen Blüthenformen an Pflanzen der nämlichen Art) an einer Menge von Beispielen erläutert wurden. Das Gesetz, von SPRENGEL vorausgesehen und von KxiGiiT, KöLREUTER und Herbert ausgesprochen, ist doch erst durch Darwin's, mit den sorgsamsten Cautelen angestellten Versuche, die durch die Erfahrungen, die er bei seinen Thierzüchtungs- versuchen gemacht, geleitet wurden, mit der nothwendigen experimentellen Basis versehen worden, denn, obwohl die genannten Forscher die Gesetz- mässigkeit ahnten, so scheint doch »die Wahrheit und Allgemeinheit dieses Gesetzes einen hinreichend tiefen Eindruck auf keinen der genannten Forscher gemacht zu haben«. Auch die heterostylen, dichogamen, kleisto- gamen und gynodioecischen Pflanzen wurden durch Darwin's »Blüthen- formen« unserem Verständnisse um vieles näher gebracht, während »On the movements and habits of climbing plants (1865)« (Bewegungen und Lebensweise der kletternden Pflanzen) eine Menge wichtiger Beobach- tungen über diese eigenthümliche, erst ganz vor Kurzem in mechanischer Beziehung völlig verstandene Abtheilung des Pflanzenreiches brachte. In dem Werke: The power of movement in plants (1880) [das Bewegungs- vermögen der Pflanzen] zeigt Darwin, dass allem Anscheine nach jeder wachsende Theil einer jeden Pflanze beständig in rotirender Bewegung (Circumnutation) ist. Besonders überraschend ist dies bei den Wurzeln und Stämmchen von Sämlingen in der Erde. Auch dies Werk ist voll von höchst wichtigen Einzel -Beobachtungen. Das gleiche gilt von den »Insekten fr essenden Pflanzen«, welcher Pflanzengruppe seitdem das eingehendste Studium gewidmet worden ist. Die Resultate aller dieser Arbeiten sind zu bekannt, als dass es nothwendig wäre auf sie- näher R. Goethe: Erinnerungen an eine Studienreise. 201 einzugehen — man darf nur nicht in unserer raschlebigen Zeit vergessen, dass D. es war, der hier überall den Grund legte, auf dem wir weiter bauen! Sein letztes, eben erschienenes, Werk: »Ueber die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer (1882)« versucht den Nachweis zu liefern, dass an der Bildung der Ackererde die Würmer in hervorragender Weise betheiligt sind, ja sogar oft so sehr, dass der Ausdruck »thierische Ackererde« in mancher Beziehung zutreffender sein dürfte als der gewöhnlich gebrauchte »vegetabilische Ackererde«. Darwin ist auf seinem schönen Landsitze mit den grossen Gewächs- häusern und Versuchsfeldern, trotz vielfacher Kränklichkeit rastlos, bis an sein Lebensende thätig gewesen, in den letzten Jahren besonders durch seine Söhne FRANCIS und GEORGE, zu jeder Zeit von einer ungeheueren Menge über die ganze Erde verstreuter Forscher unterstützt. Er war ein Naturforscher in des Wortes edelster Bedeutung, der, da er den Gedanken der Zeit aussprach, das seltene Glück hatte, schon bei Lebzeiten voll und ganz gewürdigt zu werden. Jetzt ruht er neben Herschel und NEWTON in der Westminster- Abtei in London, der Ruhmeshalle Englands! Erinnerungen an eine im August und September vorigen Jahres nach Belgien und Frankreich unternommene Studienreise von R. Goethe, Direktor der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim a. Rh. (Schluss.) ^S#on grossem Interesse für mich waren ausser diesen beiden Schulen für Obstkultur auch die Leistungen der jetzigen modernen Landschaftsgärtnerei, wie sie in den öffentlichen Anlagen von Paris einen so beredten Ausdruck finden. Li diesen Schöpfungen, welche in mancher Beziehung unübertroffen dastehen, macht sich übrigens das Auffällige in einer nicht immer angenehmen Weise be- merklich. Gar manchesmal steht man vor Scenerien, welche der Naturwahrheit entbehren und sichtlich nur geschaffen wurden, um einen gewissen blendenden Effekt hervorzuiufen, von dem man sich wohl einmal überraschen lässt, der aber, mehreremals gesehen, ermüdet und der immer deutlicher hervortretenden Ab- sichtlichkeit wegen verstimmend wirkt. Es fehlt hie und da an dem tieferen Studium der Natur und an der Nachahmung derjenigen landschaftlichen Schön- heiten, die immer wieder entzücken, so oft man sie auch sieht. Dagegen sind die heutigen französischen Landschaftsgärtner unbestrittene Meister in der Technik; sie schrecken vor keiner Schwierigkeit zurück und wissen Dinge zur Ausführung zu bringen, an welche deutsche Gärtner sich nicht so leicht wagen. Ich erwähne nur der sogenannten »Buttes Chaumont«, 292 R. Goethe: dieses alten Steinlnaiches, der allerdings mit enormen Unkosten, in ein von grotesken Felswänden eingefasstes Thal umgewandelt worden ist. Das eben erwähnte Haschen nach Effekt tritt auch bei den einzelnen Aus- stattungsstücken der Gärtner hervor. Man sieht in dem Park von Monceaux Blumengruppen, Ovale, welche mit mehreren Tausenden von einer einzigen Sorte Scharlach-Geranien bepflanzt sind. In einer gewissen Entfernung wirkt die Gruppe gewaltig und leuchtend; in der Nähe vermag man gar nicht auf diesen brennend rothen Scharlachteppich zu sehen, namentlich bei Sonnen- schein. Man wird geradezu geblendet von dieser Farbenwirkung, welche dem Auge wehe thut. Sehr häufig und jedenfalls öfter, als sich dies mit den Gesetzen des Ge- schmackes verträgt, sieht man Blumenbeete mit den französischen Farben; sie kehren so oft wieder, dass man sie schliessHch gar nicht mehr beachtet. Hierher gehört auch die Anwendung von gewissen Sträuchern mit bunter oder auffälliger Belaubung. Ich sah eine Gehölzgruppe von beträchtlicher Aus- dehnung, welche ausschliesslich mit dem weissbuntblättrigen Acer Negundo foliis variegatis und der rothblättrigen Corylus Avellana foliis atropurpureis derart bepflanzt war, dass immer der eine Strauch mit dem andern abwechselte. Die Wirkung auf den Schönheitssinn war geradezu verletzend. Diejenige Gartenanlage der Umgebung von Paris, welche unserm Ge- schmacke am meisten entspricht und auch nicht an obigen Fehlern leidet, ist der Park von Klein-Trianon, eine der hervorragendsten und lieblichsten Schö- pfungen auf dem Gebiete der französischen Landschaftsgärtnerei. Namentlich verstand es der Künstler, die unmittelbaren Umgebungen des Schlosses in eine erweiterte Wohnung umzuwandeln und dem Ganzen einen idyllischen Charakter zu verleihen. Ich möchte unsern jungen Landschaftsgärtnern, die Paris be- suchen, das Studium gerade von Klein-Trianon auf das Wärmste anempfehlen. Abgesehen von den tadellosen Exemplaren seltner Bäume findet man hier eine reiche Fülle von Gartenscenerien, denen Naturwahrheit und Naturschönheit in hohem Grade inne wohnt und die sich deshalb auch zur Nachahmung be- sonders eignen. Der Park von Versailles wirkt wohl grossartig, aber es fehlt ihm die Pracht der Zeit, in welcher er geschaffen wurde und uns das Verständniss für die steifen schwerfälligen Alleen und Taxuswände. Auch scheint mir der Garten etwas verwahrlost zu sein und hat zudem durch den harten Winter gelitten. Trotzdem findet man auch hier inmitten der Alleen einzelne musterhafte Partieen, wie z. B. das Bosquet du roi, dessen Mitte ein wohlgepflegtes, üppig grünes Rasenoval einnimmt. Hier fiel mir die grosse Toleranz der französischen Gartenwächter auf. Jedermann darf den Rasen betreten, ja es stehen Bänke mitten auf den Rasenplätzen dicht vor prächtigen Blumenbeeten. Kinder spielen umher. Niemand wehrt ihnen zu laufen, wohin sie wollen; aber so nach- sichtig man in dieser Beziehung ist, so streng ahndet man das Abbrechen von Blumen oder Zweigen mit sofortiger zwangsweiser Entfernung aus dem Garten. Deshalb nimmt man auch selten eine derartige Beschädigung wahr. Was weiterhin die Pariser Anlagen für das Publikum so werthvoll macht, ist das Vorhandensein von zahlreichen Stühlen und Bänken und hierin können wir entschieden von den Franzosen lernen. Die Zahl der in unsern öffentlichen Erinnerungen an eine Studienreise. 293 Anlagen vorhandenen Bänke — von Stühlen gar nicht zu reden — steht in keinem Verhältniss zu der Zahl der Besucher. In den Pariser Anlagen nimmt man auf das Publikum insofern Rücksicht, als besonders da, wo dasselbe am liebsten und daher auch am zahlreichsten verweilt, nicht nur Bänke, sondern auch sehr viele Stühle aufgestellt sind. Reizend im vollen Sinne des Wortes ist auch der Park von Monceaux, ein Volksgarten im edelsten Stil. Auch er verdient wie Klein-Trianon die ganze Aufmerksamkeit unserer jungen Landschaftsgärtner. Nachdem ich auch das leider durch den Kommune-Aufstand sehr ver- wüstete Bois de Boulogne besichtigt hatte, (die ^-Muette« ist jetzt in Privatbesitz übergegangen und namentlich für Deutsche unnahbar), kehrte ich Paris den Rücken und fuhr zuvörderst nach Fontainebleau, um von dort aus dem Dorfe Thomery einen Besuch abzustatten. Thomery liegt 1V2 Stunde entfernt an einem südlichen Bergeshange und ist schon seit langen Jahren wegen der in srösster Ausdehnung betriebenen Anzucht der Tafeltrauben für den Pariser Fig. 76. Aelterer Weinschnitt in Thomery. Fig. 77. Neuerer Weinschnitt in Thomery. Markt berühmt. Man sieht fast nichts als Rebspaliere an den Häusern und an den Mauern. Es giebt ausserhalb des Dorfes zahlreiche Rebengärten, ringsum mit hohen Mauern eingefasst und durchzogen, derart, dass die Mauern immer von Osten nach Westen laufen und sich zwischen je zwei Mauern, die eben- falls mit Reben bekleidet sind, sechs Reihen an Draht niedrig gezogener Reben befinden. Früher wendete man in Thomery das in Fig. 76 abgebildete Er- ziehungssystem an (man nennt es bei uns schlechtweg den Thomtfry-Schnitt), heute aber kommt man davon immer mehr ab und pflanzt senkrechte Cordons, (Fig. 77), wie es in der daneben befindlichen Figur dargestellt ist. Die Mauern sind durchchnittlich 2,5 — 3,00 Meter hoch und öfters grau angestrichen. Um gleichmässige Beeren zu erzielen, entfernt man einen Monat nach vollendeter Blüthe mit spitzigen Scheeren die klein gebliebenen und die im Innern der Trauben stehenden Beeren sorgfältig, d. h. man »ciselirt.« Sind die Trauben vollständig reif, so schneidet man sie mit den Trieben, an welchen sie hängen, ab und hebt sie in der bekannten Weise in Glasgefässen auf, welche an den Wänden geeigneter Kammern befestigt werden und nahezu ganz mit kohlenstaub- 294 ^- Goethe: haltigem Wasser angefüllt sind. So bewahrt man die Trauben bis gegen Ostern auf und erlöst dann für sie bedeutende Preise. Der Versandt findet in kleinen Kistchen statt, welche i — 2 Kilo fassen. Es ist sehr lehrreich, diesen Ort und seine Tafeltrauben-Cultur zu sehen; das ganze Interesse des Dörfchens dreht sich nur um Trauben-Anzucht und Versandt. Von Thomery brachte mich die Bahn nach Troyes, wo ich die in Frankreich und Deutschland wohlbekannten Baumschulen der Gebrüder Baltet aufsuchte. Charles Baltet, einer der ersten Pomologen Frankreichs, zeigte mir in zuvor- kommender Weise das vom Frostschaden des Winters 1879/80 leider hart be- troffene Etablissement; ich konnte im lebhaften Austausch mit ihm mancherlei lernen, namentlich in Bezug auf die Wirkungen des Frostes und die Wider- ständigkeit gewisser Sorten. Von Troyes wendete ich mich wieder nach Westen, dem eigentlichen Ziele meiner Reise zu und hielt zuerst in Orleans, dieser berühmten Gärtners'tadt, welche sich mit Angers in die Ehre theilt, die ausgedehntesten Baumschulen Frankreichs zu besitzen. Meine Erwartungen waren durch mehrfache Berichte ziemlich hoch gespannt, aber sie sind durch den Thatbestand bei weitem über- troffen worden. Ich hatte mich auf grossartige Etablissements gefasst gemacht, aber nicht geglaubt, so umfangreiche Kulturen der verschiedensten Art zu sehen, welche bis in ihre verstecktesten, nur dem Gärtnerauge erkennbaren Kleinigkeiten hinein, so vorzüglich gehalten und betrieben seien. Da war Alles in einem tadellosen Zustande, in der vollkommensten und denkbar besten Weise ausgeführt, auf der Höhe der Kultur. Dieser ausgezeichnete Betrieb beruht auf den eigenthümlichen Arbeiter- Verhältnissen dieser Etablissements. Der Arbeiter gehört zur Firma, ihre Ehre ist auch die seinige. Sein Vater wuchs mit dem Gründer des Geschäftes auf und diente ihm lange, lange Jahre, er ward mit den Söhnen gross und w4rd es nun ebenso wie sein Vater halten. Der Lohn richtet sich nach der Ge- schicklichkeit und damit ist der Sporn zu einem fortwährenden Vorwärts- Streben gegeben. Die Arbeiter werden nicht wie bei uns heute hier und morgen da beschäftigt, sondern ein jeder hat seine bestimmte Verrichtung und sein bestimmtes Quartier. Der Eine zieht Koniferen, der Andere hat die Ver- mehrungshäuser unter sich, der dritte schaltet und waltet in der Baumschule, der vierte besorgt die Rosenkultur etc.; in Folge dieser Arbeitseintheilung kennt jeder die Schwierigkeiten und Vortheile der ihm übertragenen Kultur auf das Genaueste. Ich besuchte in Orleans die Gebrüder Transon, welche Baumschulen im Umfange von 100 Hektaren besitzen. Ihre Specialität ist es, gute Neuheiten aufzukaufen, diese mit Hülfe ihrer treftlichen Einrichtungen in grösstem Mass- stabe zu vermehren und sie dann zu verhältnissmässig sehr billigen Preisen an Handelsgärtner zu verkaufen. In diesem Verfahren beruht der Schwerpunkt des Geschäftes, und so sah ich z. B. ein ganzes Quartier von mehreren Tausend der neuen Populus Bolleana, der in Deutschland gezogenen Pyramiden-Silber- Pappel, bepflanzt. Daneben stand Acer Reitenbachü, dessen Belaubung übrigens mit derjenigen von Populus Bolleana prächtig kontrastirt. In Angers besuchte ich das weltberühmte Etablissement von Louis Lerov, den ich leider nicht antraf Auch hier hat der Frost sehr geschadet; die stolzen Magnolien, wegen deren Angers berühmt war, sind total erfroren. Erinnerungen an eine Studienreise. 2QK Angers zeigt schon ganz und gar den Charakter des Südens; die hier im Freien ausdauernden Gewächse lassen den mildernden Einfluss des nahen Meeres erkennen. Nun wendete ich mich dem Süden zu und schlug mein Standiiuartier in Reblaus-Angelegenheiten in Bordeaux auf. Auch hier giebt es für den Gärtner mancherlei zu sehen; ich nenne nur den Jardin des plantes, welcher unter Vielem anderen herrliche Magnolien und eine grosse Gruppe im Freien aus- dauernder Chamaerops excelsa enthält. In allen diesen französischen öffentlichen Anlagen ist der Rasen von un- tadelhafter Frische und Schönheit; man scheut die bedeutenden Kosten nicht und bewässert täglich mehrmals, um doch wenigstens dem Publikum an einigen Stellen unter diesem heissen Klima den erquickenden Anblick üppigen Rasens bieten zu können. Von Bordeaux reiste ich über Biarritz nach Pau, um dort die Gärten des Herrn Tourasse zu besuchen, von welchem man im Sommer v. J. in den Fachschriften einen so interessanten Bericht Baltet's gelesen hat Nur mit einer Empfehlungskarte des genannten französischen Pomologen war es mir möglich, in das sonst streng verschlossene Besitzthum Eintritt zu erlangen und ich muss es mir hoch anrechnen, dass Herr Tourasse trotz seiner leidenden Gesundheit und seines hohen Alters sich die Mühe nahm, mich persönlich in den ausgedehnten Gärten herumzuführen. Was diese für Obstzüchter so sehr interessant macht, ist die Anzucht aller Obstsorten aus Samen, welche hier in einem vorher noch nicht dagewesenen Umfange ausgeführt wird. Herr Tourasse geht von der Ansicht aus, dass unsere Obstsorten degenerirt seien und man auf dem Wege der Anzucht aus Samen die alten Sorten durch neue gute er- setzen müsse. Dabei strebt er dieses Ziel nicht wie die älteren Züchter mit bescheidenen Mitteln und im kleinen Masstabe an, sondern er sucht es in Kürze mit Aufgebot sehr bedeutender pekuniärer Mittel zu erreichen, indem er ein Areal von ca. lo Hektaren diesem einen, nur geringen Ertrag verspre- chenden Zwecke widmet. Ich sah mehr als loooo solcher Obstsämlinge, aus Kernen der besten Sorten gezogen und in allen Stadien der Entwicklung von jungen Pflänzchen bis zum fruchttragenden Stamme Jeder Baum ist sorgfältig etiquettirt, so dass man sofort ersehen kann, von welcher Sorte er stammt. Bei der seitherigen Methode der Samenkultur dauerte es lo — 15 Jahre, ehe die Sämlinge zu tragen anfingen; Herr Tourasse beschleunigt die Entwicklung der Sämlinge durch krautartiges Pikiren in Töpfe und mehrmaliges Verpflanzen derart, dass er — allerdings in den dortigen so günstigen khmatischen Ver- hältnissen — schon im 3. bis 5. Jahre die ersten Früchte erntet und so das sonst so langwierige Verfahren um ein Erhebliches abkürzt. Schon jetzt ver- fügt er über ca. 300 neue Sorten und wenn er in demselben Masstabe fortfährt, wird er die Pomologen in Verzweiflung bringen, weil sie ihm in dem Studium dieser Neuheiten nicht so schnell folgen können, als er produzirt. Ein Glück für die Obstsortenkunde, dass es nicht gleichzeitig mehrere solcher Männer wie Herr Tourasse giebt. Die französischen Novitätenhändler lauern übrigens fortwährend vor dem Thore der Villa; für sie blüht ja hier der Weizen. Herr Tourasse beschränkt sich übrigens nicht auf die Anzucht von Obst- sämlingen, sondern er geht in gleicher Weise auch mit den Ziersträuchern und Bäumen vor. So will er einen Kirschlorbeer ziehen, welcher hochstämmig wie 296 Interessante blühende Pflanzen. eine T.inde wächst und um dieses Ziel zu erreichen, ])roduzirt er Hunderte von Sämlingen, wählt von ihnen die wenigen aus, welche eine Neigung zu hoch- stämmigem Wachsthum zeigen, säet wieder deren Samen und fährt so fort, wenn er auch dazu eine grosse Fläche I.andes mit geringer Aussicht auf Er- folg und ohne jedweden Ertrag verbraucht. In diesem Sinne werden von allen bekannteren Gehölzarten Aussaaten gernacht, um Pflanzen mit verbesserten Eigenschaften zu erziehen. Ich muss gestehen, dass die Energie des hochbetagten Mannes auf mich einen lebhaften Eindruck gemacht hat; meiner Hochachtung und Anerkennung ist er sicher und ich denke mit Vergnügen an den Aufenthalt in seinem Garten und an seine so interessanten Mittheilungen. Interessante blüliende Pflanzen. 1. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Ende März 1882*). Ueber 200 Arten und Abarten von Kalt- und Warmhauspflanzen. Den schon in voriger Liste erwähnten ist ein * vorgesetzt. Als die schönsten sind zu bezeichnen: Orchideen: *Bletia purpurea. Coelia macrostachya. Cymbidium aloefolium. Masdevallia ignea. Phajus maculatus. Trichopilia suavis. Bromeliaceen: Aechmea discolor. *Aechmea fulgens. Bilbergia nutans. *Caraguata van Volxemi. Pitcairnea Andreana. Tillandsia zebrina. Warmhaus pflanzen: *Anthurium ornatum. * » Scherzerianum grandiflorum. *Amaryllis robusta. * •» vittata. *Begonia dichotoma. * » odorata. » heracleifolia, rosa. * » Roezli. * » scandens. » gunneraefolia, weiss. * ' Verschaffelti. Beloperone violacea, violett, sehr dankbar. *Hexacentris mysorensis, prachtvoll. Imantophyllum niiniatum, orangeroth. Medinilla magnifica, Blüthen karmin, in lang heral:)hängenden Trauben. Wegen Schön- heit und reichem Blühen sehr zu empfehlen. Eine gegen 2 w hohe Pflanze trägt 65 Blüthentrauben. Melastoma robusta, gelblich. Stenogastra concinna, lila, sehr ziemlich *Strelitzia Reginae. *Streptocarpus polyanthus. Tetranema mexicana, violett. *Thunbergia Harrisi, kann nicht genug em- pfohlen werden; eine hier im freien Grunde eines W^armhauses stehende Pflanze ist seit 3 Monaten völlig mit prächtig himmelblauen, während der Wintermonate etwas blasseren, Blumen bedeckt. Pflanzen der kalten und temperirten Häuser: Acacia Drummondi ] * » linearis / gelb » paradoxa u. a. ) Adenandra fragrans, weiss, sehr schön. Azalea indica, eine sehr grosse Anzahl von Varietäten in den verschiedensten Farben. Boronia megastigma, aussen bräunlich, innen hellgrün, stark wohlriechend. * D pinata, zartrosa. Brachysema spec. nova, dunkelkarmin. *Camellia japonica var. *Correa cardinalis. * » magnifica. * » bicolor. *Chorizema Lawrenceana, karminscharlach. Cytisus Everestianus, gelb, sehr reichblühend. Dyllwinia splendens, oiangegelb. *Epacris impressa var. Erica melanthera 1 . ^ ., , > zartrosa. » flonbunda J » formosa purpurea, roth. » hiemalis, weiss und roth. Fuchsia velutina, Scharlach. *) Aus Mangel an Raum verspätet. — Die verschiedenen für April eingegangenen Listen mussten auch wegen Mangels an Raum diesmal zurückbleiben, was wir gütigst zu entschuldigen bitten. D_ r. Interessante blühende Pflanzen. 297 *Grevillea elegans. * » Preissi. Hardenbergia monophylla, tiefpurpur. *Hovea purpurea, hellpurpiir. Lachenalia tricolor, sehr schöne Capzwiebel, grün, gelb und roth. *Lechenaultia Baxteri major. * s> formosa. *Lechenaultia intermedia. *Leptodactylon californicum. Leucopogon Cimninghami, weiss. *Polygala cordifolia, violett. Statice Halfordi 1 , , , „ > purpurblau. » macrophylla j ' ^ Tremandra ericoides hirsuta, lebliaft karmin. Witsenia corymbosa, blau. 2. Im Flirstl. Fürstenbergischen im Mitgetheilt vom Garten Orchideen, kalt: Cattleya intermedia. » chocoenensis. Epidendrum ciliare. " floribundum. Cypripedium Harrisonianum. 2 pardinum. i> villosum. Laelia autumnalis. Maxiilaria venusta. Masdevallia amabilis. » nycterinia. » polysticta. » triangularis. » tovarensis. » Veitchi. Lycaste Skinneri picturata. Odontoglossum Alexandrae u. Lehmanni Oncidium Forbesii. Restrepia antennifera. » species? Sophronites grandiflora. Zygopetalum intermedium. warm: Angraecum distichum. D eburneum. » pellucidum. Cymbidium eburneum. D Lowii. Hofgarten zu Donaueschingen (Baden) März 1882. -Inspektor Kirchhoff daselbst. Cypripedium Boxalli. » Dayanum. » Dominianum. 2 barbatum Crossianum. jj purpuratum. s barbatum Warnerianum. Dendrochilum plumaceum. Oncidium Cavendishi » Kramerianum, 3 Stück. Pescatorea Klabochorum. Phalaenopsis Schilleriana Saccolabium giganteum. Vanda suavis. Verschiedene andere Pflanzen: Anthurium Scherzerianum. Amaryllis pardina, prachtvoll. Correa cardinalis. Cyclamen persicum. » coum. Ericen und Epacris. Gomphia Theophrasta Imatophyllum spectabile. Pavonia Wioti. Phdodendron calophyllum. » Wendlandii. Sterculia mexicana. Veltheimia viridifolia. Spathiphyllum Ortgiesii. Erklärung. Die Unterzeichneten erklären mit Bezug auf den im Aprilheft der 2 Garten-Zeitung« S. 176, Absatz 3, enthaltenen Passus betreffs Lauche's Dendrologie, dass ihre ganze Unterstützung des Werkes darin bestand, dass der Eine Herrn W. Lauche ein- oder zweimal lebendes Material aus dem Kgl. botanischen Garten zur Untersuchung überliess, und der Andere ihm seltnere Werke mit Abbildungen zur Verfügung stellte. A. W. Eichler. L. Witt.mack. Ausstellungen. Bremeu. Ausstellung zur Feier des 25jährigen Bestehens des Gartenbauvereins für Bremen und seine Umgegend, vom 25. bis 28. August 1882 im Bürgerpark. Anmeldungen bis spätestens am IG. August 1882 an das »Ausstellungs-ComiteUebe"rhaupt sah und las ich nirgends, dass eine Pflanze zugleich /(?/m variegatis und ßore pleno wäre.« Ich glaube, dass es für die Gärtnerwelt nicht uninteressant wäre, alle Pflanzen kennen zu lernen, die diesem so leichthin geworfenen Satze widersprechen und erlaube ich mir, alle mir bekannt gewordenen hier mitzutheilen, mit der ganz besonderen Bemerkung, dass die Anzucht solcher Pflanzen unter den Zonale-Pelargonien fast regelmässig betrieben werden kann. 1. Aqiiilegia forma sa, Vervaeneana fl. roseo pleno; aus Samen treu, blass- rosenroth gefüllte Blumen und weiss, gelb, rosa und grün geflecktes und gezeichnetes Laubwerk. 2. Bellis perennis aucubaefolia fl. rubro pL, von den Engländern Victoria Daisy genannt. 3. Bellis perennis aucubaefolia fl. albo pl., 4. „ „ Variegated White Globe, das schönste gefüllte und panachirt-blättrige Gänseblümchen, das sich in Kultur befindet. 5. Cheiranthus annuus fol. var.fl.pl. 0, dunkelblutroth; von Haage & Schmidt für 1880 eingeführt, nach langjährigem Bemühen constant aus Samen; die Farbe der gefüllten Blumen ist die leuchtendste, daher in doppelter Be- ziehung die beste Levkoye. 6. Cheiranthus Cheiri fl. pl. fol. var., Lackveigel mit braunvioletten, gefüllten Blumen, sehr wohlriechend, und schön silberweiss geränderten Blättern. 5Q2 Buche: Vor circa 20 Jahren in Van Houtte's Flore des serres abgebildet und durch Stecklinge bis jetzt vermehrt. 7. Fuchsia hybrida Rainboiv (Regenbogen). Mit sehr schönem dreifarbigen, rosa, weiss und grünem Laubwerk, wie die bekannte prachtvoll einfache Sunray; aber mit gefüllter weisser Corolle. 8. Georgina variahilis, Deutsche Hoffnung, grosses, metallisch schwarz- purpurglänzendes Blatt und gelbbraune gefüllte Blüthen. q. Georgina variabilis, Graf Sandretzky. Das Blattwerk zeigt mitten im schönsten Dunkelgrün breite, goldgelbe Mittelstreifen und Aderung, dabei gut gefüllte Blumen. 10. Georgina variabilis, Kaiser Franz Joset mit lebhaft lila Blumen und 11. Georgina variabilis. lilacina argentea, bei welchen beiden unter gleich- zeitiger Produzirung von gefüllten Blumen die Blätter sehr schön weiss gerändert und eingefasst erscheinen. 12. Helianthiis annuus nanus f. v. (Sachse), eine aus Samen treue Sorte der ge- wöhnliclien Sonnenblume, die bei goldbiuiten Blättern sehr häufig mit gefüllten Blumen auftritt. 13. Henierocallis Kwanso fol. var.fl.pl., eine bekannte schöne, weissbunte, breit- schwertförmigblättrige Liliacae mit gefüllten lila Blumen, die schon sehr lange aus Japan eingeführt ist. 14. Hibiscus syriacus flore piirpureo pleno foliis argcnteo marginatis. Eines der schönsten Freilandgesträuche mit herrlichem Blatt- und Blumenschmuck vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst. Es soll übrigens noch eine ähnliche unter dem Namen //. speciosiis variegatus pleniis bestehen. 15. Iponioea hcderaeea japonica foliis variegatis alba semiplena. Von der bekannten Firma Ch. Huber & Comp, in Hy^res aus japanischem Samen erzogen und gegenwärtig in allen grösseren Gärtnereien wegen des sehr schön marmo- rirten Laubes und der gefüllten Blumen weitergezüchtet. 16. Iponioea heder: jap. picta plena fol. var., sehr schöne Abart der vorigen. 1 7. Kerria (Corchorus) japonica fl. var., mit gelbpanachirtem Laub und Zweigen und den bekannten gefüllten, so schön orangefarbenen Röschen geschmückt. 18. LiliiüH candidum flore pleno foliis aureo marginatis; eine seltene, manchmal ausartende, oft aber prachtvoll gefüllte eigenthümliche zarte Varietät unserer gewöhnlichen weissen Lilie mit sehr schön gefärbtem Blattwerk. 19. Felargofiium peltattcm roseum plenum fol. var. (Delaux), weiss marmorirtes sehr effektvolles Blattwerk und gefüllte zartrosenrothe Blumen, deren obere Blumenblätter am Grunde schwarz geädert sind. 20. Fei. pelt. Golden Gem (Pötten), goldgelbes Laubwerk und malvenrosa ge- füllte Blumen. Die grösste Anzahl von Varietäten mit buntem Laube und vollen Blumen finden wir aber unter den Felargonium zonale, den sogenannten Deutschen oder Scharlachgeranien und zählen wir nachstehend die uns bekannten 2 1 Sorten auf. 21. Felargonium zonale, Ami Wilhelm P fitzer (Weik). Aehnlich wie die alte Cerise unique mit blassgelb und grün panachirten Blättern und weissen Blatt- stielen; die vollen Blumen vermillionroth mit weiss, die Rückseite der Fetalen lilaweiss. 22. F. z. Pionier (Klein). Schön buntblättrig mit gutgefüllter, hellzinnober- rother Blume. Gefüllte panachirt-blättrige Pflanzen. 303 23. P. z. Magicien (Lemoine). Dunkelgrünes Blatt, in der Mitte mit grünlich- gelber Scheibe und Orangescharlach halbgefüllte Blumen. 24. P. z. Iduna (Ebert). Panachirtes, sehr schönes Laub und gut gefüllte Blumen. 25. P. z. Jean Eller (Weik). Schön grün und gelb marmorirte Blätter, kleine dichtgefüllte granatrothe, dunkle Blume. 26. P. z. Sonnenschein (Klein). Hunte Blätter, gelb mit brauner Zone, halb- gefüllte Blume: lebhaft carmoisin. 27. P. z. Morgenroth (Klein). Bunte, gefleckte Blätter, scharlachrothe Blumen, dicht gefüllt. 28. P.z. Sapp ho (Lemoine). Goldgelbes Laub, halbgefüllte, lebhaft orangerothe grosse Blume. 29. P. z. Corinne (Lemoine). Hellgelbes Blatt; sehr stark gefüllte feurig-orange Blume in grosser Dolde. Fig. 78. Gefüllte buntblättrige Tulpe. 30- 31- 32. 33- 34- 35- 36. P. z. Golden Jewel (Bull). Das bekannte, so prachtvoll camellienartig imbrikirte Scharlachpelargonium Juwel mit dem schönsten goldgelben Blatte. P. z. Herold (Klein). Zinnoberroth gefüllte grosse Blume; gelbe Blätter mit rother Zone. P. z. Bijou d'or (C.). Goldgelbes Blattwerk und gefüllte schöne Blume. P. z. Iris (Lern.). Das grüne Blattwerk hellgelb eingefasst; die Blumen halbgefüllt, aus 10 bis 12 Fetalen bestehend, lebhaft Scharlach. P. z. Harmonie (Lern.). Sehr wüchsige Pflanze mit grossem, flachem Blatte, dessen hellgrüne Scheibe mit einer bronzerothen Zone umgeben ist, während der Rand der Blätter creamweiss leuchtet; salmorange gefüllte Blumen. P. z. Soleil levant (Lem.). Hellgrünes Laub, leichte chokoladebraune Zone, breite, hellstrohgelbe Randbordüre, mittelgrosse Dolden, brillant feurig Scharlach gefüllte Blume. P. z. Mrs. Strang (Williams). Im Blattwerk das prachtvollste vierfarbige Pelargonium mit wohlgeschiedenen Zonen von Gelb, Roth, Braun und Grün, und herrlich gefüllten Scharlachblumen. ■204. Buche: Gefüllte panachirt-blättrige Pflanzen. 37. P. z. Alma (Ebert). Ein Abkömmling (Sportzweig) der schönen, rosenrothen gefüllten Mad. Lemoine mit constant weiss panachirten Blättern. 38. F. z. Mrs. Carr (Turner). Herrlich weiss panachirtes Laubwerk bei niedriger Pflanze und stark gefüllte Blume von reich rosenrother Färbung. 39. F. z. Mrs. Parker. Breit weiss panachirtes Laubwerk, ausserordentlich reich- blüthig in breiten Dolden, hell, aber sehr lebhaft rosenrothe, gut gefüllte Blumen. 40. P. z. Ville de l'oulouse (C.) mit sehr grossem regenschirmförmigen Blatt, das in der Mitte schön grün und auf zwei Drittel der Breite mit einer reinweissen Bordüre umgeben ist. Diese neueste Varietät ist von sehr starkem Wachsthum und trägt in einer sehr breiten Dolde grosse, stark gefüllte Blumen von einem dunkeln, weiss nüancirten Lilarosa. 41. P. z. Neige (Lemoine). Die allerneueste und jedenfalls auffallendste Errungen- schaft in den panachirten Zonale-Pelargonien, indem sich zu dem prachtvollen dunkelgrünen, breitsilberweiss bordürten Blattwerk ebenfalls weisse gefüllte Blumen gesellen! Nachtrag. Für 1882 hat Lemoine in Nancy wieder zwei neue panachirt- blättrige, gefülltblumige Zonale-Pelargonien in den Handel gebracht. Eines mit weissem Rand und rosarothen Blumen, und ein schön trikolores mit scharlach- rothen, vollen Blüthen. Wir schliessen hieran, um diese Liste vollständig zu machen, noch die Tulpen mit weiss oder golden gebänderten Blättern an, die gleichzeitig gefüllte Blumen tragen, und die mit ihrer yuccaähnlichen Panachirung Salon, Glashaus und das Beet im Garten gleichmässig zu zieren geeignet sind. Die Abbildung Fig. 78 ist dem englischen Kataloge von Carter &: Co. entnommen. 42. Tuüpa hortensis. Rose jaune fol. var. (Yellow Rose). Blätter sehr zierlich mit Gelb gerandet, die schön gelbe gefüllte Blume ausserordentlich wohl- riechend. 43. T. h. Rex rubrorum fol. marginatis. Fein weiss eingefasste Blätter und gefüllte scharlachrothe, carmin nüancirte Tulpe. 44. T. h. Feu de l'Empire. Scharlachblumen, Blätter mit Silberband. 45. T. h. Lac van Rhyn. Violettcarmoisin, Goldband. 46. T. h. Tournesol fol. var. Die Blätter zierlich gelb panachirt, die gefüllte Tulpe roth, mit Citronengelb eingefasst. 47. T. h. Purple Crown. Reich tiefpurpurne Blume, silbergebändertes Blatt. 48. T. h. Silver Standard. Blume carmoisin mit Weiss; silberpanachirte Blätter. 49. T. h. Duc de ThoU fol. argent. marg. Die Blätter mit einem breiten silber- weissen Band reich bordirt, die sehr frühe, gefüllte Tulpe roth mit gelbem Rande. 50. T. Ii. Duc de ThoU fol. aur. varieg. Blätter mit gelbem Rande eingefasst; Blumen wie bei der vorhergehenden Sorte. O. Hüttig: Carica Papaya L. 305 Carica Papaya L. Der Melonen -Baum. Von O. Hüttig. Jl^er Ordnung der Peponiferae oder Kürbisfrüchtigen und der Familie der Papayaceae Mart, oder Papayengewächse (XXII. 10 L.) angehörend, ist dies ein in Westindien und Südamerika einheimischer, dort 5 — 8 m hoher Baum mit handförmigen, 5 — 7 theihgen Blättern, denen von Ricinus ähnlich, auf 60 cm bis I m langen Stielen, und Melonen ähn- lichen, zuweilen, aber selten, 30 cm langen und 12 cm dicken Früchten. Die »Gartenflora« vom August 1881 macht auf die medicinischen Eigen- schaften dieser Pflanze aufmerksam und betont, allerdings unter Reservation ihres Herausgebers, die Wirkung ihres Milch- saftes, der den Krebs heilen und Band- und Spulwürmer vertreiben soll; die scharfen, wie Kresse schmeckenden Sa- men werden häufig als Wurmmittel ge- braucht, die Blätter dienen als Wasch- material zum Reinigen der Leinwand und die frischen Blätter als Kräuterpflaster auf Wunden; das aus dem Milchsaft gewonnene Präparat Papain (Papajotin) wird mit Erfolg gegen chronische Diar- höe der Kinder angewendet. Dass die frischen Blätter beim Braten zähen Flei- sches benützt werden, um dasselbe mürbe zu machen, erwähnt schon Leunis in seiner Synopsis der Pflanzenkunde.*) Carica Papaya kommt diöcisch mit schmackhaften und zwitt^rblüthig mit fast ungeniessbaren Früchten vor. Die Pflanze besitzt dekorative Blätter und kann wäh- rend des Sommers zum Auspflanzen, auf »warmem Fuss«, verwendet werden; das Einpflanzen muss jedoch zeitig gesche- hen, und wird sie dann im Warmhause weiter kultivirt. Ueber die Anzucht der Pflanze schreibt uns Herr G. Uhink, Obergärtner Fig- 79- Carica Papaya L. auf J^va, mit verästeltem Stamm. Nach einer Originalzeichnung von Dr. VAN NOOTEN. *) Der Unterzeichnete hat dies durch Versuche bestätigt und nachgewiesen, dass die Caric Papaya ein pepsinartiges Ferment enthält. Siehe Monatsschrift des Vereins z. Bef. d. Garten- baues. 1880. S. 345. L. Wittmack. -^o6 ^- Hüttig: Carica Papaya L. der Firma Haage & Schmi dt in Erfurt, wo Samen und Pflanzen vorräthig sind, Folgendes : Die Aussaat der Carica Papaya geschieht zeitig im Frülijahr in einem mit sandiger Haideerde gefüllten Napf oder Topf, welchen man in eine Bodenwärme von 25 — 30" R. bringt. Sobald die Pflän^chen aufgegangen, pflanze man sie einzeln in kleine Stecklingstöpfe in recht leichte, sandige Erde, halte sie einige Tage in geschlossener Luft und giesse nur wenig, weil sie sonst umfallen. Man gewöhne die Pflänzchen nach und nach an die Temperatur des Hauses und verpflanze sie später in grössere Töjjfe. Kann man dieselben auf ein warmes Mistbeet bringen, so entwickeln sie sich hier äusserst üppig. Selbstverständlich muss hier während der warmen Jahreszeit reichlich Luft gegeben werden. — Dass die Früchte auch bei uns reifen können, hat uns Hofgärtner Vetter in Wilhelmshöhe bei Kassel schon 1864 gezeigt; auch bei Herrn Commerzienrath Gruson in Buckau- Magdeburg reiften sie. Die Pflanze wächst schneller als eine Musa; der Stamm ist im dritten Jahre schon 30 on dick, stirbt aber nach wenigen Jahren ab. Die Früchte, in Gestalt und Geschmack den Melonen ähnlich, werden nach Leunis »Synopsis« reif und unreif, roh und zubereitet gegessen, und liefern jung auch einen wesentlichen Bestandtheil der westindischen Pickles, das sind in Essig eingemachte Früchte und Gemüse. — Wir geben in Fig. 7g die Abbildung eines abnormen, verästelten Melonen- baumes, die wir Herrn Dr. van Nooten in Haarlem verdanken, der sie vor wenigen Jahren auf Java bei Buitenzorg aufgenommen. Derartige Verästelungen treten ein, wenn der Haupttrieb beschädigt worden ist. D. R. Salvia farinacea. \'on Eugen J. Peters in Leibnitz, Steiermark. 3^ie Gattung Salvia L. enthält eine ganz ansehnliche Anzahl von Zier- pflanzen, die sowohl für den Garten als auch für das Glashaus geeignet sind und uns bei richtiger Auswahl fast das ganze Jahr hindurch mit ihren mehr oder minder grossen, oft sehr schönen und mitunter in leuchtenden Farben prangenden Blüthen erfreuen. Sie machen dabei z. Th. wenig Ansprüche, da es nicht an solchen Arten fehlt, die vollständig als Annuelle behandelt werden können oder an solchen, die man ihrem Schicksal überlassen kann, nachdem sie während eines längeren Zeitraums che Beete des Gartens geschmückt haben, falls es an einem geeigneten Orte zur Ueberwinterung fehlt, da es nicht schwer fällt, sie für die nächstkommende schöne Jahreszeit durch junge aus Samen im Frühjahr oder aus Stecklingen im Spätsommer erzogene Pflanzen wieder zu ersetzen. Einige Beispiele für das eben Gesagte sind: ^. coccinea und S. Roe- meriana mit schönen rothen Blüthen, die man beide als Sommergewächse be- handeln kann, die jjrachtvolle S. splendens mit den weithin sich bemerklich machenden blendendrothen Blüthen, die aus einer kleinen im Mai ausgesetzten Stecklingspflanze bis zum Herbst einen starken, mit einer Unzahl von Blüthen sich bedeckenden hohen Busch bildet, S. patens (inacrantha) mit den ganz un- Eugen J. Peters: Salvia farinacea. ^07 vergleichlich schönen blauen Blüthen, welche georginenähnliche Knollen erzeugt, die man im Herbste ausnehmen, frostfrei durchwintern und im April-Mai wieder aussetzen kann, eine hervorragend schöne Zieipflanze, die aber leider viel zu wenig kultivirt wird, die schöne S. argentea mit den weisswolligen, am Boden sich ausbreitenden Blättern, die gewöhnlich in der Teppichgärtnerei als ein- jährige Pflanze verwendet wird, jedoch im Freien überwintert und im zweiten Jahre einen mit weissen Blüthen besetzten Stengel in die Höhe treibt u. s. w. Zu allen diesen und den vielen reinen Glashaus-Arten (S. aztirea, S.fulge?is, S. gesneracflora. S. HeeriL S. invohicrata, S. velutina etCy), die meist in den VVinter- monaten blühen, gesellt sich jetzt die in der Ueberschrift genannte Art, die es sehr wohl verdient, den hier angeführten und anderen schönen Arten an die Seite gestellt zu werden. S. farinacea Benth., deren Heimath Mexiko ist, bildet einen hübschen 50, 60 bis 80 cm hohen Busch, den die zahlreichen 25 — 30 cm langen Blüthenähren noch überragen, Blätter schmal, lebhaft grün, Blüthen an 18 — 20cm langen Stengeln, welche ebenso wie die Blüthenkelche mit Wollhaaren und einem bläulichweissen mehligen Staube bedeckt sind, worauf sich auch der Artname bezieht, Blüthen nicht besonders gross, aber sehr zierlich und durch ihre zartblaue Farbe auf- fallend; wie bei andern dieser Gattung angehörigen Arten haben die Blüthen selbst nur ziemlich kurze Dauer, desto länger bewahren aber die schönen gleich- gefärbten Kelche ihre Frische. Diese schöne Salbei kann ebenfalls ganz wohl als Sommergewächs behandelt werden, denn zeitig im Warmbeete oder im Glashause aus dem leicht keimenden Samen gezogene junge Pflanzen, die man Mitte Mai im Freien ausgesetzt hat, wachsen rasch heran und blühen bereits vom Juli an bis zum Herbst ohne Auf- hören fort; will man jedoch fiir das nächste Jahr gleich starke, bald blühende Exemplare besitzen, so kann man, vorausgesetzt, dass ein passendes Lokal zur Ueberwinterung vorhanden oder ein guter Platz in einem massig warmen Zimmer nahe dem Fenster zur Verfügung steht, im Herbste, bevor Fröste eintreten, diese Salbei in angemessen grosse Töpfe einpflanzen, was sehr leicht geht, da sie, mit etwas Erdballen ausgehoben, fast gar nicht trauert und noch durch längere Zeit fortblüht, und nachdem man sie nach glücklicher Ueberwinterung im Frühjahr etwas eingestutzt hat, wieder zur Verschönerung des Gartens benutzen. Ausser der leichten Vermehrung durch die Aussaat kann diese auch durch Stecklinge auf gewöhnUche Weise vorgenommen werden. Diese sehr hübsche und in der Kultur anspruchslose Pflanze kann jedem Gartenfreunde bestens anempfohlen werden. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieu, Charlottenburg. (Fortsetzung.) Cirrhopetalum abbreviatum Reh. f. Gard. Chron. 394 S. 70. Blumenschaft kürzer als die Blätter mit einigen kleinen Blumen. Fetalen und ^Qg C. Matthieu: Lippe purpur, die andern Organe weiss, mit vielen kleinen purpurnen Flecken in Reihen, bei Mr. Henderson, Maida Vale. Cirrhopetalum trigonopus Reh. f. ebendaselbst. Ein hübsches C. mit verwaschenem Lila in der Färbung und eben solchen Flecken auf den Seitensejjalen, die warzige Kronenlijjpe dunkelviolett, bei Mr. Henderson, Maida Vale. Detidrobium Curtisü Reh. f. Gard. Chron. 395 S. 102. Stamm ähnlich dem D. Devonianum, 272' hoch, lilumcn amethystfarben, Lippe weiss, in der Mitte orange, amethystfarben an der Sjjitze. Vaterland Birma. Von Mr. Curtis an J. Veitch & Sons gesandt. Phalaenopsis inaculata Reh. f. Gard. Chron. 396 S. 134. Eine der kleinsten Ph., aber sehr schön, zur Ph. violacea-Gruppe gehörend, mit blassen Blumen, etwas braun gefleckt. Aus Borneo. Odontoglossuin IVilUamsianiim Reh. f. ebendaselbst. Gleich dem O. grande, dessen Färbung es besitzt, Petalen aber kürzer, breiter, stumpfer, Griffelsäule mit hakenförmigen Flügeln, wie bei O. Inslayi und Schlieperianum. Vielleicht ein Bastard zwischen diesen beiden. Zu Ehren des bekannten Handelsgärtners in London, Herrn Williams genannt. Promenaea microptera Reh. f. ebendaselbst. Aehnlich der P. xanthina. Blumen hell ocherfarbig, mit einigen schmalen purpurnen Streifen und Flecken auf der Kronenlippe. Thrixspermum mwiculatum Reh. f. Gard. Chron. 398 S. 198. Blumen weisslich ocherfarben mit purpur gestreift, Lippe weiss, ein wenig braun und purpur gefleckt. Bei W. Bull. MasdevalUa Winiiiana Reh. f. ebendort. Gleich M. Roezlii, Blumen grösser, Schaft aufrecht, die seitlichen Sepalen von hellerer Farbe. Odotitoglossiun vexillarium superhum Reh. f. Gard. Chron. 403, S. 364. Petalen purpur, Sepalen heller, Lippe dunkelpurpur mit schwärzlichen, weiss gerandeten Streifen am Grunde. Neu-Granada. Laelia crispa odoratissima Reh. f. ebendaselbst. Blumen schön weiss, Kronenlippe etwas violett gestreift. RenantJiera Storiei Reh. f. ebendaselbst. 10 — 12' hoch. Blumen 50 — 60, über 2" im Durchmesser jede, orangefarbig, Kronenlippe klein, dunkelcarmin mit kleinen gelben Streifen, Centrum weiss. Von den Philippinen. Odontoglossum cxcelkns Reh. f. Gard. Chron. 405, S. 426. Sepalen gelb mit einigen Purpurflecken, das obere Sepalum mit weissem Fleck in der Mitte. Petalen weiss mit gelben Rändern, Lippe weiss mit gelben Kammfäden und vielen purpurnen Flecken. Vielleicht ein natürlicher Bastard zwischen ü. Pescatorei und tripudians. Eingeführt von Stuart Low. Cattlcya C/tai/ibcrlai/iiana Reh. f. ebendaselbst. Bastard zwischen C. guttata Leopoldi und C. Dowiana. Aehnelt mehr der C. g. Leopoldi als C. Dowiana, wird aber niedriger, höchstens 8" hoch. Sepalen braunroth, Petalen schön purpur. Kronenlippe purpur. Sarcantims flexus Reh. f. Gard. Chron. 407, S. 492. BlüthenhüUe gelblich-braun, Sepalen röthlich-braun getupft auf der Aussen- seite, Kronenlippe gelb. Borneo. Nur von botanischem Werthe. Die neuen Pflanzen des Jahres i88i, 30g Odontoglossum Sanderianuin Reh. f. Gard. Chron. 408, S. 524. Blume ähnlich dem O. nevadense mit vielen chocoladefarbigen Streifen. Vielleicht ein Bastard zwischen O. nevadense und O. naevium. Muss noch länger beobachtet werden. Tropisches Amerika. Bolbophyllum Beccarn Reh. f. Bot. Mag. 6567. Borneo. Wurzelstock daumenstark, mit zahlreichen Luftwurzeln an der Unterseite besetzt, mit denen er sich an den Bäumen emporwindet, Blätter ein- zeln, I — 2" lang, I — i'/./' breit, Blüthentrauben über 6" lang, 3 — 3V2" i""* Durch- messer, hängend, dicht gedrängt und stinkend. Blumen ocherfarben, Kronen- lippe gelb mit rothen Streifen. Von Beccari entdeckt. Bei E. G. Henderson' & SoN in Blüthe. Brassia caudata var. hieroglypJiica Reh. f. lUustrat. hört. 1881. 2, S. 20 Süd-Mexico. Blumen mit vielgestalteten Ringen, statt der Flecken wie bei der Stamm- form, versehen, von Linden eingeführt. Notylia laxa Reh f. Gard. Chron. 411, S. 620. Nur von botanischem Werthe. Aus Brasilien durch B. S. Williams ein- geführt. Blumen grün, die Fetalen am Grunde mit einem orangefarbigen Flecken. Viel Aehnlichkeit mit Notylia nuptialis. Fleurothallis Binoti Regel. Gartenflora S. 295. Von BiNOT aus Brasilien an Regel gesandt (Umgebung von Rio de Janeiro). Blätter g — 15 cm lang, 3'/2— 5 cm breit, lebhaft grün, Stengel 30 cm hoch, Blüthen- traube einzeln, selten zu zweien, 7 — 8 blumig, Blumen gelbroth gestreift. Polystachya hypocrita Reh. f. Gard. chron. 413, S. 685. Aehnlich der P. luteola. Die Blätter sind grösser und breiter. Der Blüthen- stand grösser. Die Blumen sind hellgrim mit einigen braunen Flecken. Kronen- lippe weisslich. Vaterland das tropische West-Afrika. Bei Mr. T. Christy, Sydenham, kultivirt. Saccolabium Gracffei Reh. f. Gard. Chron. 414, S. 716. Von den Viti-Inseln, durch Dr. Graeffe entdeckt, blühte bei Mr. T. Christy, Sydenham. Blüthenstand eine Aehre mit tief purpurrothen Blumen. MasdevalUa inflata Reh. f. ebendaselbst. Aehnlich der M. corniculata. Die Blumen sind kürzer und orangegelb. Der rauhe Mittellappen ist schmaler und keilförmig, nicht lanzenförmig. Laelia Perrini Lindl. var. irrorata Reh. f. ebendaselbst. Eine schöne Spielart mit hellrosenrothen Blumen. Die Lippe ist fast weiss, mit blassgelber Scheibe und hellpurpurner Spitze. In Williams Gärtnerei. Lycaste Deppei Lindl. var. punctatissima Reh. f. ebendaselbst. Durch Williams aus Guatemala eingeführt. Blumen weisslich-grün mit zahl- reichen purpurnen Flecken bedeckt. Kronenlippe gelb mit dunkelpurpurnen Strichen auf den Seitenlappen und fünf ähnlichen Flecken auf dem Mittellappen. Stelis grossilabris Reh. f. ebendaselbst. Aehnlich der St. spatulata, doch mit kurzen Deckblättern. Wuchs Rasen bildend, Blumen ohne besondere Schönheit, blassgrünlieh, in Trauben, kürzer als die Blätter. In der W. BuLL'sehen Gärtnerei. Microstylis ventilabrum Reh. f. ebendaselbst. Blume schön gelb mit sehr breiter, grosser, viereckiger Kronenlippe, welche orangefarben, pfeilförmig am Grunde und an der Spitze mit 7 — 9 Zähnen ver- 3IO C. Mathieu: sehen ist. Griffelsäule weiss, an den Seiten grün. Von den Sunda-Inseln durch H. Low iv Cie. eingeführt. 7'richoccntrum Hoegeli Rcli. f. el^endasclbst. Eine kleine Pflanze mit sehr kräftigen hornartigen länglichen Blättern. IMumenstiel hin- und hergebogen, mit sehr grossen Blumen. Blumen grünlich- gelb mit purpurnem Mittelfeld, Kronenlippe geigenförmig, wellig an der Spitze, weiss, mit schönen purpurnen Streifen und Flecken, und zwei gelben Schwielen am Grunde. Griffelsäule kurz, gelblich grün, an den Seiten weiss und geschlitzt. In Mexico durch den Hamburger Entomologen Hokoei. entdeckt und an den botanischen Garten zu Hamburg gesandt. Dendrobium Treacherianum Reh. f. Bot. Mag. 6591. Vaterland Borneo, durch Low eingeführt. Blumen blass rosa. Nur von botanischem Werthe. Dendrochiluin iincatuin Reh. f. Bonpl. III, 222. — Gard. Chron. 416. S. 780. Scheinknollen spindelförmig -birnenartig, einblättrig, Blätter länglich lanzett- lich, Blüthenstand traubenartig, nickend. Blumen grün. Kronenlippe mit zwei braunen Streifen am Grunde, und einem braunen Flecken am Grunde der Griftelsäule, welche weisslich ist. Von den rhilii)pinen. Bei Low in Claj)ton. Vanda Roxallü var. Cohbiana Reh. f. ebendaselbst. Blumen gross, milchweiss mit kleinen purpurnen Streifen am Grunde. Die innere Hälfte der seitlichen Sepalen ist von dunkelstem Purpurbraun. Sie hat keine Flecken an der Spitze, weder an Kelch- noch an Kronenblättern, wodurch sie sich von der Stammform unterscheidet. Von Low eingeführt und nach Mr. CoBB in Sydenham benannt. Gongora siinilis Reh. f. Gard. Chron. 417, S. 812. Sehr ähnlich der G. gratulabunda. Blüthenstand eine verlängerte schlaffe Traube, Blumen schön gelb mit zimmetbraunen Flecken, Kronenlippe weiss mit braunen Flecken. Das hintere Glied der Kronenlippe (hypochilum) zeichnet sich durch seine besondere Breite und kleine seitliche stumpfe Hörner vor dem der G, gratulabunda aus, woselbst die Hörner fast fehlen. 7. Araceae. Schisviatoglottis crispata Hook. Bot. Mag. 6575. Von BuRBiDCiE in Borneo für die Herren Veitch gesammelt, blühte sie dort im Januar 1881. Stamm sehr kurz, kräftig, daumenstark, Blätter 23 bis 28 cm lang, eirund, herzförmig, dunkelgrün, mit schmutzig weissen Flecken zwischen Mittelrippe und Blattrand auf der Oberfläche, Blumenscheide länglich, kahn- förmig, kurz gestielt, 10 — 13 cm lang, grüiilich weiss, mit ebenso langem Blüthen- kolben. Anthurium Schcrzerianiim var. Rotlischildiaiia. Flore des Serres 2403. Ein Bastardproduct des Anthurium Scherzerianum und des A. Scherzerianum album, in den Ciärten des Baron von Rothschild in Ferrieres entstanden. Die Pflanze besitzt als Grundfarbe Weiss mit rothen unregelmässigen Flecken und Punkten bedeckt. Warmhaus im Winter, temperirtes Haus im Sommer. Schismatoglottis Lavallei. Linden. lUustr. hört. 5, S. 71. Vaterland Borneo. Aehnlich einer kleinen Dieftenbachien-Art, Schaft auf- recht, cylindrisch. Blattstiele 16 — 20 cm lang, grün, mit röthlicher Scheide, Spreite 13 — 18 cm lang, 3 — 6 cm breit, länglich, grün, unregelmässig meergrün Die neuen Pflanzen des Jahres 1881, 31I gefleckt, Unterseite blassgrün, Blumenscheide 6 cm lang, grün, Kolben wenig länger als die Scheide, weiblicher Theil desselben grün, männlicher Theil ocher- gelb. Zu Ehren von Aij'H. Lavaij.i^e, Präsidenten der Soc. d'hort. de France, benannt. Taccarum Warmingianum. Engler. Gard. Chron. 412, S. 654. Wurzelstock knollenartig, Blätter einzeln, doppelt fiedertheilig, 60—75 cm lang, hellgrün, Blattstiel i m und darüber lang, am Grunde 5V2 cm dick, fast stielrund, von heller meergrüner Farbe, mit weissen Streifen. Blüthenschaft un- gefähr 20 cm hoch, 2 cm dick, Färbung wie der Blattstiel, Blüthenscheide 44 cm lang, inwendig kupferfarben mit kleinen dunkelgrünen Punkten dicht besetzt, auswendig gerippt, hellbraun, zwischen den Rippen netzartig hellgrün gefärbt, der Blüthenkolben cylindrisch, ungefähr 40 cm lang und 3V2 cm im Durchmesser. Der obere Theil des Kolbens, ungefähr 24 cm in der Länge, ist mit männlichen Blumen, der Rest desselben am Grunde, ungefähr 10 cm mit weiblichen Blumen lose besetzt. Bei seiner Reife ähnelt er sehr einem Maiskolben, nur ist er dicker und mit gelben Beeren besetzt, deren Fleisch gegessen wird. Eine sehr schöne Aroidee, dem Amorphophallus ähnlich, von Herrn Bull aus der Pro- vinz Minas Geraes, Brasilien, eingeführt, woselbst sie nicht häufig in schattigen Wäldern vorkommt, und während der Regenzeit, October bis Januar, blüht. Hydrosme Hildebrandtii. Engl. — Monatsschrift. April. 161.' Vaterland Madagascar, von Hildebrandt entdeckt. Blattstiel 2 m hoch, das Blatt dreitheilig, jeder Theil gabelig getheilt, die Abschnitte fiederspaltig ein- geschnitten, Blüthenscheide 75 cm lang, Durchmesser 19 cm, blassfleischfarben oder purpurbräunUch mit vielen blauvioletten Flecken, inwendig am (Gründe dunkelviolett. Der Kolben etwa Vs so lang als die Scheide. Piptospatha insignis. N. E. Brown. Bot. Mag. 6598. Eine niedrige stiellose Aroidee, Blätter elliptisch lanzetdich, gestielt, wurzel- ständig, 10—12 cm lang, 2 cm breit, lederartig, dunkelgrün anf der Oberfläche, heller auf der Unterseite. Blumenstiel steif, rothbraun, Blumenscheide erst auf- recht, nachher wagerecht oder hängend, weiss mit rother Färbung, 3 cm lang, Vaterland Borneo, durch Burbidge entdeckt; bei Veitch. 8. Palmae. Kentiopsis divaricata Brogn. lllustr. hört, i, S. 10. Neu-Caledonien. Wedel abwechselnd gefiedert. Fiederblättchen lederartig, gekielt, Kolben wenig verzweigt. Zweige kurz gekrümmt, ausgesperrt. Die männlichen Blüthen mit länglichen, etwas abgestumpften Kelchblättchen. Frucht die Form und Grösse einer Olive, wenig fleischig, faserig. Von Linden ein- geführt. 9. Polygoneae. Polygonum midtiflorum l'hunb. Gard. Chron. 408. Ausdauernd, mit vielen kleinen Stengeln, Blumen klein, zahlreich, weisslich und in losen ausgebreiteten Rispen stehend, in China und Japan einheimisch. Obgleich die Stengel im Herbst heruntersterben, hat der Wurzelstock in Bull's Gärtnerei während der beiden letzten Winter ausgehalten. Anwendbar, um Mauern, Zäune etc. zu verdecken, und geschützt vielleicht immergrün. 2 12 tJ. Matthicu; Die neuen Pflanzen des Jahres. i88l. 10. Nepentheae. Nepenthes Rajah Hook. Gard. Chron. 407, S. 492. Die grösste bis jetzt erschienene Art. Schläuche ein trübes Purpur, über einen Fuss oder 32 cm lang, Vaterland Borneo, auf einer Höhe von gegen 1700 /;/ von BuRBiDGE entdeckt und Samen an Veitch geschickt. Nepenthes angustifolia Mast. Gard. Chron. 408, S. 524. Von Sarawak auf Borneo. Durch Curtis entdeckt und Samen an Veitch gesandt. Stengel stielrund, geflügelt. Blätter fast lederartig, kahl, schmal lanzettlich, zugespitzt, ganzrandig, Schläuche grün, rothgefleckt, geflügelt, un- gefähr 5 on lang. Nepenthes Northiana Hook. Gard. Chron. 414, S. 717. Eine der schönsten neuen Nepenthen, welche durch Miss North bei Sarawak in Borneo abgebildet wurde. Siehe Gartenzeitung 1881, S. 64. Nepenthes Courtii h. Veitch. Gard. Chron. 418, S. 844. Ein Bastard zwischen einer noch nicht bestimmten Art von Borneo und der N. Dominii, durch Herrn Court gezogen in der Veitch' sehen Gärtnerei. Die Pflanze ist von kräftigem Wüchse, Stengel röthlich und behaart. Die Blätter sind 28 — 32 cm lang und 6 cm breit, dunkelgrün, lanzettlich, die Mittelrippe und der Rand des Blattes, sowie die rankenartige Verlängerung desselben sind behaart, die Schläuche sind 13 cm lang, und 6^/2 cm breit, die Farbe ein trübes Graugrün, mit roth gefleckt, cylindrisch, am Grunde erweitert, mit tief und scharf zerschlitzten Flügeln. Schlauch-Oeffnung oval, fein und gleichmässig gerippt. Der Deckel ist wenig erhaben, eirund, kleiner als die Schlauch-Oeff- nung, mit kleinem Sporn an der Rückseite. Der Schlund des Schlauches ist glänzend gefleckt. Blüthenstand der männlichen Blume eine dichte Traube. 11. Plantagineae. Phintago Bismarkü Ndrin. Monatsschrift, Januar, S. 16. Aus den Pampas Süd-Amerikas, von Niederlein entdeckt. Ein Halbstrauch, ungefähr 30 cm hoch, welcher seine Zweige nach allen Seiten hin polsterartig ausbreitet; Blätter wechselständig, silbergrau, Rückseite bräunlich, steif, pfriemen- förmig, i'/j — 7 cm lang, Aehre eiförmig, langgestielt, Blumenstiel 4 — 6 cm lang, für Felsenparthien eine sehr gut zu verwendende Pflanze. (Schluss folgt.) Cecidomyia saliciperda Duf. Weidengallmücke. Von A. FiNTELMANN, Stadt. Obergärtner, Berlin. ^^*W%f^ill der Gärtner seine Baumanpflanzungen vor unüberwindlichem Schaden bewahren, will er ihrer Herr werden, dann muss er unermüdlich Jahr aus, Jahr ein den Brütestätten der Insekten nachgehen und dieselben, wenn es sein kann, mit Feuer zerstören. Nicht im Winter allein, sondern auch im Sommer soll es seine Aufgabe sein, den unzähligen Feinden, deren Anwesenheit, je nach A, Fintelmann : Cecidoniyia saliciperda Diif. 313 ihrer Lebensweise, zu allen Jahreszeiten von der Natur schon angezeigt wird, nachzustellen. Bei einiger Aufmerksamkeit können sie in solchen Fällen dem Auge des wachsamen Gärtners nicht entgehen und es ihm möglich machen, ihr ferneres Auftreten wenigstens etwas zu vermindern. I. III. Fig. 80. Zerstörungen von Cecidoinyia saliciperda an Weiden. Nach einer farbigen Darstellung von A. Fintelmann. An aus der Natur entnommenen Beispielen will ich es versuchen, die Auf- merksamkeit des Gärtners sowohl, wie des Laien auf oft recht gefährliche Feinde der Bäume und Sträucher zu lenken und ihnen auf diese Weise eine Handhabe zu geben, sich ihrer desto leichter zu erwehren. -IIA A. ?'intelmann ; Cecidomyia saliciperda Diif. Vor uns liegt ein etwa 3 jähriger Zweig von Salix fragilis L., Bruchweide, Fig. 80 I, der im vergangenen Jahre von der Weidengallmücke, Cecidomyia sali- ciperda Duf., zur Familie der Dii)tera oder Zweiflügler gehörig, in einer Aus- dehnung von 25 cm c. befallen wurde. Die Gallmücken befallen, nach Dr. A. B. Frank*), wie die Zeichnung zur (xenüge zeigt, die Zweige der Weiden, vor- nehmlich Salix fragilis L. und Caprea L., oft zu Tausenden, legen ihre Eier vermöge einer langen Legeröhre in die junge Rinde und verursachen demnächst eine Hypertrophie, Verdickung des letzten Jahresringes. Die sich aus den Feiern entwickelnden Larven fressen sich in dem jungen Holze eine Höhlung und bewirken in F'olge dessen eine vermehrte Thätigkeit der Holzzellen, die dann schliesslich in Zersetzung übergehen und eine mehr oder weniger bräunliche Gewebemasse an ihrer Stelle zurücklassen. Fig. 80 I. zeigt in dem der Rinde beraubten Holze alle die zahlreichen Larvenkämmerchen und erscheint das Ganze gleichsam wie ein unregelmässig durchlöchertes Sieb; die Mücken sind hier nicht etwa schon entschlüpft, vielmehr sind es unsere so emsigen Meisen, die Feinde unserer meisten schädlichen Insekten, die die Larven schon heraus- gefressen haben. Sie wittern unter der äusserlich fast gar keine Verletzung oder Krankheit erkennen lassenden Rinde ihre Nahrung und reissen sie mit ihren spitzen Schnäbelchen derartig vom Holze herunter, dass sie theilweise noch in langen Fetzen an den Zweigen herunter hängt (Fig. 80 la). Dieses Verfahren setzen die Meisen so lange fort, bis sie keine Larven mehr in dem Holze finden. Der als Beispiel gezeichnete Zweig ist nun von den (iallmücken in seinem ganzen Umfange befallen worden und in Folge dessen auch unrettbar verloren, er verdorrt in dem kommenden Sommer vollständig; sehr häufig kommt es aber vor, dass die Zweige, namentlich ältere, nur einseitig von den Mücken ver- letzt werden ; in diesem F'alle wird eine Ueberwallung der kranken Stelle von dem gesunden Theile aus stattfinden, wie uns dies Fig. IL bei a zeigt. Fig. III. stellt den Durchschnitt eines solchen in früheren Jahren und zwar in verschiedenen Jahrgängen einseitig befallenen, jetzt aber zu seiner normalen Beschaffenheit wieder zurückgekehrten Zweiges dar. Das gesunde Holz hat alle die von der Larve der Gallmücke zerstörten Holztheile wieder vollkommen überwachsen; die normale Weite der Fluglöcher verschwindet nach und nach durch die Aus- dehnung der jungen Holzzellen, während ganz schmale mit den Markstrahlen des Holzes correspondirende dunkelbraune Spalten (die ehemaligen Fluglöcher), so- wie die theils blauschwarze, theils hellbraune Farbe des übrigen von der Krank- heit inficirten Holzes nur als Spuren der zerstörenden Gewalt der kleinen Gall- mücken zurückbleiben. Was thun wir nun am besten, um uns für die Zukunft diese lästigen Stören- friede vom Halse zu halten? Herr Professor Altum, dem ich seiner Zeit einen von Gallmücken-Larven bewohnten Zweig übersandte, empfahl mir, sämmtliche derartig kranken Zweige mit irgend einer klebrigen Flüssigkeit zu überstreichen, um so das Ausfliegen der Gallmücken zu verhindern. Das rationellste Mittel aber dürfte wohl sein, sämmtliches kranke Holz gründlich zu entfernen und zu verbrennen. Man erkennt es am besten an dem in Folge von Hypertrophie des jüngsten Holzes an den krankhaften Stellen die normale Ausdehnung be- deutend überschreitenden Dickenwachsthum der Zweige. ") A. B. Frank, Pflanzen-Krankheiten. L. Kny: Die Gärten des I.ago maggiore. -i I c Die Gärten des Lago maggiore. Von L. Kny. (Fortsetzung.) 4. Die Isola madre. ^^ie Inseln, welche nach der Familie, in deren Besitz sie sich durch Jahrhunderte befinden, den Namen der Borromäischen führen, sind für die Entwickelung der Landschaftsgärtnerei nicht nur am Lago maggiore, sondern in Italien und darüber hinaus von hervorragender Bedeutung ge- worden. Wir wünschten desshalb, dass es möglich wäre, mit der Schilderung des Bestehenden gleichzeitig auch seine Geschichte geben zu können. Leider sind die uns zu Gebote stehenden Quellen hierzu in keiner Weise ausreichend. Wir müssen uns daher auf den gegenwärtigen Zustand be- schränken, der für sich allein schon viel des Schönen und Interessanten, dabei freilich auch manches Wunderliche bietet. Letzteres "-ilt übrigens nur von der Isola bella. Bei der Isola madre findet der Schönheitssinn volle, ungeschmälerte Befriedigung. Das Fundament der letztgenannten Insel bildet ein malerischer, zer- rissener Glimmerschieferfelsen, über welchen hinab die Vegetation an vielen Stellen bis zum Wasserspiegel vordringt. Nur nach Süden hin ist derselbe in drei übereinander aufgebaute, breite Terrassen künstlich gegliedert; in anderen Theilen der Insel tritt er vielfach nackt zu Tage und beherbergt in seinen Klüften ein buntes Gemisch natürlich und künstlich angesiedelter Gewächse. Die oberste der drei Terrassen wird von dem massig umfang- reichen, sehr schmucklosen Schlosse gekrönt, das mit seiner Front die volle Aussicht auf die Isola bella, die Küste bei Intra und das ganze östliche Seeufer mit Laveno und Santa Catarina beherrscht. Nachdem das Boot sich der Ostseite der Insel genähert hat, können wir die scheinbar spontane Vegetation, welche in den Spalten des Ge- steines einen zum Theil nur mühsamen Halt gewonnen hat, etwas genauer mustern. Vor Allem fesseln mehrere Gruppen der Agave americana, aus deren vielfach verkrümmten Blattrosetten einzelne diessjährige, eben ab- geblühte und noch in voller Kraft stehende, neben ihnen aber auch vor- jährige, schon gebräunte Schäfte emporragen. Weiter fallen Opuntien von verschiedenem Umfange und mannichfacher Stachelbekleidung in die Augen. Zwischen ihnen entspriessen den Felsen in buntem Durcheinander knorrige, reichverzweigte Feigenbäume, Gebüsche verschiedener, zum Theil blühender Acacien, denen sich einzelne Zürgelbäume (Celtis aiistralis) und ein Johannisbrodbaum (Ceratoida Siliqua) zugesellen. An der unteren GarteuZeitiing 18S2. 21 3l6 L. Kny: Terrasse klimmt der Epheu an Fels und Genicäuer empor und bedeckt mit seinen BUithensprossen dessen Brüstung^en. Vor ihm erheben sich am Rande des Wassers die stattlichen Halme des südeuropäischen Schilfgrases [Arundo Donax). Hat man das Boot an dem vorgeschriebenen Landungsplatze ver- lassen und durch das Thor Eingang gefunden, so gelangt man auf einer offenen Treppe zunächst nach der unteren Terrasse. Die hohe Rückwand dieser sowie der mittleren Terrasse dient spalierartig gezogenen Citronen- bäumen zur Stütze und gewährt ihnen, neben dem VoUgenusse der Mittags- sonne, Schutz nach Norden hin. Im Winter bedürfen diese Citronen- Pflanzungen freilich der Bedeckung, welche sie ja auch an dem wärmeren Gardasee nicht entbehren können. Das Aussehen der Bäume und der in . reicher Fülle sie bedeckenden Früchte war ein durchaus gesundes. Die vor dem Schlosse gelegene, obere Terrasse ist von allen die breiteste. Sie wird fast ganz von einer langgestreckten, von zwei parallelen Wegen eingeschlossenen Rabatte bedeckt. In regelmässigen Abständen sind auf ihr 4 mit röthlich-violetten Blüthen ganz überdeckte Sträucher der Lager strocinia iiidica, einer ansehnlichen Lythracee vertheilt. Die Exem- plare sind etwa 5 /// hoch und von seltener Schönheit des Wuchses. Zwischen ihnen steht ein zehnjähriges Prachtexemplar der Jiibaca specta- bilis, eine Yucca pendula, eine stattliche Yucca aloifolia mit weissberandeten Blättern und mehrere Büsche der Daüwa ai'borea [Brugiuansia snaveolens) mit weissen, gefüllten Blüthen. An der Vorderseite des Schlosses, dessen sonst schmucklose Fagade belebend, winden sich Solamnn jasminoides , Ipovioea Leari (mit grossen, prachtvoll blauen Blüthen), JMandevillea snaveolens (mit grossen, weissen Blüthen) und die schon abgeblühte Passiflora caerulea empor. Zur Linken des Schlosses erregt ein Prachtexemplar der Agave Sal- niiana Bewunderung, dessen Alter mir auf 11 Jahre angegeben wurde. Jedes der erwachsenen, dickfleischigen Blätter ist etwa 2 vi lang. An die Vorderseite des Schlosses unmittelbar sich anlehnend, ist neben Solanum Warsceiviczii und dem uns wohlbekannten Ricinus communis noch eine statt- liche Opuntia von etwa 2,5 ;// Höhe bemerkenswerth. Auf der Höhe der oberen Terrasse uns nach rechts wendend, gelangen wir zu einem viereckigen Platze, welcher beiderseits von dem Schlosse und einem in ziemlich gleicher Front stehenden Gewächshause, nach rückwärts aber von einem mit Ficus stipulata vollkommen überdeckten decorativen Gemäuer eingeschlossen ist. Nach vorn öffnet er sich auf die P'ortsetzung der Schloss-Terrasse. Beide enthalten von bemerkenswerthen Pflanzen: Bambusa gracilis , Dasy Urion lo)igifolium , Eryngium pandanifolium , Plior- viium tenax, einige grosse Büsche von Nerium Oleander in mehreren Spielarten und je ein Exemplar von Chamaerops excelsa und Dracaena indivisa von 5 — 5','^ m Höhe. Als kleinere Schmuckpflanzen sind Salvia spleiulens, Coleus und Mesembryantliemum-A\\.cn und \'iele andere in grosser Die Gärten des Lage maggiore. '^17 Mannichfaltigkeit und meist geschmackvoller Anordnung zwischen den grösseren Exemplaren und Gruppen vertheilt. Der hohe landschaftliche Reiz der Isola madre liegt aber meines Er- achtens weniger in der üppigen Entwickelung einzelner Pflanzenformen aus wärmeren Climaten, wie sie auf den Terrassen*) um das Schloss vereinigt sind, sondern \'ielmehr in dem dichtbelaubten, von einigen rasenbedeckten Schmuckplätzen unterbrochenen Parke. Dieser zieht sich über den grösseren Theil der Insel bis zum Rande des Wassers hinab und ladet durch köst- lichen Schatten zu längerem Verweilen ein. Immergrüne Laubhölzer sind in demselben vorherrschend; doch ist die Eintönigkeit, welche die grossen Massen von Kirschlorbeer, [Prunus Laurocerasus) und seiner Verwandten, der Fr. lusitanica, von edlem Lorbeer [Laurus nobilis), Qucrais äu'**), RJwdondendron arborcuni, Rh. ponticiun, Azalea ijidica, Kahnia latifolia, Hex Aquifolium, Buxiis sempervirens für sich allein zur Zeit, wo kein Blüthenschmuck das dunkle Grün der mattglänzenden Blätter belebt, nothwendig erzeugen müssten, dadurch glücklich vermieden, dass überall Nadelhölzer, meist in Exemplaren von tadellosem Wüchse, und auch einzelne sommergrüne Laubhölzer und Bambusgebüsche ihnen eingestreut sind. Es kommen hierdurch Gruppen zu Stande, wie sie unter gleicher Breite schöner schwerlich angetroffen werden. Hier hebt sich aus dem Dickicht ein 15 — 17 ;w hoher Liquidambar Styraciflua hervor; nicht weit davon ein kräftiger Stamm des Eibenbaumes {Taxus baccatä). Neben einem Prachtexemplar der virginischen Sumpf- cypresse [Taxodiiim distichum), welches durch die andauernde Trockenheit dieses Sommers sehr gelitten und viele seiner der Regel nach erst im Herbste abfallenden Zweiglein schon jetzt vorzeitig verloren hat, gedeiht die Korkeiche [Qucrcus Sube?-), erreicht der chinesiche Theestrauch [T/ica chinensis) eine Höhe von circa 2^' ^ in und erheben sich üppige Büsche schlanken Bambusrohres [Banibusa gracilis). PLinen eigenthümlichen Con- trast bildet eine auf freiem Platze stehende, hoch und tadellos gewachsene Rothtanne [Picea excelsa) mit den sie umgebenden Fourcroya gigantea, Ficus macrophylla und JMonstera pertusa (mit Blüthenkolben). Letztgenannte drei Arten würden freilich auch unter dem hiesigen Himmel den Winter nicht ungestraft im P'reien überdauern können und müssen bei Eintritt der kälteren Jahreszeit in die Gewächshäuser wandern. Dasselbe gilt von den Bananen: Musa paradisiaca und M. sapienUnn. Eine von diesen ge- bildete Gruppe präsentirt sich um so schöner, als die Blätter bei dem *) Von der mittleren und unteren Terrasse seien, als durch schöne Exemplare vertreten, noch erwähnt: Opuntia imbricata (circa 2 w hoch) 0. decumana, Cocculus laurifolms, Aralia pdpyrifera (welche das Material zur Herstellung des chinesischen Papieres liefert), Colletia ferox (mit dick- stacheligen Phyllodien), Acacia cultriforniis , Ilakea ptigioniformis, Mcirosideros spec. **) Der Umfang des stärksten Stammes dieser in zahlreichen stattlichen Exemplaren vertrete- nen Art wurde zu 4,05 in von mir bestimmt, was bei dem notorisch langsamen Wachsthume auf ein sehr beträchtliches Alter schliessen lässt. 3l8 L. Kny. Schutze, welchen das umgebende Baumdickicht gewährt, nur wenig durch den Wind gespalten sind. Eine Anzahl ganz besonders schöner I^aumgestaltcn sind in jenen Partieen des Parkes vereinigt, welche sich dem Schlosse unmittelbar nach rückwärts anschliessen. Hier begegnen wir herrlichen Kronen von Magnolia ^ Fieberbaum« [Eucalyptus Globulus) hatte nach 12 jährigem Wachsthum eine Höhe von cira 20 ;// und einen Stammdurchmesser von circa i in erreicht, als er dem strengen Winter von 1879/80 zum Opfer fiel. Gegen das vordere Ende dieses Hauptplatzes der Anlagen folgen dann noch sehr grosse und volle Camellienbüsche, eine Cryptoineria elegans und ein sehr schön gewachsenes, hohes Exemplar der Deodara-Ceder mit zahlreichen Fruchtzapfen. Neben letzterer gelangen wir auf breiter Treppe zu einer höheren Terrasse, welche mit einer Anzahl überaus schön gewachsener Oleander- Sträucher besetzt i.st, den vollsten, die ich am Lago maggiore gesehen habe. Beiderseits an den Balustraden erhebt sith eine Reihe hoher Pyramiden- 322 L. Kny: Cypressen (Cupressus fastigiatd). Nach vorn führt enie weiter ansteigende Treppe zur höchsten, allseitig mit Steingeländern versehenen Terrasse von vierseitigem Grundrisse empor. Da sie vollständig pflanzenleer ist, gewährt sie eine herrliche Aussicht. Am freiesten vermag das Auge in der Rich- tung von Stresa und von Laveno zu schweifen. Um zu den Orangen- und Citronen-Pflanzungen zu gelangen, welche wir von dem höchsten Punkte aus seewärts zu unseren Füssen liegen sahen, steigen wir wieder zu dem grossen Hauptplatze hinab und begeben uns ein Stockwerk tiefer auf die breite, gen Pallanza sich öffnende Terrasse. Nach rückwärts durch eine hohe Hecke von edlem Lorbeer abgeschlossen, bietet sie einer grösseren Zahl sehr alter Weymouths - Kiefern [Pinus Strobus) mit breiter, dicht verästelter Krone Raum. In ihrer Mitte steht eine etwa 17 vi hohe californische Riesentanne [Welliiigtojiia gigantcd), deren äusserste Gipfelpartie leider durch die Trockenheit der letzten Monate sehr gelitten hat. Der Schatten der über die Terrasse sich empor- wölbenden Baumriesen ladet zu längerem Verweilen an diesem herrlichen Punkte ein, und gern tritt man an die vordere Brüstung, um den schönen Blick auf Pallanza zu geniessen. Fast könnte man dabei eine tiefer ge- legene Gruppe der Bamhusa gracilis übersehen, wenn dieselbe nicht gar so voll und üppig, einer lebenden Riesengarbe vergleichbar, ihre reich- beblätterten Halme in leichter Krümmung nach auswärts senkte. Den vollen Anblick der berühmten zu einer abgestumpften Pyramide übereinander aufgebauten 9 Terrassen, von deren oberster wir schon herab- geblickt haben, erhält man am besten vom Boote aus, wenn man die Insel in der Richtung nach Stresa umfährt. Die Ansicht ist dann ähnlich der wie sie unser Holzschnitt auf Seite 261 zeigt. Dieser Theil der An- lagen ist hauptsächlich der Cultur von Citronen und Orangen in zahl- reichen Spielarten gewidmet. Erstere werden fast nur in Spalieren an den besonnten Rückwänden der Terrassen, letztere da, wo der Raum es gestattet, auch als freie Bäume gezogen. An den breitesten Stellen sahen wir bis 3 Reihen von ihnen hintereinander folgen. Wo die Lage nicht eine ganz besonders geschützte ist, bedürfen nicht nur die Citronen, sondern auch die Orangenbäume einer Bedeckung. An einer der geschütztesten Stellen der Terrassen befindet sich sogar ein kleines Exemplar der brasilianischen Persea gratissiina, einer Lau- racee mit sehr wohlschmeckenden Früchten, das die letzten beiden Win- ter gut überdauert hat. Die nicht von Culturpflanzen in Anspruch genommenen Wandflächen werden von einer Fülle schlingender Gewächse bekleidet; so von einer Epheu-Form, welche De Notaris als besondere Art [Hcdcra vcrbanensis) beschrieben hat; ferner von Elaeagmis reflexa, Mandevillea snavcolens, Phaseolus Caracalla (letztere beide in Blüthe), einer Passiflora-AxX. etc. Am Grunde der Citronen -Spaliere erglänzen die röthlich-violetten und gelben Blüthen der Portulaca grandißora. Die Gärten des Lasjo maggicre. Dort, wo ein hervortretendes Thürmchen den Abschluss der Spaliere nach Südosten bezeichnet, fällt uns schon von fern eine Korkeiche {Qiiercus Silber) von aussergewöhnlichen Dimensionen in die Augen. Der Baum ist wol der älteste und stärkste aller am See vorkommenden. Der Stamm misst unmittelbar über dem Boden 3,64 vi im Umfang und gabelt sich in geringer Höhe in zwei Stämme von nahezu gleicher Stärke. Die reich- belaubte Krone erhebt sich bis zu etwa 20 m Höhe; ihre unteren Zweige neigen sich über die Brüstung zum Wasserspiegel hinab. Von hier aus führt der Weg am See entlang in wenigen Schritten mit Fig. 82. Partie von den oberen Terrassen der Isola bella, mit der Aussicht auf Stresa. scharfer Biegung zu dem durch einen Vorsprung des Terrassenbaues bisher für uns verdeckten Glanzpunkte der Isola bella, einer nach Südwesten sich öffnenden breiten Terrasse mit freier Aussicht auf Stresa und dessen Um- gebung. Dem Pyramidenbau sich anlehnend, wird sie nach ihm hin durch eine Reihe hechgewölbter, grottenartiger Nischen abgeschlossen. An den pfeilerartig hervortretenden Partieen des Gemäuers winden sich mehr als armdicke, reich verzweigte Stämme des Tecoina radicans, einer der schön- sten Bignoniaceen, bis zu etwa 20 in Höhe empor, die zwar noch im Schmucke ihres gefiederten Laubwerkes prangen, von der Blüthenfülle des Frühsommers aber nur noch geringe Ueberreste aufweisen. Der Epheu, welcher sich an mehreren Stellen dem Tccoma reichlich beigesellt, hängt an einer der Grotten vom Scheitel der Wölbung, deren Breite fast ganz ^24 I^- ^"y= Die Gärten des Lago maggiore. ausfüllend, in einem buschit^en, mit Bliithen und Knospen aufs Reichste bedeckten Zopfe bis fast zur Erde hernieder: — ein in seiner Art einziger Anblick. Eine andere Grotte enthält Prachtexemplare der Yucca aloi- folia (bis circa 15 m hoch); wieder eine andere ist mit l^pheu und der klimmenden Ficus stipulata aus^^ekleidet und birgt auf feuchten Fels- partieen wucherndes Venushaar [Adiantnin Capilliis Veneris), Hirschzunge [Scolopcndrhivi officinanim) und Ruscus raceuwsus. Im h^reien steht eine schöne Dracacna indivisa und ein reich mit Wedeln ausgestatteter Stamm von Cycas revoluta. Um ein Dacrydhnn cupressinuin ist eine Gruppe von Agaven vereinigt. Im Hintergrunde nach Norden zu befindet sich ein sehr stattlicher Baum der Salisburia adiantifolia {Gingko biloba), mit ihren breit- fächerförmigen, alljährlich abfallenden Blättern, - einCuriosum in der Familie der Nadelhölzer, und im Anschlüsse daran ein kleiner Hain von Magnoha graiidiflora. Wir sind diesem herrlichen Baume, welcher in den Gärten des Lago maggiore den grössten Theil des Jahres hindurch auf seinem glänzenden, unterseits tief rostfarbenen Laube die grossen, schneeweissen Blüthen entfaltet, hier nicht nur dafür dankbar, dass er uns erquickenden Schatten spendet, sondern rechnen es ihm noch ganz besonders hoch an, dass er uns die Aussicht auf die zwar nicht unmalerische, übrigens aber wenig anmuthige Nachbarschaft der Fischerhäuser verdeckt. Nachdem wir uns von diesem herrlichen Plätzchen nur ungern getrennt haben, steigen wir an einem Abhänge, dessen Rasen durch Convallaria japonica ersetzt ist, unter dem Schatten einer mächtigen, mit zahlreichen Zapfen bedeckten Libanon-Ceder empor, begrüssen, oben angekommen, noch den uns wohlbekannten Tulpenbaum [Liriodcndroii Tulipifera) neben schönen P^xemplaren von Acacia Julibrissin und Eucalyptus antygdalhia und gewinnen unter der freundlichen, uns zu Theil gewordenen Führung wieder die lange, mit Gemälden ausgestattete Gallerie des Schlosses. Zum Abscliied werfen wir von hier aus noch einen Blick auf eine wegen An- wesenheit der gräflichen Familie augenblicklich nicht zugängliche, nach Pallanza sich öff'nende Terrasse mit einem sehr stattlichen Taxodiuin distichum und mehreren ehrwürdigen Stämmen der Pyramiden -Cypresse [Ciipressus fastigiatd). So wenig die Isola bella in ihrer steifen und gekünstelten Gesammt- anlage, welche die Gartenkunst ganz in den Dienst des Architekten und Bildhauers stellt, unserem gegenwärtigen, im engen Anschluss an die Natur herangebildeten Ideal der Landschaftsgärtnerei entspricht, und so wenig auch vieles Einzelne im Sculpturen-Schmucke der Terrassen und in der Anordnung der Gewächse unseren Beifall finden mag, so werden wir doch zugeben müssen, dass sie den Styl, welcher so lange Zeit der allein- herrschende war, in wahrhaft grossartiger Weise zur Anschauung bringt. Es ist mit Rücksicht hierauf sehr ankennenswerth, dass die Anlage genau in der Form, in welcher sie ursprünglich geschaffen wurde, erhalten ge- blieben ist; ja, wir würden sogar wünschen, dass der Erhaltung der Grotten, L. Wittmack: Ausstellung de; Gartenbau-Gesellschaft Flora zu Dresden. 325 Steinumfassungen und Bildwerke, welche zum Theil schon deutliche Spuren des Verfalles an sich tragen, noch etwas mehr Mittel und Sorgfalt, als bisher, gewidmet würden. Mag die Zahl der Gärten an den italienischen Seen mit weiterer Hebung des Wohlstandes und Erleichterung des Verkehrs mehr und mehr zunehmen, und manche der jüngeren Anlagen die Borromäischen Inseln an Reichthum des Inhaltes und vollendeter Anordnung mit der Zeit über- treffen, immer werden diese durch den Vorsprung mehrerer Jahrhunderte, durch die geschichtlichen Erinnerungen, welche mit den älteren Theilen ihrer Vegetation auf das Innigste verwebt sind, ebenso wie durch ihre Lage ihren eigenartigen Reiz bewahren. (Schluss folgt.) Die Ausstellung der Gartenbau- Gesellschaft Flora zu Dresden vom 5. — II. April 1S82. Von L. Wittmack. ^gjine Ausstellung giebt den besten Begriff von dem Zustande der Gärtnerei in einem Orte — das ist ein alter anerkannter Grundsatz. Aber doch ist er nicht immer richtig. »Wenn das Geschäft im Herbst gut gegangen, sind unsere Frühjahrsausstellungen nur massig« sagte mir einer der grüssten Dresdener Handelsgärtner, und ähnlich mag es an manchen anderen Orten gehen. Trotzdem ist aber eine Ausstellung, und sei sie selbst nur eine mittelgrosse, für einen Fremden immer belehrend. So habe ich denn auch volle Ursache, mit einem Besuche der Dresdener Ausstellung, den ich am Charfreitage d. J. ausführte, zufrieden zu sein, zumal sich dabei eine Reihe sehr angenehmer Bekanntschaften und Besuche von Gärtnereien, unter der freundlichen Führung des Herrn Gartendirektor Krause und ganz besonders des Herrn Liebig, denen ich dafür meinen herz- lichsten Dank aussprechen möchte, am nächsten Tage anknüpften. Das Gebäude, in welchem die Ausstellungen der Gesellschaft Flora abge- halten werden, ist auf dem Terrain errichtet, welches der Gesellschaft vor einigen Jahren vom verstorbenen Könige von Sachsen zum Geschenk gemacht wurde. Es bildet ein Rechteck, ist aus Holz erbaut und im Innern von einigen hölzernen Säulen gestützt. Man beabsichtigt, sobald genügende Mittel vorhanden sind, ein grösseres, schöneres Gebäude zu errichten und hat in dem hinter der Halle be- legenen Terrain, das gleichfalls der Gesellschaft gehört, noch Raum genug dazu. Eine geschmackvolle Anlage nimmt den Platz zwischen dem Gitterthor an der Ostra- Allee und der Halle ein. Zur Zeit der Ausstellung hatten hier Koni- feren , Agaven etc., zum grössten Theil von Herrn Oskar Liebmann, Platz gefunden ; ausserdem auch Zelte, Geräthe aller Art und ganz besonders ein ver- besserter Pulsometer. Die Halle selbst eignet sich zu Blumen-Dekorationen vortrefflich. Man 326 L. Wittmack: betritt das Haus von der einen schmalen Seite am südlichen f'nde und übersah bei dem diesmaligen Arrangement zunächst ein flaches rechteckiges Beet, von dem aus dann das Terrain sich in zwei Stufen erhob, während an den Seiten- wänden Tische aufgestellt waren und im Hintergrunde die Königsgruppe als Schlussstein das Ganze krönte. Die Tische waren mit feuchtem Sande bedeckt und dieser mit Moos belegt; es dürfte das zur guten Konservirung der Pflanzen sehr dienlich sein. Auf dem erwähnten flachen Beet, gegenüber dem Eingange, hatte im Rasen Herr O. Liebmann eine blühende Cochliosteinma lacobiana ausgestellt, während Hyacinthen, Rosen etc. den übrigen Raum einnahmen. Die Hyacinthen direkt auf die f>de zu stellen, will uns aber nicht recht gefallen; zweckmässiger möchte es sein, sie auf Tischen oder Terrassen zu plaziren, damit man die Blumen mehr vor sich hat. O. Schreiber, der bekannte Züchter, glänzte auf der linken Seitenwand mit herrlichen, grossen Rhododendron: Gabriele Liebig, Purity (rein weiss) etc. (goldene Medaille). Dann folgte unter andern Karl Opitz in Gruna bei Dresden mit sehr schönen Cyclamen , darunter ein rothes Cycl. persiciiin mit ca. 73 Blüthenstielen. Nennen wir gleich hierneben die seines siegreichen Kon- kurrenten Robert Weissbach in Striesen (goldene Medaille), so haben wir bei diesem zweier Cyclaincn spkndens in ganz neuen Farben zu gedenken, eins lebhaft inkarnatroth, eins etwas dunkler getupft, endlich noch Gustav Berger in Dohna gleichfalls mit schönen Cyclamen spkndens. Bekanntlich war es ein Dresdener, Herr Rich. Mueller, welcher zuerst die Varietät C. spkndens aus C. persicum zog, und diese »splendide« Sorte hat wegen ihrer längeren Blüthenstiele und fleischi- geren Blätter ja so allgemein Eingang gefunden. Azaleen und Camellien, auf die ich mich besonders gefreut hatte, waren nur von wenigen Züchtern (Oskar Harte und R. Beyer in Striesen) ausgestellt, machten sich aber, da sie den erhöhtesten Theil des Fussbodens einnahmen, sehr hübsch. Es waren durchgängig gute Marktsorten: Siegismund Rücker, Kronprinz Ferdinand, Pluto, Helene Neumann etc.; Camellien fanden sich nur in einer Gruppe von H. Neumann, für sie war bei dem milden Winter, den wir gehabt, die Zeit vorüber. Von anderen Gegenständen sind besonders zu nennen: die Pflanzen der Königsgruppe, bestehend aus Dracaencn, Yucca, Arcca sapida u. s.w.; sie waren aus verschiedenen Hofgärten beigesteuert, ferner ein schöner Arbutus tiirbinata Fers, (andrachnoides Link) vom Kgl. Hofgarten-Direktor Krause (Oberg. Keller)*), die drei Anthnriinn Scherzerianum von W. Poscharsky, Hofgärtner des Prinzen Georg, die Farne und Alpinen aus dem botan. Garten, Direktor Prof. Drude, In- spektor Poscharsky; von Farnen z. B. Didymochlaena lumdata, Asien und tropisches Amerika, schön glänzend grün, Pteris repandiila , Allandotia i/mbrosa, Aneimia *) Hr. Stadt. Obergärtner Kohl (Dresden), dem ich, wie allen anderen freundlichen Führern, meinen besten Dank ?age, theilte mir mit, dass er, als er s. Z. in Miramare in Stellung war_ öfter Arbutus, Agaven etc. für Miramare zu Schiff ars Dalmatien geholt habe. Der Kaiser von Mexiko, resp. Erzherzog Maximihan, hatte in Dalmatien Besitzungen, in welchen sie wild wuchsen. Zur Zeit der Nordstürme (Bora) fuhr man mit grossen Frachtschiffen dahin und blieb oft einige Wochen da, bis ein günstiger Südwind wieder die Heimreise gestattete — ganz odysseisch. Diese glücklichen Besitzungen liegen gegenüber der Insel Lacroma, nicht fern von Ragusa. Auf den dalmatinischen Inseln benutzt man Agave ameruana und Opuntia, Ficus indica wie auf Sicilien zum Umzäunen der Felder, namentlich gegen die Ziegen. Ausstellung der Gartenbau-Gesellschaft Flora zu Dresden. ß27 laciniata, Hypokpis Endllcheriaiia . Bathciiihiin fraxinifoUum. Von Alinnen und Zwiebelgewächsen: Tritcleya uniflora, Atragcnc Sibirien, Cortusa MatthioU, Priinula acaulis alba, Primiila hirsuta, F. discolor, Arenaria balcarica und neben diesen ersten Frühlingsblumen ihre Schwestern aus Australien: Acacia diffusa, schon in einem kleinen Exemplar reich blühend, ferner A. li/ieata, arinata R. Br. etc. Neuheiten hatte einzig und allein Herr Oskar Liebmann (Dresden) aus- gestellt: Dracaena Lindeni, und zwar den Kopf einer importirten Pflanze, Blätter mit zwei breiten gelben Streifen zu beiden Seiten des Mittelnerven, sonst ähnlich wie die im vorigen Jahre (Monatsschrift 1881 S.421) beschriebene Aletris fragrans, die aber nur einen breiten Mittelstreifen hat, ferner in einem bereits 15 cm hohen Exemplare Gynura aurautiaca (Scnccio), eine Pflahze, die in der lliat den Ruf zu verdienen scheint, der ihr als Teppichpflanze vorausgeht. Es ist eine Com- posite mit einem wollig behaarten Blatte, die Haare röthlich violett schillernd etwa wie manche Gesncraceae, ein schöner Anblick im Sonnenschein. Dabei ver- mehrt sie sich leicht und wird gewiss bald allgemeine Handelspflanze werden. Von den Rosenzüchtern erhielt C.W.Mietzsce (Dresden) die goldene Medaille. Wir sahen hier sehr hübsche Hochstämme von: Olymp, Frecinay(?) (blassgelb), M"«- Eugenie Verdier, Reine Marie Henriette (rosa), Perle des jardins (gelb). Besonders interessirte es uns auch, hier die Rosen Grossherzogin Mathilde und Niphetos, diese beiden so viel umstrittenen Rosen neben einander zu sehen. Wir fanden, dass die Grossherzogin Mathilde, was ja auch allgemein bekannt ist, einen stärkeren steiferen Blüthenstiel besitzt und sich daher besser trägt, während Niphetos mehr geneigt ist. Mathilde hat auch einen dickeren Frucht- knoten, was eigendich selbstverständlich, da ja der Fruchtknoten der Rosen und Aepfel nur eine Verdickung der Achse, des Blüthenstiels ist; endlich auch stehen die Sägezähne am Rande des Blattes bei Grossherzogin Mathilde dichter; die Blume derselben ist bekanntlich etwas grünlich, weiss, bei Niphetos rein weiss. Niphetos muss in Dresden recht beliebt sein, denn wir sahen sie noch mehr- mals und einmal sogar eine kleine Gruppe, ganz allein aus ihr bestehend, von Herrn Albert Richter. Allerdings erreichte keine von allen ausgestellten die Grösse der uns von Herrn Harms in Hamburg gesandten, über welche wir nächstens einen besonderen Artikel bringen wollen. — Eine zweite grosse Rosen- sammlung fanden wir von Herrn Bernh. Haubold, auch in hübschen Exemplaren, eine dritte Gruppe endlich von H. Beck, Plauen. Gehölzveredelungen in reicher Sortenauswahl hatten die Baumschule zu Sidonienhof in Blasewitz, sowie Herr Stadtgärtner Degenhardt (Dresden), dem Dresden so viele schöne Anlagen verdankt, geliefert. Interessant waren die prächdgen Coleus des Herrn Hoffischhändlers Blembe (Dresden), die blühenden Pelargonien von Herrn Ludwig, denen sich zwei ähn- liche Gruppen aus dem Königl. Palaisgarten, Obergärtner Dittrich, als Pendant hinzugesellten. Einen hübschen Anblick gewährten auch die getriebenen Bohnen in Töpfen, mit Blüthen und Früchten reich beladen, ebendaher, desgleichen eine Chionanthes virginica, auf Esche im vorigen Jahre veredelt und jetzt schon blühend. Die Hyacinthen vom Handelsgärtner Kleber und vom Blumenhändler C. Rülcker, einem der ersten Blumengeschäfte Dresdens, hatten eine ausser- ordenrtiche Höhe erreicht, machten sich aber, wie schon erwähnt auf dem Erdboden aufgestellt, nicht so gut wie auf Terrassen. ■2 28 Joseph Klar: Carl F. Manewold (Dresden-Neustadt) l^atte mehrere reichblühende Exemplare von Clerodendron Balfouri , Oscar Liei^maxn noch Coniferen etc., A. Kuhn (Metzdorf bei Riesa) Formbäume ausgestellt, Hr. Gösskl Trüffel-Sporen und andere Pilzsporen zur künstlichen Zucht der Trüffeln; J. Schäme die Hortensie »Thomas Hogg«. In verhältnissmässig reicher Auswahl waren Airangements vertreten. So z. B. eine hübsche Ballgarnitur aus Blüthen der Cydonia japonica, und wirklich reizende Vorstecksträusschen aus braun-bunten Epheublättern, einer Theerose und zierlich herabhängenden Maiglöckchen, andere mit einigen herabhängenden vergoldeten Blättchen oder mit einigen vergoldeten Blättern durchwirkt, Alles von Julius Schäme sen. — Die goldene Medaille erwarb sich P. Mathes für hübsche Kissen, schöne weisse Kränze, einen Spiegel mit Stiefmütterchen etc.; Ernst Günther lieferte Schalen, Körbe, ein zusammengeknüpftes Taschentuch mit Blumen, Makart-Bouquets ; Carl Rülcker hübsche Jardinieren; Prugg- MAYER Todtenkränze, Kissen etc.; W. Sinniger jun. in Striesen Bouquets. Die kurze Wurzelpetersilie. Apium Petroselinum. Joseph Klar, Berlin. ^g^ine unscheinbare Gemüsepflanze, die ein jedes Kind, jeder Laie kennt und jeder Gärtner in seinem Garten, doch in den meisten Fällen nicht genug an- baut, auch ihr oft nicht genügend Aufmerksamkeit widmet. Häufig bekomme ich in meinem Geschäft zu hören, dass irgend einer meiner Klienten statt kurzer lange Wurzelpetersilie resp. deren Samen erhalten habe etc. etc., und da erstere beliebter ist als die lange, des zarteren süsseren Fleisches halber, so glauben die Herren in den meisten Fällen, dass hier ein Versehen vorliege oder dass man den Samen der kurzen nicht habe liefern können. Gehe ich nun auf die Antecendentien dieser Klagen näher ein, so wird mir in den meisten Fällen mitgetheilt, dass die Saat auf tiefgegrabenes oder rigoltes Land gestreut worden sei, wo die Petersilie der Ansicht der Kunden nach erst recht schön werden müsste. Letzteres bestreite ich auch nicht, doch ist es eine bekannte Thatsache, dass das gesammte Wurzelgemüse auf lockerem Boden stets längere Wurzeln ausbildet als auf festem Boden. — Da nun die kurze Wurzelpetersilie, wie schon erwähnt, beUebter ist als die lange und namentlich aus dem Grunde mehr gezogen wird, da sie bestimmt dazu ist, dem Gärtner im Winter die grüne Petersilie zu liefern, indem sie nicht so viel Raum einnimmt, das Beet also, dessen man sich bedient, auch nicht so hoch zu sein braucht, so möchte ich hier einen kleinen Fingerzeig zur Erhaltung einer schönen Rübe geben, der es ermöglicht, dieselbe nach Wunsch lang oder kurz zu ziehen. Ich säe den Samen, von welchem ich voraussetze, dass er von im Einschlag, nicht im Freien überwinterten kurzen Wurzeln herrührt, im Monat März in einen warmen Kasten, der zur Aufnahme von Karotten etc. bestimmt, zwischen die letzteren dünn aus, nehme die Pflanzen, sobald sie gross genug sind und die Witterung es gestattet, heraus und pflanze sie auf die Art wie Sellerie (Knollen) auf Beete in ca. 25 cm Entfernung aus. Die Wurzeln sind, was ich nicht zu vergessen bitte, ziemlich stark einzuschneiden Die kurze Wurzelpetersilie. 3-0 und sind nur so lang zu lassen, wie man dieselben später zu haben wünscht, da diese' nunmehr nur in die Dicke, nicht aber mehr in die Länge wachsen. Die Herren Gemüsegärtner werden vielleicht lachend den Kopf schütteln und sagen, da hätten wir viel zu thun, wenn wir diesem Artikel, der als Nebensache bei uns behandelt wird, solche Aufmerksamkeit schenken sollten, da würden wir nicht mit Pflanzen fertig werden, und soviel bringt uns das nicht ein etc. etc., Einwände, denen ich aber sicher entgegentreten kann. Vor allen Dingen lege ich mir die Frage des Bedarfs und dann die des Nutzens vor. Was den Bedarf anbetrifft, so ist wohl das konsumirende Publikum sich darüber klar und bedarf derselbe keiner Erörterung, das Kraut ist in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Belgien etc., man kann sagen in Europa unentbehrlich, fast wie das Salz. Da der grosse Konsum also festgestellt, so ist auch über den Nutzen meiner Ansicht nach keine Frage mehr. Ich möchte die Herren Gärtner in der Stralauer Gegend bei Berlin einmal fragen, welchen P^rtrag ihnen die grüne Petersilie wohl bringt, namentlich diejenige, die sie unter der Stellage im Kalthause, im Verein vielleicht mit Champignon, an einer Stelle, wo doch nichts mehr mit Erfolg gezogen wird, aufbewahren. Das Brennholz für die Häuser wirft es entschieden ab und noch Einiges mehr. Ist das aber nicht genug, wenn der Gärtner auf diese Weise ohne grosse Auslagen einen Raum ausnutzt, der ihm so ziemlich nichts eingebracht hätte? Kosten nicht Holz und Kohlen in strengen Wintern viel Geld? Bringt denn eine Selleriepflanze, die auch warm ausgesäet und später verpflanzt werden muss, mehr als eine Wurzelpetersilie? Ich bezweifele dies. Der Raum zwischen der frühen Karotte oder Mohrrübe kann ebenfalls nicht besser ausgenutzt werden als auf diese Weise, selbst wenn man ein Mistbeetfenster extra hierzu nähme. Das Aus- pflanzen ins Freie, das häufig von Frauen verrichtet wird, geht aber, wenn angelernt, so schnell von statten, dass selbst diese Kosten sich da noch rentiren, wo die Petersilie im Sommer als Wurzel auf den Markt kommt, nach- dem sie schon vorher wiederholt des Laubes behufs Grünverwerthung beraubt wurde. Bei Ueberwinterung im Einschlag sei man mit der genannten kurzen Art etwas vorsichtiger, da sie zarter ist und leichter in Fäulniss übergeht. — Auf diese Weise gebaut, erhalte ich eine schöne kurze Wurzel ohne viele Faserwurzeln, die sich schliesslich noch in kleinen Blumentöpfen in jeder Küche zum sofortigen Gebrauch konserviren lassen. Man hat häufig Gelegenheit, in topfähnlichen Gefässen, zertrümmerten Kannen etc. meist die langen Wurzeln, bei ärmeren Leuten gar im Wohngemach aufbewahrt zu sehen, häufig noch dazu ohne Laub. Die sellerieartigen kurzen Wurzeln, deren Bestreben, Laub zu erhalten, ein, ich möchte sagen, intensiveres ist, werden aber bei einiger Aufmerksamkeit in der Behandlung sowohl Gärtner wie Laien durch ihre Erfolge zufrieden stellen. — Grüne Petersilie lässt sich auch für den Winter trocknen, d h sie wird im Sommer abgeschnitten und im Schatten getrocknet und dann trocken aufbewahrt. Das Ausland bringt auch trocknes Suppengemüse, dessen Bestandtheile ich allerdings nicht genau kenne, in den Handel und hiesige bessere Kaufleute führen dasselbe bereits seit mehreren Jahren. Weshalb könnte das nicht auch bei uns hergestellt werden? 330 B. Strauwald: Hebung der Unfruchtbarkeit unserer Obstbäume. Beitrag zur Hebung der UnfrucMbarkeit unserer Obstbäume. Von Bruno Strauwald in Leobscliütz. '^^n neuerer und jüngster Zeit wurden von anerkannt tüchtigen Obstzüchtern, unter Anderen auch von Herrn Garteninspektor Lämmerhirt in Dresden dem Obstbau treibenden Pubhkum verschiedene Rathschlage ertheilt, wie periodisch oder dauernd unfruchtbare Obstbäume zu behandeln seien, um sie in Frucht tragende umzuwandehi. Von den Obstarten neigen vornehmhch die Kernobst- arten zur Unfruchtbarkeit hin und können dieselben aus verschiedenen Gründen unfruchtbar sein. Sehr häufig bildet ein zu starker Holztrieb die Ursache dieser Kalamität und um diesen zu bändigen, wird von vielen Fachmännern eine Kürzung der Wurzeln empfohlen. Ich bestreite nicht, dass dieses Mittel, wenn mit Verständniss und Geschick ausgeführt, seinen Zweck erfüllt; die Anwendung desselben wird aber trotz aller Fmpfehlung nur selten geschehen, weil es, gerade herausgesagt, den Meisten zu umständlich und beschwerlich ist; nur passionirte Obstzüchter werden sich dieses Mittels bedienen. Seit einer Reihe von Jahren habe ich mich speziell mit Obstbau beschäftigt und mir so manche Erfahrungen gesammelt. In einer meiner bisher innegehabten Stellungen fand ich bei meinem Antritt eine grosse Zahl edler, meist hoch- und halbstämmiger Obstbäume vor, deren Pflege mir speziell übertragen wurde ; von diesen waren circa 9 Stück im Alter von 13 bis 20 Jahren stehend, welche in Folge eines zu stark entwickelten Holztriebes so gut wie noch Nichts getragen hatten. Diese Bäume standen allerdings in Boden erster Klasse, welcher überdies noch alljährlich behufs Ge- müsebaues mit Stalldung gedüngt worden war. Mitte März nahm ich nun diese Bäume in besondere Behandlung und zwar in folgender Weise. Wie ich schon erwähnte, hatten diese Bäume einen stark entwickelten Holz, trieb. — Die Leitäste resp. Leittriebe Hess ich unberührt; dagegen wurden die üppigen Seitentriebe, je nach Länge, einmal oder zweimal über der Messer- klinge gebrochen. Durch diese Manipulation ward der Baum geschwächt und es bildeten sich noch im Laufe des Jahres an den belassenen Theilen dieser jährigen Seitenzweige eine grosse Anzahl von Holzaugen zu Fruchtaugen und Fruchttrieben um, welche mir in den nun folgenden Jahren reichlich und dauernd Früchte lieferten. Sehr gut ist es, wenn man dieses Brechen der Triebe auf zwei Jahre, bei sehr grossen Bäumen auf drei Jahre vertheilt, damit eine zu grosse Saftstockung vermieden wird. Stehen zwei Holztriebe in unmittelbarer Berührung, so wird der untere auf Holz, d. h. auf zwei bis drei Augen ge- schnitten, der obere dagegen auf Frucht gebrochen. Sobald die Brechwunden vernarbt, werden die abgebrochenen, nur noch lose haftenden Theile der Triebe, welche zu dieser Zeit abgetrocknet sind, weggeschnitten. Bemerken will ich noch, dass beim Brechen dem stehenbleibenden Theil des Triebes mindestens eine Länge von 15 — 18 cm belassen werden muss, sonst würde unsere Be- mühung gerade das Gegentheil von dem hervorrufen, was wir bezweckten. Dendrophilus : Der wilde Garten. ß^I Möchten diese Zeilen die verehrten obstbautreibenden Leser dieser Zeitung veranlassen, in gegebenen Fällen in derselben oder in ähnlicher Weise zu ver- fahren; von der Zweckmässigkeit meiner Methode zur Behandlung üppig wach- sender, unfruchtbarer Obstbäume wird sich ein Jeder bald überzeugen. Der wilde Garten. Von Dendrophilus. ( Fortsetzung.) Ueber die Verwendung von Farnkräutern. ^wvVj enige Pflanzen giebt es, welche in ihrer ganzen Gestalt und Gliede- rung so graziös sind, wie die Farne, weniger noch, welche so geringer Pflege bedürfen, wenn sie einmal richtig etablirt sind. Ausserdem besitzen sie noch die vorzügliche Eigenschaft, grade an solchen Stellen zu ge- deihen, für v/elche sich nicht viel andere Pflanzen finden lassen. Aller- dings dürfen wir nicht ohne Wahl darauf los pflanzen, denn schwerlich würde es uns gelingen, eine der Sonne preisgegebene Mauer mit dem Fig. 83. Atliyriuin filix fentina. Königsfarn (Osmunda regalis) zu krönen oder ein Torfmoor mit Engelsüss (Polypodium vulgare) zu überdecken. Wir haben grosse ornamentale Farne für feuchte, ja ganz nasse Stellen und die reizendsten kleinen Gestaltungen, welche sich zu niedlichen Damen- arbeiten eignen, wie das Bekleben von Briefbogen, Lampenschirmen und dergleichen, endlich solche, welche an trockenen sonnigen Stellen zu Hause sind. Haben wir diese Zierden unserer Gärten also erst nach ihren Gewohnheiten kennen gelernt, so werden wir auch viele Plätze damit ver- schönern können. Auf welchem Gutshofe z. B. gäbe es nicht irgend eine wenig schöne Mauerecke, hinter der absolut kein Busch gedeihen will, um sie zu decken? Der Hollunder selbst wird dort so hochbeinig und unten kahl, dass es ein trübseliger Anblick ist; alle seine jungen Triebe und Blätter streben nach oben, nach Luft und Licht und unterwärts riecht es stets Garten-Zeitung 1882. 332 Dendrophilus ; nach nutzlosen vermoderten Pilzen. Fort mit ihm, er erfüllt seinen Zweck nicht! Statt seiner legen wir uns hier eine P^arn-Colonie an! An vielen solchen düsteren Plätzchen finden sich schon seit Jahren angesiedelte Müllhaufen vor, ist es nicht der Fall, macht es keine grosse Mühe einen solchen von ein bis anderthalb Metern Höhe zu etabliren. Unten hin Scherben, Schlacken, Kohlenasche, kurz loses durchlassendes Zeug, darüber zwei bis drei Hände hoch P2rde, wenn es sein kann, etwas sandigen Lehm. Auf diesen Stammkörper unserer Anlage packen wir uns, so grotesk als möglich, grosse Steine. Wer's haben kann, nehme Tuffsteine; zusammengebrannte, werthlos gewordeue Ziegelklumpen von irgend einem Feldbrande oder aus jedem beliebigen Ziegelofen thun aber dieselben Dienste, auch rohe Kalkbruchsteine oder Findlinge irgend einer Art, nur seien sie nicht zu klein. ¥\g. 84. Aspidhiin aiigulare. Fig. 85. Osnntnda res^alis. Wir packen so, dass sich zwischen den Steinen bequeme Nester bilden, die wir dann schliesslich noch mit der Bodenart füllen, welche jeder ein- zelnen Art, die wir ansiedeln wollen, am besten behagt. Können wir's einrichten, dass irgend ein Wasser -Abfluss (nicht Schmutzwasser, sondern vom Brunnen oder der Leitung) unsern Berg hier und da überrieselt, ohne ihn zu durchweichen, desto besser. Unten kommen stets die Farne hin, welche am meisten Feuchtigkeit lieben, — wir nennen sie später — oben die weniger durstigen. Wenn's geht, machen wir uns unsre Anlage im Spätherbst und über- lassen es dem Winterschnee, sie zu durchfeuchten und so compact zu machen, dass später nichts mehr einsinkt. Im Frühjahr gehen wir ans Bepflanzen. Es ist aber gar nicht nöthig, solchen künstlichen Berg herzustellen. Wenn wir uns nur richtig umsehen, finden wir gewiss passende Plätze in Menge. Auf vielen Dörfern giebt es Brunnenhäuschen, welche an irgend einen Der wilde Garten. n '^ -j Abhang gelehnt sind; innen und aussen bieten sie meist die schönste Gelegenheit für P'arne, die Seiten von Hohlwegen, Feldränder, an welchen die abgelesenen Steine zusammengetragen sind, wie man sie in Pommern so viel sieht, die holsteinischen Knicks (Hecken), ausgetorfte Wiesen- stellen, wo sie sich an höheres Land schattig anschliessen, frische Stellen im Walde, selbst unter Kieferbeständen, Waldwiesen und Brücken, alle können sie uns dienen. Den grössten Genuss bei der ganzen Anlage bereiten wir uns aber durch das Sammeln der Farne. Man könnte wohl sagen: durch die >■ Farn -Jagd « , denn hat man erst Blut geleckt, so wird man bald so passionirt, als wäre man auf der Fährte eines edlen Stückes Wild. Farn-Jagd kann man zu jeder Jahreszeit betreiben, am meisten Genuss bereitet sie im Sommer, am zweckmässigsten ist sie im Frühjahr, wenn eben die ersten Wedel an zu treiben fangen. Fast alle P'^arne lassen sich Fig. 86. PolypoJhtin vulgare. Fig. 87. PolystuIiHin ftlix uias. sehr leicht verpflanzen. Allerdings darf man im Sommer nicht darauf rechnen, die vorhandenen Wedel zu erhalten, am besten schneidet man dieselben sofort kurz ab, um sich den traurigen Anblick des Abwelkens zu ersparen, bald aber bricht neues Grün hervor. Hat man schon einige Kenntniss der Farne erlangt, so kann man auch zur Winterszeit, wenn kein Schnee liegt, nach abgetrockneten Wedeln suchen und so die Farne auffinden. Am zweckmässigsten bleibt das erste Frühjahr, beim Beginn des ersten Triebes, weil man dann die Pflanzen sofort an die für sie be- stimmte Stelle bringen kann und sehr bald den Erfolg vor Augen hat. Sammelt man zu einer anderen Zeit, so thut man gut, die Rhizome mit möglichst gut erhaltenen Wurzeln, zunächst an einer schattigen Stelle des Gartens einzuschlagen, d. h. sorgfältig mit Erde zu decken, so dass nur die Krone frei bleibt, dieselben massig feucht zu halten und erst auf ihren Platz zu pflanzen, wenn 2—3 Wedel beginnen ihre zusammen- gerollten Köpfe zu zeigen. Als Handwerkszeug brauchen wir bei der Farn-Jagd einen geräumigen 334 Dendrophilus : Korb, oder besser, deren zwei, in welche die Farnwurzeln in feuchtes Moos oder abg^eschnittene Wedel gepackt werden. Ein Deckel oder eine Matte zum Bedecken ist nothwendig, denn alle Farne welken sehr leicht; ferner brauchen wir einen Handspaten und ein starkes Taschenmesser. Die Rhizome der Farne liegen nicht tief, sind aber oft zwischen Baum- wurzeln eingeklemmt, drum darf unser Plandwerkszeug nicht zu schwach sein. Wer nicht in der Lage ist, selbst zu sammeln, oder in seiner Nach- barschaft sammeln zu lassen, erhält bei dem nächsten reellen Handels- gärtner leicht Auskunft, woher Pflanzen zu beziehen sind, denn diesen gehen die gärtnerischen Annoncenblätter zu, in welchen sich Sammler bemerkbar machen. Auch ist Dendropiulus bereit, solche mitzutheilen. Das Hundert guter starker Rhizome kostet zwischen 2 und 10 oli, je nach der Seltenheit der Art. Fig. 88. Scclopc/tdrhim ofßcinanini. Fig. 89. Strutiopteris germanica. Bei der Anpflanzung ist es gut, GoETIlE's Wort zu beherzigen: »In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.« Denn nichts ist fehlerhafter als zu viele und besonders zu viele Arten anzupflanzen. Kommt es nur darauf an, Hässliches zu decken, so pflanze man reichlich und hauptsächlich von einer Art. Was da gerade am leichtesten zu haben ist genügt: Farnkraut- Männchen (Wurmfarn) Aspidium filix mas, oder das Farn- Weibchen, Athyrium filix femina. Auch die Schildfarne, Aspidium aculeatum u. A. angulare so wie der Adlerfarn, Pteris aquilina, eignen sich zur Massenpflanzung sehr gut. Will man aber ein hübsches, ansprechendes Bild erzielen, so pflanze man so locker, dass auch hier und da die Steine sichtbar bleiben und andere Pflanzen Platz haben, denn es giebt einige, die sich den Farnen sehr gut zugesellen lassen. Um die Masse des Grüns bei einer Deckungsanpflanzung durch ein P^arnkraut von etwas anderem Habitus zu unterbrechen, pflanze man hier und da einen Trupp — oder bleiben wir lieber bei dem gärtnerischen, wenn Der wilde Garten. 535 auch plattdeutschen Ausdruck »Druf« — Straussfarn, Strutiopteris ger- manica dazwischen. Ich bemerke hier ein für alle mal, dass jedes Farn- kraut bei uns so viel deutsche und lateinische Namen hat, dass darin eine heillose Verwirrung herrscht, sodass ich nur in seltenen Fällen mich darauf einlassen kann, Synonyme zu geben. Ich wähle die Namen, welche mir als die landläufigsten erscheinen. Die oben genannten Farne sind verhältnissmässig am härtesten und genügsamsten und vertragen in Bezug auf Feuchtigkeit einen weiteren Spielraum als andere. Für ganz nasse, moorige Stellen eignet sich der Traubenfarn, Osmunda regalis, bis 1,50 m hoch und sehr ornamental, die Hirschzunge, Scolopendrium officinarum, am liebsten mit etwas Beimischung von Lehm. An feuchten Stellen auf Nadelerde und auf Torf wächst das unent- behrliche Blechnum boreale (Spicant). Unter dem Moose der Felsen kriechen die Rhizome des Engelsüss, Polypodium vulgare dahin, welches auch fast in jeder anderen Lage gedeiht, mit Ausnahme des reinen Moors; am behaglichsten fühlt es sich im Schatten, in verrotteter Laub- und Holzerde, der ein wenig Lehmklümpchen beigemischt sind. Man findet es z. B. auf Baumstubben, ja selbst auf lebenden Bäumen in alten Astlöchern, wo es sehr zierlich wirkt. Um nicht selbst an meinem GOETHE'schen Citat zum Sünder zu werden, nenne ich heute keine weiteren Namen, behalte mir aber vor, diejenigen Arten, die für sonnige Mauern geeignet sind und einige besonders schöne Varietäten der heute genannten Arten, deren es viele giebt, demnächst zu besprechen. Pflanzt man Farne, so benutze man nie zu feine Erde, die meisten gedeihen in einer Mischung von Lehm und Torf mit dem gehörigen Zusatz von Sand, etwa ^/j des Ganzen. Man zerbröckele den Lehm in Stücken von Erbsen- bis Nussgrösse, ebenso den Torf, mische Grobes und Feines durcheinander, bringe den Sand hinzu, (wenn Lehm und Torf sehr fett sind selbst bis zu '/g des Ganzen) und pflanze alle Arten hinein, für die nicht besondere Rathschläge gegeben sind. Zu Anfang halte man nie zu nass, erst wenn sich Leben zeigt, gebe man reichlicher Wasser. (Wird fortgesetzt.) Correspondenzen. Gartenbauvereins-Sitzung in Ratibor am 7. Mai 1882. Der Vorsitzende, Herr SCHLIEßEN, eröffnete dieselbe bei erfreulicher Betheiligung und legte die eingegangenen Schriften vor. Herr Kunert trug das Protokoll über die letzte Sitzung vor, welches genehmigt wurde. Diesem folgten Vorträge aus Gartenbauschriften durch Herrn Oppler: I. über eine neue Obstveredelungs- Methode mit grünem Edelreis im Juni; 2. Recht- fertigung des Spatzes ; 3. Beitrag zur Kultur der Obstbäume im Topfe und 4. über mit Karbol- säure in Verbindung gebrachtes Wasser, wie i zu 100, zur Vertilgung schädlicher Insekten bei ■}if) Correspondenzen. der Obst-, Gemüse- und Blumen-Kultur. Um dem Vorsitzenden nicht die Zeit zu rauben, damit derselbe die im September er. bei Gelegenheit des 25jälirijI"<'H Vereins -Jubiläums proponirte Gartenbau-Ausstellung zum Vortrage bringe, schloss Referent die weiteren Mittheilungen. Ein- zelne der vorgedachten Themata wurden lebhaft diskutirt, wobei Herr Dr. Müntkr zur Vertilgung der Würmer in Blumentöpfen nachstehendes Mittel als probat befunden hat: lo bis 12 Stück wilder Kastanienfrüchte zerkleinert und in einem I,itcr Wasser gekocht, dies abgekühlt und damit die Erde Vjegossen, kommen die Würmer sofort zum Vorschein. Ob die jetzt zu pflückende Kastanienblüthe so IjehandeH, eben diese Wirkung hervorbringe, müsste er- probt werden. (Anmerkung des Referenten: dagegen die Blüthen in eine Bierflasche gebracht, diese damit vollgefüllt und darauf gogrädigen Spiritus gegossen und dies bei offener Flasche ziehen gelassen, ist derselbe ein bewährtes Mittel als Einreibung bei rheumatischen Leiden. Der Spiritus wird nämlich nach 8 Tagen abgezogen , die Blüthen werden ausgepresst und der Spiritus mit jenem vermischt, in einem Fläschchen zum öfteren Gebrauch aufbewahrt.) Aus- gestellt hatten: Herr Oberst-Lieutenant StÖCKEL: Ächyraiithtis Verschaffelti bei Wasserkultur; eine Kleeart, Medicago maculata, welche in Egypten, fast im ganzen Orient, Belgien, Istrien und auch im Elsass kultivirt wird; Herr Stabsarzt Dr. Munter 3 blühende Begonien, Petunien, 3 Stück Topfrosen, Euphorbia splendens, Agave, Lantana und mehrere abgeschnittene Tulpen; die Kunst- und Handelsgärtnerei SCHLIEBEN & Fr.\NK blühende: Spiraea japonica , Richardia tiiaculata, Ixia erocnta, Prunus chinensis flore pleno, Pancratiuni illiriaim, Priimtla farinosa und mehrere Töpfe blühender Cyclamen persicuin; Herr Kunert abgeschnittene kleine weisse Rosen: Paquerette ; Herr Pfarrer BowROTH in Ostrog ein prächtiges, selbst gezüchtetes Edelweiss, LeontopodiuDi alpinum; Herr Arlt 20 diverse Sorten seiner vielen Zier! äume und Sträucher in Blüthenzweigen und Herr Oppler blühende Orchis maculata und militaris, sowie geniessbare und wohlschmeckende Eichelfrüchte aus Texas. Herr SCHLIEßEN noch einen Mus aus Khabar- /'(7;--Blattstielen , welcher zimi Verkosten präsentirt wurde.*) Herr Oberst-Lieutenant Stöckel referirte auch noch über ein Fliegen-Vertilgungsmittel: Man stelle Ricinus communis oder africaniis in Töpfen in's Zimmer, die Fliegen, welche den Saft der Blätter saugen, sterben sofort. Frübjalirsfröste. Guben, den 29. April 1S82. Wir können das Gleiche wie vom Elsass sagen; — 3^R. nach dem Minimal-Thermometer und zwar am 8. April, und dennoch kein grosser Schaden; einige Süsskirschen, Spillinge (Lin- dower Pflaume in Werder genannt), Pfirsich, auch einzelne fremde Birnensorten haben gelitten. An W^allnüssen sind nur die Spitzen erfroren, da die übrigen Knospen noch zu weit zurück waren, Wein hat fast gar nicht gelitten, aber die Pfirsiche, die Spillinge, die anfangs gänzlich erfroren schienen, ebenso die Süsskirschen, haben sich durch einige spätere Blüthen, die be- sonders unter dem Zweige sassen und von den anderen Blüthen geschützt wurden, noch erhalten, so dass auch diese noch zur Genüge ansetzten, Aepfel scheint es nur wenige geben zu wollen. Da die Bäume im vorigen Jahr reich trugen, ruhen sie dieses Jahr. Man bemerkt auch, dass gerade die Bäume, welche im vorigen Jahre so reich trugen, in diesem Jahre sehr spät lebendig werden. Es scheint hier förmlich wie beim Menschen, der nach grosser Anstrengung auch länger schläft. P. S. Am 19. /20. Mai waren F'röste, die Bohnen und Kartoffeln, selbst Weinblättern, schadeten. L. Groth. Aus Tiflis. Tiflis, den 27. April 1882. »Und der Regen regnet den ganzen Tag.«: Nach dreimonatlicher Dürre giesst es seit 8 Tagen fast unaufhörlich, unsere Bergstrassen sind Cascaden, in der Stadt und in den meisten Häusern sitzt man oder liegt im Bette be- *) Es wäre sehr zu wünschen, dass das so wohlschmeckende Rhabarber-Compot, das ähnlich schmeckt wie Stachelbeer-Compot, im Innern von Deutschland mehr Eingang fände. D. Red. Correspondenzen. '^'17 waffnet mit Regenschirmen. Wir werden kolossales Hochwasser bekommen, denn auf den Hoch- gebirgen lagern noch gigantische Schneemassen, Dr. Sievers, der vor 8 Tagen von Petersburg kam, erzählte, dass der Weg durch mehrere Meter tiefe Schnee-Ausgrabungen führe. Trotz alledem kam Ihre schöne Zeitschrift Mai-Heft richtig an und icli konnte der Versuchung nicht widerstehen , um einige der gütigst ofFerirten Sämereien zu bitten ; wogegen Ihnen ein Päck- chen Samen mit Post zuschicke, hiesiger Produktion.*) Könnte ich sonst mit etwas dienen für das dortige Museum, so bitte über mich zu verfügen, ich thue es gewiss gern. Den Auszug des Phylloxeraberichtes werden Sie schon in Händen haben;**) nach dem Interesse zu schliessen, welches der Congress von Sewastopol an diesen Arbeiten genommen, wird es auch für West-Europa nicht ganz ohne Interesse sein, den Gang der Dinge zu ver- folgen, und werde seiner Zeit, d. h. im Julimonate berichten, welche Wirkung eine 6 monatliche Unterwassersetzung des Terrains der Weinpflanzung hatte. Ich hoffe Ihnen dieser Tage einige Abbildungen asiatischer P'rüchte zusenden zu können, von denen Herr Oek.-Rath SrAETii die Sortenbäume besitzt. In diesem Frühjahre habe ich neue Sorten Obst in veredelten Bäumen bekommen aus den besten Obstgegenden Hoch-Ar- meniens und Dagestans, Nurun-Burun Birne, Ulipfirsich, Tiharali rothe Pfirsich, Abay Begi echte Birne und 4 Sorten Kischmisch (Rosinenwein) von Wagarschapad (Eriwan), das sind köstliche Sachen, die noch Niemand kennt in Europa.***) Wie ich höre, soll die Phylloxerasperre für Russland aufgehoben , oder doch so modificirt werden , dass der Verkehr wieder möglich wird. Doch das wissen Sie wahrscheinlich schon genauer. Man bietet mir an zu kaufen eine Collection prachtvoller Hirschgeweihe von 8 — 18 Endern, das Stück 5- — 6 Rubel, etwa 40 Stück; im Sommer ist der Transport billiger als im Winter und es sind wahre Cabinetstücke. Haben Sie dort vielleicht Verwendung, es wäre Schade, wenn das verloren ginge. H. Scharrer. Fischbach (Schlesien), den 9. Juni 1S82. Wir leben hier in trauriger Nässe. Das Getreide stand über mannshoch, liegt aber jetzt darnieder. — Obst giebt es vielleicht etwas, da unsere Blüthe nach den Spätfrösten kam. Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues feierte am Mittwoch den 21. Juni, dem Stif- tungstage des Vereins, sein 60 jähriges Bestehen durch einen Ausflug mit Damen nach dem so herrlich am Ufer der Havel belegenen Wannsee, wobei Herr Geh. Commerzienrath Conrad, der Schöpfer dieser Villen-Colonie, den freundlichen Führer machte. Interessante blühende Pflanzen. Im April und Mai 18S2. 1. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin Ende Mai 1882. Ausgestellt in der Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues vom 25. Mai durch Garten-Inspector Perring. I. Pflanzen aus dem subtropischen Australien und Neu-Seeland: Fuchsia procumbens R. Cunn. Stylidium ornatum. Hibbertia amplexicaulis Steud. Billardiera melocarpa F. Müll. Pimelea ferruginea Labill. Dillwynia ericifolia Sm. var. pliylicoides. Andersonia sprengelioides R. Br. Chorizema Chandleri. *) Sind richtig angekommen, verbindlichsten Dank! Es sind Abies Nordmanniana, Abies Orientalis und Beeren eines dort wildwachsenden Weines. Proben stehen den Mitgliedern zu Diensten. **) Ist leider nicht eingegangen. ***) Herr Inspector Lauche in Wildpark bei Potsdam hat Reiser der meisten dieser Sorten von Herrn Scharrer erhalten. 338 Interessante blühende Pflanzen. Thomasia macrocalyx Steud. Dracophyllum gracile R. Br. Bauera rubioides Andr. Thomasia cognata Steud. Boronia elatior. Bartl. 2. Tropische Orchidaceae und andere Wa rni haus pflanzen: Odontoglossum Reichenheimii. Lindl. Mexico. , Gesnera splendens. Saccolabium guttatum splendens Lindl. Java. | Anthurium Scherzerianum Schott. Central- Amcrika. j Ataccia cristata Hook. Trop. Africa. Cyrtoceras reflexa. 3. Orchidaceae des freien Landes und Alpinen: Chorizema diversifolium var: spectabile. Pultenaea prostrata Benth. Boronia alata Sm. Eurybia nitida var: dentata Hook. Ismene Macleana Herb. Brasilien. Oxalis Ortgiesii Regel. Peru. Gesnera Donkelaari. Nidulnriuni fulgens. Cypripedium parviflorum. D occidentale. Ophrys expansa. » exaltata. Campanula thyrsoidea. Gelasine azurea. Saxifraga bronchialis. Saxifraga granulata L. fl. pl. Ixiolirion tataricum Pall. C. Asien. (Ama- ryllidaceae.) Arisaema ringens Schott. Japan. (Araceae.) Saxifraga muscoides Wulf, var: atropurpurea. Primula japonica. 4. Andere Kalthau s pflanz en: Pelargonium holosericeum elegans Cap. Fuchsia boliviana. Süd-Amerika. Pernettya mucronata Gaudich. (Ericaceae.) Cap Hörn u. Magellanstrasse. Statice sinuata Cap. (Plumbaginaceae.) Gynura aurantiaca. (Senecio sp. Ceylon.) Cypripedium Dayanum. » Sedeni. » barbatum Crossii. Dendrobium Freemannii. » nobile. » transparens. Epidendrum aurantiacum. Masdevallia amabilis Pleurothallis semipellucida. Trichopilia tortilis. Ada aurantiaca. Bifrenaria Harrissoniae. Cattleya Acklandiae. ^ labiata Mossiae. ■» amethystina. Dendrobium Arysotoxum. * Gibsoni. Cypripedium Argus. » barbatum majus. . Im Königl. Berggarten zu Herrenhausen. Im April 1882. Mitgetheilt vom Oberhofgärtner H. Wendland. Vanda suavis. Aiphanes (Martinezia) caryotifolia. Pandanus furcatus. (^ Encholirion Yongii. Carludovica Hookeri. » Sartori. Griffinia Liboniana. » Blumenavii. Curcuma Zedoaria. Homalonema Wendlandii. Im Mai 188 1002. Cypripedium Boxallii. » Sedeni. Zygopetalum gramineum. Lacaena bicolor. •» spectabilis. Laelia cinnabarina. » purpurata. Maxillaria grandiflora. Masdevallia Lindeni. Interessante blühende Pflanzen. jo9 Masdevallia octodes. » nycterina. I'hnlaenopsis Lüddemanniana. Promenaea xanthina. Stanhopea Martiana. Cirrhopetalum Grifhthianum. Utricularia montana. Tillandsia Zahnii. Billbergia rosea. Acanthonhyza \Varscevviczii. Anthurium Antlreanuni. Agave densifloia. " xalappensis. 3. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Ende April 1882. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Unter der grossen Anzahl blühender Gewächshauspflanzen ragten durch besondere Schön- heit hervor: übergehend, zahlreich an den Spitzen der sehr elegant überhängenden Zweige. Ein Prachtstrauch ! Chorizema varium ilicifolium, Fahne rostfarbig, F'lügel dunkelkarmin, reichblühend und sehr schön. Cineraria hybrida, einfach und gefüllt, in den leuchtendsten Farben. Clianthus magnificus, Scharlach. Darlingtonia californica, durch Blüthen und Blätter gleich interessante Pflanze, wird hier mit bestem Erfolg das ganze Jahr hindurch im kalten Kasten kultivirt. Erica imbecilla, schneeweiss, sehr zierlich. Eriostemon intermedium, weiss. Eutaxia myrtifolia, gelb mit braun schattirt. Fabiana imbricata, weiss. Ilabrothamnus Neweli, Scharlach. Hermannia candicans, orange. Hibbertia perfoliata, gelb. Pimelea decussata, rosa. » elegans, weiss, Antheren weit vor- stehend, orange, was die Schönheit der Blu- men sehr hebt. Prostranthera violacea, violett, sehr zierlich. Rhododendron Edgeworthi, weiss, grossblumig, sehr schön. j) Smithi, leuchtend karmin. Salvia boliviensis, Scharlach. Orchideen: HouÜetia Broklehurstiana. Masdevallia ignea. B r o m e 1 i a c e e n : Encholirion Saundersi. Tillandsia Zahni. Andere Warmhauspflanzen: Crinum ornatum Herbertianum, weiss mit hell karminrothen Streifen, sehr schöne, zarte Blume. Euphorbia splendens, Scharlach. Gesneria refulgens, Scharlach, leuchtend. Gloneria (Rynchospermum) jasminoides, rein- weiss, wohlriechend, sehr gut für Bouquets. Russelia multiflora, Scharlach. Pflanzen der kalten und temperirten Häuser: Abutilon, diverse Arten und Abarten. Abelia floribunda, dunkelkarmin, sehr reich- blühend. Acacia armata, » neriifolia Aotus lanigera, gelb. Aphelexis humilis, karmoisinscharlach. Campylea coronipifolia, karmin und weiss. Cantua dependens Pers. (buxifolia Lam.) Po- lemoniaceae, aus Peru, Blumen röhrenförmig, am Rande ausgebogen, Scharlach, in karmin gelb. Von den im vorigen Verzeichniss erwähnten Pflanzen stehen noch eine grosse Anzahl in Blüthe. Ende Mai bis Anfang Juni li Orchideen: Brassia verrucosa. Cattleya amethystina. n Mossiae. Cypripedium barbatum. Lycaste aromatica. Masdevallia Harryana. 340 Interessante blühende Pflanzen. W a r m h a u s p f 1 n n z e n : Adamia vcrsicolor, bläulich. Allamanda neriifolia, gelb. Clerodendron I'airoiiii, weiss und sclmrlach, sehr schein. Clerodendron IJalfouri kerniesinutn, Scharlach. Columnea Schiedeana, dunkelschailach, gelb geädert. Gesneria, diverse Arten und Abarten. Peperomia resedaeflora, weiss. Passiflora kermesina, Scharlach, sehr reich- blühend. Stenogastra concinna, violett, sein- zierlich. Sciadocalyx Luciani, roth. Tapeinotes Carolinae, weiss. Torenia asiatica » intermedia grandiflora » pulcherrinia )lau mit pur ]un-nen Flecken bicolor, Idäulich mit trüb :-lb. Pflanzen der kalten und temperirten Häuser: Agapanthus umbellatus fi. pl., blau. Callistemon speciosum, Scharlach. ChorizemaHenchmanni, zart karmin, sehr schön. Erica intermedia, weiss. i> nietulaeflora superba, trüb scharlach. rostfarbig, Erica ovata, roth. » tricolor tenuifolia. » ventricosa tricolor. D vestita rubra, leuchtend Scharlach. Ilermannia plicata, orangegelb. Ilibbertia Cunninghami, gelb. Lechenaultia Ijiloba grandiflora, hinnnelblau, prächtig ! Lechenaultia Baxteri major ^ B intermedia I blühen fast das ganze Jahre hindurch, haben jetzt fast mehr Blumen als Blätter. Mitraria coccinea, leuchtend Scharlach. Pimelea diosmaefolia ) » Hendersoni Rhododendron javanicum, leuchtend orange mit scharlachrothen Staubfäden , wunder- schöne Blume. Sarracenia purpurea, trübscharlach ^ » flava, schön orangegelb J wie Winter im kalten Kasten stehend; in üppigster Gesundheit. Sollya salicifolia » Drummondi Tremandra verticillata, bläulich violett, reich- blühend imd sehr zierlich. rosa, sehr schön. .Sommer blau. 4. Im Königlichen Hofgarten zu Carlsruhe (Baden) im Mai 1882. Mitgetheilt vom Hofgärtner Graebener. Acanthophippium bicolor Ldl. Acineta Humboldtii Ldl. Aerides maculosuin Ldl. Anguloa Clowesii Ldl. !> Rückeri Ldl. v. purpurea Brassia cryptophthalma Rchb. fil. Calanthe veratrifolia R. Br. Cattleya Skinneri Batem. Coclogyne pandurata Ldl. » testacea Ldl. Cymbidium chloranthum Ldl. Cypripedium barbatum Ldl. v. grandiflorum " Uayanum Rchb fil. iJendrobium Falkoneri Hook. » transparens Wall, (von 1 1 Blüthen- ständen zusammen 181 Blüthen) » suavissimum Rchb. fil. Epidendrum cochleatum L. » polyanthum Ldl. » vitellinum Ldl. Lycaste aromatica Ldl. Masdevallia amabilis Rchl). fd. i> ignea Rchb. fil. D Lindeni Andre Veitchii Rchb. fil. Odontoglossum triumphans Rchb. fil. » vexillarium Rchb. fil. Oncidium ampliatum Ldl. » sphacelatum Ldl. Restrepia Reichenbachiana Endr. Rodriguezia secunda H. B. K. Sarcopodium Lobbii Ldl. Selenipedium caudatum Rchb. fil. » Roezlii Rchb. fil. Schlimii Rchb. fil. Sobralia macrantha Ldl. Stelis fraterna Ldl. Trichopilia suavis Ldl. Vanda suavis Ld. v. grandiflora 2 teres Ldl. Banksia ericaefolia L. fil. Interessante blühende Pllanzen. 341 Cantua dependens Pers. Leptodactylon californicum ? Chamaerops exeelsa Thbg » humilis L. Cerotozamia mexicana Brogn. Brownea coccinea Jacq. Camptopus Mannii I. D. Hook. Geissomeria marmorea Hort. Manettia bicolor. Mussaenda frondosa L. Phyllanthus mimosoides Sw. Reidia glaucescens Micqucl. Solandra viridiflora Ker. Spathiphyllum cannaefolium Sehott. v. Dec- hardi. Tacca cristata Jacq. Talauma mutabilis Bl. Theophrasta macrophylla Link. Utricularia montana Jacq. 5. Im Fürstl. Fürstenbergischen Hofgarten zu Donaueschingen (Baden) im Ai)i-il und Mai 18S: Mitgetheil t vom Garten -I April 1882, Mai 1882. Cattleya MendeU .... dito s Mossiae .... dito » maxima Brysiana Coelogyne asperata . . . asperata Thuniana Laelia peduncularis. Lycaste leucantha .... dito Maxillaria meleagris . . . dito Masdevallia coccinea . . . dito » infracta . dito . ignea superba Odontoglossum Pescatorei . dito !> Alexandrae . dito » naevium dito Oncidium Cavendishii Arpophyllum giganteum . . dito Burlingtonia Candida . . . dito Dendrobium longicorne » Freemanni Heicia sanguinolenta Kefersteinia graminea Phajus maculatus .... Trichopiha crispa marginata Aerides japonicum i> Fieldingii .... » maculosum Batemania Burti und Wallisi Cymbidium eburneum Cypripedium Argus . i> Crossianum . » Dayanum » villosum . » Lawrenceanum . j> Warscewiczii i> Warnerianum dito dito dito dito dito dito dito dito dito dito dito dito , dito prachtvoll Mai 1882. April 1882. Dendrobium densiflorum Oncidium Kramerianum . s ampliatuiTi majus Pescatorea Klabochorum » Lehmanni . Saccolabium ampullaceum . Vanda Luddemanniana . i> insignis dito » suavis und Pescatorei . dito prachtvoll Üropedum Lindeni .... Bilbergia sp. nova .... » zebrina dito Encholirion Saundersii . . . dito Nidularium Innocenti .... dito » .Scheffersii . . . dito Tillandsia musaica in 3 Pracht- pflanzen Vriesia brachystachys . . . dito j> psittacina dito dito in 6 Expl. dito dito prachtvoll dito prachtvoll dito dito dito dito Aechmea Mariae Reginae Guzmannia tricolor dito prachtvoll dito Haemanthus Kalbreyanus . . dito, prächtig Pavonia Wioti Philodendron calophyllum . . dito, prächtig Psychotrya leucantha Echeveria agavoides u. perbella Banksia Cunninghami u. spinulosa Helichrysum grandiflorum und spectabile Hovea Celsii dito, prächtig Iris iberica dito Lithospermum fruticosum, sehr schön, blau Pultenaea subumbellata etc. etc. 342 Interessante blühende Pflanzen. 6. In der Reichsgräfl. Wilh. v. Magnis'schen Orchideen-Sammlung zu Eckersdorf. Im April 1882. Mitgetheilt von G. Kittel jun. Aerides Brokii I,indl. (Syn. A. crispum) Cour- tallum. » Fieldingi (Foxbrush). Bombay. Angraecum Scottianum Lindl. Japan. Aspasia lunata Lindl. Brasilien. Brassia Cowanii hört. Jamaica. " glumacea. Merida. Burlingtonia Candida Lindl. Demerara. " fragrans hört. Brasilien. Calanthe Masuca Lindl. Ost-Indien. » vestita rubro-oculata. Moulmein. » veratrifolia R. B. Amboina. Cattleya amethystina hört. Brasilien. Chysis Limminghi Lindl. Mexico. Coelogyne cristata Lindl. Nepal. " speciosa Lindl. Java. Cymbidium aloefolium Sw. Ost-Indien. » eburneum Lindl. Indien. i> pendulum Lindl. Ost-Indien. Dendrobium crassinode Benson et Rchb. fil. Siam. » Devonianum Faxt. Khasya-Hügel. Laeha Casperiana Rchb. fil. St. Catharina. » euspatha Rchb. fil. Hybr. Lycaste (Bifrenaria) Harrisoniae Rchb. fil. Bra- silien. ' ( ' ) parvula Lindl. Brasilien. Im Mai Aerides crispum. Wall. Courtallum. 1 » falcatum Larpental. Lindl. Ost-Indien, j » spec. Moulmein. " Fieldingi. Bombay. i japonicum. Japan. » maculosum var. Schroederi. Lindl. Bombay. Angraecum falcatum (Scottianum). Lindl. Japan. Aspasia lunata. Lindl. Brasilien. Brassia Cowani hört. Jamaica. » glumacea Lindl. Merida. » verrucosa, hört. Guatemala. Calanthe masuca. Lindl. Ost-Indien. » veratrifoha. R. B. Amboina. Cattleya amethystina. hört. Brasilien. * Mossiae. Hook. La Guayra. Chysis Limminghi. Lindl. Mexico. Coelogyne Thuniana. Rchb. fil. Nepal. " speciosa. Lindl. Java. Lycaste .Skinneri Lindl. Guatemala. » » purpurata Lindl. Guatemala. Masdevallia ignea Rchb. fil. Neu-Granada. 1» Wagneriana Lindl. Venezuela. Megaclinium falcatum Lindl. St. Leone. Mormodes lentiginosa Hook. Mexico. Odontoglossum bictoniense Lindl. Mexico. « cirrhosum Klabociiorum Rchb. fil. Peru. » Ehrenbergii Kl. Mexico. » naevium Lindl. Neu-Granada. » pulchellum Batem. Guatemala. » Uro-Skinneri. Guatemala. Oncidium altissimum Sw. West-Indien. " cartaginense Jacq. Carthagena. »< concolor Lindl. Brasilien. " Kramerianum Rchb. fil. Central- Amerika. Phajus gracilis. Nepal. » maculatus Paxt. Nepal. i> Wallichii Lindl. Khasya-Hügel. Phalaenopsis rosea Lindl. Manilla. Vanda Bensoni. Rangoon. » tricolor Lindl. Java. :> » insignis Lindl. Java. j> » suavissima Lindl. Java. » » Veitchii Lindl. Java. 1882. Cymbidium aloifolium. Sw. Ost-Indien. " pendulum. Lindl. Ost-Indien. Cypripedium longifolium. Costa-Rica. K Pearcei (caricinum). Peru. Dendrobium chrysanthum. Wall. Nepal. " Devonianum. Paxt. Khasya- Hügel. Dendrobium Parishii. Rchb fil. Moulmein. Epidendrum Friederici-Guilielmi. Warsc. Eulophia pulchra. Lindl. Mascarenas. Laelia Casperiana. Rchb. fil. St. Catharina. » euspatha Rchb. fil. hybr. j» Schilleriana. Rehb. fil. Brasilien. Lycaste aromatica. Lindl. Mexico. !> Candida. Lindl. Veraquas. » Deppei. Lindl. Mexico. » Skinneri Lindl. Guatemala. Masdevallia ignea. Rchb. fil. Neu-Granada. Maxillaria squalens. Hook. Brasilien. ' tenuifolia. Lindl. Vera -Cruz. Ausstellungen. — Personalnachrichten, ^4^ Megaclinium falcatum. Lindl. St. Leone. 1 Palumbina Candida. Rchb. fil. Mexico. Odontoglossum cristatum. Peru. I Phalaenopsis rosea Lindl. Manilla. Pleurothallis Groliyi. Bat. Demerara. Restrepia antennifera. II. B. K. Anden von Paraguay. Thunia alba. Rchli. fil. Ebenen von Burmah. Trichopilia coccinea. Warsc. Costa-Rica. Sarcopodium I^obhi. Lindl. Sr. Leone. Vanda tricolor. Lindl. Java. » » insignis. Lindl. Java. » » suavissima. Lindl. Java. » » Veitchi. Lindl. Java. i> Ehrenljergii. Kl. Mexico. » hastilaliium. Lindl. Brasilien. » naevium. Lindl. Neu-Granada. » Uro-Skinneri. Guatemala. "> Pescatorei. Lindl. Neu-Granada. » vexillarium. Neu-Granada. Oncidium altissimum. S\v. West-Indien. » Carthaginense. Jacq. Carthagena. » concolor. Lindl. Brasilien. » flexuosum. Ker. Brasilien. » Kramerianum. Rchb. fil. Mexico. Ausstellungen. Internatioiiale Rosenansstelhiiig und Koiie^ress Yon Rosenfreiinden in Antwerpen am 13. August. Die »Deutsche Gärtnerzeitung« macht in einem längeren Artikel auf diese Ausstellung und den dabei abzuhaltenden Kongress aufmerksam. — Programme etc. bei dem Vorsitzenden des Rosistenvereins J. B. Lenaerts, Antwerpen, P'ortifikationsstrasse. Vorläufiges Programm der auf dem Kongress zu berathenden Fragen. 1. Ueber die beste Art der Einrichtung einer Rosenausstellung. 2. Ueber die besten Mittel, die Kuhur der Rose zu verbreiten. 3. Ueber Synonyme (gleichbedeutende Rosennamen) in den Katalogen. 4. Ueber die wirksamsten Mittel, dem Indenhandelbringen geringwerthiger neuer Rosen ent- gegen zu wirken. 5. Bildung eines internationalen Vereins von Rosenzüchtern und Rosenfreunden. Petersburg". Zur Feier des 25jährigen Bestehens des kaiserlich russischen Gartenbau- vereins, der s. Z. durch E. Regel in Petersburg begründet wurde und jetzt seine zahlreichen Zweigvereine in vielen Gegenden Russlands hat , wird am 17. Mai 1SS3 in Petersburg eine luteruatiouale Garteubau-Ausstellung', verbunden mit einem Botanischen Kongress ab- gehalten werden. Amtliclie Bekanntmachung. Berlin, den 16. Juni 1882. Nach einer in der No. 126 der »Wiener Zeitung« vom 2. d. Mts, enthaltenen von dem Kaiserlichen Botschafter in Wien hierher mitgetheilten Nachricht hat die Rumänische Regierung die Einfuhr aller Arten von Pflanzen als: Bäume, Gesträuche, Blumen, Zwiebeln, Pflanzenwurzeln u. s. w nach Rumänien unbedingt verboten. Gestattet ist nur die Einfuhr von Sämereien, sowie von vollkommen trockenen Pflanzenwurzeln, welche zu medizinischen Zwecken verwendet werden. Den Vorstand setzen wir hiervon mit dem Anheimgeben in Kenntniss, den gärtnerischen Vereins -Mitgliedern hierüber weitere Mittheilung zu machen. Der Minister Der Minister für Handel und Gewerbe. für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. I. V.: gez. VON Möller. gez. Marcard. An den Vorstand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten, z. H. des Königl. Wirklichen Geheimen Raths Herrn Dr. Sulzer, Excellenz, PersonalnachricMen. Herr W. Zeller, bisher botanischer Gärtner in Marburg, ist zum Inspector des botanischen Gartens in Tübingen ernannt worden. Herr Marko, Inspector des Gartens Ihrer Kais. Hoheit der Herzogin von Mecklenburg zu riAA Sprechsaal. Oranienbaum, geht als Obergärtiier des Herrn SchottlAnijKR nach Nizza. An seine Stelle ist Herr EuiKSON als Obergärtner in Oranienbaum ernannt. Die Leitung der Promenaden, Anlagen und Gärten der Stadt Aachen ist dem Garten- direktor a. D. Heinrich Gruük in Godesljerg vom i. Juli d. J. an übertragen worden. Herr Wli.l.Y Lauchk, der in den letzten Jahren zwecks seiner Ausbildung im Berggarten in Herrenhausen bei Hannover und bei van Houttk in Gent war, ist an Stelle des Herrn Hkinrkii zum Oburgärtner am pomologischen Institut in I'roskau berufen. Sprechsaal. Frage 23. O. F. in M. 01)er-Elsass. Wie vertilgt man am besten die so überaus lästige Maulwurfsgrille? Antwort: Am einfachsten ist es, Blumentöpfe, deren Loch unten verstopft ist, bis an den Rand an den Stellen in die Erde zu graben, an denen man den Gang der Maulwurfsgrille bemerkt. Letzteren erkennt man leicht an einer feinen , dammartig aufgeworfenen Linie auf oder zwischen den Beeten. Die Werren fallen übrigens meist nur zur Paarungszeit, wo sie vor Liebe blind sind, in die Töpfe hinein. Zu anderen Zeiten vermeiden sie dieselben oft sorg- fältig. Noch besser ist es, das Nest mit den ca. 200 Eiern, welches sich bis 10 t:m unter der Erdoberfläche befindet, auszunehmen. Man findet, nach Taschenberg, den Eingang an den Stellen, wo die Pflanzen abgefressen sind, führt den P'inger hinein und erfährt so die Richtung, in welcher der Gang spiralig weiter führt. Mit einer kleinen Hacke oder einem Spaten hebt man dann die Erde aus, aber behutsam, um die Nesthülle nicht zu zerbrechen und die Eier nicht zu zerstreuen. Die zweite Hälfte Juni ist dazu die beste Zeit. — Ein drittes Mittel ist folgendes : Man macht im Herbst schmale, etwa 30 cm tiefe Gräben zwischen den Beeten, füllt diese mit Stroh und Dünger aus und deckt Bretter darüber. Dann ziehen sich alle Werren, da sie die Wärme sehr lieben, dahin und man kann sie früh im nächsten Frühjahr mit dem Stroh verbrennen. Frage 24. Abonnent in Gr. M. (Mähren), a) Welche Dendrologie ist am besten geeignet für Gärten der österreichisch-ungarischen Monarchie, und von wo kann man selbe beziehen? b) Welche Temperatur und welcher Standort ist der geeignetste für »Epiphyllum trunca- tmn«, damit die Blüthenknospen nicht abfallen? Antwort, ad a). Die deutsche Dendrologie von W. Lauche umfasst auch die zarteren, im Norden nur mit Decke aushaltenden Gehölze und ist deshalb auch für Oesterreich- Ungarn als beste zu empfehlen. Erschienen bei Paul Parey, Berlin. Preis 20 M, geb. 22,50 M. Sie können sie bei der Ihnen zunächst liegenden Buchhandlung beslellen. (Siehe Aprilheft, S. 176.) ad b) Epiphylliint trwuatiini. Auf Ihre Anfrage über die Behandlung der Epiphyllum truncatum im Zimmer theile ich Ihnen mit, dass eine Stubentemperatur von 15-" Wärme vollständig genügt, d. h. hinter einem Fenster, welches nach Süden gelegen und nicht beschattet wird; auch ist es nothwendig, darauf zu achten, dass, wenn das Zimmer im Winter gereinigt, also gelüftet, die Pflanze nicht von der einströmenden kalten Luft berührt wird, weil ihr dieses entschieden schädlich ist. Gegenwärtig, wo das Epiphyllum seinen Trieb entwickelt, braucht es Feuchtigkeit. Nach Vollendung dieses Triebes kommt es darauf an, diesen möglichst erstarken und ausreifen zu lassen , welches am besten erzielt wird, wenn man die Pflanze wäh- rend der Sommermonate Juli und August im Garten placirt, gegen starke Niederschläge muss sie aber geschützt werden. In den ersten Tagen des Septembers erhält sie wieder ihren sonnigen Platz hinter dem Fenster, wobei man die kleinen noch unausgebildeten Schuppen der Pflanzen ausbricht, sie massig feucht und erst, wenn die Knospen anfangen zu schwellen, etwas feuchter, aber nie zu feucht hält. Das Abfallen der Blüthenknospen wird man am besten vermeiden, wenn man die Pflanze mit weichem 20" R. warmen Wasser begiesst, kaltes Wasser ist ent- schieden nachtheilig. R. Brandt. Frage 25. R. S. in P. Welche Firmen in Berlin oder Umgegend fertgen nicht zu kost- spielige Gewächshäuser? Antwort: Wir haben bereits im Aprilheft S. 205 die beiden Firmen Bretschneider & Krügner, Berlin SO., EHsabeth Ufer 48 sowie C. F. Biesel & Co., Berlin N., Fehrbellinerstr. 45 genannt. Bezüglich der letzteren haben wir erfahren, dass sie u. a. Gewächshäuser fnr die Kunst- und Handelsgärtner Kurdes, Kinzel, Feicht, Bunzel, Gutzeit, Kerkow, B?.cher etc etc., aber auch für den Prinzen Friedrich von Hohenzollern , den Reichsbankpräsidenten von Dechend, Prof. Schröder, Prof. Leo, Herrn von Zürich, A. Kinzel etc. etc. gefertigt haben. Frage 26. G. N. in D bei Cr. Ich habe kürzlich über eine neue Champignonzucht mit Gyps und Salpeter gelesen, habe auch einen kleinen Versuch damit gemacht, doch ist derselbe leider nicht gelungen, trotz der grossen Mühe, die ich darauf verwandt habe. Sollte vielleicht Jemand ein besseres Resultat damit erzielt haben, so würde Fragesteller für recht baldige nähere Mittheilung in der i>Garten-ZeitungÄ^~Ei.arkeit der Gewebe: P"ür Wildgehege, Parkanlagen, Baumschulen, Wein- berge, Lauben, Beeteinfassungen, Fenstervergitterungen, Hiihnerhöfe, Kaninchenställe, Hundezwinger, Fischteiche, Kornspeicher etc. §j^~" Es ist dieses Gewebe das beste und voll- kommenste derartige Fabrikat; — weil es nach de- Webung galvanisirt, so kann selbst in den Verr schlingimgen kein Rost ansetzen. "^Bß Draht und Drahtseil für Wildgehege, Viehweiden, Spalieranlagen etc. etc. lUustrirte Preis- Verzeichnisse franco und gratis. — Lieferung zollfrei. Bernhd- Ebeling, Bremen. 5 (-76) >; ex) >> tu > CO CO PI CD StoU: Wilhelm von Eisner Sämling. -j^r Wilhelm von Eisner Sämling (Calvill) ^^\-ff. Von Stoll, Director des Königlichen poniologischen Institutes in Proskau (Mit farbiger Abbildung ) Heimath und Vorkommen: Aus Samen gezogen von dem Ritter- gutsbesitzer und Landesältesten Herrn Martin Eisner von Gronow auf Kalinowitz O.-Schl. und von ihm nach seinem Vater, der den Vornamen Wilhelm führte, benannt. Gestalt: Ein grosser, schöner, hochgebauter Apfel, 91 mm hoch, 83 mm breit; über die ganze Frucht zeigen sich meist sieben, nach dem Kelch zu stark hervortretende Rippen; der Bauch sitzt fast in der Mitte; nach dem Kelche zu nimmt die Frucht mehr ab und bildet eine unre^-el- mässige, fast spitze Kelchfläche. Kelch: klein, schmalblättrig, etwas wollig, geschlossen, in einer kleinen zusammengeschnürten Höhle. Stiel: kurz, gelblich-grün, am Ende etwas verdickt. Schale: fein, glatt, glänzend fettig werdend, am Baum grünlich-gelb, später schön citronengelb, zwischen den Kanten mehr oder weniger ins Grün- liche schillernd, auf der Sonnenseite mehr oder weniger mit hellem Zin- nober verwaschen, Punkte zerstreut, sind im Gelben weisslich, im Rothen braunroth mit helleren Kreischen umgeben. Kernhaus: nicht gross, nach unten zu spitz zugehend mit hohler Axe; Fächer offen, geräumig, Fächerwände etwas zerrissen; Samen voll- kommen, rundlich. Kelch röhre: ein ziemlich tief hinabgehender Kegel. Fleisch: weisslich-gelb, fein, mürbe, etwas abknackend, saftig, von vortrefllichem, gewürzreichem und schwach erdbeerartigem, süsssäuerlichem Geschmack. Geruch stark. Reife und Nutzung: Ende November und hält sich bis März. Eigenschaften des Baumes: Der lebhaft wachsende Baum bildet eine flachkuglige Krone und liefert reichliche Ernten, ist auch gegen strengen Frost nicht empfindlich. Das Original zu unserer Abbildung ist von Herrn KoTELMANN, Zögling des poniologischen Instituts in Proskau, gemalt. Garten-ZeituiiK 1S82. 240 Carl Sprenger: Ein Beitrag zur Kenntniss des Blumenkohls {Brassica olcracca L. luv. botrytis alba et nigra) und eines Feindes desselben. \'on Carl Sprenger in Portici bei Neapel. ^^w\y o die Kultur der noch heute auf unsern Felsen am Meercsstrande wildwachsenden Brassica olcracea und Br. iiicatia zuerst in Angriff genommen und versucht wurde, wo die heute so vollkommenen und werthvollen Varietäten (nach unseren Begriffen) zuerst entstehen mussten und fortgepflanzt wurden, darüber kann im Allgemeinen wohl Niemand mehr im Zweifel sein. — Ebenso wenig bedarf es noch Erklärungen und statistischer Mittheilungen über die Menge von Blumenkohl insbesondere, welche in fast allen Ländern Europas und weit über dessen Grenzen hinaus alljährhch für den Markt und den verwöhnten Gaumen der grossstädtischen Esser erzogen werden; Jedermann weiss das. — Nichtsdestoweniger kann es nicht überflüssig erscheinen, wenn dem deutschen Züchter Winke und Rathschläge aus dem Lande kommen, in welchem die Kultur dieses stets so hoch im Preise stehenden und geschätzten Gemüses in hoher Blüthe steht und welchem es höchst wahrscheinlich sein Entstehen verdankt. Um mit Erfolg und möglichster Sicherheit den Blumenkohl zumal im Grossen zu erziehen und seine Grundstücke durch den leicht zu erzielenden Verkauf desselben zum einträglichsten Besitz zu gestalten, ist es von grösster Wichtigkeit, sich jeweiliger Lage und dem Klima nach die Zeit der Aussaat festzusetzen und die jungen Pflanzen schnellstens zu stämmigen und gesunden Setzlingen zu er- ziehen. Kommt man auch nur eine Woche mit der Aussaat zu spät, wird der gute Erfolg schon in Frage gestellt, und ist das Jahr kein ganz vorzügliches und fruchtbares, kann die ganze Ernte zu nichte werden. Dies gilt natürlich in erster Linie von den späteren und ganz späten Sorten, im Allgemeinen aber auch für die meisten Kohlarten. Dass das Pflanzen auf gehörig und frisch gedüngtem wie gut und tief umgearbeitetem Boden zu geschehen hat, ist wohl bekannt, ebenso, dass Blumenkohl in gehöriger Entfernung gesetzt werden muss, die ita- lienischen Riesen -Blumenkohle beispielsweise in allseitigem Abstände von 0,80 m mindestens. Die von vielen Gemüsezüchtern einfach aufgestellte Regel, »nie tiefer zu pflanzen als die P.lumenkohlpflänzlinge standen«, kann an- getastet werden und ist durchaus ungültig für leichte, sandige oder vulkanische Bodenarten. Ja in solchem Boden, zumal in sehr warmer Lage, ist es im Gegen- theil nothwendig, tief zu pflanzen und die Pflänzlinge fast bis zu den ersten Blättern in die Erde zu setzen. Die jungen Kohlpflanzen wachsen so viel sicherer an und freudiger weiter und bilden am ganzen Stämmchen junge Saug- wurzeln, welche, zumal wenn man während der Wachsthumsperiode ein- bis zweimal mit flüssigem Dünger nachhelfen kann, wie es hier in Neapel geschieht, die Pflanzen ungemein fördern. Kommt man in Neapel mit der Aussaat des Blumenkohls um etwas zu spät Ein Beitrag zur Kenntniss des Blumenkohls. 347 im Juni, wie es denn manchmal von trägen Bauern geschieht, und es folgt ein trockener Winter oder Frühling, so kann es vorkommen, dass manche Stöcke überstehen, das heisst gar keinen Käse bilden und ihr Leben freiwillig um ein volles Jahr verlängern. Auf der beifolgenden Figur 90 ist No. i eine solche über- standene Pflanze, welche in der Zeit der Käsebildung gezeichnet wurde, a ist der Punkt, bis zu welchem die Pflanze es im ersten Lebensjahre, gebracht hatte, der verdickte Stamm (b) zeigt, welche geringen Fortschritte diese Pflanze wäh- rend der 4 heissen Sommermonate der 2. Peride machte, während der Rest des Stammes der 2. Etage in den Herbstmonaten erwuchs. Im November bildet ein solcher übersommerter Blumenkohl seinen Käse regelrecht aus und geht mit dem folgenden Frühlinge, wenn er nicht durch Verbrauch unterdrückt wird, der Blüthe und dem Tode entgegen. Die abgebildete Pflanze hatte eine ungefähre Höhe bis zu 1,25 /// erreicht. Zur rentablen Blumenkohlzucht ist ein warmer, leichter, sogar sandiger Boden dem schweren oder gar kalten und Grundwasser enthaltenden Boden stets vorzuziehen. Was dem Boden an Kraft abgeht, muss durch mehrmalige und ausgiebige Düngung ersetzt werden. Der frische Dünger wirkt am besten und starke Gaben kräftiger Latrinenflüssigkeit während oder kurz vor der Käse- bildung in leichtem Boden bei tiefer Pflanzung wirken Wunder. Der Grund, zur Blumenkohlzucht bestimmt, muss in entschieden warmer und geschützter Lage gewählt werden. Was nun die italienischen Riesen-Blumenkohle anbelangt, so sind sie ohne allen Zweifel die schönsten und einträglichsten Sorten. Ihr Käse ist von einer Festigkeit und blendenden Weisse, die afle versuchsweise hier kultivirten fran- zösischen, holländischen oder englischen übertrifft und in den Schatten stellt. Nur was Festigkeit anbelangt, kann der Erfurter Zwerg ihm Stand halten. An Grösse, an reiner schöner Farbe und Schmackhaftigkeit übertriftt er auch diesen und der Anbau der echten Sorten wird dies bestätigen. Der Algier ist dem frühen Italiener sehr ähnlich, vielleicht ist's derselbe Kohl. — Nun be- gegnet man in Deutschland noch vielfach der grundfalschen Ansicht oder dem 'Glauben, dieser Riesen-Blumenkohl sei zu spät, bedürfe zu langer Zeit zu seiner Ausbildung und werde vom Winter überrascht, ohne seine Käse ausgebildet zu haben. — Davon, dass, wenn dem je so war, die Ursache in zu später Aussaat oder mangelhafter Kultur lag, wird man sich leicht überzeugen können, wenn man sich gute Samen verschafft und zugleich mit Erfurter Zwerg etwa noch Pariser mittelfrühen Ende Februar aussät und rechtzeitig auspflanzt. Mehrjährige gründ- liche Versuche haben die überraschende Thatsache hier ergeben, dass der Erfurter echte Haage'sche Zwerg, von den ersten Firmen bezogen und am gleichen Tage ausgesät, unter gleichen Verhältnissen kultivirt, sogar 8 — 16 Tage später ausgebildet war als der echte früheste Riese von Neapel. Der Erfurter Zwerg erlitt während 3Jähriger Kultur keinerlei Veränderung und die nachgebauten Samen ergaben ganz gleiche Resultate wie diejenigen neuerdings von Erfurt bezogenen. — Eine zweite nicht minder beachtenswerthe und überraschende Thatsache ergab sich darin, dass derselbe allerfrüheste und in Deutschland wie aller Orten geschätzte Erfurter Zwerg um volle 3 Wochen später zur Blüthe gelangt als der frühe und mittelfrühe Riesen von Neapel, während der Vil- morin'sche »Früheste Pariser - um mehr als 4 Wochen früher blüht und uns hier fast zu früh in Blüthe tritt zum Schaden der Quantität und vielleicht Qualität. 348 Carl Sprenger: Wie soll man diese Merkwürdigkeit nun anders nennen als »anerworbene Eigen- thümlichkeit?« Der Erfurter Zwerg, wie auch der grosse Erfurter und Pariser geben hier schöne vollkommene Samenkörner, die sich empfehlen und die Sorte ganz rein erhalten. Dagegen bringen unsere Riesen fast jedes Jahr einen leider starken Procentsatz kleiner und kleinster Samenkörner, die die Quantität sehr geringe Fig. 90. Italienischer Blumenkohl. Brassica olcracea var. botryiis. I. Ueberstandene 2 jährige Pflanze im Momente der ersten Käsebildung. — 2. Normale Pflanze, 14 Tage vor der Blüthe. — 3. Stark entwickelter Zweig kurz vor der Blüthe. — 4. In der Mitte durchschnittene Blüthe. — 5. Cetonia squalida Z., X n. Gr., der Zerstörer der Blumen- kohl-Blüthen. ausfallen lassen, welche den verwöhnten Käufern gar nicht behagen will, weil sie gar so unscheinbar ist. Aber Jeder, der diese Kohle kultivirte, war nichtsdestoweniger des Lobes voll davon und besonders in England, welches ihn in Massen anbaute. Wenn man sich die allerkleinsten unscheinbarsten Körnchen aussiebt und sät, so wird man bald finden, dass gerade sie die schönsten und kraftvollsten Pflanzen ergeben und wahre Riesen, bis 0,50 in Ein Beitrag zur Kenntnis? des Blumenkohls. 349 im Durchmesser grosse Käse bilden. So legt wieder einmal auch hier die gütige INIutter Natur die grösste Kraft in ein unscheinbares Körnchen. Ich kann mich heute noch nicht endgültig hierüber äussern, allein nach zweimaliger Aussaat der kleinsten Körner fand ich, dass diese nicht nur gleich schöne und gesunde Pflanzen lieferten als die grössten und schönsten Samen, sondern es wollte mir auch scheinen, festere und werthvollere Köpfe (Blumen). Dagegen bringen gerade solche feste Köpfe wenig oder gar keine Samen und sterben meist ab, ohne Blüthenstengel zu entwickeln. Dies ergab eine wichtige Erfahrung für unsere ausgedehnte Blumenkohlsamenzucht. Fig. 91. Zweig des Erfurter Zwerg-Blumenkohls. Sehr interessant ist die Verschiedenheit in der Entwickelung des Blüthen- standes diverser Blumenkohle, sie ist so gross und auffallend, dass, wollte man die Sorten systematisiren und beschreiben, es nothwendig wäre, sie als Merkmale anzuführen. Wie er denn in jeder Hinsicht vollkommen ist, wenn man absieht von den kleinen Samenkörnern, so auch bringt der italienische Riesen -Blumen- kohl den schönsten Blüthenstand. Da giebt es wahre Pracht-Ausstellungspflanzen im März während der Blüthezeit. Ein solches Exemplar illustrirt die Fig. 90, 2. Fig. 90, 3 ist ein in der Entwickelung begriffener Zweig kurz vor dem Aufblühen der ersten Blumen des frühesten Pariser Blumenkohls, welcher einen pyramidalen Strauss entwickelt und Fig. 91 ein Zweig des sperrig und flach sich bildenden Erfurter Zwerg, welcher noch nicht die Blüthenknospen er- kennen lässt. Ein merkwürdiger und im Auslande gar wenig bekannter Blumenkohl ist ■JCQ Carl Sprenger: lun Beitrag zur Kenntniss des Blumenkohls. der schwarzviolette, man nennt ihn ohne Recht »Palermo«. Seine Heimath scheint Neapel zu sein. Er kocht sich ^MÜn, schmeckt vortrefflich als Salat mit Citronensäure und Oel und wird deshalb sehr viel für den Neapeler Markt kultivirt. Er kommt sehr früh, schon Mitte November von der Juli-Aussaat und hat mit den weissen Sorten j^rächtige, indess nicht constante Mischlinge, deren Köpfe oft von schöner rosenrother Earbe, meist jedoch weisslich-grau er- scheinen. Er l)ildet vollkommene Samen, welche selten oder niemals im Handel vorkommen und statt deren man stets römischen violetten Broccoli bekommt. East keine (jenüisepflanze hat so viele Eeinde als der Kohl und von diesem wieder der Blumenkohl. Da lebt eine Anzahl von den Blättern und Blüthen, von den Wurzeln und im Stengel heimtückisch minirend und zerstörend, und hier im Süden ist die Zahl grösser als irgendwo. Der schlimmste Feind der Blumenkohlblüthen ist ein mittelgrosser Käfer von unangenehmem Gerüche und rauhhaariger grünlich grauer Earbe, welcher in manchen Jahren zu Millionen er- scheint und die Kohlgärten heimsucht, und zerstört, was er vorfindet, wenn man ihm nicht mit aller zu Gebote stehenden Kraft entgegen tritt. Es ist nach Be- stimmung des Herrn Dr. Dewitz, Berlin, eine Art Goldkäfer, Cctoiiia squalida L., neuere Gattung Tropinota squalida L. Vorstehende Abbildung (Eig. 90, 6.) zeigt ihn ziemlich getreu in etwas verkleinertem Massstabe. In diesem Jahre ist er erträglich. Er erscheint mit den ersten Kohlblüthen Mitte Eebruar oder zu Ende des Monats und fällt sofort über l^lüthen und aufgehende Knospen her, bohrt sich bis zum Blüthenboden herab und verzehrt die Staubgefässe und edlen Blüthen- theile gänzlich. Elr erstarrt im Morgenthau, ist aber auch am Tage leicht ein- zusammeln, da er sich in ganzen Klumpen oft bis zu 6 Stück und mehr an die Blüthen hängt. Er lässt sich beim Erasse nicht stören und leicht einsammeln, lässt sich jedoch, so wie er Gefahr merkt, fallen und bleibt eine Zeit lang wie todt, die Füsschen und Eühler eingezogen, am Boden liegen. Hat man ihn gefangen, sucht er lebhaft zu entfliehen und wartet selten, bis man ihn zertritt, nachdem man ihn zu Boden geworfen. Die Weibchen legen ihre Eier an der ersten und nächsten Stelle in den lockeren Boden und scheinen, sich verkriechend, zu enden nach diesem Geschäfte. Der Käfer erscheint in langem Zeiträume nach und nach bis ungefähr Mitte oder Ende Juni. Seine Larve hat nach Mittheilungen des Herrn Dr. Wittmack grosse Aehnlichkeit mit jungen Maikäferlarven, indess kürzere Beine. Ein Knabe sammelt uns im Mittel ca. 1 Kilo und 80 Gramm dieser Käfer pro Tag. Das sind ca- 10,000. Am besten nimmt man ein leicht zu tragendes Gefäss mit etwas Wasser und wirft beim Einsammeln sie da hinein. Eines Tages hatten wir fleissig gesammelt und die Arbeiter Hessen eine Partie an einem dunklen Orte im Stalle stehen, am andern Morgen fanden wir leere Gefässe; die Ratten hatten sie in der Nacht sämmtlich verzehrt. — Cetonia squalida ist nicht sehr wählerisch, doch lässt er zum Glück einige Blumen ganz unbeachtet und merkwürdiger Weise auch einige Cru eiferen, wie z. B. die Moricandia arvensis und Eruca sativa. Er richtet grossen Schaden an allen Kohlpflanzungen an, zerstört gänzlich, ja macht die Kultur der Rettige fast un- möglich und zerfrisst auch alle Rübenblüthen. Er fliegt nicht hoch und ver- schont deshalb die Obstbäume zum Glücke, schwärmt jedoch lustig im hellen Sonnenschein um seine gedeckten Tische, ist sonst aber im Ganzen ein träger Geselle, der die beschauliche Ruhe liebt. — Er scheint von mancher leuchtenden L. Kny: Die Gärten des Lago maggiore. ^'>l Farbe angelockt zu werden, denn meine Godetienbeete sind nie sicher vor ihm. Dagegen kümmert er sich gar nicht um Verbenen, Viola, Silenen und andere lebhaft gefärbte Frühlingsblumen. Auch Clarkien und Oenotheren sucht er auf und zerstört deren Blüthen voll- ständig und wird den Rosen und anderen gefüllten Blumen schädlich. Die Staubfäden des Papaver croceiiin und anderer scheinen ihm eine Lieblingsspeise zu sein und wahrscheinlich würde er eine grosse Anzahl anderer Blumen zer- stören, wenn sie ihm während seiner Flugzeit geboten würden. Draussen ist es wieder die Menge der wilden Cruciferen oder Compositen, die ihm Nahrung geben. Die Gärten des Lago maggiore. Von L. Kny. (Scliliiss.) 6. Die Villa Clara bei Baveno. ^^^ei der Fahrt von Pallanza nach der Isola bella war uns am gegen- überliegenden Ufer des Sees zur Linken von Baveno in geringer Höhe über dem Wasserspiegel ein stattliches, rothes Gebäude in die Augen ge- fallen, das sich mit seinen Thürmchen und Giebeln sehr wirkungsvoll von dem Hintergrunde der dunklen Kastanien abhebt. Es ist diess die schöne Villa Clara des Herrn Henfrey. Schon von Weitem verrathen die Formen des Baues den englischen Besitzer. Die Bezeichnung als »Villa« wird Jeder im vorliegenden Falle sehr bescheiden finden; das Bauwerk würde den Namen eines »Palazzo«, mit welchem die Italiener bekanntlich nicht kargen, mit um so grösserem Rechte führen können, als es vor mehreren Jahren für würdig befunden worden ist, die Königin ViCTORlA als Gast seines Besitzers mehrere Wochen hindurch zu beherbergen. Der Garten ist nur während der Amvesenheit des Herrn Hexfrey und auch dann nur auf Grund besonderer Erlaubniss zugänglich; doch rathen wir jedem Naturfreunde dringend, sich dieser kleinen Umständlich- keit zu unterziehen. Zwar sind die Anlagen in der Hauptsache nach Norden exponirt, und die Cultur sehr empfindlicher Pflanzen, welche in Pallanza und auf den Inseln noch wohl gedeihen, ist hierdurch erschwert oder ganz unmöglich gemacht; doch bietet die Fülle des in plätschernden Bächen herabrieselnden Wassers, welches, auch in den heissesten Sommern nicht versiegend, die neben dem Wohnhause spielenden Fontänen speist und hinter demselben zum Theil in einem kleinen Teiche gesammelt wird, Vorzüge ganz besonderer Art. In keinem der hervorragenderen Gärten des Lago maggiore erinnern wir uns, nach dem in diesem Sommer ganz besonders heissen August ein gleich saftiges Grün angetroffen zu haben. 352 L. Kny: Die Anlage des Gartens erregt doppelt unsere Bewunderung, wenn wir hören, dass derselbe nicht aus einem Gusse entstanden ist, sondern seit seiner Begründung vor 22 Jahren in dem Maasse sich vergrössert hat, als zahlreiche kleine Grundbesitzer sich bereit finden Hessen, ihre Parcellen käuflich abzutreten. Recht \vohlthucnd wirkt auch die schonende Behand- lung des früher schon Vorhandenen, soweit es für die neuen Pläne ver- werthbar schien. Den hochstiuiimigen Kastanien, welche den unteren Theil des Parkes und zahlreiche lauschige Plätzchen an höheren Theilen des Abhanges beschatten, ist ihr Geburtsschein zum grösseren Theile ge- wiss nicht in diesem Jahrhunderte ausgestellt worden. Ilaben wir durch das stattliche Gitterthor, zu dessen Rechten die freundliche Wohnung des Obergärtners liegt, lünlass gefunden, so begrüsst uns eine wohlgepflegte Gruppe von Blattpflanzen. In der INIitte erhebt sich eine tadellose Miisa Enscte , umgeben von Caladuiiii escnltiitiim mit riesenhaften Blättern, Coleiis Wi-scJiaffcltii etc. Das zur Rechten am Hause stehende, schön blühende Exemplar der Papyrus-Staude [Cypcriis Papyrus) muss zur Winterszeit den Schutz des Gewächshauses aufsuchen. Im Hintergrunde ist der massig steil ansteigende Abhang von einem Dickicht niedriger Azaleen-Sträucher überzogen, welche sich im Frühjahr mit einer Fülle farbenglänzender Blüthen bedecken. Das Ganze wird von edlen Kastanien überdacht. Um das von hier aus unsichtbare Herrenhaus zu erreichen, folgt man am besten der weiten Windung des breiten Fahrweges. Zwischen ihm und der im ersten Theile ihm parallel gehenden äusseren Hauptstrasse ist ein Dickicht hoher Laub- und Nadelhölzer gepflanzt. Immergrüne Arten sind auch hier vorherrschend; doch wurden mitteninne u. a. auch Paulo^vnia imperialis , Mella AzedaracJi und K'ölreiiteria paniadata bemerkt. Unter den gegenüber von den Kastanien des Abhanges beschatteten Sträuchern fiel mir besonders dieselbe Elaeaginis rcflexa auf, welche in und um Pal- lanza so viel zur Bekleidung von Mauern und Gittern verwendet wird. Hier, wo die schlanken Sprosse nach allen Richtungen frei emporschiessen und sich seitwärts neigen, verliert die Pflanze sehr viel von dem ihr sonst eigenen steifen Aussehen. Weiter gegen das Wohnhaus hin wird der Abhang zur Rasenfläche, über deren einzelstehenden und desshalb auf das Vollkommenste ent- wickelten Bäumen das schlossartige Gebäude emporragt. Von Coniferen sahen wir hier u. A. Cedrus Deodara, Tsuga canadcnsis , Abies Doiiglasii, A. Nordvianiiiana, A. Pindroiv (vom Himalaya), Cuprcssiis Laivsoniana; von stattlicheren Laubhölzern waren O/ca siiii'iisis , Crcihrcgiis glabra, BoitJiaviia fragifcra und zahlreiche andere vertreten. Letztgenannte Art stand im Begriff"e, ihre erdbeerähnlichen P^rüchte zu röthen. In reifem Zustande werden dieselben von Vögeln mit Vorliebe aufgesucht; schon jetzt zeigten sie die Spuren ihrer Schnäbel. Neben dem Wohnhause, um ein Stockwerk tiefer, als dessen offene Die Garten des Lasjo mas/criore. Veranda, liegt ein grosser viereckiger Platz, in dessen Mitte eine Fontäne ihre kühlenden Strahlen entsendet. Nach rückwärts wird er von einem mit Bogen verzierten Gemäuer abgeschlossen; doch ist von den Werk- steinen nur wenig sichtbar, da Ficiis stipulala und Hcdera islandica (.') mit einander wetteifern, ihre Oberfläche mit Grün zu schmücken. Diese Epheu- Form besitzt grössere und nicht so stark gebuchtete Blätter, wie die in Deutschland überall zur Mauerbekleidung benutzte Hcdera Helix. In einem die Mitte des Gemäuers einnehmenden grottenartigen Räume bewunderten wir Prachtexemplare zweier im Topfe cultix'irten P\arne [Gyjnnogrannnc Fig. 92. Villa Clara bei Baveno. siilpJiurea und Aspleniwn marginatinii)^ die Rückwand zierten mehrere gross- blättrige Monstcra pertusa in schönster Entwickelung. Haben wir die schöne Aussicht von der Terrasse des Wohnhauses genossen, so wenden wir uns dem an seiner Rückseite noch weiter an- steigenden Abhänge zu. Hier gelangen wir, an einer Acacia Julibrissui mit reich verzw^eigter Krone und an einem stattlichen Exemplare der Chauiaerops Fortiuiei vorüber, zu einem kleinen, von Kastanien zum Thcil beschatteten Teiche. An dessen Rückseite wechseln massige Gruppen blaublühender Hortensien, im Vordergrunde von Bambus-Gebüschen, mit den stolzen Wedeln des nordischen Königsfarn [Osmuiida rcgalis) und den silberweissen Büschen des Pampas-Grases [Gyncriiiin argciitciim). Seitwärts 354 L. Knv senkt eine Trauerweide ihre schlaffen Zweige zum Wasserspiegel hinab. Unter den in der Nähe befindlichen Kastanien ladet so manches Plätzchen zu längerem Verweilen ein. Im Frühjahr, wenn die einen Theil des Ab- hanges hinter dem Hause bedeckenden Rhododendren inmitten des jungen Grüns ihre volle Blüthcnpracht entfalten, muss der IMick von hier ein zaubervoller sein. Die im oberen Theile des Gartens befindlichen (jewächshäuser ent- halten so Manches, was das Interesse des Blumenliebhabers erregt. Die Rückwand des einen ist mit Bongaiiivillea spcctabilis bedeckt, derselben Pflanze, welche an den begünstigteren Theilen der Mittelmeerküste zur Bekleidung von Mauern und Häusern so schöne Verwendung findet. Neben der Gartenkunst hat auch die Architectur ihren Beitrag zur Verschönerung der Anlagen spenden müssen. Nachdem wir, in der Rich- tung des Wohnhauses hinabsteigend, ein undurchdringliches Gebüsch des schwarzhalmigen Bambusrohres (/>'. nigra) bewundert haben, das einen kräftigen Campherbaum umgibt, tritt als Abschluss eines breiten Weges plötzlich ein zierliches Gebäude von achteckigem Grundrisse und der Form eines romanischen Baptisteriums hervor. t2s ist nicht unähnlich dem von Florenz, aber um Vieles kleiner. Im Innern ist dasselbe in schmuck- vollster Weise als Kirche ausgestattet, in welcher während Herrn Hex- FREY's Anwesenheit der Gottesdienst nach englischem Ritus stattfindet. In unmittelbarster Nähe erhebt sich eine prächtige, mit Zapfen bedeckte Libanon-Ceder nebst anderen schönen Coniieren, wie Retinospora squarrosa, QiprcssHs-AriQn etc. Als besonderer Vorzug des Gartens der Villa Clara möge noch ganz besonders die grosse Fülle kleiner, blühender Gewächse hervorgehoben werden. Der Reichthum von Farbennüancen war auch in gegenwärtiger Jahreszeit, welche in dieser Beziehung keine bevorzugte ist, ein über- raschender. Wie mag dies erst im Frühling sein, wenn die höher gegen den Zenith aufsteigende Sonne die während des Herbstes und Winters an- gelegten Blumenkelche öffnet.? 7. Die Villa Franzosini Nächst den Borromäischen Inseln ist diese bei Intra gelegene schöne Besitzung durch ihre reichen und wohlgepflegten Gärten wol die bekannteste und wird, da sie den Fremden mit grosser Liberalität geöffnet ist, auch häufig besucht. Von Pallanza aus ist sie sowohl auf dem Land- als auf dem Wasserwege bequem zu erreichen. Die Wahl ist keine leichte, da sowohl die in einiger Höhe über dem Wasserspiegel am Seeufer entlang führende Strasse, als auch die Gondel nach allen Richtungen die herrlich- sten Ausblicke gewährt. Mit Rücksicht darauf, dass die Sonne auch Mitte September noch recht beschwerlich werden kann, zogen wir die Die Garten des Lago maggiore. ^2 r c erfrischende Wasserfahrt vor. Sie erschien uns kürzer, als sie in WirkHch- keit war, da die Aendcruni^ unserer Stelluni;' zum l^Y'stlandc immer neue Bilder hervorzauberte. Nachdem die Punta di Castagnola mit dem neuen Hotel Garroni und den am Felsrande angeschmiegten Villen hinter uns lag, verschwanden die Bergriesen der Simplonstrasse allmählich hinter der flachen Kuppel des Monte rosso, um erst, nachdem wir das freundliche, gewerbthätige Intra im Rücken hatten, und auch dann nur zum Theil, wieder aus einer Lücke der Vorberge herauszutreten. Schon von grösserer Entfernung fällt das graue, stattliche Gebäude der Villa Franzosini in die Augen, welches ein wenig jenseits Intra aus dem Grün des Bergabhanges hervorschaut. Da es dicht unterhalb des Gartens keinen Landungsplatz gibt, müssen wir schon eine kurze Strecke vorher das Boot verlassen und das hohe Gitterthor zu Fuss erreichen. Nach Eintritt durch dasselbe befinden wir uns auf einem kleinen Platze, von dem aus der Weg rechts in geringer Steigung am Abhänge emporführt. Der Platz ist von hohen Laubwänden von Camellien, edlem Lorbeer und japanischer Mispel eingefasst; an ihren Zweigen windet sich, neben anderen Kletterpflanzen, Tccoma grandiflonun empor. Hierauf folgt eine steile, rasenbedeckte Lichtung, mit einer Gruppe schöner Magnolia grandißora und in deren Umkreis mit blaublühenden Hortensien und brennendrother Salvia spletidens geschmückt. Ueberaus stattlich macht sich hier ein einzel- stehendes Prachtexemplar von Musa Ensete, das schönste, welches uns bisher in den Gärten am See begegnet ist. In seiner unmittelbaren Nähe steht am Wege ein etwa 25 — 28 ;// hoher Stamm von Cuprt'ssns Jiorizontahs, an welchem mehrere nahezu armdicke Sprosse der Wistaria chmensis ihre Auszweigungen bis zur Spitze der Baumkrone emporsenden. Die Mischung des hellen, gefiederten Laubes der Schlingpflanze mit dem tiefen Dunkel- grün der Cypresse muss ihren Effect im Frühjahr noch erheblich steigern, wenn die Wistaria ihre blauen, hängenden Blüthentrauben entfaltet hat. Steigen wir von hier aus links am Abhänge empor, so fallen uns zwei schöne Büsche von Gyneriuui argcnteiun und weiterhin eine grosse Zahl hoher Camellien-Sträucher in die Augen. In gegenwärtiger Jahres- zeit machen dieselben freilich einen etwas eintönigen Eindruck; wenn wir aber die Blüthenpracht des ersten Frühlings uns vorzaubern, so wird uns ihr Vorherrschen in den Anlagen verständlich. In einem kleinen Gewächshause, welches diesen Theil des Gartens nach oben hin mit abschliesst, fällt uns besonders eine sehr grosse Pflanze von Monstera pej'tiisa mit zahlreichen (nach Versicherung des Herrn Ober- gärtners Cazzaniga sehr wohlschmeckenden) Fruchtkolben und eine hohe TheopJirasta ijuperialis auf. Den Mittelpunkt der gesammten Gärten bildet das vornehme, von einem Thürmchen überragte Wohnhaus. Von den meist bunt übertünchten Landhäusern am Lago maggiore zeichnet sich dasselbe durch die Natur- farbe seines Gesteines vortheilhaft aus. Höchst überraschend und ganz 356 L. Kny: einzig in seiner Art ist der Ausblick, den es nach dem See hin gewährt. Ueber den steilen Abhang unregelmässig vertheilt, stehen hier mehrere Gruppen sehr hoher Kiefern [Pinns silvestris), denen sich vereinzelte hoch- stämmige Rothtannen {Picea cxcelsd) sowie auserlesene Exemplare der Stechpalme [IIcx Aquifolium) und andere immergrüne Laubbäume zugesellen. Das Ganze ist durch Epheu, welcher in üppigster h'ülle bis zu den Kronen der Kiefern emporläuft und in blüthenübersäten h\'stons auf das An- muthigste herabfällt, zu einem undurchdringlichen, tiefschattigen Dickicht verbunden. An einer Stelle, wo eine enge Schlucht sich hinabzieht, ist dasselbe in ungekünstelter Weise von einer schmalen Lichtung unter- brochen, durch welche der Spiegel des Sees mit dem gegenüberliegenden Ufer dem Beschauer entgegenglänzt. Diese wahrhaft malerische Partie zeigt uns, wie Holzgewächse des norddeutschen Klimas, wenn sie voll und reich entwickelt sind, auch neben südlicheren Eormen noch landschaftlich zu v/irken vermögen. Es ist diess ein nicht zu unterschätzender Trost, den wir von den klimatisch so ausserordentlich begünstigten Gärten der italienischen Seen nach der Heimath mitnehmen dürfen. Bei weiterer Verfolgung des vor dem Wohnhause vorüberführenden Weges tritt man auf die oberste dreier sonniger Terrassen, welche sich von hier aus bis zum unteren Theile des Gartens abstufen. In der Mitte spielt ein plätschernder Springbrunnen, umgeben von vier regelmässig an- geordneten und tadellos gewachsenen Bäumen der Magnolia grandiflora. Ihre Zweige reichen bis zur Erde hinab. Weiter gereichen diesem Platze hohe Sträucher von Olea fragrans, Lager stroeviia indica und Camellia ja- ponica zur hohen Zierde. Diese Camellienbüsche gehören zu den grössten in den Gärten am See. Die Palmen sind hier durch Prachtexemplare von Chainaerops excclsa (mas und femina) vertreten. Ausserdem erfreuen das Auge mehrere recht geschmackvolle Rabatten, in denen eine Anzahl der beliebteren buntblättrigen Gewächse und kleinere blühende Arten zu- sammengestellt sind. Die Umfassungen sind meist von P2pheu hergestellt, und das Ganze sehr sauber gehalten. Auf der mittleren Terrasse gruppiren sich die Anlagen um eine schöne Jiibaca spectabilis: auf der unteren Terrasse treten von Palmen die beiden bekannten Chaumcrops-KxtQw {excelsa und Jmmilis) und eine Cocos- Art besonders hervor. Unmittelbar hinter den Terrassen schliesst der ältere Theil des Gartens ab, dessen Begründung vermuthlich in das vorige Jahrhundert zurückreicht. Alle in nördlicher Richtung Aveiter hinausliegenden Anpflanzungen sind in den letzten i8 bis 20 Jahren entstanden. In botanischer Beziehung sind sie die interessanteren; insbesondere haben die Coniferen eine sehr reiche Vertretung gefunden. Auch sind die Exemplare, da sie zum Glück nicht zu dicht gepflanzt wurden, meist von vollendet schönem Wuchs, und ein- zelne, wie die etwa 20 Jahre alte Wcllingtoiiia gigantea, schon von sehr Die Gärten des I-ago maggiore. 357 bedeutenden Dimensionen (ca. 23 ;// hoch). In landschaftUcher Beziehung ist freilich der Eindruck, wegen des Vorherrschens der Coniferen, ein ent- schieden einförmigerer, als in den älteren Partieen des Gartens. Im Folgenden sollen nur einige durch hervorragende Exemplare ver- tretene Nadel- und Laubhölzer erwähnt werden : Abies bifida, A. lasiocarpa, A. Pvisapo, A. religiosa, A. Reginae Amaliae, A. Morinda (mit Zapfen), A. Pindroxv (hoher Baum), A. Do7iglasii, A. Nord- ina iiiiiaiia und andere Arten dieser Gattung; Picea excelsa, var. peiuhda, Piiins moiiophylla (erst ca. 2 /// hoch), P. Laniberfiana, P. Haagcana, P. pa- tula, P. palustris u. a. m. Wellijiglonia gigaiitca (bereits oben erwähnt), Sciadopitys verticillata (ca. 2 ;// hoch) , Arancaria ii/ibricata , Giprcssus tornlosa, C. lonniefortii, C. glanca var. pendula, Libocedrus decnrrens, Thuja Lobbii, Pseudolarix Kaenipferi (mit Zapfen!) Cedrus atlantica (in mehreren Exemplaren der sattgriinen und der bereiften Form). Unter den Laubhölzern fiel mir besonders eine schöne Sterculia pla- tanifolia in die Augen. Ihre Früchte bieten ein vorzügliches morphologisches Demonstrations-Object dar, da sie sich, wie hier leicht ersichtlich war, in die einzelnen Carpelle (Fruchtblätter) auflösen. Weiter notirte ich ein Acer polyinorpJiuin, var. atropurpureuni mit Früchten, Magnoha Canip- belli (das ganze Jahr hindurch blühend), Diospyros Kaki (in China wegen des aprikosenähnlichen Geschmackes ihrer Beerenfrüchte geschätzt, auch hier Früchte tragend), Illiciiivi anisatuni, Laurus glandulosa , etc. Von dem im Garten viel vertretenen Desniodiuni raceuiosuni wurden hier ganz besonders zahlreiche Exemplare mit fasciirten (verbänderten) Stengeln be- obachtet. Die an den oberitalienischen Seen als Wandbekleidung viel verwendete Ficus stipulata trug hier reichlich Früchte. Dem Epheu in ihrer Lebensweise nahe verwandt, zeigt sie, wie dieser, die Eigenthümlich- keit, dass die Sprosse, wenn sie sich zur Blüthenbildung anschicken, ihren Habitus vollständig ändern; insbesondere nehmen die Blätter an L^mfang zu und erhalten eine derbere Consistenz. Nachdem die genussreiche Besichtigung der Villa Franzosini beendet war, hatte Herr Obergärtner Cazzaniga noch die Gefälligkeit, uns zu der ihm selbst gehörigen, wenig höher gelegenen Baumschule zu geleiten, worin besonders die im grossen Maassstabe geübte Veredlung der Camellien von Interesse für uns war. 8. Die Villa Ada. Das letzte, aber nicht geringste Ziel unserer Ausflüge von Pallanza bildete die dem Fürsten TrOUBETZKOY gehörige, zu Ehren seiner Gattin so benannte Villa Ada. Sie liegt eine kurze Strecke hinter der Villa Franzosini, unmittelbar über der am See entlang führenden Strasse. Die Gärten ziehen sich ebenso, wie die der letzteren, im Angesichte des im- posanten Sasso del ferro, der hier seine volle Breitseite präsentirt, am 358 L- Kny: Abhänge empor, senken sich aber vom höchsten Punkte seitwärts und rückwärts in eine von fliessendem Wasser belebte SchUiclit hinab. Am nördUchen Ende der Anlagen bildet der Bach einen malerischen Wasser- fall. Das aus 70 Einzelparzellen zusammengefügte Areal umfasst gegen 1 1 Hectarcn, ist also umfangreicher, als das der anderen Gärten. Schon beim ersten Eintritt empfängt man den Eindruck, dass die An- lage eine verhältnissmässig noch junge ist. Nach den Mittheilungen seines zuvorkommenden, um den italienischen Gartenbau wohlverdienten Besitzers sind die Anpflanzungen zum grösseren Theile vor 1 1 Jahren ausgeführt worden. Man darf desshalb nicht erwarten, hier ähnliche Prachtstücke alter Bäume zu finden, wie auf den Inseln. Dafür ist der Garten der Villa Trubetzkoy aber der artenreichste von allen, und von empfindlicheren Pflan- zen, wie Palmen, Agaven, Yucca-Arten, Bambusen und Paicalypten hat er wol die besten Culturresultate aufzuweisen. Dem Gitterthor gegenüber, welches von der Strasse her Eingang gewährt, ist die Böschung des Abhanges durch ein aus Glimmerschiefer und Tuffstein aufgeführtes Gemäuer gestützt, welches bis zur Spitze mit Vegetation bekleidet ist. Auch hier, Avie diess an ähnlichen Stellen anderer Gärten meist der Fall ist, werden die anderen Kletterpflanzen durch Ficus sfipitlata überwuchert. Im oberen Theile, wo die Sprosse kein Substrat mehr finden, an welchem sie sich anschmiegen könnten, werden sie in allen Theilen kräftiger und verändern ihr Aussehen in der W^eise, wie sie der Blüthenbildung vorhergeht. Die grottenartigen Nischen des Mauerwerkes sind mit Farrn und zahlreichen, blühenden Gewächsen geschmückt, und die mittlere von ihnen durch einen plätschernden Wasserstrahl belebt. Vom Eingange führt der Weg im Angesichte des Sees und seines grossartigen Hintergrundes in sanftem Ansteigen nach rechts empor. Schon bevor die Biegung nach der entgegengesetzten Richtung erreicht ist, fällt ein vollbelaubter und ganz gesunder Stamm von Eucalyptus amyg- dalina in die Augen. Bei 11 jährigem Alter hat er eine Höhe von ca. 20 vi und in Brusthöhe einen Umfang von 1,80;// erreicht. Dieser, ebenso wie ein etwas jüngerer, nicht weit entfernter Baum hat in den letzten Jahren reichliche Samen getragen, welche zum grossen Theil ihren Weg nach Südfrankreich gefunden haben. Nach den Mittheilungen des Fürsten hat sich diese Art in den beiden letzten so aussergewöhnlich strengen Wintern viel härter gezeigt, als Eiic. Globitlus und viele andere Arten der Gattung, und hat vorübergehende Temperaturen von - q'' C. ohne Nachtheil ertragen. Nicht weniger als 35 Species und Varietäten der Gattung Eucalypttis sind damals dem P" roste hier zum Opfer gefallen. Enc. Globnlns und Eiic. pen- dula, welche stark gelitten hatten, haben später wieder ausgetrieben. Zu den harten Arten gehört auch Eiic. Gunnii von mehr buschigem Wuchs. ]^ei weiterem Ansteigen zur Villa bewundern wir, dicht bei der grossen Eucalyptus aviygdalina, eine fruchttragende Stcrculia platauifolia, eine Agave amcricana mit sehr stattlichem Blüthenschafte und mehrere Büsche von Die Gärten des Lago maggiore. -3 cq G)nierunn argcntcinn, wie solche auch in anderen Thcilcn des Gartens in grosser Schönheit vertreten sind. Das im Vergleich zu den Gärten entschieden anspruchslose Wohn- Sfebäude, mehr einem Schweizer Landhause, als einer italienischen Villa gleichend, beherrscht mit der vor ihm befindlichen Terrasse den Blick auf See und Gebirgshintergrund noch freier, als wir ihn schon von den unteren Theilen genossen hatten. Unmittelbar vor dem Hause erhebt sich ein Prachtexemplar von Chaviacrops cxcclsa und zu dessen Seiten je ein hoher Stamm von Dracaciia indivisa. Mehr noch, als durch diese alten Bekannten, werden wir aber durch die auf der südlichen Fortsetzung der Terrasse in geschmackvoller Anordnung vertheilte Vegetation überrascht. Hier befindet sich, nach rückwärts durch den steilen Abhang und zwei vor ihm sich erhebende Gewächshäuser geschützt, die vollständigste Sanmilung von Freiland Palmen, welcher wir bisher in den Gärten am Lago maggiore begegnet' sind. Nach freundlicher Mittheilung des P^ürsten halten ohne jeden Schutz im Freien aus: Jitbaea spectabilis, Cliamacrops Martiana, Cli. Hystrix, Cli. excelsa, Cli. Fortnnei, (7i. Jinmilis, Ch. arborescois, Ch. gracilis und einige andere Varietäten von (Ji. hninilis, Sabal Adansoiii, S. Pahiictto, S. 2imbraciilifera; einer geringen Strohbedeckung bedürfen: Phoenix dacty- lifcra, Corypha Gebanga, Livistoiia cJiinensis, Pritchardia filifera; einen guten Schutz dagegen verlangt Cocos aiistralis. Sämmtliche genannte Palmen haben ebenso, wie eine sehr schöne Yucca filifera und K Treculeana, den letzten harten Winter ohne Schaden im Freien überdauert. Dasselbe gilt von einem vollen Exemplar von Cycas revoluta, über welches, ähnlich wie auf der Lsola bella , zur Winters- zeit auf einem horizontal gespannten Drahtnetze ein wenig Stroh aus- gebreitet wird. Auf die Palmen folgt dann eine sehr artenreiche Gruppe von Agaven; doch finden zur Winterszeit mehrere von ihnen ihren Platz in den Ge- wächshäusern. Von diesen ist besonders das grössere durch seinen Lihalt bemerkens- werth. Den Mittelpunkt nimmt eine prachtvolle, in Blüthe befindliche Mjisa Ensete ein; im Hintergrunde bauen sich farrnbewachsene, durch plätscherndes Wasser belebte Grotten auf. An den Wänden klimmen jMüUstei-a pertusa (mit Fruchtkolben) und Philodendron gloriosiim empor. Unter den zahlreichen Arten des mittleren Raumes sind als gut vertreten noch Strelitzia Aiigitsta , Lcpidozamia Peroffskiana , Aralia pnlchra und A. dactylifera hervorzuheben. Im kleinen Gewächshause fesselten Mediiülla uiagiiifica (in Blüthe), einige blühende Orchideen und zahlreiche der bekannten Croton-Formen besonders die Aufmerksamkeit. Während der Garten auf dieser Seite des Hauses sehr bald sein Ende erreicht, dehnt er sich in der Richtung von Ghiffa noch weit aus. Hier gelangt man zunächst zu einer reichen Sammlung von Coniferen, unter denen •sgO L. Kny: Die G.ärten des Lago maggiore. eine prachtvolle Ctipressus glatica mit überaus zartem, hängenden, bläulich- bemoosten Laube, ein sehr volles Exemplar von Sciadopitys vcrticillata (4,67// hoch), eine 14 Jahre alte und schon ca. \6 in hohe Wellingtonia gigantca, ein noch junges, aber kräftiges l^äumchen von l''seudolarix Kaevipfcri und eine vor 2 Jahren gepflanzte Araucaria Bidwillü herx'or- treten. Letztere hat die beiden strengen Winter gut überstanden.*) In der Nähe eines Gartenhauses sind mehrere hohe Exemplare von Dracai'iia iiidivisa und weiterhin zahlreiche Bäumchen der Acacia dcalbata gepflanzt, die von den letzten Frösten zum Theil recht .stark gelitten hatten. Nicht ^\'eit von hier steht auch ein etwa 8 vi hoher Baum von Polycarpa (Idcsia) Maxiiiunuiczü. Nach dem oberen Theile der Anlage ansteigend, durchschreitet man die Ueberreste von Kastaniengehölzen. Leider sind die kräftigen Stämme unter früheren Besitzern der Axt fast sämmtlich zum Opfer gefallen, und der reichliche Stockausschlag kann erst allmählich zur früheren Llöhe emporwachsen. Da, wo der Weg an der Rückseite des Hügels in eine Lichtung hinausführt, findet der Blick jenseits des in der Schlucht hinab- rauschenden Baches einen Ruhepunkt an dem kastanienbedeckten, mit ver- einzelten Häusern bestreuten Abhänge des nordwestlich aufsteigenden, schroffen Bergrückens. Der W'eg, an welchem Bäume von Quercns aiiieri- cana und Eucalyptus aiiiygdaüjia mit einander abwechseln, führt weiter zu den Baumschulen und nach einigen Windungen durch ein Kastaniendickicht mit vereinzelten beigemischten Exemplaren von Beiula alba und Virgilia lutea zu einer i'osenumrankten I lütte empor, welche die prächtige Besitzung nach oben hin abschliesst. Wir beschliessen hiermit unsere Wanderungen durch die Gärten des Lago maggiore. Obige Schilderung derselben macht, da sie nicht das Ergebniss eines längeren Aufenthaltes am See, sondern die rasch gepflückte Frucht eines vorübergehenden Besuches ist , nicht entfernt Anspiaich darauf, eine er- schöpfende zu sein. Sie ist allein dem Wunsche entsprauigen, auch andere P'reunde des Gartenbaues an dem hohen Genüsse, welchen dem Verfasser der Besuch der herrlichen Anlagen gewährte, so weit diess auf dem \\>ge schriftlicher Mittheilung erreichbar ist, theilnehmen zu lassen. Möchte ihm der Versuch, wenn auch in bescheidenem Masse, gelungen sein, und möchte in dem einen oder anderen Leser der gewiss längst gehegte Wunsch zur That reifen, an den Gestaden der oberitalienischen Seen Erfrischung zu suchen. *) Aus diesem Theile des Gartens habe ich feri.er notirt; Pintis Sainniana , F. Troitbel'.- koiaita, Laitrus regalis, L. Camphora, Larix i^lanca (penduln), L. Grifßthii, Thca viridis, 1 h, Bolica, riiiiis insii'tiis. Dendiophilus: Der wilde Garten. Der wilde Garten. \"on Denduopiiilus. (Fortsetzung.) IlTaben wir liils einio-e Zeit mit der Kultur der härteren, [Trös.seren Farne beschäftigt, so tritt sehr häufig der Wunsch hervor, davon auch kleinere, zierlichere zu besitzen und zu pflegen. Derselbe wird meist durch die grosse Ueppigkeit hervorgerufen, mit der unsere heimischen Farnkräuter wachsen und sich ausbreiten, wenn sie erst einmal von geschickter Hand in günstige Wachsthumsverhältnisse ge- bracht worden sind. Der Steinberg, oder sagen wir grossartiger: »die Felspartie.<, welche wir uns mit Mühe und Liebe für sie hergerichtet haben, ist eines schönen Sommertages, nachdem es vierzehn Tage geregnet — oder vier Wochen, wie hier zu Lande in diesem Jahre — eine grosse Fig. 93. Scolopcndrhtiii ofßtinaniiii vai\ tiiidnlatiiDi. grüne Masse üppigster Farnwedel, aber kein Stein ist mehr zu sehen, es ist etwas einförmig, langweilig gcAvorden. Um diesem Uebelstande abzu- helfen, scheuen wir den Spaten nicht, sondern werfen kühn hinaus, was zuviel und zu gross ist, so dass hier und da wieder Steine und dazwischen kleinere Nester für feinere Sachen frei werden. Man braucht ja nicht gerade fortzuwerfen, das würde auch meinem pflanzenfreundlichen Herzen wehe thun, aber zuerst: herunter mit den Wedeln, so dass wieder Schick und elegante Form in das Ganze kommt, trotzdem es ein »wilder Garten ^< ist, denn wild und wüst oder gar saloppe sind keineswegs Begriff"e, welche sich decken. Nachher nehmen wir die Stöcke heraus und pflanzen sie recht sorg- fältig an einer anderen für sie passenden Stelle. Unser wilder Garten ist ja gross, sehr gross, jeder Wegesrand, jeder vernachlässigte Winkel dient ihm und zwar oft besser als die nächste Nachbarschaft des Hauses. Zunächst giebt es also, um die Einförmigkeit zu unterbrechen, eine ganze Reihe von Varietäten der einheimischen harten, grösseren Farne. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, dieselben hier näher zu besprechen Garten-Zeilung 1SS2. 24 ^^9 Der.droijhilus: und zu beschreiben; aber da leider von manchen Handelsgärtnern dem rublikum unter hochtönendem Namen oft grausamer Schund geboten ■wird, so will ich einige Formen nennen, welche nach meinem Geschmack hübsch sind. Hauptsächlich giebt es hübsche Varietäten von der Hirschzunge, Scolopendrium officinarum. Das für gewöhnlich glatte, ganzrandige Blatt ist bei denselben in verschiedener Art gekräuselt und wellig ausgebogen, ja bei einer Abart sind förmliche Hahnenkämme gebildet. Gut verwendbar sind: S. crispum und undulatum (Fig. 93), (zwei der besten); S. multi- fidum und ramosum, Blätter von der Mitte an getheilt; cristatum und ramo-marginatum mit oben verbreiterten, hahnenkammähnlichen Blättern. Ich sage Blätter, weil die Hirschzunge factisch schöne, lange glänzende Blätter hat, technisch richtiger wäre es ja, >AVedel« zu sagen. Eine zierliche I'orm ist noch S. sagitattum. Das Gärtnerlatein ist nicht immer classisch, drückt aber doch zuweilen aus, was gemeint ist, hier soll angedeutet sein, dass die kleinen Blätter Aehnlichkeit mit Pfeilspitzen haben. Die zweite Art unserer Farnkräuter, welche besonders zierlich variirt, ist Athyrium filix femina, das Farn -Weibchen, the Lady-fern, wie der Eng- länder sagt; und diesen Namen trägt es mit Recht. Behandle sie freund- lich, aufmerksam und zart, so lohnt dir diese Lady mit ihrem graziösesten Lächeln. Schattig und frisch liebt sie zu leben, übrigens genügt ihr fast jeder Boden, ausser Kalk, sobald er durch etwas Torfgrus, oder Cocos- faser -Abfall gelockert ist. Schöne Formen sind: Coronans, corymbiferum , diffuso-multifidum, Elworthi, (Fig. 94) Fieldiae, Frizelliae, grandiceps und multifidum. Ich kenne einen Catalog mit über 50 Varietäten, die obigen können aber selbst hohen Ansprüchen genügen. Uebrigens sind diese Varietäten auch höchst dankbar für Topfkultur und bilden einen reizenden Schmuck für Blumentische, besonders dann, wenn uns Mittel fehlen, die zarten Farne des Kalt- oder Warmhauses zu kultiviren. Vom Polypodium ist P. cambricum die beste Varietät, sie ist äusserst elegant. Nun aber zu den kleineren Arten und die beste Manier, sie zu kultiviren 1 Natürlich ist die erste Bedingung, sie so zu pflanzen, dass die Starken des Geschlechtes sie nicht unterdrücken. Denken wir zunächst wieder an unsern Berg. Zwischen den Steinen also, welche wir frei gehalten haben, arrangiren wir uns kleine Buchten und Taschen. Das Erdreich wird tief ausgehoben, unten kommen viel Scherben von Blumentöpfen und dergleichen hinein, denn perfecte Drainage ist für alle feinen Farne Lebensbedingung, darauf kommt diejenige Erde, welche jeder Art am besten zusagt; die meisten gedeihen in Lehm, mit Torf oder verrottetem Cocosfaser-Abfall gemischt und reichlichem Zusatz von Sand. Der wilde Garten. 363 Alosurus crispus, der Petersilien-Farn, macht reizende Büschel an Felsen; liebt steiniges Erdreich, verabscheut Feuchtigkeit. Gleiche Theile Torf, Cocosfaser-Abfall oder Lauberde und zerbröckelte Ziegel passen ihm gut, Schatten ist Bedingung, um die frische grüne Farbe zu erhalten. Asplenium adiantum nigrum, der schwarze Frauenhaar-Farn, gedeiht am besten in Mauerspalten, jedenfalls nie tief unten am Erdboden. Eine Mischung von Torf und Erde genügt ihm, selbst reine Ziegelbrocken. Asplenium ruta muraria, die Mauer-Raute, verlangt eine trockne freie Lage; sie wird in einer Mischung von -/g Topfscherben und ^3 san- digem Torf gedeihen und hübsche Büschel machen, stagnirende Nässe ist ihr Tod. Fig. 94. Athyrhttii filix fenihia var. ElworiJii. Asplenium trichomanes u. A. viride, die rothe und grüne Mauerraute oder Frauenhaar, sind sehr zierliche kleine Farne mit Blättchen, ähnlich der jungen Pimpinelle. Besonders schön als Mauer- schmuck. Sie würden nie anders als in hochgelegenen Positionen gedeihen. Erdreich: Gleiche Theile sandiger Torf, gelber Lehm und zerbröckelte Ziegel. Man pflanze fest und nicht zu tief mit der Krone. Ceterach officinarum, der Milzfarn oder die kleine Hirsch- zunge ist nur in Mauerritzen brauchbar, aber dort sehr hübsch. Feuch- tigkeit verträgt er nicht, jedes sandige Erdreich genügt. Von Farnkräutern allein, dächte ich, hätten wir nun für den wilden Garten genug, es giebt aber noch einige Genossen, welche ich gleich heute erwähnen will, obgleich ich eigentlich die Absicht hatte, gelegentlich mit denen unserer Freundinnen, welche sich nicht scheuen, dicke Lederstiefel anzuziehen, eine kleine Excursion in einen eigentlichen Sumpfgarten zu machen. — Vielleicht im Spätsommer, da ist er am trockensten und leich- testen passirbar. — 24* ^54 C. Matthieu: Zu denjenigen Farnkräutern, welche feucht und torfig stehen wollen, kann man höchst vorthcilhaft einige Schachtelhalme gesellen. Equisetum sylvaticum ist wohl der zierlichste. Will man die Farnenicht gar zu dicht pflanzen und den Grund und Boden dazwischen mit etwas Passendem decken, so eignet sich sehr gut Selaginella helvetica. Trotz des absolut schneelosen Winters 1881/82 ist dies 'zierliche Gewächs bei mir nicht zu Grunde gegangen, nur Sonne und Trockenheit verträgt es nicht. Von Blumen sind Lilium superbum und Lilium pardalinum, zwei Sumi)flilicn und mehrere Orchideen des freien Landes geeignet. (Wird fortgesetzt.) Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. Von Carl Mathieu, Charlottenburg. (Schluss.) 12. Plumbagine.ae. Statice kptoloha Rgl. Gartenflora, Mai, S. 164. Vaterland die Dsungarei in Mittel-Asien. Ausdauernd, für uns wohl erst zu erproben, ob sie frei ohne Decke aushält, daher vorläufig im Kalthause durch- zuwintern. Höhe etwa 16 cm, Stengel sich gabelig aus einer Rosette von Wurzelblättern erhebend, Blumen hellgelb. Blumenkelche rosenroth. Sehr zier- liche Pflanze. 18. Valorianeae. Nardoitachys Jafciiiauni. D. C. Bot. Mag. 6564. Vom Himalaya in 4000 m bis 5600 m Höhe, woselbst die Pflanze ausdauernd auf felsigen Stellen vorkommt, und je nach Stand, Ort und Höhe grösser oder kleiner im Wüchse, sowie stärker in Bezug auf den Geruch wird. In niedrigem Standorte 70 cm hoch, werden die Alpenformen niedriger, in allen Theilen klei- ner, und mit stärker duftendem Wurzelstock erscheinen. Wurzel spindelförmig, Blumenschaft 10 cm bis 28 cm hoch, Blüthenstand gipfelständige, kleine Blüthen- köpfe, in dreigabeliger Rispe, Blumen blassroth. Der Geruch der Pflanze ist streng und von den Orientalen als Specerei sehr geschätzt. Der Wurzelstock wird vielfach gesammelt und in getrocknetem Zustande zu Salben, Specereien etc. benutzt. Diese Pflanze ist jedenfalls eine der Narden- Arten der Alten. (Bibel.) 14 Compositac. Aster gymuflcephahis. Bot. Mag. 6549. Eine in Mexico ziemlich häufige zweijährige oder auch einjährige Aster. Sie wurde von Dr. Parrv & Palmer in der Nachbarschaft von San laiis Potosi ge- sammelt und nach Kew gesandt. Sie ist von niedrigem Wüchse, 30 — 60 cm hoch. Blumen rosa mit lila Anflug, Scheibenblumen gelb. Engclmanma pinnatifiJa. T. & Ct. Bot. Mag. 6577. Ein Bewohner der Prairicn Nord-Amerikas, östlich der Felsengebirge, von Die neuen Pflanzen des Jahres i88l. ogt Canada bis Texas, zur Abtheilung der Sonnenblumen gehörig. Ausdauernd, blüht im Juli und hielt den letzten strengen Winter in England ohne Schaden aus. Wird 30—60 cm hoch. Blüthen 3—5 cm Durchmesser, gelb, in rispenartiger Trugdolde. Sc/iccio stcnoccpJiahis 7'ar. comos(7. Maxim. CJard. Chron. 401. Ausdauernde Pflanze aus Japan. Blattstiele 21— 23 r//^ lang, tief herz- oder spiessförmige, 14 cm lange, 18 cm breite Blätter tragend, Schaft 60 cm hoch, Blüthenstand aufrechte. Längliche, ungefähr 16 cm lange Aehren. Blumen gelb. Durch Bull eingeführt. Lactuca macrorhiza. Gard. Chron 407. Ausdauernde Staude vom nordwesdichen Himalaya. Wurzel dickfleischig, Stengel niedergestreckt, sehr verzweigt. Blätter manchmal leierförmig — fieder- spaltig, manchmal nur geöhrt ohne Seitenlappen, manchmal länglich und schwach gezähnt, oder ganz, länglich und in eine stumpfe Spitze endigend. Blumen hell- violett-purpur. Eine gute Pflanze für Felsenpartien. Wird 30 cm hoch. 15. Oleaccae. Jas Uli mim gracillimiim. Hook. Bot. Mag. 6559. Vom Norden Borneos, entdeckt von Burbidge, dem Sammler des Herrn Veitch, in deren Gärtnerei sie im December 1880 blühte. Ein Strauch mit vielen, sich, von der Wurzel aus, nach allen Seiten hin ausbreitenden Trieben. Stengel oder Triebe biegsam, Blumen in dichten, weissblühenden, hängenden Rispen, wohlriechend. 16. Verbenaceae. Clerodendron dichotomum. Thunb. Bot. Mag. 6561. In Japan einheimisch und seit einigen Jahren in England eingeführt, hat die Pflanze sich dort als hart erwiesen, doch wird ihr I^aub durch Frost zer- stört, und ist es zweifelhaft, ob sie strenge Winter wie 1880 — 1881 in England überdauern würde Sie blühte im September, doch setzte sie keinen Samen an. Sie wird 2 — 2^/4 /// lioch, ist strauchartig, blüht in zahlreichen Trugdolden. Blumenkrone weiss mit rothbraunem Kelche. 17. Geuliaueae. Crawfou/-dia luteo-viridis. Clarke. Bot. Mag. 653g. Eine rankende Gentianee, deren Samen von Dr. King des botanischen Gar- tens zu Calcutta nach K^ew gesandt, im Jahre 1881 Pflanzen lieferte, welche im kalten ICasten blühten. Eine schöne Pflanze, deren Blumen mit grüner Röhre und weissem Saume mit grünen Falten, so wie deren rothe Beeren und weinrothe Farbe der Blätter und Triebe im Herbste jedem Kalthause zur Zierde gereichen. ErytJwaea pukhclla. Fries, var. diffusa. Gartenflora, März, 91. Eine Spielart unserer einheimischen Pflanze, die sich von der alten Form durch stärkere Verästelung und etwas grössere Blumen unterscheidet, von M. Leichtlin eingeführt. Da die einheimische E. pulchella bei uns aufwiesen und feuchten, sandigen Orten vorkommt, so ist bei ihrer Kultur in den Gärten auf einen ähnlichen Standort Rücksicht zu nehmen. Durch Samen fortzupflanzen. Blüht im Frühjahr bis Herbst. 18. Bignoiiiaceae. liicarvilka Koopma/i/ii. W. I^auche. Deutscher Garten i. p. 3g. Strauch i m hoch. Stengel aufrecht, kahl, verzweigt. Blätter unpaar ge- ^55 C. Mathieu: fiedert, hellgrün, Blüthcnstand eine Rispe. Blumen schön rosenroth, die Mitte der Lappen weisslich, Blumenkrone röhrig — trichterförmig, am Grunde gekniet, Saum fiinfla])i)ig, imregelmässig, Blüthe im August und September. Aus Tur- kestan. 19. Oesneriaceae. Lysioiiotus serrata. Den. Bot. Mag. 6538. Ein Bewohner des subtropischen und gemässigten Himalaya von Kamaon bis Bhutan, in feuchten Wäldern in der Höhe von 1600 — 2500 m in Sikhim, bis zu 1000 in in Kamaon. Seine T.ieblingsplätze sind moosbedeckte Felsen, Fluss- ufer oder alte l?aumstämme, die Pflanze trägt im Vaterlande oft Stiele von 30 cm Länge mit Büscheln von 40 bis 50 Blumen, Blumen blasslila mit dunklen Adern. 20. Mjrsineac. Ardisia inetalUca. N. E. Brown. Illustr. hört. 6 ]>. 88. Stengel niedrig. Blätter wechselweise 10 — 13 cm lang, 5 — 6 cm breit, läng- lich, Oberfläche glänzend von violett-grüner Metallfarbe, blasig zwischen den Adern. Trugdolden klein, in den Blattachseln stehend. Blumen rosa. Beeren von Grösse einer Erbse, rund, purpurrosa. 21. Primulaccac. Primula poculiformis. Hook. Bot. Mag. 6582. Hat in Wuchs und Gestalt viel Aehnlichkeit mit Primula cortusoides, und ist ein Bewohner von Mittel-China, wo sie von Maries, dem Reisenden der Herren Veitch, entdeckt wurde. Sie ist sehr veränderlich, blüht im Herbst (September) und ist wahrscheinlich hart. Blumenstiele mehrere aus der Wurzel, Blumen hängend, in Dolden, Ijlasslila oder röthlith. 22. Diapeiisiaceac. Shortia galacifoüa. T. & G. Gard. Chron. 384. Obgleich schon lange entdeckt, ist sie doch erst jetzt, weil eine aussterbende, oder doch wenigstens auf sehr wenig Standorten wachsende Pflanze, für die Kultur des Gärtners eingeführt worden. Sie wurde durch Woolson & Cie. in Passic, New-Jersey in den Handel gebracht. Vaterland Nord-Carolina. Eine niedrige, ausdauernde Pflanze mit kriechendem, cylindrischen Wurzelstock. Blätter immergrün, lederartig, Blumen einzeln an Blumenstielen die Blätter über- ragend, glockenförmig, 3 cm im Durchmesser, rein weiss, im Verblühen rosa, auf den ersten Anblick viel Aehnlichkeit mit einer Primula oder Pyrola. 23. Ampelidcae. Vit'is striata. Baker. Gard. Chron. 405. Vaterland Süd-Brasilien und Uruguay (Epheu von Uruguay). Eines der schönsten Rankengewächse in den dortigen Wäldern. Die Gebüsche mit rothen Beeren im Winter bedeckend, Stengel unbehaart, Blätter dunkelgrün, immergrün, gefingert, Blumen grünlich in Trugdolden, Beeren erbsengross, roth. 24. Craysulaceae. Cotylcdon macrantha var. nihro — margiiiafa. hört, de S.met. Monatsschrift d. V. z. B. d. G., i88i August, S. 361. Stamm kurz, Blätter gegenständig, verkehrt eiförmig, am Cirunde keilförmig, ganzrandig, ungestielt, an der Spitze kurz zugespitzt, smaragdgrün, Blüthcnstand traubenartig, Blumenkrone glockenförmig, scharlachroth, auswendig am Grunde grünlich, Saum nach aussen umgerollt, purpurroth. Vaterland wahrscheinlich das Cap. Blüht im AA'inter. Eingeführt hier von Brandt, Charlottenburg. Die neuen Pflanzen des Jahres 1881, 207 25. Ribesiaceae. Ji/bcs integrifoHiiiii. riiiLipri. (iartenflora, Mai, S. 164. Vaterland Araucanien, Süd-Amerika, von PHiLirm dort entdeckt. Ein in dortigen Bergen vorkommender Strauch, i in hoch, kalü oder ganz glatt, Blätter fast sitzend, lanzettlich, grob gesägt, lederartig, Traube nickend, halb so lang als die Blätter, Blumen gelb. 26. Ranniicmlaceac. Dclphinium coryinbosiiiii. Rgl. Gartenflora, October, S. 323. Ausdauernde Staude von 60 cm Höhe, Blüthenstand eine doldentrauben- artige Rispe, Kelchblättchen blassviolett, Unterseite grünlich, Kronenblätter schwärzlich. Von den Gebirgen Ost-Turkestans durch A. Regel an E. Regel gesandt. Dem Delphinium caucasicum nahe verwandt. 27. Berberideae. Leoutice Alberti. Regel. Gartenflora, S. 293. Ein Knollengewächs aus den Gebirgen des westlichen Turkestan, zwischen Taschkent und Samarkand. Knollen fast kugelförmig, Stengel aufrecht, 18 cm hoch, Blüthen rothgelb, in Trauben. Eine harte, schöne Frühliiigsstaude, mit Scilla, Erythronium, etc. zugleich blühend. 28. Capparideae. Eiiadciiia ciiiiiicns. Hook. Bot. Mag. 65 78. Von West- Afrika von Bull eingeführt. Ein Halbstrauch, aufrecht, steif, nur an der Spitze beblättert, Blätter kurz gestielt, drei aus einem Punkte, Blättchen sitzend, ganzrandig, Blüthenstand eine vielblumige doldenartige Traube, 20 — 27 cm im Durchmesser, Blumen aufrecht, Kelchblätter vier, lanzettlich, grün, Kronenblätter vier, schwefelgelb, die oberen beiden 10 cm lang, aufrecht, die zwei unteren ganz klein, fast fehlend. 29. Nymphaeaccae. Nymphaea tuherosa. A. Paine Bot. Mag. 6536. Eine knollentragende Nymphaee der nordöstlichen Staaten Nord-Amerikas, ähnlich unserer einheimischen Nymphaea alba. Die Knollen, welche 10 cm lang sind, lösen sich, wenn vollständig ausgewachsen vom Mutterstock ab, und bilden dann unter günstigen Umständen später selbstständige Pflanzen. Wurzelstock kriechend, knollenbildend, Knollen oval, einzeln oder gehäuft. Die untergetauch- ten Blätter kurz gestielt, häutig mit auseinander gesperrten Lappen. Die schwim- menden Blätter gross, rund mit spitzen, nahestehenden Lappen, Unterseite blass- grün oder röthlich, Blumen 10 — 18 cm Durchmesser, weiss, fast geruchlos. Nymphaea odorafa rubra. Aiton. Rev. hört. 21, S. 408. Von Godefroy-Lebeuf in Argenteuil bei Paris aus Nord-Amerika eingeführt, Vaterland Nord-Amerika, woselbst sie gleich unseren N. alba und Nuphar luteum ausdauernd ist. Ebenso ist sie es in Frankreich, und schon als kleine Pflanze blühend, Blumen wohlriechend, gross, von schönem Rosenroth, Blüthe vom Juli bis September. Verdient auch unsere Aufmerksamkeit, da es möglich wäre, sie gleich unseren einheimischen gelben und weissen Nymphäen dem deutschen Klima anzupassen, da sie Frankreichs Winter gut aushalten soll. 30. Begoniaceae. Begonia socotrana. Bot. Mag. 6555. Dr. Balfour, welcher die Insel Socotra (Socotora) (im indischen Ocean, nahe der arabischen Küste) durchforschte, sandte Knollen dieser Begonie nach 368 C. Mathieu: Kew. Diese hübsche Begonie blüht im December, und steht während 2 Monate in BKithe, daher eine für die Winterflora sehr brauchbare Pflanze. Sie ist von aufrechtem Wüchse, 16 — 20 cm hoch, Bhunen einhäusig, hell rosenroth, 10 cm im Durchmesser. Begonia seinperflorens rosea. -sar. hört. Rc\'. hört. 17, S. 330. Gezüchtet von Mr. Roussel, Gärtner zu Grande Carree, sie ist von dem- selben Wuchs, Eigenschaften wie die Stammform. Soll ohne künstliche Be- fruchtung von selbst gefallen sein. 31. Caryophylleae. Dianthus Hoeltzcri. Winkler. Gartenflora, Januar, S. i. Von A. Regel in Turkestan gesammelt. Ausdauernd. Blüht im Mai und Juni; sowohl für Töpfe als im freien Dande geeignet; im botanischen Garten zu St. Petersburg, und wird daher für uns, gleich dem Dianthus superbus, dem sie sehr ähnlich ist, eine gute Staude sein. 32. Malraceae. Abutilon floribunduin. hört. var. Revue hört. 18, S. 350. In Paris von Samen des Abutilon Chauvieri gezüchtet, ist diese Pflanze eine Zierde der Gärten während des Sommers, und kann, in Töpfen kultivirt, zur Ausschmückung der Zimmer etc., da sie sehr reichlich blüht, dienen. 33. Tiliaceae. Sparmanuia africana ß. pl. Monatsschrift, September, S. 400. Es ist dies die gefüllte Art der allbekannten Sparmannia, welche Brandt, Charlottenburg, aus der Umgegend von Nizza, woselbst die Pflanze an einem Landhause ein vergessenes Dasein fristete, in Deutschland einführte. Blüht vom November bis April. 34. Sapindaceae. Melianthus Trimenianus. Hook. Bot. Mag. 6557. Ein Bewohner Süd-Afrikas, Namaqualand, wird dieser Blüthenstrauch ^'j bis I 7n hoch. Laub wohlriechend, wie das des M. major, aber stärker im Ge- ruch. Die Blüthen stehen in aufrechten Endtrauben und sind 10 — 20 cm lang, Blumen in Quirlen zu 4 bis 6, scharlachroth, benannt nach Dr. Trimen und dessen Bruder, welch ersterer die Pflanze beschrieb und letzterer die Pflanze entdeckte. 35. Balsainineae. Impatiens ainphorata. Edgew. Bot. Mag. 6550. Der L glanduligera sehr ähnlich, ist sie ein Bewohner des West-Himalaya, von Kashmir bis Nepal, in etwa 1600 — 1700/// Höhe. Eine sehr veränderliche Pflanze, welche in 3 Formen auftritt, I. amphorata, umbrosa und pallens. Sie wurde in Kew durch Samen aus Kashmir eingeführt, und blüht jährlich reich- lich dort im August bis September. Sie ist einjährig, \ — 2m hoch, die Blüthen- trauben 5—13 cm lang, vielblumig. Blumen blassroth. Impatiens Marianae. Reh. f. Gard. Chron. 387. Von Ober-Assam in Brittisch-Lidien, durch Mann entdeckt. In dichtem Schatten unter Bäumen wachsend auf feuchtem Boden. Blüht im Juni und Juli. Zu Ehren der Mrs. Mariana Mann genannt. Eine sehr hübsche Art mit dickem, fleischigen, in der Jugend behaarten Stengel. Blätter gestielt, keilförmig läng- lich, spitz, dunkelgrün, die Oberfläche durch hellere Stellen bunt. Blumen in Die neuen Pflanzen des Jahres 1881. 369 Trugdolden, ähnlich der einer Gartenbalsamine, nur kleiner, lilaroth. Wird in Hannover und in Göttingen im botanischen Garten kultivirt. 36. Melastoiiiaceae. Osbeckia ?'ostrata. Don. Bot. Mag. 6575. Vor 25 Jahren eingeführt und dann verloren gegangen, ward sie vor einiger Zeit wieder eingeführt und blühte im October 1880 in Kew, wohin sie von E. G. Henderson gesandt. Sie bewohnt die sumpfigen Bezirke am Fusse des Himalaya, in Nord-Bengalen bis Birma und in Dakan. Sie wird 0,65 — 1,30 /;/ hoch. Stamm aufrecht, Blumen 5 — 7 cm im Durchmesser, purpurroth, zu 4 in gipfelständigen Doldentrauben stehend. 37. Rosaceae. Fotentilla ungiiiculata. Gray. Bot. Mag. 6560. Samen dieser Pflanze wurden von Dr. Gray nach Kew gesandt. Pflanze ausdauernd, blüht im Juli. Sie bewohnt die Wiesen des berühmten Yosemite- Thal in Californien, in einer Höhe von 2600 in. Eine zierliche Pflanze mit weissen Blüthen, welche sich für Felsenpartien sehr gut eignet; sie wird 35 c^n hoch. 38. Amygdalaceae. Prunus Fissardi. E. A. CARRifeRE. Revue hört. 10, S. 190. Strauch oder strauchartiger Baum. Je nach Wachsthum mehr oder weniger schön purpurroth, aber stets schön gefärbt. Blüthen in der zw^eiten Hälfte des März erscheinend, schön weiss, 15-^18 cm im Durchmesser, selten rosa schattirt. Früchte klein, dunkelroth von ihrem Erscheinen an, ziemlich wohlschmeckend, wenn völlig reif, mit saftigem süssen Fleische. In Bezug auf seinen Werth als Gruppenbaum gleich der Blut-Pfirsich zu benutzen. Benannt nach Mr. Pissard, Gärtner des persischen Schah. Vaterland Persien. Prunus Chapronii. E. A. Carri£;re. Revue hört. 24, S. 467. Eine zur Myrobalana-Gruppe gehörige Pflaume, in Rumänien vom Gärtner Chapron zu Berlad entdeckt. Ein hübscher Strauch mit kleinen, eirunden, fein- zähnigen Blättern, Frucht rund, etwas abgeplattet am Grunde, Haut glatt, glän- zend wie lackirt, dunkelroth mit violettem Anflug, hin und wieder mit kleinen grauweissen Punkten versehen, ungefähr 45 cm im Durchmesser, und 35 cm hoch. Stiel dünn, lang, in einer kleinen Höhlung stehend. Fleisch sehr fest am Kerne anhängend, unter der Haut dunkelroth, sonst orangefarbig, Saft reichlich, ge- zuckert, angenehm säuerlich, von eigenartigem Geschmacke. Reifzeit August, September. 39. Leguiiiiuosae. Millettia megasperma. Bent. Bot. Mag. 6541. Der Wistaria chinensis nahe verwandt, kommt dieses hübsche, holzige Rankengewächs in seinem Vaterlande, dem tropischen und subtropischen Austra- lien, hauptsächlich an den Flussufern vor, wo es mit seinen Blumengewinden die dortigen lichten Bäume bedeckt. Blüthen in Trauben, Blumen hellpurpur, Blätter immergrün. In Kew im temperirtem Hause im August blühend. Addenda. ad Filices. Adiautnm Lathomi. T. Moore. Gard. Chron. 413, S. 685. Wahrscheinlich ein Blendling von Adiantum Ghiesbreghtii (scutum), welcher in der Wirj,s'schen Gärtnerei (Central Horticultural Comp.) entstand. Zu Ehren des Karl of La thoim benannt. Wedel nicht halb aufrecht, sondern nickend, So cm bis I /;/ hoch, überhängend, ähnlich dem A. Farleyense, vierfach gefiedert, die einzelnen Fiederblättclien 3 — 4 c/u lang, trapezförmig, am Grunde deutlich ge- lappt. Ainaryllidaceae. Zephyranthcs viacrosiphon. Baker. Gard. Chron. 394. Aus Mexico durch die Herren Vei'I'CH eingefiilnt. Eine der grossblumigsten Arten. Zwiebel eiförmig, 3 cm im Durchmesser, Blätter drei bis vier, zugleich mit den Blumen, oder ein wenig später, 30 cm lang, ungeßihr 8 mm breit, hell- grün. Schaft so lang als die Blätter, Blumen hellrosa, 5 — 6 cm lang. Agave Hüokcri. Jacoei. Bot. Mag. 6589. Obgleich schon von Jacobi und Baker ohne Blüthen beschrieben, blühte diese zu den amerikanischen Riesen-Agaven gehörend, zum ersten Male bis jetzt erst in Kew, voriges ■ Jahr. Vaterland Mexico. Sie ist stiellos, Blätter 30 — 40 in einer Rosette, i'/s — 'i-'i^/'i lang, 17 — 24^//^ breit in der Mitte, grün, in einen 2^j.,cm langen Endstachel endigend. Blüthenstand ca. 14;// lang. Der Blumen- stiel 12 — \\ci}i dick am Grunde, mit vielen lanzettlichen Deckblättern besetzt. Rispe 1^/3 — 1-3 m lang und 2/3 m breit, Blumen in dichten Doldentrauben, gelb mit grimem Fruchtknoten, und Staubfäden noch einmal so lang als die Ein- schnitte der Blüthenhülle (perianthium\ Molautliaeeae. Mcrendcra RadJeana. Rgl. Garüenflora 293. Ein Zwiebelgewächs vom Kaukasus, nach Dr. Radde benannt, welcher Zwiebeln an Regel sandte. Der am Grunde der alten Zwiebel, nicht aus der Mitte derselben, sich entwickelnde Stengel ist einblumig, dreiblätterig, Blüthen sechsblätterig, lila. Eine der ersten Garten-Frühlingsblumen, mit den Cialanthen zugleich blühend. Bulbocodhim pcrsiciim. B. & K. var. turkestanicum Rgl. Gartenflora 294. Zwiebelgewächs aus Turkestan, von A. Regel gesandt, ähnlich dem B. ro- bustum. Blätter 4 bis 6, Blumenschaft ein- bis zweiblumig. Liliaceae. Aloe Ferryi. Baker. Bot. Mag. 6596. Stamm kurz, einfach, Blätter 12 — 20 in dichter Rosette, lanzettlich, 31 cm lang, am Grunde 8 cm breit, meergrün mit röthlicher Färbung, am Rande mit kleinen blassbraunen Zähnen, Blumenschaft 30 — 60 cm lang, in der Regel 2- bis 3theilig, selten einfach, purpurfarbig. Blüthentrauben 8 — \(i cm lang, 5^/;/ im Durchmesser. Blumen 3 cm lang, hellroth, in der Jugend mit grüner Spitze, später in gelb übergehend. Durch Prof Bavlay Balfour auf der Insel Socotora entdeckt, wo die Pflanze überall bis zu 9000 /// Höhe auf Kalkfelsen vorkommt. Alüum stipitatum. Regel. Gartenflora, November, S. 355. Dieser schöne Lauch, welcher eine Zierde unserer Gärten zu werden ver- spricht, wurde von A, Regel in West-Turkestan entdeckt. Stengel 80 — 90 cm hoch, Blätter linien-lanzettlich, wurzelständig. Blüthenstand eine koi)fförmige. Die neuen Pflanzen des Jahres i8Si. 271 deckblalüose Dolde. Blumenstiele ungefähr 4 cm lang, Blumen rosa-lila, wohl- riechend, die Pflanze hat viel Aehnlichkeit mit A. atropurpurcum. Alüuin Suworoivi. Gartenflora, November, S. 356. Dem A. atropurpureum ebenfalls nahe verwandt. Von A. Reokf. in der Kirghisen-Steppe bei Uralsk entdeckt. Blätter bandförmig, nach der Sjjitze zu nach und nach verschmälert, kürzer als der Stengel, bis i'/., cm breit und ^o cm lang, wurzelständig. Stengel 50 cm hoch. Blüthenstand eine kopfförmige deck- blattlose Dolde. Blumenstiele i '/. — 2 cm lang, Blumen rosa-violett, wohlriechend. Plumbagiiieao. Staticc callicoma. C. A. Mev. Gartenflora, November, S. 356. Aus Ost-Turkestan durch A. Rf.gel eingeführt, und in St. Petersburg noch im freien Lande ohne Decke aushaltend. Soll nur eine Form der St. speciosa sein. Blätter länglich-lanzettlich oder fast elliptisch, am (xrunde verschmälert, an der Spitze stachelspitzig, 5 — 6 cm lang, Schaft niedrig, kaum eine Spanne hoch, Blüthenstand eine Trugdolde. Blumen rosenroth und weiss, die ganze Pflanze mit weissen Haarschüppchen bedeckt. Raimuculaceae. Aconitum rotuiidifoHiim. Kar. & Km. Gartenflora, November, S. 357. Von den Gebirgen Central-Asiens, von A. Regel eingeführt. Stengel 16 bis 46 cm hoch, Blätter rundlich herzförmig, Blüthenstand eine wenigblumige Traube. Blumen auswendig grünlich, innen helllila. Nur von botanischem Werthe. • Compositac. Tauacctiim kucophylliim. Regel. Gartenflora, November, S. 358. Im östlichen Turkestan an den Quellen des Kasch von A. Regel entdeckt. Wuchs rasenbildend, i Spanne hoch, von silber-seidenartigem Ansehen. Stengel aufsteigend, verzweigt, Blätter sitzend oder kurz gestielt, einfach oder doppelt fiederschnittig. Blüthenstand eine Doldentraube. Blumenköpfe gelb, alle Blumen röhrenförmig. Die Pflanze könnte vielleicht als neue Teppichpflanze gut ver- werthet werden, da sich die silberweissen Rasen derselben sehr gut dazu eignen. Pflanze wohlriechend. TMadiantlia dubia Enge. Von EuG. J. Peters in Leitmeritz (Steiermark). (jotj) nter der grossen Anzahl von Schling- und Kletterpflanzen, welche wir zur Verschönerung unserer Gärten und Glashäuser kultiviren, spielen bekanntlich viele zur Familie der Cucurbitaceen gehörige Gewächse eine grosse Rolle und werden manche davon, sowohl einjährige als auch ausdauernde, in vielen Cxärten mit besonderer Vorliebe gezogen, da sie vor manchen andern derartigen Gewächsen den sehr willkommenen Vorzug besitzen, äusserst rasch zu ansehnlicher Höhe emporzusteigen und daher, wenn auch erst in verhältnissmässig vorgerückter Jahreszeit, Mitte oder Ende Mai, angesäet oder ausgepflanzt, bald für Lauben, Geländer, Bogengänge, Verandas etc. eine ausgiebige Deckung zu geben; einige darunter erfreuen uns auch mit schönen Blüthen, sehr viele besitzen mehr pder minder grosse, oft äusserst zierlich oder auch sehr sonderbar geformte, mitunter sogar in den auffallendsten Farben prangende Früchte. ■5 72 Kug. J. Peters: Obschon, wie bereits gesagt, die besondere Eignung vieler Gattungen der kürbisartigen Gewächse, als der: Abobra, Bryonia, Bryonopsis, Cucurbita, Mo- mordica, Pilogyne, Trichosanthes etc. zu verschiedenen Zwecken der Ziergärtnerei allgemein anerkannt ist, so werden doch manche darunter viel zu wenig kultivirt und weitaus nicht so häufig benützt, als dies zu wünschen wäre; dasselbe ist auch der Fall bei der in der Ueberschrift genannten, ebenfalls zu den Cucur- bitaceen gezählten Kletterpflanze, die wegen ihrer überaus leichten Kultur, äusserst raschen Vermehrungsfähigkeit, Härte gegen unsere Winterkälte und wegen ihres schnellen kräftigen Wuchses, der sie zu jeder Art der Verwendung geeignet macht, in keinem Garten fehlen sollte und besonders Privat-Liebhabern, die nicht immer den zur Ausschmückung ihres Gartens während der Sommer- monate dienenden Pflanzen wegen Mangels eines Glashauses etc. auch in der rauhen Jahreszeit die entsprechende Pflege angedeihen lassen können und deshalb solchen Gewächsen, die im Winter gar keines Schutzes und keiner Mühe bedürfen, den Vorzug geben, sehr anempfohlen werden kann. Thladiantha dubia Bnge. wurde von dem k. russischen Staatsrathe und Professor an der Universität zu Dorpat, Dr. Alexander v. Bunge auf seiner Reise durch die Mongolei und das nördliche China daselbst und besonders in der Umgebung von Peking, wo sie sehr gemein ist, zuerst, und später von Hooker und Thomson auch im Sikkim-Himalaya und auf den Khasia-Bergen in 1^00 — 2000 m Höhe aufgefunden; seit 185g wurde sie von Ch. Naudin im Jardin des Plantes in Paris kultivirt und gab dieser berühmte Kenner der Cucurbitaceen auch zuerst in Band XII der Annales des sciences naturelles eine Beschreibung und auf Tab. X. eine Abbildung davon; auch das Bot. Mag. bildete sie im Jahre 1864 auf Tab. 5469 ab, wie ferner La Belgique horticole vom Jahre 1872 eine gute Abbildung sammt Beschreibung enthält. Die Thl. dubia besitzt gelbe unserer Kartoffel ähnliche, aber nicht essbare Wurzelknollen, welche lange, nahe unter der Erdoberfläche sich hinziehende Ausläufer erzeugen, an denen sich wieder Knollen ansetzen; Stengel 6 — 8 //^ hoch- kletternd, Blätter gross, breit oval— herzförmig, rauh, von hellgrüner Farbe, Blüthen glockenförmig, gelb, ziemlich hübsch, die an den weiblichen Pflanzen er- scheinenden Früchte sind oval geformt, in der Grösse eines Taubeneis, anfangs grün, zur Reifezeit roth gefärbt. Diese Kletterpflanze gedeiht in jedem gewöhnlichen Gartenboden, sowohl an sonnigen als auch an etwas beschatteten Stellen, ver- Nvildert, einmal angepflanzt, gewissermassen, überzieht, in die Nähe anderer Pflanzen gesetzt, diese ganz, rankt sich an Gesträuchen, an Stauden und Bäumen etc. empor, kann andern schwächern Pflanzen, welchen sie mit ihren grossen Blättern die Luft und den Sonnenschein entzieht, selbst schädlich werden und ist nur mit einiger Schwierigkeit wieder zu entfernen, da die Knollenaus- läufer oft ungemeine Länge erreichen, weit umher wuchern, sogar unter fest- getretenen Wegen hindurch wachsen, auf ziemlich entfernt von ihrem ursprüng- lichen Standort liegenden Stellen ihre Stengel austreiben und selbst jedes kleine Stückchen einer Knolle, welches beim Ausnehmen im Boden zurückblieb, wieder austreibt und sich bald vermehrt. Zur schnellen Bedeckung nackter Mauern, von Gittern, Säulen, Baum- stämmen, Lauben und Bogengängen, auch am Boden fortkriechend, zum Ueber- ziehen von Felsenpartien etc. ist diese Pflanze sehr zu empfehlen; sie bedarf nach dem Legen der Knollen im Frühjahr fast gar keiner weitern Pflege, Thladiantha dubia Bnge. 373 braucht nur bei grosser Trockenheit begossen zu werden und die in etwas besserem Boden sehr gross werdenden Blätter geben eine gute Deckung; zur Ueberwinterung der ThL d. braucht nicht die geringste Vorsorge getroffen zu werden, denn selbst nur ziemlich oberflächlich gepflanzte, also schwach mit Erde bedeckte Knollen halten jede Winterkälte gut aus, ohne Schaden zu leiden und treiben im Frühjahr wieder kräftig aus. Die Vermehrung dieser Pflanze ist eine sehr reichliche und geschieht durch die Pflanze selbst, durch die, wie schon bemerkt, an den Ausläufern der Knollen sich bildenden jungen Knollen, die, abgenommen und versetzt, bald sich ver- grössern und ihrerseits wieder neue Knollen erzeugen, so dass man in kurzer Zeit von einer einzigen Knolle eine ganze Menge erhält, doch kann man auch ganz auf dieselbe Weise wie bei der Kartoffel durch Zerschneiden der alten mit mehreren Keimaugen versehenen Knollen, sowie schliesslich auch durch Aussaat im lauwarmen Mistbeete oder in Töpfe im Frühjahr sich junge Pflanzen anziehen, welche, nachdem man sie zuvor in kleine Töpfe gesetzt, im Mai im Freien ausgetopft werden. Folgende, ebenfalls sehr schöne mit ausdauernden knolligen Wurzeln ver- sehene Zierkürbisse können auf dieselbe Weise wie die Thladiantha dubia kultivirt und verwendet werden: Eopcpoii auraiitiaciis Naud. und E. vififoiii/s'^^^nd. aus China, erstere mit gold- gelben, letztere mit weissen Blüthen und grossen orangerothen Früchten; beide sind sehr schöne, kräftig wachsende Kletterpflanzen, welche aus der Wurzel- knolle zahlreiche Stengel austreiben, wegen ihrer grossen Blätter, die bei E. vitifolius besonders zierlich, weinlaubähnlich aussehen, zu verschiedenen Deko- rationen im Garten sehr gut benützt werden können und dabei ebenso hart wie die Thl. d. sind. Die Knollen beider Arten sollen auch essbar sein. Flatygoiiia Kacinpfcri Naud. aus Japan, ebenfalls eine schöne, raschwachsende Kletterpflanze mit starker, rübenartiger Wurzel, grossen Blättern, zierlichen fein- zertheilten und gefranzten weissen Blüthen und rothen beerenförmigen Flüchten; zur Bedeckung einer Wand ist dieser leicht aus Samen anzuziehende Zierkürbis sehr zu empfehlen und hält unter einer Laubdecke auch gut im Freien über Winter aus. Sicydiiiin Lindheimeri A. Gray aus Kalifornien hat drei bis fünflappige glatte Blätter, gelbe Blüthen und ovale, pflaumengrosse, zur Reifzeit schön" rothgefärbte Früchte; die knollige- Wurzel dieser bryonienähnlichen Kletterpflanze hält unter Bedeckung im Freien aus. Vermehrung durch Aussaat. VerscMedenes. Eine sehr schöne Pyramiden-Akazie, Robinia Pseud-Acacia var. pyra- midalis findet sich im bot. Crarten zu Madrid. Der Baum hat ca. 15 /// Höhe und wurde s. Z. von Andre Leroy in Angers bezogen. F. J. Starker Olivenbaum. In Bendinal auf der Insel Mallorka bei Palma findet sich nach Mittheilung des Herrn Vollert ein Olivenbaum von 13 /// Um- fang des Stammes. Derselbe hat aber nur geringe Höhe und wenig Aeste. Die Früchte sind dieselben wie die von jungen Bäumen. Die Oel1)äume Jerusalems, die 2000 Jahr alt sein sollen, haben nur 6 /// Umfang. Wie alt mag nun wohl dieser Kulturbaum auf Mallorka sein? F. J. 374 \'erschiedenes. AufMallorka trieben nach Volle rt Obstbäume, die aus Angers bezogen und im Januar gepflanzt wurden, bereits Ende Februar Blätter und Blüthen, während die einheimischen Obstbäume erst einen Monat später ausschlugen. Nach zwei Jahren Hess man eine zweite Sendung aus Angers kommen und beobachtete dieselbe Erscheinung. Die Obstbäume der ersten Sendung blühten jetzt aber später, gleichzeitig mit den einheimischen oder früher eingeführten. — Es ist das also eine ähnliche Erscheinung, wie wir sie beim Bezüge von Samen aus nördlichen Gegenden machen. (S. Wittmack, Landw. Jahrbücher 1877 S. 999.) Ficus rubiginosa hat auf Mallorka 1° Kälte ausgehalten. Dieselbe macht Luftwurzeln wie die berühmten Banyan-Bäume Ostindiens, Ficus indica u. a. A. und kann vielleicht noch nördlicher als Mallorka kultivirt werden. Die Vereine für Samenbau in Schweden. Schon Professor Nobbe von Tharand betonte in seinem am 19. Februar 1881 im Klub der Landwirthe in Berlin ge- haltenen Vortrage den Werth und die Vorzüge des im Norden gebauten Samens, aus dem harte Pflanzen und solche von üpjjigem Wachsthum erzogen werden, auch wenn er unter Einwirkung südlichen Klimas ausgesäet wird. Dazu kommt, dass in dem kurzen Sommer des Nordens mit seinen langen Tagen und kurzen Nächten die Samen schneller reifen und die aus ihnen gezogenen Pflanzen sich schneller entwickeln, dadurch auch den Spätfrösten, hauptsächhch aber den frühen Herbstfrösten entgehen. Es ist selbstverständlich, dass nachgebaute Samen diese F^igenschaften mehr und mehr verlieren, dass also derjenige, welcher den Werth des im Norden gebauten Samens erkannt und solchen mit Erfolg verwendet hat, sich solchen beinahe jährlich wird anschaffen müssen, wenn er die erwarteten und einmal genossenen Vortheile fortdauernd geniessen will. Die Aussicht auf einen möglichen Export nach dem Süden veranlasste wohl auch den Gartenbauverein in Luleä (66° n. Br.), Proben von dort gebauten Gartensamen und Saat-Gerste nach Berlin zu senden und Saat-Roggen zur Ver- fügung zu stellen, um hiesige Gärtner und Landwirthe von der Vorzüglichkeit der Waare zu überzeugen und zu Versuchen mit ihr aufzufordern. F)ie Arbeit des Herrn Freese im 11. Heft des »Deutschen Garten«: »Be- obachtungen und Mittheilungen über Gemüse-Samenbau i veranlasst uns aber, noch ganz besonders auf die schwedischen Vereine für Samenbau und Samen- handel, verbunden mit Samen - Kontrole aufmerksam zu machen, die in den letzten Jahren, in der Hauptsache nach dem Beispiele dänischer Vereine, in Ostgothland und Gothenburg gegründet wurden. Ihren Zweck suchen sie besonders flurcli Unterricht und Kontrole der samenbauenden Mit- glieder zu erreichen. A\'ir geben in den folgenden Zeilen einen Auszug aus den \ms vorliegenden Statuten des Samenbau-Vereins der Provinz Gothenburg und Bohus. Der Verein sucht den Anbau und Handel mit einheimischen, haupt- sächlich landwirthschaftlichen Samen und Saatgetreide zu befördern. Zu diesem Zweck zieht, kauft, verkauft und verbreitet er gute schwedische Samenarten, ertheilt Rath und giebt Anweisungen für Anbau und Pflege der verschiedenen Samenarten. Jedes Mitglied zahlt zur Kasse jährlich 3 Kronen (ä 1,125 M.) und erhält nicht allein alle Schriften, sondern auch, vor Anderen, den Samen des Vereins, verpflichtet sich aber auch, soweit möglich, Samen zu bauen. Damit der Verein im Stande sei, nur gute, reine und zuverlässige Samen Verschiedenes. 375 abzugeben, soll die Waare, welche in seinem Namen ge- und verkauft wird, kontrolirt, gereinigt und mit seinem Stemi)el und Siegel versehen werden. Der Verein stellt einen sachkundigen Samenkontroleur an, der seine Thätigkeit nach den Vorschriften einzurichten hat, die ihm vom Vorstand des Vereins zugehen. Der Handel mit Samen wird auf Veranlassung des Vorstandes entweder im eigenen Lokal in Gothenburg und in Abtheilungs-Comptoirs innerhalb des Vereins-Bezirks betrieben, oder auch einzelnen Samenhändlern übergeben, die sich nach den Anweisungen des Vorstandes zu richten haben; ihre Namen werden öffentlich bekannt gemacht, ebenso die Namen derjenigen Samenhändler, welche das Vertrauen des Vereins nicht mehr besitzen. Der Verein hält für seine Mitglieder, und wenn möglich, auch für Andere, die besten Geräthschaften für Saat, Reinigung u. s. w. des Samens vorräthig. Es darf hierbei bemerkt werden, dass der Verein unter Reinigung des Samens, die er selbst besorgt bezw. unter seiner Kontrole besorgen lässt, nicht allein die Entfernung von Schmutz etc. versteht, sondern auch die von fremden, d. h. Unkraut-Samen. Der Geschäftsführer (Sekretär des Vorstandes) ist gegenwärtig der Amanuens am Museum in Gothenburg, Herr Dr. A. H. Malm, der Vorsitzende im Vorstand Herr P. Virgin. Es haben sich mehrere solcher Vereine für Samenbau kon- stituirt, und ihr Vorhaben findet allgemeine Unterstützung, so dass, wie uns soeben direkt aus Schweden mitgetheilt wird, ein Herr L. O. Smitt eine Summe von 200 000 Kronen zur Verfügung der landwirthschaftlichen Akademie (Central- Behörde für Landwirthschaft) gestellt hat, behufs Ankauf von Saatgetreide, mit dem im Auslande Versuche angestellt werden sollen. O. H. Die Nacktsc'nnecke im Gemüsegarten etc. zu vertilgen. Dem »Obstgarten« ent- nehmen wir aus dem ]5ericht des K. G. über seine Versuche Folgendes: Ich nahm zur Probe zu diesem Zweck zwei gewöhnliche Blumentopf-Untersätze, grub sie dem Boden gleich ein und füllte sie bei Beginn der Dämmerung nicht mehr als i cm hoch mit Bier. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich, wie die Schnecken aus ihren Schlupfwinkeln hervorkrochen und dem Biere zu- steuerten, dort angekommen, über den Rand des Gefässes sich hinwegneigten und gierig sich an dem Biere delektirten, nach einer Weile hineinfielen und auf dem Boden liegen blieben. Ich Hess sie nun eine Stunde lang unbehelligt, und als ich nach Verlauf dieser Zeit die Untersätze herausnahm und zum Lichte trug, fand ich den Boden fast ganz mit Schnecken bedeckt. Ich goss nun dieses schon gebrauchte Bier in andere Untersätze ab und stellte letztere wieder auf derselben Stelle auf, um zu erproben, ob die A\'irksamkeit fortdauere. Bei Abzahlung der ertrunkenen Schnecken fand ich 108 Stück vor. — Des andern Morgens fand ich abermals 69 Schnecken in dem schon gebrauchten Biere, so dass in einer Nacht — am 24. Juli — 177 ihren Tod fanden. Die Versuche wurden fortgesetzt und mit nur zwei Tassen 470 Schnecken auf derselben Stelle ohne Mühe und mit den geringmöglichsten Kosten vertilgt ; ich kann daher die Aufstellung von Bier als das wirksamste Vertilgungsmittel allgemein anem])fchlen. Zum Aufthauen gefrorenen Bodens empfiehlt die »D. Industrie -Ztg. . VII 9 .7 3 22 2 14 0 19 5 20 9 20 8 13 21 24 19 i8 22 25 17 15 10 13 II 13 9 5 66 125 146 76 72 62 62 62 63 44 Nimmt man nun an, dass diese 433 eingefangenen Weibchen (nach Dr. Prof. Ratzeburg's »die Forst-Insecten«) nur die geringste angegebene Zahl Eier, näm- 250 gelegt hätten, so hätte ich in der Zeit 108 250 Raupen von meinen Bäumen entfernt. Es ist also ein Verfahren, welches nicht genug empfohlen werden kann. Garten-Zeitung 1882. 25 278 A'erschiedencs. Birnen anf Quitten und Aepfcl auf Paradiesstanun. Welche Birnensorten kommen auf Quitten veredelt nicht gut fort? Welche Apfelsorten kommen auf Para diesstamm (Johannisstanmi) veredelt nicht gut fort? Um eine möglichst umfassende Kenntniss jener Sorten, welche auf den genannten Unter- lagen nicht so gedeihen, dass ihre Veredelung darauf empfehlenswerth wäre, zu erlangen, richtet der Unterzeichnete an alle l'oniologen und ObslzUchter die Ritte, ihm baldigst die beiden oben angeführten Fragen beantworten zu wollen. Auch wäre es erwünscht und für die Verbreitung zweckmässiger Kenntnisse sehr erspriesslich, jene Sorten mitzuth eilen, die auf den beiden Unterlagen ganz besonders gut fortkommen Jeder, der in seinem Garten zu einschlä- gigen Beobachtungen Gelegenheit hat, ist freundlichst um Auskunft gebeten. Dr. Rudolf Stoll, Lehrer für Obstbau in Klosterneuburt/ bei Wien. Kultur der gefüllten Gaillnrdia pieta var. Lorenziana. Da diese schöne von Herrn Lorenz in Erfurt gezogene Gaillardia noch nicht ganz treu aus Samen sich reproducirt, so muss man die Varietäten, die man behalten will, durch Steck- linge vermehren. Dies geschieht am besten nach Angabe des Herrn Direktor a. D. KoOPMANN im August. Man überwintert die Pflanzen dann im kalten Kasten und erhält so frühe Blüthen. Will man Samen benutzen, so muss dieser im März oder April ins Mistbeet gesäet und die jungen Pflänzchen auch ins Mistbeet piejuirt werden ; diese blühen erst im Juli. — Um recht früh und reich zu blühen, verlangt Gaillardia eine recht sonnige, warme, offene Lage. Eduard Ninimann's Blnmendünger. Herr Eduard Naumann zu Cöthen -Bahnhof hat mich um eine Aeusserung über seinen chemischen Blumendünger ersucht. Ich finde denselben, dem heutigen Stande der Wissenschaft entsprechend, verständig zusammengesetzt, denn er enthält in leicht löslicher Form hauptsächlich Stickstoff, Pliosphorsäure und Kali. Derselbe entspricht ferner den Anforderungen der Bequemlichkeit dadurch, dass er in Pulverform in Blec :dosen verkauft wird, so dass er leicht als Kopfdüngung oder dem Giesswasser beigemischt, verwendet werden kann. Hervorragend gute Wirkung habe ich bei Pelargonien und Begonien durch ihn erzielt. Ich empfehle diesen Dünger daher überall dort als tadellos, wo das ■ und o der Pflanzen- nahrungmittel, der Inhalt der Mistgrube eines Wirthschaftshofes, keine \erwendung finden kann, sei dies aus ästhetischen oder anderen Gründen. von Saint-Paul, Fischbach, Reg. -Bez. Liegnitz. Nessler's Mittel gegen Blattläuse. Ich habe das Hofrath Dr. Nessler'sche Mittel gegen Blattläuse benutzt, wie es die Löwen- Apotheke in Berlin, Jerusalemerstrasse 8, bereitet. Es tödtet unzweifelhaft die Blattläuse gut, es greift aber die zarten Triebe und Knospen der Rosen nicht unerheblich an. Ich bin noch nicht sicher darüber, ob ein Abspülen mit reinem Wasser einige Minuten nach dem Bespritzen mit der Nessler'schen Lösung diesen Uebelstand vollständig beseitigt; thut man dies aber nicht, so werden zarte Blätter und ganz junge Knospen getödtet, etwas kräftigere, z. B. in der Grösse ziemhch vollständig ausgebildete, aber noch röthliche Theerosen- Blätter an den Spitzen und Rändern erheblich angegriffen. Dkndrophilus. Im Kgl. botanischen Garten zu Berlin sind seit dem Frühjahr grosse Xeränderungen vor- genommen und ganz besonders a.f wissenschaftliche und doch dekorative Aufstellung Gewicht ge- legt worden. Ausser einer hübschen Teppichbeetanlage am Eingange imponirt ganz besonders eine riesige Gruppe von Succulenten, die bisher ganz versteckt hinter einem Zaune standen, gekrönt mit blühenden Dasylirion ; erst jetzt kann man darnach den Reichthum des Gartens an Succu- lenten ermessen. Daneben links findet sich eine grosse Cacteen-Gruppe, rechts und dahinter dagegen folgen grosse Gruppen, in denen die Gewächshauspflanzen, soweit sie im Sommer im Freien aushalten, nach den Florengebieten aufgestellt sind. Unter den Bäumen haben Baum- farne und Palmen, sowie, davon geschützt, Yucca und Dracaenen Aufstellung erhalten. Verschiedenes. o jq Das neue stattliche botanische Museum im Garten ist jetzt eröffnet. Besuchszeit Montag, und Donnerstags 3—6 Uhr unentgeklich. Führer 50 Pf. Wir cmpfelilen den Besuch an- gelegenthchst. Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues machte auf allgemeines Verlangen am 8. Juli einen zweiten Ausflug mit Damen und zwar nach Pankow, wo die Gärten der Herren Killisch VON HoRN und Kommerzienrath Dellschau besichtigt wurden. Die Kgl. Gärtner-Lehranstalt zu Wildpark und Kgl. Landes-Baumschule zuAlt-Geltow erhielten am 15. Juli den Besuch einer grossen Zahl Studirender der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin und der betr. Lehrer. Herr Hofgarten-Direktor Jühlke übernahm freundlichst die Lei- tung des Ganzen, während in Wildpark speziell Herr Inspektor Lauche, in Alt-Geltovv Herr In- spektor Wrede führten. Von Alt-Geltow begab man sich noch nach Werder, wo Herr Hoflieferant Aug. Fritze in seinem Kirschberge die interessanten Kulturen auf dem dürren Sande auseinander setzte. Billige Giirteninöbel aus Naturliolz. Im Garten des Herrn Killisch von Hörn in Pankow sah der Verein zur Beförderung des Gartenbaues auf seinem Ausfluge am 8. Juli sehr geschmackvolle Gartenmöbel aus sogenanntem Wurzelholz zu ausserordentlich billigen Preisen. Auf Befragen hörten wir, dass dieselben von A. Bracke in Niklasdorf bei Ziegenlials bezogen sind. Wie kann man den an der öfFentliclien Strasse stehen- den jungen Baum am sicliersten und dauerhaft an dem BaumpfaMe befestigen? Von A. Finte LM ANN, Stadt-Obergärtner in Berlin. ^^wV^ii'ft man e'nen Blick auf das Material, mit dem junge Bäume auf dem Lande, an den Chausseen oder Landwegen bis zu ihrer Selbstständigkeit an •den Baumpfählen befestigt werden, dann wird man sich eines unwillkürlichen Staunens über die Verschiedenartigkeit desselben kaum enthalten können. Hier ist es ein alter Strick, der den jungen Baum an seiner Stütze hält, dort ein Strohseil oder ein primitives Weidenband; ja an anderer Stelle muss sogar ein alter Lappen dieselben Dienste thun; kurzum, man findet ein Wirrwarr von Be- festigungsmitteln, wie man es sich nur irgend möglich denken kann. Der Grund für die bewunderungswürdige Mannigfaltigkeit in dieser Beziehung ist aber leicht erklärlich, wenn man dem Umstände Rechnung trägt, dass die Wartung der jungen Bäume auf dem Lande in vielen Fällen oft noch eine recht mangelhafte ist, dass die etwa mit der Pflege der Bäume betraute Person sehr selten des Weges endang kommt und, wenn dies der Fall, bei der grossen Ausdehnung der Anpflanzungen nicht immer in der Lage ist, sich mit vielem Bindematerial zu schleppen. Der Baumwärter greift daher im Nothfalle nach dem ersten besten Mittel, das ihm in der Nähe zu Gebote steht, etwa langes (iras oder Weiden etc., um so wenigstens seinen Pflegling vor der Gefahr des Umbrechens oder Schiefwachsens einigermassen zu bewahren. Bei geordneter Pflege der Bäume auf dem Lande werden immerhin die Weiden- oder Strohseile ein wohlfeiles Material zur Befestigung derselben abgeben 25* 38o A. Fintelmann: und ebendaselbst auch eine Abwechslung mit demselben, wie es grade die Umstände erforderlich erscheinen lassen, gestattet sein. Anders verhält es sich dagegen in den Städten; die hier zur Verfügung gestellten Mittel ermöglichen eine übersichtlichere Pflege der Bäume, abgesehen davon, dass bei dem bedeutend grösseren Wagen- und Menschenverkehr auch eine speziellere Beaufsichtigung nothwendig ist. l^as Auge des Städters al^er, an Regelmässigkeit und Ordnung gewöhnt, verlangt auch unter dem bei noch so einfachen Baumanpflanzungen verwendeten Bindematerial eine gewisse harmonische Uebereinstimmung und würde sich beleidigt fühlen bei dem Anblick des oben geschilderten mannigfaltigen Materials; es wünscht nicht allein schöne, in ungezwungener Natürlichkeit sich entwickelnde Bäume von möglichst gleichniässiger Höhe, sondern auch eine Uebereinstimmung bei den zum Schutze des Baumes verwendeten Mitteln, sei Fig. 96. Cocosstrick zum Befestigen von Bäumen. es der Baumpfahl, sei es der Schutzkorb oder das Bindematerial. Und nicht mit Unrecht; denn der Baum, wenn er an sich noch so schön ist, wird immer einen kläglichen Eindruck machen, so lange er sich des Baumpfahles noch als Stütze bedienen muss und besonders gar, wenn dieser noch dazu schief steht, ebenso wenn der Baum einen mangelhaften Schutzkorb u. s. w. hat. Aufgabe des Gärtners ist es daher, das Ansehen des Baumes nicht durch auftauend schlechtes Material zu schmälern. Die Weide, zwar sehr billig, findet schon lange keine Verwendung mehr, da sie, im Sommer geschnitten, abgesehen von der nicht zu jeder Jahreszeit, je nach der Vegetationsperiode, garantirten Bindefähigkeit, mit ihrem trocken werdenden Laube einen unschönen Anblick gewährt und auch in Bezug auf ihre Haltbarkeit sehr unzuverlässig ist. Man musste also zu anderen Mitteln greifen, um die Gleichmässigkeit beim Befestigen der Bäume durchführen zu können und wählte alte vom Militair ausrangirte Lederriemen, die aber, an sich schon alt mid theilweise brüchig, den mannigfaltigen Witterungseinflüssen nicht Sicherste und dauerhafte Befestigung junger Bäume an Pfählen. 38 1 lange widerstehen und meist nach Verlauf eines halben Jahres an der Stelle, wo sie vom Baumpfahle zum Baume übergehen, zerreissen. Neue, speciell zu gedachtem Zwecke aus der Haut geschnittene Lederriemen erwiesen sich von vornherein als zu kostspielig und wurde von einer ferneren Verwendung derselben auch schon aus dem Grunde Abstand genommen, als sie nicht minder unzuver- lässig waren, wie alte Riemen. Im vergangenen Jahre nun erhielt ich eine Probe von Cocos-Faser- Stricken, die mir zur Befestigung von Bäumen angeboten wurden; ich machte an Bäumen solcher Strassen, die den starken Stürmen am meisten exponirt sind, Versuche damit und bin mit dem Resultat derselben sehr zufrieden gewesen. Die Stricke sind von ausserordentlicher Zähigkeit — bei den starken Stürmen des verflossenen Jahres, die ja grade im Süd-Osten der Stadt mit einer ver- heerenden Gewalt gewüthet hatten, war auch nicht ein Band zerrissen, während an denselben Orten, in der Nähe der mit Cocos-Stricken befestigten Bäume, ganz neu verwendete J.ederstreifen, um einen Vergleich anstellen zu können, zum grossen Theile den Dienst versagten — und haben sich absolut nicht gedehnt, so dass die jungen Bäume stets einen festen Halt an den Baumpfählen haben. Die Stricke, etwa 9 mm stark, müssen natürlich, um ein Einschneiden der jungen Rinde zu verhüten, wie die Abbildung Fig. 96 es veranschaulicht, 3 — 4 mal um Stamm und Baumpfahl gelegt und dann erst am Baumpfahle mit einem festen Knoten geschlossen werden. Man schneidet die Stricke, die in festen Rollen ä 2 kg geliefert werden, in Stricke von 2 m Länge, von denen je eins zu einem Baume genügt — ich habe hier nur die denkbar stärksten Bäume, die noch eines Baumpfahles bedürfen, im Auge — und kann man naturgemäss die Bäume mit solchen langen Stricken viel fester anziehen, als mit einem kurzen Lederstreifen. Die Kosten dieses neuen Bindematerials stellen sich ungleich billiger, als bei dem Leder und zwar kosten 50 kg Mk. 31,00 ab Berlin. Diese 50 kg ent- halten an Stricken eine Gesammtlänge von 3500 m, mit denen also, wenn wie oben angedeutet, auf je einen Baum 2 m gerechnet werden (in den vorwiegend meisten Fällen wird man mit einem Cocos-Faser-Strick von 2 m Länge dem Baume zwei Bänder geben können), ca. 1750 Bäume befestigt werden können 3100 .2 r>r ■ demnach kostete das Band für jeden einzelnen Baum — = o. 1,77 Ftennige ■" 3500 oder wenn wir die Transportkosten pro 50 kg mit 1,00 Mark reichlich berechnen, auch nur etwa 1,83 Pf., also, um mit runden Zahlen zu rechnen ca. 2 Pf. Jeder Lederstreifen, 50 cm lang, kostet dagegen excl. Rohrnägel zum Befestigen desselben an dem Baumpfahle 5 Pf., und da man in Rücksicht auf seine geringere Zuverlässigkeit dem Baume mindestens 2 Bänder geben muss, wird pro Baum eine Ausgabe von 10 Pf. benöthigt. Darnach ist das Cocos-Garn schon um 8 Pf. billiger, wie das Leder und stellen wir den Preisen beider Artikel noch die Haltbarkeit gegenüber, dann wird die Wageschaale entschieden zu Gunsten der Cocos-Stricke fallen und diese nach jeder Richtung hin mehr und mehr empfehlen. Um nun die Eingangs gestellte Frage auch in Bezug auf die ländlichen Verhältnisse zu beantworten, so kann ich auch hier nur die Cocos-Faser-Stricke jedem wohlmeinenden Baumbesitzer und Baumfreunde angelegentlichst empfehlen. Wenn dann, bei Verwendung derselben, der mit der Wartung der Bäume be- auftragte Arbeiter oder Baumwärter, wie sie jetzt vielseitiger Anregung zufolge og2 Kultur der Epakris. in den verschiedenen Kreisen unter besonderer Aufsicht eines Kreis-Obergärtners vielfach angestellt werden, seine ihm anvertrauten Anpflanzungen durchgeht, dann kann er das Bindematerial für ca. 500 Bäume ohne Beschwerlichkeit gleich mit sich führen und seinen ihm gestellten Aufgaben zum Segen der deutschen Ciauen im vollsten Maasse gerecht werden. Kultur der Epakris. l^'err Obergärtner Krü(;p:r hat den alten Gärtnern mit seinen Epakris der letzten Winter-Blumen-Ausstellung eine grosse Freude gemacht, denn diese sonst so beliebte Pflanzengattung ist beinahe vollständig aus den Gärten ver- schwunden, obwohl ihre Anzucht viel leichter geworden, seitdem man ohne Schwierigkeit den Samen selbst gewinnen oder — kaufen kann, denn jede bessere Samenhandlung hat ihn vorräthig, die von Haage & Schmidt in Erfurt in drei Spezies mit vielen Varietäten. Die erste Art Felsbusch oder Bergheide, welche 1803 von Neuholland in Europa eingeführt wurde, war Epacris grandiflora Willd., heute haben z. B. RuD. Abel & Comp, in Hietzing bei Wien 90 verschiedene Sorten, die vielleicht aus nur 4 oder 5 Spezies entstanden sind; sie bringen sämmdich ihre Blüthen in den Wintermonaten vom November bis April hervor, und zeichnen sich durch niedliche röhren- oder glockenförmige Blumen aus, welche alle Ab- stufungen vom reinsten Weiss, zartesten Rosa bis zum prächtigsten Dunkelroth durchlaufen. Man vermehrt die Epakris, wie F. A. Bentzien in '■>Dansk Havetidende« be- schreibt, entweder durch Stecklinge im September oder Oktober, wozu man die schwächeren Seitentriebe benutzt, die man scharf unter einem Gliede durch- schneidet und denen man die untersten Blätter verkürzt, um sie in einer flachen Schale mit sandiger Haideerde unter einer Glasglocke, in eine Bodenwärme von 14 — 16° R. zu stecken; gegen die Sonne werden sie beschattet, aber sonst durch regelmässiges Ueberspritzen gleichmässig feucht gehalten. Sobald sie Wurzeln gebildet, pflanzt man die Stecklinge in kleinste Töpfe und stellt sie dicht unter dem Glase eines Hauses mit oben genannter Temperatur auf Aber man erzieht die Pflanzen viel bequemer aus Samen, den man sich mittelst künstlicher Befruchtung selbst erziehen kann, und der gewöhnlich neue prächtige Sorten giebt. Man säet den Samen im Januar in flache Schalen mit sandiger Haideerde und deckt ihn wenig mit Sand, der festgedrückt und über- braust, dann aber mit einer Crlasscheibe bedeckt wird. Zum Keimen braucht der Same -f 14 — 16'^ R. und gleichmässige Feuchtigkeit, weshalb die Schale in einen Untersatz mit Wasser gestellt werden sollte. Die kleinen Pflänzchen werden sobald wie möglich in einen Holzkasten pikirt, den man in massige Unterwärme setzt und gleichmässig feucht hält. Während des Winters sollen die Pflänzchen in einem halbwarmen Hause dicht unter dem Glase stehen, im April nächsten Jahres aber einzeln in kleine Töpfe gepflanzt werden. Bei mildem Wetter gebe man vorsichtig Luft, sonst aber giesse man sorgfältig, wenn nöthig. Anfang Juni kann man die Pflanzen auf ein Beet mit gemischter sandiger Haide- und Torferde aussetzen und ihnen, wenn sie 4 — 5 cm hoch geworden, die Si)itzen ausbrechen, damit sie buschig werden. Im Herbst setzt man sie Correspondenzen. _ -jg? in kleine Töpfe und giebt ihnen einen hellen luftigen Platz im Kalthause mit 5 — 6" R. Während des Winters giebt man ihnen nur wenig, im März, wenn sie anfangen zu wachsen, reichliches Wasser, und verlangen sie dann auch mehr frische Luft, scheuen aber ZAigluft. Wenn die Pflanzen abgeblüht haben, schneide man die Stengel bis unter den Blüthenstand zurück und bilde durch Aufbinden und Beschneiden eine hübsche Form. Sobald die jungen Triebe sich zeigen, versetze man die Pflanzen in mehr flache und breite als tiefe Töpfe mit einer T>age von Holzkohlen auf dem Boden. Man gebe ihnen grobe und sandige Moos- und Haideerde, in die man die Pflanzen, nachdem der Boden vollständig durchgewässert worden, ziemlich fest drücken muss, damit das Wasser nicht dazwischen durchläuft, ohne den Boden zu berühren. Während des Sommers stellt man die Epakris an der Nordseite einer Mauer auf, am besten auf Ziegelstücke oder umgestülpte Töpfe, auf ein Kohlenbeet oder Steinkohlenasche. Im Spätsommer sollte man die Reife des Holzes bezw. die Entwicklung der Blüthenknospen durch einen sonnigen Standort befördern; vor anhaltendem Regenwetter sind aber die Pflanzen zu schützen, im schlimmsten Fall durch Einräumen in ein möglichst niedriges Kalthaus. O. H. Correspondenzen. Aus Ratibor. Gartenb auvereins-Sitzung am 9. Juli. Den Vorsitz der heutigen Versammlung führte Herr Schliefen, und Herr Kunfrt las das Protokol! über die letzte Sitzung vor, welches ge- nehmigt wurde. Hierauf theilte Herr (Dri'i.i.R eine Zuschrift des General-Sekretärs, Herrn Professor Dr. I^. Wn'T.MACK Namens des Vorstandes des Gartenbauvereins für die Königlich Preussischen Staaten in Berlin mit, wonacli derselbe dem hiesigen Vereine zu seiner 25jähiigen Jubiläums- Gartenbau -Ausstellung eine grosse und kleine silberne und eine bronzene Medaille gewähren wolle. Hierauf folgte ein Vortrag eines Gastes, des zweiten Lehrers Herrn Glass.mann aus Raschütz: »Ueber den falschen Geschmack in der Anlegung von Lustgärten«. Die Abhandlung fand in mancher Beziehung Beifall, andererseits aber auch Widerspruch, indem dem Referenten in- und ausländische grossartige Parkanlagen nach seiner Idee bereits als vorhanden vorgeführt wurden. Der Vorsitzende, Herr SCHLIEßEN, wurde nach vorangegangener Mittheilung der Ein- ladung zur Bildung eines Schlesischen Central -Gartenbauvereins in Liegnitz, zum Delegirten des hiesigen Vereins erwählt. Nun wurde über die Ausstellungs - Angelegenheiten ver- handelt und bestimmt, dass in der nächsten Komitee-Sitzung die Wahl der Preisrichter für die Ausstellung erfolgen soll. Es haben sich bereits 36 Aussteller und Konkurrenten aus dem In- und Auslande angemeldet. Es sei nachträglich noch bemerkt, mit Hinweis auf die von Herrn QPPLER in der Maisitzung vorgelegten Wallnüsse aus Texas, dass nach eben eingegangener Nachricht aus Hamburg, infolge Bestimmung des Herrn Professors Schmidt aus Heidelberg, der richtige Name dieser wohlschmeckenden Früchte — an beiden Enden zugespitzt — Juglans olivaefoniiis, und, wie damals unrichtig angeführt, dieselbe keine essbare Eichelfrucht se'. Bei der heutigen Sitzung hatten ausgestellt: Herr Oberstlieutenant Stoeckel 9 Exemplare selbst- gezüchteter bunter Sämlings-Pelargonien und eine Torenia sttpcrbiens, die SCHLIEßEN und FkANK'sche Kunst- und Handelsgärtnerei eine Kollektion prächtiger Coletis und eine Toi-enia Bailloni , Herr Kunst- und Handelsgärtn( r Arlt Blüthenzweige seiner vielen schönen Zier- sträucher und der Vereinssekretär Herr Oi'PLER die neue grüne und sehr süsse Markerbse Culer well's Telegraph, in 4 Zoll langen Schoten. Nach mehreren Diskussionen wurde die Sitzung geschlossen. (Ratiborer Ztg.) o34 • Correspcndenzen. Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur, Botanische Sektion. Sitzung vom 2. März. Geheimrath GüI'PKKT legt die ersten blülicn'len Pflanzen des bota- nischen Gartens vor, über welche Garteninsjjektor Stein eingehend referirt. Hervorzuheben sind die fünf Schneeglöckchenarten: Galanthus Elwisii Bak. aus Montenegro, G. plicatus und G. Redoutei aus der Krim, G. Iniperati Vis. aus Dalmatien, G. nivalis var. Scharlokii Casp. aus dem Nahethale, das prächtige Rliododendron praecox vom Himalaya, Primula Sibthorpii aus Griechenland u. s. w. Geheimrath Göppert zeigt und bespricht sothmn die vom Universitatszeichner AsSMANN gemalten Bilder der Riesenexemplare von Amorphophallus campanulatus, welche Herr Dr. Schaden- berg d. J. dem hiesigen Garten als Geschenk von den Philippinen mitbrachte. Leider sind die Knollen in der Kultur nach der Blüthe auf '/* '^er ursprünglichen Grösse zurückgegangen, so dass schwerlich wieder solche enorme Exemplare hier zur Entwicklung kommen werden. Die Blüthen werden in Weingeist aufbewahrt und bilden einen höclist werthvollen Bestandtheil der Unicate des botanischen Museums. Geheimrath Göppert giebt dann eine Uebersicht seiner Arbeiten über den Einfluss der Kälte auf die Pflanzen, welches Thema in ein paar Monaten im Buchhandel als eine neue Bearbeitung des bereits im Jahre 1870 erschienenen Werkes erscheinen wird. Einzelheiten theilen wir h^er mit: Das Hauptmaterial für diese Beobachtungen lieferten die beiden kältesten Winter des Jahrhunderts 1829 — 30 und 1870 — 71. Redner macht U.A. darauf aufmerksam, dass man die Frostrisse sorgfältig von den Blitzschlägen unterscheiden müsse, letztere zeigen stets einen mehr oder weniger zerfaserten, der Wachsthumdrehung folgenden Lauf und sind immer mit Substanzverlust des Baumes verbunden. Ausserordentlich instruktiv ist für die Wirkung des Blitzes die im Garten aufgestellte Flaggenstange des Hauptrestaurants der vor- jährigen Ausstellung, von Herrn Paschke gütigst auf höchst dankenswerthe Weise geschenkt. Hier hat der Blitz einen zollbreiten und halbzoll tiefen Riemen am 20. Jahresringe in exakter Spirallinie herausgerissen. Eingehend behandelt wird die alte Streitfrage, ob die Pflanze schon beim Frieren sterbe oder erst durch plötzliches Aufthauen. Göppert's Versuche haben auf das Genaueste bewiesen, dass der Frost schon tödtet und auch das vorsichtigste Aufthauen nicht das Leben zurückhalte. Als «Kältefest» sind nur zu bezeichnen niedere Pilze verschiedener Gruppen, nicht alle, und Algen, die grosse Famihe der Flechten, die Moose und die Samen, soweit nicht schon Keimungs- vorgänge in ihnen beginnen. Auch der stärkste Frost geht bei uns nur 2 — 3' in den Boden, in der frostfreien Schicht darunter herrscht auch im kältesten Winter Wurzelleben und Saft- thätigkeit, wie die in verschiedenen Tiefen im hiesigen Botanischen Garten angestellten Beob- achtungen alljährlich bewiesen haben. Wasserpflanzen sind durchweg empfindlich gegen Kälte, dagegen findet unter dem Eise im Wasser während des ganzen Winters Vegetation statt, daher der bisher angenommene Satz, dass die Vegetation im Winter völlig ruhe, auf Allgemeinheit keinen Anspruch zu machen hat. Auch den Schutzmitteln wird ein besonderer Abschnitt gewidmet. Prof. F. COHN verliest den Schluss des Beiichts des Assistenten am botanischen Institut der Universität Messina, Dr. Max Franke, welcher in sehr eingehender und anziehender Weise die hochinteressante botanische Umgebung Messina's, mit besonderer Rücksicht auf die Flora der Wintermonate, schildert. Dr. Franke erwähnt hauptsächlich den schweren Schaden, welchen die sizilianischen Ackerbauer erlitten durch das Zugrundegehen ihrer wichtigsten Kulturen in Folge der Angriffe mikroskopischer Feinde. Die Seidenzucht wurde durch den Pilz der Seiden- raupe, der Weinbau durch die Reblaus, die Agrumen (Orangen) durch einen den Baum tödten- den Pilz zu Grunde gerichtet. F. CoHN, Sekretär der Sektion. Literatur. Description des serres du jardin botanique de l'Universite de Copenhague, publiee ä l'occasion du (juatrieme centenaire de l'Universite en Juni 1879 par Literatur. 385 J. C. Jacoesen et TvoK Rothe. — Copenh.igue, Imprimcrie de l'hiele 1S79 fol. Das vorliegende Buch ist durch seine genaue Beschreibung des botanischen Gartens mit seinen Gewächshäusern ein sehr interessantes und für dergleichen Gärten sehr lehrreiches Werk. Auf dem Terrain der alten Copenhagener Be- festigungswerke errichtet, ist die ganze Anlage nach den Plänen Tafel I und II den gegebenen Verhältnissen genau angepasst, im natiulichen Stile gehalten. FAn teichartiges Becken giebt Gelegenheit zur Unterbringung von Wasserpflanzen und trägt nicht minder zur Belebung der ganzen Anlage bei. Die Gewächs- häuser und Frühbeete liegen im nördlichen Theile des Gartens mit der Lage nach Süd-West und sind gegen Osten, Norden und Westen durch starke Baum- und Strauchanpflanzungen geschützt. Ganz besonders lehrreich ist die mit der grössten Sorgfalt gegebene Beschreibung der (icwächshäuser in allen Einzel- heiten, Temperaturgraden u. s. w. und die denselben beigegebenen Skizzen. In unmittelbarer Nähe der Gewächshäuser, an der nördlichen Spitze des teichartigen Beckens gelegen, befindet sich die Abtheilung für die Sumpfpflanzen und für die plantes indigenes, während auf der entgegengesetzten Seite, an das zu er- bauende Museum sich anlehnend, die Quartiere für die medicinischen, die ein. und zweijährigen Pflanzen sich befinden. Die Gehölze — nach Familien geordnet — liegen in natürlicher Anordnung im Rasen, und die Gräser, Zwiebel- und Staudengewächse sind rechts und links längs der Wege angepflanzt. Durch die so gewählte Anordnung ist die ganze Anlage zu allen Theilen leicht zugänglich; namentlich sind es die Gehölze, welche durch die ihnen angewiesene freiere Stellung sich ihrem Charakter entsprechend entwickeln können, was man sonst in diesen Gärten — weil hier alles zu sehr gedrängt — vermisst. H. Julius Jablanczy, Der Obstbau für den Landmann und Obstzücht^r. Mit 70 Ab- bildungen. Wien, Carl Gerold's Sohn. 1879. S. 117 S. Herr Julius Jablanczy ist Obstbauwariderlehrer für Niederösterreich und hat daher die beste Gelegenheit, die Bedürfnisse, die sich auf dem Gebiete der Obstzucht geltend machen, kennen zu lernen. Sein Hauptziel ist, den streb- samen Landmann auf den hohen wirthschaftlichen Werth des Obstbaues, auf den rationellen Betrieb desselben, auf die richtige Sortenwahl und zweck entsprechende Verwerthung des Obstes aufmerksam zu machen. Die Anzucht der Bäume, die Bepflanzung und der Schnitt sind gut erläutert, namentlich auch die verschiedene Art der Bepflanzung an Bachufern, schmalen Ackerstreifen etc. genauer beschrieben und durch Abbildungen veranschaulicht. L. W, Julius Jablanczy, Die Bepflanzung der Strassen mit Obst- und Wildbäumen. Mit 32 vom Verfasser entworf. Abbildungen. Wien. Carl Gerold's Sohn. 1879. 7° S. Die Vortheile der Bepflanzung der Strassen werden in vorliegender Schrift hervorgehoben und dann die Art der Pflanzung angegeben. Obstbäume an Strassen selber sollen nach dem Verfasser weniger beschädigt werden als Baum- pflanzungen an Rainen und insbesondere auf den neben der Strasse befindlichen Acker- und Wiesengründen. Letztere leiden eben bei der landwirthschaftlichen Bearbeitung der betr. Bodenflächen zu leicht. Es folgt hierauf die Auswahl der Sorten, Pflanzung, Schnitt und Behandlung der Obstbäume, sowie endlich die Bepflanzung der Strassen mit Wildbäumen, nebst Kostenübersicht. igg Literatur. Florentla. Annuario generale della orticultura in Italia, publicato della redazione del Biilletino della R. Societä toscana di orticultura. Anno II 1881. Firenze i88i. Enthält ausser einem Kalendarium einen Bericht über die Methoden und die P^rgebnisse der meteorologischen Beobachtungen in Bezug auf die Vegetation der Bilanzen im Versuchsgarten der toskanischen Ciartenbau-Cjcsellschaft zu Florenz, mit graphischer Darstellung, eine Statistik über den Export Italiens an Ciartenerzeugnissen 1880 im Vergleich zu 1879, einen kurzen Aufsatz über künst- liche Dünger, Verzeichniss der gärtnerischen Zeitschriften Italiens (incl. einiger land- wirthschaftlicher), Verzeichniss der an den botanischen Gärten Italiens angestellten Personen, Verzeichniss der landwirthschaftlichen Vereine (Comizi agrari), desgl. der Gartenbau-Vereine und endlich der Gärtner und wichtigsten Gärten. Joh. Wernz, Eandwirth in Erpolzheim (Pfalz). Eine Auswahl von Kern Obst- sorten, übersichtlich zusammengestellt nach ihrem Werthe. Dürkheim und Leipzig. G. L. Lang's Buchhandlung. 1881. 4. 27 S. Preis 70 Pf. In tabellarischer Uebersicht giebt der Verfasser eine Zusammenstellung von Kernobstsorten, hauptsächlich unter Berücksichdgung der 'vom sächsischen Obst- l)auverein, von Oberdieck, Eucas, Hesselmann, Herm. Göthe und dem deutschen Pomologenverein als empfehlenswerth namhaft gemachten Sorten, die hier nach der Reifezeit geordnet sind. Besonderen Werth legt der Verfasser mit Recht auf späte Blüthezeit und hebt das in den PJemerkungen mit fetter Schrift hervor. J* Hartwig, Der Parkgarten oder die Ausführung landwirthschaftlicher Anlagen mit beson- derer Berücksichtigung der nothvvendigen Kenntnisse und Verrichtungen. Ein Hilfs- und Lehrbuch für Gärtner, Gartenbesitzer, Gutsherren und Lehranstalten. Zweite vollständig um- gearbeitete Auflage der »Lustgebiete und Blumengärten«. Fol. 54 S. mit 16 Foliotafeln. Weimar 1882. B. F. Voigt. Preis 9 Mark. Im vorliegenden Werke, das ausserordentlich massig im Preise, finden wir eine reiche Aus- wahl geschmackvoller Pläne für kleinere und grössere Gärten , insbesondere für Anlagen im »Pleasureground — Sciadocalyx digitaliflora. 2^ c. » — Dicyrta Candida 2^ c. 2 — Scheeria Brunnovi. 2^c. Araceae — Anthurium Andraeanum Linden. I^v. Neu-Granada, Prov. Choco. »Capotilla Colorado« der Eingeborenen. Asclepiadac. — Ceropegia stapeliiformis Haw. (|C Ostindien. i>Leuchterblumeir. Oxalidaceae — Oxalis rhombeo-ovata St. Hil. Brasil. |^v. Rubiaceae — Rondeletia speciosa ||V. Brasil. 2) Kalthauspflanzen: Pittosporac. — Sollya salicifolia. J^t. Australia subtropica. Geraniac. — Pelargonium holosericeum J^t Capland. Cactaceae. — Phyllocactus crenatus var. Vogelii. fyt Mexico. 3) F r e i 1 a n d - Ot c h i d a c e e n : Cypredium spectabile. Orchis foliosa. 4) Einjährige Pflanzen: Hydrophyllaceae — Eutoca spec. 0t. Acineta Humboldtii. Anguloa Clovesii. Brassia Keileana. Cypripedium Dayanum. a longifolium. » Lowii. Dendrobium Calceolaria. i> densiflorum. » Dalhousianum » Jamesonii. Galeandra Devoniana. Lycaste tricolor. 2. Im König). Berggarten zu Herrenhausen. Im Jtini 1882. Mitgetheilt vom Oberhofgärtner H Wendland. Lockhardtia verrucosa. Masdevallia civilis, peristeria. Odontoglossum Lyndleyanum, vexillarium. Oncidium divaricatum, pulvinatura, unicorne. Stanhopea graveolens, guttulata, Fregeana. » Martiana, viridiflora, tigrina. Pepinia aphelandraeflora. Thomsonia nepalensis. Scutellaria Mociniana. Trichinium Manglesii. Utricularia montana. 3. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Ende Juni 1SS2. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. WiSSENHACH. Orchideen: Anguloa Ruckeri. Cymbidium aloefolium. Houlettia Brocklehourstiana > Phalaenopsis grandiflora wohlriechend. Stanhopea eburnea J B r o m e 1 i a c e e n : Aechmea discolor. Billbergia thyrsoidea. Eucholirion Saundersi. Karatas Plumieri. Nidulariuni fulgens. » purpurascens. W a r m h a u s p f 1 a n z e n : Aeschynanthus ramosissimus, leuchtend Schar- lach, prächtig für Ampeln. 388 Interessante blühende Pflanzen. Gesneraceen Anthurium ornatum , im Aufblühen weiss , später trüb karmin. Clerodendron Bethunianum, Scharlach, !) fragrans fl. pl. weiss, sehr wohl- riechend. Achinienesj Gegen 200 Arten Gesneria | und Abarten in den Gloxinia j leuchtendsten Scheeria ' Farben. Dolichodeira tul^iflora, weiss > wohlriechend. Justicia Giesbrechti, scharlach-karniin. Klugia zeylanica, tiefblau Ophiante libanensis, scharlach-orange. Stephanophysum longifolium, Scharlach. Stephanotis floribunda, weiss, wohlriechend, trefflich für Bouquets. Torenia, ausser den im vorigen Verzeichniss erwähnten noch T. Fournieri superba, blau, äusserst reichblühend, und T. Bailloni, gelb. Vinca rosea var. alba, weiss. Pflanzen der kalten und temperirten Häuser. Blandfordia nobilis grandiflora, Scharlach, Zipfel gelb, prächtig. Uesfontainea Hookeri, Scharlach. Erica Aitoni superba. 2 gracilis allja. » ovata. » tricolor Candolleana. » » elegans. » ventricosa coccinea minor. » a rosea. Lechenaultia biloba grandiflora, himmelblau. a Baxteri nnajor | formosa rostfarbig. i> intermedia ' können ihrer Reichblüthigkeit wegen nicht genug empfohlen werden; sie hören nie ganz auf zu blühen und sind seit 2 Monaten völlig bedeckt mit Blumen. Leptodactylon californicum, rosa. Russelia juncea, Scharlach, herrl. Ampelpflanze. 4. Im Grossherzoglichen Hofgarten zu Carlsruhe (Baden) Mitgetheilt Anguloa purpurea Lind, et Rchb. fil. ,, uniflora R. P. Aerides affine Ldl. ,, odoratum Lour. Calanthe Masuca Ldl. Cirrhaea tristis Ldl. Cypripedium Hookeri. Coelogyne pandurata Ldl. Dendrochilum filiforme Ldl. Epidendrum vitellinum Ldl. Masdevallia Lindeni Andre. „ Veitchii Rchb. fil. ,, amabilis Rchb. fil. Ochthodes Rchd. fil. Odontoglossum hastilabium Ldl. ,, ve.xillarium Rchb. fil. Oncidium flexuosum Sims, l'alumbina Candida Rchb. fil. im Juni 1882. vom Hofgärtner Graekener. Orchidaceae. Restrepia antennifera H. B. K. Rodriguezia venusta Rchb. fil. Selenipedium Hartwegi Rchb. fil. ,, longifolium Rchb. fil. Roezlii Rchb. fil. Sobralia macrantha Ldl. Stanhopea oculata Ldl. Vanda insignes Bl. teres Ldl. Camptopus Mannii Hook. Ceratozamia mexicana Brongn Ixora coccinea L. Meyenia Vogeliana Hook. Theophrasta macrophylla Link. Spathicarpa platyspatha h. Herrenh. Xylophylla speciosa Hort. 5. In der Reichsgräfl. Wilh. v. Magnis'schen Orchideen-Sammlung zu Eckersdorf. Im Juli 1882. Mitgetheilt von G. Kittel jun. Acineta speciosa. Mexico. t Aerides falcatiun, spec. Moulmein. Ostindien. Aerides falcatum, Larpentae. Lindl. Ost-Indien. | ^ japonicum. Japan. Interessante blühende Pflanzen. Ausstellungen. 3B9 Anguloa Rucken. Lindl. Columbien. Brassia Cowanii hört. Janiaica. » verrucosa hört. Guatemala. Calanthe Masuca Lindl. Ost-Indien. Cattleya amethystina hört. Brasilien. j> guttata. Lind!. Brasilien. Coelogyne speciosa. Lindl. Java. Cypripedium barbatuni, var. caulescens, Malacca. » longifolium. Costa-Rica. » Pearcei (caricinum). Peru. Dendrobium chrysanthum. Wall. Neapel. Epidendrum Frederici-Guilielmi. Warsc. Peru. Gongora galeota spec. Batemanni. Rchb. fil. Mexico. i> niacaluta, spec. pallida. Brasilien. Laelia euspatha. Rchb. fil. Hybr. j> Schillerania. Rchb. fil. Brasilien. Lycaste aromatica. Lindl. Mexico. » Candida. Lindl. Veraquas. j> Deppei. Lindl. Mexiko. » Skinneri. Lindl. Guatemala, ^lasdevallia amabilis. Rchb. fil. Peiu. » ignea. Rchb. fil. Neu-Granada. Maxillaria tenuifolia. Lindl. Vera-Cruz. Megaclinium falcatum. Lindl. St Leone, üdontoglossum Ehrenbergii. Kl. Mexico. » hastilabium. Lindl. Brasilien. » naevium. Lindl. Neu-Granada. Odontoglossum Pescatorei. Lindl. N.-Granada. » Roezli alba. Rchb. fil Süd- Amerika. » vexillariuni. Rchb. fil. N.-Granada. Oncidium cartaginense. Jacq. Carthagena. » incurvum. Bark. Oaxaca. » Kramerianum. Rchb. fil. Mexico. Palumbina Candida. Rchb. fil. Mexico. Phajus cupreus. Rchl). fil. Indien. Phalaenopsis rosea. Lindl. Manilla. Pleurothallis Grobyi. Bat. Demerara. Restrep'a antennifera. II. B. K Anden von Paraguay. Rodriguezia granadensis. Rchb. fil. Neu- Granada. Thunia alba. Rchb. fil. Ebenen von Burmah. Trichopilia coccinea. Warsc. Costa-Rica. » crispa, gloxiniaeflora. Kl. Central- Amerika. Saccolabium Blumei niajus. hört. Java. Sarcopodium Lobbi. Lindl. St. Leone. Stanhopea oculata. Lindl. Mexico. a o Lindleyana. hört. Xalapa. 2 tigrina superba. hört. Xalapa. Vanda tricolor. Lindl. Java. a » suavissima. Lindl. Java. » teres. Lindl. Sylhet. Zygopetalum Makayi maxillare. Lodd. Brasilien. Gartenbau- Ausstellungen. August 25. — 28. Bremen (25jähriges Jubiläum). Septbr. 8. — 15. Turin. Zweite nationale Ausstellung des Verbandes der italienischen Garten- bauvereine zu Turin, verbunden mit einem am 9. September beginnenden Congress. Protektor der Herzog von Aosta, Protektorin die Herzogin von Genua. Ausgesetzt sind: 10 goldene, 71 silber-vergoldete (V'ermeil), 264 silberne, 202 bronzene Medaillen, 145 Diplome für ehrenvolle Erwäh- nung und Geldpreise. — Das Ministerium für Landwirthschaft und Handel hat eine Beihülfe von 6000 Lire und Medaillen zugesichert. -^ Programme und Anfragen beim Comitato excutivo in Turin via Doragrossa 5. Spandau, Wilhelmsgarten, Verein der Gärtner und Gartenfreunde des West- havellandes. Ratibor. Ausstellung von Topfpflanzen, Baumschulartikeln, Solitair-Bäumen, (Ibst, Gemüse, P'eldfrüchten, abgeschnittenen Blumen sowie von Werkzeugen des Obst- und Gartenbaues und der gesammten Fach-Literatur, veranstaltet vom Gartenbauverein zu Ratibor zur Feier seines 25jährigen Bestehens. Septbr. 9.— II. Septbr. 23.-27. PersonalnachricMen. Unser Mitglied, der Staatssekretär im Reichsschatzamt Scholz, ist zum Finan^minister in Preussen ernannt. Herr W. Böttcher, ist an Stelle des an das landwirthschaftliche Institut nach Göttingen gegangenen Herrn Voss zum Schulgärtner an die Landwirthschaftsschule in Hildesheim berufen. Herr H. Federle, bis jetzt Obergärtner und Gartenbaulehrer an der Obstbauschule zu Grafenburg, ist als Gartenbaulehrer nach Rufach im Unter-Elsass versetzt worden. -jqO • Eingegangene Preisverzeichnisse. — Sprechsaal. Ai.KXis Lki'KRE, der berühmte Pfirsichzüchter von Montreuil, der durch seine praktischen und schriftstelleiischen Leistungen weit über Frankreichs Grenzen hinaus bekannt wurde, ist am 25. Mai im Alter von 84 Jahren gestorben. Unser Ehreninitghed , Herr Hknky Vii.morin in Paris, hat den Orden der Ehrenlegion erhalten. Eingegangene Preisverzeichnisse. Louis van Iloutte, I*;tal)lissenKnt horticole a Gand (Belgique . Catal. No. 198. (Zwiebeln und Knollen, Samen für Juli-September). — E. H. Krelage & Sohn, CJartenbau^Etablissements in liaarlem, Niederlande. (Erste Lieferung: Blumenzwiebeln, verschiedene Knollen- und Wurzel- gewächse.) — C. ]■". Chone, Berlin ()., Frankfurter Allee 134. (Preisverzeichniss No. 34 für Handelsgärtner, Juli 1882.) — L. Späth, Berlin SC, Köpnickerstrnsse 154. (Preisverzeichniss Nr. 54. Selbstgezogene und Haarlemer Blumen-Zwiebeln). Sprechsaal. Frage 27. v. G. in K. Unlängst halje ich gelesen — ich erinnere mich nicht genau wo — dass man während des Sommers in jeder Zeit Stecklinge von Bäumen und Sträuchern machen und dadurch dieselben vermehren kann, alles das mit sicherem Erfolge. Ich erlaube mir also anzufragen : a) ist die Behauptung richtig? b) können auf diese Weise Betula alba fol. atropurpureis^ Syringa yosikaea, Rothamagensis, Qitercus rubra, Concordia u. a., die Populns, Salix, Acer u. Negnndo-hxXtn vermehrt werden ? c) in welchem Werke könnte man Belehrung finden über das genaue Durchführen der Stecklingskulturen r d) müssen Stecklinge der sub b) angegebenen Arten und Gattungen unbedingt im Warm- hause vermehrt, soll es im Schatten oder nicht geschehen? Antwort: Die Behauptung, dass man während des Somniers von Bäumen und .Sträuchern Stecklinge mit sicherem Erfolge des Anwachsens machen kann, ist bedingungsweise richtig. Nur müssen diese Stecklinge, um einen möglichst sicheren Erfolg zu haben, in sehr sandhaltige Erde gesteckt, nicht zu lang sein und unter abgeschlossener Luft gehalten werden. Das Letztere erzielt man durch Glasglocken oder aufgelegte P'enster. Am besten wachsen Gehölzstecklinge von im Februar und März angetriebenen Mutterexemplaren , von denen man die krautartigen, also noch nicht verholzten Triebe steckt, und ihnen künstliche Bodenwärme giebt. Ausnahmen hiervon machen nach den bisherigen praktischen Erfahrungen alle solche Gehölzarten, deren Gefässe sehr reich an Harz sind. So ist es bisher z. B. noch nicht gelungen, Stecklinge von den Arten der Gattung Piims , Abies und Larix zum Wachsen zu bringen, während die Arten der Gattungen 7 axits, Ctipresstis, ßiota, 'J huja, Ucyderia, Rethiospora, J^tnipents und Tlwjopsis aus Stecklingen wachsen, wenn auch nicht jedes einzelne Exemplar. Ferner wachsen nach den bisherigen Erfahrungen diejenigen Laubgehölze nicht aus Stecklingen, deren Gefässe reich an Gerbsäure sind, nämlich die Gattungen: Querais, Fagus, Carpinus, Betula, Calycanthus, Caslanea, Aesnihis, y-iiglans, Carya, Fraxinin, Uhnus, Sorbus, Rhai)i>nis etc. Von der Gattung Acer wachsen A. Negundo , A. ca/npestre, A. dasycarpum, A. Monspessulanuiii, A. pennsylvanicuni aus Steck- lingen, dagegen A. pseudoplatanus imd A. platanoides nicht. ,\us welchem Grunde dieses der Fall? weiss man bisher noch nicht. Sehr viele unserer Ziergehölze lassen sich nicht nur durch Stecklinge mit Blättern, sondern auch durch Stecklinge mit Knospen, sogenanntes Steckholz vermehren. Alle Populus- und Salix-hritn, sowie Syringa yosikaea und Rothaniagensis wachsen sehr leicht aus Stecklingen. Für Gehölze, bei welchen die Vermehrung durch beblätterte oder unbeblätterte .Stecklinge nicht gelingt, wendet man die Vermehrung durch Aussaat, Augen, Ableger und durch irgend eine der vielfachen \eredelungsarten auf nahe verwandte Arten an. Empfehlenswerthe Werke hierüber: Deutsche Dendrologie von W. Lauche, Berlin bei P. Parey, 1881. liARTWir,, die Kunst der Pllanzenvermehrung. 4. Aufl. Weimar bei Voigt 1877. Potsdam, den 10. Juli 1882. H. Fintel.MANN. Fra ge 28. v. W. in H. Wo erhält man das japanische Schlinggewächs, Actinidia poly- gama Sieb, et Zucc. ? Antwort: Bei Herrn Baumschulbesitzer REiNHOr.n Gärtxf.r , Berlin W., Bülowstrasse 98. (Die Baumschule befindet sich im Flecken Zechlin in der Mark.) — Siehe Februarheft d. Z. S. 98. Frage 29. F. P. in S. bei W. Woher kommt der Name O^j'zVr-Pelargonien ? Antwort: Die Odier-Pelargonie ist eine Race der englischen oder grossblumigen Pelargonie, r. grandifloruni Willd., die sich von ihrer Stammform dadurch unterscheidet, dass jedes Blumenblatt einen Fleck hat. Sie wurden von DuvAl,, Gärtner bei James Odier in Bellevue bei Paris aus Samen erzogen (wann ?) und von Miei.LEZ in Lille, dem Odier das Eigenthumsrecht abgetreten, verbreitet. Ein Hauptzüchter iu Deutschland ist jetzt Jon. Ed.munu Lehmann in Dresden. Anzeii:en. Die Ba-amscliule, IK-Qnst- und Handelsgäi-tnerei SP?" 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Einjähriger Zweig eines krebskranken Apfelbaumes, a ovale, eingesunkene Rinden- froststeile mit einem Sprunge in der Mitte; b kleine Froststelle in etwas fortgeschrittenerem Ueberwallungsstadium, indem die todte Rinde durch seitlich hervortretende Uebervvallungsränder bereits emporgehoben wird; d Frostwunde um ein Auge herum; r' alte Rinde, unter welche die Luft getreten ist. Fig. 2. Anderer krebskranker Zweig vom Melonen-Apfel, c stark hervorgewölbte Ueber- wallungsränder mit gleichmässiger Rindenbekleidung mitten in einem Internodium; t' ebensolche Stelle an einer dem Auge entgegengesetzten Seite entstanden; r sind die trockenen, schorfartig etwas vorspringenden Ränder der primären Rinde. Fig. 3. Centraler Querschnitt, Fig. 4 nicht centraler Längsschnitt durch eine Frostbeule der Kirsche (Süsskirsche); r todter Gewebestreifen, welcher den Rand der die Beule veranlassen- den Rissstelle bildet; r' durch Ueberwallungsgewebe ausgefüllte Wundfläche; kti dicke Kork- lagen in den Ueberwallungsrändern und der älteren Rinde gebildet; b durch Korkhüllen isolirte er- krankte Hartbastbündel; kaltes Holz; w/i neues Holz, /««Neu-Rinde; /2/Holzparenchym. Fig. 4«//, «//' die an den Seitenflächen der Wunde bereits einander berührenden Holzkörper der Wundränder, welche sich zwischen das abgestorbene Rindengewebe und die kranke Holzstelle einschieben, e primäre Rinde, a abgestorbenes Rindengewebe; g Gummiheerde Fig. 5. Durch künstliche Kälte erzeugte Frostbeule an Süsskirsche. a altes Holz des Vorjahres; b das diesjährige, bis Juni gebildete Frühlingsholz; sp der in Folge der Kälte ent- standene Spalt, durch welchen die Rinde vom Holze abgehoben worden und der auch das junge Holz radial zerklüftet : d Markstrahlen, 0 erweiterter radialer Spalt mit weitergreifendem Vertrocknen der Splintelemente; / radiale Lücken im Rindengewebe, entsprechend den radialen Holzzerklüftungen; n sekundäre, m primäre Rinde, h Hartbastbündel, r Rindenstrahlen, x Zell- reihen mit oxalsaurem Kalk; k ein auf dem Splinte sitzen gebliebener Rindenlappen neben _/J dem Vorsprunge jungen Holzes; y Cambiumzone der unverletzten Zweigregion an der Grenze der Frostwunde. Fig. 6. Durch künstliche Kälte erzeugte Frostwunde mit vorzugsweise radialer Zerklüftung {i^ Jahr alter Lärchenzweig) Durchschnitt an einem Augenkissen, h Holz, m Markkörper, vibr Markbrücke, welche den Markkörper des Zweiges mit dem Auge verbindet, v, va nach der Frostzerklüftung entstandene Neubildung, die durch die in der Linie nibr, va -entstandene Ver- schmelzung der beiden seitlichen Ueberwallungsränder den vollkommenen Wundschluss darstellt. sp tangentiale Spalte; b Hartbastzellen; / vertrocknetes Gewebe der die ursprüngliche Frost- spalte begrenzenden, primären Rinde; /// parenchymatisches Holz des Ueberwallungsgewebes; cc die zum fortlaufenden Ringe wieder hergestellte Cambiumzone der Ueberwallungsränder; nr Rindengewebe der Ueberwallunp-, ^^ie Schäden, welche der Winter 1879 So den Baumkulturen in ganz Eu- ropa bis nach Italien und. Griechenland hinein zugefügt, sind noch in so frischem Andenken, dass es unnöthig erscheint, besonders zu motiviren, wes- halb wir immer von Neuem die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf derartige Krankheitserscheinungen lenken. Wir dürfen die Frostfrage keinen Augenblick mehr aus den Augen verlieren; denn Niemand kann sich mehr der Erkenntniss Garten-Zeitung ISS'J. 26 392 Paul Sorauer: verschliessen, dass hier das grösste Hinderniss für die Ausbreitung und Steigerung unserer Kulturbestrebungen liegt. Die volkswirthschaftliche Aufgabe des Garten- baues ist es, die Kunst der Gewinnung hoher Bodenrente von sehr beschränktem Räume immer weiter zu verbreiten und dadurch die Möglichkeit zu geben, das? recht viele Familien auf einem kleinen Stückchen Land ihie auskömmliche Existenz finden. Dies ist nur möglich durch intensivste Ausnutzung des Landes, wie sie bei dem Ackerbau unausführbar ist; solche Ausnutzung beruht aber nicht nur in der Kunst, möglichst viele Ernten zu erlangen, sondern in der Anwendung besonders hoch lohnender Kulturpflanzen. Zu diesen werden die Obstbäume gezählt werden müssen, wenn man die Sicherheit hat, dass die Obstkultur all- jährlich eine Ernte liefert. Wenn man aber in kurzen Intervallen seine Baum- pflanzungen von Frösten getödtet oder stark beschädigt sehen muss und jahre- lange Mühe wiederum aufwenden muss, um derartige Schäden zu überwinden, dann wird die Ueberzeugung sehr erschüttert, dass der Obstbau eine so lohnende Kultur sei. Dennoch ist dies der Fall, wie einzelne Obstbaudistrikte be- weisen. Es fragt sich nun, ob die Obstkultur nur für einige bevorzugte Gegenden als reichlich lohnender Erwerbszweig aufzufassen ist, oder ob sie in der That als allgemeine reiche Erwerbsquelle gelten kann. Der Schreiber dieser Zeilen hält die allgemeine Ausbreitung der Obstkultur für wirthschaftlich geboten und für möglich, wenn es gelingt, die Frostschäden zu vermindern. Eine solche Beschränkung der schädHchen Eingrifte der Kälte ist zuverlässig zu erwarten, sobald unser Kulturverfahren rationeller wird. Wenn es irgendwo dringlich ist, dass wissenschaftliche Untersuchungen die praktischen Kultur- bestrebungen unterstützen und verbessern, so ist es gerade bei dem Obstbau. Dieser Ausspruch dürfte angesichts der Erfolge der Formbaumzucht hier und da Zweifeln begegnen. In der That aber glauben wir, in vollem Masse unseren Ausspruch aufrecht erhalten zu können. Vergessen wir nicht, dass die Obst- kultur an Spalieren und in Zwergformenbäumen ein höchst anerkennenswerther und hochlohnender Zweig des Obstbaues ist, dass er aber immer nur eine eng- beschränkte Ausdehnung erlangen kann. Der nöthige Aufwand an Intelligenz sowohl, als auch an Material und Hülfsvorrichtungen wird die sogenannte fran- zösische Baumzucht immer nur zur Beschäftigung einzelner bevorzugter Kreise machen. Von allgemeiner, volkswirtschafdicher Bedeutung wird aber nur die- jenige Baumzucht sein, die sich mit dem Anbau der Obstbäume in grossen Plantagen beschäftigt. Hier können keine Vorsichtsmassregeln, wie sie die Spalierzucht ^•erwendet, in Gebrauch kommen und hier sind die Beschädigungen durch Fröste am empfindlichsten. Dieser Baumzucht, welche in vielen Fällen zur ausschliesslichen Erwerbs- quelle unbemittelter Bevölkerungsklassen werden kann und theilweis ist, muss sich in erster Linie die wissenschaftHche Unterstützung zuwenden, die sich zur Aufgabe stellt, den Frostschäden entgegen zu arbeiten. Von solchen Ideen geleitet hat der Schreiber dieser Zeilen seit einer Reihe von Jahren versucht, wissenschaftliches Material in Bezug auf Frostbeschädigungen zu sammeln und giebt jetzt in Folgendem einige Resultate dieser Unter- suchungen. Das Studium der Frostwunden wird in drei Richtungen aufzunehmen sein. Zunächst wird man den anatomischen Befund aller derjenigen Beschädigungen lieber Frostbeschädigungen. ■iq'J festzustellen haben, welche nach dem Eintritt starker Fröste sich an den Bcäumen zeigen. In zweiter Linie wird aber wissenschaftlich durch das Experiment, und zwar durch Einwirkung künstlicher Kälte auf gesunde Bäume zu constatiren sein, dass die Beschädigungen, die nach Frostjahren auftreten, wirklich dem Froste zu- geschrieben werden müssen und nicht andern, vielleicht gemeinschaftlich mit der Kälte auftretenden Krankheitsursachen ihre Entstehung verdanken; daran müssen sich endlich drittens diejenigen Untersuchungen knüpfen, die festzustellen suchen, ob dieselben Frostgrade bei allen Individuen derselben Varietät immer dieselbe Wirkung haben, und (wenn dies nicht der Fall ist) welche inneren Eigen- schaften des Baumes ein Individuum empfänglicher als ein anderes machen. Dann werden weitere Untersuchungen darthun müssen, von welchen Wachsthums- Taedingungen die einzelnen Eigenschaften eines Baumes und namentlich die- jenigen abhängen, die den empfänglicheren Individuen gerade ihre grosse Em- pfindlichkeit verleihen. In der künstlichen Abänderung der Vegetationsfaktoren zur Vermeidnng der grossen ^Empfänglichkeit wird ein Hauptmittel liegen, die Gefährlichkeit der Fröste zu mildern. Die Verschiedenartigkeit in dem Verhalten der einzelnen Individuen gegen dieselben Frostgrade wird genau dieselbe Beachtung und Prüfung verdienen, wie die Auswahl der einzelnen Varietäten für bestimmte Gegenden. Nur in der äussersten Pflege dieser beiden Punkte liegt die Garantie für eine erfolgreiche, rentable Obstkultur, für die grössere Ausbreitung derselben und das AVachsthum ihrer volkswirthschaftlichen Bedeutung. I. Krankheiten, welche auf die Einwirl^>^^ hohe, all- seitig sanft verlaufende, vollkommen berindete Buckeln, welche mehr durch das Gefühl als durch das Auge bemerkbar wurden. Die äussere Rinde erschien durchaus normal und als die direkte Fortsetzung der übrigen, nicht erhabenen Parthie des Zweiges. Im Querschnitt lässt sich die Ursache der Rindenauftrei- bung in einer Anschwellung des Holzkörpers erkennen, \velcher im Anfange des zweiten Jahresringes ein Nest holzparenchymatischer, sehr weiter, stärkereicher Zellen gebildet hat. In der Regel findet sich ein solches Parenchymnest genau zwischen zwei Markstrahlen, so dass der seitliche Uebergang von diesem krank- haften Holzgewebe zum gesunden ein ziemlich plötzlicher ist, während diese ab- normen Holzelemente in radialer Richtung ganz allmählig die normalen Dimen- sionen und Verdickungen annehmen. Nur zeigen sich noch in dem radial an- grenzenden sowohl, wie in dem seitlich anstossenden regulär gebauten Holze einzelne stark erweiterte und verkürzte, mit Stärke (im März untersuchte) erfüllte Holzzellen. In dem Holzparenchymneste finden sich unregelmässig verlaufende gelbe Streifen; die gelbe Färbung rührt von gequollenen Zellenwandungen her, die bei Frostschädigungen allgemein vorkommen. Auch andere Merkmale einer bestimmten Gruppe von Frostschäden sind vorhanden, wie z. B. die Zerrung der Mark- strahlzellen an der Froststelle nach einer Seite hin und die tonnen- förmige Erweiterung des Markstrahles bei seinem Eintritt in das Parenchymnest. Diese tonnenförmige Erweiterung des Markstrahls wird we- niger oft durch Vermehrung seiner Zellen hervorgerufen, als durch Verbreiterung derselben auf Kosten ihrer Länge; dabei bemerkt man nicht selten eine in die Augen springende Verdickung der secundären Membran. Eine Zellvermehrung zeigt sich am häufigsten bei den einzelligen Markstrahlen, die 2 zellig von der Froststelle aus werden. Je weiter sich ein solcher Markstrahl in das Parenchvm- nest hinein fortsetzt, desto breiter und kürzer erscheinen im Querschnitt seine einzelnen Zellen und mit desto schiefer stehenden Wandungen greifen sie keil- förmig in einander, anstatt stumpf an einander gefügt zu bleiben; endlich werden alle Zellen in dem Parenchymneste, dessen Elemente im Centrum des Nestes am weitesten sind, gleichgestaltet, so dass man überhaupt eine Difterenzirung der Markstrahlen nicht mehr erkennt. Dem gelb- bis braunstreifigen Neste von Holzparenchym entspricht in dem- selben Radius eine ehemals damit zusammenhängende, jetzt aber durch da- zwischen geschobenes neues Holz getrennte braune Rindenzone, die tangential gestreckt ist. Die Zone besteht aus unregelmässig verlaufenden, auch unter ein- ander selten parallelen, gelbbraunen bis tiefbraunen Streifen und dazwischen ^QQ Paul Sorauer: liegenden helleren Parthien. Die Streifen erweisen sich, wie im Holz, aus er- krankten, gelbwancligen Zellen gebildet, die noch erweitert oder auch schon zu- sammengesunken sind und z. Th, gequollene Membranen besitzen. In Folge der Quellung sieht man häufig die Schichtung der Membranen sehr deutlich, ja man gewahrt bisweilen sogar ein Auseinanderblättern der einzelnen Lamellen, wenn der Schnitt eine Zellwand zufällig günstig trifft. Der Zellinhalt dieser z. Th. schon von dem gesunden, grünen Rindengewebe scharf abgehobenen Stränge ist mei- stens braun, klumpig geballt oder auch schon körnig zerfallen. Bei dem Färben der Schnitte mit Campecheholzextrakt zeigten sich oft sehr hübsche Bilder, wenn concentrirte Chlorzinkjodlösung hinzutrat. Die Holzzellwandungen in ihrer ver- schiedenartigen Verdickung traten deutlicher hervor. Einzelne Gruppen von Holzzellen färbten ihre Wandungen intensiver gelb und zeigten sich mehr ge- quollen; es waren dies die Wände der die Ge fasse umgebenden, stärke- führenden, gefächerten Holzzellen, welche somit empfindlicher sein dürften, als die anderen Elemente des Gefässbündels. Aus diesen gefächerten Holzzellen sah ich zuerst bei dem Erwachen der Vegetation am 1 6. März 1878 grosse dunkelblaue Stärkeranken, bei Behand- lung der Schnitte von Acer und Sa/ix viininalis mit stark saurer, concentrirter Chlorzinkjodlösung austreten ; etwas später zeigten die stärkeführenden Herbst- holzzellen dieselbe Erscheinung, während dieselbe am seltensten an den Mark- strahlzellen zu beobachten war. Bei dem Austreten der wurmförmig gewundenen Stärkeranken, die um so länger waren, je dicker die Schnitte gemacht wurden, Hessen sich in der Umgebung farblose, nadeiförmige Krystalle beobachten. Die Struktur der Ranken ist verschieden. Bald erkennt man ihre Zusammensetzung aus den einzelnen unregehiiässig gequollenen Stärkekörnern noch sehr deutlich, indem ein fester gebliebener Kern der Körner über die Oberfläche der glatten, durch Verschmelzung der iieripherischen Schichten der Stärkekörner entstandenen Wandung der schlauchförmigen Ranke, höckerig hervortritt; bald jedoch ist die Substanz der hohlen Ranke gleichmässig hautartig und die Oberfläche glatt; die Spitze erscheint oft zackig. Bei älterem Holze treten die Stärkeranken im Herbstholze des letzten und vorletzten Jahresringes am zahlreichsten auf Bei stärkerer Vergrösserung sieht man die Uebergänge in der Zusammensetzung der Ranke genau; bald erkennt man noch grössere, ziemlich scharf umrandete, einzelne Stärkekörner, die in einer leicht blauen Membran eingebettet liegen, bald sieht man nur noch ver- schwindend kleine dichtere Punkte in der dunkelblauen Wandung der Ranke. Bisweilen ist diese Ranke oder, besser vielleicht gesagt, dieser Schlauch an seiner Basis und Spitze ganz gleichmässig in seiner Membran und nur in der mittleren Region finden sich Anhäufungen von Körnchen, die in der Membransubstanz ein- gebettet liegen. Glycerin hellt die Schläuche auf, die übrigens sowohl auf der Oberseite, als auf der Unterseite des Schnittes hervortreten. Alkohol lässt sie schärfer con- tourirt und dunkler erscheinen; Kalilauge entfärbt sie und zeigt die körnigen Bestandtheile der Wandung besser. Die Bildung der Ranke scheint zu erfolgen durch Quellung der Stärkekörner, die dann platzen und ihren Inhalt mit deni Reagenz zu einer Membran umformen, an der man bisweilen helle kreisrunde Stellen erkennt, gleichsam als ob Vacuolen bei der Bildung angelegen hätten. Die zackige Beschaffenheit der Spitze wird durch unregelmässiges Hervortreten Ueber Frostbeschädigungen. 40 1 der einzelnen äusscrsten Stärkekornchen bedingt. Diese Ranken möchte ich für Traube'sche Zellen halten; stark saueres Chlorzink mit Kali allein zeigte haut- artige Niederschläge. Zinnchlorid (neutral) und Eisenchlorid (sauer) erzeugen keine Ranken, die übrigens durch Schwefelsäure oder Salzsäure nicht zerstört werden ; ein Eintrocknen der Zweige, die vorher viele Ranken zeigten, vermindert die Ausbildung derselben oder hebt sie ganz auf. Bei Frostbeulen der Kirsche, die in Fig. 3 u. 4 skizzirt sind, zeigt sich das anatomische Bild insofern etwas abweichend von dem Bau des Ahornzweiges, als hier meist der Gummifluss in Folge der Verletzung sich hinzugesellt. Fig. 3 ist der Querschnitt aus dem Centrum der Beule, Fig. 4 ein seitlich der Mediane der Wunde entnommener Längsschnitt, r ist der braune Streifen au«; todtem Gewebe, welches den die Beule veranlassenden inneren feinen Riss zu- nächst beg^-enzte. Dieser Riss war äusserlich gar nicht sichtbar; denn die äusscr- sten Rindenschichten e sind unverletzt geblieben, obwohl die Wunde ziemlich tief war und bis in das alte Holz h hineinreichte; sie muss aber sehr eng von Anfang an gewesen und zu einer Zeit entstanden sein, in der eine Ueberwallung sofort möglich war; denn es senkte sich das überwallende Gewebe alsbald in die Wunde /-', ohne dass erst grössere Gewebeparthien zum Absterben gekommen wären. Dieses junge, weiche Ueberwallungsgewebe, sowie die an die erkrankten Parthien der Rinde angrenzenden Zellen, erzeugten alsbald dicke Korklagen k, u, welche das todte Gewebe vollständig einhüllten und von dem gesunden isolirten. Die Hartbastbündel b, welche mitten im gesunden Rindengewebe in der nächsten Nähe der Wunde erkrankten, sind durch isolirte Korkumwallungen eingeschlossen, so dass von ihnen aus eine weitere Zersetzung des umgebenden chlorophyll- haltigen Rindenparenchyms nicht stattfinden kann. Bei dem Heilungsvorgange bemühte sich nun das neue Holz // // und die neue Rinde n r die Wunde von den Seiten her zu überdecken. In der Mitte der W\nide, wo dieselbe nach allen Dimensionen am ausgedehntesten, ist ein Schluss noch nicht erreicht; dagegen ist an den Seitenparthien dieser Fall bereits eingetreten; es haben sich von oben und unten her die beiden neuen Holzlagen Fig. 4 11 h, 71 h' mit ihren Rändern vereinigt und das todte Rindenstück von dem todten Holztheil schon getrennt. Je älter und dicker die neuen Holz- und Rindenlager werden, desto mehr wird die todte Rinde nach aussen gedrängt und endlich ganz abgestossen. Das abgestorbene Holz ///, welches parenchyma- tischer Natur wai und die augenblicklich noch frischen Ränder ///', die ebenfalls aus Holzparenchym gebildet sind, gehen erst ganz allmählig in festeres normales Gewebe über. Das erst gebildete, zur Ueberwallung sich anschickende Neuholz trägt in der mittleren Wundgegend den Todeskeim schon in sich, indem zahl- reiche Gummiheerde (Fig. 3 g) sich gebildet haben, welche das wenig wider- standsfähige Gewebe in kurzer Zeit auflösen werden. Bei älteren Ueberwallungen an einem durchaus nicht üppigen Ahornzweige wurde auch einmal eine Spaltung des Jahresringes bemerkt, indem die Herbstholzregion auf einer Seite des Zweiges sich durch eine bedeutend dicke, gefässreiche Frühjahrsholzzone in zwei Blätter spaltete und dann wieder mit der erstgebildeten Zone verschmolz, so dass auf einer Zweigseite ein Jahresring mehr zu zählen war, als auf der anderen. Sehr häufig fand sich in einem Jahre die Spaltung des Jahresringes und eine höchst ungleiche Vertheilung von Herbst- und Frühlingsholz AQ2 Paul Sorauer: Ueber Frostbeschädigungen. innerhalb desselben Jahresringes in den gesunden Parthien bei zwei- jährigen krebsigen Apfelzweigen, die ich von Herrn Dr. Lucas in Reutlingen er- liielt. Dieselbe schien hier unabhängig von den Augen und auch von den Krebs- stellen aufzutreten und eher von der Richtung des Zweiges gegen den Horizont abhängig zu sein; der Zweig zeigte immer auf derselben Seite die dickste Herbst- holzschicht. Die Spaltung der Herbstholzschicht zeigte sich hier mehrfach in der Nähe ruhender Augen, indem eine keilförmig nach beiden Seiten hin sich zuspitzende Lage von weitlumigem, gefässarmen, stärkereichen Holze sich in den Herbstholzring eingeschoben fand. Der auf diese stärkereiche Holzzone folgende Theil des Herbstholzringes zeigte dickwandigere Holzzellen auf den anderen Zweigseiten. An diesen Zweigen war endlich auch noch eine Erscheinung mehr aus- gebildet, die keineswegs selten ist und sehr verhängnissvoll für den Zweig sein dürfte; der letzte Jahresring schloss nämlich mit Frühlingsholz ab, indem sich nach Abschluss des Ringes mit normalem Herbstholze noch 3 — 4 Reihen von sehr dünnwandigen Frühlingsholzzellen gebildet hatten." Mit diesem weichen Holze ging der Baum nun in den Winter und es ist nicht zu verwundern, dass derselbe durch Fröste beschädigt erschien. Die gleiche Erscheinung fand sich bei einer Sendung von Zweigen krebskranker Lärchen aus Höxter. Während die Frostbeulen durch ihre häufig unregelmässigen, sich bisweilen spaltenden Jahresringe den Krebsschäden sich nähern, sind die Frostlappen der Brandkrankheit zuzuzählen. Mit dem Namen der «Frostlappen» möchten die zurückgerollten, trockenen Fetzen von Oberhaut zu bezeichnen sein, die nach Frosteinwirkung ganze Aeste oder selbst ganze junge Bäume in Baum- schulen bekleiden. Die Erscheinung wurde gegen Ende des Monats Mai zu- erst wahrgenommen und zwar als Folge einer tiefgehenden Rindenbeschädigung, die zur Folge hatte, dass das Periderm junger Stämme weichholziger Aepfel- und Birnensorten (Morgenduft-Aepfel und Herbst-Sylvester-Birnen) sich stellenweis blasenartig abhob. Solche Blasen reissen später in einem Längsspalt auf. Das gesammte Rindenparenchym erscheint unterhalb des Risses schwarz und trocknet sehr schnell zusammen. Li dem Maasse, als sich der Riss erweitert, schreitet die Zersetzung des Rindengewebes in weiterem Umkreise fort; zunächst wird das Gewebe gelbgrün und stellenweis weich, das weiche Gewebe dunkelt nach, sinkt zusammen und trocknet zusammen und zwar so weit, als das Periderm von dem Rindengewebe überhaupt abgehoben ist. Mit der Zeit werden diese todten Steilen auch bloss gelegt, indem der Längsriss in der Peridermblase sich verlängert und durch senkrecht abgehende Querrisse die ganze abgehobene Korkhaut in einzelne Lappen theilt. Bei dem Zusammentrocknen rollen sich die einzelnen Lappen rückwärts ein und entblössen das bisher bedeckt gewesene Gewebe. Es bleibt zu bemerken, dass gerade die Basis der jungen, noch glatt' rindigen Stämme am meisten derartige Frostlappen zeigte, während die jüngeren Zweige äusserlich unversehrt erschienen und auch frisch austrieben, aber aller- dings hier und da gegen Ende Mai gelbe und welke Blätter erhielten. Von der Ausdehnung und Häufigkeit dieser Frostlappen, die immer wieder durch gesund gebhebene Stellen von einander getrennt erscheinen, hängt es ab, ob der Baum am Leben bleibt. Meist sterben die Bäume, da das Cambium unter den schwär- Dendrophilus : Der wilde Garten. 403 zen Rindenstellen todt ist. Die Gegenden um die Augen, oder die Stellen her- um, an denen Zweige fortgeschnitten worden sind, erscheinen besonders für der- artige Frostschäden zu inkliniren. Ueber Frostrunzeln und andere in Folge der Kälte auftretende Erschei- nungen soll später referirt werden. Der beschränkte Raum drängt zum zweiten Theil der Aufgabe, nämlich zum Vergleich der durch Einwirkung künstlicher Fröste hervorgerufenen Erscheinungen mit den im Freien beobachteten Schäden. (Schluss folgt.) Der wilde Garten. Won Dendrophilus. (Fortsetzung.) Ueber die Verwendung von Lilien und ähnlichen Pflanzen. »u£/ilien wollen Sie auch in den wilden Garten verweisen, lieber Den- drophilus? Das ist ja geradezu lächerlich. Eine Zwiebel kostet ja i Mark; nein solche Verschwendung treibe ich nicht. Bei mir werden sie in Töpfen kultivirt und die schönen rosa Japaner mit dem köstlichen Duft bringen alle Jahre drei Blüthen.« So apostrophirte mich im vorigen Jahre eine Freundin. War mir die Pille der Lächerlichkeit auch ein wenig bitter hinunterzuschlucken, so lag mir doch mehr daran, die sonst so liebenswürdige Jüngerin Florens zu be- kehren, als ihr gekränkt den Rücken zu kehren. Ich lud sie daher ein, mich im August zu besuchen, um meine Lilien anzusehen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ein kleines trium- phirendes Lächeln nicht unterdrücken konnte, als ich unsern Spaziergang so eingerichtet hatte, dass wir plötzlich vor einem Klumpen Li/iinn specio- suin im freien Lande standen, deren keine weniger als dreimal drei Blüthen und Knospen trug. Furchtbar bin ich aber für meine Bosheit, eine Dame zu beschämen, bestraft worden. Mein Gärtner wollte in diesem Jahre noch mehr und noch grössere Blüthen sehen und da ich ihm oft vorgepredigt hatte, das ganze Geheimniss, grosse und schöne Rosen zu ziehen, bestehe in kräftiger Düngung, so wendete er hinter meinem Rücken auch den Lilien eine Karre voll des kräftigsten Stoffes zu. O wehl Er war zu frisch! Und heute habe ich nichts weiter als einige elende Kümmerlinge von all meiner Pracht. Fast alle Zwiebeln verfaulten noch denselben Herbst. Gegen zwei Sachen sind die meisten Lilien empfindlich, stagni- rende Nässe und frischen Mist. Jede Düngung bestehe daher aus voll- kommen verrottetem Stoff. Unter den vielen schönen Lilien, die man hat, giebt es mehrere Arten, welche geradezu für den wilden Garten allein geschaffen scheinen, denn 404 Dendrophilus: es wird bei der grösstcn Sorgfalt schwer, für sie im Blumengarten passende Plätze zu finden. Voran stehen fast sämmtliche Türkenbundlilien und ihrer giebt es eine grosse Zahl; sie sehen zwischen hohem Gras und groben Kräutern viel besser aus als auf Rabatten. Ferner die Sumpflilien, für die sich schwer ein passender Fleck auf einer Rabatte finden wird, wie Liliiun pardalimun, L. siiperbnvi. Wenn uns nun auch diese beiden Gruppen von Lilien nebst der weissen Lilie und der Feuerlilie L. candidnm und L. Indbiferuni schon über- reiches Material für den wilden Garten bieten, so können wir doch dreist F'S- 97- Liliiun attratuin. Fig. 98. Liliitni speciostim. auch noch solche Arten verwenden, Avelche gewöhnlich mit äusserster Sorg- falt in Töpfen und auf Beeten gezogen werden, ich meine die japanischen Prachtlilien, L. spcciosuni (fälschlich oft laiicifoUniii genannt) und die Gold- bandlilien L. aiiratuni. Beide Arten sind ganz hart und wenn ich auch nicht entfernt daran denke, diese Prachtblumen aus unseren Schmuckgärten verbannen zu wollen, so möchte ich sie doch im wilden Garten nicht missen. Folgende Erdmischung kann man mit Nutzen für die meisten Lilien verwenden. \ milder Lehm, i grober Sand, X faseriger Torf (Torfstreu). Alles gut zerkleinert und gemischt. P2twas Holzkohle, Topfscherben und kleine Der wilde Garten. 4^5 Steinchen, sowie absolut verrotteten Dünger (mindestens 4 Jahre alt) bei- zumischen ist nützlich. Alle Lilien, welche wir hier brauchen können (mit Ausnahme der Sumpflilien, über welche ich besonders sprechen werde), verlangen, um zu schönster Entfaltung zu gelangen, eine ziemlich tiefe Lage der Zwiebel, etwa 15 — 25 an, einen halbschattigen Standort, Windschutz und bedecktes Erdreich. Haben wir irgend ein Gehölz, welches im Ganzen auf frischem Boden steht, so suchen wir uns an seiner Ost- oder Südost-Seite eine kleine Bucht; mehr hinein in's Holz, wenn dasselbe sehr licht steht; am Rande, wenn es im Inneren zu schattig ist; dort wollen wir unsere Lilien ansiedeln. Nicht zu sehr vereinzelt, sondern mehr in starken Colonien beisammen, weil wir die schönste Wirkung erzielen, wenn wir mehrere zusammen in ein etwas grösseres Loch pflanzen, z. B. in ein Loch von einem Quadrat- meter Flächen-Inhalt wohl 20 — 30 Zwiebeln. Welche Form das Loch haben muss, passt man natürlich der Lage an. Kann man einen Meter tief graben, so ist dies ideal, unten bringt man 25 cvi hoch grobe Ziegel-Brocken zur Drainage hin (Kohlenasche und Schlacken etc.), darauf, umgekehrt, die oben abgeschälten Rasenstücke und schliesslich etwa 60 cm hoch die bereits angeführte Erdmischung. Das Ganze bepflanze ich gern locker mit niedrig bleibendem Strauchwerk. Wenn ich es haben kann, ist die winterharte Azalea mollis sehr hübsch, sie nimmt diese Erde auch an, Heidelbeeren, Preisseibeeren, Vinca, Ma- honien, auch Stauden, wie halbhohe Glockenblumen, Akelei oder dergl. sind zu verwenden. Zwischen diese hinein bringe ich in gleichartigen kleinen Trupps die Zwiebeln. Ich erziele durch dies Bepflanzen für die Zwiebeln sowohl im Sommer Schutz vor brennender Sonne, als im Winter gegen grosse Kälte. In solchem Beet können die Zwiebeln Jahre lang bleiben, ohne dass man sie berührt. Das erste Bepflanzen geschehe insofern mit grösster Vorsicht, als nian sich vorsehe, unter keinen Umständen eine faulende Zwiebel in der Ansiedelung« zu lassen, weil dieselbe alle übrigen mit verderben könnte. Das Verfahren, welches ich angewendet habe, um in dieser Beziehung ganz sicher zu gehen, besteht darin, dass ich neu importirte oder gekaufte Zwiebeln zunächst einzeln in verhältnissmässig tiefe Töpfe pflanze, die- selben dort austreiben lasse und erst dann für immer austopfe, wenn ich sicher bin, eine gesunde Pflanze zu haben. Auch die Töpfe müssen natürlich gut drainirt sein. Zunächst füllt man sie nur halb voll Erde, so dass man nach dem Austreiben den Topf nach und nach füllen kann, weil viele Lilien ihre Haupt-Nährwurzeln ober- halb der Zwiebel machen. Die Sumpflilien erfordern eine etwas andere Behandlungsweise. Ihre Zwiebeln sind daran kenntlich, dass es keine eigentlichen rundlichen kom- AQ^ Dendrophilus: Der wilde Garten. pakten Zwiebeln sind, sondern längliche, aus Zwiebelschuppen zusammen- gesetzte Rhizome, welche oft sogar verästelt sind. Die Lilien dieser Abtheilung wollen im Moor stehen, mit dem Rhizom nur wenige Centimeter unter der Oberfläche und sind im Uebrigen sehr dankbar für volle Sonne. Ob sie ohne weiteres in eine saure nasse Wiese gepflanzt werden können, A\ill ich nicht behaupten, es wäre wohl besser ihnen an einer Stelle mit reichlichem Wasser-Zufluss und Abfluss einen Platz mit ähn- licher Erde zu bereiten, wie früher angegeben, nur lasse man den Torf mehr vorwiegen. Eine gute Liste der Lilien findet man in dem Lilienkatalog von Krelage & SoilN in Haarlem, auch in jedem guten Gartenbuch. Ausser den Lilien empfehle ich für ähnliche Verwendung als diese noch die verschiedenen Arten HcnierocaUis und Funkia. Erstere wachsen etwa I VI hoch, meist mit Blättern ähnlich denen der Schwertlilien, welche wir schon bei den Knollengewächsen besprochen haben. H. flora gelbblühend und duftend; H. fidva orange; H. Ivivanso fl. pl. orange mit gefüllten Blumen und gestreiften Blättern; H. jMiddendorfii goldgelb, sehr reich blühend, sind die besten. Die Funkia bilden einen etwa V? ^'^ hohen Busch schöner breiter Blätter und haben an etwas höheren Schäften weisse, lila und bläuliche Blüthen. Funkia jap onica weiss; F. Sieboldii lila; F. coeridea bläulich. Die kleineren Arten Funkia sind zu zart für den wilden Garten, allen- falls ist noch eine buntblätterige Varietät für den brauchbar, welcher Ge- schmack für diese Sachen hat. (Wird fortgesetzt). Eine Trauertanne. Von KOTTMEIER, Kgl. Forstcandidat in Friedeberg bei Wittmund, Ostfriesland. ^^ass einzelne Exemplare von Bäumen, Sträuchern etc. abnorme Formen bilden, Formen, die man durch Kultur und Züchtung zu erreichen vielleicht ver- gebens versucht hat, kommt oft vor und hat seinen Grund in localen Verhält- nissen und örtlichen Ursachen, Verletzungen, Insecten, Pilzen etc., und ist mel:r ein sonderbares Spiel des Zufalls zu nennen. Aber dass ganze Baumgruppen gemeinschaftlich ausarten und einen gemeinschaftlichen abnormen Charakter an- nehmen, ist wohl eine Seltenheit, und eine solche ist es, die mich zu diesen Zeilen, die vielleicht für manchen Baumzüchter von Interesse sind, bewogen hat. Es finden sich nämlich im hiesigen Oberförsterei-Bezirke nicht weit von einander zwei [jaumgruppen von Edeltannen {Ahics pectinata), die man ihrem Kottmeier: Eine Trauertanne. 407 Verhalten und Wuchs nach wohl am besten Trauertannen, analog der Bildung von Trauerweide, Traueresche etc. benennen könnte. Sie sind ca. 2ojähng und im Durchschnitt 10— 11 m hoch, einzelne Exem- plare bis zu 15 m und zeigen, abgesehen von ihrer Abnormität, meist einen ge- sunden kräftigen Wuchs; aber statt der horizontal oder schwach geneigt weg- gestreckten Aeste hängen die letzteren lang herunter und sind die obersten Zweige von solcher Stärke und Benad- lung, dass sie den Baum kuppeiförmig nach oben abschliessen. Nebenstehende Skizze versucht es, diesen abnormen Wuchs etwas zu verdeutlichen. Andere Exemplare streben in den mannigfachsten Windungen und Drehun- gen nach oben und bilden interessante und groteske Formen. So findet sich unter andern ein Exemplar von nur 4 vi Höhe, einen grünen abgestumpften Kegel darstellend, dennoch aber vollsaftig und grün. An dem Boden scheint die Ursache nicht zu liegen, denn neben diesen ab- normen, auch zwischen ihnen, stehen voll- ständig normal gewachsene Stämme.*) Druck von oben durch ältere Stämme, Beschattung, ist auch nicht der Grund, denn die betreffenden Exemplare stehen vollständig frei und andere von oben stark beschattete wachsen schlank mit grossen Trieben in die Höhe. Vielleicht sind es sämmtlich Nach- kommen eines zufällig abnorm gewachse- nen Baumes und hat sich dessen Abnor- mität, wie solches ja oft vorkommt, auf einzelne seiner Nachkommen vererbt, wäh- rend andere normalen Wuchs beibehalten haben. Vielleicht sind einem oder dem an- deren derLeser ähnliche Formen bekannt, und würde sich dadurch diese seltene Erscheinung aufklären lassen. Erwähnt sei noch, dass nach Mit- theilungen des Herrn Dr. Kienitz, Ebers- walde, Carri^re (Traitt^ genefral des Conif^res, Paris 1867) eine Ahies pectinata pendula, allerdings mit dem Zusatz Hortortim aufführt, ein Vorkommen derselben im Walde ist meines Wissens noch nicht beobachtet. Fig. 99. Trauertanne. *) Der Obergrund besteht aus meist zersetztem Moor, der Untergrund aus frischem, zum Theil feuchtem und moorigen Sande. Gartea-Zeitung 1S82. ^7 4o8 R. Mueller: Leider sind die betreffenden Exemplare noch nicht mann!)ar und können also weitere Versuche über das Verhalten der Samen noch nicht angestellt werden. Es scheint uns aber hier nicht eine krankhafte Bildung, sondern eine durch irgendwelche unbekannte Ursachen herbeigeführte Abweichung vom normalen Wüchse vorzuliegen und sollen deshalb auch jene Grupjjen geschont und behufs weiterer Beobachtung erhalten bleiben. lieber das Sclmeiclen und Aufbewahren der Reiser. Von R. Mueller in Praust bei Danzig. "^LSyie Regel sagt: »Im Januar und Februar sollen die Reiser zur Frühjahrs- Veredlung geschnitten werden. <. Dies ist aber nicht für alle Arten Bäume resp. Gehölze so streng wörtlich zu nehmen. Für das Schneiden der Reiser von Obstbäumen ist die Zeit von Anfang bis Ende Februar allerdings im Allgemeinen die geeignetste. Ich habe jedoch noch nie einen ungünstigen Erfolg davon gehabt, wenn ich durch Umstände genöthigt war, einzelne Sorten später im März, ja sogar im April schneiden zu müssen, vorausgesetzt, dass die Augen noch nicht sichtbar in Trieb gekommen waren. Im vorigen Jahre habe ich sogar noch im Mai von dem Apfel: »Königlicher Kurzstiel«, allerdings eine sehr spät treibende Sorte, Reiser geschnitten und zu Kronenveredlungen benutzt, welche alle gut gewachsen sind. Die oberen Augen der Jahrestriebe hatten schon getrieben, ich konnte daher nur die untersten Enden, an welchen die Augen noch mehr zurückgeblieben waren, zu Reisern verwenden. Hier im Norden sind wir oft genöthigt, bedeutend früher Reiser zu schneiden, sobald wir befürchten müssen, dass sie durch grosse Kälte leiden könnten. Im Jahre 1876 hatten wir gegen den 22. November schon — 17" Reaumur, welche Kälte sich bis Ende des Jahres bis auf —25° steigerte. Einer solchen Kälte können die Jahrestriebe vieler Obstbäume, besonders der Birnen und Kirschen, sowie einer Anzahl Apfel- und Pflaumen-Sorten nicht widerstehen, noch dazu, als bei unseren kürzeren Sommern und oft ungünstiger Witterung die Triebe nicht einen solchen Grad von Reife erlangen, als in südlicheren Gegenden, wo die Temperatur zeitweis auch so tief sinken kann als bei uns. Bei Befürchtung höherer Kälte- grade über — 15 bis — 18" Reaumur hinaus dürfen wir nicht zögern, Obstreiser zu schneiden, sei es auch erst Dezember oder November. In so abnormen Wintern, wie wir ihn in diesem Jahre haben, sieht man sich, nicht der Kälte, sondern der Wärme wegen, genöthigt, von einzelnen Gehölzen, z. B. den Syringa-Varietäten die Reiser früher zu schneiden, weil sie zu treiben beginnen. Die Hauptsache bleibt immer die möglichst gute Conservirung der Reiser, über welche ich weiterhin einige Worte sagen will. Was nun das Schneiden der Reiser von Ziergehölzen zur Veredlung im Freien anbelangt, so kann ein grosser Theil derselben je nach der Witterung von Mitte bis Ende Februar oder Anfang März geschnitten werden als: Ulmus, Crataegus, Caragana, Fraxinus, Pyrus, Prunus, Populus, Salix, Sorbus, Syringa, Ueber das Schneiden und Aufbewahren der Reiser. 409 Tilia. Mitte bis Ende März sind zu schneiden: Betula, Aesculus, Fagus, Carpinus, Quercus. Letztere sind noch besser erst kurz vor dem Veredeln zu schneiden. Im Frühjahr drängt aber die Arbeit oft so, dass man einige Tage später an das Veredeln der Eichen kommt und die Augen dann schon vorgerückt sind. Es erscheint daher immer räthlich, wenigstens einen Theil der Reiser von Quercus Ende März zu schneiden. Reiser von Robinien werden am besten kurz vor der Veredlung, wenn auch 8 — 14 Tage vorher, geschnitten. Wie schon angedeutet, ist die gute Aufbewahrung der Reiser eine Haupt- bedingung zur Erzielung guter Erfolge bei der Veredlung. Wir schlagen die Reiser in einem Erdkeller resp. Erdhause an einer besonders für dieselben reservirten Stelle ein, an welcher sie gegen Licht und Zugluft geschützt sind und immer gieichmässig feucht gehalten werden. Früher wurden die Reiser in eine mehr sandige Erde eingeschlagen. Da ich aber fand, dass sie sich in sandiger Erde nicht so gut halten, die Erfahrung ja auch lehrt, dass Holz, z. B. Pfähle, im Sande viel schneller verfault als in Lehm, so sorge ich jetzt dafür, dass die unteren Enden der Reiser mit der Schnittfläche in einem zähen Lehm- brei zu stehen kommen, was viel zur guten Conservirung der Reiser beiträgt. Da solche Erdkeller auch sehr vortheilhaft zur Ueberwinterung von Rosen und anderen vor starker Kälte zu schützenden Pflanzen, zum Einschlagen von Wildlingen zur Winterveredlung, zum Aufbewahren des Steckholzes etc. zu be- nutzen sind, so erlaube ich mir, hier eine kurze Beschreibung der beiden hier befindlichen zu geben. Dieselben gleichen im Durchschnitte niedrigen, mit dem Seitenmauerwerk ganz in der Erde stehenden Sattelhäusern. A^on vornherein bemerke ich, dass sämmtliches Holzwerk mit Holztheer gut imprägnirt ist. An Stelle der Glasfläche sind diese Erdkeller mit i '/., zölligen Brettern dicht an einanderstossend bedeckt, diese auf die Sparren festgenagelt und ca. 15 — 18 cm hoch mit lehmiger Erde belegt. Die Erde ist seiner Zeit mit einer Rasenmischung für trockenen Boden besäet und festgeklopft worden. Um bei anhaltendem Regenwetter kein Wasser hindurch zu lassen, waren die Bretter vor dem Auf- bringen der Erde mit Dachpappe benagelt worden. Ich möchte jedoch rathen, die Bretter zu stülpen, d. h. dachziegelartig über einander zu nageln, man spart dadurch die Dachpappe, und hat Sicherheit gegen das Durchtropfen, was, wie die Erfahrung gelehrt hat, auf andere Weise trotz Dachpappe nach einer Reihe von Jahren doch geschieht. Die Breite des Erdkellers beträgt im Lichten 3,50/«, die Länge ca. 32 ot, die Dicke der Mauern 0,45;«. Die Seitenmauern erheben sich i /;/ hoch über die Sohle. Die beiden Erdkeller stehen dicht neben einander, so dass sie eine Seitenmauer gemeinschaftlich haben. Die Sparren, welche durchnittlich eine Stärke von 12 cm .haben und 1,35 in von einander entfernt sind, haben einen Neigungswinkel von ca. 40'^. Die Entfernung des Firstes vom Boden beträgt ca. 2,65 ;;/; 1,75/« vom Boden befinden sich \2 cm starke wagerechte Querhölzer, welche an den Enden bis auf die Hälfte einge- schnitten, ausgestemmt und mit starken Nägeln an je zwei zusammengehörende Sparren angenagelt sind. Bei einem früheren Keller waren diese Querhölzer in die Sparren eingezapft; die Zapfen faulten aber in wenig Jahren ab, auch die Sparren selbst in Mitleidenschaft ziehend. Durch Auflegen von Brettern auf diese Querhölzer kann man sich noch sehr geeignete Plätze für niedrige Pflanzen, welche im Winter einziehen oder sonst keines öfteren Giessens bedürfen, her- stellen. Die Lage der Keller ist von Ost nach West. Auf der Nordseite be- 27* 4IO L. Wittmack: finden sich drei Fenster von der Form und Grösse gewöhnlicher Mistbeetfenster in gleichmässiger Entfernung, auf der Südseite nur zwei im Verbände mit dem hinteren. Im Giebel befindet sich eine Luke von ca. 60 cm Quadrat. Der Eingang wird durch 2 Thüren, eine nach innen , die andere nach aussen auf- gehend, verschlossen. Zwischen beiden Kellern ist ein Strang Drainröhren zur Ableitung des Regen- und Thauwassers eingelegt. Die Keller sind in eine Terasse von ca. I m Höhe eingebaut, so dass die Giebehvände, in welchen sich die Thüren befinden, mit derselben vorn abschneiden und man zu ebener Erde hineingehen kann. Im Innern ist in der Mitte ein ca. 70 cm breiter, etwa 10 cm vertiefter Steig, zu beiden Seiten je ein 1,40 w breites Beet, welches an der Steigkante mit Latten eingefasst ist. Bei der stärksten Kälte ist das Thermo- meter im Keller nicht unter — 2^ Reaumur gefallen. Bei plötzlich im Winter eintretendem Thauw^etter kann man die Temperatur lange auf etwas unter o'' halten, damit z. B. die Rosen nicht zu früh zu treiben anfangen. Hampton-Court und sein grosser Weinstock. Von L. Wittmack. ^u Tausenden sieht man im Sommer an Sonntagen die Londoner Bevölkerung nach Hampton-Court nahe Richmond fahren, da das Schloss daselbst mit der berühmten Bildergallerie ausser dem botanischen Garten in Kew die einzige Sehenswürdigkeit ist, die am Sonntage nicht ge- schlossen. Verschiedene Eisenbahnen führen hin; alle bieten, sobald man das Häusermeer Londons hinter sich hat, ein reizendes Landschaftsbild. Sanft ansteigende Hügel, grüne Wiesen, zahllose Landhäuser beleben die Scene. Benutzt man die Linie nach Teddington, so gewahrt man bei Barnes viele Obstbäume, desgleichen viel Kohl, Spargel etc. — In Tedding- ton macht eine Hecke aus Weissdorn, gemengt mit Ilcx, einen eigenthüm- lichen Eindruck. Wenige Schritte weiter gelangt man zu dem zwischen Teddington und Hampton-Court gelegenen Bus hy -Park, berühmt durch seine Kastanien-Allee. Zur Zeit der Rosskastanienblüthe zieht halb London hinaus, um sich in ihr zu ergehen. Die Allee ist von William III. aus dem Hause Oranien (regierte von 1689 — 1702) angelegt, hat über eine englische Meile Länge und eine 10 fache Baumreihe. In der Mitte der ganzen Allee findet sich ein grosses Bassin mit Fontaine, am Ende bei Hampton-Court ein Teich mit Karpfen (in England selten) und Goldfischen. Das Schloss zu Hampton-Court ist vom Kardinal WOLSEY, dem Günst- ling Heinrich VIII., aus rothen Ziegelsteinen erbaut, dann von ihm dem Könige geschenkt; es wurde später von Cromwell und mehreren Königen bewohnt, jetzt dient es, wie erwähnt, als Gemäldegallerie. — Uns inter- essirt an dieser Stelle mehr der Garten, der im französischen Stil angelegt ist. Seitwärts von dem Schlosse findet sich eine weite Rasenfläche, im Hintergrunde abgeschlossen durch eine riesige Gruppe aus Blatt- und Hampton-Court und sein grosser Weinstock. 411 Blüthenpflanzen. Davor liegen grosse Teppichbeete im reichsten Flor, deren Bepflanzung in einem besonderen kleinen Katalog, der käuflich zu haben, angegeben ist. Drei Hauptwege gehen strahlenförmig vom Schlossportale durch den Garten; sie alle sind von mächtigen, uralten, einzeln stehenden Taxus von über I in Stammdurchmesser seitlich begrenzt. Fast aber noch mehr als diese Taxus fordern die schönen, in Säulenform gezogenen Rosen unsere Aufmerksamkeit heraus, Säulenrosen, von denen unser verehrtes Mitglied, Herr Dr. JAGOR, wohl mit Recht behauptet, dass sie nirgends auf dem Fig. 100. Der grosse Weinstock zu Hampton-Couit (nach einem Stich aus dem Jahre 1840). Gepflanzt 1768, bedeckte 1840 2200 engl. Quadratfuss Glasfläche. Kontinent in ähnlicher Weise zu sehen, ja dass nicht einmal Rosenstöcke, die sich zur Erziehung solcher Säulen eignen, bei uns zu haben. Die grösste gärtnerische Merkwürdigkeit birgt aber Hampton-Court in dem grossen Weinstock, der in dem sogenannten Privatgarten auf der Südseite des Palastes ein ganzes Haus einnimmt. Der kurze ca. 0,80 ni dicke Stamm steht ausserhalb des eigentlichen Hauses, ist aber mit einem Schutzdach versehen; er theilt sich im Innern in 3 Hauptäste, die mit ihren Reben die ganze Glasfläche des sehr einfachen und einseitigen Hauses einnehmen. Das Haus ist 72 Fuss engl, lang und 30 Fuss tief, so dass der Weinstock ca. 2 200 engl. Quadratfuss Glasfläche bedeckt. Gepflanzt wurde >T-7 Friecir. Harms: er im Jahre 1768, doch ahnte man damals nicht, welche Dimensionen er annehmen werde und so musste das Haus auf seine jetzige Länge ver- grössert werden. Leider war es nicht möglich, eine neuere Zeichnung des Stockes zu erhalten, der führende Gärtner verkaufte nur eine Lithographie von Aug. Turrel aus dem Jahre 1840 und nach dieser ist unsere Ab- bildung gefertigt. Zur Zeit meiner Anwesenheit (1878) trug der Stock ca. 1200 Trauben, in ganz besonders günstigen Jahren soll das bis auf 2 500 Trauben steigen. Die Sorte ist eine gute deutsche: schwarzer Hamburger, Black Hambro oder Black HaniburgJi. Ein ähnlicher noch grösserer Weinstock befindet sich bekanntlich in Cumberland Lodge, der Besitzung des Prinzen Christian zu Schleswig- Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Nach gefälliger Mittheilung des Herrn RuDüLni Lauche ist es der älteste Weinstock in England. Er ist also auch über 100 Jahr alt, hat im Stamm 3 Fuss Umfang und bedeckt eine Glasfläche von ca. 3000 Ouadratfuss engl. Das Haus ist 138 Fuss lang, aber nur 16 Fuss tief. Jährlich bringt er ca. 2000 Trauben, die ebenfalls zur Sorte Black Hambro gehören. Bemerkungen über die beiden Thee-Rosen Nipliethos und Souvenir d'un ami. Von FrIEDR. H.A.RMS in Hamburg, Eimsbüttel.*) JlS/ie Theerose Niphetos (Schneeflocke), von BouGfeRE-Breton gezüchtet, kam schon im Jahre 1843 '^^ den Handel, jedoch nicht zu grösserer allgemeiner Ver- breitung, besonders in Deutschland nicht, hauptsächlich wohl, weil sie im Freien etwas empfindlich ist. Die Blume öffnet sich bei Regenwetter weniger gut und im Winter leidet die Pflanze nicht allein vom Frost, sondern auch von Feuch- tigkeit unter der Decke, sie stockt oder schimmelt leicht, besonders die jungen Kronen. Die meisten Handelsgärtner Hessen sie deshalb wohl wieder aus ihrem Sortimente verschwinden, ich ebenfalls. Ich führte sie früher unter No. 61 und legte ihr wegen der vorstehend angeführten Mängel keinen grossen Werth bei, kultivirte damals wenige unter Glas und und Hess sie ausfallen, weil mir einige Jahre nacheinander meine ganze Anzucht zu Grunde gegangen war und bei unsern meistens regnerischen Sommern die Blumen selten gut auf- blühten. Nachdem die Rose fast allenthalben verschwunden und stark in Ver- gessenheit gerathen war, trat Granger in Suisne (Frankr.\ wenn ich nicht irre, im Jahre 1875 ^^i' ^^"^ Anzeige auf, er habe die neue und seltene Theerose, »Niphetos, Mathilde oder MousseHne« in zahlreicher Vermehrung und liefere davon Pflanzen ä Stück 5 Frcs. — , obgleich sie in anderen französischen Cata- logen zu 0,60 Frcs. notirt war. Er hat trotzdem einige Jahre ein bedeutendes *) Siehe s\'erhandl. des Vereins z. B. d. Gaitenb." 18S2. S. (45J. Bemerkungen über Niphethos und Souvenir d'un anii. 413 Quantum nach allen Gegenden hin verkauft, da es allgemeiner bekannt wurde, dass die Rose sich besonders zur Kultur unter Glas, zum Treiben eigne. Wie Granger zu den verschiedenen (unautorisirten) Namen kam, weiss ich nicht, da es nie eine Theerose »MousseHne«, (wohl eine Remontant-Rose »Mousseline« von Touvais) gab. Auch eine Theerose »Mathilden existirte nie, wenn man nicht die Deutsche von Vogler in Mainz 1859 in den Handel gebrachte schöne grünlich weisse Theerose »Grossherzogin Mathilde ; (v. Hessen), ein Sport von dem alten Boug^re, etwa dafür gehen lassen will. Es ist nicht unmöglich, dass einige unserer linksrheinischen Nachbarn diese Rose oberflächlich haben kennen gelernt und sie für identisch mit der ^'Niphetos« gehalten haben. Grossherzogin ist ihnen vielleicht nicht mundgerecht gewesen, sie haben es einfach gestrichen, wo ihnen »Mathilde« blieb. In die französischen Cataloge ist diese schöne deutsche Rose meines Wissens nie übergegangen. Weshalb deutsche Rosen- züchter (und sogar ein Hauptzüchter, nicht zu weit von Mainz) diese deutsche Rose in »Duchesse Mathilde«, ein Züchter in Bayern in einer Annonce sogar in »Duchesse of Mathilde« umtaufen konnten, begreife ich niclit. Noch eher ist es mir erklärlich, dass ein hiesiges industrielles Haus sie unter dem nicht unpassenden Namen oder Bezeichnung: »Weisse Marechal Niel« mehrere Jahre führte und als neue Rose zu gutem Preise verkaufte. Sie wird jetzt von vielen Handelsgärtnern, auch in Deutschland, als Treib- oder Schnittrose hochgeschätzt, in England schon lange. Sie blüht sicher bei jedem Schnitt, treibt gleich nach oder schon vor dem Verblühen durch und bringt sicher wieder Blumen, oft 3 bis 4 mal von Neujahr bis Mai, wenn auch meistens etwas kleiner als die ersten, besonders wenn man alle kleinen Triebe, die sich oft sehr zahlreich bilden, zur Blüthe gelangen lässt. Die dem Verein s. Z. übersandte Blume war von einem Halbstamm, der im vorigen Sommer oculirt war, geschnitten. Die Augen waren sehr kräftig ausgetrieben, und da ich nur eine Knospe an jedem Zweig zur Blüthe gelangen Hess, so erreichten dieselben eine seltene Vollkommenheit oder Grösse. Vor ca. 14 Tagen blühte bereits eine Blume, noch etwas grösser als die zugesandte und hatte dieselbe nur ein Herz, es war meiner Ansicht nach ein wahres Modell einer weissen Rose. Ich hatte diese Exemplare zur Samenzucht mittelst künstlicher Befruchtung bestimmt, stehe aber jetzt fast ganz davon ab, sie als »Samenträgerin-, d.h. als Mutter zu benutzen, weil sie höchst wahrscheinlich fast nie oder nie Samen ansetzen wird. Sie ist zu stark gefüllt, die inneren kleinen Blättchen oder Fetalen sind oft oder meistens so stark und tief zwischen den Pistillen eingewachsen, dass es schwer ist, die Blume ohne Beschädigung der letzteren von überflüssigen inneren Petalen und Staubfäden zu reinigen. Auch im vorigen Frühjahre habe ich einige solcher Prachtblumen, ohne das erwünschte Resultat zu erzielen, geopfert. Ferner sind die Pistille dieser Sorte so unvollkommen (fast ohne gute Narben) gebildet, dass man wohl darauf verzichten muss, Samen von ihr zu erziehen. Dagegen findet man bisweilen einige Staubfäden mit Beuteln, die etwas Staub, oft aber erst 8 Tage nach dem Aufblühen, liefern. Die oben erwähnte Prachtblume Heferte mir ca. 10 Tage nach dem Oefifnen scheinbar gute Pollenkörner, die ich auf Narben der Mabel Morrison und Captain Christy gebracht, ob mit Erfolg, kann ich noch nicht bestimmen. Die beiden letzteren scheinen nicht besonders leicht Samen anzusetzen, obgleich die Pistille frei sitzen, auch normal gebildete Narben zeigen; die Pistille von diesen beiden Sorten sind lang und sehr dünn. Andere ^lA Friedr. Harms: gute weisse oder helle Remont.-Rosen zum Kreuzen hatte ich gerade nicht in passendem Entwickelungsstadium, zumal da ich eine etwas robuste, mehr auf- rechtwachsende Sorte als Niphetos benutzen wollte. Niphetos wächst nämlich im natürlichen Zustande mehr breit, seitwärts als aufrecht. Und auf solche oder ähnliche Facta nehme ich bei meinen Combinationen zur Erzielung neuer Rosen durch künstliche Befruchtung immer Rücksicht. Seit vorigem Frühjahr habe ich nämlich noch einmal angefangen, durch künstliche Befruchtung auch neue Rosen zu ziehen; ob mit Erfolg, muss die Zeit lehren. Vor ca. 12 Jahren war ich wahrscheinlich schon auf dem rechten Wege, da ich leuchtend rothe Remont.- Rosen mit gelben Theerosen und umgekehrt, stärker wachsende weisse mit dankbar blühenden schwächeren befruchtete etc. Leider fehlte es mir an der nöthigen Müsse, die Früchte wurden mir aus Unkenntniss oder bösem Willen ab- geschnitten, kleine erzielte Sämlinge von einem Gehülfen durch Nachlässigkeit verdorben etc. etc., und da ich meine Operationen der Zeit im Freien vornahm, so reiften selten Samen; ich gab das Project, in der Meinung, dass es zu den grössten Seltenheiten gehören würde, etwas Vorzügliches zu erzielen, bald wieder auf. Durch Bennett's Mittheilungen und Resultate, wenn nicht bedeutende Erfolge, besonders wenn man seine 6 neuesten, jetzt bald in den Handel kommen- den Neuheiten in Rechnung zieht, auf's Neue angeregt, betreibe ich die Anzucht jetzt mit etwas mehr Energie und Vertrauen auf (wenn auch nur seltenen) Er- folg. Ich habe in diesem Frühjahre in meinen Häusern bis jetzt ca. 150 (bis heute 157 Stück) Rosen künstlich befruchtet, alle mit Nummern auf kleinen Pergamentetiquetten versehen und die Kreuzungen unter derselben Nummer auf's Genaueste in meinem Buche notirt. Datum, Wetter, grosse oder Mittelblume, ob im ersten Stadium der Entwickelung oder später befruchtet, ob mit frischen oder trockenen, alten Pollen etc. etc. Ende März gemachte Kreuzungen liefern insofern ein vorläufiges Resultat, indem die Früchte z. Th. schon jetzt zu normaler Grösse ausgebildet sind und oben Samenkörner zeigen. Weniger gut nahmen Sorten mit langen, dünnen Pistillen an, wie Julius Finger, Paul Neyron, Mabel Morrison und ähnliche, und sind von diesen einige Fruchtbecher trocken geworden, ohne anzuschwellen. — Pollen hatten die meisten Sorten, wenn auch einige in bedeutend reicherem Masse. — Mit vorjährigen Samen habe bis jetzt noch weniger Erfolge erzielt. — Zum Versuch hatte ich ca. 35 Blumen befruchtet und erhielt ca. 30 Früchte, manche aber mit nur einem und bisweilen unaus- gebildetem oder unfruchtbarem Samenkorn. Nur einige wenige brachten reichlich Körner. Manche werden vielleicht durch Frost im November, wo sie noch zum Theil unreif waren, und an Pflanzen sich fanden, die zum Ausreifen im Freien stan- den, gelitten haben. Ich säete am 23. Februar d. J. im Warmhaus aus. Einige Körner gingen nach S bis 12 Tagen auf; am 19. und 23. März zeigten sich die ersten Knospen an den kleinen Sämlingen (nach dem 6. Blättchen, Samenblättchen nicht mitgerechnet.) Ich hielt sie bald kühler, bei 10 — 12'^ R. Den 19. April blühte bereits der erste Sämling, gute halbgefüllte Sorte, wahrscheinUch ohne besonderen Werth, doch werde ich ihn noch weiter beobachten. Jetzt steht wieder eine Blume von einem Pflänzchen im Begriff sich zu öffnen. Von dieser verspreche ich mir mehr, es ist eine Thee-Hybr. von schönem, aufrechtem Wuchs, edler Blattbil- dung, schönem, langen Blüthenstiel, aufrechtstehend, längliche Knospe. Färbung der Fetalen aussen (soweit man sie sieht) ausserordentlich lebhaft roth. Es ist ein Sämling von einer dunklen und einer gelben Sorte. Die ganze Pflanze ist derart, Bemerkungen über Niphethos und Souvenir d'un ami. /j.ie dass man etwas Gutes von ihr erwarten darf, auch die Eltern sind schätzens- werth. Jedenfalls scheinen alle diese Pflänzchen mit Knospen dankbar blühende Sorten zu sein, sie würden sonst unter den gegebenen Verhältnissen wohl keine Knospen angesetzt haben. Andere Sorten, von Baron Bonstetten, Fischer Holmes etc., zeigen noch keine Lust zum Blühen. Manche Samen gehen jetzt erst auf. Ueber weitere Resultate werde ich an irgend einer Stelle später berichten. Die zweite s. Z. übersandte Blume war »Souvenir d'un ami« (Theerose), auch »Queen Victoria« von Einigen genannt. Sie stammt ebenfalls von einem im vorigen Sommer oculirten Halbstamm. Ich habe auch von dieser Sorte schon grössere Blumen gesehen. Man muss, um solche Blumen zu erzielen, die Pflanzen stark zurückschneiden und nicht zu viele Blumen an je einer Pflanze belassen, auch müssen sich dieselben im temperirten oder Kalthause ausbilden. Erde nehme ich kräftige: Rasen- und etwas Lauberde, mit altem, verrottetem Dünger und reichlich Sand vermischt. Giessen mit Düngerwasser ist während des Treibens nothwendig. Heute sende ich Ihnen noch eine Blume von Bennett's Theehybr. »Duke of Connaught«, vielleicht die werthvollste von seinen früheren Züchtungen. Freilich ist sie auch nicht ganz ohne Mängel für einen scharfen Kritiker. Es ist eine mittelgrosse (vielleicht Normal-Blume); ich hatte sie auch schon grösser. Sie könnte vielleicht etwas weniger violetten Schimmer (von ihrem Vater, dem Louis van Houtte) haben; auch sind die Spitzen der äusseren Petalen oft etwas fest gewickelt, was das Aufblühen erschwert, wenn nicht bisweilen (ohne Geburtshülfe) ganz verhindert. Man kann sie schon aus diesem Grunde als Treibrose nicht rückhaltslos empfehlen. Es ist aber immerhin eine schöne Rose, eine dunkele »la France«, wenn man will. Im Holz ist sie etwas empfindlicher, auch weniger produktiv an Zweigen, als diese. Manche Kronen blühen im Sommer zu stark auf Kosten der Holz- oder Kronenbildung. Trotz- dem darf der Züchtar stolz auf das erzielte Resultat sein und sind ihm Andere zu besonderem Dank verpflichtet, weil er die Eltern seiner Sämlinge genau an- gegeben hat. Man ersieht daraus, was man unter gegebenen Verhältnissen etwa erzielen wird. Seine, des Züchters, Veröffentlichungen werden manchen Andern zu neuen Versuchen angeregt und auf die rechte Bahn gebracht haben; und dies ist meiner Meinung nach vorläufig noch das Hauptverdienst, was Bennett sich um die Rosenzucht erworben hat. Ob er uns bleibende, nicht leicht er- löschende und von andern nicht etwa überstrahlt werdende Sterne für unser Rosensortiment liefern wird, oder schon geliefert hat, wie Einige behaupten, muss die Zukunft lehren. Manche seiner Sorten sind in irgend einer Hinsicht der Beachtung werth, wenn auch nicht ganz ohne Mängel, jedenfalls ist die im Prinzip eingeschlagene Bahn wahrscheinUch eine gute und die richtige. Eine Blume, ähnhch wie die früher gesandte »Niphetos« hatte heute leider nicht zur Verfügung, vielleicht aber zur nächsten Versammlung. Die »Niphetos«- Blume war ca. 6 Tage schön normal geformt, d. h. mit regelmässig einfachem Kelch, das doppelte Herz zeigte sich erst dann beim weiteren Aufblühen, wie bei manchen stark gefüllten Sorten, so auch bei »Marechal Niel« und ähnlichen. Die Blume von »Niphetos« dauert oft 14 Tage und ist dann noch vollkom- men schön, fällt überhaupt nicht oder selten aus, sondern fault unten an den Petalen im Verblühen oder vertrocknet allmähhg. Sie hat deshalb einen ganz besonderen Werth. Aiß R. Brandt: Neuere empfehlenswerthe Pflanzen. Neuere empfehlenswertlie Pflanzen von R. Brandt in Charlottenburg *j Begonia incarnata var. saiiguinea , mit schönen blutrothen Blumen, welche die Pflanze so zu sagen ganz bedecken; sie ist sowohl für Gruppen wie zur Topfkultur eine dankbare und allen Anforderungen genügende sehr emjjfehlenswerthe Marktpflanze. Begonia scmpcrflorciis rosea, eine dankbare Gruppenpflanze mit rosa Blumen, ist constant aus Samen. Pelargonutin pellatum , Madame Crousse, grosse gefüllte Blumen, breite Blumenblätter, durchsichtig fleischfarbig schattirt, die Ränder dunkler, die Pflanze ist starkwüchsig; eine sehr zu empfehlende Marktpflanze und ausserdem im Freien zur Bekleidung südlich gelegener Felspartieen, oder Abhänge, ebenso angehakt zu Gruppen und endlich als gute Bouquetblume sehr geeignet. Ervthrina covipacla , eine niedrige Varietät von Er. Cristagalli, sehr reichbluhend und die beste als Gruppenpflanze, auch zur Topfkultur empfehlenswerth, denn die diesjährigen Frühjahrs- stecklinge haben schon im Juli d. J. geblüht Mo7itl>rctia Pottsii Baker, erinnert an Tritouia mirea, ist aber viel schöner als diese , denn die orangegelben, aussen rothgetuschten Blumen bilden lange einseitswendige Trauben, und sind von schöner Wirkung. (Siehe »Garten-Zeitung« S. 159 mit farbiger Abbildung). • Montbretia crocosmiaeflora, ist eine künstliche Hybride zwischen M. Pottsii und M. aurea, von Lemoine in Nancy gezogen, diesjährige Neuheit, ist eine wesentliche Verbesserung der Vorigen. Uie Blumen sind grösser, haben eine lebhaftere Farbe und präsentiren sich dem Auge durch ihre fast aufrechtstehende Haltung sehr vortheilhaft. Beide Montbretien eignen sich zur Topf- wie zur Freilandskultur. Gladiolus hyb, Marie Lemoine, Gladiohis hyb. Lcnioinci, künstliche Hybriden zwischen G. gandavensis und purpureo-anratus , zwei vorzügliche Neuheiten, die einzelnen Blumen sind milchfarbig, die inneren untern Seiten des Schlundes sammtig kirschbraun gefleckt, ähnlich wie bei Odier'schen Pelargonien. Die letztere der beiden Hybriden ist auf der äusseren Seite rosa gestreift, und wie G. gandavensis zu verwenden. Pasiiflora Impcratrice Eitgciiie, ist eine der Passifloren, die im Freien dankbarer ihre schönen grossen, wohlriechenden Blumen entwickeln, als im Warmhause. Ceanothtis, Gloire de Versailles, eine der kräftigsten Sorten, reichlich mit hellblauen Blüthen- trauben bedeckter Strauch, vorzügliche Rasenpflanze; muss aber entweder gut gedeckt oder noch sicherer im Kalthaus überwintert werden. Asparagiis phiii/osiis , ein immergrüner Spargel, der durch seine sehr feine, federartige Verzweigung sich für die Bouquetbinderei sehr empfiehlt. Juncus zebrinus , diese höchst merkwürdige Pflanze aus Japan mit ihren lebhaft grün und weiss in gleichen Abständen zebraartig gebänderten Trieben erinnert lebhaft an die Stacheln des Stachelsch\\eines. Enlalia japonica, fol. var. ähnelt dem weissblättrigen Gyneriuvt, ist aber bedeutend härter. Etilalia Japonica zebrina hat breitere Blätter und ist blassgrün zebrirt, von sehr graciösem Wüchse; hält unter Laubdecke im Freien aus. Pelargonitini roseum var. filicifolia odorata, die farnartigen, wohlriechenden Blätter eignen sich für feinere Blumenarrangements. Dactylis glomerata fol. var., eine zierliche weiss gestreifte Form des bekannten Knäuelgrases, welches für den Winter in Töpfen conservirt ein schätzbares Material für feine Blumen- arrangements liefert. Dactylis glomerata fol. aiire't) variegatis, ist im Habitus etwas kräftiger, aber ebenso zu verwenden. P/ialangiiiin lineare aureo-variegatum, ähnlich dem bekannten weissgestreiften Phalangiuni, ist als Topf- und als Freilandpflanze zu empfehlen. Yerscliiedenes. Die Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins machte am 21. Juli einen Ausflug mit Damen nach dem wegen seiner schönen Durchblicke so bekannten Park Sr. kgl. Hoheit des Prinzen Carl zu Glinicke und dem Parke seiner Majestät des Kaisers zu Babelsberg. An ersterem Orte übernahm Herr Oberhofgärtner GiESSLER, an letzterem Herr Oberhofgärtner Kinder.MANN freund- lichst die Führung. Ganz besonders erfreute man sich im Parke zu Babelsberg an den von *) Bei einem Besuche der Gärtnerei des Herrn R. Brandt landen wir eine ganze Reihe empfehlenswerther Pflanzen und hat Herr Br.\ndt auf unsere Bitte die wichtigsten für die Gartenzeitunir zusammengestellt. Red. Verschiedenes. — Interessante blühende Pflanzen. 417 Sr. Majestät zum Theil selber angegebenen neuen Anlagen um den künstlichen See , die in harmonischer Weise sich an malerische Wiesenflächen anschliessen. Perilla iiankineusis inacropliylla (Huber). Die Societe Anonyme des Etablissements Horticoles Cii. HuHER & ClE. d'Hyeres et de Nice in Hyeres-les-Palmiers (Var) schreibt uns U.A.: »Wir erlauben uns Ihnen ein Blatt von unserer neuen, selbst gezüchteten /t'r///a zu über- senden, welche in unseren Kulturen entstanden ist und die wir, nachdem wir dieselbe seit dreimaliger Saat für vollständig constant und echt erzeugt ansehen , jetzt in den Handel geben wollen. Die Blätter sind tief dunkelroth, auch schwärzlich roth, nehmen vom Wurzelstock gegen die Spitze zu an Grösse allmählig ab und sind sehr hübsch buchtig gefranst, so dass diese Sorte eine grosse Rolle unter den einjährigen Blatt-Pflanzen zu spielen geeignet sein dürfte. Als Name dieser schönen Varietät könnte vielleicht passen: Perilla naitkinensis gigatitea (oder: Perilla nankinensis niacrophylla). « Letzteren Namen halten wir für passender. — Das uns übersandte Blatt ist schwärzlich- röthlich grün, hat eine Breite von 19 an! und eine Länge von 15 an! Es ist herzförmig, stumpf und grob buchtig gezähnt und scheint in der That eine bemerkenswcrthe Form. D. Red. Interessante blühende Pflanzen. Im Juli 1882. 1. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin. Ausgestellt in der \'ersammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues vom 27. Juli. I Chironia grandiflora. Cap. Gentianaceae \ t. i) Warmhauspflanzen. I Begonia corallina. \\ c. I Tillandsia stricta. \\ v. I Oxalis rhombeo-ovata. St. Kil. •|| c. Bra- silien. I Tradescantia Warscewiczii. |\ v. Central- Amerika. I Scutellaria splendens. \x c. I Tillandsia Saundersii. \ v. I Echinocereus subinermis. \^ c. Mexico. I Echinopsis Schelhasei Zucc. \ c. Mexico. I Cypripedium barbatum. 2).c. India orientalis. r Peperomia claytonioides. 1\ c. I Peperomia argyrea. 2j. c. I Cereus nycticalos. Lk. India occid. \ v. 2) Kalthauspflanzen. 3 Lechenaultia laricina Lindl. var. stricta. Austrahen. \ t. 1 Lechenaultia formosa R. Br. Australien. |^ t. 2 SoUya salicifolia. Australien. \y t. I Trochetia Erythroxylon Benth. St. Helena. Büttneriaceae. t^ t. I Tasminum gracile. Andr. Insl. Norfolk. |^t. 1 Tristania neriifolia. 2 Struthiola lineariloba Meissn. Cap. blüht dreimal im Jahre, besonders im Winter. \\.. I Stenocarpus salignus R. Br. Australien. \ t. Proteaceae. I Bauera rubioides Andr. Australien. \ t. Saxifragaceae; blüht dreimal im Jahre sehr schön, besonders im Winter. I Burchellia capensis R. Br. Capland. J^ t. Rubiaceae. I Gnidia simplex L. Capland. \ t. Thy- melaeaceae. I Anigozanthos Manglesii D. Don. \ t. Australien. Haemadorceae. I Lippia canescens Knuth. Peru. \ t. Ver- benaceae. I Richardia albo-maculata Hook. 2j. t. Cap. Araceae. I Erica Makoyana |^ t. Capr Ericaceae. 1 Scaevola laevigata Ix t. Australien. Goode- niaceae. 1 Zephyranthus spec. Ehrenbg. Mexico. 2^ fr. Amaryllidae. 2 Tweedia coerulea. Apocynaceae. 2). t. 3) Alpenpflanzen. I Orchis globosa L. 2(. fr. Europa. I Statice cosyrensis 2^. fr. I Statice incana 2f. fr. I a » rubra \ fr. Anguloa Rückerii. 2. Im Königl. Berggarten zu Herrenhausen. Mitgetheilt von Franz Sick. I Anguloa uniflora. 4i8 Interessante blühende Pflanzen. Bifrenaria atropurpurea. Brassavola cordata. Cattleya xanthina. Catasetum sanguineum. Coelogyne speciosa. Cypripedium Sedenii. » Pearcei. Disa grandiflora. Epidendron floribiindum. » trachychilum. Gongora Jaenischii. Laelia crispa. Maxillaria marginata. Oncidium dasystyle. Promenaea marginata. Saccolabium giganteum. Stanhopea aurea maculata. j viridiflora concolor. » ecornuta. » Jaenischii. 2 oculata. Vanda teres. Arnebia echinoides Victoria regia (8. Juli). 3. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wiihelmshöhe bei Cassel. Ende Juli 1882. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Eucodonia \ Cattleya Perrini. Stanhopea oculata u insignis. Disa grandiflora. Billbergia splendida, prachtvoll Allamanda neriifolia, gelb. Begonia Boucheana » Dregei • echinosepala » Moonlight » Richardsiana » Schmidti Begonia Digswelhana | metallica. l j-osa » Weltoniensis I » corallina, Scharlach. Burbidgea nitida, roth. Cyrtanthera magnifica, karmin. Gesneraceen, ausser den im vorigen Verzeich- niss erwähnten noch: Rosanovia K ;„ vielen Varietäten. Tydaea 1 Tussaccia pulchella, lebhaft orange. Ixora crocata rutilans, Scharlach orange. Pentas kermesina, rosa. Pavonia Wioti, Kelchzipfel scharlach, Coralle schwärzlichbraun. Passiflora princeps coccinea, scharlach. » trifasciata, weiss. Scutellaria Mociniana, scharlach, in orange übergehend. » Ventenati, scharlach. Burtonia conferta, bläulich purpur, sehr schön. Sollya salicifolia, blau. Swainsonia Greyana, purpur mit weissem Auge. Trichinium Manglesi, rosa, recht hübsch. 4. Im Grossherzoglichen Hofgarten zu Carlsruhe (Baden) Mitgetheilt Vom O rc hi deae. Ansellia africana Ldl. Calanthe Masuca Ldl. i> veratrifolia R. Br. Cattleya gigas Rchb. fil. » guttata Ldt. v. Leopoldii Rchb. fil. » Dovieana Batem. Coelogyne speciosa Ldl. v. Rollissoni. j> testacea Ldl. Eria densiflora Ldl. Gongora odoratissima Lem. Masdevallia amabilis Rchb. fil. Hofgärtner Graebner. Masdevallia ignea Rchb. fil. » Lindeni Andre. » (Jchtodes Rchb. fil. Nephelaphyllum pulchrum Bl. Odontogiossum hastilabium Ldl Restrepia antennifera H. B. K. Pescatorea Lehmann! Rchl). fil. " Klabochorum Rchb. fil. Selenipedium Hartwegi Rchb. fil. » longifolium Rbhb. fil. " Roezhi Rchb. fil. Thunia alba Rchb. fil. fusca. Ausstellungen. — Personalnachrichten. 419 Vanda suavis Ldl. v. grandiflora. » tricolor Ldl v. flavescens. Diverse. Carica Papaya L. Echeveria farinosa. Erythrochyton hypophyllanthus Planch et Lind. Desmanthus plenus W. Juanulloa paratica R. P. Ixora coccinea L. j> salicifolia Hook. Nelumbium speciosum W. Nymphaea cyanea Roxb. » dentata Schum. et Thon. » Lotus L. " rubra Roxb. " zanzibariensis Casp. Oryza sativa L. Tacca cristata Jaeq. Hylophila Arbuscula Willd. Im Garten des Herrn Dr. BoRNEMANN in Eisenach blüht ein 14 Jahr altes Philodendron pertusum zum ersten Male. Gartenbau- Ausstellungen. August 26. — 28. Weissensee (deutsches Zelt). Dritte Ausstellung des Gartenbau-Vereins. Septbr. 9. — II. Spandau, Wilhelmsgarten, Verein der Gärtner und Gartenfreunde des West- havellandes. 1883. April 15. — 23. Berlin. Grosse gemeinsame Ausstellung im Lokale der Skating-Rink- Gesellschaft , Bernburgerstrasse 22a. Sämmtliche Räume desselben, ca. 6000 ///// umfassend, sowie der Garten, sind dazu gemiethet. Das vorläufige Programm ist bei dem Vorsitzenden des Komitee's, Herrn Oekonomierath Späth, Köpnickerstrasse 154, frei zu erhalten. PersonalnachricMen. Am 24 Juli d. J Morgens 9 7' Lhr verstarb unser hochverdientes korrespondirendes Mit- ghed, Herr Dr. Carl Eduard Lucas, Kgl. Garteninspektor, Besitzer und Direktor des Pomolo- gischen Instituts in Reutlingen, Inhaber der goldenen Civilverdienst-Medaille, des Friedrichsordens II. Klasse, Meister des freien deutschen Hochstifts, Ehrenmitglied vieler Gartenbau-, Obstbau - und landwirthschaftlicher Vereine des In- und Auslandes, im Alter von 66 Jahren nach längerem Leiden in Folge eines Milzleidens. Mit ihm ist eine der bahnbrechenden Persönhchkeiten auf dem Gebiete des Gartenbaues dahingeschieden. Sein Fleiss, sein unermüdlicher Eifer um Förderung des Garten-, insbesondere des Obstbaues, seine staunenswerthe literarische Thätigkeit sind weltbekannt und bedürfen an dieser Stelle nicht erst hervorgehoben zu werden. Es war ihm im vorigen Jahre noch ver- gönnt, sein 5ojähriges Gärtner-Jubiläum zu feiern und bei der Gelegenheit die mannichfachsten Beweise der Liebe und Freundschaft aus allen Weltgegenden zu empfangen; leider sollte er den Tag nicht lange überleben. Seine damals versprochene Selbst-Biographie, er hat sie vor wenigen Monden herausgegeben und bei ihrer Durchsicht wird ein Jeder erkennen , was eigene Tüchtigkeit vermag. — Ein leuchtendes Beispiel wird Lucas der Gärtnerwelt für alle Zeiten bleiben, unser Verein aber wird dem Dahingeschiedenen ganz besonders ein ehrendes Andenken bewahren. Nach langen schweren Leiden entschlief am 29. Juli früh unser langjähriges Mitglied, der Gartendirektor Theodor Klett zu Schwerin in M. im 75. Lebensjahre. Unser Mitglied, der Geh. Commerzienrath Jacob Landau starb zu Berlin am 9. August 1882. Eingegangene Preisverzeiclinisse. Damman & Co. in Portici bei Neapel (Engros-Liste einiger neuer oder besonders empfehlens- werther Gemüse- und Blumensamen). — Otto Zimmermann in Greussen in Thüringen (Greussener Tuffsteingruben und Tuffstein-Ornamente). — Maison V.-F. Lebeuf, A. Godefroy-Lebeuf in Argenteuil (Seine et Oise) (Offre speciale d'orchidees). — Schlichen & Frank in Ratibor (Beste holländische, französische und deutsche Blumenzwiebeln und diverse andere Knollengewächse nebst Anhang über Sämereien zur Herbst- und Sommersaat, sowie über diejenigen Pflanzen des Glashauses und Freilandes, welche sich besonders vortheilhaft im Herbst anschaffen und pflanzen lassen). — J. L. Schiebler & Sohn in Celle (Hauptpreisverzeichniss). Joseph Klar in Berhn C, Linienstrasse 199 (Haarlemer und Berliner Blumenzwiebeln, sowie Saatgetreide und Auszug einiger im Herbst gangbarer anderer Sämereien etc.). — L. Späth in Berlin SO., A20 Sprechsaal. Köpnickerstrasse 154 (Selbstgezogene Haarlemer Blumenzwiebeln). Vilmorin, Andrieux & Co. in Paris, qiiai de la megisserie 4 (prix courant pour niarchands des ognons ä fleurs francais). V. Döppleb in Erfurt ('Blumenzwiebeln und Knollengewächse, sowie Samen zur Herbstaussaat etc.) — Chr. Lorenz in lüf'urt (llarlemer Blumenz\viei)eln, Knollengewächse, diverse Bilanzen und Sämereien, Bouquets etc.). — Metz iV Co. in Berlin N., Linienstrasse 132 (IV. Theil: Saatgetreide und andere Samen landwirthschaftlicher wie gäitnerischer KuUuren für die Herl)st- saat). — E. Boese & Co. in Berlin C, Landsbergerstrasse 70 (Herbst-Saatgetreide, Sämereien, Blumenzwiebeln und Baumscliul-Artikel). — Haage & Schmidt in ICrfurt (Blumenzwieljeln, Knollengewächse etc.) Sprechsaal. Antwort auf Frage 26 (S. 344). Uns ist bisher von keiner Seite eine sichere Auskunft über Champignonkultur mit Cyps und Salpeter geworden. Im Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 27. Juli sprach man die Ansicht aus, dass der Salpeter wegen seines Stickstoff- gehaltes gewiss gut wirken würde, auch vielleicht der Kalk des Gypses. Dass man aber, wie dies in politischen Zeitungen behaujjtet worden, in Gyps und Salpeter allein Champignons ziehen könne, wurde allgemein bezweifelt. Frage 30. W. P. in B. Eignet sich der italienische Blumenkohl für Norddeutschland? Wir bitten unsere Leser dringend um Mittheilung ihrer Erfahrungen hierüber. Frage 31. C. in W. Von mehreren Seiten wurde mir gerathen, alle Pappeln aus der Nähe von Obst-Anlagen zu entfernen, nicht allein, weil deren Wurzeln ihren Weg in die Obst- gärten suchen, sondern hauptsächlich, weil Pappeln sehr viel Ungeziefer anziehen, welches für die Früchte etc. schädlich wird. Von anderer Seite wird behauptet, dass die Insekten, welche nach den Pappeln kriechen, niemals an Obstbäume oder Früchte gingen. Die Gewissheit über dieses Verhalten zu erfahren würde mir sehr angenehm sein. — Antwort: Die verschiedenen, bei ims verbreiteten Pappelarten sowohl, als auch unsere Obstbäume, sind die Brut- und Ernährungs-Stätte einer grossen Menge von Insekten. Sowohl die Pappelarten, als auch die Obstbäume, haben ganz besondere, ihnen speziell eigenthüniliche Schmetterlings- und Käfer-Arten, und sind von diesen Insekten nur einzelne Arten sowohl den Obstbäumen , als auch den Pappelarten gleichzeitig gefährlich. Als Beweis dieser Behauptung dient der Umstand, dass Pappel- Alleen , wenn sie durch entsprechend grosse Ackerstücke von Obst-Alleen getrennt, oft im Monat Juni und Juli durch Raupenfrass blattlos dastehen, während die mehrere hundert Schritte davon befindlichen Obstbäume im vollen Schmucke der Blätter prangen. Stehen Pappeln und Obstbäume in unmittelbarer Nähe zusammen, oder im Gemisch, so entlauben die auf den Pappeln vorkommenden Raupen in den meisten Fällen auch die Obstbäume. Es ist daher anzurathen, wo man Obstbäume kultiviren will, die Pa])])eln entweder zu beschränken, oder ganz zu entfernen! Die Pappeln, welche ausser ihrer Schnellwüchsigkeit und dem geringen Gewichte ihres Holzes keine besonderen Eigenschaften haben, die ihre An- pflanzung empfehlen könnten, bereiten der Landwirthschaft und dem Gartenbau noch verschiedene andere Nachtheile, indem sie ihre Wurzeln weit in die Kulturstücke hineinsenden, und nach den leisesten Verwundungen daselbst leicht Wurzelbrut treiben. Die allgemeine Verbreitung und häufige Verwendung der Pappeln als Alleebaum schreibt sich aus einer Zeit, wo man auf den Nutzen, Schaden, landschaftlichen Effekt und Brennholzwerth bestimmter Baumgattungen, und auf die aus ihrer Anpflanzung entspringenden Vortheile und Nachtheile offenbar viel weniger Werth legte, als das gegenwärtig der Fall ist. Die verschiedenen Pappelarten sind übrigens sehr abweichend in ihrer Bergung von Insekten, und namentlich von Raupen. Am gefährlichsten ist die kanadische Pappel Popiihts tiioniliftra, woran sich die andern etwa folgendermassen an- reihen: Pyramidenpappel, Popuhis pyramidalis, Schwarzpappel, Popuhis ?iigra, griechische Pappel, Populus graeca, Silljerpappel, Popithis alba, und endlich die Zitterpappel oder Espe, Popuhis tremnla. \\, Fintelmann. Frage 32. F. in L. Welche der S. (29) der ;»Verhandlungen.T aufgeführten Samen keimen schwer? Antwort; Die Frage des Aufgehens der Sämereien lässt sich nur allgemein damit be- antworten, dass Rosaceen, Atnygdaleen und Pomaceen spät aufgehen und füge ich vor Allem diesen noch die Tiliaceeft hinzu, von denen noch nach 3 Jahren die Samen aufliefen Dem Fragesteller kann es aber auch passiren, dass ihm viele der Sämereien, und zwar grade weil sie erst im Frühjahr zur Vertheilung gelangten, sehr spät aufgehen, wenn nicht gar I Jahr übersteigen: wie Carpimts, Celastrus, Celtis, Conitis {»lasnila "liegt ül)erhaupt länger) Fraxinus, Rlnis, Staphylea u. s. w. Sämmtliche Tiliaceen , Ulmen, V^ilntrniiin gehen, frisch von den Bäumen abgenommen und sofort der Erde anvertraut, gleich in dem nächsten Frühjahr auf, sonst liegen sie mindestens I Jahr über. Der Beispiele giebt es so viele, die man aber schliesslich nicht alle an dieser Stelle auiTiihren könnte. A. Fintelmann. Anzeigen. 1). i© HoiHdilie hlanclie, Früheste weisse Hijacinthe, biniit schon Yon Anfang- A'oveuiber ab. pro loo Stck. 20 X — pro 1000 Stck. 170^. NarCtSSHS foftlS alhas, Vielblumig, pro 100 - lo jU. - 1000^ 90^/'. Bei zeitigem Treiben ist diese Narcisse gleich werthvoU als Topfpllanze wie zum Schnitt, und liefern die reinweissen, stark wohlriechenden Blumen ein ausgezeichnetes Kranz-ltindoniateiial. Orniihoijiiliun arahieiim, Sicm von Betldeliem. ScUnitthlinnc. 1. liamjvs. pro 100 Stck. 35 Jl. Diese Zwiebel bringt einen Blütiienschaft mit 12 — 20 selir zierlichen, sternförmigen Blumen, deren scliueeweisse HlunuMiblätter mit dem erbsengrossen tief- schwarzen Fruchtknoten lebhaft contrastiren. Die einzelnen Blumen erreichen die Grösse eines Zweimarkstückes und liefern (bei leichter Treiberei) schon von Weih- nachten ab ein unschätzbares, selir fein elegantes Bouquet-Material. — Treib- verfahren wird beigegelien. Siehe Bericlit der x,Garle/i-Ztg.« Heß S- ^882, Verhandhingen d. V. z. B. d. G. S. (2S).S. PllOCHiX fdV ItlifßVCl, echt schöne Pflanzen mit 2—4 ausgebildeten Wedeln, pro 10 Stück 20 ^K o f f e r i r e n gegen Gasse oder Nachnahme 38 van der Smissen & Scliwartz, Steglitz-Ber Samenhandlung, Kunst- und Handclsgärtnerei. in. Die Ba umschule, Kunst- und Handelsgärtnerei ?F' äd£ Theodor Jawer, Nieder-Schönhausen bei Berlin, empfiehlt zu äusserst soliden l'reisen alle --o;?^. Ba-"u.m.scl:ii:Ll--<Ä>_rtil^el •^io)iana. Mertensia. Orobus vermis, cocchicus, ßaccidus und uuiltiflorus. Corydalis. Viola, besonders auch das im September zum zweiten Male blühende, duftende Veilchen. Eranthis hyciiialis. Adonis vernalis und antituiiia/is. OrnitJiogaluvi. Miiscari. Scilla bifolia, avwena, cauipamdata, initans, sibirica. Helleboriis niger (Christblume). Asperida odorata (Waldmeister). Asaniui curopacum. Vinca minor und major (wo letztere aushält). Convallaria majalis (Maiblümchen). Convallaria polygonahim und verticillatnui (Italienische Maiblume). Geranitim pratense, aconitifoUum, iiiaxiiuuin. Salvia pratensis. Hemerocallis fidva, flava. Lilium. (Siehe Heft 9.) Fiinkia. Verschiedene einfache Rosen, besonders Rosa riigosa, mit ihrem prächtig kräftigen Laube empfehle ich gleichfalls. (Wird fortgesetzt.) Berichtigung'. In Heft 9, S. 406, Zeile 17 v. o. lies: Hemerecallis ßaz'a statt: H. flora. Columnea Kalbreyeriana. Gcsncraccac. Von L. WiTT.MACK. Gattungscharakter. Kelch frei 5 theilig, Krone röhrig, ziemlich gerade, an der Basis hinten mit einem Höcker versehen, rachenförmig, oberer Lappen aufrecht, stark gewölbt, unterer dreispaltig, ausgebreitet. Staubgefässe 4, 2 längere, 2 kürzere, Antheren verbunden, das fünfte hintere Staubgefäss rudimentär. Um das Ovarium 1—5 Drüsen. Beere i fächerig, Placenten 2, parietal, 2 lappig. — Amerikanische Sträucher, gebogen, aufrecht oder kletternd, Blätter gegenständig, kurz gestielt, ziemlich dick, etwas gesägt, rauhhaarig oder weich behaart. Blüthen- stiele axillär, einzeln oder gedrängt Blumenkrone (meist) scharlachroth. D. C. Prodr. VIT, 541. L. Wittmack: Columnea Kalbreyeriana. 43: Diese sehr schöne Gesneraceae des Warmhauses wurde, wie Gard. Chron. n. ser. XVII S. 44 u. S. 216 berichtet, von Hrn. Veitch & SONS, Chelsea, am 10. Januar 1882 im wissenschaftHchen Comitc der Kgl. Garten- baugesellschaft von England ausgestellt und mit einem botanischen Certi- ficat gekrönt. Sie ist aber mehr als eine botanische Merkwürdigkeit, denn sie ist eine sehr schöne und ornamentale Erscheinung. Sie ist strauch- Fig. loi. CobiDinea Kalbreyeriana. artig, vielleicht halb kletternd, mit ziemlich dicken, fleischigen Stämmen. Die Blätter stehen dicht, deutlich in zwei Reihen, sind 12 — 18 Zoll engl, lang, 2 — 3 Zoll breit, länglich (nach der Abbildung länglich-lanzettlich), spitz, an der Basis schief, bogenförmig herabgeneigt, glatt, oberseits dunkel- grün, zuweilen blassgelb gefleckt, unterseits dunkel-weinroth. Ein Blatt jedes Paares ist viel kleiner als das andere, und es wechseln grosse und kleine Blätter mit einander ab, so dass, wenn das eine Blatt an der rechten Seite gross ist, das nächste an derselben Seite klein ist u. s. f. — , » . Fr. Kränzlin : 434 Blumen in kurzen Trauben am Stamm entspringend, jede mit einem langen o-clben Kelch, der i '/, — 2 Zoll lang und prismatisch eckig ist, seine Zipfel am Ende zugespitzt, Blumenkrone gelb, länger als der Kelch, innen roth o-estreift. — Eine schöne Ausstellungspflanze. — Sie soll bald im Bot. Maaulibus elongatis. Foliis distantibus. Floribus solitariis maximis, galeandri- formibus. Sepalis petalisque ovali-lanceolatis, acuminatis. Labello sui)ero maximo, extinctoriiformi, antice emarginato, apiculato. Calcari leviter genuflexo, sepalis lateralibus fere aequilongo. Descriptio: Caulis elatus, 7 — 8 ////// dianietro, vaginis foliorum ^ cm inter se distantium anceps Radices simplices, longissimi (ad 40 cm in specimine meo) una in internodio quoque, in internodiis floriferis pauUo supra inflorescentiam Orientes. Lamina foliorum elliptlca, 9 — 12 cm longa, 2 — 3 cm lata, basi sub- obliqua, canaliculata, inaequiiatera, apice utroque obtuso. Inflorescentia folio superiori fere opposita, basi vaginis 3 minutis vestita, i- flora (an semper?) Bracteae 2 (quarum altera inanis) par\ae, ovales, acutae Jy cm longae. Ovarium pedicellatura 4 — 5 cm longiim, rectum. Sepala ovali-lanceolata lateralia sub- falcata, apice obtusa. Petala longe acuminata, acuta, ceterum similia, omnia c — 5,5 cm longa, medio i cm lata. Labellum maximum, cuneatum, v. obcordatum antice profunde emarginatum, medio sinu in apicem triangulum productum, lobi laterales rotundati; totum labellum 7 — 8 c/// longum (c. calcari) 5 — 5^0 c//i latum. Calcar conicum v. cxtinctoriiforme, rectum, angustatum, deinde paullo dilatatum leviter vel vix genuHexum, apice obtusum. Gynostemiuni 5 mm longum, 3 mm latum. Anthera plana, fere i-locularis, diaphragmate fere obsolete, pun- ctatum. PoUinia a latere visa obtuse 3 angula. Stii)es lanceolatus. Glandula ovalis (?) viscosissima, in aqua ferventi (juam maxime solubilis. Sepala petalaque viridia, labellum candidum Schlucht des Loango bei Kassamba. An dem ungetähr federkieldicken Stamm sitzen 3 — 4" lange und bis zu 'j^" breite Blätter; zwischen je 2 Blättern entspringt eine lange, ziemlich dünne, weisse Wurzel und unmittelbar unterhalb derselben und auf derselben Seite des etwas zusammengedrückten Stammes brechen die Blüthenschäfte hervor. Die- selben sind, was bei Orchideen öfter vorkommt, bis ziemlich hoch hinauf in die Scheide des zu ihnen gehörigen Blattes eingeschlossen. Die Blüthenschäfte fand ich einblüthig, da jedoch jeder noch i bis 2 sterile Deckblätter trägt, so ist Mehrblüthigkeit nicht ausgeschlossen. Die Blüthen selbst sind sehr gross und schön, die Sepalen und Pctalcn hellgrün, das grosse, trichterförmige Labellum weiss, dieses geht nach hinten in einen anfänglich kegelförmigen Sporn über, der sich bis auf eine kleine Oefifnung verengt, alsdann wieder erweitert, um mit einem ungefähr \" langen, spindelförmigen Endstück abzuschliessen, welches Angraecum Eichlerianum n. sp Fig. I02. Angraecum Eichlerianum Kränzlin. Blumen hellgrün, Lii)pe weiss. I. Knospe. 2. Blüthe von der Seite. 3. Blüthe von vom, auseinander gebreitet. 4. Labellum ausgebreitet. 5. Pollinien, a von hinten, b von vorne, c von der Seite. 6. Anthere, a von innen, b von aussen. ^-ig Fr. Kränzlin: Angraecum Eichlerianum n. sp. mit dem übrigen Theil des Spornes einen sehr stumpfen Winkel bildet. Der Durchmesser der Elüthe beträgt nach jeder Richtung hin 3 — 4 Zoll, sie gleicht also in der (irüsse der von Angr. superbuin Tlioiiars, während der vegetative Autbau sich mit den Angraecen aus der Verwandtschaft von ^. expansiini T/iouars und A. impücatuin Thouars vergleichen lässt, oder um eine bekanntere Garten- Orchidee zu erwähnen, etwa mit Renafithera. Also eine Renanthera, beispiels- weise viatutina Ldl, mit Blüthen so gross wie die eines A. churncum Th. oder superbuin Th., aber nicht in Aehren gestellt, sondern einzeln stehend, ähnlich wie bei A. sesquipedale, das ungefähr würde ein Bild der Pflanze sein. Wenn wir in der Diagnose die Blüthen sflores galeandriformes» nannten, so ist das streng wörtlich zu nehmen. Beim Anblick der ersten Blüthe wird man nothwendig an die schöne Galeandra-Analyse von Fr. Bauer (Orchid. Genera tab. 8) erinnert; sogar der eigenthümliche spitzwinklige Verlauf der Adern im Sporn beider Pflanzen ist der nämliche und die Aehnlichkeit wird noch dadurch verstärkt, dass die (vergrösserte) BAUER'sche Abbildung in den Dimensionen mit den Blüthen unserer Art nahezu übereinstimmt. Der Vergleich mit Angr. Galc- andrac Rbch. f. (Flora 1865, Nr. 12, p, 189) wird einerseits durch den Namen nahegelegt, andererseits durch die gleiche Heimath — das tropische West-Afrika. Die Unterschiede sind erstens vegetative. A. Galeandrae Rbch. f. gehört zu der Gruppe mit kurzen Internodien und prononcirt ungleichseitigen Blättern, deren ältester Repräsentant in unseren Gärten A. bilobum Ldl. (A. apicukitum Hook) ist. A. Eichlcriamun dagegen hat die gestreckten Internodien und den oben er- wähnten Aufbau. Zweitens sind die Blüthenstände von A. Galeandrae mehr- blüthig und fadenförmig »peduncolo gracili tenui elongata ad basin usque race- moso» Rbcb. f. 1. c, die Blüthen selbst sind kleiner (etwa wie bei Rodriguezia Candida Bat.), bei A. Eichlerianum sind sie, wie schon gesagt, einblüthig und die Blüthen selbst sehr gross. Sehr viel näher steht es dem A. infundibulare Lindl. (cf. Journ. Lin. soc. VI. 1862, p. 136, Dr. Lindley on West-African tropical Or- chids.) Hier haben wir völlige Uebereinstimmung des vegetativen Aufbaus der Stellung und Anzahl der Blüthen und — die Unterschiede geringerer Art bei Seite gelassen — finden sich wichtige Abweichungen nur in den Dimensionen der bei A. infundibulare Ldl. noch erheblich grösseren Blüthen und ganz be- sonders in der abweichenden Gestalt von Lippe und Sporn »labello subrotundo basi in fundibulari (dies trifft bei beiden Arten zu) in calcar incurvum filiforme (!) pedunculo duplo longius (!) producto. Und ferner »the lip is about 2\ inches long and broad; from the lip to the point of the spur it measures 6 inches (!) The sepals and petals are 2\ inches long» Lindley 1. c. Bei der grossen Variabilität der Orchideen möchte es gewagt erscheinen, neben dieser schon bekannten Art A. Eichlerianum als neu aufzustellen. Gleich- wohl halten wir dieselbe neben A. infundibulare Ldl. aufrecht, da Abweichungen Uli Bau des Labcllums und Spornes für Momente allerersten Ranges zu halten sind, nicht bloss aus rein systematischen, sondern auch aus biologischen Gründen. Der Bau des Gynostemiums ist in der LiNDLEv'schen Diagnose von A. infundi- bulare leider gar nicht erwähnt. Eme Einführung dieser schönen Pflanze wäre sehr erwünscht. Mit der Wid- mung derselben an Herrn Prof. Dr. Eichler versuche ich — sehr spät — meinen Dank für liebenswürdige und ermuthigende Förderung auch meiner Studien Aus- druck zu geben. H. Wiesner: Zur Kultur der Stachel- und Johannisbeeren. * 437- Zur Kultur der Stachel- und Johannisbeeren. Von ?T. Wiesner, Obstbaumzüchter in Poppeisdorf bei Bonn. ^^Xllbekannt ist, dass die Engländer die ersten Stachelbeerzüchter der Welt sind. Sie ver- stehen es auch in der That, die Stachelbeerkultur auf einer hohen Stufe zu halten, indem sie alljährlich auf Züchtung neuer Sorten, den Inbegriff des Kostbarsten und Schönsten, grosse Mühe und Sorgfalt verwenden. Der Konsum der Stachelbeeren ist in England ein überaus grosser, kaum wird der Bedarf an Beeren gedeckt, welche alljährlich zur Bereitung des Stachelbeerweines, des »Gooseberry -fi/zec, verwendet werden, der sich einer solchen Beliebtheit »auf der grünen Insel« erfreut, dass er wohl als ein Nationalgetränk der Engländer betrachtet werden könnte Erst in neuerer Zeit schenkt man in Deutschland der Stachelbeer- und auch der Johannis- beerkultur erhöhte Aufmerksamkeit, jedoch immer noch nicht in dem Masse, als es geschehen sollte, da es noch gar viele Gärten giebt, in denen diese beiden werthvollen Beerensträucher auf die stiefmütterlichste Weise behandelt werden: Man sieht sie häufig in dichtester Hecken- forni angeflanzt und wundert sich dann noch , dass die Früchte unter solchen ungünstigen Verhältnissen mit jedem Jahre kleiner und schlecliter, der Ertrag ein geringerer wird. Bei der Stachelbeerzucht im Allgemeinen fiägt es sich, ob wir Tafel fruchte oder ob wir Massen grosser und mittelgrosser Früchte für den Markt oder die W ein be reitung züchten wollen. Zur Erreichung des ersteren Zweckes, der uns zunächst ausschliesslich beschäftigen soll, stehen uns verschiedene Erziehungsmethoden zu Gebote, bei welchen durch Schneiden und Heften mehr oder weniger bezweckt wird, den Stachelbeerstrauch eine verhältnissmässig geringe Menge von Früchten produciren zu lassen, diese aber durch die volle Einwirkung des Lichtes, der Luft und der Sonne zu dem höchsten Grad der Vollkommenheit zu bringen und uns demgemäss Dessertfrüchte ersten Ranges zu züchten. Unter den verschiedenen Erziehungsformen ist es namentlich eine, die unserer ganzen Beachtung werth zu sein scheint, es ist dieses die hochstämmige Form. Die Vortheile hochstämmig gezogener Stachelbecr- und Johannisbeerbäumchen dürften wohl nur W^enigen unbekannt sein, und doch sind dieselben nicht so verbreitet, wie sie es verdienen. Der Grund hierzu wird meist in der einige Schwierigkeiten bietenden Anzucht, und dem damit verbundenen hohen Preise solcher Bäumchen zu suchen sein. In früherer Zeit, wenn man die Absicht hatte, solche Kronenbäumchen zu ziehen, liess man an einer Stachelbeer- oder Johannis- beerpflanze nur einen Haupttrieb zur Entwickelung kommen und unterdrückte alle in der Nähe des Bodens entstehenden anderen Schosse. Hatte dann das Stämmchen die gewünschte Höhe erreicht, so war man bemüht die Krone zu bilden. Dieses Verfahren, welches wohl ganz einfach erscheint, nimmt jedoch eine ziemhch lange Zeit in Anspruch, hat auch den weiteren Nachtheil, dass nicht alle edlen Sorten dieser beiden Obststräucher, namentlich die neueren englischen Stachelbeeren, den erforderlichen kräftigen Trieb in möglichst kurzer Zeit erzeugen. Seit etwa lO Jahren nun verwendet man, um früher zum Ziele zu kommen, den gelb blühenden Johannis- beerstrauch, Julies aiiretini Frsh. zur Stammbildung. Dieser Zierstrauch hat die Eigenschaft, rasch und kräftig emporzuwachsen und sich leicht vermehren zu lassen. Die Pflanzen werden im Freien in der gewünschten Höhe, gewöhnlich i in bis 1,50 w, herangezogen, im Herbst in Töpfe gepflanzt oder die Wurzeln in Moos emballirt, ins Warmhaus gebracht, etwas angetrieben und dann zumeist mittelst Copuliren oder in die Seite Pfropfen veredelt. Bei aller Sorgfalt hinsichtlich der Veredlung erleidet man durch Nichtanwachsen immerhin einen bedeutenden Verlust. Viele \'ersuche, die gemacht worden sind, die Veredlung im Freien vorzunehmen, sind nicht mit dem gewünschten Erfolg gekrönt worden. Hoffentlich gelingt es noch , einen Zeit- punkt herauszufinden, wo die Veredlung im Freien bessere Resultate als bisher ergiebt, was im Garten-Zeitung 1SS5. 29 ._Q • II. Wiesner: Interesse der grösseren Verbreitung dieser zierlichen Bäumchen sehr eu wünschen wäre. Jeden- falls würde dann die Anschaffung solcher Bäumchen wenigtr' kostspielig sein. Für die Anpflanzung als Hochstämme sind namentlich die sogenannten »Englischen Preis- stachelbeeren« ganz besonders geeignet, indem sie sich durch ganz hervorragende Grösse und guten Geschmack, verbunden mit reicher Tragbarkeit, auszeichnen. Doch auch unter den gewöhnlichen englischen Stachelbeeren giebt es verschiedene Sorten, welche im gleichen Rang mit den Preisstachelbeeren stehen und durch sorgfältige Kultur zu erhöhter Vollkommenheit gebracht werden können. Es dürfte "■ewiss von Interesse sein, wenn bei der Unzahl von Sorten, die sich nahezu auf I200 belaufen, einige besonders werthvolle hier mitgetheilt würden. Nachstehend verzeichnete Stachelbeersorten wurden aufs Sorgfältigste geprüft und können zu oben besagten Zwecken aufs Wärmste emiifohlen werden. a) Eiig'lisclie Preis-Stachelbeeren. Roth e. Conquering Hero .... längl, glatt. Einzelne Frucht wog 26 g. Companion behaart, sehr gross; reichtragend. BoUin Hall längl, wenig behaart. Eskender Bey schwach behaart, sehr gross. Eine Frucht 20 g schwer. Forester längl., etwas behaart, sehr gross und reichtragend. London . sehr gross. 3 Früchte 56 ^. Gelbe. Lord Scarborough .... glatt, reichtragend. Peru wenig behaart, reichtr. Eine Frucht 18^'. Mount Pleasant rund, behaart, sehr gross, reichtr. Stella ... längl., glatt. 3 Früchte 56^. Grüne. London City ...... längl., glatt. Reichtragend. Matchless lang, glatt. Einzelne Frucht 20 _^. Plunder glatt, sehr gi'oss, äusserst reichtragend. Einzelne Frucht 16 g, 3 Früchte 46 g. Weisse. Alma mattweiss, volltragend. King of Trumps lang, wenig behaart, grünlichweiss. Lady Leicester längl., behaart. Overseer behaart, sehr reichtragend. Progress längl., glatt, reichtr. b) (liovöhnliche ciiglisclie Stacliclbecreu. R o t h e. Abraham Lincoln .... nicht gross, doch sehr reichtragend. Chessire Lady längl., glatt, gross. Echo . . wenig behaart, sehr gross. Ausgezeichnete Sorte, eine Frucht id g schwer. Empcror (Smith) rundl., mittelgross, ganz besonders tragbar. Gelbe. Britannia hing!., gross, sehr tragbar. Dr. Neubert (ileutsche Züchtung) glatt, sehr gross und tragbar. Eine Frucht iS^-. Piince of Orange tiefgelb, ganz enorm tragbar, frühreifend. Vellow Seedling längl., glatt, sehr grosse, schöne Frucht. Sehr reichtragend, an eincai 10 cm langen Zweige 22 Früchte. Zur Kultur der Stachel- und Johannisbeeren. a'IQ Grün e. Lovely Anne rundl., gross, ganz besonders tragbar. Piain long green längl., niittelgross, sehr tragbar. Smith's green large . . . lang, gross, glatt, sehr reichtragend. An einem lo rw langen Zweige 15 Früchte. Queen Marie mittelgr., längl. Mit ganz herabhängenden Zweigen, gleich der Krone einer Trauerrose. Weisse. Coppice lass längl., sehr reichtr. An einem kleinen 24 cw 1. Zweige 40 Früchte. E'^'a längl , milchweiss, sehr schöne Frucht. Von Jolianuisbeereu verdient nachstehendes kleines Sortiment besondere Beachtung: Rothe. Deutsche rosenrothe . . . fleischfarbig, wohlschmeckend. Fertile de Bertin ..... sehr fruchtbar. Fox's neue rothe >ehr gross, langtraubig. Holländische rothe .... sehr fruchtbar, süss. Kirschjohannisbeere . . . sehr grosse Früchte und sehr fruchtbar. Gelbe und weisse. Perle blanche reichtragend, süss. Grosse weisse Dessertbeere sehr süss. Holländische gelbe .... sehr edle Frucht. Imperiale blanche .... gross und reichtragend. Gestreifte. Gloire des Sablons . . . sehr zierlich, die Früchte sind roth und weiss gestreift. Vorstehend aufgeführte Stachelbeer- und Johannisbeersorten sind eigener Beobachtung nach vorzüglich, und können gewiss den Vergleich mit etwaigen besseren aushalten.*) Chamaepeuce Sprengen Wittmack. \'on L. A\'iTTMACK und Carl Sprenger. Blätter sitzend, lineal-lanzettlich oder lanzettlich, unterseits weissfilzig. oberseits glatt mit blass-weissen Adern; Seitennerven in 2 oder 3 Dornen auslaufend. Hüllblätter des BlUthen- köpfchens lanzettlich, gerade, dornig, glatt und grün, Blumen weisslich. Zwei- bis dreijährig. Wahrscheinlich eine Hybride zwischen C/i. diacantha $ und Ch. Casabonae -f", entstanden im Garten von Dammann & Co. in Portici bei Neapel und nach Herrn Carl Sprenger daselbst benannt. — Habitus von Ch. diacantha, Blätter aber etwas breiter, dunkler grün, mit 3 Dornen, Nerven etwas blasser weiss. Hüll- blätter nicht roth und spinnwebig wie bei Ch. diacantha, sondern grün und glatt wie bei Ch. Casabonae. Blumen im Gegensatz zu der rosenrothen Farbe der beiden Eltern weiss. Blätter in Italien über Winter dauernd, wie bei Ch. Casabonae. Samen etwas kleiner als von Ch. diacantha, fast schwarz. Pollen oval oder länglich, fein warzig, 0,048 nun lang, 0,032 nun dick. L. Wittmack. Herr Carl Sprenger theilt noch folgendes Nähere über obige Pflanze mit. Diese seit drei Jahren in Portici kultivirte Chamaepeuce blüht bei zeitiger Aus- *) Wir möchten noch die Werder'sche weisse Johannisbeere als ungemein reichtragend hin- zufügen. . D. Red. 29* 440 L. Wittmack und Carl Sprenger: Chamaepeuce Sprenger! Wittmack. saat etwa im März und bei guter passender Kultur im 2. Sommer, und bildet im ersten jähre reichbeblätterte, sehr hübsche, zierende Büsche, sie wächst gut auf jedem sandigen, armen Boden, leidet aber in der heissen Sonnengluth Süd- Italiens, wie dies auch der Fall bei Ch. diacantha hier ist, während Ch. Casabonae die sonnigsten Stellen bevorzugt, wenn sie nur reichlich mit Wasser versorgt wird. Ch. Sprengeri Hebt reichlich begossen zu werden, damit der Boden stets frisch bleibt, welkt indess nicht, wenn auch das Wasser wochenlang fehlt und behält ihre schönen Blätter, während Ch. diacantha bei längerer Dürre dieselben vergilbt und abwirft. Im Mai- Juni des 2. Jahres bilden sich die ca. 70 cm hohen Blüthenstengel, welche aufrecht oder aufstrebend die Endblüthe zuerst öffnen, genau wie bei den wahrscheinlichen Eltern. Stets bleiben 2 — 3 Seitenköpfe steril, welche sodann den Winter überdauern und erst im 3. Jahre zur Blüthe gelangen, und dieser Umstand allein ist charakterisch genug, um diese Form gut zu unter- scheiden, da keine der beiden Verwandten länger als 2 Jahre lebt, oder doch nur sehr selten ein ähnlicher Fall bei der Ch. Casabonae hier konstatirt wurde. CJi. diacantha stirbt regelmässig nach der Blüthe ab. — Die Blüthenköpfchen S^iit l Fig. 103. Chamaepeuce Sprengeri IVittntack. a. Blüthenköpfchen. b. Einzelnes Blüthchen. c. Pollenkörner, d. Frucht mit Haarkrone. sind ziemlich lang gestielt, viel länger als bei Ch. Casabonae, kürzer als bei der anderen. Die weissen Blumen duften im Sonnenschein süsslich und ziehen die Honigbienen in ganzen Schaaren an. — Diese schöne neue Form ist wie ihre Verwandten eine malerische Pflanze, welche sich aber auf den ersten Blick von jenen unterscheiden lässt; auf Felsenpartien und zu Teppichgruppen ist sie sehr empfehlenswerth. Winke zu ihrer richtigen Kultur sind in Vorstehendem gegeben worden, es ist aber wohl anzunehmen, dass sie in Deutschland wie ja auch Ch. diacantha unempfindlich gegen Einflüsse der Sonne bleibt und gut ge- deiht, während, wie gesagt, Beide hier Schaden nehmen und nur im Schatten anderer Pflanzen oder einer Mauer mit vollem Oberlichte gedeihen. Vögel im Garten. ^o sehr angenehm es sein mag für den -wilden Garten;< neben der Pflege der Blumen auch die der gefiederten Sänger zu betreiben, welche der Land- schaft erst Ton und Schall verleihen und dem Jubel der Natur über all das Herrliche in ihr einen Ausdruck geben, so wenig man die lieben Gäste im Park im Hausgarten bei der traulichen Laube missen möchte, so energischen Krieg Vögel im Garten. aa t muss der Gärtner doch oft mit ihnen im Gemüsegarten und Obstgarten führen. Die Elsässer, unter denen Einsender lebt, sind im Durchschnitt ganz ausser- ordentHch sanften, gelassenen Charakters, — das diametrale Gegentheil von ihren früheren Brüdern über den Bergen — , aber die kleinen Vüglcin im Land sind dafür geradezu bösartig. Die Spatzen lassen sich durch keine Netze abhalten, an die Hirse, an die Weintrauben zu gehn. Man betrügt sie mit allen Pfiffen nur kurze Zeit. Eine Leiter an das Spalier gestellt, hält sie einige Tage im Schach, weil sie sich den Gärtner darauf vermuthlich dazu denken, hin- und herwehende Schwänze von Kinderdrachen schrecken die Muthigen nur eine Woche lang. Das Fortschiessen hilft auch nichts, wenn man nicht immer auf dem Anstand steht. Es bleibt nichts übrig als die Trauben, z. B. gerade vor der Reife einzubeuteln, wozu die Säckchen von guttaperchirtem Maschenstofif mit Guttaperchaschloss sehr empfohlen werden können. Nur muss man sie dann nicht zu frei hängen, dass ein etwaiger Sturm sie nicht bewegen und den Traubenstiel welk machen kann. Noch frecher als die Sperlinge sind im Frühjahr die hier zahlreich vertretenen Finken, die fast keine Scheuche abhält, die jungen Erbsen abzuknicken und der- gleichen Verwüstungen anzustiften. Auch eine Aussaat Pflaumenkerne zur Wild- lingsanzucht wurde, ehe man nur an die Möglichkeit dachte, von ihnen vernichtet. Wenn man dazu nimmt, dass z. B. die Sperlinge das Vertilgen von Raupen gewöhnlich dem Gärtner selber überlassen und gerade bei den schädlichsten fast keine Dienste leisten, dass sie ausserdem auch noch manchen frühblühen- den Fruchtbaum seiner Blüthe berauben, und die Hoffnung wohlgepflegter Spaliere auf diese Weise ruiniren, so fragt man sich wirklich, ob und wie weit ein Einschränkungskrieg gegen sie nicht berechtigt wäre. Ein Verzeichniss der für den Garten nur nützlichen Vögel und der Mittel ihrer Pflege möchte hiermit von einem Fachmann erbeten sein. Gegen die Staare würde Süddeutschland übrigens bedeutend Protest einlegen, da sie in Weinbergen grossen Schaden anrichten. Wenn so ein Zug Staare im Herbst daherkommt und schliesslich mit rapider Schnelligkeit in irgend einen Wingert einfällt, dann darf sich der Besitzer nur gratuliren. Auch Amseln fressen im Garten schonungslos Alles, was der Mensch für sich baut; das sämmtliche Obst, von den Kirschen und Erdbeeren an bis schliesslich zu den Kleinbeeren, wird beträchtlich durch sie decimirt. Es sei schliesslich gestattet für die Duldung eines Baumes ein Wort einzulegen, den man verschiedener unangenehmer Eigenschaften wegen aus der näheren Umgebung freilich gern verbannt, des Hollunders nämlich mit den schwarzen Beerendolden im Herbste; derselbe giebt so manchem nützlichen Vögelchen bis zum Winter hin durch diese Früchte Nahrung, während die Sperlinge kaum im Stande sind sie abzupflücken, weil sie sich nicht frei in der Luft vor ihnen halten können. Die Rothschwänzchen holen sich dort auf das bequemste ihre Mahlzeiten. Wer aber einen Bienen- stand hat, darf sie auch nicht hegen. Dass man auch die nützlichen Meisen durch Beutelchen, welche frei aufgehängt werden und mit Fett und Speckresten und dergleichen gefüllt sind, während der Zeit des Hungerleidens erhalten und an den Garten fesseln kann, ist ja bekannt. Und die Sperlinge müssen hier wiederum nur Zuschauer bleiben, weil sie sich nicht wie jene, mit den Füsschen unten an den Säckchen einklammern und dabei aus ihnen die Leckerbissen herauspicken können. H. ^ ^- T. Th. Mössnier: 442 . _ Zur Conservirung der Früchte. Von Bruno Strauwald, Kgl. Obergärtner a. D. in Leobschütz. ^yr'iele der werthen Leserinnen dieser Zeitung werden die Erfahrung ge- macht^haben, dass die in Krausen, Gläsern und Steintöpfen gelegten, in Zucker und ihrem Saft gekochten Früchte, bei ungeeignetem Verschluss sich mit Schim- mclpelzen überziehen und auf diese Weise sehr bald der Zersetzung anheim- fallen. In neuerer Zeit wird vor Schluss der Gläser den Früchten ein Zusatz von Salycilsäurepulver behufs Conservirung derselben beigegeben, dieser Zusatz variirt ganz nach dem Gutdünken der den Verschluss der Gläser bewirkenden Person. Ein zu reicher Zusatz von diesem Pulver soll aber nach ärzdichem Gutachten für die, die Früchte Geniessenden von grösstem Nachtheil für ihre Gesundheit sein. — Ich will nun ein Mittel zur Conservirung bekannt geben, was nach meinen langjährigen Erfahrungen unbestritten das beste ist und welches nur wenige Ausgaben erfordert. Die Gläser werden mit einem Abstände von i/y cm vom oberen Rande gefüllt, alsdann giesst man heissflüssiges Weisspech bis zum Rande der Gläser. Diese Harzdecke schliesst vollständig die Früchte von der äusseren Luft ab; das Ueberbinden mit Blase oder Pergament fällt hier vollständig weg. Will man die Früchte zum Dessert etc. benutzen, so umhüllt man den oberen Rand mit einem feuchtwarmen Tuche; die Harzdecke löst sich vom inneren Rande bald ab, wird abgehoben, um später zur Benutzung einge- schmolzen zu werden. — Die Früchte nehmen durchaus keinen Harzgeschmack an und halten sich Jahre lang (bei mir bereits 5 Jahre) unverändert. Dieses Conservirungsmittel kann bereits bekannt sein, wovon ich Nichts weiss, wird aber sehr vielen der geschätzten Leserinnen unbekannt sein und diese Annahme bewog mich zur Veröffentlichung desselben. Vorriclitung zum Versetzen grosser Bäume. Von J. Th. Mössmer, Gräfin KoRMs'scher Obergärtner in Bacza-Retteg (Siebenbürgen). ^<^^ewiss wird jeder Gärtner öfter in die Lage kommen, grössere Bäume ver- setzen zu müssen; ist dann eine Maschine vorhanden, so ist dies recht leicht, die Arbeit geht rasch vor sich und der Baum wird sicher anwachsen; ist aber keine Maschine vorhanden, so wird wohl Jedermann wissen, wie schwer und unsicher man seinen Zweck erreicht. Auch ich kam in die Lage, grosse Bäume ohne Maschine versetzen zu müssen, ich verpflanzte im Winter 1880/81 mehrere grosse Eschen (13 m hoch und 12 cm Stammdurchmesser) ohne Erdballen, und habe leider im letzten Sommer (1881) gerade jene verloren, die mir für die Dar- stellung einer gewünschten Scenerie am wichdgsten waren. Zum Glück sind in meinem Garten noch viele andere schöne Eschen, um die vertrockneten er- setzen zu können, jedoch habe ich mir heuer einen Ersatz für eine Versetz- maschinc geschaffen mul bin nun nach mehreren Versuchen und Veränderungen Vorrichtung zum Versetzen g;rosser Bäume. 443 mit dieser Vorrichtung vollkommen zufrieden. Gern will ich Jenen, die in Ermangelung einer ordentlichen Maschine grosse Bäume versetzen wollen, meine Vorrichtung und die dabei erforderlichen Arbeiten, nebst Arbeitsanstellung durch Wort und Bild erklären und bestens empfehlen. Einem starken Leiterwagen werden die vier Räder mit den hölzernen Achsen entnommen, auf diese werden Holzklötze (i) so aufgesetzt, dass sie über die Peripherie der Räder noch vorstehen und vom Boden auf gemessen mit den Rädern einen Meter Höhe geben; auf diese Klötze wird nun je ein Stück 2,4/-« langer, 20 20 cm starker, vierkantiger Querbalken (2) aufgelegt und mit zwei langen Schrauben (3) so befestigt, dass er über beide Räder gleich weit vorsteht; ^^^ J. Th. Mössmer: nun werden die beiden Achsen parallel zu einander gestellt, dass die Entfernung derselben etwa 3/« beträgt und zwei 3/// lange, 202,0 cm starke Längsbalken (4) an den Enden der Querbalken (2) aufgelegt, in die vorher hergestellten Bohr- löcher die Schrauben (5) gesteckt, mit den zwei Eisenstangen (6) unter einander verbunden und die Muttern angezogen. Zu den Längsbalken (4) sei noch be- merkt, dass sie oberhalb abgerundet sind, um die Ketten leichter passiren zu lassen. Der Transportwagen ist nun fertig; es erübrigt nun noch, die Geräthe zu beschreiben, die zum Heben des Baumes mit Erdballen erforderlich sind; und zwar wird der Hebespiegel (7) zunächst in Betracht kommen; er besteht aus vier 20 '20 cm starken Hölzern, wovon zwei Stück 2,4 m und zwei Stück i ;// lang sind; diese Hölzer werden durch einfache Ueberblattung verbunden und mit Schrauben ( — • » Summa: 60 fl. 90 Krz. Die Tage wurden zu 8 Stunden gerechnet, wofür man in Siebenbürgen 20 Krz. per Tag bezahlt. Drei Mann umgraben in 6 Stunden einen Baum. 16 Mann haben in 4 Stunden einen Baum versetzt und alle dabei vorkommenden Arbeiten (Baumgrubeausheben, Brückenschlagen etc.) verrichtet. Englisclier und französisclier Gartenstyl zur Zeit der landscliaftliclien Entwicklung. Kunsthistorische Skizze von L. Trzeschtik, Architekt etc. in Wien. ^^s wird vielleicht viele der gebildeteren Gärtner geben, welche von GiLPiN, Brown, Girardin, Girardet, Watelet etc. gelesen haben, aber sehr Wenige werden es sein, welche die Unterschiede in ihrer Kom- positionsart kennen, zumal sie oft recht subtil sind, so dass das Auge des gewiegten Kenners dazu gehört. Da es oft vorkommt, dass an Kunst- gärtner Anforderungen des Wissens und Könnens in dieser Richtung- gestellt werden, welchen zu entsprechen doch eigentlich Berufssache ist, so dürften nachstehende Andeutungen nicht überflüssig erscheinen. Be- kanntlich hat sich in England und Frankreich der LENoTRE'sche archi- tektonische Gartenstyl lange zu behaupten vermocht; lange noch nach Eintritt der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden solche Gärten im alten Style restaurirt und von den neueren Bestrebungen aus Eigensinn und Bornirtheit keine Notiz genommen, oder es geschah aus Pietä<", Furcht vor den Umwandlun'J'skosten etc. Endlich brachen sich die 450 L. Trzeschtik: neuen Ideen doch Bahn. Lord Bacon, MiLTOX, ADDISON, PoPE, Kext (Architektur- und Landschaftsmaler) u. A. wirkten auf die Entwick- kmg des alteni,''! ischen landschaftlichen Gartenstyls durch Schrift und Ausführungen ein; sie verlangten ftir die Gärten mehr Freiheit und Natur; WRKillT, MORRIS u. A. arbeiteten im gleichen Sinne weiter. Es entstand ein eigenthümliches Gemisch von Natur und Kunst; Antik icismus mit Romantik waren in wildester Ehe vereinigt; hier gab es jene künstlichen Waldparticn mit Wasserfällen und Nymphen aus Stein, Satyren und Faunen an l^äumen angelehnt , griechische Tempel mit Einsiedlerautomaten in christlicher Mönchskleidung, chine sische Pagoden als Fischerhütten etc., von welchen man hier und da in Romanen liest, oder welche ein alter Kupferstich darstellt. Alle diese Gegenstände wurden in dem engsten Räume an einander gereiht; aber das Gute braucht Zeit und wenigstens war der erste Schritt geschehen! Diesem närrischen Treiben machte BROWN, ein sonst mittelmässiger etwas stark für sich eingenommener Mann, ohne bedeutende Kenntnisse ein baldiges Ende; er bevorzugte die reine Natur; in seinen Gärten sind sehr ausgedehnte Wiesen, Avenig Baumsatz, viel Wasser u. dgl. an- zutreffen; aber seine Schöpfungen leiden an dem Kapitalfehler, dass sie zu sc hablonis tisch sind; wenn man einen Garten nach seiner Idee gesehen hatte, so kannte man alle; er besass keine Phantasie und er hatte kein anderes Verdienst, als ein trockener Naturfreund zu sein; als Garten- künster war er Nihilist; was die Einen also im Zuviel fehlten, fehlte er im Zuwenig. Diesen Uebelständen suchte CHAMBERS, königlicher Architekt in London, zu begegnen; nach eifrigem Studium der chine- nesischen Gärten — diesen Hauptgrundlagen der modernen englischen Gärten — suchte er mehr Leben und Abwechselung in die Garten- kunst zu bringen; doch noch immer stellten sich die grössten englischen Parks so zu sagen als Zwinger dar, gewöhnlich ohne Vermittlung mit der äusseren Natur. — HAMILTON, SliENSTONE, SoUTHCOTES, LiTTLETON u. A. gingen auf der Fährte CHAMBERS vor, erweiterten dessen Anschauungen und begünstigten besonders die Aussichten. Mason bringt Motive aus den Gärten der Alten aufs Tapet; er favorisirt den durch natürliche Mittel erlaubten Kontrast bis zu ziemlich weiten Grenzen, verwirft die häufige Einzelpflanzung und bricht eine Lanze für die Massen und volle Gruppen; er wird selten genannt, hat aber viel Verdienste um die Gartenkunst; der Ruhm blieb seinen — Nachfolgern. Zu dieser Zeit aber kommen im englischen Landschaftsgarten- st}'l noch immer Statuen, Säulen etc. vor, nur sparsamer, vorsichtiger, passender (i 770— 1780). Jetzt trat Whately auf; er hob besonders den malerischen p:ffekt im Grossen und Allgemeinen, empfiehlt das Studium der Landschaftsmalerei für Gärtner etc.; was jedoch die Anlagen nächst di^n Gebäuden belangt, so ist er mehr für architekto- Englischer und französischer Gartenstyl. /j. C i nische Formen. Die Veröffentlichung neuer Werke von Knight und Price über die Zulässigkeit des Malerischen und von CHAMBERS über orientalische Gärten hatten neuerdings manchen modif icirend en Ein- fluss auf die Gestaltung der Parkanlagen. In Frankreich, wo der neue Gartenstj'l schnell Anhänger bekam, nahmen Watelet und Geradin*) (Girardin), Girardet u. A. die Sache mit \ielem PLifer und Kenntniss auf. Watelet giebt dem Romantischen den Vorzug vor dem Dichterisch-Antiken; Ge- RADIN und sein Freund, der Maler Meyer, dagegen protegiren das Male- rische überhaupt in beiden Formen mit Neigung mehr zum Antiken und Dichterischen; bei Jenem sehen wir daher wilde Scenen, Schroff- heiten, Felsenpartien, Ruinen etc-, bei Letzteren (G. und M.) mehr heitere Haine mit Tempeln, liebliche Bäche und dergl. GiRARDlN sagt, die ein- zelnen Prospekte eines landschaftlichen Gartens sollen quasi eine Gallerie kleiner Staffeleigemälde darstellen; GlLl'lN (nicht zu verwechseln mit Guibert) schliesst sich der letzteren Richtung an; er neigt stark zu po- tenzirten Contrastformen in allen Formen und Farben, vereinigt also das Antike mit dem Romantischen in der Weise, dass er die Formen des Ersteren nach der Natur des Letzteren mehr mit einander in Gegensatz bringt, durch theilweise Steigerung der Effekte; GuiBERT ist weniger bekannt und neigt mehr zu Brown's Grundsätzen. Vielleicht hat er den Impuls gegeben, dass auch in Frankreich zeit- und stellenweise eine Ernüchterung eintrat; der Neu-Brownian'sche Styl ist jener, Avelcher die reine einfache Landschaft ohne viel Nachhülfe, ohne Romantik und ohne Antike, mehr das Idyllische auf die Fahne schreibt. ReptoN und LOUDON gingen in den von Watelet und GiRARDlN u. A eingeschlagenen Bahnen v/eiter vorwärts, aber befassten sich mehr mit Details; die Principien blieben ziemlich unberührt. In Deutschland aber waren es bekanntlich Skell und Fürst PUECKLER, welche den Grundsätzen der anglofranzösischen Meister auf das Beste Eingang verschafften, was viele trockene Geister >;Iand schaff- liehen Excess« nannten. Skell's Richtung ist jene GiRARDiN's, PuECKLER ist mehr auf Seite Watelet's. Die Prairie-Rose, Rosa rubifolia R. Br. Mit t h c i I w e i s e r Benutzung v o n ^ 1) a n s k H a v e t i d e n d e « . Die ersten dieser Rosen, die ihre Heimath in Nord-Amerika haben, wurden 1S36 von den Herren Samuel und Feast in Baltimore aus Samen gezogen. Die ächte Prairie-Rose unter- scheidet sich durch die einzeln sitzende Blume von den hybriden Formen , wie wir sie jetzt *) GiRARDlN ist wohl die richtige Sclireibweise; der Name Geradim ist allmä'ig durch Druckfehler, Unkenntniss etc. entstanden. .^2 Die Prairie-Rose, Rosa rubifolia R. Br. besitzen und welche ihre Bhimen in grossen Bouquets tragen , was darauf hinzudeuten scheint, dass diese ein Produkt der künstlichen Befruchtung mit Rosa niultiflnra Thunb. , der vicl- blumigen Rose, sind; vielleicht hat man auch hierzu Remontanten benutzt. Eine der schönsten Varietäten ist Belle de Baltimore mit zahlreichen weissen, in der Mitte röthlich schattirten gefüllten kleinen Blumen, die ein wenig Noisette-Blut in sich zu haben scheint; blüht oft auch im Herbst noch einmal. KK.\sr im Verein mit Puckric in Washington haben liie Erziehung neuer Sorten fort- gesetzt, und sie haben die besten gewonnen, die wir kennen. Jetzt scheint aber diese Kultur zurückgeblieben zu sein, denn in den letzten Jahren sind neue Sorten kaum entstanden, es sei denn ß/yon des Prairies (Schwartz) vom Jahre 1879 mit grossen rosa, weiss nuancirten, sehr wohlriechenden. Blumen — und das ist sehr zu beklagen, denn die Prairie-Rosen sind sicher die besten Schlingrosen für den Garten; sie besitzen hübsches Laub, wachsen kräftig, blühen spät im Sommer und bringen viele Blumen von guten Farben zum Vorschein, mit denen sie einen ausgezeichneten Effekt erzielen. Die einfache Blume stellt wohl den strengen Kritiker nicht ganz zufrieden, aber bei der Schlingrose ist das eine Sache von geringer Bedeutung. Zu den schönsten der bekannten Sorten rechnen wir, ausser den oben genannten Belle de Baltimore und Bijou des Prairies: Anita Marin, von 1843, hat stark gefüllte hell-rosenrothe Blumen mit dunklerem Centrum ; Gt'/n 0/ the Prairies , entstanden nach der Befruchtung einer Prairie-Rose mit der Remontant Madame Laffay, mit gut gefüllten karmoisin-rosenrothen, zu- weilen weissgestrichelten Blumen; Mrs. Hovey mit sehr hellrothen, beinahe weissen, grossen und wohl gefüllten Blumen; sie gleicht einigermassen der Belle de Baltimore, ist aber von stärkerer Konstitution; Queen of the prairies hat grosse gefüllte, stark rosenrothe Blumen; Irinmphant mit mittelgrossen, stark gefüllten, schön rosenrothen Blumen ; Priiie 0/ il'as/iii/gton mit ziemlich grossen, gut gefüllten, schalenförmigen hellrosenrothen Blumen. Eine remontirende Schlingrose Ortteinent des bouquets empfiehlt J. Ernst Hergek's Nachfolger (Conrad von Burgsdorf) in Köstriz in seinem Rosen-Katalog mit der Beschreibung: »Rosafarben, in Form und Farljie gleich der alten bekannten Monatsrose; ist vom Juni bis zum Eintritt des Frostes ununterbrochen reich mit Blumen bedeckt.« O. H. Die Gurkenzucht. Kultur-Methode, um das ganze Jahr hindurch Früchte zu haben. Von P.4UL Ullrich. ^gjs sind schon viele Abhandlungen über Gurkenzucht geschrieben worden und doch verursacht immer aufs Neue die Gurken-Frage mehr Streit unter den Gärtnern, als irgend ein anderer C^egenstand, wiewohl die Kultur eine leichte und einfache ist. Die Gurke ist eine Pflanze, deren Zucht ich ganz besonders liebe und deren Treiberei ich mehrere Jahre hindurch in den herrschaftlichen Küchengärten, sowie in den Marktgärtnereien des In- und Auslandes prakticirt habe. Wie viel Umstände und Mühe werden den ganzen Winter durch, ja schon vom Herbst ab, wegen der Gurken gemacht; nur zu oft kommt es vor, dass die Pflanzen absterben, ehe sie zum Auspflanzen kommen und wenn das Glück gut ist, so schneidet man im Mai die ersten Gurken. -- Schlimm ist es allerdings, wenn wir erst dann an unsere Gurkentreiberei denken, wenn wir sehen, dass Andere auch Gurken gepflanzt haben, dann wird in der Eile ein Frühbeet zusammen- geworfen. Pflanzen werden angeschaft't und dann darauf losgetrieben. Sehr oft werden grosse und unnütze Ausgaben gemacht, mit viel Mühe und Arbeit für Paul Ullrich: Die Gurkenzucht. 453 den Gärtner selber, und dabei ist der Erfolg, den man erzielt, doch nur gering. In der Regel werden die Frühbeete für Gurken 3 bis 5!^ Fuss von stark bren- nendem Stalldünger oder anderen gährenclen Stoffen gemacht, doch die Natur dieser Pflanze erfordert nicht solche starke Wärme an den Wurzeln; in ihrem Vaterlande wird solche auch nicht vorhanden sein, warum ein solches Verfahren befolgen, nur weil es Andere thun? Ich bin fest überzeugt, wenn man von der alten Methode abliesse, so würde man mit Sicherheit, sowie mit geringeren Mühen und Kosten bessere und reichlichere Früchte erzielen. Das beste Verfahren, um das ganze Jahr hindurch Früchte zu haljen, ist leicht und einfach. Vor allen anderen Dingen verschafte man sich älteren Samen von guten und echten Sorten, säe denselben in eine leichte, milde Erde, wenn möglich mit etwas Holzkohlenstaub vermengt, in Töpfe und senke dieselben in eine gesunde, angenehme Bodenwärme. Sobald die Pflänzchen aufgegangen sind pflanzt man sie einzeln in kleine Töpfe, wobei wieder recht milde Erde verwendet wird und stellt die Töpfe so nah wie möglich ans Licht oder dicht unter Fenster. Haben die Pflanzen ein rauhes Blatt getrieben und ist das zweite im Begriff sich auszubilden, so kneipt man aus, oder besser gesagt, man halte die Pflanzen an. Darauf werden sie in etwas grössere Töpfe verpflanzt, die man aber dies- mal nicht ganz mit Erde anfüllt, sondern so, dass noch ein Drittheil des Topfes frei bleibt, was dann beim Fortwachsen der Pflanzen nachgefüllt wird. Wenn die Pflanzen wieder ein Gelenk getrieben haben, so kneipt man wieder aus und verpflanzt sie in noch grössere Töpfe, diesmal jedoch gestatte man den Pflanzen drei Blätter zu treiben, ehe man sie von Neuem stutzt. Auch sorge man stets für Folgepfianzen; im Fall eine Pflanze abstirbt, muss sie sofort ersetzt werden. Sollen nun die Pflanzen, gleichviel zu welcher Jahreszeit es ist, in ein Treib- haus kommen, wo sie in grossen Töpfen oder Kübeln stehen oder ausgepflanzt werden sollen, so sorge man für eine gute, milde, aber kräftige Erde, aus groben Brocken bestehend; am zweckmässigsten ist der obere Abstich einer alten Hutung, welcher lehmig aber doch porös ist und ein Jahr gelegen haben muss, ehe er verarbeitet wird. Hierzu mengt man einen gut zubereiteten, verrotteten Dünger und etwas Sand, wenn letzterer nicht genügend in der Erde vorhanden. Die Erde muss ein oder zwei Tage vorher ins Haus gebracht werden, damit sie sich er- wärmt, ehe sie ins Beet oder die Gefässe gebracht wird. Sind die Pflanzen nun aus- gepflanzt oder in die Behälter gebracht, in denen sie Früchte bringen sollen, so zieht man ein Spalier von dünnem Draht oder Schnüren, möglichst nahe am Glase, doch so, dass noch ein Zwischenraum von 10 — 15 cm zwischen Glas und Spalier bleibt; an diesem Spalier werden die Pflanzen hinauf geleitet und recht locker angebunden. Nach dem letzten Verpflanzen oder Auspflanzen werden sie gewöhnlich bei jedem neuen Gelenk angehalten, so lange sie im Wachsthum sind, denn dadurch verzweigen sich die Pflanzen schön und werden gezwungen Früchte anzusetzen, weshalb auch nicht zu enge gepflanzt werden darf. Die Temperatur im Hause richtet sich nun je nach den Witterungsverhältnissen; normal sind 15— iS'^R in der ersten Zeit des Wachsthums und 18— 20" R zum An- schwellen der Früchte; diese Temperatur ist vollständig hinreichend, um guten Erfolg zu haben. Die Kultur in den Frühbeeten. Hierzu eignen sich am besten niedrige Kästen, die in beiden Fällen, ol) mit Garten-Zeiuing 1SS2. o'^ . - . Paul Ullrich : Die Gurkenzucht. 454 . . Warmwasserheizung oder Dünger erwärmt, mit einem guten Abzug versehen sein müssen. Unl:»e(lingt ist ein Holzkasten zu diesem Zwecke den gemauerten vor- zuziehen, indem man den erstgenannten zu jeder Jahreszeit nach Belieben heben kann. Die gewöhnliche Höhe dieser Kästen an der Hinterwand beträgt 2% — 3 Fuss, die Vorderwand dagegen muss 6 Zoll niedriger sein. Das Material, welches man zum Abzug (Drainage) benutzt, kann aus Reisern, Abschnitten, Abfall etc. be- stehen" der Dünger oder andere wärmende Stoffe werden gründlich vorher durch- gearbeitet und muss derselbe immer etwas abgebrannt sein. Das Beet braucht zu jeder Jahreszeit nicht tiefer denn 2% — 3 Fuss zu sein; die Aussenseiten (Besatz) werden mit demselben Material bis an den oberen Rand des Kastens bepackt. Grossen Vortheil und Ersparniss gewährt es, wenn man diese Umschläge mit alten Schalbrettern, Krummstroh oder Streu bedeckt. Wenn sich die Hitze innerhalb des Kastens entwickelt hat, nimmt man kochendes Wasser und begiesst das Beet damit, wodurch es gereinigt wird und hauptsächlich alle darin lebender Insekten und Pilze getödtet werden. In einigen Tagen wird das Beet so weit sein dass man die Erde darauf bringen kann, welche von derselben Mi- schung sein muss, wie oben schon bemerkt, wieder aus recht groben Brocken bestehend. Sie wird in der Regel derart aufgetragen, dass ein Wall von j8 20 Zoll Höhe quer durch die Mitte des Kastens läuft. Ist die Erde gehörig erwärmt, so beginnt man zu pflanzen und dürfte eine Pflanze für jedes Fenster hinreichend sein. Das Begiessen der Pflanzen mit der Brause ist durchaus nicht o-ut man o^ebe ihnen reichlich etwas erwärmtes Wasser mit der l'ülle, welches bec^ierig von der Erde eingesogen wird, wenn dieselbe gut gelockert ist. Sind die Pflanzen nun angewachsen, so verwendet man mit gutem Erfolg dann und wann einen reichlichen Guss flüssigen Düngers, auch beachte man, dass die Pflanzen nicht zu viel Ranken haben. Gelüftet wird bei jeder Ge- legenheit, selbst wenn das Wetter rauh und stürmisch ist, wenn auch nur ganz kurze Zeit; dadurch werden die Pflanzen abgehärtet und haben immer ein ge- sundes, kräftiges Aussehen, während andererseits, wenn man nicht lüftet, die Pflanzen zu sehr verzärtelt werden, dann aber auch für Krankheiten und Un- geziefer mehr empfänglich sind. Die Gurken in dieser Weise behandelt, werden monatelang Früchte liefern, die an Güte und Form den Treibhausgurken nichts nachgeben. Die erforderliche Temperatur in den Frühbeeten ist 15 — 18'' R in der Wachsthumsperiode, zum Anschwellen der Früchte 18— 20^ R; droht ein Kasten kühl zu werden, so verhindert man das dadurch, dass der Umschlag erneuert wird. Der Umschlag ist so zu sagen die Hauptsache bei der Frühbeettreiberei und trägt zur grössten Wärmeentwickelung bei. Das Bedecken des Umschlages dient dazu, um Frost, Regen und Wind abzuhalten und mag das Wetter noch so schlecht sein, innerhalb des Kastens ist die Luft gut und angenehm, die Pflanzen erhalten sich gesund und trocken und bleiben frei von Spinnen und anderem Ungeziefer. Solche Frühbeete leisten regelmässig lange Zeit gute Dienste und kann man nie Gefahr laufen, durch faule Dämpfe, Dunst oder Verbrennen Misserfolge zu haben. C. Sprenger: Uralte Asphodelus -Wiesen. "455 Uralte Asphodelus -Wiesen. \'on Carl Sprenger in Portici bei Neapel. Holde Blumen schauen uns mit ilircn Kinderaugen freundlich an. SCIII.KIDF.N. ^o oft ich meine Schritte im Frühhnge oder Sommer nach jener klassischen Gegend am Golfe von Baja noch lenkte, und im Genüsse der glücklichen Gefilde Kyme's jauchzte, nie konnte ich jene merkwürdigen Wiesen am Acherusischen See passiren, ohne mich an der seltsamen und ernsten A^egetation ringsum innig- lich zu erfreuen und ohiie mich unter den hohen Stauden des Asphodelus ramosus L. noch gebettet zu haben, um meinen Homer zu lesen und im Geiste seiner längst entschwundenen, sagenhaften Zeiten der allzu nüchternen Gegenwart zu entfliehen. Dort, wo einst das alte Cumae stand, das von der Erde verschwunden, an den sanften Hängen des in malerischer Umgebung ruhig und geheimnissvoll gebetteten Lacus Avernus, angesichts des gewaltigen Leyo Misenum findet man wilde, ursprüngliche Asphodelus-Wiesen, von denen in klassischen Schriften er- zählt wird. Die Gegend ist wechselvoll, gebirgig und steinig. Wo nicht der Winzer seinen Wein pflanzte, bedeckt oft verjüngter Mischwald Berg und Thal in der Runde. Das ganze sonnige Land ist ein wilder Garten im reinsten Sinne des Wortes, den auch nicht einmal der Mensch mit seinen wirren Rebengeländen sonderlich modificiren konnte, es sei denn, dass das freundliche Grün des Weines die dunkelen Laubmassen mildere und vielleicht verschönere. — Ob nicht Dendrophilus, der treftliche Chronist des wilden Gartens in diesen Blättern, jene Gegend besuchte, bevor derselbe den Lesern der Gartenzeitung seine interessanten Schilderungen brachte? Man möchte es glauben; denn niemals und nirgend sah ich so entzückende wechselvolle Baum- und Strauchgruppen, so innig Pflanze an Pflanze gefügt und zu einander gesellt als in jenem herrlichen Reviere. — Sie ist zu schwach, diese meine Feder, und kann sich nicht im ^Entferntesten unterfangen, jene Naturwahrheit zu schildern, aber sie möchte es versuchen, den Aftbdill in seiner Ursprünglichkeit in der entzückenden Heimath zu beleuchten. Am Avernus, dort wo der Hain der Hekate, wo des Aeneas Hinabgang in den Tartarus, um den Vater unter den Seeligen noch einmal zu sehen; wo die Sage fortlebte von Homer's Todtenorakel des Teiresias und jene von den Ki- meriern, die in tiefen Höhlen wohnen, »wo ringsum gräuliche Nacht umhüllt die verkümmerten Menschen» — wo die elyseischen Gefilde, aber wo längst die Sonnenstrahlen des Wissens die Schatten des Tartarus zerstäubten und dem un- verkümmerten Erdgeborenen ein sonniges Paradies entgegen lacht, weiss ich meine im Mai sternenbesäeten Fluren. — Nicht wie unsere deutschen blumigen Wiesen sind diese Fluren, o nein, anders — unvergleichbar. Jene sind bunt- farbig, mannigfaltig von blitzenden Käferchen in dunkler Nacht umtummelt — hier hingegen bedeckt kurzer Rasen den trümmerbesäeten, steinigen Boden und darüber blühen einzeln, aber in ungezählten Schaaren vereint unsere Affodill. Der muntere Felsenspatz feiert seinen Liebesfrühling unter ihrem Grün und die Cycaden zirpen und tändeln ihre lockenden Weisen am Abend, wenn die schwin- 30* 456 C. Sprenger: elenden Sonnenstrahlen sich durch die Blätter stehlen und die friedliche Nacht nebelhafte Gestalten über die braunen Aschen der nahen erloschenen Vulkane zaubert. Im Winter bedecken Millionen Narcissen, die duftenden Trabanten des Aftbdill den Boden und über die sittsam nickenden Blüthensträusse derselben breitet dieser seine langen Blätter wie schirmend vor allzu sehr sengender Frühlingssonne. Im Mai, wenn jene längst zur Ruhe gegangen, entfalten Asphod. raiiiosiis L. und A. affinis l'arl. ihren vollen Hlüthenschmuck. Die üppigen Stauden bedecken den Boden nun ganz und gestatten nur dem niedrigsten Grase Fig. io8. Asphodelus fistnlosiis. Gezeichnet von A. Kelblixg in Portici. Raum und Licht. Hier und da flüchtete sich ein purpurrothes Alpenveilchen in eine Felsenritze, um sich wie furchtsam vor dem Beherrscher der Hänge zu ver- stecken oder dem zarten Farnkraute Gesellschaft zu leisten. Asphodelus ramosiis L. - A. tnicrocarpi/s Viv. und A. affinis Pari, sind wenig von einander unterschieden und es sind kaum nennenswerthe botanische Merk- male, die ihre Trennung berechtigen, für den Gärtner haben sie also beide gleichen Werth. Sie sind höchst malerische Pflanzen mit knolligen, büscheligen Wurzeln, ausdauernd und hier im Süden das ganze Jahr grünende Blätter treibend. Die ziemlich ansehnlichen, weissen Sternenblümchen sind schnell vergänglich, ergänzen sich aber rasch nach einander und durch lange Zeit hindurch. Sie werden wenig von Insekten besucht, die Honigbiene scheint sie ganz zu meiden. Die Uralte Asphodelus -Wiesen. 4^5 7 Blätter werden von allem Vieh verschmäht und nur der Mensch weiss sich in Italien und Algier die Wurzeln zu Nutzen zu machen, aus denen er einen Alkohol bereitet. Die Hirten hassen diese Pflanzen und zerstören ihre Heimstätten, wo sie können, aber trotzdem hängt noch heute allerlei geheimnissvoller Aberglaube an unserem Asphodelus und der Landmann späht ängstlich nach dem Verlaufe der Blüthe und dem Fruchtansatz aus. Ist jene schön und voll und werden die Stengel nicht schwarz, dann giebt es so sicher eine gute Ernte an Feldfrüchten, Obst und Wein, als es eine miserable wird, wenn der Affodill verkümmert. Wenn im Süden im September die ersten Regen fallen, treibt der grosse Affodill schnell seine schönen Blattbüschel und bleibt nun eine Zierde bis in den Juli hinein und nur die abgeblühten Stengel verunzieren eine Zeitlang die spontan wachsenden Büsche. Am besten passt die Pflanze auf grössere Fels- partieen, aber auch auf Rabatten oder als Einzelpflanze, und der sog. wilde Garten würde ihr die günstigsten Positionen gewähren. Unbedingt sonnige Lage, und nicht zu dürrer, steiniger Boden sind die einzigen Bedingungen zu seinem Ge- deihen. Er setzt, merkwürdig genug, sehr wenig Kapseln an und die Samen keimen nicht immer, werden auch noch von einer kleinen grauen Larve, die darin lebt, zerfressen. Weniger ornamental, aber ungleich zierlicher dagegen erscheint der neben- stehend abgebildete Asphodelus fistulosus L., der leider ganz in den deutschen Gärten zu fehlen scheint. Die graciöse Pflanze trägt fleischige, nicht knollige Wurzeln und ist das ganze Jahr in Vegetation. Sie blüht, wenn man stets die abgeblühten Stengel entfernt, den ganzen Sommer hindurch. Ihre langen, schmalen, fast rinnigen Blätter erscheinen in dichten Büscheln, sie sind wie zusammen- gerollt und fast cylindrisch, gestreift, meergrün und viel kürzer als die ele- gante Rispe. Die schönen, kleinen, weissen Blüthen öffnen sich regelmässig um 7 Uhr Morgens und schliessen sich mit dem Untergange der Sonne, ihre Brakteen sind jede mit einer röthlichen Linie geziert; die Blüthen, wenn auf- geblüht, ein wenig hängend. Sie fructificirt reichlichst und ihre Samen sind sehr interessant, schwarzgrau, eckig und je mit 3 tiefen Furchen versehen, sie keimen leicht und haben keine Feinde, wie es scheint. Asph. fistulosus giebt reizende Topfpflanzen, nur müsste man sie in ganz kleine Töpfe mit einer Mischung Rasenerde und altem Mauerlehm, mit vielleicht etwas Lauberde untersetzt, kulti- viren und die volle Sonne geniessen lassen. Dort wo die steile Strasse von Palermo nach dem hochgelegenen Monreale hinaufsteigt, zwischen den hohen Opuntien und fast noch imStrassendamm sieht man diesen zierlichen Affodill in grosser Zahl. Er bedeckt die Felsen und Mauern und ist überall in Sicilien häufig, stellenweise gemein. Bei Neapel ist er selten und nur in wenig Exemplaren alljährlich am Meere im alten Parke von Portici. Aber er gehört der Flora Pästums an, der alten Posidonia, an Stelle deren oft citirten doppelten Rosenflors er und derAcanthus getreten zu sein scheinen. Die Rosen leben fort, wenn auch nicht in den Sümpfen Pästums, so doch auf den Hügeln in den Ortschaften weit umher; unten aber zogen Ginster, Acanthus und all die anderen südlichen Genossen an ihre Statt, um den unfruchtbaren Boden freund- lich zu beleben. Asph. fistulosus wächst an den Stufen der Heiligthümer Italiens, den altersgrauen herrlichen Säulenhallen des Neptun. Dojt wiegen sich seine schlanken Stengel in der Fülle des Lichtes Süditaliens, und ruhig, wie nie in ihrer Behaglichkeit gestört, umsummt das kleine Volk der geflügelten Insekten ÄrQ C. Sprenger: Uralte Asphodelus -Wiesen. seine Büsche. Sie finden wenig oder nichts zu naschen und dennoch muss eine Liebe dort bestehen, denn nie sind (He Pflanzen einsam. — üie flinke, kkige Mauerwespe sonnt und wiegt sich gern auf den Blüthenstengeln und jagt nach Nahrung und lispelt mit dem Zünglein, als ob sie erzählen wollte von ihrem stillen Glücke in der menschenleeren Oede. In den südlichen Aj)penninen, in einer Höhe von mindestens 4000' über dem Meere, im Innern des Landes, findet man nicht selten ganze Kolonien des lange verkannten und schönen Asphodelus albus U'i/iJ. Er bewohnt die fruchtl:)aren ßergtriften und steigt selten oder niemals tiefer herab. In den Bergen um Avellino am berühmten Monte Verguil bewohnt er in unzähligen Schaaren die Buchenregion und lebt in jener reinen Luft ähnlich wie sein naher Verwandter, der A. ramosus, dem die ganze Pflanze, wenn sie keine Blüthenschäfte trägt, täuschend gleicht. Sobald die rohrkolbenartigen gedrungenen Blüthenschäfte zu treiben beginnen, erkennt man indess die Pflanzen sofort, da sie absolut unver- zweigt erscheinen. • — Die büschelig, knolligen, erdfarbenen Wurzeln sind wie diejenigen des A. ramosus; die langen Blätter wie bei jenem gefurcht, meergrün, in vollen schönen Büscheln vereint. Der Schaft ist gerade, aufrecht, zuweilen bis i^-o m hoch, schlank und einfach. Die grossen Blumen stellen sich nach und nach um den runden Schaft. Sie sind weiss innen und aussen, mit der ge- wohnten Linie auf den einzelnen Bracteen geziert. Die olivengrün gefärbten Kapseln erscheinen reichlich und enthalten Samen in Fülle. A. albus ist eine sehr schöne Pflanze, welche bei geeigneter Kultur sich im höchsten Grade dank- bar erweist. Sie liebt sonnige, geschützte Orte und frisches Erdreich. Nehmen wir schliesslich noch den Asphodelus luteus L. und seinen Ver- wandten A. liburnicus Scop., welche in grossen Gesellschaften, der Erstere auf den Schvvefelminen im Innern Siciliens, der Andere in Apuliens grossen Ebenen, weite Triften einnehmen und im Mai ihre schlanken, reich blühenden, mit Blumen, gelb wie der Schwefel, aus dem der Eine? Nahrung zieht, besetzten Schäfte entwickeln, so haben wir eine würdige Gattung, welche ihren Einzug in die Gärten des Nordens halten sollte, um daraus nie mehr zu verschwinden. Rliipsaliden und RMpsalis crispata Pfeiff. Von G. A. Lindberg in Stockholm. ^^a ein sonniger Standort für die meisten Cacteen nothwendig ist, und doch mancher CactusHebhaber im Zimmer nicht Sonne genug sich verschaften kann, so möchte ich die Aufmerksamkeit auf die Rhipsaliden lenken, theils weil sie, ohne sehr helles Tageslicht zu brauchen, sehr gut im Zimmer gedeihen, wenn sie dann und wann angespritzt werden, theils aber auch, weil sie sehr un- regelmässige, oft bizarre Formen annehmen, und endlich, weil mehrere sehr gut als Ampelgewächse passen. Dazu kann man lobend erwähnen, dass sie ihre kleinen myrtenähnlichen, oft sehr zart duftenden Blumen sehr reichlich zu einer Zeit des Jahres, wo der Blumengarten sehr arm itt, hervorbringen. In kleine hängende Körbe gepflanzt, wachsen sie sehr gut, da sie wie Orchideen in ihrer Heimath an Baumästen in sehr beschatteten Urwäldern wohnen. So habe ich G. A. Lindberg: Rhipsalis crispata Pfeiff. 459 eine R/iif>saIis rhombea mehrere Jahre so wachsend gehabt und ist diese Species sehr Heblich wegen ihres zarten glänzenden Grüns und ihrer rothen Kanten. Auch die stielrunden Arten, wie Rhipsalis f renalis und Cassytha sind sehr auf- fallend durch ihre ruthenförmigen Aeste. Die gliedertragenden, wie Rhipsalis mescinbryanthemoides , Saglionis und salicornioldes sind sehr hübsch und bilden die allerlieblichsten rasenförmigen kleinen Gebüsche. Die grösseren Arten wie Rhipsalis pachyptera. paradoxa, pcntaptera, Lepismiiiiii commune und Ffeiffera cerei- fonnis müssen jedoch in Töpfe gepflanzt werden. Ich habe ein mehr als 3 Fuss hohes Exemplar von Rhipsalis paradoxa gesehen, welches, aus einem kleinen Steckling im Zimmer aufgezogen, nur 5 Jahre alt war und reichhch Blumen Fig. 109. Rhipsalis crispata Pf ei ff'. hervorbrachte. Diese Art ist auch für den Gärtner von grossem Werth, da sie be- sonders zwischen anderen tropischen Formen durch ihre aufsteigenden bogenförmig herabhängenden Aeste sehr dekorativ ist und mit einem sehr hellen Grün prangt. Die Rhipsaliden sind nicht so zart wie man denkt. Obwohl sie im Warm- haus am besten gedeihen,, können sie ohne allen Schaden auch niedrigere Temperatur ertragen und sind nicht so schwer zu kultiviren wie Epiphyllum. Da ich kein Warmhaus habe, bin ich im Sommer auf einen Glaskasten verwiesen. Von Beginn des Juni bis Mitte September stehen sie zusammen mit anderen Cacteen. Da der Kasten keine Unterwärme hat und in freier Luft steht, kommt es oft vor, dass die Temperatur bis unter 6'^ C. sinkt, ohne dass ich bis jetzt den mindesten Schaden beobachtet habe. Als ein Beispiel von der grossen Lebenskraft, die sie besitzen, kann ich an- ^(5o G. A. Lindberg: Rhipsalis crispata Pfeiff. führen, dass ich vor einigen Jahren vom botanischen Garten in Upsala einen mit Blumenknospen übersäten Zweig von Rhipsali'-, pacliyptera bekam, welchen ich bei seiner Ankunft in den ersten l'agen des Oktober in groben Sand steckte und fortwährend bis zum J"rühling im Fenster durch Anspritzen frisch erhielt, obwohl keine \N'ur/cln hervortraten. Alle Knospen fielen nach und nach ab, mit Ausnahme einer. Eines Morgens, im März, ward ich überrascht, eine wohl- riechende, kleine, liebliche, gelblichweisse Blume zu sehen, welche zwei Tage fortblühte. Der Rhipsaliden sind so viele Arten und von so verschiedenen Formen, dass eine Sammlung davon sehr dankbar ist. Von Epiphyten sind sie zweifels- ohne die am leichtesten zu kultivirenden. Anbei folgt in halber natürlicher Grösse die Darstellung des meines Wissens leider noch nicht abgebildeten Rhipsalis crispata Pfeiff. Durch ihr helles gelb- liches Grün und ihre meistentheils kreisrunden glänzenden, oft sehr gekräuselten tief eingekerbten Glieder muss sie jedem Blumenfreunde eine Augenweide sein. Erklärung der Analyse. A. Querdurchschnitte der Glieder, um die Oberfläche zu zeigen. B. Areole an der Spitze eines Gliedes, sehr vergrössert. a) Hervorbrechenden Spross. b) Purpurrothe Stachel. c) Borsten (zwei). d) Schuppe, die Areole in der Knospe deckend, wie man sehen kann in C. junger Spross. Versciliedenes. Ueber den Einfluss des Luftdruckes auf das Keimen der Samen stellte Carter Versuche an und fand, dass unter einem Drucke von 2):, Atmosphären Senfsamen 24 Stunden eher keimten, als unter dem gewöhnlichen Luftdrucke, das's jedoch diese frühzeitige Entwickelung dann acht Tage lang Halt machte und die Keimblätter ganz weiss blieben, als ob sie in völliger Finsterniss gewachsen wären, während die unter gewöhnlichem Luftdrucke gehaltenen Pflanzen ruhig weiter wuchsen und die Keimblätter sich dunkelgrün färbten. Wurden die unter ver- mehrtem Luftdrucke gewachsenen Pflanzen in gewöhnliche Luft gebracht, so wuchsen sie rasch und kräftig heran. Ein vermehrter Luftdruck scheint also die Keimung zu beschleunigen, aber die Chlorophyllbildung zu verhindern. (Tägliche Rundschau). CUantJnts Dampieri A. Cunningh, die Papagei-Blume, als Freilandpflanze zu ziehen, beschreibt H. Jäger in der j>Gartenflora» nach Handelsgärtner L. Vieweg in Quedlinburg, un- gefähr folgendermassen : Ende März lege ich die Samenkörner zwischen zwei feuchten dicken wollenen Lappen auf einem Brettchen auf den geheizten Stubenofen oder Gewächshaus-Kanal. Die Lappen werden durch regelmässiges Giessen feucht und in einer Wärme von 20—30" R. gehalten. Nach dem Anschwellen des Kornes soll man die äussere braune Hülle vorsichtig mit einem kleinen Messer oder spitzen Hölzchen lüften. Befindet sich unter der Hülle eine gummiartige ISIasse, welche den Keim umschliesst, so muss der Keim vorsichtig von dieser Masse befreit werden ; sie ist oft so zähe, dass der Keim darunter erstickt, wenn nicht nachgeholfen wird. — Das gekeimte Korn muss, ehe der Keim sich in den Wollenstoff einbohrt, in einen kleinen Stecklingstopf gesetzt werden, in eine Mischung von 8 Th. Torferde, 4 Th. Sand und i Th. Lehm- oder Schlammerde; sie werden im Warmhausc nahe dem Glas gehalten, aber beim Erscheinen des ersten Blattes nach und nach kälter gestellt, im Wohnzimmer nahe an das Fenster. Wenn die Wurzeln im April anfangen, d.e innere Wandung des Topfes zu berühren, ist es Zeit auszupflanzen, sonst werden die Wurzeln schwarz und die Pflanze stirbt ab. Man gebe den Pflanzen einen recht sonnigen, vor rauhen Winden geschützten Platz und giesse, wenn sie Verschiedenes. 46 1 angewachFen sind, reichlich. Sonne und Wasser sind die ITnuptbedingungen für ihr Gedeihen im Freien. Gegen Nässe ist der Clianthus nur dann empfindhch, wenn Kälte dazu kommt. Kalt und nass ist der Tod, warm und nass das Leben des Clanthus, desshalb giesse man auch bei warmem Wetter sehr oft und sehr stark. Zur Topfkultur eignet sich der Clianthus weniger; doch gelingt es zuweilen bei grosser Sorgfalt, Pflanzen in Töpfen zur Blüthe zu bringen. Die beste Methode hierfür ist das Veredeln des Cl. Dampieri auf Cl. puniceus im Monat April. Man wählt eine gesunde einjährige Topf- pflanze vom Cl. puniceus als Unterlage aus. Als Reis nimmt man von Dampieri ein Pflänzchen, welches noch keine Blätter hat, also ganz jung, nur aus Wurzeln und Samenlappen bestehend. Die Wurzel wird abgeschnitten, am Wurzelhalse spitzt man das Reis an und die Veredlung wird vollzogen durch das sogenannte Einspitzen, wie bei Camellien und Azaleen. Lin Glas über die Veredlung gedeckt, wächst dieselbe ziemlich schnell und sicher. Es ist von Wichtig- keit, das Reis auf einjähriges Holz zu setzen; auf älterem od;r jüngerem Holz ist das An- wachsen zweifelhaft. — Den \'orzug verdient aber jedenfalls die Ireilandkultur in einer Erd- niischung von ^ Mistbeeterde, \ Sand, Alles alt und gut verwest. ** H. Ein schöner \\ interblüher ist Sc/iizos/ylis coccinea Backh. et HAia'., e'n längst bekanntes Zwiebelgewächs aus der Familie der Iridacecn, vom Kap der guten Hoffnung, mit langen schmalen Blättern und schönen, glänzend scharlachrothen Blüthen auf einem bis 90 c/n hohen Blüthen- schaft. Die Blumen erscheinen im Spätherbst bis Winter, also zu einer Zeit, wo sie den grössten Werth besitzen. Aber die Pflanze galt bisher als undankbar blühend und sah man sie desshalb verhältnissmässig selten in unseren Kalthäusern, noch weniger an den Blumenfenstern der Zimmer. — Erik Linugren veröff"entlicht in »Tidning for Traedgardsodlare^» eine Kulturanwei- sung und entspricht ihr unter allen Umständen sicheren Erfolg. Wir entnehmen derselben Fol- gendes; Im März werden die Pflanzen getheilt und die stärkeren Triebe einzeln in nicht grosse Töpfe mit leichter und lockerer, aljer nahrhafter (Laub-) Erde gesetzt, mit welcher sie bis An- fang Juni im Kalthaus stehen bleiben; sobald sich Seiten triebe zeigen, werden sie ent- fernt. Anfang Juni, bei uns vielleicht schon Ende Mai, nimmt man die Pflanzen aus ihren Töpfen und setzt sie auf ein fruchtbares Beet im l-'reien, oder auch setzt man die einzelnen Schosse schon im März oder April in ein halbwarmes Mistbeet; in jedem Fall müssen aber die Seitentriebe ausgebrochen werden, sobald sie hervorkommen. Anfang oder Mitte September werden die Pflanzen wieder in möglichst kleine Töpfe und mit diesen in das Kalthaus gesetzt; sie werden inzwischen so kräftig geworden sein, dass sie einem Gladiolus gleichen. Die eine oder andere Pflanze wird schon Ende September den Blüthenschaft zeigen und kann dann in einem ungeheizten Wohnzimmer am Fenster aufgestellt werden. Im Kalthause, bei 3 — 7 Wärme, werden die Pflanzen nur nach und nach Blüthen zeigen, einzelne vielleicht erst Anfang oder Mitte Januar. Niedrige Temperatur und kurze Tage mit wenig Licht scheinen nicht ungünstig auf diese Pflanze einzuwirken, und die Blumen, welche in Stockholm Anfang Januar sich entwickelten, sind durchaus vollkommen gewesen. Sobald der Blüthenschaft emporgekommen, schadet auch höhere Temperatur nicht. — Bei den zur Vermehrung bestimmten Exemplaren bleiben selbst- verständlich die .Seitentriebe ein Jahr hindurch unberührt. O- !!• Kiiltiii* der Oi'cliideen im freien Lande Die Familie der Orchideen ist eine der interessantesten des gesammten Pflanzenreiches. Ausserordentlxh zahlreich in ihren Arten und Varietäten, findet man ihre Repräsentanten in allen Zonen, von den Tropen, in deren Urwäldern Tausende von Arten die Stämme und Aeste der Bäume bekleiden, bis hinauf in den hohen Norden, wo, nach »Tidning för trädgardsodlaredbeet, wie wir es oben beschrieben, beschränkt sich auf das Reinigen desselben von Unkraut und eine leichte Bedeckung mit Moos über Winter, be- sonders für den Fall, dass er schneelos bleibt, das Moos muss aber zeitig im Frühjahr entfernt werden, weil die Orchideen sehr früh zu treiben beginnen. Wir möchten schliesslich noch auf den Werth der Orchideen für die Binderei aufmerksam machen, da sie namentlich im deutschen Blumenstrauss und Blumenkorb, die seit einiger Zeit wieder mehr verdiente Beachtung finden, gern Verwendung finden werden. O. H. Rlieuiu officinale Baill (Rh. palniatum tangntiaim Rgl.) ist eine stattliche Pflanze mit grösseren Blättern als die anderer Rhabarber-Arten, deshalb besonders zur Zierde unserer Rasenplätze geeignet; sie ist ganz winterhart, da sie, wie »Tidn. för Tr. Odlare« berichtet, bei Stockholm ohne Decke ausgehalten hat; sie giebt die echte Rhabarberwurzel zu medizinischem Gebrauch und könnte vielleicht zu solchem bei uns mit Nutzen antrebaut werden. Prunus scrotina pendula. C. W. MiETZSCH, Baumschulen-Besitzer in Dresden (Sachsen) versendet die farbige Abbil- dung von dieser Neuheit und schreibt: Von dem sehr beliebten Zierstrauch »Prunus serotinaa, welcher in fast allen, auch kleinen Gärten vertreten, wo ül)erhaupt Gehölze zur Verwendung kommen, ist in einer Gärtnerei der hiesigen Nähe eine Pflanze mit hängenden Zweigen vorgekommen, von welcher ich das Eigen thumsrecht erwarb und zahlreich vermehren liess. Diese Form als Trauerbaum ist zu den schönsten von diesen zu rechnen und als Solitairpflanze noch weit werthvoller und schöner als Prunus Chamaecerasus pendula. Die glänzenden grünen Blätter erinnern an einen hängenden Lorbeer- baum, und, wenn ein solcher existirte, würde der Prunus serotina pendula diesem an Eleganz niclit nachstehen, ausserdem zur Zeit der Blüthe noch viel anziehender sein. Die Schönheit dieses Baumes sichert demselben eine ebenso weite Verbreitung zu, wie zur Zeit die Traueresche, Trauerrose und die Trauerweide geniessen und ist allen diesen vorzuziehen. Hochstämme pro Stück 15 Mark. Halbstämme und niedrig veredelte (zur Weitervermehrung) pro Stück 10 Mark. Interessante blühende Pflanzen. 463 In Danzig hat sich neben dem ans Gärtnern und Laien zusammengesetzten, seit mehr als 25 Jahre bestehenden Gartenbau-Verein ein neuer Verein constituirt, der sich jiDanziger G artner-Verein « benannt hat. Dieser Benennung angemessen setzt sich der Verein lediglich aus selbstständigen Gärtnern zusammen. Ausgesprochene Zwecke desselijcn sind : Wahrung und Vertretung gärt- nerisch-geschäftlicher Interessen, Fortbildung der Gehülfen und Lehrlinge, Concentration der Unterstützung reisender Gärtner. Der bis jetzt nur aus einigen dreissig Mitgliedern bestehende, daher noch pecuniär schwach dastehende junge Verein bittet alle Gartenbau- und Gärtner- Vereine unter Zusicherung gleicher Willfährigkeit um gütige Zusendung ihrer Verhandlungen und Jahresberichte an die Adresse seines gegenwärtigen Vorsitzenden, des Handelsgärtner A. Lenz in Danzig, Schiessstange 3. Der Württembergische Obstbau- Verein. Seit dem Jahre 1S81 besteht in Württemberg ein Obstbau- Verein, der jetzt bereits 600 Mit- glieder aus allen Städten und Theilen Deutschlands zählt, da Jedermann von Nah und P'ern Mitglied werden kann. Als Organ dient eine von Karl Müller sehr gut redigirte Monats- schrift: »Der Obstbauor (Preis 6 Jt pro Jahr). Der Jahresbeitrag beträgt 5 J{. Vorstand ist Herr Oekonomie-Rath RA^t.M, Mitglied des engeren Ausschusses der bekannte Pomologe N. Gaucher zu Stuttgart, der sich um den Verein durch Haltung von Lehrvorträgen etc. ganz besonders verdient gemacht hat. Interessante blühende Pflanzen. 1. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wühelmshöhe bei Cassel Ende August 1882. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Allamanda neriifolia, gelb. Alpinia vittata, weiss. Angelonia grandiflora, lila, hübsch. Anthurium Andreanum, Scheide Scharlach, Kol- ben orange, bekannte Neuheit. Begonia, ausser den im vorigen Verzeichniss erwähnten noch: Begonia fuchsioides, Scharlach. » multiflora 1 » semperflorens Lemoineij. karmin. » Uhinki j Gesnera 1 Naegelia |. in vielen Varietäten. Tydaea J Koellicheria argyrostigma, zierliches Pflänz- chen mit kleinen weissen Blumen und weisspunktirten Blättern. Lietzia brasiliensis, sonderbar gestaltete Blume, grünlich, reich dunkelbraum punktirt und geileckt. Einige neuere, durch späte Blüthe werthvoUe Gehölze. A) Schon längere Zeit in Blüthe stehend: Hibiscus rosa-sinensis, leuchtend Scharlach. » » Colleri, dicht gefüllt, gelb. » » Dennisoni, mattrosa. » » zebrinus, gefüllt, trüb Scharlach mit gelben Streifen. Justicia carnea, rosa. Fentas kermesina, rosa. Vinca rosea var. alba, weiss. Burchelia capensis, leuchtend scharlach-orange. Swainsonia Greyana, purpur mit weissem Auge. S. Gr. rosea, wie S. Greyana, aber grösser. Tritoma Mac Owani, leuchtender und niedriger, auch reichblühender als T. uvaria; beide halten hier unter gutem Schutz im Freien aus. Ceanothus , ein Dutzend Arten und Abarten, weiss, roth und prächtig blau. Fallugia paradoxa, weiss. I lypericum patulum » uralum joldgelb , blühend. sehr reich- 464 Interessante blühende Pflanzen. B) Erst jetzt in Blüthe tretend: Buddlcya insignis, purpurviolett. CytisuP sessilifolius leucanthus, hellgelb. Hibiscus syriacus coelcstis, blau mit purpur- nen Streifen, reiehhhihcnd. Hydrangea involucrata vera, violett. Incarvillea Koopmanni , rosakarniin ; Blume dürfte leuchtender sein und länger halten; doch lässt sich ein festes Urtheil noch nicht fällen. IndigoferaDüsua, röthlich violett, reichblühend. Podo-Cytisus caramanicus, orangegelb, reich- Idühend, Wuchs kräftig, leicht und elegrnt Sämmtliche hier angeführten Gehölze stehen im freien Lande; die meisten derselben werden jedocli im W iiiter mehr oder minder stark geschützt. 2. In der Reichsgräfl. Wilh. v. IVIagnis'schen Orchideen-Sammlung zu Eckersdorf. Im Juli i88z. Mitgetheilt von G. KiTTEL jun. Odcmtoglossum hastilabium. Lindl. Brasilien. Acineta speciosa. Mexico. Acropera Loddigesii. Lindl. Mexico. » Batemanni. Lindl. Nicaraguny. Aerides japonicum. [ajian. Anguloa Ruckeri. Lindl. Columl)ien. AnseUia africana vera. Lindl. St. Leone. Arpophyllum giganteum. Guatemala. Brassia Cowanii hört. Jamaica. Calanthe Masuca. Lindl. Ost-Indien Cattleya Forbesii. Lindl. Brasilien. Catasetum trulla. (L'ryanthusj. Coelogyne cristata. Lindl. Sylhet. » speciosa. Lindl. Java. Cypripedium barbatum caulescens. Malacca. > caricinum. Peru. » Reichenbachi Costa-Rica. Dendrobium thrysanthum. Wall. Nepal. " Heineanum. Bombay. Epidendrum Frederici-Guilielmi. Warsc. Peru. Laelia euspatha. Rchb. fil. hybr. Lycaste aromatica. Lindl. Mexico. Masdevallia ignea. Rchb. fd. Neu-Granada. » ^Vagneriana. Lindl. Venezuela. Miltonia Karwinskii. Lindl. üaxaca. » spectabilis. Brasilien. Odontoglossum cristatum. Peru. '> Ehrenbergii. Kl. Mexico. » Pescatorei. Lindl, N.-Granada. Roezli alba. Rchb. fil. Süd- Amerika. j> triumphans. Neu-Granada. Oncidium flexuosum. Linn. Brasilien. » incurvum Bark. Oaxaca. » Kramerianum. Rchb. fil. Mexico. » Papilio majus. hört. Panama. Palumbina Candida. Rchl). fil. Mexico. Phajus cupreus. Rchb. fil. Indien. Phalaenopsis rosea. Lindl. Manilla. Pleurothallis Grobyi. Bat. Demerara. Rodriguezia granadensis. Rchlj. fil. Neu Granada. Saccolabium Blumei majus. hört. Java. Sarcanthus paniculatus. China. Sychmatostalix radicans. Thunia alba. Rchb. fil. Ebenen von Burmah. Trichopilia crispa gloxiniaeflora. Kl. Central- Amerika. Vanda tricolor. Lindl. Java. » » naevium. Lindl. Java. )> » Veitchii. ;> » » » suavissimum » » Zygopetalum Gautieri Brasilien. » Makavimaxillare.Lodd. Brasilien. Im Augu Acropera Loddigesii. Lindl. Mexico. » Batemanni. Lindl. Nicaragua. Anguloa Ruckeri. Lindl. Columl^ien. Ansellia africana vera. Lindl. St. Leone. Arpophyllum giganteum. Jamaica. Brassia Cowanii. bort, jamaica. Calanthe Masueca. Lindl. ( )st-ln(lien. Cattleya elegans. Lindl. Brasilien. » Forbesii. Lindl. Brasilien. Catasetum trulla. St 1882. Coelogyne cristata. Lindl. Sylhet » speciosa. Lindl. Java. Cymbidium Mastersii. Lindl. Ost-Indien. » pendulum. Lindl. Ost-Indien. Cypripedium caricinum. Lindl. Peru. » caulescens. » longifolium. Rchb. fil. Costa-Rica. Demh-obium chrysanthum. Wall. Nepal. K densiflorum. Lindl. Ost-Indien. » Ileineanum. Bombav. Interessante blühende Pflanzen. Literatur. 465 Epidenclrum ciliare. Lindl. Brasilien. " sceptrum. Neu-Granada. Eulophia piilchra. Lindl. Comoren. Laelia euspntha. Rchb. iil. Hybr. » Schilleriana. Rchb. hl. BrasiHen. Lycaste aromatica. Lindl. Mexico. Masdevallia coccinea. Lind. Pampelona. n ignea. Rchb. fil. Neu-Granada. i> Wagneriana. Lindl. Venez-uela. Maxillaria squalons. Hook. Brasilien. (' venusta. Colunihien. Miltonia Candida. Lindl. Brasilien. 1 Clovvesii. Lindl. Brasilien. " Karwinskii. LindL Brasilien. » spectabilis. Lindl. Brasilien. » » sp. Morelliana grandifi. Brasilien. IMormodes aromatica. Rchb. fil. Mexico Odontoglossum cristatum. Peru. » Ehrenbergii. Kl. Mexico. » hastilabium. L,indl Brasilien. » Pescatorei. Lindl. Neu-Gra- nada. » pulchellum. Lindl. Guatemala. » triumphans. Neu-Granada. Oncidium incurvum. Bark. Oaxaca. j> Papilio. Lindl. Panama. » Rogersi. Brasilien. Phajus cupreus. Rchb. fil. Indien. Phalaenopsis equestris. Rchb. fil. Manilla. Pleione maculata. Assam. Restrepia autennifera. II. B. K. Anden von Paraguay Rodriguezia decora. Rchb. fil. Brasilien. » granadensis. Rchb. fil. Neu-Gra- nada. Sarcanthus paniculatus. Lindl. China. Sychmatostalix radicans. hört. Kramer. Stanhopea oculata. Lindl. Mexico. .-> stapeüoides Thimia alba. Rchb. fil. Ost-Indien. Trichopilia crispa gloxin'.neflora. Kl. Central- Amerika. Vanda tricolor. Lindl. Java. » » naevium. Lindl. Java. » i> Veitchi. Lindl. Java. » » suavissimum. Lindl. Java. Zygopetalum Gauthieri. Brasilien. » maxillare. Lodd. Brasilien. Literatur. Für praktische ObstzUchter und Gartenfreunde. Das Billigste, was auf dem Gebiete von Obst- und Gartenbau -Zetungen bis jetzt geliefert wurde, ist der »Praktische ObstzUchter«, iilustrirles Volksl)latt für ()l)stl;)au, Gemüsebau und Schulgartenwesen; die ganze Zeitung, die reich illustrirt monatlich je 12 Seiten stark erscheint, kostet nämlich, Postporto mit inbegriffen, nur i fl. Der sehr rührige Landes-Obstbauverein für Nieder -Oesterreich hat sich in der That ein wesentliches Verdienst um die Hebung des Obst- und Gartenbaues durch die Herausgabe dieser biUigen und praktischen Zeitung erworben Die uns vorliegende zweite Nummer ist so reichhaltig, dass wir Jedermann die Leetüre derselben empfehlen müssen. Von der Redaction des »Praktischen Obstzüchter«g Die Ausstellung des Charlottenburger Gartenbau -Vereins, Schöneberg (blühende Cyclamen, ijähr. Züchtung), 3. Kunst- und Handelsgärtner BAUCH-Berlin (Camellien in Knospen, zumeist Chancileri elegans), 4. Kunst- und Handelsgärtner Gebrüder Rkinicki. -Ciiarhittenburg für Gesamnitleistung (diverse Gruppen von hochstämmigen I.auiiis Tinus, l'iifiica Granattiiii nana im reichen Knospenansatz, JSegotüa Sedciii "iVon plus ultrac , so wie Begonia incarnala pnrpjirea , eine höchst werthvolle Acquisition für halbschattig gelegene Blumenbeete, und 3 jähr. Drac. /«rZ/z'w«- Sämlinge. Neben diesen Preisen gelangten an ca. 600 Ji Geldprämien, für 24 Aussteller, sowie 10 Ehrendiplome zur Vertheilung. Bevor wir indess zur Einzel-Nennung der Geldpreise sowie Ehrendiplome übergehen, sei auf die Leistung des Herrn Weltzikn speziell hingewiesen. Ausser einer Gruppe weiss blü- hender, bronzefarbiger Tapeinotes Carolinae , {Gesncraceae) einer sehr decorativen Pflanze des Blumentisches, stellte derselbe eine Gruppe Aletris fragraiis , eine circa 60 Sorten enthaltende Kollektion neuer und neuester Dracaenen ( I.eopddi, Battsei, JVilsi, Nelsoni, Gladstoni, iiiajestica, Goldiea/ia), Pflanzen in tadelloser Kultur, eine Gruppe Drac. terminaüs rosea, Kopf-Stecklinge vom Frühjahr, »Topfkultur«, die in diesem Wüchse wohl ihres Gleichen suchten, sowie eine Kollektion Dracaenen neuester eigener Züchtung (noch unbenannt) aus, wie wir solche in Berl'.n bisher noch auf keiner der Ausstellungen gesehen haben. Sie wetteiferten mit den englischen Stammeltern ganz bedeutend, sowohl in Grösse als Farbenspiel, resp. Zeichnung der Blätter. Dieser Leistung gegenüber stand Herr Brandt, der neben einer Gruppe Warmhauspflanzen seltener Art (wir erwähnen neben diversen Maranten-Arten des Pathos aiirea, des dunkellaubigen Artocarpiis Caiitioiii, Acalypha inosaica , Pellonia Davaneana , einer reizenden Ampelpflanze, Eranthent7ini atropurptireuDi, Simonisia chrysophlera und der bunten Füus elastica)., eine Gruppe Farne, vorzügliche Kulturen von Aspidium aaileatiiin proliferiim ; Asplenhiin IniUnferzini-alahiin; Adianhiin Veitchii, Farlcyense, cnneatum graciUii)iuin ; Alsopliila atcstralis; Ciboliiim princeps ; Gyiiuiogramma siilphttrea ; Scolopendrium vulgare var. tindulatuiii ; Selaginella denticulata aitrea sowie fol. var.; noch eine Gruppe Begonia incarnata ptirptirca , eine dito Begonia Rex , eine dito Kex discolor , eine Kollektion reichblühender Vallota piirpitrea , eine Kollektion Coletis, eine Gruppe hochstämmiger Viburnuni Tinus, sowie auf Hochstamm veredelter Citrus, sog. »Chinois Br.) eiförmig, zugespitzt, mit dunkelgrünem Kiel, Ränder gesägt. — Vaterland: Borneo. T. Moore. T. Moore beschreibt in Gard. Chron. n. scr. XVIIl S. 40 diese herrliche neue Selaginella, welche Curtis in Borneo für Veitch & Sons in Chelsea sam- melte und welche unter dem provisorischen Namen S. platyphylla ein Zeugniss I. Klasse in der Sitzung des Blumenausschusses der engl. Gartenbaugesellschaft am 23. Mai 1882 erhielt. »Kräftig und doch nicht ungraciös im Habitus-), sagt Moore 1. c. «zieht sie sofort durch ihre grasgrüne Farbe und die breit beblätterten Zweige, die oft mehr als 2)!^ cm in der Quere messen, die Aufmerksamkeit auf sich. Die Blätter stehen so dicht, dass kein Zwischenraum bleibt und das erhöht noch den schönen Eindruck.» — Hrn. Veitch's Schaupflanze scheint noch nicht ganz ausgewachsen zu sein, denn jeder neue Wedel wird noch grösser. Da sie aber jetzt Aehren bildet, darf sie bald doch an der Grenze ihrer Entwickelung angelangt sein. Veitch & Sons haben sie bereits stark vermehrt und wird sie wohl bald in den Handel kommen. Die Selaginellen sind bekanntlich mit den Bärlappgewächsen {Lycopodiaceae) nahe verwandt. Sie tragen ihre Fortpflanzungsorgane (Sporen) in den Achseln kleiner Laubblätter (Fig.;^, Mitte oben Br.), die zu endständigen Aehren zusammen- gedrängt sind. Meist finden sich in den Achseln der unteren Blätter dieser Aehren Behälter (Macrosporangien), mit je 4 grossen Sporen, in denen der oberen Behälter mit vielen kleinen Sporen (Microsporangien) ; bei vorliegender Art scheinen Macro- und Microsporangie neben einander vorzukommen (Fig. c, daneben a beide stärker vergrössert; e eine einzelne Macrospore noch stärker vergrössert). Die grossen Sporen erzeugen ein weibliches Prothalium (Vorkeim) mit flaschenförmigen Behältern, Archegonium (Fig. g Arch.) und in ihm eine Eizelle, Oospore (Oosp.). Die Microsporen (Fig./) theilen sich, erzeugen einen sehr kleinen Vorkeim und bilden viele bewegliche Samenfäden (Spermatozoiden) aus, welche die Ei- zelle befruchten. Aus der befruchteten Eizelle erwächst dann wieder die be- blätterte Pflanze. (Unten rechts ist in Fig. h ein Querschnitt des Stammes ver- grössert dargestellt.) Auszug aus dem Generalbericlite der Experten der Pliylloxera- Kommission im Kaukasus 1881. (Agronomen V. Geefsky und S. Chodschaeff.) Mitgetheilt vom Garten-Inspektor H. Scharrer in Tiflis. ^j^on den Arbeiten in der Krim zurückgekehrt, gelnngten beide genannte Experten am 19. Juni in Suchum an in Begleitung von 21 jungen Leuten, welche auf Kosten der Regierung in der Krim ausgebildet waren als Gchiilfen für Aufsuchung der Phylloxera in den Wein- gärten. H. Scharrer: Bericht der Phylloxera-Kommission. Ag7 Im Stadtkreise vcn Siichum sind 9,3 Dessatin, im Umkreise circa 8 Dessätin \\'eingärten vorhanden, welche von den genannten Experten und ihren Gehülfen aufs Genaueste untersucht wurden. Mit geringen Ausnahmen sind diese Gärten nach dem letzten Kriege noch nicht wieder in Kultur genommen, bieten ein auffallendes Bild kranker Rebstöcke des europäischen und asia- tischen Theiles ihres Bestandes, i^Phytoftiis viiis und Oidiuin sehr verbreitet), während die zahl- reichen Stöcke der IsaheUa trotz des Mangels der Pflege ein frisches Aussehen, reiche Frucht- barkeit und keinerlei Krankheit zeigen. Die Experten schreiben das Kränkeln der Weinpflan- zungen besonders dem zu engen Pflanzen zu, dem kurzen Sclmitt, verbunden mit der grossen Feuchtigkeit des Bodens und der Atmosphäre. (In Sotschi an der Küste des Meeres in einiger Entfernung von Suchum fallen jährlich 16 13 bis 2021 nun feucliter Niederschläge). Die auf landesübliche Art an den hohen Bäumen hinaufgezogenen Rebstöcke sind alle gesund, be- sonder? die kräftig wachsenden asiatischen Sorten. Der an exotischen Pflanzen reiche, mit Orangerien besetzte Garten des Herrn Wedensky bei Suchum wurde am 24. Juni untersucht und man fand dort nicht allein das Insekt an asiatischen Reben als Wurzellaus, sondern auf den ■ amerikanischen Reben aucli als Gallen Ijildend auf den Blättern. Die Zahl der Gallen auf dem Blatt eschwankte zwischen 3 und 20. ja noch mehr. Weiter ausgedehnte Untersuchungen ergaben in der Umgegend das Resultat , dass die Ansteckung sich nur auf einige benachbarte Stöcke erstreckte, wildwachsende Reben, theils im Ufersande des Meeres, theils im Geröllboden der nahen Bergabhänge wurden als infizirt erkannt und ausgerottet. Im Spätsommer fanden sich in Nachbargärten noch zwei schwache Anfänge der Infizirung, welche alsbald in Behand- lung genommen wurden. Sonst zeigten alle übrigen Gärten, die theilweise dreimal durchfcrscht wurden, keine Spur einer Invasion. Hierbei mag gleich erwähnt werden, dass nach den Unter- suchungen der genannten Herren in Poti, Kutais und Umgegend sowie am Kubanflusse, die im Laufe des Sommers von denselben besichtigt wurden , wie auch nach den Untersuchungen der Weingärten in Tiflis und Umgegend nirgends im Kaukasus bis jetzt das Auftreten der Phylloxera konstatirt werden konnte. Die Anwesenheit der Phylloxera im WEDENSKv'schen Garten wurde sofort nach Tiflis an das Central-Komitee für diese Angelegenheit berichtet, der Garten selbst gesperrt und die Weinstöcke ausgehauen und mit Hülfe von Photogen sorgfältig verbrannt. Da bei fortgesetzter Untersuchung am zweiten Tage sich auch Nymphen des Insektes zeigten, so wurde die Ausrottung- der Wurzeln ins Werk gesetzt, und zwar in Ermangelung anderer Mittel mit dem im Orte vorhandenen Photogen, je ^ Pfund auf jeden Stock, in 6 bis 8 Löcher gegossen, die um den Stock gemacht wurden. Andere Theile der Weinpflanzung wurden mit Auf- lösung von Karbolsäure in kochendem Wasser (!^ Flasche Säure auf I Eimer \\'asser). Photogen mit kochendem \\ asser, Asche und Wasser behandelt, und die Löcher dann genau verschlossen, welche Prozedur mit I Pfund Photogen pro Stock nach 8 Tagen wiederholt wurde. Auf An- trag der Experten beschloss das Central-Komitee die Anwendung von Schwefelkohlenstoff in allen Fällen, wo ein Unterwassersetzen der Stöcke durch künstliche Ueberschwemmung nicht möglich war, und aus der Krim wurden sofort 30 Fässer Schwefelkohlenstoff und 10 Injektoren verschrieben. Zugleich wurden die jNIittel und Wege berathen, eine langdauernde Unterwassersetzung der betroffenen Gartentheile ins Werk zu setzen. Bis zur Ankunft der Sendungen wurde ein neutraler Gürtel um den Garten gereinigt, d. h. der mit grossen Farnkrautbüschen und Schling- pflanzen durchwucherte Niederwald gehclitet, um zu den viel vorhandenen Weinstöcken gelangen zu können und sie im Bereiche des Gürtels auszurotten. Nach zwei Wochen wurden die mit Photogen u. s. w. behandelten Rebwurzeln untersucht und es fand sich, dass die zweimal be. gossenen Stöcke weder neue Austriebe gemacht hatten, noch eine Spur von lebendigen Insekten sich vorfand, während die nur einmal begossenen noch Insekten hatten. Gewiss ein Beweis für die gute Wirkung des Photogens. Am 24. Juli kamen mit dem Kriegsschooner iDon« 12 Fässer Schwefelkohlenstoff und 10 Injectoren an. Das Komitee in Tiflis ordnete an, alle inficirten Weinstöcke mit dem Stoffe zu behandeln, da die Ueberwässerung nicht so schnell ein- zurichten war. Am 3. bis 10. August wurde die erste und vom il. August an die zweite Anwendung des Schwefelkohlenstoffes vorgenommen, 250 bis 300^ auf jeden Stock. Nach einer Woche fand sich bei genauer Untersuchung, dass bei der herrschenden Hitze der Schwefelkohlenstoft AQA H. Scharrer: Bericht der Phylloxera-Kommission. nicht gewirkt hatte, denn es fanden sich alle vorhandenen Insekten noch am Leben. Man wendete nun, da sich die Phylloxera überall möglichst nahe der Erdoljerfläche gezeigt, eine nicht tiefe Einspritzung von Photogen und Schwefelkohlenstoff an und vermied dabei die Arbeiten wahrend der Mittagshitze. Am 24. August in Anwesenheit des aus Tiflis angekommenen Mit- gliedes des Komitees, I lerrn S tkuwe, wurden die vergifteten Wurzeln von Neuem untersucht, es fanden sich wiederum an den am I. und 10. August mit Photogen behandelten Stöcken keine Insekten, während die übrigen Stöcke, wenn auch in geringer Zahl noch solche aufwiesen. Deshalb wurden auf Anrathen des Herrn Struwe die Spalierweinstöcke ein drittes Mal mit Photogen behandelt, die Isabelia und Sortimente für die Behandlung mit dem Wa.^ser der nun bald vollendeten Leitung bestimmt, und alle übrigen inficirten Stöcke mit starken Dosen Pho- togen behandelt Am 26. August fand Herr Struwe die geflügelte Form an jungen Auswüchsen der frülicren Weinallee und wurden am 27. diese Wurzeln jede mit 3 Pfund Photogen getödtet. Anfangs September war die Wasserleitung beendigt und am 17. September das bewä.sserbare Terrain unter Wasser gesetzt, welches, durch beständigen Zufluss in einer Höhe von 8 — 12 Zoll, während des ganzen Winters erhalten wurde. Nachdem der Hauptheerd des Uebels so besorgt war, konnten die Experten ihre ganze Kraft und Zeit der Umgebung widmen Der neutrale Gürtel wurde gänzlich gereinigt, alles Gesunde und Kranke an Weinstöcken sorgfältig ausgerottet, und die unbewässerbaren Weinpflanzungen rigolt, die Wurzeln ausgelesen und verbrannt. Neue Untersuchung zeigte die vorzügliche Wirkung des Photogens, denn an den mehrmals behandel- ten Stöcken waren keine Insekten Die dichtwachsenden wilden Reben des neutralen Gürtels wurden platzweise, nicht einzeln, mit Photogen behandelt in starken Dosen zu 2 bis 3 Pud auf jeden Stock, ebenso die wenigen inficirten Stöcke in den beiden Nachbargärten, und am Meeres- ufer. Am 30. November waren die Arbeiten des Umgrabens der Erde, des Ausgi-abens der Wurzeln und die Verwendung des Photogens an allen Punkten beendigt. Man fand, in Sand- boden vertheilt sich das Photogen gleichmässig und bis zur Tiefe von I Va Arschin, seine Wirkung ist hier radical, dagegen in schwerem Thonboden geht die Vertheilung langsamer und ungleich- massiger und muss wiederholt werden. Das Rigolen geschah jedesmal erst, wenn man sich von dem Absterben der Phylloxera genau überzeugt hatte. Es war ein schwieriges in vieler Hinsicht ganz neues Feld der Arbeit in Suchum, es traten Hindernisse auf, die an anderen Orten nicht bekannt sind und die Experten haben ein mühsames, entbehrungsreiches Jahr gehabt. Am I. Dezember wurden die Arbeiten geschlossen, die 3 Gehülfen, welche, mit genauen Instruktionen versehen, die Regelung des Unterwasserhaltens der Weinptlanzung überwachen, sind auf dem Posten geblieben, bis zum Juli wird diese Operation fortgeführt werden, inzwischen aber die Untersuchungen und übrigen Arbeiten der Ueberwachung sorgfältig und genau fortgesetzt. Nachschrift vom 11. April 1882. Der Phylloxera-Congress in Sewastopol hat nach Wort- laut heutiger Depesche die Arbeiten in Suchum vollkommen gebilligt und gut geheissen und haben die Vorsitzenden des Komitees der Krim versprochen, im Juli nach Suchum zu kommen, um der Untersuchung nach Ablassen der Ueberschwemmung in ihrer Gegenwart beizuwohnen. Der Ibotanisclie Garten in Glasgow. Von L. WiTTMACK. /OH federn Botaniker und Gartenfreunde wird der Besuch des Glasg-ower botanischen Gartens ein ganz besonderes Interesse gewähren, weil er einst von dem berühmten Sir WILLIAM Jackson HoOKER, dem Vater des jetzi- gen Sir John Dalton Hooker, ehe derselbe den Kew-Garten bei Lon- don übernahm, geleitet wurde. Ich hatte auf einer Reise durch Schottland im Jahre 1878 Gelegenheit, den Garten, wenn auch nur flüchtig, in Augen- L. Wittmack: Der botanische Garten in Glasgow. 495 schein zu nehmen und war einerseits hocherfreut über manche schöne Pflanze in demselben, sowie über das statthche in Eisen und Glas erbaute kreisförmige Schauhaus, andererseits aber auch erstaunt über einige theil- weise noch recht alte Häuser. Nur einige waren neuer, aus Holz gebaut und mit einer zweckmässigen Vorrichtung zum Aufklappen der vorderen Seiten- wand und des Daches versehen. Mit doppelter Aufmerksamkeit betrachtete ich deshalb die Abbildung der jetzt neu zu errichtenden Häuser in Gard. Chron. new. ser. XVII, S. 221, nach \\elcher die beifolgende kleine Skizze gefertigt ist. Wie man sieht, sind alle Häuser, die von den bekannten Architekten James BOYD & SONS in Paisley erbaut werden, in einer Reihe gedacht. In der Mitte ist ein Palmenhaus, 80 Fuss engl, lang, 50 Fuss tief und 42 Fuss hoch; an jeder Seite ein Haus für Nutzpflanzen, mit Satteldach? je 45 Fuss lang, 28 Fuss tief und 18 Fuss hoch. Daran schliesst sich jeder- seits ein Orchideenhaus mit Satteldach, 45 Fuss lang, 22 Fuss tief, 14 Fuss hoch. — An dem einen Ende der Reihe ist ein Warmhaus, an dem % Fig. 113. Die projektirte neue Gewächshaus-Reihe ina botanischen Garten zu Glasgow fnach »Gard. Chronicle"). 300 Fuss engl. lang. andern ein Sukkulentenhaus, je 40 Fuss lang, 30 Fuss tief und 21 Fuss hoch. Rechtwinkelig schliesst sich an jedem Ende ein Seitenflügel an, bestehend aus einem Hause mit Satteldach von 35 Fuss Länge, 19 Fuss Tiefe, 12 Fuss Höhe und einem rundlichen Haus, 35x30 Fuss, 16 Fuss hoch. Die Häuser des einen Flügels sind für niedrige tropische Pflanzen und für tropische Wasserpflanzen, die des anderen für niedrige Pflanzen des gemässigten Hauses, Farne etc. Die Basis der Häuser soll, soweit als sie sichtbar ist, von polirtem Stein hergestellt werden; im Uebrigen wird aber nicht Eisen, sondern Holz, und zwar das beste Moulmein-Teakholz verwendet. Die ganze Reihe wird geheizt werden durch 3 Bullen'sche schmiedeeiserne Röhren- kessel, ä 8 Fuss Länge. Ein kleiner Sattelkessel dagegen soll eine Reihe Röhren rund um die Basis des oberen Daches vom Palmen- hause erwärmen. — Hinter der Hauptreihe werden noch vier Häuser für Treiberei, je 40 Fuss lang und 10 Fuss tief, errichtet; ferner 4 kalte Kästen ä 30 Fuss Länge und 5 Fuss Tiefe, Schuppen für Töpfe, Erde, Samen, Geräthe und Räume für die jungen Leute. — Das Kesselhaus erhält seinen Platz unter dem nördlichen Ende des Palmenhauses, ungefähr 16 Fuss 496 L. Wittmack: unter dem Fussboden. Zum Aufbewahren von Wasser dienen 1 2 Cisternen aus Schiefer; im Heizapparat werden 90 Ventile angebracht. Selbst- verständhch werden alle neuesten Erfahrungen betreffs Heizung und Venti- lation berücksichtigt. — Die neue Gewächshausreihe, die, wie man sich denken kann, einen imposanten Anblick gewähren wird, liegt an der Seite des vor 2 Jahren ebenfalls vom Garten erworbenen Kibble-Crystal- Palastes, welcher aus Glas und Eisen besteht und ebenfalls von J. Boyd & SONS gebaut wurde. Dieser hat in seiner Kuppel 50 ;// Durchmesser und 12 jn Höhe.=--) Es sei gestattet, hier einige der schönsten Pflanzen aufzuftihren, die ich 1878 (August) notirte. In erster Reihe verdienen die zarten, so schwierig zu kultivirenden Farne: Todca pcUncida, intcrvicdia, supcrba etc., Hyiuoiophylhini tluDibridgensc u. Wihoiii, neuseeländische Triclioinanes etc., erwähnt zu werden, die hier im P'reien! *in einer kleinen Ecke, etwas ver- tieft, unter dem Schutz von Bäumen trefflich gedeihen. Das feuchte Seeklima ermöglicht diese Kultur, die bei uns wohl ver- geblich sein würde. Dasselbe feuchte Klima und die Kürze des Sommers gestatten dagegen nicht, die Azaleen ins Freie zu bringen; sie müssen meist den ganzen Sommer im Hause bleiben und verlangen künstliche Wärme (60 80" Fahrenheit = 15 26" C.), um Knospen anzusetzen. - Riesige Schaupflanzen von Azaleen standen in den Häusern, die grösste, eine Azalea indica alba, hatte 2-^3 111 im Durchmesser. Sehr hübsch machte sich auch die kleinblüthige Azalea avioeiia. Rhododendron gleichfalls sehr schön, R. Edgezvortlii besonders gross. — Andere Kalthauspflanzen: Aran- Carla Cuniänghaini, eine hängend, die andere aufrecht, A. Cookii, Dacry- duiin C7ipressimn)i, Acacia dealbata, Francoa raviosa D. Don, mit Tetilla eine besondere Familie, die der Francoaceae bildend, mit schön fleisch- rothen, langen Blüthenrispen, nie von Insekten leidend, schöne grosse Neu- holländer, Baumfarne, Cyathca dealbata mit gabeligem Stamm, Dicksonia sqiiarrosa, Agaven in grossen E^xemplaren, Foiircroya gigaiitea in Blüthe, Yucca angustifolia etc. Warmhauspflanzen: Ficus Parcelli, F. eburiieiiiii, Maraiita Warscciviczii, M. zcbrina, Sanseviera javaiiica , ]ltis goiigyloides mit sehr langen Luftwurzeln, Dendrobiiun Wardiamun i '/g 111 lang, Plialaenopsis ScJdlleriana, Ceretis grandiflonis. — Merkwürdig war eine Cuscuta auf RliyncJiospeniium jas- 1/iinoides, die diesen Strauch fast gänzlich getödtet hatte. — Im Freien sah ich Araiicaria ivibricata, Dahlia superßiia aus Mexiko, Athyrmin filix fei/iiiia var. Jlctoria, durch Kreuzung entstanden, Clerodendrou Biingei St., der in Schottland ohne Decke aushält etc. — Nach dem mir zugegangenen Bericht waren im Sommersemester 1882 189 Studirende in der Klasse für s}'stematische Botanik, davon 174 ]\Ie- *) Inzwischen erhalten wir von unseren verehrten Freunde Herrn Cn. JoLY-Paris eine aus- führlichere Beschreibung der Glasgower Häuser (Journ. d. 1. soc. nat. d'hort. III. ser. t. 4. 1882 S. 23S — 247\ auf die wir hiermit verweisen möchten, L. W Der botanische Garten in Glasgow. 497 diciner, im botanischen Laboratorium 57. — Direktor des Gartens ist Prof. J. BAYLEY-Balfour, Inspektor R. BuLLEN. Herr JoLY giebt einen interessanten Vergleich betreffs der Dimen- sionen einiger grösserer Gewächshäuser, die wir liier wiedergeben und Herrenhausen noch hinzufügen. Gewächshäuser Gewächshäuser zu Glasgow Kuppel des Krystall-Palastes zu Glasgow . Palmenhaus zu Kew ^ Gewächshaus zu Chatsworth Palast zu Sydenham Rotunde zu Laeken Gewächshaus zu Laeken Palmenhaus zu Berlin Gewächshaus des Grafen zu Kerchove Gewächshäuser zu Kopenhagen Industrie-Palast in Paris Gewächshaus zu Florenz Casino zu Gent Gewächshaus zu Paris auf den Elyseeischen Feldern Palmenhaus zu Herrenhausen Höhe 106 90 535 120 60 55 94 192 40 62 90 34 a 12 4 ä 7 50 16 16 22 40 22 35 u. 56 58 30 15 18 18 23 14 18 10 u. 19 48 35 17 14 37 18 25 15 28 30 u. 24 Zur Vertilgung der scliwarzen Fliege und der rothen Spinne. Von O. Massias in Altenbiu-2f. l>\#. '\\^V ohl jedem meiner werthen Collegen sind die schwarze Fliege {Thrips haeinorj-Jioidalis) sowohl, wie die rothe Spinne (^Acarus telarii(s) als die gefährlichsten Azaleenfeinde schon oft recht unbequem geworden, ohne dass es gelungen wäre, trotz Anwendung der vielen bekannten Mittel zu ihrer Vertilgung sich ihrer ganz zu erwehren. Nicht immer liegt es in der Hand des Gärtners , sich dieses Ungeziefer durch eine gute Kultur der Azaleen fern zu halten, da der jeweilige Standort der Pflanzen, sowie auch andauernde hohe und trockene Temperatur im Sommer viel zur Vermehrung dieser Insekten beitragen. Gegen die schwarze Fliege lässt sich allerdings ein starkes Räuchern mit schlechtem Tabak empfehlen, aber wie leiden die jungen Triebe der Azaleen darunter, und wie schwierig lässt sich in manchen Gewächshäusern das Räuchern mit Vortheil ausführen. — Durch starkes Auftreten der rothen Spinne können in kurzer Zeit Pflanzen dem Tode nahe gebracht werden, so dass man kleinere Exemplare denn auch gewöhnlich gleich dem Feuer überliefert, während man grössere Schaupflanzen vielfach dadurch zu retten sucht, dass man sie mit der Krone in durch Wasser zu einem Brei verdünnten Lehm taucht, sie dann einige Tage geschlossen und ganz dunkel hält und dann die Lehmkruste wieder abspült. Unter dem an- getrockneten Lehm sind die Thierchen dann allerdings erstickt, aber wo sich zufällig beim 4q8 O- IMassias: Vertilgung der schwarzen Fliege und rothen Spinne. Eintauchen in Lehm zwei oder mehrere Blattchen über einander legen, da bleiben die Blattficächen von der Lehmkruste frei, die Thierchen leben lustig weiter und überziehen die Pflanze nach kurzer Zeit von Neuem. Und welch einen Anblick gewähren monatelang solche mit Lehm behandelte Pflanzen. Ein Tauchen der Azaleen in verdünntes Krepin habe ich noch nicht versucht, dies Expe- riment wäre vielleicht probat, aber es ist in Anbetracht der Menge von P'lüssigkeit, welche man braucht, um grosse Formazaleen zu tauchen, viel zu theuer. — Seit einem Jahre wende ich nun ein Mittel gegen diese gefährlichen Azaleenfeinde an, welches ganz ohne Kosten auszuführen ist und dabei jedes einzelne Thierchen sicher tödtet, ohne den Pflanzen im Geringsten nachtheilig zu sein. Zu diesem Zweck nehme ich ein grosses Fass, weit und tief genug, um auch die Krone der grössten Formpflanzen aufnehmen zu können, fülle dasselbe mit heissem Wasser, welches ich durch Zusatz von kahem \\'asser bis auf 45 ' R. abkühle und nehme jede Pflanze und tauche sie bis weit unter die Krone 4 Sekunden (aber nicht länger) hinein. Nach diesem Bade schon sind sämmtliche lebenden Thiere getödtet; um aber auch die Brut völlig zu vernichten, ist es nöthig, dasselbe Experiment, nachdem sich die Pflanze einige Augenblicke al)gckühlt hat, noch einmal zu wiederholen. Jetzt ist die Pflanze völlig rein und das todte Ungeziefer schwimmt in Massen auf der Oberfläche des Wassers Durch öfteren Zusatz von kochendem Wasser muss dafür gesorgt werden, dass sich das Wasser im Fasse nicht unter 40 'R. abkühlt. Ich habe meine sämmtlichen Azaleen, die von beiden Thierarten stark befallen waren, als ich sie im Frühjahr ins Freie brachte, so behandelt, sie hielten sich den ganzen Sommer rein, trotzdem sie zwischen hohen Gebäuden eingekeilt standen, also den denkbar ungünstigsten Platz hatten und viel von starker Sonnenhitze leiden mussten; und nur, um nicht etwa sporadisch auftretendes Ungeziefer beim Einräumen mit ins Gewächshaus zu nehmen, habe ich die Pflanzen im Herbst noch einmal gebadet. Zur weiteren Beruhigung meiner werthen Herren Collegen möchte ich bemerken, dass bei diesem förmlichen Abbrühen der Pflanzen weder die ganz jungen Triebe, noch einige sich nahe dem Aufblühen befindliche Knospen in irgend einer Weise gelitten haben, auch ist das Baden im Herbst ohne schädlichen Einfluss auf den Knospenansatz geblieben. Es liegt auf der Hand, dass ich dieses Experiment auch an anderen Pflanzen versucht habe und kann ich zu meiner Freude mittheiltn, dass ich bei Myrten, Croton, ja selbst bei Dracaenen dieselben günstigen Erfolge gehabt habe; auch die jüngsten Blätter der zuletzt genannten Pflanzenarten sind gr.nz gut geblieben und haben sich nach d^m Bade vollkommen normal entwickelt. Ich will wünschen, dass die Mittheilung dieser interessanten Beobachtung vielen meiner Herren Collegen recht willkommen Sfin und überall Anwendung finden möge. Der sichere Erfolg wird nicht ausbleiben. Die Blutlaus. ^^-/s sind in der letzten Zeil eine so grosse Zahl auf die Blutlaus und ihre \'ertilgung Bezug habender Anfragen an uns gelangt, dass eine öflenthche Beantwortung derselben im allgemeinen Interesse geboten erscheint. Die Blutlaus, Schizo/ieura (^phis) lanigera, hat sich, offenbar in Folge des milden Wetters in viel grösserer Zahl durch den Winter gekommen als sonst, in diesem Jahre in einer ganz bedenklichen Weise vermehrt. Zudem wurde ihre Entwicklung durch das warm-feuchte Wetter des Juli derartig begünstigt, dass das Insekt trotz der im Frühjahr angewendeten Bekämpfungs- mittel überall in grosser Menge vorzufinden ist. In wenigen Wochen erscheinen die mit Flügelansätzen versehenen Nymphen, die sich nach erfolgter Pläutung als geflügelte Weibchen nach allen Seiten hin verbreiten und so dem Uebel eine inmier grössere Ausdehnung geben. Es liegt auf der Hand, dass eine weitere Bekämpfung des Insektes für den Rest des Jahres Goethe: Die Blutlaus 499 nutzlos ist, wenn wir dasselbe nicht vollständig unterdrücken, ehe die GeflUgelten^zum Vorschein kommen. Darum muss man den Kampf gerade jetzt gemeinsam von allen Seiten und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln beginnen, ehe es für diesmal zu spät ist. Zur Vertilgung der Blutlnus werden verschiedene Mittel in \'orsclilag gebracht, wie z.B. Weingeist und Petroleum, vi'elche indessen nicht empfohlen werden können, weil sie, nur wenig oder gar nicht mit Wasser verdünnt, die Rinde tödten, bei starker Verdünnung aber nicht gehörig auf die Läuse einwirken. Ein Mittel, welches unbedenklich als vorzüglich bezeichnet werden kann und auch schon mehrfach von uns genannt wurde, besteht aus 50 g grüner (schwarzer) Seife, 100^ Fuselöl (Amylalkohol), 200^ Weingeist und 650^ Wasser. I'ei der Mischung ist wohl darauf zu achten, dass die Seife im Wasser (welches man zu diesem Zwecke erwärmt) vollständig gelöst wird, ehe man Weingeist und Fuselöl zusetzt, und dass die Flüssigkeit während des Gebrauches wiederholt zu schütteln ist, damit sich nicht etwa die Seifentheilchen zu Boden setzen und so die Wirksamkeit der Lösung schwäclien. Man bepinselt mit diesem MHtel, was übrigens auch in allen Apotheken hergestellt wird, die von der Blutlaus befallenen Stellen in sorgsamer Weise und kann sich ja leicht davon überzeugen, dass sämmt- liche mit der Flüssigkeit in Berührung gekommenen Thiere auch vollständig getödtet sind. Wenn trotzdem von einigen Seiten geklagt wird, dass das Mittel nur theilweise oder doch nicht vollständig geholfen habe, so liegt das nicht an dem Recepte, sondern daran, dass die mit der Ausführung betrauten Personen entweder die Lösung nicht jeweilig umschUttelten oder — und hierin liegt die Hauptschuld — aus Bequemlichkeit nur einen Theil der befallenen Stellen bepinselten und die übrigen entweder gar nicht bemerkten oder sie, weil sie nicht ohne Mühe erreicht werden konnten, geradezu unbeachtet Hessen. Zudem wird immer nicht gehörig beachtet, dass das Mittel mehrmals in vierzehntägigen Zwischenräumen angewendet werden muss, weil einzelne auf der Wanderung begriffene Thiere, welche ihrer Kleinheit wegen beim ersten Male dem Auge entgingen, schon nach wenigen Wochen neue Colonieen gebildet haben werden. Da sich die Blutläuse mit Vorliebe auf der Unterseite der Aeste an Wundstellen und namentlich da, wo Zweige abgebrochen oder abgeschnitten werden, festsetzen, weil sie mit ihrem zarten Saugrüssel in die unversehrte ältere Rinde nicht eindringen können, so ist besonders auf diese Stellen zu achten. Desgleichen habe man, soweit dies eben möglich und durchführbar ist, ein wachsames Auge auf die Sommertriebe, in deren Knospenwinkeln sich einzelne Blutläuse gern festsetzen. Stärker befallene Sommertriebe schneide man ab und verbrenne sie. Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim, Juli 1S82. Goethe. Verschiedenes. Die Kultur der Hortensie. In der Sitzung des »Vereins zur Beförderung des Gartenbaues < vom 25. Mai 1882 stellte Herr Obergärtner Schmidt aus dem Garten des Herrn Kommerzienrath Dellschau, Pankow, so vortreffliche reicliblühende und dabei niedrige Hortensien aus, dass ihnen der Monatspreis zugesprochen winde. Ueber die Kultur schreibt uns Herr Schmidt Folgendes: In der letzten Hälfte des Mo- nats Februar bringe ich die Stecklinge auf ein Vermehrungsbeet; nach einer Zeit von 4 bis 5 Wochen, wenn sich dieselben gehörig bewurzelt haben, pflanze ich sie in kleine Stecklings-Töpfe, und bringe sie bald auf einen Mistbeetkasten, wo dieselben dann nach Verlauf von 4—5 Wochen wieder in etwas grössere Töpfe verpflanzt werden, was im Laufe des Sommers schliesslich noch emmal geschieht. Uarten-Zeitung 1882. 33 CQQ Verschiedenes. Die Erde, die ich ihnen gebe, besteht aus einer Mischung von ein Drittel Haide- oder Moorerde, ein Drittel Torfgrus und ein Drittel Sand, und erziele ich so in einem Jahre kräftige l'fianzen mit durchschnittlich 5 — 6 Bhunendolden, deren Durchmesser 25 — 30 cm beträgt, während die Pflanzen selber nicht höher als höchstens 45 — 50 cm sind. Nutzen des Torfmulls bei der Vermeliruui'-. Hr. Kgl. (iarten-InsiJcktor Lauche schrcil)t uns über diesen Gegenstand: Beifolgend einige Nf^tizen über den Torfmull des Herrn Franke*); Sie haben sich ja selbst bei Ihrem Hiersein von der vorzüglichen Bewurzelung der Stecklinge in diesem Material überzeugt und kann ich dasselbe zur Vermehrung in jeder Beziehung um so mehr empfehlen, als es sich durch Billigkeit aus- zeichnet. Ich habe dasselbe seit drei Jahren hier angewendet, überraschende Resultate damit erzielt und halte es für vortheilhafter als Sand, Sägespähne, Torf, Cocosfasern etc.; das Material hält sich gleichmässig feucht, braucht nur selten befeuchtet zu werden, erzeugt keinen Schimmel, der ja oft so verderblich in den Vermehrungsbeeten auftritt und geht die Bewurzelung schnell und sicher vor sich. Nicht allein Stecklinge von krautartigen Pflanzen, wie Fuchsien, Pelargonien, Petunien etc., sondern auch angetriebene Gehölze und im Sommer im Freien abgeschnittene junge Triebe machen eben so leicht und sicher Wurzeln, wie im Winter gesteckte Coniferen. Auch zur Aussaat von Farnen, Ericaceen,, Begonien etc., hat sich dieses Material vorzüglich bewährt. Im Winter gemachte Steck- linge von Taxus, Cephaloiaxus, Jimiperus, Rctuiospora, Thuja, selbst T. giganka, Biota, TImjopsis dolobrata etc. sind bereits in kleine Töpfe gepflanzt. Im vorigen Sommer liess ich versuchsweise eine Menge Stecklinge im August im Freien schneiden und alle machten in kurzer Zeit Wurzeln; ich will Ihnen nur folgende nennen: Comptonia aspknifoUa. Azalea mollis, Betula sp. aus Turkestan, Ikx virginiana, Ckthra alnifolia, Iiicarvilka Koopmannü, Acer palmatu)ii und A. Simenowii, Berberis Thuiihergü, Fj-uiius montlcola, Coriaria myrtifolia, Elaeagnus longipcs, Nuttaelia cerasifoniiis, Viti?, etc. Die Jakobslilie, Amaryllis (Sprekclla) foiviwsissima L., von Ende Januar bis Mitte Februar in Blüthe zu haben, wobei der Hauptflor in den Februar fällt. — Dr. Kübler veröftentlicht sein Verfahren in der »Zeitschrift des Schweizerischen (iartenbau- Vereins« mit folgenden Worten: »Die dunkelbraune Zwiebel wird in einer hölzernen Schachtel auf dem geheizten Kachelofen oder auf einem Tischchen in der Nähe des Eisenofens aufbewahrt, bis an einer Seite des Halses die Spitze der Blüthcnknospe, weisslich mit Roth, kennbar durch einen Einschnitt in der Mitte, hervortreibt. Dann erst wird sie eingesetzt, und zwar in einen 10— IT, cm Tojjf voll leichter, guter, etwas mit Sand vermischter Erde, nicht zu tief, sondern nur bis zum Anfang des Halses. Man giesst sie mit schwach- lauem Wasser ein, wiederholt das Giessen, so oft die Oberfläche der Erde trocken geworden, und hält auch den Topf mit Unterlage von Holz auf dem Kachelofen oder in der Nähe des Eisenofens. Hat der rothe Blüthenschaft sich *) Puu.H^i' Fkankf., \ertietcr der BraunFclnveigerTorfstreu- etc. Fa1))ik, Bedin X., Brunnenstr. 13. Verschiedenes. 501 zur Länge von 12 — 16 cm entwickelt, so bringt man die Pflanze nahe ans Fenster, wo sie binnen wenigen Tagen ihre Blüthe öfliiiet. Starke Zwiebehi bringen zwei, auch drei Blumen. Ist die Blüthe vorüber, so wird der Stengel abgeschnitten, die Pflanze nur noch sehr massig begossen und sammt dem ^Vurzelballen im Mai in ein Treibbeet gesetzt. Dort lässt man sie stehen bis Ende Oktober, wo man die Blätter (aber nicht sammt dem Halse) abschneidet. Nach acht Tagen werden dann die Zwiebeln herausgenommen, von Erde gereinigt und in einem Kistchen in nicht allzuwarmem Zimmer aufbewahrt, bis die Wurzeln vertrocknet sind, die jetzt erst abgeschnitten werden. Anfang Dezember kommen die trocknen Zwiebeln auf oder neben den Ofen, und es wiederholt sich die oben angegebene Behandlungsweise. — Im Oktober schütze man die Pflanzen vor Frost und entziehe ihnen alles Wasser. O. H. Cotoneaster Sinunondsü Hort, ist wohl in unseren grösseren Baumschulen vorräthig, aber in den Gärten noch wenig verbreitet, und docli ist der Strauch so schön, dass er weit öfter gepflanzt zu werden verdient; er hat hübsche, dunkelgrüne Blätter, die lange bis in den Winter sitzen bleiben; seine weissen Blumen sind, wie • Dansk Havetidende« sagt, allerdings unbedeutend, aber sie werden durch zahlreiche, längliche und grosse scharlachrothe Beeren ersetzt, die der Pflanze im Spätsommer und Herb)st ein prächtiges Ansehen verleihen und die lange sitzen bleiben, wenn die Sperlinge sie nicht zerhacken. Der Strauch verlangt einen geschützten Standort, sonst leidet er durch Kälte, und einen nicht zu trockenen Boden. Er wird durch Samen vermehrt, der, auch wenn er im Herbst gesäet wird, was jedenfalls der Frühjahrssaat vorzuziehen ist, oft ein Jahr über liegt; Ableger liegen lange, ehe sie sich bewurzeln; Veredlung durch Pfropfen oder Okuliren auf Crataegus oxyacantha und Cotoneaster. Er wächst unregelmässig und seine Form erscheint steif, wenn sie nicht durch den Schnitt geregelt wird. O. H. Passiflora caerulea hat hier den Winter 1880/81 unter Decke gut im Freien ausge- gehalten. Dieselbe ist am Aussen -Giebel eines Warmhauses ausgepflanzt, und wurden die Triebe auf 2 Fuss (0,66 ///) zurückgeschnitten, niedergelegt und mit Laub und Staudenstengeln gedeckt. Geblüht haben die Pflanzen leider nicht, aber ausserordentlich gewuchert. Ich beabsichtige diesmal die Triebe nicht zurück- zuschneiden, sondern durch Verhängen von Tannenzweigen zu schützen, um mögUchst viel altes Holz zu konserviren. Wenn dies glücken sollte, müsste ich im nächsten Jahr reichlich Blüthen erziehen. Der Herbstfrost 1881 von 3 Grad hat den damals noch nicht gedeckten Pflanzen gar nicht geschadet. G. Eichler, Hofgärtner, Wernigerode. Galto}iia caiidicans (Hyacinthus candicans) verspricht so recht eine Pflanze zu werden, welche in keiner Gärtnerei mit Bindegeschäft fehlen darf. Ich Hess ver- suchsweise circa 50 vorjährige Frühjahrssämlinge, welche ich frei ausgepflanzt hatte, im Beete stehen und gab ihnen gleich den anderen Zwiebelgewächsen eine massige Laubdecke. Zu meiner Freude winterte nicht eine Zwiebel aus, sie entwickelten sich vielmehr sämmüich so üppig, dass die Blüthenstiele 4 Fuss hoch wurden und 20 — 30 grosse Blumen brachten. Für Kranzbinderei eignen sich die grossen, offenen, edelgeformten weissen Blumen ebenso ausgezeichnet wie zur Bouquetbinderei. Sie entwickeln sich im August und lieferten meine -Q2 Verschiedenes. Pflanzen circa 8 Wochen hindurch Blumen*), da die imposanten Blüthenstände nach und nach aufblühen. Die Vermehrung durch Samen ist eine sehr leichte, doch scheint derselbe in diesem Jahr wohl nicht zur Reife zu kommen, da auch die untersten Kapseln bis jetzt noch ganz grün sind**). Der hiesige Boden, ein ziemlich steifer Thori, den icli etwas mit Kies habe mischen lassen, scheint ihnen ganz besonders zuzusagen. G. Eichler, Hofgärtner, Wernigerode. Lag'erstroeiiiia indica L. Der prächtigste Blüthenstrauch Süd-Europa's, wie Haage und Schmidt diese Pflanze in ihrem Katalog bezeichnen, ist trotzdem ziemlich selten in unseren Gärten. Sie gehört zur Familie Lythrarieae Juss. (XII. i. L.), ist in China und Japan zu Hause und seit 1825 in Europa eingeführt. In der Schweiz hält sie an geschützter Stelle im Freien aus und in Italien und auf der Krim gehört sie zu den schönsten Pflanzen der Gesträuchgruppen. In Mittel- und Nord-Europa muss sie unter Glas kultivirt werden, zeigt sich aber in St. Petersburg in kleinen und grossen Exemplaren als eine schöne und bereitwillig blühende Pflanze. Ihre Kultur ist leicht. »Dansk Havetidende« schreilit darüber ungefähr Folgendes: Während des Winters wirft die Pflanze die Blätter ab und wird nun frostfrei gehalten, erhält auch nur so viel Wasser, dass die Rinde nicht schrumpft. Im März bringt man sie in ein Gewächshaus mit einer Temperatur von -f 6 — 8° R. und stellt sie so, dass sie von allen Seiten möglichst viel Licht erhält. Vorher stutzt man die vorjährigen Zweige ein wenig ein und schneidet alles überflüssige Holz aus dem Innern der Krone heraus. Sobald das Wachsthum beginnt, gebe man jede Woche mit nöthiger Vorsicht einen Dungguss und bei mildem Wetter viel Luft. Im Juli erscheinen die hübschen Blumen an der Spitze der Triebe," sie sitzen viele zusammen in Trauben und die gekrausten Blätter der I'lumenkrone sind inkarnatroth. In einer Mischung von Rasen- und Lauberde mit ein wenig Sand wächst die Pflanze ausgezeichnet. Sie eignet sich ganz besonders zum Auspflanzen in grossen Kalthäusern und erscheint hier im Spätsommer ganz übersäet mit Blumen. Im Topf kultivirt, dürfte sie über Sommer im Freien aufzustellen sein. Man vermehrt sie am leichtesten durch Stecklinge von jungen Trieben zeitig im Frühjahr. Man hat mehrere Varietäten von dieser Art, eine mit scharlachrothen , eine zweite mit weissen, eine dritte mit rosenrothen und eine vierte mit purpurrothen Blumen. Eine andere Art, Lagerstroemeria regina Roxb., ein mittelgrosser Baum in Ostindien und auf Java, übertrifft die erstere in der Schönheit der Blumen, die 5 — 8 cw im Durchmesser halten, Morgens bei ihrer Entfaltung blass-rosenroth erscheinen , später aber sich purpurroth färben. Sie wird im Sommer im Kalthaus zu kultiviren, aber bei 8 — 10 '^ R. zu überwintern sein. — Ihre Wurzeln , Rinde und Blätter dienen in Ostindien als Heilmittel gegen verschiedene Krank- heiten. Der Name Lagerstroemia wurde der Pflanze von Linne zu Ehren eines seiner Freunde gegeben: Magnus von Lagerström, geb. 1696 zu Stockholm, gest. 1759 als Direktor der ostindischen Compagnie in Gothenburg, für welche er viele Naturalien in China sammeln liess. O. H. Rosen des Herrn Fr. Harms, Hamburg, Eim^büttel. Herr Fr. Harms übersandte dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 19. April die Theerose Niphetos in einer Voll- kommenheit und Schönheit, dass sie die allgemeinste Bewunderung aller P'achmänner erregte. Sie mass halb geöffnet 9 cm im Durchmesser, würde nach Ansicht des Herrn Dr.wviel ganz geöffnet ca. 14 cm erreicht haben und hatte dabei eine Höhe von 7 cm. Ausserdem übersandte Herr Harms Souvenir d'un ami und acht Tage später Duke of Connaught, die neue BENNET'sche Hybride zwischen Thee- und Remontantrosen. Rosen und Erdbeeren des Herrn L. Becker, Lockstedt. Herr L. Becker in Lockstedt *) Dieselben gehen in Berlin zu 3 zusammengebunden als Tuberosen. **) Einige Kapseln sind dort noch reif geworden. Verschiedenes. 503 bei Hamburg übersandte dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 10. Mai ein Sortiment hübscher Rosen. Darunter waren von Remontant=Rosen : Duc de Rohan, Prince Camille de Rohan, Alfred Colomb etc., John Ilopper, La Baronne de Rothschild, Empereur du Maroc ; von Theerosen: Jean Ducher, sehr schön, Pauline Labonte, Gloire de Dijon, Perle des jardins, Catharine Mermet, Melanie Willermoz, Madame Falcot, Narcisse, Clara Silvon. Am nächsten Tage Hess Herr Becker eine Sendung getriebener Erdbeeren folgen, die wegen ihrer für die Jahreszeit riesigen Grösse allgemeines Erstaunen erregten. Die »Deutsche Kronprinzessin« wog 19.5 ^''. König Albert von Sachsen 22 gr, Dumberton Castle 24,5 gi-, Prof. Pynaert, wie gewöhnlich doppelfrüchtig, sogar 28 gr. — Ausserdem notirten wir Her Majesty, Sir Joseph Paxton, Deutsche Kaiserin, Withham Seedling, Early crimson pine etc. — Herr Becker erhielt in Hamburg für 5 Töpfe Erdbeeren i silberne Medaille und 30 Mark. Bei der Hochzeit des Prinzen LeoI'OI.d und der Prinzessin von Waldeck in Windsor, Ende April, lieferte der Kgl. Hofgarten daselbst 25 sehr grosse schöne Ananas, 80 Gurken und 200 kg Wein. Zur Dekoration hatten James Veitch & Sons zwei Wagenladungen blühender Pflanzen, Orchideen, Ericaceen, Clematis etc. geliefert. Das Herbarium des verstorbenen Professors K. KoCH ist von dem Minister für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten, Herrn Dr. Lucius, der Kgl. Gärtnerlehranstalt zu Potsdam überwiesen. Al/ies Eichleri Latiche setzte in der Gärtnerlehranstalt zu Potsdam wieder neue Zapfen an. Der Same v m vorigen Jahre ist gekein.t. Der falsche Mehlthau, Peronospora viticola de Bary, der bisher Deutschland verschonte, dagegen in Italien, Frankreich und Oesterreich-Ungarn grosse Verheerungen anrichtete, ist nun- mehr im Elsass und zwar im Kreise '1 hann und im Landkreise Strassburg aufgetreten. Da dieser Pilz überall , wo er sich bis jetzt zeigte , grosse Verheerungen anrichtete und sich mit ganz aussergewöhnlicher Schnelligkeit verbreitete, weit rascher als alle bis hierher bekannten Rebkrankheiten, die Reblaus (Phylloxera vastatrix) inbegriffen, so droht unseren Rebbergen ein schrecklicher Feind, auf den rechtzeitig aufmerksam zu machen, ihn zu bekämpfen und dessen Weiterverbreitung zu verhindern, Pflicht eines Jeden ist. In den angeführten Kreisen wurde die Unterdrückung dieses neuen und so gefährlichen Rebfeindes mit aller Energie in Angriff ge- nommen. Ueber die erzielten Erfolge und etwa weiter aufgefundenen Ansteckungsheerde wird s. Z. Bericht erstattet werden. Brumath ^Unter-Elsass), den 30. August 1882. Die Direction der Kais. Obst- und Gartenbauschule Schule. Denkmal für Alexis Lepere. Dem vor Kurzem in seinem Geburtsort Montreuil bei Paris verstorbenen berühmten Obst-, speziell Pfirsichzüchter Alexis Lepere beabsichtigt man ein Denkmal zu setzen Die Societe nationale et centrale d'horticulture de France fordert alle seine Verehrer im In- und Auslande zu Beiträgen auf. Diese sind u. A. zu richten an Herrn Ch. Joly, Vicepräsident, Rue Boissy d'Anglas 1 1 Paris. In der neuesten Zeit wendet man sich in England wieder den einfachen Dahlien (Georginen) zu. Es werden davon insbesondere niedrige, reichblühende Sämlinge von Dahlia coccinea, alba, Cervantesi und den erst neuerlich eingeführten gracilis vorgezogen. Von der weissblühenden neuesten Sorte Avalanche hat im Herbste ein Beet von einem halb Hundert Pflanzen Aufsehen gemacht, die über und über mit den grossen schneeweissen Scheibenblumen wie übersäet waren. In ihrer Art wirklich prachtvoll ! Hier in Wien hat man noch eine weitere ganz neue Art in Kultur genommen , die Dahlia Merki ,*) die noch zierlicher *) Sollte das dieselbe sein, die Haage & Schmidt, Samenverzeichniss pro 1882, als Zwerg- spezies mit weiss und lila Blühten unter dem Namen Dahlia scapigera bringen? Buche. CQA Verschiedenes. — Correspondenzen. wie D. gracilis ist, aber bisher nur wenig variirende Lilablumen geliefert hat. Die vorgenommene Befruchtung dürfte vielleicht schon im nächsten Jahre neue Abänderungen bringen. Wir machen Blumenfreunde auf Dahlia Merki um so mehr aufmerksam, als sie bei der Aussaat im März und einigem Versetzen den ganzen Herbst über einen reichen Flor liefert, ja sogar im Topfe noch im Winter im Glashause weiter blüht. Buchk. Helleborus (Weilmachtsrose). Wir machen auf die Helleborus-Neuhciten von F. C. Heine- MANN in Erfurt besonders aufmerksam. Es sind : Nr. 6. Willy Schmidt . . . . ä Mk. 0,75 K 7. Albin Otto a 1,50 8. Commerzienrath Benary > 2,00 I. F. C. Heinemann. . . » 2,00 Nr. I. Gretchen Heinemann . a Mk. 1,50 !) 2. Frau Irene Heinemann . » 2,00 i> 3. Apotheker Bogren . . » 1,00 » 4. Hofgart. -Inspect. Hartwig » 2,50 » 5. Prof. Dr. Schleicher . . » 0,75 Diese Sämlinge sind erfolgreiche Resultate von Befruchtungen des //. abschasicus mit H. giittatiis und anderen. Die allgemeinen Vorzüge derselben, den älteren .Sorten gegenüber, be- stehen in schönerer Blüthenform, reicherem Blühen, grösseren Blumen und distincterem leuch- tenderen Farbenspiel. — Es ist jetzt die höchste Zeit, sie zu beziehen. Siebold -Denkmal. In Würzljurg feierte der so rührige unterfränkische Gartenbau -Verein am 7. October sein 25 jähriges Bestehen und fand Tags darauf die Enthüllung des Siebold-Denkmals auf dem Sieboldsplatze unter grosser Feierlichkeit Statt. Wir bringen in der nächsten Nummer einen ausführlichen Bericht darüber. Correspondenzen. Plülodendrou pertusum. Herr Garten-Inspector H. Saldern in Liblar bei Köln schreibt uns: In der » Gartenzeitung« 18S2, S. 419, lese ich, dass in Eisenach ein 14 Jahr altes Philo- dendron pertusiun zum ersten Male blühe. Ich besitze ein lojähriges Exemplar, in einer Ecke des Warmhauses im freien Grunde stehend, welches seit 1878 jährlich im September blüht; dasselbe hatte 1878 nach meinen Notizen 2 Blüthen, 1879: 2; 1880: 3; 1881 : 4 Blüthen; und in diesem Jahre 6 Blüthen, während die Fruchtkolben des vorigen Jahres noch nicht rei^ sind- Während die Blüthen sonst stets fast senkrecht standen, fiel es mir auf, dass die beifolgende, welche ich mir erlaube Ihnen zu übersenden, ein Knie bildete; beim Entfalten der Knospe, resp. Aufblühen derselben, zeigte sich an der Basis derselben ein Appendix! Sollte dieses eine schwache Füllung anzeigen? Eine zweite noch geschlossene Blüthe bildet bereits dasselbe Knie. Ich habe dieses früher nie wahrgenommen. Jetzt blüht noch, ein Exemplar im Topfe mit einer offenen Blüthe und noch 3 Knospen. Die Fichteulaus -Gallen. Herr Hofmarschall von Saint Paul-Illaire in Fischbach schrieb uns unterm 23. Juni er. : »Anbei sende ich Ihnen eine kleine Kollektion der bekannten Anschwellungen der Fichten- triebe, welche durch Chervies coccinais und Cheriiies viridis, dem rothen und grünen Fichten- sauger entstanden sind. Wir leiden in diesem Jahre hier ganz ausserordenthch von diesen Blattläusen. Die kleineren Anschwellungen, von Ch. coccineus, habe ich nur an unserer einheimischen Fichte {^Abics cxcclsä) entdeckt, dagegen die andere Art an den meisten Fichten-Arten, welche ich besitze. Abies alba, Abies ?iigra und nigra titariaiia, Abies orientalis, Abics Engelmanni leiden dar- Correspondenzen. CQe unter, kurz alle diejenigen Arten, welche unzweifelhaft klar ausgeprägte Fichten sind, mit Aus- nahme der japanischen Arten. A/>h's AUockiana, von der ich ein hübsches, fast 2 in holies Exemplar habe, Ahies polita und Abies bkolor (die japanische Form von Abies Mcnzicsii), sowie Abies Sieboldii und Älaxiino- zvitschn sind ganz verschont geblieben. Ebenso die nahe verwandten amerikanischen Arten: Abies Mcnziesii, Abies Sitchensis und Abies pitiigens {^Parryana Hort). An sechs Exemplaren von Abii:s Sitchensis, von etwa Mannes Höhe, habe ich nur einen verkrüppelten Zweig gefunden, den ich auch hier beilege. Die 7.f//^(7-Arten. obgleich dieselben in der Abies Douglasii den Fichten sehr nahe stehen, sind unberührt, wenigstens sind Ab. canadcnsis, 1 suga Sieboldii und Ab. Nookei-iana ganz frei, bei der Douglasii sehe ich einzelne verkrümmte Spitzen, aber ohne Anschwellung der Nadeln, so dass ich eine andere Ursache annehme, die ich noch nicht entdeckt habe. Ich würde dankbar sein, wenn Sie diese Beobachtungen unsern verehrten Vereinsgenossen mittheilen wollten und mit meinem freundlichen Grusse darüber befragen, ob dort ähnliche Er- fahrungen vorliegen und vor Allem, ob einer oder der andere der Herren Erfahrung darüber hat, ob es geboten ist, die kranken Zweige, welche sich in meinen Anlagen wohl auf Tausende belaufen, abzuschneiden, oder ob man darauf rechnen kann, dass das Uebel von selbst ver- schwindet Auch die Ulmen, besonders Ulimis piirpiirea leiden sehr von Schizoneura lanuc'-inosa. Was ist hiergegen zu thun? Auch bei uns sind die F'ichtengallläuse dieses Jahr reichlich vorhanden. Grossen Schaden thun sie nicht; Abschneiden der Triebe ist das Beste, aber zu umständlich. Die Red. 1. Vor circa lo Jahren erfror in meiner Baumschule die Krone eines Stammes mit der 7 far- bigen Bergamotte, »Schweizerhose» genannt, so, dass ich dieselbe abschnitt und den Stamm mit einer neuern Sorte aus Belgien, »Prinzess Charlotte cf, veredelte. Nachdem der Baum bereits dreimal Frucht gebracht, entwickelte sich im vorigen Jahr unterhalb der Krone ein unverkenn- barer Trieb der Schweizerhose», der noch freudig fortwächst. — (Vielleicht war der Baum unten veredelt ! Die Red.) Die obe'-schlesischen Obstgärten haben seit dem strengen Winter 1S79 — So furchtbar gelitten und alljährlich fallen tausende Obstbäume, nachdem ein Ast nach dem andern vertrocknet, zum C)pfer. Für Oberschlesien, »dem Lande der jähen Witterungssprünge», muss eine ganz andere Obst- erziehungs-AIethode zur Anwendung kommen, wenn überhaupt noch 01:)Stbau betrieben werden soll. Ich will mich bestreben dieser Idee näher zu treten. 2. In meinem Garten zeigten sich dies ]ahr bei LiliiiDi biilbiferuni vier monströse Blüthen- stengel, deren einer 58, die andern 40, 35 und 30 Blumen zählten, alle sich aber gut entwickelt hatten, die Stengel waren an 3" breit. 3. Eine prächtige, weisse, gefüllte Rankenrose am Spalier brachte an 1000 Blumen, auf manchem Stengel, resp. Zweig, an 30 Knospen. Nach Zeitungsberichten aus Schlesien soll der Rosenflor an einzelnen Exemplaren noch viel reichlicher gewesen sein. Einen besonderen Vorzug haben jetzt die allgemein in Stadt und Land beliebten Remon- tant-Hochstammrosen. Selbst eine wurzelechte Centifolie sah ich in meiner Heimath Piltsch bei Troppau, mindestens 20 Fuss hoch gezogen, mit hunderten von Rosen, welche die ganze Giebel- wand bedeckten. So soll eine freistehende Trauerrose in Schloss Ratibor in diesem Jahre an 3000 Rosen gebracht haben. In meinem Garten existirt die sogenannte »Rose ohne Dornen», welch letztere sich nur unter der Mittelrippe der Blätter befinden. Die Rosen sind äusserst schön und von feinem Geruch. iQß Literatur. 4. Es dürfte vielleicht unbekannt sein, dass die Zweige der Escholtzia, wenn man deren Ende zerdrückt und daran riecht, den penetranten Geruch der Schwefelsäure von sich geben. 5. Als Freund der Botanik fand ich vor Kur/.em in einem Walde hellgrüne Exemplare jedenfalls von Osiminda niatricaria oder Botrychiiiiu AI. nach ScHNEK., die nach Dr. Garckk's Handbuch hier existiren soll und sich nicht allein ;ils Zierde, sondern auch als Dekorations- pflanze, 9" hoch, für Zimmer und Garten eignet. So fand ich auch die seltene 6" hohe azurblau-blühende Veronka prostrata, eine wunder- schöne Gartenpflanze — in hiesigen Gegenden im P'reien. Dieselbe in Verbindung mit der 6' hohen citrongelben Mentha crispa als Doppeleinfassung der Blumenparticen giebt eine herrliche Dekoration. J. Oi'Pi.ER, Vereins-Sekretair, Ratibor. Literatur. Deutsclier Garten-Kalender. Zehnter Jahrgang. 1883. Herausgegeben unter Mitwirkung des Deutschen Gärtner-Verbandes in Erfurt. Berlin. Verlag von Paul Parey. kl. 8. geb. 2 Mk. Der »Deutsche Gartenkalender« hat mit vorliegendem Jahrgange das erste Decennium seiner Lautbahn erreicht. Er ist der einzige seiner deutschen Brüder, der das von sich sagen kann, und er verdankt seine Lebensfähigkeit, seine so enorm steigende Verbreitung (die vorige Auf- lage war bereits zu Beginn 1882 vergrifl"en) der praktischen Einrichtung des Ganzen, den vielen Tabellen etc. Neu hinzugekommen ist diesmal u. A. ein Aufsatz über Rasenanlagen von Geitner und ein Insektenkalender. — Das Verzeichniss der Gartenbau -Vereine etc. ist unter Mitwirkung des Deutschen Gärtner -Verbandes aufgestellt und darf auf grosse Genauigkeit Anspruch machen. Schmidliu's Anleitung zum Botanisiren und zur Anlegung von Pflanzensammlungen. 3. Auflage, YoUständig neu bearbeitet von Dr. Otto Wünsche, Oberlehrer am Gymnasium zu Zwickau. Berlin, Paul Parey. 1884. 8. 358 S. mit 245 Holzschnitten. Vorliegendes Werk ist vorzüglich für Anfänger geschrieben, die sich in das schöne Reich der Flora einführen lassen wollen. Die Pflanzen werden im ersten Theile eingetheilt in Wasser- pflanzen, Gräser und grasähnliche Gewächse, Kräuter und Stauden, Bäume und Sträucher. Im zweiten Theile folgt dann die analytische Anordnung in der bewährten, vom Herausgeber schon in seinen vortrefflichen Excursionsfloren angenommenen (CuRiE'schen) dichotomen Art, wobei aber Eichler's System zu Grunde gelegt ist. Sonderbarer Weise hat der Bearbeiter immer den deutschen Namen vor den lateinischen gesetzt und ersteren überhaupt sehr bevorzugt. Was nützt aber dem Anfänger das Wort Ramsei (S. 81) anstatt Polygala, Spatzenzunge statt Thy- nielaea, Ottig statt Eupatorium; es ist besser, er wird gleich mehr auf den lateinischen Namen hingewiesen und verwendet nicht zu viel Mühe auf das Behalten der deutschen, die oft in jeder Provinz wechseln. — Im Uebrigen wird das Buch seinen Zweck recht gut erfüllen, denn die Charaktere sind scharf und präcis einander gegenüber gestellt. — Wünschenswerth wäre ein ausführlicheres Register gewesen. L. W. Kümpler, TI1.5 Die schönblühenden Zwiebelgewächse, ihre Kultur im Garten, Ge- wächshaus und Zimmer. Berlin, Paul Parey. 1882. 8. 460 S. und 152 Holzschnitten. Preis 10 Mark. Gerade zu rechter Zeit ist ein Buch erschienen, das in der That »einem lang gefühlten Bedürfnisse abhilft.« Der Verfasser hebt mit Recht hervor, dass die so lange vernachlässigte Blumenzwiebelzucht jetzt wieder mehr in Aufnahme komme, und dass man neben Hyacinthen, Maiglöckchen, Tulpen, Crocus, Narzissen und wenigen Lilien auch wieder anfange, andere sel- tenere Arten zu ziehen. — Nach einer Einleitung, in welcher Keimung, Wuchs und Samen- bildung besprochen und durch hübsche Illustrationen erläutert werden, folgt die genaue syste- matische Besprechung der Liliaccae oder echten Lilien und Verwandten, dann der Iridaccae und Literatur. -„_ endlich der Amaryllidaceae , die wir übrigens gleich hinter die Liliaceae gestellt haben würden. Ausführlich sind selbstverständlich die Hyacinthen behandelt, auch gedenkt der Verfasser bereits des neu entdeckten Aelchens, Tylenchus (Anguillula) hyacinthi, welches nach Prillieux die Ursache der Ringelkrankheit sein soll; ferner giebt er ein Verzeichniss der besten Sorten, auch speziell der auf Wasser zu treibenden, erinnert bei Iris germaiiiai daran, dass dies nach MOKRKX wahrscheinlich die Lilie der Bourbonen sei und flechtet ülierliaupt (ifter inter- Fig. 114. Schizostylis coccinea. Fig- 115- Liliuni longißorunt var. Harrisii. essante historische Details ein. Endlich ist eine sehr zweckmässige Uebersicht über die Zeit des Ankaufs der verschiedenen Zwiebelgewächse gegeben. — Als Illustrationsprobe geben wir noch ein Bild der im Octoberheft S. 461 besprochenen Schizostylis coccmea, ferner eine Abbildung der neuen Einführung Lilhim longifloniin var. Harrisii, die u. A. Hr. Plumpe in Berhn SW., Oranienstrasse 108, in Commission hat, und die auch in hübscher Weise als Titel -Vignette gewählt ist. — Nach S. 336 könnte es scheinen, als wenn die Iridaceae, im 5o8 Literatur. — Interessante blühende Pflanzen. Gegensatz zu den Aniaryllidaceac, ein unterständiges Perigon hätten, während der Verfasser S 238 mit Recht den Iridaccen ein oberständiges beilegt. L. W. Wolllfartll, R. , Die Pflnnzen des Deutschen Reichs, Deutsch-Oesterreichs und der Schweiz. Nach der analytischen Methode zum Gebrauch auf Excursionen, in Schulen und beim Selbst- unterricht. Berlin, NicOLAi'sche Verlagshandlung. 1881. 8 78S S. Während Gakcke's treffliche »Flora von Deutschland» nur die bayerischen Alpen mit lie- handelt, erstieckt sich obige bis auf die Schweiz, Tirol etc., und Referent, der sie auf seiner diesjährigen Schweizer Reise benutzte, kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Wohlfahrt's Flora sich den besten ihrer x\rt an die Seite stellt. Sie ist eigentlich für Autodidakten bestimmt und befolgt das richtige pädagogische Prinzip: »Vom Einfachen zum Zusammengesetzten!« Erst die Art um! Gattung kennen lernen, dann erst aus der Menge von Gattungen die Familie aufbauen! Leider werden die Familien-Charaktere aber gar nicht gegeben, ein Fehler, der sich übrigens in vielen Floren findet, während gerade doch eine Flora, die oft zugleich als Lehr- buch der Systematik dienen muss, leicht kurze Familien- (auch Gattungs-) Diagnosen noch auf- nehmen könnte Die analytische Methode ist meisterhaft durchgeführt und so der alte CuRIK recht wieder zu Ehren gel)racht. Die Charaktere der einzelnen Arten sind behufs richtiger Er- kennung sehr genau beschrieben und daher erklärt sich der grosse Umfang des Werkes. Auch viele kultivirte Pflanzen sind aufgenommen, die wildwachsenden alle. — Wir empfehlen das Buch Anfängern sowohl wie Geübteren angelegentlichst. L. W. Billbergia ligulata Lindl. Nidularium Laurentianum. Crinum spec. Theusch. 1881. Tournefortia heliotropioides. Heterocentron subtriplinervum. Odontoglossum grande Lindl. Sigmatostalix radicans. Stapelia Desmetiana. » Asterias. Interessante blühende Pflanzen. 1. Im Königlichen Botanischen Garten zu Berlin. Ende September 1882. Mitgetheilt von W. Perring. Erica assurgens. Rochea falcata gigantea. » » floribunda. » Boweana. » bucciniformis. » cerinthoides. B cupressina. j> concolor. » cruenta exerta. » Limanniana. j> mammosa coccinea. » » pallida. » verticillata vera. Struthiola lineariloba Meiss. 2. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Ende September 1882. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Beloperone violacea, violett, recht dankbar. Begonia, sämmtliche in den beiden letzten Verzeichnissen erwähnten stehen noch in vollem Flor. Curcuma Roscoeana, gelbe Blume in schar- lachrothen Bracteen stehend, hübsche inter- essante Pflanze. Cattleya Leopoldi. Restrepia antennifera Zygopetalum Makayi » maxillare. Alloplectus vittatus, gelblich. Angelonia grandiflora, lila, hübsch. Anthurium Andreanum, bekannte Neuheit Interessante blühende Pflanzen. 509 Evanthemum laxiflorum, violett. Hibiscus rosa sinenrüs Colleri 1 dicht ge- !> " » fl. luteo pl. |fiillt,gelb. » u » vivicans, gefüllt, dun- kelkarmin, prächtig! Hibiscus rosa sinensis zebriniis, gefüllt, trüb Scharlach mit gelben Streifen. » s Dennisoni, mattrosa. Naegelia, in zahlreichen Al)arten in weiss, gelb und rotli. Passiflora princeps coccinea, Scharlach. Abelia unifiora, wcisslich. Calceolaria fuchsiaefolia, gelb. Chironia glutinosa, karmoisin. Crowea saligna, rosenroth. ■ Datura Knighti fl. pl., weiss gefüllt und andere. Fuchsia serratifolia multiflora, hellscharlach. x i> » Charles Darwin, feurig scharl. Fuchsii serratifolia multifl. H. Lecocq, scharl. » Mellezi, Scharlach, kleinblumig, sehr zierlich. j> syringaeflora hybr., karmoisin, klein- blumig, sehr zierend. Linum trigynum, gelb, grossblumig. Myoporum parviflorum, weisslich. Phoenocoma prolifera, r th. Rochea falcata, feurig Scharlach. Salvia involucrata Betheli, karmoisin » janthina, lila. » obtusa, blutroth, sehr kleinblumig. 2 splendens alba, weiss. i> i) Bruanti, zinnober » » Issanchon, rosenweiss, Kelch gelb und roth. » » nana, zinnober. Vallota purpurea, Scharlach, feurig. Witsenia corymbosa, hinmielblau. Einige neuere, durch späte Blüthe werthvolle Gehölze: A) Schon längere Zeit blühend: Clematis coccinea, Kelch Scharlach, die Blumen öffnen sich fast gar nicht, so dass sie aus- sehen wie kleine, rothe, längliche Kügelchen. Cytisus sessilifolius leucanthus 1 Hypericum uralum I siehe voriges Incarvillea Koopmanni ( Verzeichniss. Indigofera Dosua ) B) Erst jetzt in Blüthe tretend: Berberidopsis corallina, Blumen trübscharlach, hängend; schöner Strauch, aber sehr em- pfindlich. Desmodium penduliflorum, (Oudem.) röthlicli- violett, äusserst reichblühend und sehr zu empfehlen. Nicht identisch mit Les- pedeza bicolor, (Turcz.) wie neulich in einem bekannten Fachblatt irrthümhch angegeben wurde. Ligustrum Quihoui 1 weiss , letzterer 2 rosmarinifolium j sehr zierlich und zur Topfkultur sehr zu empfehlen. Dürfte im Topf gezogen für Handelsgärtner sehr werthvoll sein. Sehr angenehm überrascht wurden wu- gestern, (l. October), durch die Wahrnehmung, dass eine Sciatopitys verticillata sich zum Blühen rüstet. Das betreffende Exemplar ist 2,30 m hoch und tadellos pyramidal gewachsen, steht in schwerem, feuchtem Boden, und hat ganz unbeschützt die kältesten Winter gut überstanden. Mittheilungen, ob und wo in Deutschland Sciatapitys verticillata schon geblüht, resp. Samen getragen hat, wären sehr willkommen. Gartenbau- Ausstellungen. Liegnitz. Schlesische Gartenbau-Ausstellung im August -September 1883. Programme bei Hrn. WiLH. JuL. Knebel, Liegnitz. Oent. Grosse (internationale) Gartenbau-Ausstellung im April 1883, verbunden nnt einem inter- nationalen Congress der Handelsgärtner. Berlin. Grosse gemeinsame Ausstellung 15. — 23. April 1883. Programme bei Hrn. Oek.- Rath Späth, Berlin SO., Köpnickerstrasse 154. Internationale Garteubau-Ausstellung und Congress von Botanikern und Gärtnern, im Frühling 1883 zu St. Petersburg. (17.- 28. Mai n. St.) Die unter dem hohen Protectorat Sr. Kaiserlichen Hoheit des Grossfürsten NiKOl.Al NiKO- LAJEWITSCH des Aelteren stehende Kaiserliche Russische Gartenbau-Gesellschaft in St. Petersburg veranstaltet vom 5./17. bis zum 16./28. Mai 18S3, zur Feier ihres 25jährigen Stiftungsfestes, eine Internationale Gartenbau-Ausstellung und einen Congress von Botanikern, Gärtnern und Garten- freunden. Sio Amtliche Bekanntmachungen. Die speziellen Programme über die Aiisstellungs-Gegenstände und für den Congress, die Einladungen zur Theilnahme am Preisgerichte, die Mittheilungen über Transport- und Reise- Erleichterungen etc., werden künftigen Herbst verthcilt. Die vorberathende Kommission ladet hierdurch zur aligemeinen Theilnahme ein und bittet alle diejenigen, welche sich zu betheiligen gedenken, dem Vice-Präsidenten der Gesellschaft Dr. E. Regel (im Kaiserlichen Botanischen Garten) anzeigen zu wollen, ob sie als Exponenten, oder als Mitglieder des Congresses oder in beiden Richtungen Theil zu nehmen wünschen. Die Herren Exponenten von Gewächshaus- pflanzen bitten wir um vorläufige Mitttheilung, was sie ungefähr ausstellen wollen und die Herren Theilnehmer am Congress wollen gütigst bemerken , ob sie einen Vortrag zu halten gedenken Als offizielle Sprache des Congresses gilt die Französische, jedoch bleibt es jedem Referenten vorbehalten , sich seiner Muttersprache zu bedienen. Für jeden Vortrag werden 20 bis 30 Minuten bestimmt. 13 i e vorberathende C o m m i s s i o n : N. V. IUranoff. H. Eilers. E. Ender, G. Grünerwald. C. I. v. Maxlmowicz. K. V. Mercklin. E. V. Regel. A. Rochel. P. v. Tatarinoff. P. v. Usi>ensky. NB. Wir machen auf die Wichtigkeit dieser Ausstellung für den deutschen Handel ganz besonders aufmerksam. D. Red. Amtliclie Bekanntmacliungen. Dem Vorstände lasse ich in der Anlage Abschrift einer Uebersetzung der von dem Präsidenten der französischen Republik in Ausführung der inter- nationalen Reblaus -Konvention unterm 28. v. Mts. erlassenen Verordnung zur Kenntnissnahme ergebenst zugehen. Der Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. In Vertretung: Marcard. An den Vorstand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten, z. H. des Königlichen Wirklichen Geheimen Raths, Herrn Dr. Sulzer Excellenz. Hierselbst. Margarethenstr. 7. Uebersetzung. Auf die Berichte der Minister für Landwirthschaft und der Finanzen ver- ordnet der Präsident der Französischen Republik im Hinblick auf die Verordnung vom 15. Mai 1882, welche die neuen Bestimmungen der Berner Konvention in Frankreich einführt, sowie im Hinblick auf den Art. 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1836, was folgt: Art. I. Pflanzen und sonstige Erzeugnisse von Pflanzschulen, Gärten, Ge- wächshäusern und Orangerien, welche vom Auslande kommen, dürfen nach Frankreich nur durch folgende Zollämter eingeführt werden: Dunkerque, Gravelines, Calais, Boulogne, Saint-Valery sur Somme, Abbeville, Dieppe, Fecamj), le Havre, Ronen, Honfleur, Caen, Cherbourg, Granville, Saint-Malo, Saint-Servan, le Legue, Roseoff, Moiiaix, Brest, Lorient, Vannes, Saint-Nazaire, Nantes, la Rochelle, Rochefort, Bordeaux, Bayonne, Hendaye, Cerbere, Port-Vendres, Agde, Cette, Arles, Marseille, Toulon, Nice, Menton, Vintimille, Modane, Bellegarde, les Hopitaux- Neufs (Jougue;, Pontarlier, les Verrieres-de-Joux, le Villiers, Delle, Petit- Croix, Beifort, Saint-Die, Avricourt, Nancy, Moncel, Pagny-sur-Moselle, Batilly, Audun-le-Roman, Mont-Saint-Martin, Longwy, Ecouviez, Givet, Amtliche Bekanntmachungen. * e j j Vireux, Molhain, Anor, Jeiimont, Feignies, Blanc-Misseron, Valenciennes, Vieux-Conde, Maulde, Rumegies, Baisieux, Lille, Tourcoing Comines, Houplines, Armentieres, Godewaersvelde, Ghyvelde. Art. 2. Die Einführung der im Art. i gedachten Erzeugnisse in das Ge- biet der Französischen Republik durch die vorerwähnten Zollämter wird nur ge- stattet, wenn die genannten Gegenstände sorgfältig, aber dergestalt verpackt werden, dass sie die nothwendigen Untersuchungen gestatten, und sofern ihnen eine Erklärung des Absenders, sowie eine Bescheinigung der zuständigen Behörde des Ursprungslandes beigegeben ist, woraus hervorgeht: 1. dass sie von einer Bodenfläche (einer offenen oder umfriedigten Pflanzung) stammen, die von jedem Weinstock durch einen Zwischenraum von wenigstens 20 Metern oder durch ein Hinderniss getrennt ist, welches nach dem Urtheil der zuständigen Behörde ein Zusammentreffen der Wurzeln ausschliesst, 2. dass jene Bodenfläche keinen Weinstock hält, 3. dass auf derselben keine Niederlage von Reben sich befindet; 4. dass, wenn auf derselben von der Reblaus befallenen Weinstöcke sich befunden haben, eine gänzliche Ausrottung der letzteren, ferner wieder- holte Desinfectionen und 3 Jahre lang Untersuchungen stattgefunden haben, welche die vollständige Vernichtung des Insects und der Wurzeln verbürgen. Art. 3. Die bei Uebertretung vorstehenden xArtikcls angehaltene Objecte werden mit dem Verpackungsmaterial sofort an Ort und Stelle durch Feuer ver- nichtet und die Zuwiderhandelnden den Gesetzen gemäss verfolgt. Art. 4. Die Minister für Landwirthschaft und der Finanzen sind, und zwar jeder, soweit es ihn betriff't, mit der Ausführung dieser Verordnung beauftragt. Gegebeir Paris den 28. August 1882. Jules GRiivv. Cliambre Syndlcale des Horticulteiirs Beiges, tiaiid. B e s c h 1 u s s : Um den Vertretern der Gartenbau-Industrie aller Länder zur ^Erweiterung gegenseitiger Geschäftsverbindungen, sowie zur Berathung gemeinschaftlicher Interessen Gelegenheit zu geben, soll im April 1883 in Gent eine internationale Versammlung von Handelsgärtnern gehalten werden. Die Veröffentlichung des Programms erfolgt später. Diese Versammlung wird mit jener grossen internationalen Gartenbau-Aus- stellung zusammenfallen, wie solche nur von fünf zu fünf Jahren durch die »Societe Royale d'Agriculture et de Botanique» in Gent organisirt werden. Zu Ehren der Congress-Mitglieder werden grössere F'estlichkeiten stattfinden. (Auszug aus dem Register über die Berathungen des »Chambre Syndicale des Horti- culteurs Beiges«!: zu Gent. July 1882.) Personalnachrichten. Der Direktor des pomologischen Institutes zu Proskau, G. Stoi.L, ist zum Kgl. Oeknnomie- rath ernannt. Der Obergärtner Carl Kkamkr, früher längere Zeit in Japan, Bruder des Obergärtners F. Kramer zu Flotbeck, starb am 8. October d. J. plötzlich am Gehirnschlage zu St. Gilles bei Lüttich, wo er den Garten des Hrn. von Massange leitete. 512 Sprechsaal. In Graz starb am 17. August Franz X. Mattern, ein hochverdienter Gärtner. In Braunschweig starl) am 25. August der Inspektor des botanischen Gartens Carl E.MIL BouCHK, geboren am 21. December 1821. Am 12. Juli starb Aug. Friepr. Her.m. Ojii.endorif, der bekannte Besitzer der Baum- schulen in Hamm bei Hamburg. Sprechsaal. Antwort auf I'rage 30. Ich erlaube mir Ihnen einige Köpfe des Italienischen Blumen- kohls betreffs der l'"rage Nr. 30 im September-Heft der »Garten-Zeitung« zur Begutachtung zu übersenden. Beifolgende Köpfe sind mittlere Durchschnittsproben und habe schon solche im Durchmesser von 1 Fuss und darüber geschnitten, dieses sind jedoch Ausnahmen. Nach meinen Erfahrungen eignet sich diese Sorte nächst dem Erfurter Zwerg besser als jede andere Sorte für den Anbau im Grossen, und baue ich dieselbe seit ca. 5 Jahren unter gleichen Verhält- nissen wie Weiss- und Rothkohl etc., und habe nicht so viel Misswachs (in diesem Jahre fast Null), wie dieses mitunter bei trockener Zeit bei dem Erfurter der Fall ist. Der einzige Uebel- stand, welchen ich daran finde, ist der, dass er das Zubinden nicht gut verträgt, man daher nicht immer Köpfe von der gewünschten Weisse erhält. Dieses hat seinen Grund nun wohl darin, dass die Ernte in einer Zeit beginnt (ich schneide seit ca. 3 Wochen), wo trübere Tage mit öfteren Regenschauern sich einstellen, und die Fäulniss alsdann leichter eintritt. In diesem Jahre mache ich den Versuch, neben dem Erfurter auch Pflanzen von dieser Sorte zu durch- wintern; sollte dieses glücken, dann verspreche ich mir eine gute Ernte, und werde mir alsdann erlauben, wenn angenehm , Ew. Wohlgeboren hierüber Mittheilung zu machen und zeichne Erichshof bei Linden, Hannover, Ende September. W. Müller, Obergärtner. Auch von Herrn NEUKIRCH-Fankow, LUBATSCH-Zossen, DRAWIEL-Lichtenberg etc., sind sehr gute Erfahrungen mit italienischem Riesenblumenkohl, dessen Samen der Verein von Dammann & Co in Portici bei Neapel erhalten hatte, gemacht worden. Herr Lubatsch erzielte Köpfe von 40 cm Durchmesser. Die Red. Frage 33. A. K. in C. Da ich mir eine Zapfensammlung anlegen will, so möchte ich Sie freundlichst ersuchen, mir einige Rathschläge zu geben, wie ich dieselben am besten prä- parire, damit die Schuppen und Samen nicht abfallen. Antwort: Am besten erhalten sich die Zapfen in Spiritus. Ziehen Sie aber trockene Auf- bewahrung vor, so empfiehlt es sich, sie mit starken Zwirnsfäden oder ganz dünnem Draht (Blumendraht) netzartig zu umflechten und dann auf schwarzen hölzernen Untersätzen zu befestigen. Eine Dame wird solche »Filet« -Arbeit am besten ausführen. Frage 34. W. bei C. In Gärtnereien, Parks u. s w. finden sich oft schöne, üppige Pflanzen etc., von denen man gern eine Abbildung haben möchte. — Existirt eine kurz, aber für Dilettanten verständlich geschriebene Anleitung zum Anfertigen von Photographien schöner Gewächse, Gartenscenerien etc.? V>'o und zu welchem Preise sind zu solchen photographischen Aufnahmen geeignete Apparate zu kaufen? Antwort. Ich erkenne die Frage als eine durchaus berechtigte an, um so mehr, als Portraitphotographen sich mit gärtnerischen Aufgaben nur selten beschäftigen und neuerdings durch den grossartigen Unischwung, welchen die Photographie durch Einführung der Gelatin- Trockenplatten erfahren hat, die Ausübung der Lichtbildnerei dem Dilettanten sehr erleichtert wird. In der That wächst deren Zahl unter den Naturforschern von Tag zu Tag. Was nun aber die Beantwortung der P'rage in Bezug auf Apparate etc. etc. anbetrifft, so würde diese in einem Briefkasten zu weit führen, da immer noch eine ziemliche Zahl von z. Th. nicht ganz billigen Utensilien zum Photographiren erforderlich smd. Glücklicherweise haben wir dafür aber Literatur, und dürfte dem Fragesteller mit dem Hinweis auf nachstehendes, eben erschienenes Buch am Besten gedient sein : Hermann W. Vogel, Dr. phil., Prof. d. Photogr. u. Photochem. a. d. K. Techn. Hochschule zu Berlin: »Die Fortschritte der Photographie seit dem Jahre 1879.« Eingehende Beschreibung der hervorragendsten auf photogr. u. photochem. Gebiete im Laufe der letzten 4 Jahre gemachten Erfahrungen. Zugleich Supplement zu des Verf. Lehrbuch der Photogr. III. Aufl., nebst einem Anhange: »Photographie für Amateure«. Mit 56 Holzschnitten, gr. 8. Preis Mk. 4,50. — Wird gegen Einzahlung des Betrages postfrei versandt vom Ver- leger Robert Oitenheim, 25 Matthäikirchstrasse, Berlin W. Prof. H. W. Vogel. Berichtig'UUlf. Unsere Behauptung in der October-Nummer der »Garten-Zeitung« S. 462, dass nicht einmal die Firma Haage & Schmidt in Erfurt Erd-Orchideen besitze, wird durch ihr Verzeichniss von Blumenzwiebeln, KnoUerigewächsen etc. widerlegt, das 68 Arten und mehrere Varietäten dieser von uns zur Kultur im Garten empfohlenen Pflanzenfamilie offerirt. O. H. Anzeigen. Gesucht t 20,000 SÖSSH 20,000 Portofreie Offerten nebst Preis -Angabe unter Chiffre F. S. 42 bef. die Exp. d. Bl. 42 (Vi) Ein tüchtiger tlärtliei', in allen Branchen der Gärtnerei, sowie im Planzeichnen und Feld- messen erfahren, der seit vielen Jahren eine grosse Gärtnerei selbstständig leitete und zu seiner Aus- bildung längere Zeit im Auslande conditionirte, sucht, gestützt auf gute Zeugnisse, sofort oder bis I Januar 1883 als Obergärtner bei hohen Herrschaften anderweitige Stellung. 41 (Yi) Gefl. Briefe unter K. 41 bef. d. Exp. d Bl. aller Gattungen. Auf allen Ausstellungen mit den ersten Preisen gel«-önt. Katalog mit Kultur- anweisung steht frei zu Diensten. Empfehle mich zu Blumen- Arraiigciiieiits und Pllaiizeu-Decoratioiieil zu jedem Zweck. ! Permanente IJlunicn-Ausslellung bei freiem Entree I Berlin, Hasenhaide, Haltestelle d. Pferdebahn. 43 (-/i) "^J^^T". "^^T^T'em.d.t. Verlag von PAUL PAREY in Berlin SW., 91 Zimmerstrasse, Deutscher Gartenkalender. ZEHNTER JAHRGANG i883. H Herausgegeben unter Mitwirkung des Deutschen Gärtner-Verbandes in Erfurt. -(s^issMMii^^^ Ausgabe mit einer halben Seite weiss Papier pro Tag. In Calico geb. 2 , //. Ausgabe mit einer ganzen Seite weiss Papier pro Tag. In Leder geb. 3 Jl. Der Deutsche Gartenkalender ist in allen Gauen Deutschlands mit einer Sympathie begrüsst worden, welche jede Erwartung übertraf und als ein voll- gültiges Zeugniss dafür gelten darf, dass seine Begründung aus der Seele der deutschen Gärtner- und Gartenfreunde geschah und im Wesentlichen ihre Wünsche betreffs der Einrichtung eines solchen Kalenders richtig erkannt waren. Unsern Dank glauben \\'ir am besten dadurch zu beweisen, dass wir diesen ausserordentlichen Erfolg uns nur einen Sporn sein lassen, auf jeden Wunsch, jeden Rathschlag der Männer der Praxis genau zu achten und den Kalender immer grösserer Vollkommenheit und Brauchbarkeit entgegen zu führen. 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Pollenkörner; 5. Scheitel des Fruchtknotens, Querschnitt, mit den 3 Oeffnungen für den Nektar (//); 6. Fruchtknoten in der Mitte, Quer- schnitt; 7. der mittlere Theil der Fig. 6 stärker vergrössert, n die 3 Nektariengänge in den den Scheidewänden, g die Gefässbündel. Schuppe verbreitert (Fig. 116, l— 3). Staubbeutel anfangs gerade, 4eckig-lineal, nach dem Auf- springen gebogen, auf dem Rücken, in einem Drittel der Höhe befestigt, daher leicht beweglich, Basis ausgerandet, 2 lappig, Fruchtknoten unterständig, vom Blüthenstiel abgegliedert, 3 eckg, 3 fächerig, Ovula anatrop, in jedem Fache zahlreich, 2 reihig, horizontal (Fig. 116, 6). Griffel fadenförmig stielrund in gleicher Richtung wie die Staubfäden gebogen. Narbe 3 lappig, Lappen zurückgebogen. Kapsel . . . . ? Zwiebelgewächse mit scheidiger Zwiebel und iblüthigem Schaft. Blätter erst nach der Blüthe erscheinend, selten gleichzeitig, riemenförmig-lineal. Schaft zweischneidig -rundlich, hohl, Garten-Zeitung 18S2. 34 cj^ L. Wittmack: Sprekelia glauca Lind). Blüthe gestielt, abwärts gebogen, an der Basis von einer einblätterigen schlauchartigen Scheide umgeben, die oft in zwei Spitzen endigt, vorn aber bis zur Mitte gespalten ist und hier ein feines, lineal-pfriemenförmiges Deckblatt einschliesst (Fig. II 6, i). Wird oft nur als Untergattung von Amaryllis betrachtet; letztere unterscheidet sich aber dadurch, dass die Staubgefässe dem Schlünde eingefügt sind und die Blüthe unregelmässig ist. Species-Charakter: Schaft iblüthig, Blätter nach der Blüthe erscheinend, lineal, glatt, mehr oder weniger graugrün. Perigon nickend, spreizend, Röhre der Unterlippe gewimpert, kurz; Blüthcnblätter blass scharlachroth, mit einer weisslichen Mittellinie, die zwei äusseren seit- lichen etwas zusammengebogen, von der Länge der inneren, an der Spitze etwas zurück- gekrümmten. — Mexiko. Lindley in Bot. Reg. 1840 misc. Nr. 104, 1841 t. 16. Roem. Amar. 143. KuNTH Enumer. Plant. V, 50S. Pollen länglich rund, gross, 0,128 mm lang, 0,072 mm breit. Sprekelia glmica ist Aqx \\€\\.h^<.7\Xi\\\.&cQ\\ Sp. fonnossisshna, der Jacobs- lilie, sehr ähnlich, unterscheidet sich aber von ihr namentlich durch die kleineren, etwas blasseren und mit einer weisslichen Mittellinie versehenen Blüthenblätter. Sie ist streng genommen weniger schön als die granat- rothe 5. fornwssissima, aber dennoch verdient sie mehr Beachtung, als ihr bis jetzt zu Theil geworden, denn weil sie in allen Stücken kleiner ist, so eignet sie sich besser zur Bouquetblume, als ihre etwas riesengrosse Ver- wandte. Sie blühte im März und April 1882 sehr schön im Borsig'schen Garten (Gartenbau -Direktor Gaerdt, Berlin), sowie bei Herrn Carl Mathieu, Charlottenburg und verdanken wir beiden Herren das Material zu unserer Abbildung. Interessant sind hier wie bei allen Amaryllidaceen die Honigbehälter. Diese liegen, wie Ad. Brogniart*) zuerst nachgewiesen, in den dicken Scheidewänden des Fruchtknotens, wo sie etwas geschlängelte Gänge bilden, die mit kurzen, Honig absondernden Papillen besetzt sind. Sie münden mittelst drei kleiner Poren am Scheitel des Fruchtknotens nach aussen (Fig. 116, 5). Sehr leicht erkennt man diese Poren mit blossem Auge, wenn man einen dünnen Querschnitt an der Spitze des Fruchtknotens auf einem Objektträger (Glasplatte) etwas eintrocknen lässt. Der Honig wird in so grosser Menge abgesondert, dass die Rinne der Unterlippe ganz damit an- gefüllt ist. — Sehr schön sieht man auch zur Zeit der vollen Blüthe die Narbe mit einer klebrigen Flüssigkeit bedeckt, der sogenannten Narben- feuchtigkeit, die von den Narben-Haaren (Papillen) abgeschieden wird und dazu bestimmt ist, die Pollenkörner fest zu kleben. Die schuppenartigen Flügel an der Basis der Staubfäden werden ge- wöhnlich als Schuppen, die zwischen den Staubfäden stehen, bezeichnet; sie sind aber ihnen angewachsen und verschmälern sich nach oben in einen feinen Rand. Man könnte sie als Andeutung einer Nebenkrone ansehen, die ihre höchste Entwickelung bei der Narcisse zeigt, obwohl man bei dieser nicht geneigt ist, die Nebenkrone als aus Staubfäden hervorgegangen zu betrachten (Vgl. z. B. ElCllLER, Blüthen-Diagramme I, 157.) Auf unserer Tafel ist der Blüthenschaft von der Zwiebel getrennt zu denken, da die Laub- blätter erst nach der Blüthe erscheinen. *) Annales d. sc. nat. 4. ser. bot. II C1854) pag. 5. •XI SpreMia glaiica LiMl. L. Wittmack: Die 2. nationale Ausstelluno; zu Turin. 515 Die 2. nationale Ausstellung des Verbandes italieni- scher Gartenbauvereine in Turin vom 8. — 17. September 1882. Von L. Wittmack. (Schluss.) III. Gruppe: Gewächshauspflanzen. '"^i^^ie schon eingangs erwähnt, bildeten unter den Gewächsen die Blatt- pflanzen das Hauptcontingent, was ja auch auf einer Herbst-Ausstellung natür- lich. Unmöglich ist es, alle die schönen Palmen, Cycadeen, Pandaneen, Aroideen, Musaceen, Neuholländer, Cappflanzen etc. zu nennen, die meist im Freien unter einem überdachten Schuppen Aufstellung erhalten. Wir wollen nur die Haupt- matadore nennen: Gebr. Marchese Torrigiani, Florenz, Lorenzo Crosetti, Giar- dino reale, Turin, Giuseppe Ballor, Turin, F. Besson, Turin, Fürst Troubetzkoy zu Intra (Oberg. Contini), L. Buffa, Turin, G. Levi, Treviso, Gebr. Grafen Papa- DOPOLi, Venedig etc. Für Palmen waren besondere Concurrenzen ausgeschrieben (i Preis I silb. verg. Medaille) und concurrirten hier Mario Pogliani zu Castella- fero bei Asti, Comtesse Costa di Trinita, Turin, Fürst Troubetzkoy, Gebr. Raffaello Mercatelli, Florenz, Marchese Bardo Corsi Salviati , Florenz etc. Man sage nicht, dass es in Italien keine Kunst sei, Palmen zu ziehen. Es ist allerdings richtig, dass ein Theil im Freien kultivirt werden kann, aber die aus- gestellten waren feinere Arten, die fast eben solcher Pflege, namentlich aber noch viel mehr Schutz gegen die Sonne bedürfen, wie bei uns. Ganz besonders hervorragend waren bezüglich neuerer Palmen die Sammlungen vom Fürsten Trou- betzkoy, 30 Arten, fast alle Kentia-Arten, Cocos Yatay, Pritchardia mcrea, Thrinax timicata etc., die der Gebr. Mercatelli als der reichsten Gruppe von den eigent- lichen Handelsgärtnern, in vortrefflichem Wuchs, und die des Marchese Bardo CoRSi Salviati wegen der grössten Zahl der Neuheiten. Das strenge Verbot der Pflanzen- Einfuhr in Italien hat für dieses Land, wie Prof Magnus bereits in der Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues am 28. September d. J. treffend hervorgehoben, wenigstens das Gute gehabt, dass man sich besonders der Zucht aus Samen hingegeben. Der Marquis Corsi Salviati hat nun das grosse Glück, fast alle von Prof. Beccari auf Sumatra etc. gesammelten Samen zu erhalten und so war denn seine Sammlung auch am reichsten an neuen Palmen. So z.B. Areca paniculata Scheff., A. triandra var. Baucaim Scheff., ein neuer Calamus aus Sumatra, .ein do. mit sehr kurzem Stamm, Calyptrocalyx spicatiis EL, eine sehr schöne, breit gebaute Fiederpalme aus dem malayischen Archipel, Caryota fur- fiiracea plicata BL, Caryota sumatrana Becc. mit grossen sehr in die Länge gezogenen Lappen, HeterospatJie elata Scheff., Pinanga (Ptyc ho Sperma) mahiyana Scheff'., Fiederpalme mit sehr breiten Fiedern ä 4 Nerven auf jeder Fieder etc. — Die Gebrüder Mercatelli in Florenz hatten ausserdem noch eine ganze An- zahl junger Palmen als Marktpflanzen ausgestellt. Einzelne Herren füllten mit ihren Sammlungen ganze Häuser allein. So Herr Giacomo Levi in Treviso, der auf dem Terrain des ehemaligen Bärenzwingers ein Glashaus errichtet hatte, das 34* 5i6 L. Wittmack: die schönsten Blattjjflanzen enthielt. Doch selbst dies reichte noch nicht aus und musste er noch eine grosse Zahl unter einem offenen Schuppen in der Nähe unterbringen. Eine ganze Auswahl von Pandaneen, Cycadeen, Palmen, Dracaenen, Anthurien und Croton, ferner ca. 170 Sorten Coleus, 33 Sorten Ca- ladien fanden sich hier in üppigster Entwickelung, eine Lepidozamia longifoUa hatte einen Stamm von y.^ ni Durchmesser und Wedel von fast 2 ;// Länge. Herrlich waren die älteren Palmen und Blattpflanzen der Grafen Papado- POLi, darunter i Cycas revoluta i^j., m hoch mit ca. 48 Wedeln, die eine Krone von fast 3 /// Durchmesser bildeten, in ihrer Mitte ein weiblicher Zapfen von ^3 m Durchmesser. Auch die Sammlungen von Hybriden, selbstgezüchteten Pflanzen (Gruppe 6.) waren so gross, dass meist nur i bis 2 Aussteller in einem Gewächs- hause Platz hatten. Wenn irgend etwas als Massstab einer tüchtigen Kultur dienen kann, so sind es die eigenen Züchtungen und hierin gebührt den Floren- tinern imbedingt der erste Preis, Es war ein wahrhaft imponirender Anblick, in dem einen Gewächshause neben einer reichen Mittelgruppe von den schönsten älteren Croton Arten in Exemplaren bis 2 '/■_■ '^^- Höhe, nicht weniger als 25 neue Varietäten, entstanden im Garten der Marchese Gebr. Torrigiani und 16 andere aus dem Garten des Marchese Bardo Corsi Salviati zu sehen, desgleichen 13 neue Dracaenen von Torrigiani und 14 von Salviati; in einem anderen Hause eine ganze Anzahl neuer Caladien von Salviati, viele neue Coleus vom Magistrat der Stadt Florenz etc. Die Croton und die Dracaenen waren entschieden die Hauptleistungen auf der ganzen Ausstellung und hätten sie bei den grössten englischen und bel- gischen Wettkämpfen siegreich concurriren können. Der Wichtigkeit dieser Ab- theilung halber sei es gestattet, die einzelnen Namen der Neuheiten auf- zuführen. Neue Croton. I. Sammlung des Marquis Bardo Corsi Salviati, Florenz. albo marmoratum (lacteum x Veitchi) aureo lineatum (maximum x Weissmanni) Eugenii (maximum x Veitchi) Fenzii (Veitchi x Weissmanni) Johannis roseum (Johannis x Veitchi) Levii (Hookeriix Veitchi) Blätter schmal, gross luteo roseum (lacteum x Veitchi) medio auratum (maximum x Veitchi) migliorata (Ilillianum x maximum) ammirazione auratus auratus longifolium Bastogi Beccari Carneli Diadema , hellgelb d'Ancona eximium nanum compactum, gelb gracilis elegantissimus, Bl. sehr schmal, roth Tecuroum (wohl decorum) Larderelli (volu- tum x Youngi) Tecuroum Papadopoli do. tricolor (Weissmanni x cornutum) volutum nigro-rubrum (volutum x Youngi) var. N. I (maximum x Weissmanni) trilobum novum (trilobum x Hillianum) Barsianum (Veitchi x Weissmanni), grün, mit gelben Adern Sammlung der Marquis Gebr. Torrigiani, Florenz. illustris Luciani Medaglio d'oro, Bl. länglich lanzettlich, fast ganz gelb Mercatelli, sehr schmal musaicus Princeps Pucci Principe Demidoff Regina iSIargherita, Bl. länglich, fast gelb, die Die 2. nationale Ausstellung zu Turin. 517 unteren Blätter blass röthlich und grün- fleckig di Sambuy, zu Ehren des Leiters der Aus- stellung Grafen di Sambuy, Bl lang, schmal, mit rothen Queradern, die oberen ganz gelb sulcatum annularis trifurcatus, Bl. spiessförmig, roth geädert, Mittellappen sehr lang triumphans tigrinum, länglich lanzettlich, gelbroth Torrigiani, Bl. sehr lang und schmal, roth und gelb Umberto I, sehr schön spiessförmig mit schmaler .Spitze, wie Disraeli, roth und gelb. angustifolia alba (albicans x Cooperi) Cav. Modigliani (magnifica v Cooperi), untere Blätter schön roth, obere grünlich oder weisslich roth Contessa Gamba (albicans x Fraseri) C. Volonte (Cooperi x albicans), grün, die oberen Bl. weiss mit rother Kante Fenziana (magnifica x nigricans), untere Bl. roth, obere mit rothen Rändern Neue Dracaenen. I. Vom Marquis Bardo Corsi Salviati. flammea (Fraseri x magnifica), breitblätterig, sehr schön hellroth Innocente Pirola (nigro-rubra x albicans) Levii (magnifica x metallica), sehr breitblätterig, aufrecht, grUnbraun, ein riesiges Exemplar ! Marchese Atenolfi (Fraseri x magnifica), roth- braun Marchese Nomis (Cooperi x albicans) , untere Bl. roth, obere grün 2. Von Gebr. Marchese Torrigiani. Bastogi, aufrecht, Bl. ganz roth oder mit rothen Kanten, noch nicht im Handel Diana excelsior compacta fulgida gigantea, aufrecht, schön purpurn eximia Ridolfina Regina Margherita, Bl. lanzettlich, die unteren roth, die oberen gelblich di Sambuy superbissima Torrigianeana, Bl. gebogen, breit dunkelbraun Beccari, breit, dunkel braunroth i. Um hier gleich anderer eigener Züchtungen zu gedenken, sei erwähnt, dass Zaverio Minieri in Neapel und der Stadtgarten zu Turin (Direktor Roda) Coleus-Sämlinge ausgestellt. Ferner verdienen besonders die Pelargonien des Herrn Emanuele Chicco, Gärtner auf der Villa Varrone zu Cavorelto bei Turin genannt zu werden. Ausser einer trefflichen Auswahl älterer Sorten, namentlich auch von Pelargonium peltatum, die war noch nie so üppig und mannigfaltig gesehen, besass er einige beachtenswerthe Neuheiten von Pelargonium zonale und von P. z. fol. var. — Unter ersteren mehrfach rothe und weisse Blumen an einer und derselben Pflanze. — Als neue Solitärpflanze auf Teppichbeeten hatte G. Vandetti, Gärtner in der Villa Henry bei Turin, AcantJms lusitaiiicus, eine sehr grosse, aber etwas unregelmässig wachsende Pflanze, eingeliefert. Ausserhalb des Programms lieferten noch ein: Die Gebr. Grafen Papadopoli zu Venedig viele Croton, meist ältere, aber auch neue, wie die Sorten C. recur- viim Papadopoli, untere Blätter dunkel, obere gelb und roth gefleckt, Girolamo Ros^i, ganz dunkelgrün mit gelbem Mittelnerven; ferner Mario Pogliani Villa Bricco zu Castellafero (Asti) Pandanics javanicus fol. aurco inaculatis, Phalangiuin vittatutn fol. marginatis , Begonia Onor'uia Pogliani, Geras us avium fol. var.; Dr. A. Zanoletti, Gärtner, Mailand, Tsi/ga canadcnsis globularis erecta, Populus Carolin ia na fol. var., Pinus Strobus pumila, Quere ns pedtineiilata pyramidalis sinuata. o L. Wittmack: 51^ — Andere Neuheiten. Auffallender Weise fanden sich, trotzdem die Einfuhr lebender Pflanzen in ItaUen gänzlich verboten ist, doch die allerneuesten englischen und belgischen Einführungen vor. Die reichste Sammlung von Neuheiten dieser Art, sowie auch eigener Züchtung, führte der FürstTROUBETZKOV, VillaAda bei Intra(Oberg.CoNTiNi) vor. Wir geben als Beispiel die von ihm zur Concurrenz Nr. 67 für die schönste Sammlunf neuer Pflanzen des gemässigten Hauses gesandten Exemplare: AphclanJra punctata, Ardisia metallica, Asparagus plumosus, Begonia diadema, Biirbidgea nitida, Cyperus laxus fol. var., Dichorisandra picta nigra, Dracaena indivisa fol. var., Dracaena Lindeni, Helicotiia triumphans , Kaempferia Gilberti, Yucca glaucescens fol. var., Yucca recurva elegantissima (vera) , ßmciis zebrinus, Stronianthc Luhbersiana. Ferner lieferte er: Ficus elastica fol. var., Gynura aurantiaca und viele neue Palmen etc. In Coniferen war die Villa Ada fast die einzige, welche Neuheiten aufwies und zwar: Picea Parryana (nicht so grau- o-rün wie bei uns), Abies concolor, Araucaria elegans (Cookii), WcUingtonia gigan- tca pendula! Retinospora obtusa nana aurea, schön goldgelb, ein Hauptexemplar, Cryptomeria argentea plumosa. Ausserhalb des Programms hatte der Obergärtner des Fürsten, Herr Contini noch eine Menge interessanter Pflanzen gebracht: Anthuriuni Andreanum (das überhaupt mehrfach blühend auf der Ausstellung vorhanden), Musa vittata, Cossignea borbonica, Aralia elegantissima \md ßcifolia, Artocarpus Cannoni, Dicffcnbachia imperialis , Pathos aurea, diverse Dracaenen, diverse Croton u. s. w. Vortrefflich waren auch die Neuheiten des Warmhauses von Bardo Corsi Salviati. Vor allem die berühmte Riesen-Aroidee Amorphophallus Titanuni (Säm- linge), Anoectochilus petola var. Corsi, Anoectochilus sp. aus Sumatra, Calyptrocalyx spicatus BL, Lastraea aristata variegata, Musa sumatratia, M. uranoscopus etc., Dieffenbachia memoria Corsi, sehr fein weisslich gestreift, Pandanus stenop/iyllus, Veratronia sp. aus Sumatra, Heterospathe data Scheff. etc. etc. Orchideen waren nur von 3 Ausstellern, 2 Florentinern, abermals Bardo Corsi Salviati und Prof Pellizzari, der auch sehr schöne Blattpflanzen lieferte, sowie vom Grafen L. Sormani Moretti in Vittorio (Treviso) in je 10 Arten ge- liefert. Die schönsten waren die des ersteren: Cypripediuni ScdeniPclib.fi. mit 13 Blüthen, Vanda tricolor, Oncidiuni Lanceanum Lindl. Sumatra, Bolbophylluni barbigeruni, eine kleine reizende, aber mehr botanisch interessante Art, Bolbo- phylluni Hensalli Lindl., Peristeria elata Hook., die berühmte heilige Geist- Blume, und Selenipediuni longifoUum Rchb. u. Wrcz., aus Costa Rica. Buntblättrige Pflanzen des warmen und gemässigten Hauses lieferten Prof. Pellizzari und Mario Pogliani, namentlich der erstere in herrlichen Exemplaren und grosser Zahl. — Als Blatt-Schaupflanzen figurirten Dracaena Lindeni oder Dracaena indivisa fol. var. des Fürsten Troubetzkoy (mit breitem gelbem Mittelstreif), Platijceriuni grande. Amorphophallus Titanum Beccari und Coccoloba pubesccns (Blätter 1,10 m Durchmesser!), des Marquis Bardo Corsi Salviati etc. etc.; als blühende Schaupflanzen Erica transparens des Prof. Pellizzari, Florenz etc. Als neueste bestentwickelte Palmen: Thrinax gracilis argentea des F'ürsten Troubetzkoy zu Intra, Cocos Weddelliana des Handelsgärtners Raffaelo Mercatelli, Florenz, Areca triandra var. Bancana Sehe f. des Marquis Bardo Die 2. nationale Ausstellung zu Turin. cm CoRSi Salviati, Cocos Romanzoffiana des Grafen Ceriana, Turin (Obergärtner Ballor). Höchst erfreulich war es, eine ungemein reiche Sammhing von Cactecn und Crassulaceen zu sehen: die der Liebhaber Gebr. Gozz.a.no in AgHe (Turin), welche einen besonderen Pavillon damit gefüllt hatten; fast zahllose Arten von Mesembrianthemum sandten Garn. Neirotti & Sohn, Handels- gärtner in Turin. Yucca, Agaven, Aloe etc. waren theils von Liebhabern, theils von Gärtnern, wie Besson & Sohn, Turin, Dracaenen ältere Sorten vom Marquis Carlo Nomis in Terricciola (Pisa) in vortrefflichen Exemplaren und vielen Sorten vorhanden, ebenso von M. Pogliani und dem Stadtgarten von Turin (Direktor M. Roda). Mit schönen Baumfarnen traten Fürst Troubetzkoy, Gräfin Costa di Tri- nita, Turin, und der Handelsgärtner LuiGi Buffa, Turin, der seine sämmtlichen Ausstellungsgegenstände zu einem besonderen Garten zusammengestellt, in die Arena. Krautartige Farne lieferte in unübertroffener Schönheit die Gräfin Costa DI Trinita, Turin; ihr Adiantum farlai;ense kam den schönsten englischen Exem- plaren gleich, A. Luddemannianum, A. trapeziforme etc. gaben ihm wenig nach. Auch von anderen Seiten waren schöne Exemplare geliefert. Als neuen Cycas nennen wir Cicas Pogliaiiü, von Mario Pogliani, Villa Bricco zu Castellafero bei Asti, über dessen Werth als Species wir jedoch nicht zu entscheiden wagen. Dass Caladien vorzüglich vertreten waren, ist wohl eigendich selbstverständlich; u. a. zeichnete sich wieder der Turiner Stadt- garten aus. Weniger selbstverständlich und daher um so überraschender war dagegen eine ungemein reiche Sammlung von Bromeliaceen, ausgestellt in einem be- sonderen Hause von dem Magistrat der Stadt Florenz (Superintendent Attilio Pucci). Wir zählten nicht weniger als 114 Arten, darunter ganz seltene. — Der herrlichen Croton haben wir schon oben bei den neuen Züchtungen gedacht, erwähnt sei aber doch noch, dass die Gebr. March. Torrigiani nicht weniger als 44 ältere Sorten in Prachtexemplaren vorführten, darunter Croton Veitchi mit 2 Hauptstämmen 3 m hoch, C. volutum fast ebenso hoch. IV. Gruppe: Ziergehölze des freien Landes. Ziergehölze des freien Landes mit abfallendem Laub waren ver- hältnissmässig wenig vertreten, da es ja schwer hält, solche in vollem Laube auszustellen; nur der Baumschulbesitzer F. Besson, Turin, hatte solche in grösserer Zahl geliefert, darunter besonders bemerkenswerth ein Sortiment Eichen, Magnolien, Spiraeen etc. — Oleander lieferten L. Crosetti, Obergärtner im Giardino reale zu Turin, G. Menegazoli, Verona, G. Ballor, Handels- gärtner, Turin und G. Roggero & Sohn desgl. Turin. Ziergehölze mit bemerkens- werther früher oder später Blüthezeit sandten L. Carlino, Gärtner auf der Villa Vivaida zu RivoH bei Turin, Burdin, Maggiore & Co. (Societc\ agrario botanica) Turin und F. Besson, Turin. Letzterer u. a. Baccharis halimifoUa, Corijlopsis spicata, Fontanesia phijllireoides, Lespedezea bicolor, Lo?iicera gibbosa und Regeliana, Viburnum ediile, Indlgofera dosiia etc. Auch in Aucuben, Buxus, Elaeagnus, Evonymus, Laurus, Ligustrum, Hex etc. concurrirte Besson mit Glück. Ausser ihm C. Neirotti & Sohn, Turin und ["20 ^- Wittmack: G, Ballor, Turin. Interessant war auch die BESSON'sche Sammlung an holz artigen Schlinggewächsen, darunter von seltenen Maximowiczia sinensis, Dioclea ghjcinoides, Kadsura japonica, Gelsemiuni nitidu7n, Arauja (F/iijsianth:/s) albens und viele andere. Die Rosen der Ausstellung waren recht massig, woran wohl die grosse voraufgegangene Hitze die Hauptschuld trug. Wir notirten als Hauptsorten: Pauline LabonU, Mad. Mar gottin, Ciline Forestier , Coquette de Lyon, Capitaim Christji, Vicomte de Caz, Anni Laxton etc. (Abgeschnittene Rosen waren in recht hübschen Exemplaren ausgestellt.) Verhältnissmässig gering war die Betheiligung in Coniferen, die doch ge- rade die Hauptzierde der oberitalienischen Gärten sind. Man scheint die Kultur in Körben wenig zu üben und ist daher nicht in der Lage viel auszustellen. Zu nennen sind nur die Sammlungen des Fürsten Troubetzkoy, Villa Ada bei Intra am Lago maggiore (Oberg. Contini), Burdin, Maggiore & Co., Turin, F. Besson, Turin, G. Ballor, Turin und G. Menegazoli, Verona. Als Neu- heiten führte Fürst Troubetzkoy ausser den S. 513 erwähnten u. a. vor: Sequoia sempervirens albo-spica, Cryptomeria plumosa-argentea , Retinospora gracilis etc. und vor allem die interessante Retinospora Tronbetzkoyana , eine Kreuzung von R. obtusa nana x leptoclada, von ganz graugrünem Ansehen. V. Die übrigen Gruppen. Unter den annuellen Pflanzen verdient eine hübsche Collection Petunien von L. Busso, Turin, eine von Zwergastern (die aber zu weitläuftig gepflanzt waren) von G. Vandetti, Turin und dem Stadtgarten zu Turin Erwähnung. Recht interessant waren die Sammlungen decorativer Blattpflanzen für Gruppen, wie Arundo, Bambusa, Canna etc. Ganz besonders ist hier vom botanischen Standpunkt die Bambusen-Gruppe in 12 Species des Cav. E. O. Fenzi zu Florenz, des so thätigen Vorsitzenden des dortigen Gartenbauvereins zu nennen. Derselbe hatte auch eine besondere Brochure »II Bambu« darüber bei- gelegt. Auch Besson hatte eine reiche vielgestaltige Sammlung, darunter ausser den gewöhnlichen Blattpflanzen noch Ferdinanda cminens Lag. (Composite), Uhdea bipinnata, Montagnaea heracleifolia (Composite), Jatropha Manihot, Perimenium album (Composite), Erijngiiimpandanaefolium, Desmodinm Dillenii. Selbstverständlich fehlte auch Canna iridiflora nicht, denn sie gehört zu denjenigen Gruppen- pflanzen, die in Oberitalien so zu sagen auf keinem Beet fehlen dürfen, wie dies auch bereits in Süddeutschland der Fall ist. Und in der That, man kann sich zur Herbstzeit kaum etwas Schöneres denken als diese 2 — 3 jn hohen Pflanzen mit ihren prachtvollen Blättern und den herrlichen dunkelrosarothen grossen Blüthen. — Als Neuheit von Gruppenpflanzen fand sich die Gyniira aurantiaca, vom Fürsten Troubetzkoy, hier sehr hübsch gefärbt. Unmöglich ist es, auf die vielen Blattbegonien, Coleus etc. einzugehen, auch die im freien Grunde ausgestellten Blüthenpflanzen müssen wir übergehen, wir wollen nur noch einmal auf die schönen Pelargonien des Herrn Chicco und ferner auf die des Herrn Besson, Turin (beide auch viele Pel. peltatum) aufmerksam machen. Eine hübsche Sammlung Alpenpflanzen hatte der Turiner botanische Garten (Obergärtner M. Defilippi) ausgestellt. Die Teppichbeete (Gruppe 7) boten nichts besonders Bemerkenswerthes; Die 2. nationale Ausstellung zu Turin. C21 sie waren z. Th. zu dicht nebeneinander in Reih und Glied angebracht, was zwar den Vergleich für die Jury sehr erleichterte, aber den Efifekt beeinträchtigte. Recht hübsch waren Blumenkörbe und Jardinieren etc. arrangirt; auch fanden sich Muscheln, Cocosnussschalen etc. zierlich bepflanzt. Um so beachtenswerther war Gruppe 8, abgeschnittene Blumen und Arrangements aus solchen. Hier fesselten ganz besonders die Tafel- De- korationen, die wohl noch nie in solcher Zahl ausgestellt waren. Nicht weniger als 14 Concurrenten hatten vollständig gedeckte Mittagstafeln dekorirt, davon die Meisten Tafeln von je 7—8 m Länge. Selbstverständlich waren die Mehrzahl Tu- riner Blumenhändler und Händlerinnen, doch fehlten auch Mailänder und andere nicht. Als eine der schönsten ist zu nennen die von Angelo Mariani, Chef- gärtner der Stadt Turin. Er hatte die bekannten flachen, schmalen, englischen Glasgefässe benutzt, um Umrahmungen der Tafel herzustellen, diese (iefässe mit feinem Gras besäet und mit rothen Pelargonienblüthen an den Seiten verziert, ausserdem reizende Dekorationen um die Leuchter angebracht und schöne hohe Aufsätze gestellt, die aber den Blick auf den Gegenübersitzenden nicht hinderten. Ihm in der Leistung ähnlich waren Fräulein E. Raybaud Franchini, Turin, P. Tione, Gärtner auf der Villa Gay (hübsche Blätter, Pelargonien, Iberis), Di Quarti zu Rivoli bei Turin, Pietro Barra, Gärtner im Castello S. Salvä zu Santena bei Turin, der die Weinflaschen und Leuchter mit leichten hübschen Blumenkränzen umgeben etc. In Garnituren ragt besonders Frl. Raybaud- Franchini hervor, in Riesenbouquets aus feinen Blumen (darunter Medinilla, Curcuma und Allamanda, die jetzige englische Modeblume!) G. Bastiani zu Florenz. Auch Herbarien waren bei der Gruppe 8 inbegriffen und verdienten hier ganz besonders die Herbarien des Herrn Dr. O Mattirolo, am botanischen Garten zu Turin, wegen ihrer eleganten Ausführung in erster Reihe genannt zu werden. Herr Dr. Mattirolü hat ein besonderes Verfahren, die Pflanzen so zu trocknen, dass ihre Blüthenfarben nahezu vollständig erhalten bleiben und wäre es wünschenswerth, seine Methode näher kennen zu lernen. Ausser den Pflanzen der Umgegend von Turin hatte er noch ein Herbarium von Alpenpflanzen aus- gestellt, das schon durch die Standortsangaben jeden Alpenfreund begeistern konnte. — Ein prächtiger, eisenbeschlagener eichner Schrank diente als Be- hältniss für das Turiner Herbarium und möchten wir jedem Botaniker einen ähnlichen für seine Lieblingsfamilie wünschen. Obergärtner G. Gay, Villa Sar- tirana bei Turin, lieferte ebenfalls die Pflanzen der Umgegend, Enrico Weiss zu Intra am Lago maggiore ein Herbarium der Flora italiana nach Linnd geordnet (einige nicht richtig bestimmt). Auch 2 hübsche Holz Sammlungen (italienische und in Italien akklimatisirte Hölzer) waren von 2 Liebhabern eingesandt: Carlo Padoan, Venedig (260 Exemplare) und Angelo Pucci, Florenz, die des letzteren besonders schön. Samen Sammlungen fanden sich in grösserer Zahl, E. Bar- BERO, Geometer zu Turin, hatte einen grossen Pavillon mit ihnen und mit den verschiedensten Gartenmessern etc. gefüllt; ausserdem nennen wir von Samen- händlern: V. Ingegnoli, Mailand, D. Lucchetti, Mailand, A. Valerio, Turin, Improta Sabato & Sohn, Neapel, Pini Ranieri di Fr., Livorno. Die 9. Gruppe umfasste Conserven, die in vortrefflicher Waare von Palermo, Neapel, Sorrento, Florenz etc. und von F. Cirio, Turin auslagen. Es ist zu bedauern, dass man bei uns verhältnissmässig diesem Industriezweige noch nicht die gehörige Beachtung schenkt und noch zu wenig auf den Export hinarbeitet. r22 L. Wittmack: Eine auf unseren Ausstellungen fast unbekannte, ja öfter ausgeschlossene Gruppe bildete die Abtheilung lo: Künstliche Nachbildungen von Blumen und Früchten. In Bezug auf crstere kommt Florenz Paris wohl fast gleich; wir glauben nicht, dass eine Leistung in künstlichen Blumen wie die von A. Cesari & Sohn zu Plorenz von einen Pariser Hause hinsichtlich der Natürlichkeit, hinsichtlich des Schmelzes viel überboten werden könnte; in Bezug auf letztere, die künstlichen Früchte, steht Turin unbedingt in der ganzen Welt ohne Rivalen da. Arnoldi in Gotha, Buchetet in Paris, sie sind auch Meister in ihrem Fache und hohe Achtung vor ihnen, aber solche Weintrauben wie hier in Turin gemacht werden, ist wohl keiner von ihnen im Stande zu liefern. Leider ruht die ganze Kunst iri den Händen eines einzigen, bereits ergrauten Mannes, des Herrn Garnier Valetti, Turin, via Garibaldi i und seine Methode ist sein Geheimniss; hoffen wir, dass er es nicht mit in's Grab nehme! — Herr Garnier Valetti hat seit Jahren für das Museum der landw. Hochschule Kartoffeln abgeformt, da in Deutschland sich Niemand fand, der im Stande war, diese ganz naturgetreu, ohne Glanz etc. nachzubilden. Seitdem der Eingang lebender Pflanzen, Knollen etc. in Italien verboten, hat auch das aufhören müssen. Die II. Gruppe umfasste Gartenpläne, Oelgemälde und Zeichnungen aller Art. Ganz besonders betheiligten sich in Plänen: G. Roda & Sohn, Turin, Bellora seconda, Turin, A. Ramello, Biella (Novara), L. F. Dussaux, Florenz etc. Im Allgemeinen fanden wir auf diesen Plänen mit wenigen Ausnahmen die Wege zu sehr kreisförmig, anstatt in anmuthigen Schlangenlinien geführt; die Aus- führung der Zeichnungen war meist musterhaft. Verhältrissmässig reich waren Oelfarbendrucke, Lithographien etc., auch Oelgemälde etc. vorhanden. Ganz originell war eine Spiegel-Dekoration von T. Chelazzi, Maler, Florenz. Auf dem Glase eines Spiegels mit schwarzem gestochenen Rahmen hatte der- selbe in einer Ecke, links oben, ein Blumenbouquet in Oelfarbe gemalt! Wir glauben kaum, dass das bei uns Nachahmung finden dürfte. Die 12. Gruppe betraf die literarischen Arbeiten, Handbücher über Gärtnerei, Zeitschriften etc. Selbst für illustrirte Kataloge waren Preise ausgesetzt. Als Mustergärten (Gruppe 13) concurrirten: i. als Obstgarten der der Frau Marquise Mestorino in Chieri, 2. als Gemüsegarten ebenfalls der ihrige und der der Strafanstalt la Generalia zu Turin, 3. bezüglich guten Geschmackes der Anlage, Kultur und Reinlichkeit: die der Gräfin Costa di Trinita, der Villa Duca di Sartirana, der Stadt Turin, des Grafen di Sambuy, der Villa Conte di Serravalle und des Herzogs von Genua zu Aglie, 4. als Schulgarten der der land- wirthschaftlichen Colonie zu Rivoli bei Turin. 14. Gruppe. Gewächshäuser etc. Die verlangten eisernen Gewächs- häuser mit zweiseitigem gewölbtem Dach lieferten P. Rey, Turin und P. Ro- POLO, Turin, der erstere auch i einseitiges; beide ausserdem Mistbeet- kästen etc., ZoLLA & Co., Turin, dagegen Warmwasserheizungen. Auch Appa- rate für Bienenzucht und Producte der letzteren waren ausgestellt. Unter den Gartenmöbeln etc. (Gruppe 15) fanden wir zwar recht hübsche Muster, doch nichts von besonderer Bedeutung; ebensowenig unter den Pumpen, Spritzen etc., die in grösster Zahl von E. Barbero, Geometer, Turin, ausgestellt waren. \'on einer ganz hervorragenden Bedeutung war die Ausstellung von Gegen- Die 2. nationale Ausstellung zu Turin. 523 Ständen zur Dekoration des Gartens, in Marmor, Gusseisen, Terra cotta etc. (Gruppe 16). Die italienischen Majolika-Fabrikanten sind neuerdings wieder in die Fusstapfen ihrer berühmten Vorfahren getreten, und ähnlich wie bei uns die Kunst das Gewerbe durchhaucht, so ist es auch dort. Man konnte nichts Reizenderes sehen als die Vasen , Jardinieren etc. vom Grafen B. C. Gonzaga zu Neapel, der sich ein besonderes Verdienst um Hebung dieser Industrie er- worben, ferner die von B, Mazzarella ebendaselbst und Gebr. Gastaldi und Casalis in Lucento bei Turin. Bezüglich der kleineren Geräthe wäre als neu eine Maschine zum Ent- kernen (Auspahlen) junger Erbsen etc. von I^. Vismara in Turin zu nennen. Sie besteht aus einem viereckigen liegenden Kasten, der im Innern Bürsten hat, welche bei ihrer Rotation das Entkernen besorgen. Dieser kleine Apparat dürfte, wenn er noch etwas verbessert ist, für grosse Haushaltungen sehr angenehm sein. Auch von L. Tarizzo, Ansaldi & Scherlini zu Turin war ein ähnlicher angemeldet. Gartengeräthe, namentlich Scheeren und Messer hatte u. a. E. Barbero in ganz ungeheurer Zahl, übersichtlich nach Systemen geordnet, wie erwähnt, als Dekoration seines Samen-Pavillons verwendet. Dass auch künstliche Dünger, selbst Sphagnum, auf der Ausstellung nicht fehlten, sei hier gleich eingeschaltet. Vom Ministerium für Ackerbau etc. war eine goldene Medaille ausgesetzt für die beste italienische Pomologie, im Manuskript oder im Druck. Drei Bewerber traten auf: Advokat C. Aureggi in Bellano, Provinz Como, Gebr. RoDA, Turin und Prof. A. Bertoloni, Bologna. Von den Ausstellern, die ausserhalb des Programms einsandten, sind noch zu nennen: Die kgl. Gartenbau-Gesellschaft zu Florenz mit meteorologischen und phänologischen Darstellungen aus ihrem Versuchsgarten, Handelsgärtner R. Mercatelli, Florenz, mit 62 jungen Palmen als Handelspflanzen, Marchese CoRSi Salviati ebenfalls mit zahlreichen jungen Palmen, E. Chicco gemischte Gruppe, G. Roggero & Sohn, Turin, Pelargonium zonale und peltatuin etc., F. CiLENTO in Neapel, Orangen, R. Pecori in Florenz, SpeciaHst für Oliven- kultur, verschiedene Sorten von Olivenbäumen, z. B. Piangente, schmalblätterig, Leccino breiter, sylvatico, Blätter nur 2 011 lang etc. Ausser Conen rrenz waren eine ganze Anzahl Aussteller, so Dr. C. Rossi zu Quinto di Valpantena mit Obst, M. Pogliani zu Villa Bricco, Dr. Zanoletti, Mailand, Gebr. Grafen Papadopoli, Venedig, Herzog Alfonso di Sartirana (fast alle mit Gewächshauspflanzen), die kgl. toskanische Gartenbau-Gesellschaft (Obst), BuRDiN, Maggiore & Co., Turin (Dracaenen, Begonien, Coleus, Coniferen), das Provinzial-Comite von Treviso (Obst und Hülsenfrüchte), C. Contini, Villa Ada bei Intra (VVarmhauspflanzen, darunter viele Croton und Dracaenen), Graf L. Tasca, Palermo (Agaven, Palmen, Futterpflanzen), Marquis F. d'Albertas, Turin (Caladien), Gebr. Ferrario, Handelsgärtner zu Mailand (prächtige Palmen- gruppe), der kgl. Garten zu Monza etc. etc. Fassen wir zum Schluss das Ergebniss unserer Rundschau zusammen, so müssen wir sagen: Italien kann stolz auf die Turiner Ausstellung sein! — Dass es dadurch nicht übermüthig werde, ist nicht zu befürchten, denn aus den Verhandlungen des mit der Ausstellung verbundenen Congresses, wie aus den Artikeln in den Fachzeitschriften, geht klar hervor, dass die Italiener selber sehr 524 Die Babiana- Arten: wohl wissen, wo sie der Schuh drückt, sowohl in Bezug auf die noch geringe Zahl der eigentlichen Gartenbauvereine, als auch auf die wenigen und schwach besuchten gärtnerischen Lehranstalten, die gestörten Importverhältnisse etc. Was sie nicht so zu fühlen scheinen, was uns aber aufgefallen, das ist die nach unsern Begriffen noch nicht genügend herausgebildete Vermehrungsweise der Camellien, Azaleen, Rosen etc. In Dresden, Leipzig, Altenburg, Nauheim, Luxem- burg, Berlin etc. etc., wird diese in weit grösserem Massstab und wie uns scheinen will, auch rationeller betrieben. Der Bedarf an derartigen Pflanzen scheint aber im Süden auch lange nicht so gross zu sein wie bei uns. Die Babiana -Arten. "'^m »Journal of horticulture« (dessen Redacteur Dr. Robert Hogg, der bisherige langjährige Generalsekretair des Londoner Gartenbauvereins, zugleich correspondirendes Mitglied des Vereins zur Beförderung des Gartenbaus ist) brachte L. Castle am i6. Februar 1882, S. 129, einen Artikel über die Babiana- Arten mit Abbildungen, den wir mit Erlaubniss der Redaction im Wesentlichen hier wieder geben, da auch bei uns diese niedlichen Pflanzen wenig ver- breitet sind. Die Bahiancn gehören zur Familie der Irideeti und sind botanisch am nächsten mit den Gladiolus verwandt, haben aber eine regelmässige Blumenkrone. Sie stammen vom Cap und verlangen daher im Allgemeinen dieselbe Kultur wie die übrigen Capzwiebeln. Eine der schönsten Arten ist Babiana n/bro-cyaiiea Ker. (Fig. 117). Sie ist von massiger Höhe, gewöhnlich nur 6 — 8 Zoll hoch, Blätter breit, flach, unterseits flaumig; Blumen 2 Zoll oder mehr im Durchmesser, Perigonzipfel eiförmig, ihre obere Hälfte leuchtend blau, die untere Hälfte reich karmoisinroth, so dass eine rothe Centralzone entsteht, die mit dem blauen Ringe herrlich kontrastirt. — Sie blüht gewöhnlich im Mai oder Juni, zuweilen auch bis im Juli. Eingeführt wurde sie zuerst in Holland, von wo sie 1796 nach England kam. Eine zweite Art ist B. villosa Ker. Blumen kleiner, mit schmaleren Zipfeln als bei der vorigen, etwas mehr spreizend; trotzdem nicht weniger schön, denn die Farbe ist ein äusserst glänzendes Karmoisin, in einem Ton, der von wenigen Pflanzen übertroffen wird. Die Staubbeutel sind dabei violett und die Aussenseite der Blumen purpur. Kam schon vor über 100 Jahren durch Dr. Russell nach Kew. B. stricta Ker. (Fig 118). Elegante Pflanze mit niedlichen Blumen von massiger Grösse, nicht so glänzend wie beide vorigen, aber doch sehr hübsch. Blumenzipfel schmal, spitz, die 3 äusseren weiss, die 3 inneren fliederblau, mit einem dunklen Fleck nahe der Basis bei jedem. Contrast daher sehr schön. Eine der ältesten Arten, 1757 in England eingeführt. Von den vielen anderen Arten seien noch genannt: B. angustifoUa Eckl. (blau, Centrum roth), B. plicata Ker. (blassviolett, sehr wohlriechend, der Gewürz- Nelke ähnlich), B. siilphurea Ker. (rahmweiss), B. disticha (blassblau, Ränder ge- kräuselt, Hyacinthengeruch), B. ringens Ker. (sehr schön, scharlachroth, unregel- Die Babiann-Arten. 525 massig, indem i Zipfel länger ist, die älteste in England bekannte Spezies, 1701 eingeführt), B. sainbiicina Ker. (purpur, nach HoUunder riechend), B. tiibata Echl. und B. tubißora Kcr. (beide sehr ähnlich, mit langen, rachenförmigen, roth- gefleckten Blumen). Die Wurzelstücke aller Babianen sollen von den Hottentotten gegessen werden; sie sind eine Lieblingsspeise der Aff"en, weshalb die holländischen An- siedler die Pflanze Babianer (vom Pavian abgeleitet? W.) nannten, wovon der lateinische Name Babiana entstanden. Die Knollen enthalten Stärkemehl und sollen geröstet wie Kastanien schmecken. Fig. 117. Babiana rubro-cyaju'a Ker. Qi,^ nat. Gr.) Fig. 118. Babiana stiicta Kcr. (jj nat. Gr.) Kultur. Man nehme mittelgrosse Töpfe, 60er oder 40er nach englischer Bezeichnung, thue 2 — 3, resp. 4 — 5 Keime in dieselben, nachdem man sie mit leichter sandiger Composterde gefüllt, der etwas gut verrotteter Dünger beige- geben und sorge für tüchtige Drainage im Topf Sobald die jungen Triebe erscheiner, ist sparsam Wasser zu geben, später mehr und dann auch alle Woche I — 2 mal schwacher Dungguss. Nach der Blüthe ist weniger Wasser nöthig; die Blätter aber lasse man an der Pflanze absterben, da, je länger sie daran bleiben, desto grösser die Knollen werden und desto mehr Ableger sich bilden. Während der Blüthezeit leicht beschatten, sonst aber sonnige Lage. Beim Verpflanzen werden die Keime gereinigt, die Ableger entfernt. Einige wenige verpflanze C25 ^' Koopmann: man nicht, sondern gebe ihnen eine Kopf- Düngung. Sie bringen dann mehr Blätter, aber meist nicht so schöne Bkimen. Vermehrung durch Ableger oder Samen, letztere geben erst im 3. Jahre bllihbare Pflanzen. Die Ableger thue man das i. Jahr in Schalen oder Kästen, bis sie im 2. Jahre gross genug sind, um einzeln gepflanzt zu werden. Die Samen säet man am besten in Schalen, die man in massige Wärme stellt, die Zeit ist gleichgültig. Beim Verpflanzen der Sämlinge ist Vorsicht nöthig. Fast alle erwähnten Arten sind gewiss bei E. H. Krelage & Sohn in Haar- lem und bei Haage & Schmidt in Erfurt zu haben. Notizen über Turkestans Eremurus-Arten. Von K. Koopmann, Kaiserl. russ. Garten-Direktor a. D. ^o gering wie die Pflanzenschätze Turkestans im Vergleich mit denen anderer AVelttheile- sind, haben wir doch gerade diesem Lande eine der schönsten Ein- führungen des Jahrhunderts zu verdanken. Haben schon eine Tulipa Greigi Rgl., Primula Kaufinanni Rgl. und mehrere andere die Aufmerksamkeit der Europä- ischen Blumenfreunde auf sich gezogen, so verdient noch ein gesteigertes Inter- esse die Gattung Ereniitnis mit ihren fast ausnahmslos prachtvollen Arten. Man muss die stolze turkestanische Pflanze in ihrer Heimath kennen gelernt haben, und man wird nicht nachlassen, mit regstem Eifer dafür einzutreten, ihr das Bürger- recht in ganz Europa im vollsten Masse zu erwerben. Um auf dieselbe aufmerk- sam zu machen und in weiteren Kreisen Interesse für sie zu erwecken, theile ich in nachfolgenden kurzen Notizen über das mit, was ich in Turkestan von der Pflanzen-Gattung sehen und in Erfahrung bringen konnte. Ereniunis M. B.> eine Staude mit dicker, fleischiger, büschel- oder band- förmiger Wurzel; die wurzelständigen Blätter erscheinen sehr frühzeitig vor der Blüthe in grosser Anzahl und geben der Pflanze das Aussehen einer niedrigen Yucca oder Dracaene; die Blätterkrone vertrocknet jedoch fast gänzlich während der Blüthe. Der Blüthenschaft trägt einen (centripetalen) traubenartigen Blüthen- stand, mit 100 — 500 einzelnen Blüthen, deren Perigon aus 6 nur an der Basis verwachsenen blumenblattartigen Blättchen besteht; letztere nach erfolgter Be- fruchtung bleibend, im anderen Falle bald abfallend. Die 6 Staubgefässe sind hypogynisch; das dreifächrige Ovarium enthält 2 — 4 Eichen; die pergamentartige rundliche Kapsel ist dreifächerig; jedes Fach enthält 2 — 4 dreieckige Samen. Man findet die Eremurus-Arten sowohl in der Steppe wie in den Hoch- gebirgen, auf Sandhügeln in der Ebene bis zu 11,000 Fuss über dem Meeres- spiegel zwischen Felsen eingesprengt; man erkennt dieselben mit gut bewaftnetem Auge noch auf den höchsten, schneefreien, unbesteigbaren Gipfeln. Meist in Mengen einer Art nebeneinander stehend, lieben sie einen freien, unbeschatteten Standort und wenig Geselligkeit mit anderen Pflanzen; wo sie in grösseren Mengen erscheinen, werden sie von keiner anderen Pflanze überragt. Die Eingeborenen nennen die Pflanze »Schiräsch. und gewinnen aus den Notizen über Turkestans Eremurus- Arten. C2 7 fleischigen Wurzeln eine klebrige Masse, welche zum Verpichen des Schuhwerks Verwendung findet. Die zehn bis jetzt bekannten Species characterisiren sich folgendermassen. Eremurus altaicus Stev. Vaterland Dsungarei und Turkestan bis 8000 Fuss Höhe. Synon. Asphodelus altaicus Fall. Erem. spectabilis Ledb. Blätter linien-lanzettförmig, I — 2 cm breit, 30 — 50 cm lang, etwas kielfürmig, glatt, auch am Rande. Der Blüthenschaft ist glatt, stielrund, bis 80 cm hoch und trägt einen 25 cm langen Blüthenstand; die gegliederten Blüthenstielchen tragen lichtgelbe Blüthcn, deren äussere Perigonblättchen dreinervig, innere einnervig, 10 mm lang, länglich und fast gerade aufgerichtet sind. Bracteen so lang wie die Blüthenstielchen. Staub- gefässe dunkel-braungelb, fast doppelt so lang als die Perigonblättchen. Kapsel rundlich, glatt; Samen schwarz, dreieckig, meist ungeflügelt. — Er. altaicus ist beschrieben in Bulletin de la Societe des Naturahstes de Moscou IV p. 255. — Ledebour fl. rossica IV p. 190. Regel plantae Semenowi n. 131. Eremurus anisopterus Rgl. Vaterland Dsungarei und Turkestan in Sand- Wüsten und auf niedrigen Bergen. Synon. Hcnningia anisoptera Kar. et Kir. — Blätter linienförmig, V2 — i <^"i- breit, 30— 40 rw lang, glatt, am Rande scharf. Der glatte, stielrunde Blüthenschaft wird docm hoch und trägt einen 20 cm langen Blüthenstand; die ungegliederten Blüthenstielchen sind doppelt so lang wie die wenig be- haarten Bracteen; Blüthen weiss mit dunkelbraunem Mittelnerv, alle Perigon- blättchen eiförmig, einnervig, 10 ;;;/;/ lang; Staubgefässe bräunlich, bedeutend kürzer als die Perigonblättchen; die grosse runde Kapsel ist glatt und enthält dreieckige geflügelte Samen. — Er. anisopterus wurde beschrieben in Bulletin de la Soc. imp. des Natur, de Moscou 1842 und 1868; Memoires de l'Academie imperiale des Sciences de St. Petersbourg tom XII 1854. Eremurus Aucherianus Boiss. Vaterland Turkestan, Kokanische Gebirge, 4000 Fuss hoch. Synon. Henningia Aucheriana Rgl. — Blätter breit linienförmig, 1 — 2 cm breit, bis 35 cm lang, glatt, am Rande scharf. Der stielrunde Blüthen- schaft ist glatt, bis 50 cm lang; der Blüthenstand bis 35 cm lang. Bracteen am Rande gewimpert, etwas kürzer als die nicht gegliederten Blüthenstielchen; Perigonblättchen länglich-lanzettförmig, weisslich mit je einem braunen Mittel- nerven, IG ;;//;/ lang. Staubgefässe braun, wenig kürzer als die Perigonblättchen; die runde, glatte Kapsel endiält ungeflügelte Samen. Er. Aucheriamis ist be- schrieben in Bulletin de la Soc. des Nat. de Moscou 1868. — Boissier diagnoses plantarum novarum, Genovae et Lipsiae ser. I fasc. VII p. 120. Eremurus inderiensis Rgl. Vaterland Dsungarei und Turkestan meist auf Sandhügeln. Syiwn. Asphodelus inderiensis Stw. — Ammolirion Steveni Kar . et Kü\ — Er. spectabilis inderiensis M. B. — Blätter linienförmig, i — 2 cm breit, 30 bis 50 cm lang, meist glatt oder sehr fein behaart, am Rande scharf. Der stielrunde Blüthenschaft ist fein behaart, bis 60 cm hoch und trägt einen 25 cm langen Blüthenstand. Die Blüthenstielchen sind nicht gegliedert, von gleichlangen Brac- teen gestützt. Aeussere Perigonblättchen 3 — 5 nervig, innere einnervig, bis 15 mm lang, blasspurpur mit dunkleren Mittelnerven. Staubgefässe rothbraun, kürzer als die Perigonblättchen. Die Kapsel ist glatt und rund, enthält graue, geflügelte Samen. Er. inderiensis wurde beschrieben in Bull, de le Soc. des Nat. de Moscou tom IV p. 254 und XV p. 515. — Ledebour fl. rossica IV p. 91. — Memoires de l'Ac. imp. des Sciences de St. Petersbourg tom XII. Eremurus Kaufnmnni Rgl. Vaterl. Turkestan in den Bergen bis 8000 Fuss C28 K. Koopmann: Notizen über Turkestans Eremurus-Arten hoch. — Blätter linien-lanzettförmig 2'^ cm lang, '/.^ — i^l.^ cm breit, auf beiden Seiten feinhaarig. Der stielrundc Blüthenschaft ist feinwollig, bis 120 cm hoch und trägt einen 30 — ^o cm langen Blüthenstand, welcher sehr dicht mit Blüthen besetzt ist; oft über 400 Blüthen. Die am Rande gewimperten Bracteen sind von gleicher Länge, wie die ungegliederten Blüthenstielchen, alle Perigonblätt- chen sind einnervig, länglich elliptisch, 15 ww lang, lichtgelb mit dunklcrn Miltel- nerven. Staubgefässe dunkelgelb, etwas länger als die Perigonblättchen. Kapsel rund und glatt. Samen dreieckig, dunkelgrau. Ercmerus Korolkowi Rgl. Vaterland Turkestan, Chiwa auf lehmigem Sand- boden. Blätter schmal, linien-lanzettförmig, Y2 — i^liCm breit, bis 40 cm lang, am eirunde röhrig, glatt; Blüthenschaft stielrund, glatt, bis 40 cm hoch; Blüthen- stand 25 c/n lang mit ungegliederten Blüthenstielchen; die gewimperten Bracteen ungefähr gleichlang, wie letztere; alle Perigonblättchen einnervig, länglich-eiförmig, 15 mm lang, rosa mit dunklerem Mittelnerven: Staubgefässe bräunlich gelb, be- deutend kürzer als die Perigonblättchen. Kapsel rund, mit feinen Ouerfalten. Eremitnis Olgae Rgl. Vaterland Turkestan bis 5000 Fuss hoch. Blätter linien-lanzettförmig, i — 2 cm breit, 20 — 30 cm lang, am Grunde etwas gekielt, glatt mit scharfem Rande. Blüthenschaft stielrund, glatt, bis 60 cm hoch, trägt einen 40 cm langen Blüthenstand, welcher locker mit Blüthen besetzt ist. Die nicht gewimperten Bracteen werden von den ungegliederten Blüthenstielchen um das Doppelte ihrer Länge überragt; alle Perigonblättchen einnervig, länglich-eiförmig, 12 mm lang, lichtrosa mit dunklerem Mittelnerven. Staubgefässe dunkelrosa, so lang, oder wenig länger als die Perigonblättchen. Kapsel rund und glatt mit dreieckigen Samen. Eremurus robustus Rgl. Vaterland Turkestan bis 10,000 Fuss hoch. Synon. Henningia robusta Rgl. — Blätter breit, linien-lanzettförmig, 4 cm breit, bis 40 cm lang, fast flach, glatt mit scharfem Rande. Blüthenschaft stielrund, glatt, bis 2 m hoch; der bis ']o cm lange Blüthenstand trägt bis 500 Blüthen, deren un- gegliederte Stielchen fast horizontal abstehen; etwas kürzer als diese sind die gewimperten Bracteen. Alle Perigonblättchen einnervig, länglich-oval, bräunlich- rosa, mit dunklerem, oft braungrünem Mittelnerven, bis 20 mm lang. Staubgefässe braun, bedeutend kürzer als die Perigonblättchen. Kapsel glatt und rund. — Er. robustus wurde beschrieben in Rgl. Grtfl. tab. 729 — Bull, de la Soc. des Nat. de Moscou 1868. Eremurus spectabilis M. B. Vaterland Dsungarei und Turkestan in der Ebene und bis 10,000 Fuss Höhe. Synon: Er. caucasicus Stev. — Blätter hnien- lanzettförmig mit meist scharfem Rande, 2 — 3 cm breit, bis 60 cm lang; Blüthen- schaft stielrund, glatt, bis 120 cm hoch; der bis 50 cm lange Blüthenstand trägt bis 500 Blüthen. Bracteen fast gleichlang den ungegliederten Blüthenstielchen. Aeussere Perigonblättchen 3 — 5 nervig, innere ein nervig, \o mm lang, blassgelb. Staubgefässe i'/.,, — 2 mal so lang wie die Perigonblättchen, dunkelbraun. Die querfaltige, rundliche Kapsel enthält dreieckige, meist ungeflügelte schwarze Samen. Eine var. ß. variegatus Zoll, hat geflügelte Samen und weisse Blüthen. — Er. spectabilis wurde beschrieben in Hook. bot. mag. tab. 4870. Kunth. enumeratio plantarum tom IV j). 554. Stuttgartiae 1843. — ß'-'ll- ^^^ "^^ Soc. des Nat. de Moscou IV 250. Ledebour fl. rossica IV 190. Eremurus turkestanicus Rgl. Vaterland Turkestan bis 11,000 Fuss hoch. Blätter linienförmig, i — x^j.^ cm breit, bis 40 rw lang, glatt und fast flach. Der Ausstellung der Gärtner und Gartenfreunde von Weissensee. C2Q Stielrunde Blüthenschaft ist glatt, bis 80 cm hoch und trägt einen 40 cm langen Blüthenstand; die ungegliederten Blüthenstielchen sind von gleicher Länge wie die gewimperten Bracteen und tragen etwas übergeneigte Blüthen, deren äussere Perigonblättchen 3— 5 nervig, innere jedoch einnervig, länglich abgestumpft, 10 mm lang, lichtgelb-roth mit dunkleren Mittelnerven ; Staubgefässe purpurn, so lang wie die Perigonblättchen; Kapsel glatt und rundlich. Margelan, im August 1881. Ausstellung der Gärtner und Gartenfreunde von Weissensee vom 26. — 28. August 1882 im »Deutschen Zelt«. %^ ^^^ie Ausstellung bot ein höchst interessantes und zugleich lebhaftes Bild dar. Der Zahl nach nur eine geringe (10 Aussteller von ca. 30 Mitgliedern), war die Leistung derselben eine um so anerkennenswerthere. Hatte doch R. König allein 12 Gruppen aufgestellt, und für diese Gesammtleistung den I. Preis (silberne Staatsmedaille) erhalten. Namentlich sei hier der bunt- blättrigen Blattpflanzen des Warmhauses, der i jährigen Fiats elastica, 2 jährigen Erica hyemalis, des Plectraiitus fncticostis (Mottenpflanze), der im frischgrünen Blätterschmuck und blauer Rispen-Blüthe einem Calais nicht unähnlich sieht; der i jährigen Cyclamen persiatm, sowie unter den Teppichpflanzen namentlich der Yitcca qtiadricolor (acht) und der Chamaepatce triacantha, einer höchst malerischen, dekorativen Pflanze, gedacht. — Daneben konkurrirte R. Pengel jun. (2. Haupt-Preis, bronzene Staatsmedaille) mit wahrhaft ausgezeichnetem Adianten- Sortiment (aineatum, gracillimitm und farleyense) und diversen Lomarien; sodann ein in allen Farben- nüancen reichblühendes Sortiment gefüllter Scarlet-Pelargonien, einer grossen Gruppe I jähriger Cyclamen, als »beste Leistung« unter den Cyclamen-Kulturen bezeichnet. — Gleiche Auszeich- nung hatte sich G. Schmidt (Weissensee-Berlin) erworben, und zwar durch eine aus diversen Palmen und Blattpflanzen bestehende Kaisergruppe, sowie Kollektionen 2 jähriger Kronen- Myrthen und i jähriger Hydraiigea Otaxa. Als Sieger i. Vereinspreise traten uns dann entgegen: W. Schadow mit Gruppen 2 jähr. Dracaena mitans und 2jähr. Maranta zebrina; Fr. Bading mit Warmhauspflanzen und ijähr. Cyclamen persiaim; \V. Porrath mit niedrigen, ganz voll blühenden weissen und rothen Geor- ginen; H. WiTZEL mit gefüllt-weissen Primula ckinensis, einer Gruppe hochstämmiger sog. I jähriger (eigentlich 6 Monate alter) Fuchsien, Daniel Lambert, die sich durch enorme Kultur und grossen Blüthenreichthum besonders auszeichneten; W. Sivers mit einer Gruppe gefüllter sowie einfacher Scarlet-Pelargonien; G. Schultze, Ortsvorsteher von Weissensee, mit einer Kollektion diverser Gemüse (Bohnen, Zwiebeln, Carotten, Kohlrabi). — 2. Vereinspreise hatten Fr. Bading für hochstämmige Fuchsien, W. Porrath für Ficus elastica, ijähr. ; H. Witzel für Scarlet-Pelargonien; W. Sivers für Cyclamen erhalten. Aus dem sonst noch vorhandenen Material hob sich lobenswerth das Gladiolus-Sortiment von HAASE-Pankow hervor, und war namentlich von Fr. Bading noch ein grosses Contingent Pflanzen: wie Kronen-Myrten, Hor- tensien, Sanchezia nobilis ausgestellt. Besonders lehrreich erschien uns ein Kultur -Versuch von KÖNIG mit Erica hyemalis^ welche zum ersten Male in Weissensee mit günstigem Erfolge ge- zogen, sowie mit ijähr. Cyclamen persictiin, welche im letzten Stadium mit viel Luft behandelt, ausserordentlich schön gedrungene Pflanzen bildeten, vorzüglich im Knospenansatz, wohl die besten der ausgestellten Cyclamen. Wir finden in Weissensee keine Schaupflanzen im gewöhn- lichen Wortsinn, dafür aber Marktpflanzen, die als Schaupflanzen wohl passiren dürften. Die Force der hiesigen Gärtnereien beruht namentlich auf Anzucht von Cyclamen persiaim, Scarlet- Pelargonien, Kronen-Myrten, buntblättrigen Pflanzen des Warm- und Kalthauses, sowie Fuchsien und Georginen. Es ist der Fleiss und die Intelligenz hiesiger Firmen, welche, durchschnittlich Garten-Zeitung 1882. 35 coQ Ausstellung der Gärtner und Gartenfreunde des Ost-Havellandes. nur mit geringen Mitteln arbeitend, um so lohcnswerther in ihren Bestrebungen hervortreten, und so meinen wir — Der Mühe Lohn, des Fleisses Segen — wird nicht ausbleiben. Wohl ist es Aufgal>e jeder bildenden Kunst, zu welcher Kategorie nach unserer vollen Ueberzeugung auch die Gartenkunst gehört, sich die Elemente unterthänig, d. h. sie zur Arbeit geschickt zu machen, doch auch hier wie da gelten bei diesem Verfahren als Haujitwörter : »Fleiss und Einsicht". Hoffmann. Ausstellung des Vereins der Gärtner und Garten- freunde des Ost -Havellandes ^* . vom Q. — II. September 1882, W\ ■ (^aj^nter reger Betheiligung der Vereins-Mitglieder fand die Ausstellung im Wilhelmsgarten zu Spandau statt. — Die von 21 Ausstellern hier vorgeführten Produkte gewährten ein höchst stattliches Bild rührigen Wirkens und Schaffens des gen. Vereins. Wohl schien zugleich eine regere Betheiligung der Gemüse -Züchter Spandau's und Umgegend in Aussicht genommen zu sein, und wäre damit jedenfalls auch, die Realisirung des Wunsches vorausgesetzt, ein Haupt- Contingent zur Ausstellung mehr geliefert worden. Allein es giebt eben »gewisse Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen lässt«, die indess leider eine Einigkeit der Gärtner, ähnlich den vormalig antediluvianischen Zuständen unseres lieben Vaterlandes, doppelt so lange Zeit zu hemmen scheinen. — Die 2 silbernen Staats-Medaillen entfielen auf Herrn Obergärtner Stallbaum (Rittergutsbesitzer Körner & Sohn, Bocksfelde) für seine Gesammt- Leistung (eine Kaisergruppe, ein Sortiment buntblättriger Warmhaus- pflanzen, do. Begonien in 25 Sorten, do. Succulenten, do. Hülsen- und Halmfrüchten) sowie Herrn Kunst- und Handelsgärtner Seidel -Spandau für eine Gruppe blühender Marktpflanzen, 1 do. Erica in 10 Sorten, i do. Pelargonien in 25 Sorten, i do. Farne in 25 Sorten, i do. Teppichpflanzen in 25 Sorten, ein Maranten- sowie ein Succulenten-Sortiment, eine Gruppe Vibm-tium Timts sowie i do. Treibgehölze. — Je i bronzene Staats-Medaille dagegen erhielten Herr Kunst- und Handelsgärtner STEINICKE-Spandau für eine Gruppe blühender Marktpflanzen, I do. Metrosideros florib., i do. hochstämmiger Kronen-Myrthen (2Jähr.) und Herr Kunst- und Handelsgärtner BRÜNING-Spandau für das reichhaltigste Obst-Sortiment sowie eine umfassende Kollektion Gemüse. 2 Ehrenpreise zu je 37,50 Mk. erwarben sich Herr Kunst- und Handelsgärtner Roeschke- Spandau für das beste Gemüse- incl. eines sehr reichhaltigen Kartoffel-Sortimentes, sowie Herr Obergärtner Heiduck (Dr. Koch -Spandau) für eine Gruppe Succulenten und reichhaltiges Gemüse-Sortiment. Vereinspreise in P'orm einer grossen silbernen Vereins -Medaille wurden dem Herrn BuscH für eine grosse Kollektion Obst nebst dem zweitgrössten Kartoffel-Sortiment und dem Vor- sitzenden des Vereins, Herrn A. RuPKE-Pichelsdorf für Gesammt-Leistungen (als dem Ordner der Ausstellung sowie für eine gemischte Gruppe) zuerkannt. — Die mittlere silberne Medaille erhielten: Herr Amtmann ScHULTZE für sein Coniferen- Sortiment, Herr Kunst- und Handels- gärtner DoNNER-Spandau für Gesammt-Leistung (bestes Arrangement in abgeschnittenen Blumen, ein Sortiment Gemüse-Sämereien), Herr WEINRICH-Spandau für ein reichhaltiges Obst-Sortiment sowie Obst-Kultur in Töpfen. — Herr Obergärtner Kittner empfing für ein Sortiment Be- gonien in 25 Sorten sowie einer entsprechenden Leistung in Gemüse-Kultur, und Herr Kunst- und^Handelsgärtner UNRUH-Spandau für Kronen-Myrthen sowie gutem Gemüse je die kleine silberne Vereins-Medaille. — Ausser diesen wurden noch 4 mittlere bronzene sowie 4 kleine bronzene Vereins-Medaillen vertheilt, und zwar erstere 4 an Herrn Pohlers für knoUentragende Begonien, Herrn NAGEL-Hamburg für Bindereien aus getrockneten Blumen und Gräsern, Herrn Donner desgl., Herrn A. Rupke für Obst; letztere Auszeichnungen dagegen an Herrn Menzel für Erzeugnisse aus getrockneten Blumen und Gräsern, Herrn Kuhlmey für Töpfe und Samen- schalen, Herrn BRANDES-Hannover für Etiquetten, Herrn KARSTEN-Spandau für Schattendecken some geeignete Vorrichtungen. Hoffmann. Dr. Munter: Die Riesenbaisamine. 531 Die Riesenbaisamine, (Inipatiois glandidigcra Roylc s. Iiiip. Roylei Walp.) ein Bienenfuttergewächs für August und September. Von Prof. Dr. MüNTER-Cireifswald. jä^urch die Fürsorge des Kgl. Hofgärtners Herrn Reuter zu Sanssouci gelangte im September 1881 während der Potsdamer apistischen Ausstelkmg des Märkischen und Baltischen Central-Vereins für Bienenzucht die zwar lange schon bekannte, aber als Bienen-Nährpflanze bisher unbeachtet gebliebene Riesenbaisamine zur Kenntniss der Vereins-Mitglieder. Das lebend ausgestellte Exemplar wies sich durch die nicht allzu zahlreich mehr vorhandenen Blüthen zwar als eine Impatiens aus, Hess sich aber, da sie mit dem Species-Namen »glandtdigera Royla bezeichnet war und sich durch niedrigem, gedrungenem Wuchs auszeichnete, nicht sofort als völlig identisch mit der von Walpers (lange nach Royle) beschriebenen Impatiens Roylei Walp. erkennen, welche Referent bereits vor einer Reihe von Jahren im botanischen Garten der damaligen Kgl. Akademie Eldena in colossalen Exemplaren unter dem Namen Iiiipatletis Roylei Walp. kennen gelernt hatte. In Potsdam aber war sie als Bienenfuttergewächs ausgestellt und wurden ihr so viele gute Eigenschaften nachgerühmt, dass sich der Kgl. Kammerherr Herr von BEHR-Schmoldow bewogen fand, sie auf ihre Kulturfähigkeit in unserem Küstenklima und namentlich in Rücksicht ihrer Eigenschaft als honigliefernde Futterpflanze zu prüfen. Nachdem Herr von Behr ein kleines Quantum reifer Samen aus der Originalquelle erhalten hatte, übergab er dasselbe seinem Gärtner, Herrn Donau, der, ein gewiegter und glücklicher Pflanzenzüchter, die Samen folgender Art behandelte : Der Same ward in Längsrillen im Monate September 1881 auf einem kleinen Beete im Blumengarten ausgesäet: die Rillen waren 4 — 5 cm tief und befanden sich in einem Abstände von ca. 9 cm. Bei leichter Bedeckung während des Winters hielten dieselben gut aus, trieben im Frühjahr 1882 auf der Aussaat- stelle sehr kräftig, und nachdem die Pflanzen etwa 3 — 4 cm Höhe erreicht hatten, wurde eine kleinere Quantität derselben (nach Aufhören der Nachtfröste) in Entfernungen von 60 — 80 cm möglichst nahe dem Bienenstande ausgepflanzt. Schon in der zweiten Hälfte des Monates Juli erschlossen sich an den ab imd zu begossenen, bereits i V2 ^^'- hohen robusten Stengeln die ersten schön rothen Blüthen mit ihrer grossen Eingangsöftnung zu der reich fliessenden Honigquelle. Zahlreiche blattwinkelständige Zweige mit immer neuen Blüthen- massen erweiterten den Umfang der einzelnen Pflanzen in erstaunlicher Weise, so dass sie im Anfange des Monates September bereits eine Höhe von 6 bis 8 Fuss erreicht hatten, und, wie der Verf. und mit ihm der Kgl. Garten-Inspector Herr Dr. CioEZE am 3. September c. unter Führung des Herrn Kammerherrn VON Behr und Kunstgärtners Herrn Donau sich überzeugten, bei stillem klarem Wetter und hellem Sonnenscheine der Art von Bienen umschwärmt waren, dass man, ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, sagen musste, in jeder 35* w-^ L. Wittmack: der vielen Tausende von Blüthen befand sich eine Biene und die neu hinzu- kommenden hatten alle Mühe eine Blüthe zu erobern. Ist das Verdienst, eine so reich honigende Pflanze in der Riesenbaisamine nachgewiesen zu liaben, dem Kgl. Hofgärtner zu Potsdam nicht streitig zu machen, so hat der Kgl. Kammerherr von Bf.hr jedenfalls sich das Verdienst erworben, diese zukünftig wohl sehr bedeutungsvoll werdende Bienenfutterpflanze als solche bei uns eingeführt zu haben, denn durch Herrn von Behr's Fürsorge ist den betr. Handelsgärtnern, MitgHedern des Gartenbau -Vereins für Neu- vorpommern und Rügen, ein kleines Quantum reifen Samens bereits in der Vereins-Sitzung zu Grimmen am lo. September zur Erzielung grösserer Samen- mengen im künftigen Jahre, zugegangen, und werden, wie derselbe beabsichtigt, von der weiteren Samen -Ernte den Zweig -Vereinen des Baltischen Central- Vereins für Bienenzucht kleine Portionen zugehen. Durch die sorgfältige Behandlung dieser erstaunlich hohen, reichblüthigen und reichhonigenden einjährigen Riesenbaisamine erhalten die Herren Imker ein ebenso decoratives als werthvolles Gewächs für ihre Bienengärten, welches zu einer Zeit blüht und honigt, wo die Honigtracht sich auf Ackersenf, Buch- weizen, Haidekraut und Serradella reducirt; Gewächse, die jedoch theils nur spärlich bei uns wild wachsen, seltener sich im Grossen angebaut finden oder wie der Weissklee im September nur spärlich honigen. Mögen die Herren Imker sich daher den Anbau der Riesenbaisamine neben dem Borretsch recht an- gelegen sein lassen und dieselbe sorgsam pflegen. Der Park der Buttes Chaumont zu Paris. Von L. Wittmack, (Mit einem Plane.) '^^m Juniheft d. Z. S. 291 hat Herr Direktor Goethe in Geisenheim bei seiner trefflichen Schilderung der französischen Gartenbauverhältnisse die heutigen französischen Landschaftsgärtner mit Recht als Meister in der Technik, in der Ueberwindung der grössten Schwierigkeiten bezeichnet und als Beispiel be- sonders den Park der Buttes (d. h. Hügel) Chaumont angeführt. Von mehreren Seiten ist uns der Wunsch geäussert, etwas Näheres über diesen oft genannten Park zu erfahren und bringen wir deshalb nachstehend Plan und Beschreibung nach dem Prachtwerk von Alphand, Les Promenades de Paris.*) Band I. S. 198 ff Es heisst dort: Der Park der Buttes Chaumont nimmt den grössten Theil eines unfruchtbaren Terrains ein, dessen Name augenscheinlich lateinischen Ursprungs ist: Calvus mons d. h. Mont chauve, kahler Berg, zusammengezogen in Chaumont. — Ge- *) A. Alphand, Inspecteur general des ponts et chaussees, directeur des travaux de Paris etc., Les Promenades de Paris. Histoire, description des embellissements, depenses et creation d'entretiens des Bois de Boulogne et de Vincennes, Champs Elysees, parcs, Squares, boulevards, places plantees, etude sur l'art des jardins et arboretum. Verlag von J Rothschh.d, 15 rue de Saint Peres, Paris 1867 — 1S73. 2 Bde., gr. Fol. mit 4S7 Holzschn , So Stahlstichen und 23 Chromolithographieen (der Hauptzierpflanzen). Der Park der Buttes Chnumont zu Paris. 533 --^ L. Wittmack: schichtlich sind die Buttes Chaumont da(huch bekannt, dass im g. Jahrhundert die Pariser unter dem Grafen Ende auf diesen Hohen einen Angriff der Nor- mannen zurückschhigen. Ihr Sieg, welcher für einige Zeit die feindlichen Inva- sionen aufhielt, wird als Schlacht bei Montfaucon bezeichnet, nach dem Orte^ der auf dem Gipfel der Höhen lag und wahrscheinlich zur Falkenbeize diente. — Nach dieser Zeit fallen die Buttes Chaumont auf lange in Vergessenheit. Erst in der Mitte des 13. Jahrhunderts werden sie wieder genannt, leider aber im traurigen Sinne. Es war dort die Richtstätte, und seltsam genug, der be- rühmte Minister Enguerrand de Marigny, der sie da/Ai bestinmit hatte, ward einer der Ersten, der dort gehängt wurde! Mehrere Jahrhunderte behielten die Buttes Chaumont dies traurige Privilegium, der Galgen erhielt zwar eine andere Stelle daselbst, aber er ward erst aufgegeben im Jahre 1789. Nachdem er verschwunden, wurden die Buttes Chaumont, die nur noch ein- mal geschichtlich in der Schlacht bei Paris 18 14 erwähnt werden, der Platz für allen aus Paris geschafften Unrath; man sah noch vor nicht langer Zeit daselbst Abdeckereien und Lagerstätten von Abtrittsstoffen, welche nicht allein die be- nachbarten Quartiere, sondern je nach dem Winde selbst die ganze Stadt mit schädlichen Miasmen erfüllten. Erst im Jahre 1860 änderte sich die Sache. Es waren damals die Vororte Belleville und la Villette mit zur Stadt gezogen und die städtische Behörde be- schloss, einerseits aus Rücksichten auf die Gesundheit der Stadt im Allgemeinen, andererseits um den neu Incorporirten einen geräumigen Promenadenplatz zu schaffen, die Umwandelung der Höhen. Man erwarb ca. 25 ha Terrain, von der rue de Puebla bis nach der rue de Cfimee sich ausdehnend, und schuf darauf den gegenwärtigen Park. Begonnen wurde die Anlage im Jahre 1864 und vollendet (wenigstens nahezu) bereits zur Zeit der Weltausstellung 1867. Um einen Begriff von den colossalen Arbeiten zu geben, sei nur bemerkt, dass das Jahr 1864 kaum ausreichte, um nur im Groben die Terrainbewegungen auszuführen, trotzdem zahlreiche Arbeiter, Eisenbahnen und Dampfkraft zur Verfügung standen. Im Jahre 1865 und 1866 wurden die Erdarbeiten fortgesetzt, die Wege (5000 })C) geschaffen und die ganze Fläche mit fruchtbarer Erde bedeckt, denn der Mutterboden, Thon und thoniger Mergel, spottete jeder Vegetation. Die Pflanzungen begannen im Jahre 1865 auf der sog. Butte de Puebla und wurden vollendet 1866. Ueberall, wo es möglich war, benutzte man die vorhandenen Terrain-Abstürze, die Höhlen der alten Gypsbrüche, um dem Park das Ansehen einer bergigen Landschaft zu geben So ist z. B. die riesige Grotte, die 14 /// breit und 25 in hoch ist, der Platz, auf dem einst ein beträchüicher Gypsbruch lag. Ein Wasserfall, der hoch oben an der Stützmauer des Boulevards de la Vera-Cruz entspringt, stürzt sich mit einem Fall von 32 ;// Höhe in diese Grotte. Die erwähnte Stützmauer musste 15 m hoch, 50/// lang und 2 in dick gemacht werden, da die Thonmassen, auf denen der Boulevard sich befand, hinabzustürzen drohten. Einen besonderen Anziehungspunkt bildet das sog. Vorgebirge. Es ist ein detachirter Vorsprung, der den Anblick eines gewaltigen steilen Felsens bietet, von dem man auf einen ihn umgebenden, in schönen Linien entworfenen See Der Park der Buttes Chaumont zu Paris. 535 von 2 ha Oberfläche herabschaut. Zwei Bäche, von verschiedenen Punkten kommend, versorgen den See mit Wasser, nachdem sie 2 kleine Thäler durch- flössen. Zwei Brücken führen zum Vorgebirge, die eine, aus Mauerwerk, hat eine Oeffhung von 12//.! und hegt 20 m hoch, die andere, eine Hängebrücke, besitzt nicht weniger als 65 m Spannweite und gewährt bei ihrer zierHchen Construction einen herrlichen Anblick. Auf der Plattform des Vorgebirges, die mit Bäumen bepflanzt ist, befindet sich eine elegante Rotunde aus Steinen errichtet, von 8 Säulen getragen. Von ihr hat man eine wahrhaft entzückende Rundsicht. Eine Treppe im Innern des Felsens führt direkt zum See hinab. Auch andere Höhen sind noch benutzt, so die Buttes de Puebla und de Fessard, auf denen man ein vollständiges Pa- norama der Stadt Paris vor sich hat. Drei Schlössschen sind zu Cafe Restaurants bestimmt, das bedeutendere liegt am See, ein zweites am Abhänge der Höhe von Puebla, ein drittes auf dem Tunnel der Ringbahn. Acht Pavillons an den verschiedenen Eingängen dienen als Wohnungen für die Aufseher, ein ähnlicher am Boulevard de Vera-Cruz ist die Dienstwohnung des Oberaufsehers der Pariser Promenaden. Zahlreiche fahrbare Wege von 7 in Breite und einer Steigung nicht über 6 cm auf einen laufenden Meter gestatten den Wagen, den ganzen Park zu durch- fahren, trotz des so bewegten Terrains. Die Fusswege, nicht über 10 cm pro laufenden Meter steigend, aber öfter von Treppen unterbrochen, ermöghchen dem Fussgänger näher zum Ziel zu kommen und rasch auf die höchsten Punkte zu gelangen. Ausser den beiden erwähnten Brücken sind noch 2 andere vorhanden, eine mehr ein Steg aus Eisengitterwerk über der Ringbahn, eine andere schräge, von 18 m Spannweite aus Eisen auf gemauerten Pfeilern. — Das Wasser zum Be- giessen und zum Speisen der Cascaden wird durch Dampfmaschinen aus dem Canal de l'Ourcq in ein Reservoir gebracht, das am oberen Boulevard gelegen. — Der ganze Park ist von breiten Wegen umgeben und nur von einem Gitter umschlossen, damit nirgends der EinbHck in denselben verdeckt werde. Die Kosten für die Instandsetzung des Terrains wie für die gärtnerischen Arbeiten betrugen 2 936 760 Eres. 50 es., die für die Gebäude und das Gitter 475 859 Eres. 80 es., in Summa also 3 422 620 Eres. 30 es. (Wir erhielten 1S67 von Herrn Alphand schöne Photographien aus der Zeit des Werdens des Parks, die so recht die riesigen Arbeiten, von denen man jetzt, wo Alles fertig, kaum eine Ahnung mehr hat, erkennen lassen.) Amaryllis Rougieri Carr. (Neuheit.) Von Carl Mathieu. oHeder kennt wohl den Werth des im Herbst und Winter blühenden Hippeastrum robustiim (Amaryllis Tettani) , als einer für Zimmer und Gewächs- häuser beliebten Schmuckpflanze, welche sich durch ihre einfache und dankbare Kultur vor allen anderen Amaryllcn auszeichnet. Eine fast gleiche Amaryllis, r-2ß Carl Mathieu: Amaryllis Rougieri Carr. sowohl was Form und Gestalt der Blüthen und Blätter anbelangt, als auch in Hinsicht der Kultur, ist die unter dem Namen AniarylUs Rotigieri C. A. Carriere in der Revue horticole 1882. No. 14. p. 312 abgebildete und beschriebene neue Amaryllis, welche wie die alte A. Tettaiii oder Hippeastrum rohiistum demselben Zweck entsprechen dürfte, und unterlassen wir nicht, die neue Pflanze der be- sonderen Aufmerksamkeit der Liebhaber hiermit zu empfehlen, da nach der Beschreibung sie eine gute Handelspflanze zu werden verspricht, welches um so mehr zu schätzen wäre, da leider unbrauchbare Waare genug in diesem Zweige der Ciärtnerei jährlich mehr als zuviel für theures Geld angeboten und gekauft wird. C. A. CARRifeRE nannte sie zu Ehren des Gärtnereibesitzers RouGiER-Chau- vierc, welcher sie im Jahre 1872 mit einer Sendung Orchideen, worin die Zwiebeln zufällig sich befanden, aus Bahia erhielt. Sie blüht im Winter. Wir geben die Beschreibung nach Carriere wie folgt: »Die Pflanze ist von kräftigem, rasenartigen Wüchse, ähnlich hierin dem Agapanthus tonbellatiis , Zwiebel eiförmig, ihr Wachsthum ununterbrochen, am Grunde junge Brut entwickelnd, welche zur Vermehrung dient, Blätter bleibend, wenigstens für eine sehr lange Zeit, gebogen, eben, wenig rinnenförmig, bis über 30 cm lang, 4 — 6 cm breit, dick, lederartig, Oberfläche schön grün, Unterseite mehr oder weniger weinroth gefleckt, je nach dem Stande der Entwicklung, Blüthenschaft sehr kräftig, 25 — 40 cm hoch, aufrecht, cylindrisch, leicht meergrün, seitenständig. Knospen länglich oval, mit zwei Deckblättern versehen, die beim Aufblühen am Schaft herunterhängen und längere Zeit daselbst verbleiben. Blüthenstand zweiblumig, Blumen sehr gross, auf starkem sehr kurzen Blumen- stiel, sechstheilig, die vier äusseren Blätter schmal, leicht gedreht, die zwei seithchen viel breiter und flacher, blutroth, mit braunrothen Streifen und einigen Flecken. Der Grund oder Nagel des Blumenblattes grünlich gelb, Staubgefässbündel auf dem äusseren Blumenblatte liegend, Staubgefässe dick, vor dem Abfallen violett, Blüthenstaub grünlich gelb, Griftel dreispaltig, etwas über die Staubgefässe hervorragend. Die Pflanze ist sehr reichblühend und treibt in der Regel zwei Blüthenstiele bei starken Zwiebeln. Blüthezeit von October bis durch den Winter je nach der Stärke der Zwiebel oder Pflanze. Die Pflanze ist keineswegs zärtlich, und nimmt selbst mit dem kalten Hause vorlieb. Sie ist so starkwachsend, dass, wenn sich selbst überlassen, ihre Zwiebeln und Brut oft, gleich dem Aga- panthus, den Topf sprengen. Wir haben die Ueberzeugung, dass, wenn richtig behandelt, diese Art eine gute Marktpflanze Hefern wird, und man leicht ihre Blüthezeit zurückhalten oder antreiben kann, um die Blume zu dieser oder jener Zeit zu haben. Die Blumen halten sich sehr lange ohne zu welken. In Bezug auf ihre Pflege und Verviel- fältigung bietet die Pflanze keine Schwierigkeiten, da sie sich leicht vermehrt. Eine kräftige Laub erde scheint die beste zusein; die Abnahme der Brutzwiebeln findet beim Verpflanzen statt, welches geschieht, ehe die Pflanzen anfangen zu treiben. Jedoch kann man die Zeit des Austreibens etwas regeln, indem man die Pflanzen theils früher warm stellt, wodurch sie eher treiben, theils ihnen das AVasser entzieht, wodurch ein Stillstand im Wachsthum hervorgerufen wird, je nachdem man wünscht, sie in Blüthe zu haben.« H. Irmler: Vermehrung der Malmaison-Rose durch Wurzelabschnitte. c^y Vermehrung der Malmaison-Rose durch. Wurzel- ah schnitte. Von H. Irmler, (pr. Adr. Gebrüder Hanses in Rinseke bei Kirchhunden, Westphalen.) -}> Souvenir de Ja Malinaisoiu-, kann gewiss mit Recht in die Reihe der schönsten und beliebtesten Rosen gezählt werden, und ist ihre Anzucht daher von be- sonderer Bedeutung. Ich erlaube mir nun auf eine Vermehrungsmethode der- selben hinzudeuten, welche noch nicht allgemein bekannt sein dürfte. Allerdings beschränkt sie sich nur auf wurzelechte Exemplare, aber diese sind ja in den meisten Gärtnereien hauptsächlich vertreten. Ich wählte lo Stück 3 jährige Pflanzen, w^elcne ich im Herbst aus dem freien Lande nahm und schnitt die Wurzeln vermittelst eines scharfen Messers ab. Damit die Mutterpflanzen er- halten blieben, liess ich so viel Faserwurzeln an denselben, als nöthig war, und kürzte die Rosen natürlich auch oben stark ein. Die Wurzelabschnitte schnitt ich in kleine Stückchen von V2 — i '^'f^ Länge, steckte dieselben in Handkästchen, welche zuvor mit einer Erdmischung von i Theil Mistbeeterde und 2 Theilen Sand gefüllt wurden, so tief, dass die obere Schnittfläche mit der Erde in gleicher Höhe war, dann streute ich eine andere Erdmischung von i Theil Mistbeeterde, 2 Theilen Haideerde und 2 Theilen Sand, ungefähr 2 rnm darüber und stellte die Kästen im Kalthaus unter die Stellage, wo sie gleichmässig feucht gehalten wurden. Schon nach kurzer Zeit bemerkte ich zu meiner Freude, dass diese Stückchen schöne Wurzeln machten und sich bald darauf kräftige Triebe zeigten. Ich pflanzte diese in kleinere Töpfe, in denen ich sie langsam an's Licht gewöhnte. Das Resultat davon war ein sehr günstiges und wäre es sehr zu empfehlen, auch mit anderen werth vollen Rosensorten gleiche Versuche anzustellen, welche sicher lohnend ausfallen würden. Die Gartenbau-Ausstellung" in Genf. Von H. CORREVON, Inspektor des botanischen Gartens in Genf. ^l^ie 23. Ausstellung der Gartenbau-Gesellschaft in Genf wurde im Palais Electoral vom 7. bis 12. Sept. d. J. abgehalten und war wirklich reich und glän- zend. Freihch hätten englische, belgische oder deutsche Gärtner verhältniss- mässig wenig Warmhauspflanzen hier gefunden und noch w^eniger Neuheiten, denn wir stehen ja in der Hinsicht weit hinter den Nordländern zurück. Doch kamen wir ihnen wohl nach im Gebiete der Blumen und man kann wirklich sagen, dass dieser Theil der Gärtnerei nichts zu wünschen liess. Geranien, Lo- belien, Fuchsien, Bouvardien, Blatt- und Blumen-Begonien, Gesneriaceen, Coleus, Nelken etc. waren reichlich vertreten und die Alpenpflanzen fehlten auch nicht. Coniferen-Sammlungen waren da, in denen man einige Neuheiten sehen konnte. Was Galadium anbetrifft, so waren sie unübertroffen, was auch bei Blatt-Begonien der Fall war. Der Botanische Garten hatte eine Sammlung von 25 Species 538 H. Correvon: Die Gartenbau-Ausstellung in Genf. Eucalyptus ausgestellt und 2 prächtige Araucaria. Eine neu, wie es scheint, wiedergefundene Pflanze hatte viel Erfolg: Cissiis rotundifoHus}, von Dr. Schwein- FURTH gesandt. Diese merkwürdige und sehr schöne schlingende Pflanze hat ein dickes, dunkelgrünes und glänzendes Blatt, ähnlich, obschon grösser, wie Hoija carnosa. Sie kann vortheilhaft als Epheu in den Wohnungen benützt werden und der Dr. Schweinfurth fand sie in einer Wirthschaft des alten Cairo in Aegypten. Die Gemüse waren schön und reich repräsentirt; Artischoken, Blumenkohl, Melonen, Sellerie, Kraut, Tomaten, Aubergines (Eierfrucht), Bohnen, Erbsen etc. waren schön trotz des schlechten Wetters. Die Frucht -Sammlungen waren prachtvoll und wirklich ähnlich denen der grössten französischen Ausstellungen. Zwar waren die schönsten Früchte aus Frankreich selbst gekommen, aber unser kleines Land hatte doch auch sehr schöne Collectionen, welche den französischen fast gleich kamen. Ein Parfumeur unserer Stadt hatte grossen Erfolg mit 20 Sorten Produkte von Eucalyptus. Diese sehr hygienische Parfumerie wurde besonders besucht imd ist seit mehreren Jahren auch schon empfohlen durch unsere ganze Medi- cinal-Körperschaft. Ramondia pyrenaica Rieh. Diese kleine allerliebste Alpenpflanze, die von Alph. Decandolle zur Familie der Cyrtandraceen gerechnet wird (Prodr. IX 272), ist die einzige Art ihrer Gattung, welche sich kennzeichnet durch einen 5 theiligen Kelch, eine radförmige Blumenkrone mit 5 eiförmigen Lappen, 5 im Schlünde befestigte Staubgefässe, i einfachen Griffel, eine einfächerige 2-klappige Kapsel und zahlreiche kleine, weich- stachelige Samen. — Die Pflanze ist stengellos, die Blätter bilden eine Grundrosette, sind ei-herzförmig^ grob gezähnt, auf der unteren Seite mit langen rothen Haaren, auf der oberen mit kürzeren, weissen be- setzt. Die achselständigen Blüthenschäfte erscheinen zu mehreren, sind meist mehrblüthig und tragen die Blumen in einseitswendigen, fast doldenartigen Trau- ben. Die Blumen haben ungefähr die Grösse von 3 cm, sind violettpurpurn, mit einigen gelben Flecken am Schlünde und gelben Staubbeuteln. Sie wächst sehr leicht in Töpfen oder auf Felspartien in feuchter,, etwas geschützter Lage, in reichem, aber leichtem Boden. Sie muss nach »Journal of horticulture« 1882 2. Bd. S. 13, dem wir unsere Abbildung entneh- men, so gepflanzt werden, dass die Rosetten in gleicher Höhe mit dem Boden sind. Die Blüthezeit beginnt im Mai und dauert 2—3 Mo- nat. Vermehrung durch Zertheilung oder durch Samen. Die jungen Seitentriebe machen in sandigem Boden in einem kalten Kasten leicht Wurzeln. — In Eng- ^•: '■% ? X A I Fig. 120. Ramondia pyreuaka Rieh. Tropaeolum speciosum Poepp. et Endl. 539 land ist die Pflanze seit länger als 1731 eingeführt. — Linn]£ nannte sie Verba- sciun Myconi, unter welchem Namen sie im Bot. Mag. 236 abgebildet wurde. — Bei Haage & Schmidt in Erfurt sind Exemplare ä Stück 2 Mk. zu haben. Tropaeolum speciosum Poepp. et Endl. Diese von Poeppig und Endlicher in Nov. gen. et sp. pl. Chil. I 22 t 35 be- schriebene und abgebildete reizende Schlingpflanze hat fast schildförmige gefin- gert 6-zählige Blätter; die einzelnen Blättchen sind länglich, stumpf, unterseits weich behaart, welche Behaarung sich auch auf die 3 theiligen Nebenblätter und den Stengel erstreckt. Blumenblätter verkehrt herzförmig, damit grösser als der Fig. 121. Tropaeolum speciosum Poepp. et Endl. lang gespornte Kelch, die 2 oberen schmal keilförmig, die unteren fast kreisrund (nach unserer Abbildung rundlich viereckig, an der Spitze ausgerandet), glänzend karminroth, in's Scharlachrothe neigend. Das Vaterland ist nach genannten Au- toren (vergl. Walper's Repertorium I 466) Chili, doch ist die Pflanze von W. Lobb in Patagonien gefunden und durch Veitch in Exeter eingeführt worden. Das »Journal of horticulture«, dem wir letztere Notiz entnehmen, brachte in vol. III 3. ser. S. 521 eine Abbildung davon, welche wir in halber nat. Grösse hier wiedergeben. Es ist Tropaeolum speciosum, nach »J. of h.« sehr nahestehend dem Tr. pentaphylh/m, aber viel schöner und reichblühender. Es verlangt eine feuchte Atmosphäre und gedeiht deshalb in Schottland so üppig, dass es fast andere Pflanzen schädigt. Besonders wichtig ist, dass es Schatten liebt und daher selbst unter Bäumen gezogen werden kann. Gegen die Mittagssonne muss es Schutz haben und kann sogar an nördlichen Mauern, l'errassen etc. gepflanzt r^Q Die Blutlaus. werden. Zur Vermehrung bedient man sich der fleischigen Wurzeln, welche man gleich an Ort und Stelle i)flanzt, was in Schottland und England am besten im November oder December geschieht, bei uns also etwas eher stattfinden müsste. — Man kann diese Freilandpflanze, die viele Jahre aushalten soll, auch in Töpten in Ballonform ziehen. — Als zweckmässigste Erde verwendet man 3 Theile Lehm, 1 'J'heil Flusssand und i Theil Lauberde. Bei uns wird sie im Winter leicht gedeckt werden müssen. L. W. Die Blutlaus. ^1; VC ist eine allgemein bekannte Thatsache, dass die Blutlaus, namentlich hier in Berlin, fast den grössten Theil der schönsten Apfelbäume zerstört hat; dieses gemeingefährliche Insekt, welches wahrscheinlich aus Amerika importirt worden ist, tritt so verheerend auf, dass, wo nicht sofort schleunige und energische Bekämpfung eintritt, die grössten und gesundesten Bäume, welche seither die kostbarsten Früchte trugen, in ganz kurzer Zeit zerstört wurden und gänzlich abstarben. Die Betrübniss und Verzagtheit geht hier so weit, dass nur selten die Gartenbesitzer es noch wagen, einen neuen Apfelbaum zu pflanzen. In meinem jetzigen Wirkungskreise habe ich u. a. mehrere Aepfel-Bäume, welche ganz werthlose Früchte trugen, nochmal veredelt. Die betreffenden Bäume waren durchaus gesund und wuchsen kräftig. Leider habe ich mit den Edelreisern auch die so gefährliche Blutlaus eingeschleppt. Da ich die betreffende Baumschule als ein Muster-Institut kannte, war mein unbedingtes Vertrauen wohl begründet, ich wurde daher das Vorhandensein des Insektes erst gewahr, als schon beträchtliche Zerstörungen an den jungen Trieben eingetreten waren. Sofort wandte ich alle mir aus meiner früheren Stellung als Obergärtner in den grossartigen pomologischen Gärten des Herrn Generalkonsul Lade zu Geisenheim a. Rh. her bekannten Mittel: Lauge, Petroleum etc. an, aber nach kurzer Zeit trat das Insekt so rapide und gefrässig auf, dass in einigen Tagen ganze Zweige ■ zerstört wurden, und wo Petroleum wirklich einige Insekten tödtete, war auch gleich der verwundete Zweig mit zerstört. Stundenlang habe ich die angegriffenen Stellen sorgfältig mit den Händen bedrückt und unzählige Blutläuse getödtet, so dass meine Hände wirklich blutroth waren, alle unsägliche Mühe war trotz alledem aber ver- gebens und so stand auch ich diesem verheerenden Insekt ohnmächtig und betrübt gegenüber und musste zugeben, dass alle bekannten Mittel nur Palliativ-Mittel sind. Mein Kummer war um so grösser, da gerade die edelste Sorte Calville blanc, welche üppige Jahrestriebe von l — ^-^^m Länge getrieben hatten, befallen war und in solcher ver- zweifelten Nothlage wird man oft durch gewaltsame Schritte zum Ziele geführt. Beiläufig gesagt, wende ich alljährlich Asche von Eichenholz zur Vertilgung des so lästigen Mooses auf den Rasenflächen mit gutem Erfolg an, ich mischte diese Asche unter eine schwache Kalkauflösung (sog. Kalkmilch) und bestrich damit die behafteten Stellen, wodurch es mir allerdings gelang, die Blutlaus zu zerstören, ohne den jungen Trieben zu schaden, aber es ist eine so mühevolle und zeitraubende Manipulation, dass sie nicht überall und besonders sehr schwer an grossen viel verzweigten Bäumen auszuführen ist. Ich griff nun rasch ent- schlossen zum Wasserschlauch, womit die Rasenflächen befeuchtet werden, liess den Wasserstrahl mit Heftigkeit von allen Seiten durchstreichen und siehe da, alle Blutläuse waren verschwunden und thatsächlich ersäuft; dieses Experiment wiederholte ich einige Zeit täglich mehrere male und habe nie wieder ein Insekt bemerkt, die Wunden vernarbten schnell und der angegriftene Baum wächst üppig weiter. Hier in Berlin, wo das Wasserleitungsrohr überall hingelegt werden kann, ist die Sache überaus leicht und einfach, anders verhält es sich auf Landgütern und kleineren Ortschaften, dort würden sich die bewährten Gartenspritzen, welche ich in meiner früheren Stellung als Fürstlicher Hofgärtner aus der berühmten BEERMAN.v'schen Fabrik hier in Berlin vor dem Schlesischen Thor bezog und anwendete, dazu vortrefflich eignen, ja man könnte in diesem Literatur. 541 Falle sogar gleich dem Wasser etwas Kalk und Asche zusetzen, und, was hier der schwächere Strahl nicht so vermöchte, würde die Masse desto wirksamer thun. Diese Rasenspritzen er- füllten dadurch einen doppelten Zweck. Erwähnt sei noch, dass man nur aus Baumschulen Edelreiser beziehen miisste, wo man sich überzeugt hat, dass die Blutlaus darin absolut nicht vorhanden ist und würde es sich bei der Gemeingefährlichkeit des Insektes empfehlen, dass die Herren Baumschulenbesitzer für vorkommende, erweislicli gewissenlose Versendung der Bäume und Edelreiser polizeilich zu be- strafen event. zur Erstattung des angerichteten Schadens heranzuziehen wären, denn die Baum- schulen sind sicher der Heerd dieses so verheerenden Insektes. Es ist daher nicht genug Jedem anzurathen, jeden bezogenen Obstbaum und Edelreiss gründlich und scharf vor dem Einpflanzen resp. Veredelung mit der vorhin erwähnten Auflösung zu säubern. Zum Schluss füge ich noch hinzu, dass ich alljährlich im Herbst sämmtliche Obstbäume, so weit nur irgend zu reichen ist, mit obiger Auflösung bestreiche, wodurch ich viele schädliche Insekten im Keime vernichtet habe, was doch manchem Gartenbesitzer nicht so bekannt sein dürfte. Ich kann nicht unterlassen, nochmal darauf aufmerksam zu machen, dass der Wasser- strahl mit Vehemenz von allen Seiten durchstreichen muss, darauf allein kommt alles an. C. Altmann, Kunstgärtner in Berlin im Ministerium für Landwirthschaft etc. Literatur. Dr. Joseph Möller, Adjunkt der k. k. forstl. Versuchsleitung, Docent an d. technischen Hoch- schule in Wien, Anatomie der Baumrinden, Vergleichende Studien. Mit 146 Original- Abbildungen in Holzschnitt, gr. 8. 447 S. Berhn 1882. Verlag von JULIUS Springer. Eine Frucht des eingehendsten Studiums liegt hier vor uns ! Nicht weniger als 392 Arten von Rinden aus 95 Familien wurden untersucht, ihre Charaktere übersichtlich zusammengestellt und durch vortreffliche eigene Zeichnungen erläutert. Wir erhalten im MÖLLER'schen Werk zum ersten Male eine umfassende Monographie der Rinden, und wenn der Verf. auch zu dem Schluss kommt, dass man aus dem Bau der Rinde allein ein Gehölz nicht bestimmen könne, was ganz selbstverständlich erscheinen muss, wenn man die ganz verschiedenen Lebensbedin- gungen erwägt, unter denen oft verwandte Arten existiren, so erweitert er doch durch die Beschreibung einer grossen Zahl von Spezialfällen unsere Kenntniss in höchst dankenswerther Weise. Ganz besonders wichtig sind auch die am Schlüsse gegebenen Uebersichtstabellen, die immerhin die Bestimmung sehr erleichtern. L. W. Dr. R, BÖrusteiu, Professor an der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin, Regen oder Sonnenschein? Gemeinverständlicher Leitfaden der Wetterkunde nach dem heutigen Stande der Wissenschaft. Mit 27 in den Text gedruckten Abbildungen. Berlin, Paul Parey, 1882. 8. 112 S. Wir empfehlen dieses Buch den Gärtnern und Landwirthen bestens, es ist in der That ein gemeinverständlicher, aber dabei sehr gründlicher Leitfaden in der Meteorologie, den man mit Vergnügen liest und der gute Anleitung zu Beobachtungen giebt. Manche der vom Verfasser geäusserten Wünsche sind gottlob bereits erfüllt worden. 0. Hüttig, Der Obstbau. Kurzgefasste Anleitung zur x\nlage und Pflege des Obstgarten (Hausbücher Nr. 12). Stuttgart 1882. D. Gundcrt. 12. 59 S. Für 50 Pf. wird hier eine sehr brauchbare kleine Arbeit geboten, der die weiteste Ver- breitung, für die sie berechnet, auch zu wünschen ist. Dr. Herrmann J. Klein, Allgemeine Witterungskunde, nach dem gegenwärtigen Standpunkte der meteorologischen Wissenschaft für das Verständniss weiterer Kreise bearbeitet. Mit 6 Karten, - -2 Literatur. — Amtliche Bekanntmachung. 2 Vollbildern und 31 Abbildungen in Holzstich. (II. Band von: Das Wissen der Gegen- wart.) Leipzig, 1882 Verlag von G. Freytag. 8. 260 S. Für den unglaublich niedrigen Preis von l Mk. erhält man hier in geschmackvollem Ein- band eine vollständige Uebersicht der Witterungskunde, ja sogar der ganzen physikalischen Geographie! Der Verfasser bespricht Alles in klarer, leicht verständlicher Form und wird gewiss zahlreiche Leser finden, die wir ihm auch in den Kreisen der Gärtner und Gartenfreunde wün- schen, Herr Dr. Klkin ist Leiter der Wetterwarte der Kölnischen Zeitung und behandelt im letzten Kapitel auch die interessante Aufgabe: die Vorausbestimmung des Wetters, in aus- führlicher Weise. Schlllidlin. Hlustrirte populäre Botanik. Vierte Auflage in vollständig neuer Bearbeitung von Dr. O. E. R. Zimmkrm.^nn. Vollständig in 8 — 10 monatlichen Lieferungen (zu je 4 Bogen) a I Mark. Alfred Oehmigke's Verlag (Moritz Geissler), Leipzig. Mit vielen Holzschnitten und 933 farbigen Abbildungen auf 62 Tafeln, gr. 8. Das bekannte Werk erscheint, soweit wir nach den vier ersten Lieferungen urtheilen kön- nen, bezüglich des Textes und der Holzschnitte wirklieb ganz neu bearbeitet; die Farben- Tafeln aber scheinen die alten geblieben zu sein. Sie enthalten viel zu viel Abbildungen auf einer Seite und sind diese deshalb meist zu klein, um die Pflanze erkennen zu können. Das ganze Werk soll in 2 Haupttheile zerfallen, einen allgemeinen, welcher Anatomie, Physiologie und Geographie etc., und einen speziellen , der die Systematik behandelt. Was wir bis jetzt sahen, betrifft noch den allgemeinen Theil und ist dieser sehr gut, dem neuesten Standpunkt der Wissenschaft entsprechend und dabei doch leicht verständlich bearbeitet, wie man das bei dem Herausgeber, der Präsident der naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Chemnitz ist und sich namentlich viel um die Pilzkunde verdient gemacht, nicht anders erwarten kann. L. W. Amtliclie BekanntmactLung. Potsdam, 29. October 1882. Bei der Versendung lebender Pflanzen nach Ungarn sind die in der internationalen Reblaus- Konvention vorgeschriebenen Massnahmen mehrfach ausser Acht gelassen worden, und hat des- halb der zuständige Königlich Ungarische Minister Veranlassung genommen , die hier in Ab- schrift anliegende, mir von dem Herrn Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten mitgetheilte Note an das Kaiserliche General-Konsulat zu Budapest zu richten, welche ich dem Vorstande zur gefälligen Kenntnissnahme und Begutachtung ganz ergebenst mittheile. Der Ober-Präsident der Provinz Brandenburg. Staatsminister Achenbach. An den Vorstand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten, z. H. des Wirkl. Geheimen Raths Herrn Dr. Siri,ZER, Excellenz, Berlin. Königl. ungarischer Minister für Ackerbau, Gewerbe und Handel. Es sind wiederholt Fälle vorgekommen, dass hinsichtlich der Verpackung und Verfrachtung der aus dem Auslande herstammenden Sendungen lebender Pflanzen die Vorschriften des inter- nationalen Phylloxera-Uebereinkommens nicht eingehalten worden sind, trotzdem, dass die hierauf bezügliche Bestimmung in gehöriger Weise bekannt gemacht wurde. Indem es nicht meine Absicht ist, von dem durch das Gesetz festgestellten Verfahren ab- zuweichen, wird fernerhin eine jede solche Sendung, welche den erwähnten Bedingungen nicht entspricht, durch das Zollamt in vorschriftsmässiger Weise zurückgewiesen werden, demnach die Betreffenden allen hieraus etwa entstehenden Schaden sich selbst zuzuschreiben haben würden. Interessante blühende Pflanzen. 543 Hiervon beehre ich mich das General -Konsulat mit der Bitte zu verständigen, dasselbe wolle gefälligst seine Regierung in entsprechender ^Yeise informiren, damit event. die betreffen- den Interessenten hierauf aufmerksam gemacht werden. Budapest, den 7. September 1882. Für den Minister: gez. : Matlekovits. An das Kaiserlich Deutsche General-Konsulat in Budapest. Interessante blühende Pflanzen. Im September und Oktober 1882. 1. In der Königl. Hofgärtnerei zu Wilhelmshöhe bei Cassel. Cypripedium insigne. Lycaste Skinneri. Miltonia spectabilis. Restrepia antennifera. Zygopetalum Makayi » maxillare. Ende Oktober 1882. Mitgetheilt vom Kunstgärtner C. Wissenbach. Tropaeolum majus nanum fl. pl. H. Grashoff, dicht gefüllt, Scharlach. Tropaeolum majus nanum aurantiacum plenis- simum, dicht gefüllt, orange mit purpurnen Streifen und Flammen. Aechmea Weilbachi, prächtig! Anthurium Andreanum. » Scherzerianum grandiflorum. Begonia, sämmtliche in den vorigen Ver- zeichnissen erwähnte, stehen noch immer in vollem Flor. Ceropegia Gardneri, eigenthümlich gestaltete Blume von schmutzig weisser Farbe, reich mit dunkelbraun gefleckt. Lasiandra macrantha, purpurblau, grosse prachtvolle Blume. Nepenthes hybrida, |^, 3 Pflanzen stehen in Blüthe; jede derselben ist kaum i m hoch, die Erscheinung der Blüthen ist uns daher aufgefallen. Gewöhnlich blü- hen Nepenthes nur als grosse Pflanzen, macht N. hybrida eine Ausnahme? Ruellia macrantha, die grossen, zahlreichen, lebhaft karmoisin gefärbten Blumen ma- chen die Pflanze zu einem der empfehlens- werthesten Winterblüher. Stephanophysum longiflorum, Scharlach. Streptocarpus Rhexi, blassblau mit purpurnen Streifen. Tropaeolum Lobbianum Lucifer, feurig orange Abutilon, in verschiedenen Farben, in roth weiss und gelb; besonders grossblumig und leuchtend: Firefly. Acacia platyptera, gelb Calceolaria fuchsiaefolia, gelb. Chrysanthemum, über 60 Varietäten in den schönsten Farben. Crowea saligna, rosenroth. Dillwinya splendens, bräunlich orange Erica colorans | D caffra l weiss. » hyemalis j Fuchsia, sämmtliche im vorigen Verzeichniss genannten stehen noch in schönstem Flor. Habrothamnus Hügeli, trübscharlach. Leptodactylon californicum , rosa, blüht das ganze Jahr hindurch. Phalacraea Wendlandi, lebhaft blau, blüht schon mehrere Monate, recht zu empfehlen, besonders zur Binderei. Salvia, sämmtliche im vorigen Verzeichniss genannten blühen noch. Tremandra verticillata, blau ^ sind selten ganz Witseniacorymbosa,himmelbl. / ohne Blumen. Veronica, i Dutzend in schönen Nuancen von blau und roth. 544 Interessante blühende Pflanzen. Im Grossherzoglichen Hofgarten zu Carlsruhe (Baden). Ende September 1882. Mitgetheilt vom Ilofgärtner Graebener. Sarcanthus teretifolius Ldl. O r c h i d e a e. Ansellia africana hdl. Angraecum disticluini Ldl. Cattleya guttata Ldl. ß. Leopoldii. » Skinneri Batem. Coelogyne finibriata Ldl. » Lagenaria Ldl. » maculata Ldl. a pandurata Ldl. i> Wallichiana Ldl. Dendrobium chrysanthum Wall. D densiflorum Ldl. Miltonia spectabilis Ldl. v. Moreliana. Odontoglossum Alexandrae Batem. » grande Ldl. D vexillarium Rchb. fil. Pescatorea Lehminni Rchb. fil. Restrepia antennifera H. B. K. » " V. fusca. Saccolabium Dayanum Hort. Stanhopea oculata Ldl. » tigrina Batem. Wardii Lodd. Trichopilia tortilis Ldl. Zygopetalum intermedium Lodd. Aeschynanthus grandiflorus Spr. » pulcher D. C. Erythrochyton hypophilanthus Planch et Lind. Drosophyllum lusitanicnm L. Laportea gigas Wedd. Liebigia speciosa D. C. Ixora coccinea L. Musaenda frondosa L. Halleria lucida L. Pellionia Daveanana N. E. Br. Pandanus caricosus Rumpf. Rhitidophyllum floribundum C. Lern. Spathicarpa platyspatha L. Herrenh. Thunbergia laurifolia Ldl. 3. In der Reichsgräfl. Wilh. v. Magnis'schen Orchideen-Sammlung zu Eckersdorf. Im Oktober 1882. Mitgetheilt von G. Kittel jun. Angraecum pelkicidum. Lindl. Sierra Leone. Ansellia africana vera. Lindl. Sierra Leone. >> » spec. natalense. Lindl. Sierra Leone. Arpophyllum giganteum. Hartweg. Mexico. Brassia glumacea. Lindl. Merida. Calanthe masuca. Lindl. Nepal. » vestita rubro-oculata. Lindl. Moul- mein. Cattleya Forbesii. Lindl. Brasilien. Coelogine fimbriata. Lindl. Nepal. » fuliginosa. Lindl. Nepal. j> Gardneriana Lindl. Nepal. » speciosa. Lindl. Java. Cymbidium Mastersii. Lindl. Ost-Indien. Cypripedium insigne. Wall. Nepal. » » Maulei. Hort. Nepal. » longifolium. Rchb. fil. Costa Rica. >> vcnustum. Wall. Ost-Indien. Dendrobium bigibbum. Lindl. Nord-Austrahen. » chrysanthum. Wall. Nepal. "> formosum giganteum. Lindl. Sylhet. Epidendrum ciliare. Lindl. Jvlartinique. Eulophia pulchra. Lindl. Comoren. Galeandra Devoniana. Hort. Amazonenstrom. Laelia euspatha. Rchb. fil. Brasilien. Masdevallia Reichenbachiana. Endr. Costa Rica. Masdevallia tovarensis. Rchb. fil. Columbien. » Wagneriana. Linden. Venezuela. Maxillaria picteo. Hook. Brasilien. » » major. Hort. Brasilien. ' squalens. Hook. Brasilien. " venusta. Columbien. Mormodes aromaticum. Rchb. fil. Mexico. i> pardinum unicolor B. Mexico. Odontoglossum Bictoniense. Lindl. Guate- mala. Odontoglossum cristatum. Peru. » grande. Lindl. Guatemala. » pulchellum. Lindl. Guate- mala. Odontoglossum Sanderiana. Rchb. fil. Mexico. i> triumphans. Neu-Granada. Oncidium ornithorinchum. H. B. K. Mexico. 3 Papilio. Lindl. Panama. nteressante blühende Pflanzen. — Ausstellungen. c^e Phajus cupreus. Rchb. fil. Amboina. Restrepia antennifera. II. K. B. Anden von Paraguay. Uropedium Lindenii Lindl. Neu-Granada. I Vanda tricolor Veitchi. Lindl. Java. Zygopetalum intermedium. Lodd. Brasilien. » niaxillare. Lodd. I'vasilicn. 4. Im Garten des Hrn. Commerzienrath H. Gruson in Buckau-Magdeburg. Mitgetheilt von J. Pettkrsson, Ubergärtner. Musa (fliffortiana. Lycaste macrophylla. Rosanovea straminea. Aristolochia ornithocephala. Anthurium Lindigi. » Andreanum! » Dcchardi! Aralia filicifolia. Carica gracilis. Hibiscus Colleri. Rivinia tinctoria. Spathiphyllum cannaefolium. a Patini. Stanhopea oculata. Gartenbau- Ausstellungen. Berlin. Für die grosse gemeinsame Berliner Ausstellung vom 15. — 23. April 1883 hnt Ihre Majestät die Kaiserin bereits huldreichst einen Preis zugesagt; desgleichen Ihre Kaiserl. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin. Vom Ministerium für Landwirthschaft etc. sind, entsprechend der hohen Bedeutung der Ausstellung, 6 grosse silberne Staatsmedaillen für Leistungen im Gartenbau (die sonst nur auf besonderen Antrag verliehen werden), 12 kleine silberne und 20 l^ronzene Medaillen bewilligt. — Das Gebäude, in welchem die Ausstellung stnttfinden wird, hat inzwischen seinen Namen ^ nicht aber seine Besitzer) ge- ändert. Es heisst nicht mehr Skiting-Rink, sondern I'hilharmonie. — Die Anmeldungen zur Ausstellung oehen in sehr erfreulicher Weise ein, so dass man den tüchtigsten Lei- stungen aus ganz Deutschland entgegensehen kann. — Der nöthige Garantiefonds von 20—30000 Mark ist von Vereinsmitgliedern und Freunden des Gartenbaues in wenigen Tagen gezeichnet worden, und so auch die finanzielle Lage des Unternehmens in jeder Weise sicher gestellt. — Programme bei Hrn. Üekonomierath Späth, Berlin SO., Köp- nickerstrasse 154. Gent« II. internationale Gartenbau-Ausstellung der Societe royale d'agriculture et de botanique, vom 15.-22. April 1883 nebst Congress von Handelsgärtnern. Gleichzeitig daselbst Aus- stellung der Compagnie continentale d'horticulture (vormals Linden). Personalnachricliten. Der um das Gartenwesen so verdiente Prof. Munter, Direktor des botanisshen Gartens in Greifswald, beging am 25. September d. J. seine silberne Hochzeit, wobei ein Theil der Pro- menade ihm zu Ehren » Müntergrund » getauft wurde. Der Direktor des botanischen Gartens in St. Petersburg, Wirkl. Staatsrath Dr. Regel, er- hielt den Annen-Orden erster Klasse! Unser MitgHed G. DiPPE, Quedhnburg (Inhaber der Firma Gebr. Ditpe), ist zum Oekono- mierath ernannt. Eingegangene Preisverzeiclinisse. Louis van Houtte in Gent, Belgien, (Prix courant Nr. 200 des plantes vivaces de pleine terre, plantes alpines, chrysanthemes, dauphinelles , fougeres de pleine terre, graminees orna- mentales etc. etc.) — Auguste van Geert in Gent (Prix courant general Nr. 83). — Baum- schulen des städtischen Hofgartens zu Landshut (Obstbäume, P'ruchtsträuclier, Zierbäume, Rosen, Sträucher und Saatkartoffeln). — Rittergut Zöschen bei Merseburg (Hauptkatalog der Obst- und Gehölzbaumschulen). — Naundorfer Gartenbauschule bei Prettin a. Elbe. C. Platz und Sohn in Erfurt {Haarlemer Blumenzwiebeln, Knollengewächse, Samen zur Herbstaussaat, nebst Auszug aus dem Hauptkatalog über Obst- und Zierbäume, Sträucher, Rosen, Stauden und Pflanzen). Gutzeit in Moskau. — James Carter & Co., London, Zamia (Enäphalartos) villosa importirt. — Leopold Trillon, Meunier & Vallet in Les Rosiers an der Loire (General-Katalog für Hkndler). — L. Späth in Berlin SO , Köpnickerstr. 154 (Haupt-Preisverzeichniss der Baum- Garten-Zeitung 1882. 36 546 Sprechsaal. schulen pro 1882 — 1883, Nr. 55). — Böttcher & Voelcker in Gross-Tabarz in Thüringen (Engros-l'reisverzcichniss über Nadel- und Laubholz-, Gras- und Oekonomie-Sämereien). Sprechsaal. l'"rage 35. v. M. in S. \\ ie macht sich Populus aurca am schönsten? Welcher Hinter- grund? — Mehrere /.usaiiiiiien? Im Verein mit Blut-Ulme oder mit Silberpappel ? Antwort: Es ist wohl Fopii/us canadensis fol. var. gemeint. Diese ist aber überhaupt nicht sehr schön. Frage 36. T- R- in ^ *• ^^ ii-' sind niedere Rosenpflanzen in Massen am zweckmässigsten zu bezeichnen, wenn sellje ausge]jflanzt werden? — Im Heft li der »Garten-Zeitung« befindet sich ein Artikel von H. MÜi.lkr in Praust über Zinketiquetten, welcher dem Bedürfniss zur Be- zeichnung grösserer und vielleicht auch Topfpflanzen genügend entspricht, nicht so demselben für kleinere Stecklingspflanzen etc. — Seit ca. 30 Jahren beschäftige ich mich mit Rosenkultur, fand schon früher und finde noch heut an den von verschiedenen Orten bezogenen Rosenpflanzen einen Streifen Walzblei mit eingepresster Nummer als Bezeichnung, welche Methode ich eben- falls gebrauche, da mir eine bessere bisher nicht bekannt geworden ist, und trotzdem dieselbe schädlicli wirkt. Die Erfahrung hat mir untrüglich bewiesen, dass die Bleistreifen dem Gedeihen der Rosen nachtheilig und der Hauptgrund, ja vielleicht oft die alleinige Ursache sind, warum über Winter viele niedere Rosen zu Grunde gehen. Sei es das sich bildende Oxyd, oder sei es der durch den Bleimantel fortdauernd erhaltene kalte Umschlag, genug, der diese Um- hüllung tragende edle Theil der Pflanze kümmert sichtlich oder stirbt bald ab. Dabei habe ich beobaclitet, dass sich Wurzelhalsveredelungen besser erhalten, wenn das Bleietiquett um die Wurzel und nicht um das edle Holz gewickelt wird, somit unter die Erde kommt. Dies würde dafür sprechen, dass meine letztere Annahme, die Erkältung, die Hauptschuld an dem Erkranken der Pflanze trüge. Abgesehen davon, dass diese Methode aus vielen Gründen nicht empfehlens- werth ist, lässt sich dieselbe bei schwachen, z. B. bei Stecklingspflanzen, gar nicht einmal an- wenden. — Seit einigen Jahren gebrauche ich verzinnte Bleietiquetten aus der Handlung Haend- LER & Natermann in Hanno v.-Münden. Diese Streifen sind sehr dünn, dabei zähe und halt- barer als unverzinnte, und will es mir scheinen, als ob diese weniger nachtheilig seien, dies würde dann meiner ersten Schädlichkeitsannahme entsprechen. Jetzt beabsichtige ich die von Herrn Müller empfohlenen Zinketiquetten zu versuchen, indem ich dieselben mit feinem Kupfer- draht befestige. — Vielleicht interessirt diese Frage grössere Kreise der Rosenzüchter und wür- den gütige Mittheilungen über Erfahrungen der umfangreichen Zahl derselben gewiss willkom- men sein. Wir bitten Diejenigen unserer geehrten Leser, welche längere Erfahrungen gemacht haben, um gefl. baldige Nachricht. D. Red. Frage 37. H. H. in F. Woraus sind beifolgende Hüllen, in denen importirte Cigarren verpackt waren, gemacht? Antwort. Aus der Blüthenscheide einer Palme, vielleicht Oreodoxa. L. W. Frage 38. J. K. in W. W^ann ist der genaue Termin für die grosse Berliner Aus- stellung? Antwort. Vom 15. — 23. April 1883. Wir bitten Sie, Anmeldungen baldigst an Herrn Oek.-Rath Si'ätii, Berlin SO., Köpnickerstr. 154 gelangen zu lassen. Frage 39. O. C. in B. Durch die Reblaus -Konvention bin ich genöthigt gewesen, die an meinem Wohnhause befindlichen Weinstöcke zu entfernen und bin ich jetzt im Zweifel, welches Schling- oder andere Gewächs ich zum Schmuck desselben verwenden soll. Welche Pflanzen wären wohl so geeignet wie Wein, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden ? Antwort. Statt der Weinstöcke würde ich an die Südseite des Wohnhauses Pfirsich oder Winterbirnen, wie Diol's Butterbirne, Herzogin von Angouleme, Vereins -Dechantsbirne, Luizet's Butterbirne, Steckmann's Butterbirne, General Totleben und Madame Verte pflanzen; an die Ost- und Westseite Aprikosen oder folgende Birnen: Eugene Appert (Sept.-Oct.), Dr. Jules Guyot (Sept.), Graue Dechantbirne (Oct.) , Clapp's Lieblingsbirne (Aug.), Giffard's Butterbirne (Aug.), Birne von Tongres ((kt.-Nov.), Seckelsbirne (Herbst), Mad. Treyve (Sept.-Oct.), ■ Es- perens Herrenbirne (Sept.-Oct.\ Gute Louise von Avranches (Sept.-Oct.), Williams Christbirne (Sept.). Holzfarbige Butterbirne (Herbst). An die Nordseite könnte Lange Lothkirsche kommen. — Veranden und Lauben würde ich mit Lonicera Caprifolium, Lonicera Periilymeniun, Ckmatis patcns und /««//■^'/«r'j-rt -Varietäten, Celastnis scandens, Menispermuvi cattadertse, Periploca graeca oder Prairierosen bepflanzen. — In Belgien und auch in Frankreich sieht man an den Häusern häufig prachtvolle Obst-Spaliere, namentlich Birnen. (S. »Gartenzeitung« S. 218. D. Red.) Wildpark. W. Lauche. Druck vou Gebr. Unger (Th. Grimm) in Berlin, Schönebergerstrasse 17a. Anzeigen. 20000 BöS@Ö 20,00) aller Gattungen. Auf allen Ausstellungen mit den ersten Preisen gekrönt. Katalog mit Kultur- anvveisung steht frei zu Diensten. Empfehle mich zu ßliiiiieii- Arraiigemeiits und PflailZt'll-Decoratioiieu zu jedem Zweck. ! 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Ein [jraktisch wie theoretisch gebildeter Gärtner, 48 für Gewächs- und Wohnhäuser, Fabriken etc. nach neuesten Erfahrungen das Vorzüglichste. welchem über seine Reliiiiigungen die besten Zeugnisse z. Seite stehen, Inhalier mehrerer Staats- medaillen, sonstiger ehrender Anerkennungen und erster Preise, sucht anderweitiges Engagement. Näh. bei H. E. VVeildt, Berlin. Dessauerstr. 32. Ein Gärtner, verheirathet, zuverlässig u. tüchtig in allen Fächern d. Gartenbaues, fähig jed. Gärtn. selbstst. vorzu- stehen, sucht Stellung. Beste Zeugn. u. Empfehl, Näheres d. Dr. Stkin, Insp. d. Botan. Gartens zu Breslau. H. 51 Ein tiiclltiger (jrärtlier, in allen Branchen der Gärtnerei, sowie im Planzeichnen und Feld- messen erfahren, der seit vielen Jahren eine grosse Gärtnerei selbstständig leitete und zu seiner Aus- bildung längere Zeit im Auslande conditionirte, sucht 9 gestützt auf gute Zeugnisse, sofort oder bis I. Januar 1883 als Obergärtner bei hohen Herrschaften anderweitige Stellung. 41 (■'/-•) Gefl. Briefe unter K. 41 bef. d. Exp. d. Bl. G-rottensteine— Tuffsteine in prachtvollen Formationen waggonweise und in kleineren Partien. ^ Uebernahme grösserer Anlagen durch geübte Grottenbauer unter coulanten Bedingungen. Permanentes Lager von ca. 500° Centner. lUustr. Cataloge franco zur Ansicht. Otto Zimmermann, Inhaber der Tuffstein-Gruben und Gartenarchitect in Grensseu in Thüringen. 3 ('V'O J. D. Dencker Kunst- und Handelsgärtner iriaiiiii 46 Eimsbiittel , Gärtner -Strasse No. 46 empfleht die neue Primula chinensis fimbr. 11. mm Im ff. prämiirt vom Hamburger Gartenbau- Verein mit der silbernen Medaille, die schönste, grösste u. vollblühendste, die bis jetzt alle anderen Sorten übertrifft, abzugeben und zum ersteu Mal im Handel von jetzt ab per Stück 8 Mark. Anzeigen. Die Baumscbule, Kunst- und Handelsgärtnerei von Theodor Jawer, Nieder-Schönhausen bei Berlin, empfiehlt zu äusserst soliden Preise» alle '^-5>Si- B£nj.mscli"u.l--<^rtil^el -^-^ (sämmtlich auf Sandboden gezogen) und Ijesonders: (Obstbäume in allen Formen, Alleebäume, Fruchtsträucher, Ziergehölze, Coniferen, Rosen, .Spargelpflanzen, Maiblumenkeime, Stauden etc. etc. Ferner als Specialität die gangbarsten Sorten Palmen in allen Grössen und jedem Alter sowie die beliebtesten Warm- und Kalthauspilanzen und ein wohlassortirtes Gras-, Gemüse- und Blumensamen-Lager. 35 ('/j) Catalo^e gratis und frauco. "^Q Malblumeil- Keime. | Reine feine Hornfeüspähne In Wegezin'bciWegczin'sind augenblicklich 1 %' Gärt,i.Temptkhlt die Hornpfeifen- Fabrik mehrere Tausend Stück ßlUthen- und Blattkeime I 47 A. P. F. Y. Rolland, Berhn, Poststr. 10/11. der O»^ grossbliimisren Maiblume "m^ ' Unterzeichneter ist in der Lage, Haselnuss- verkäutlich. l'reis 100 Stück 5 Mark. 1 Mustersortlmente , je 10 Früchte in 10 bis Wegezin, den 2. November 1882. ^o Sorten, gegen Entgeld abgeben zu können. 45 E. Schnür, Gutsbesitzer, Radekow bei Tantow. 50 J. Hafner. Verlag von PAUL PAREY in Berlin SW., 91 Zimmerstrasse. Deutscher Gartenkalender. h- zehnterTTahrgang i883. -; Herausgegeben unter Mitwirkung des Deutschen Gärtner-Verbandes in Erfurt. * Ausgabe mit einer halben Seite weiss Papier pro Tag. In Calico geb. 2 M. Ausgabe mit einer ganzen Seite weiss Papier pro Tag. In Leder geb. 3 Jl. Der Deutsche Gartenkalender ist in allen Gauen Deutschlands mit einer Sympathie begriisst worden, welche jede Erwartung übertraf und als ein voll- gültiges Zeugniss dafür gelten darf, dass seine Begründung aus der Seele der deutschen Gärtner- und Gartenfreunde geschah und im Wesentlichen ihre Wünsche betreffs der Einrichtung eines solchen Kalenders richtig erkannt waren. Unsern Dank glauben wir am besten dadurch zu beweisen, dass wir diesen ausserordentlichen Erfolg uns nur einen Sporn sein lassen, auf jeden Wunsch, jeden Rathschlag der Männer der Praxis genau zu achten und den Kalender immer grösserer Vollkommenheit und Brauchbarkeit entgegen zu führen. Die Ausstattung des Kalenders, sowohl was Güte des Papiers und Klar- heit des Druckes, als auch Haltbarkeit des Einbandes und Handlichkeit des Verschlusses angeht, dürfte jedem Anspruch genügen, und der im Verhältniss zum Gebotenen niedrige Preis konnte nur im Vertrauen auf einen grossen Absatz so normirt werden. Zu beziehen durch jede Buchhandlung.^ VERHANDLUNGEN .l.-s Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirten Bogen, um dieselben am Sehluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate von Mitgliedern ist die Verlagshdlg. (Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmcrstr.) verpflichtet, zum Preise von 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile aufzunehmen, falls ihr dieselben direct iibereandt werden. 651. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 30. November 1881. Den Vorsitz führte der i. stellvertretende Director, Herr von Saint Paul- 1 1 1 a i r e. Der Schatzmeister, Herr Sonntag, erbat sich vor der Tagesordnung das Wort und sprach der Versammlung seinen Dank für die ihm an seinem 70. (Ge- burtstage dargebrachten Glückwünsche und das bei der (ielegenheit ihm über- reichte Andenken (eine prächtige Cycas revolutd) aus. Das Protocoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Einwendungen dagegen nicht erhoben. Zum wirklichen Mitgliede wurde vorgeschlagen : Herr Kunstgärtner F. Accum, Berlin. I. Erster Gegenstand der Tagesordnung war die Beschlussfassung über den Beitrag des Vereins zu der in der ersten Hälfte des April 1883 seitens der gärtnerischen Vereine in und um Berlin beabsichtigten grossen gemeinsamen Ausstellung. Nach längerer Discussion beschloss die Versammlung, die Aus- stellungs-Etatsmittel zweier Jahre ä 1500 Jl , also 3000 Jt zu den Kosten der Ausstellung und ausserdem 2000 J( zu dem (iarantiefonds zu Ijewilligen, dabei aber ausdrücklich zu erklären, dass der Verein unter keinen Umständen- mehr bewilligen könne und bei einem etwaigen grösseren Deficit nicht haftbar sei. Herr Späth als Vorsitzender des aus Delegirten der verschiedenen Vereine bestehenden Ausstellungscomite's erklärte das Letztere für selbstverständlich, ebenso dass diejenigen Vereine, welche keine Geldmittel bewilligen, auch keine Delegirten entsenden können. Herr Perring wünscht dementsprechend die Zahl der Delegirten nach dem Verhältniss der bewilligten Mittel, nicht nach der Zahl der Mitglieder der verschiedenen Vereine festgestellt. II. Hierauf beschloss die Versammlung, die Sitzungen künftig am letzten Donnerstag im Monat (nicht mehr Mittwoch's) und zwar während des Winters im Bibliothekzimmer des Vereins in der landwirthschaftlichen Hochschule, In- validen-Strasse 42, abzuhalten. III. Die Winterausstellung beschloss die Versammlung, am Sonntag, den 15. Januar 1882 in der Passage abzuhalten. Staats- und Ehrenpreise etc. sollen nicht erbeten werden, um dafür im Jahre 1883 für die gemeinsame Ausstellung hoffentlich desto mehr zu erhalten. IV. Herr Reinhold Gaertner hielt einen Vortrag ül)er ja])anische essl:)are und technisch wichtige Algen. 651. VersaiDiiiliiiig des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. V. Herr Potonie legte eine Varietät der gewöhnlichen Wicke, Vicia sativa, vor, die anstatt der Ranke ein Endhlättchen trägt, und für die er den Varietäts- namen imparipinnata vorschlägt. (Siehe Monatsschr. d. V. z. B. d. G. 1881, S. 558.) VI. Ausgestellte Pflanzen: Von Herrn (lustav Fintelmann, Potsdam, waren 4 Poinsettia (EupJiorbia) pulclicrriiiia (jra/i. in einer Schönheit ausgestellt, die alle Anwesenden in Staunen versetzte und für die ihm von den Preisrichtern Herren Drawiel, Carl Mathieu und Per ring der Monatspreis zugesprochen wurde. Ueber die von ihm angegebene Kultur wird in einem besonderen Artikel berichtet werden. Herr Janicki, Berlin, Potsdamerstr.. hatte vortreffliche Nelken eingeliefert, für die ilini ein Ehrendiplom zu Theil wurde. Es waren die Sorten A/Icgaticre, Alphonse Kan-, Chateaubriand, Irma, La Favortte, B Hermine , Liicifer und Saint Arnaud. Diese sind als beste für den Winterflor zu bezeichnen, sie blühen von Mitte November bis Mitte März. Die vorgeführten stattlichen Exemi)lare waren einjährige Stecklinge. Herr Krüger überbrachte ein in schönster Blüthe stehendes Pancratiitm speciosum Salisb., um auf diese alte, aber oft nicht genug gewürdigte Pracht- pflanze wieder aufmerksam zu machen. Sie gedeiht am besten im Warmhause bei einer Temperatur von 10 — 15 ''R., verlangt einen aus Moor- und Mistbeeterde nebst Sand gemengten Boden und entwickelt ihre grossen, schneeweissen Blumen besonders leicht, wenn sie ein oder einige Male veri)flanzt wird. Vn. Hierauf wurde die neue Reblausconvention besprochen und be- merkt, dass namentlich den Baumschulen jetzt noch weit mehr Schwierigkeiten beim Export erwachsen als früher. Bei der vorgerückten Zeit wurde beschlossen, den Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. VIII. Auf Anregung des Herrn Späth beschloss die Versammlung, Herrn Garten-Inspector Tittelbach in Poretsche zu seinem 25jährigen Dienst- und zugleich 25 jährigen Mitglied-Jubiläum ein Glückwunsch-Schreiben zugehen zu lassen. IX. Herr Wittmack legte vor: a) das Jahrbuch der Kgl. geologischen Eandesanstalt, in welchem u. A. ein sehr interessanter Aufsatz des Herrn Prof. Dr. Lauffer, betreffend die geognostische Durchforschung des Babelsberges bei Potsdam nebst Karte befindlich. Am Schluss seiner Untersuchungen kommt Herr Dr. Lauffer zu dem Resultat, dass einzig und allein der guten Pflege, dem Dünger und vor allem der reichlichen Bewässerung das vortreffliche Ciedeihen der Pflanzen auf dem an sich geringen Boden zu danken sei. Herr Drawiel, der s. Z. selber Augenzeuge war, wie der Park zu Babelsberg unter Leitung des Fürsten Pückler-Muskau angelegt wurde, beschrieb im Anschluss daran des Näheren, mit welch' grossen Opfern alte Bäume im vollsten Laub versetzt, dabei aber auch kräftig mit Kuh- dünger gedüngt wurden. b) das mit vorzüglichen Farbendrucktafeln ausgestattete, entomologische Werk des Prof. Schmidt-Göbel über die den (rärtner und den Forst- mann, sowie den Landwirth interessirenden Insecten. c) eigenthümliche, hexenbesenartige Missbildungen der Knospen von Syringa vulgaris aus dem Thierarzneischulgarten in Berlin, die durch Gallmilben, Phytoptus, erzeugt sind. Zuerkannte Preise bei der 2. Winterausstellung. (\\ d) einen männlichen Zapfen von Encephalartos villosus aus der Flora, den Herr Oberg. Du da freundlichst übergeben. X. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen; I. Herr Professor Dr. Frank, Herlin. 2. Herr Baumschull)esitzer Luche, Kl. Flottbeck bei Altona. Zuerkannte Preise bei der 2. Winter-Ausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues zu Berlin am 15. [anuar 18S2. I. Programm - Preise. 1. Y\\x blühende Rosen: Den 2. Preis, i grosse silberne Medaille und 100 Mark, Herr Wendt. 2. für blühende Rosen: Den 3. Preis, i grosse silberne Medaille und 50 Mark, Herr Witzeil. 3. für eine Kollektion blühender Nelken: Den I. Preis, i grosse silberne Medaille und 100 Mark, Herr Janicki. 4. für eine Kollektion blühender Veilchen: Den I. Preis, i kleine silberne Medaille und 30 Mark, Herr Kerkow- Pankow. 5. für frisch getriebenes Gemüse: Den I. Preis, i grosse silberne Medaille und 100 Mark, Herr Insp. Ha m p e 1 -Koppitz. II. Ausserhalb des Programms. 6. Für abgeschnittene Rosen: I goldene Medaille Herr Spiess, Lockstedt bei Hamburg. 7. für abgeschnittene Rosen (Marechal, Niel und Gloire de Dijon): I grosse silberne Medaille und 50 Mark der Schlossgärtnerei Reuthen bei Spremberg (Oberg. Held). 8. für getriebene Sträucher: I grosse silberne Medaille und 50 Mark Herr Allardt. 9. für ein Arrangement aus Orchideen: I grosse silberne Medaille Herr Kuntze (J. C. Schmidt). 10. für abgeschnittene Nelken: I grosse silberne Medaille Herr C. Dackn er- Steglitz. 11. für diverse Pflanzen: Den Preis des Herrn Verlagsbuchhändlers Parey: Nietn er 's Buch der Rose, Herr Wendt. 12. für ein neues Veilchen, Kaiserin Augusta: Den Preis des Herrn Verlagsbuchhändlers Parey: Rümpler's illustr. Lexikon, Herr Rathke & Sohn in Praust bei Danzig. 13. für diverse Pflanzen: 50 Mark Herr Oberg. Krüger. 14. für abgeschnittene Veilchen: I kleine silberne Medaille und 30 Mark Herr Becker in Lockstedt bei Hamburg. (4) Unentgeltlich abzugebende Samen. 15. für Diverses: Herr P. Smith & Co. Hamburg-Bergedorf, i Ehrendiplom. Ausserdem spricht das l'reisrichteramt dem Herrn Hofgärtner Nietner zu Charlottenburg, welc.lier ausserhalb der Concurrcn/. ausgestellt hat, seinen be- Dank aus sonderen. Die Preisrichter: Gakrdt. Haak. C. L. ^^'. AIai'hifai. C. Crass. K. Dresslek. Neukirch. Jf)SEPH Klar. Unentgeltlich an die Mitglieder des Vereins zur Ik^förderung- des Gartenbaues abzugebende Samen. Mel(luilg-cn hh /um 15. Februar d. .1. beim General Sekretariat Berlin X., Invalidenstr. 42. A/ Cocarden. 6. » Deutsche Kaiser. 7. » Zwerg -Bouquet. 8. Balsaminen, Rosen, verschiedene Farben gemischt. 9. Chrj'santhemum inodorum plenissimum. 10. Levkojen, grossblumige, versch. Karl), gem. 11. Dahlia coccinea. 12. Dianthus caryoph. tl. Grenadin. 13. Godetia, Lady Albemarle. 14. llyacinthus candicans. 15. Gnaphalium Leontopodium. 16. Gaillardia picta Lorenziana. 17. Gnaphalium decurrens. 18. Eschscholtzia californica alba plena. 19. Nicotiana affinis. 20. Petunia hybr. grandifiora gemischt. 21. Petunia hybr. granditl. fimbriata gemischt. 21 a, Petunia hylir. nana compacta multiflora (Reich), cult. und geschenkt von Hrn. Schwarzburg. 22. Phlox Drummondi grandifiora. 23. Reseda odorata ameliorata aurea. 24. Silene pendula fl. pleno. 25 Tagetes signata pumila. 26. Scabiosa atrop. nana fl. pleno. 27. Tropaeolum minus coccineum. 28. » Lobbianum cardinale. 29. Xeranthemum annuuai grandifl. purp pl. 30. Zinnia Darwini fl. pl. 31. » » j> vittato. Gurken. 32. Lange Berliner Aal-. 33. Rollisson's Telegrapli. 34. Schwanenhals-. 35. Noa's Treib-. Erbsen. 36. Daniel O'Rourke. 37. Laxton's early long pod. 38. Laxton's Unique. 39. Dr. Mac I.ean's. 40. \\ uniiev \(in Amerika. (^Zwerg.) H. Gemüse -Samen. Bohnen. 41. Fr. kleine weisse Wachs-. Stangen-. 42. Krup. Bohne Kaiser Wilhelm. 43. » Weisse Ilsenburger. 44. » Gelbe Flageolet. 45. » Rothe Flageolet. B 1 u m e n k o h I. 46. Berliner früher. 47. Erfurter Zwerg-. Kop fkohl. 48. Fr. Zuckerhut. Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (5) 49. Schweinfurter. 50. Dunkelrother Berliner. BUitterkohl. 51. Brauner krauser. Kohlralii. 52. Berliner fr. weisse. 53. Wiener « Rosenkohl. 54. Dalkeith. Wirsigkohl. 55. Ulmer. 56. de Vertus. 57. Chou Marcelin. Nr. M o h r r ü 1) e. 58. Pariser Treil)-. 59. Douwicker. 60. von Nantes. S a 1 a t r ü b e. 61. Schwarzrothe lange. Salat. 62. IJippe's. 63. Kaiser Treib-. 64. Kl. Montree. R a d i e s. 65. vom I)reienl)runnen. R e 1 1 i g. 66. Sommer gelber runder. 67. ^Vinter schwarzer runder. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 2. December 1881 (Armin-Hallen, Commandanten-Strasse). Nach Verlesung des Protocolls der vorigen Sitzung durch den Schriftführer verliest der Vorsitzende das Schreiben des Königlichen Kammerherrn und Schloss- hauptmann Herrn von Normann vom 25. November 1881, worin derselbe im Höchsten Auftrage Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Frau Kron- prinzessin den Dank für die von der Gesellschaft der Gartenfreunde am 21. No- vem])er 1881 dargebrachten Glückwünsche vermittelt: Die von dem Vorstande Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin zum 21. November dargebrachten Glückwünsche sind von Höchstderselben mit aufrichtiger Befriedigung entgegengenommen. Ihre Kaiserliche Hoheit beauftragen mich, dem Vorstande für diesen Be- weis der Theilnahme und Anhänglichkeit in Flöchstihrem Namen bestens zu danken. Berlin, den 25. November 1881. (gez.) VON Normann, Königl. Kammevlierr und Scidossliauptmann. An den Vorstand der Ciesellschaft der Gartenfreunde. Hier. Die Localfrage gab wieder Veranlassung zu unliebsamen Erörterungen und wird, da es nicht in der Macht des Localinhabers zu stehen scheint, das Local, in welchem die Gartenfreunde augenblickhch tagen, zu einem behaglichen um- zuschafifen, es sich die Gommission, sowie der Vorstand angelegen sein lassen, die nächste Versammlung, wenn irgend möglich, schon nach einem andern, den Wünschen der Gesellschaft Rechnung tragenden Locale zu berufen. Als Locale, die sich für unsere Zwecke eignen dürften, werden Gafe Gehre, l^uvinage, das alte Arcliitcktenhaus u. n. m. N'or'ieschlaf'eii. (6) Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Darauf ging man zu der nach den Grundbestimmungen in der ersten Mo- nats-Sitzung des J )ecenil)cr stattfindenden Wahl des Vorstandes über und wurden die Aussclieidenden, und zwar der erste Vorsitzende, Schatzmeister, Schriftführer und liibhothekar, also Herr Späth, von Fürich, Kletschke und Bluth mit Stimmenmehrheit wiedergewählt. Die Wiedergewählten nahmen die Wahl an. Da binnen Kurzem sich der Reichstag mit der Reblaus -Konvention vom 3. November 1881 zu beschäftigen haben wird, diese, wenn immerhin einige Er- leichterungen mit sich bringend, andererseits für Baumschulen und Gärtnereien mancherlei Erschwerungen im Gefolge hat, trägt der Vorsitzende darauf an, bei Zeiten eine Petition an das Reichsamt des Innern einzureichen, in welcher ge- beten wird, die Beschränkungen, welche in dem art. 3 der (]u. Convention sub a, b, r, d entlialten, entweder zu streichen, oder zum Wenigsten zu mildern. Das betreffende Schriftstück wird seiner Zeit der Versammlung vorgelegt werden. Aufgestellt hatte Herr Wiehle (Schüneberg) zwei blühende Pancratien, von denen sich namentlich das eine Exemplar durch seine schneeweissen, grossen und wohlriechenden Blumen auszeichnete. Da Herr Wiehle durch Krankheit verhin- dert war, heute zu erscheinen und über sein Culturverfahren zu sprechen, Herr Krüger aber auch Prancrazlilien mit Erfolg cultivirt, so bemerkt dieser, dass A?i% Fancratium am besten in einem Warmhause von 10 bis 15° Wärme gedeihe, demselben eine aus Moor- und Mistbeeterde bestehende, reichlich mit Sand ge- mischte Erde am meisten zusage, und es während der Wachsthumzeit viel Wasser und flüssigen Dünger verlange. Herr Brettschneider rathet die Pancratien nie zur Ruhe kommen zu lassen und wird im Allgemeinen es für gut befunden, sie ähnlich den AmaryUis zu behandeln. Häufig werden die mehr genannten Knollengewächse von der rothen Spinne heimgesucht. Herrn Wiehle wurde der Dank der Ciesellschaft zu Theil und seiner Lei- stung der Monatspreis zuerkannt. Zu No. 2 der Tages-Ordnung übergehend, betr. das Treiben von Ranunkeln und Anemonen, so liegen augenblicklich keine günstigen Resultate bezüglich die- ser Treibereien vor. Herr Kunkel hatte sich aus Holland Knöllchen zum Trei- ben kommen lassen; dieselben hatten aber leider keinen grossen Blüthenreich- thuni aufzuweisen. Der selige Garten-Inspector Bouche beschäftigte sich vor Jahren mit dem Treiben der Ranunkeln in der Weise, dass er die Knöllchen im Spätherbste in Töjjfe legte, die Töpfe in Erde einliess und damit überdeckte ; den Töpfen wies er entweder im freien Grunde des Kalthauses oder im kalten Mistbeetkasten ihren Platz an, und hielt darauf, dass die Erde stets massig feucht war. Kamen die 'l'riebe durch die Deckschicht, so wurden die Töpfe aus der Erde genommen und möglichst nahe dem Lichte unter Glas aufgestellt. Bei einer durchschnittlichen Temperatur von 8—10" und bei aufmerksamer Behandlung ermöglichte es Herr Bouche im März imd April blühende Ranun- keln zu haben. Die Ranunkeln in einem kalten Kasten und trocken zu treiben ist an einer Stelle missglückt und folgert Herr Eggebrecht diesen Misserfolg aus dem Man- gel an Eeuchtickeit. Protükdll der Gesellschatt der Garlciifrcmidc Berlins. ('7\ T)a wie schon Eingangs bemerkt, keine Erfahrungen bezügHcli der Treibe- reien von Ranunkehi und Anemonen vorUegen, che Bhmien aber immer werdi sind, im März und April als Ersatz für Hyacinthen, Tulpen und Narcissen ein- zutreten, dürfte es wohl angezeigt erscheinen, sich mit der Cultur und dem Trei- ben der Raninikeln und Anemonen für die P'olge angelegentlicher zu befassen. Was die Cultur der LiHen anlangt, so dürfte hier wohl nur die Cultur im freien Lande gemeint sein, da solche, ausser Liliiini auratum und lancifoliiim, bei uns in den Häusern nicht gezogen zu werden pflegen. Die Zwiebeln sind auf gut drainirtem Untergrund in nahrhafte Erde nicht zu tief zu legen. Es empfiehlt sich, die Beete den Winter über mit Compost und langen Mist abzudecken, die Erde selbst feucht zu halten und eignet sich zum glücklichen Gedeihen der Liliencultur ein lehmhaltiger, oder wenigstens ein mit Rasenlehm gemischter Boden. Herr Driese hat die Erfahrung gemacht, dass die Lilien auf durchlässigem Boden tief, auf schwerem Boden flach gepflanzt, am besten gedeihen. Herr Bluth rathet die Lilien beim Pflanzen in der ersten Zeit zu beschatten. Lilium candidum verlangt zu gutem Gedeihen i^^ — 2" mit Erde bedeckt zu sein. Die Schwierigkeiten, welche z. Z. den Gärtnern etc. Seitens der Forstver- waltung beim Bezüge der Haideerde aus dem Grunewald gemacht werden, lassen auf Mittel sinnen, wie diesen abzuhelfen und wird man dahin schlüssig, dem Herrn Oberförster von Schleinitz durch eine Commission, bestehend aus Herrn Hofgärtner Hoffmann, Herrn Käding und Herrn Speck, die Bitte zu unter- breiten, das frühere Verfahren, bezüglich der Abfuhr der Haideerde wieder ein- zuführen. Der gräflich Dönhoff'sche Kunst- und Obergärtner Herr Schrötter zu Quittainen (Pr. Holland) wurde zum Mitgliede ]jroclamirt und Herr Fabrikbesitzer Q u i e 1 als Mitglied angemeldet. Verhandelt Berlin, den 16. December 1881, (City-Hotel, Dresdener-Strasse). Der Vorsitzende begrüsste die Vereinsmitglieder in dem nunmehr zum Sitzungs- iocale gewählten City-Hotel .und knüpfte daran den Wunsch, dass die Versamm- lungen sich desselben regen Besuches zu erfreuen haben möchten, wie in dem früheren Locale. Hierauf wurde tlas Protocoll der vorigen Sitzung verlesen und der Versamm- lung der Wortlaut der Petition mitgetheilt, welche die Gesellschaft der Garten- freunde in Verbindung mit dem Gartenbau-Vereine dem Reichsamte des Innern bezüglich der Reblaus-Convention überreicht hat. Da den betreffenden Behörden kein statistisches Material zur Hand zu sein scheint, woraus der Export und Import der Handelsgärtnereien, Baumschulen etc. ersichtlich ist, oder wie Herr Garten-Inspector Wredow betont, welchen Werth die Handelsgärtnereien etc. repräsentiren, wird eine aus den Herren Späth, Wredow, Hofgärtner Hoffmann und Kletschke bestehende Commission ge- wählt, welche der Frage näher treten sollen, auf welchem Wege man am Besten und Leichtesten in den Besitz des gewünscliten Materials gelangen dürfte. {^} l'rotokolJ ilcr Gcsellschall der (jaitciiIrL-iiii.lc Ijcrlius Herr l?hith hatte einige schön und reich blühende Exemplare von Ceiitro- pogon Luciaiium ausgestellt, von denen er bemerkt, dass, obgleich Warmhaus- pflanzen, sie doch auch kälter und frei cultivirt werden können. Im November l)il(let das Centropo}^on Knospen und jjlühl frühestens im December, es will nicht im Warmhaus cultivirt werden und eben weil es hier und da zu weich cultivirt wird, zeigt es sich nicht widerstandsfähig genug. I )ie Vermehrung dieser zu empfehlenden Pflanze lässt sich am Leichtesten aus Stecklingen herbeiführen. Herrn Bluth wurde der Monatspreis zuerkannt. Darauf beschäftigte man sich mit der Frage über die C'ultur der Champig- nons und wird diese sjjäter nacli dem (iange der Discussiuii im Zusammenhange gebracht werden. Die nächste Sitzung tuidet am 6. Januar 1882 statt. Tagesordnung für die Sitzung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 3. Februar, Abends 7 '/._, Uhr im rothen Saale des City -Hotels. 1. Berathung der Vorschläge auf Abänderung der Grundbestimmungen der Ge- sellschaft. 2. Vortrag des Herrn Dr. Bolle: :?Ueber die \"erwendung exotischer Gehölze in Parkanlagen .. 3. Bericht des Ausschusses für die Kassen-Revision. 4. Verschiedene Mittheilungen. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Donnerstag den 36. Januar, Abends 6 Uhr in der landwirthschaftlichen Hochschule, im Bibhothekzimmer des Vereins, Invalidenstrassc 42. 1. Hr. Orth: Bericht über die Düngungsversuche seitens des Vereins auf dem Terrain der Kgl. Gärtnerlehranstalt zu Potsdam. 2. Hr. Witol^ck: Zur Geschichte der Camellien und der indischen Azaleen. 3. Diskussion über die Winterausstellung. 4. \"erschiedenes. Beiträge zum Denkmal für K. Koch. (10. Januar 1882.; Bestand am 14. Juni 1881 " 1499-55 «-^^ ferner eingegangen am : 1881. Juni 30. Juli-Coupon der angekauften goo Ji 4'/-^ pCt. Pfdjjr 20, TS - Juli I. von Dr. Bolle erhalten für in Holland gesammelte Beiträge . . 532,90 ^ December 7. Dr. Carl Bolle, Beitrag 40,00 ^ » 31. Januar 1882, Coupon der angekauften goo^l{ 4'/2 pC't. Pfdbr. 20,25 " Bestand am 31. December 1881 '. 2112,95 --^^ L. Späth, Schatzmeister. Berichtiguugen. In der Monatsschrift December-Heft 1881 lies: Seite 530 Z'^'Ie 13 von oben: Nouvelle Eulvie statt Nouvelle Filine. 540 " 14 uiitiii: die Lilien in Töpfen nicht ganz austrocknen zu lassen, statt ganz austrocknen zu lassen. * 56' '' i- " oben: Mistresse (so ist es nämlich in Folge eines Druckfehlers in Regel's Gartenrtora geschrieben) statt Mistress. VERHANDLUNGEN Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten unii .1fr Gesellsciiaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verliandlung'pn erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf bosnnders paginirten Bogen, um dieselben am Si'hluss jedes Bandes im Ziisanunenhano; heften lassen zu kiinncn. — Insurati- von Mitglie.lc-rn worden mit If) Prg. (statt 3:. Pfi;.) pro Spaltzeili- berenhm-t, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmurstr., direct Ubersandt werden. 652. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 29. Dcccmber 1881. Den Vorsitz führte der Director, Herr Wirkl. (ieheimer Ratli Dr. Sulz er, Excellenz. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Einwendungen dagegen nicht erhoben. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 1. Herr Kunst- und Handelsgärtner Vehmeyer, Berlin. 2. » Rittergutsbesitzer Dr. Dieck, Zöschen b. Merseburg. 3. Die Obst- und Weinbau-Lehranstalt in Geisenheim. 4. Der Gartenbau-Verein für Pankow-Schö nhau sen. 5. Herr Kunst- und Handelsgärtner Kamos, Charlottenburg. Der Director, Herr Sulz er, widmete dem verstorbenen Geh. Ober-Reg.-Rath Knerk. der 14 Jahre lang dem Verein als Director vorgestanden und dem der Vorstand Namens des Vereins den verdienten Lorbeerkranz auf den Sarg gelegt, warme Worte der Anerkennung; die Anwesenden erhoben sich zum Zeichen der Theilnahme von ihren Sitzen. Herr Sulz er beglückwünschte hierauf Herrn Per ring zu seiner Ernennung zum Lispector des Kgl. Botanischen Gartens, und sprach die Hoffnung aus, dass er den Verein in gleichem Masse unterstützen werde wie sein Vorgänger. L Herr (). Hüttig erklärte, dass in der von ihm S. 561 der Monatsschrift aus Regel's Gartenflora citirten Stelle das Wort Mistress Bosanquet vom Setzer richtig gesetzt sei, anstatt dass es bei Regel, wahrscheinlich in Folge eines Druckfehlers Mistresse geschrieben stände und auch hier hätte so gedruckt wer- den müssen, um eben zu beweisen, dass es bei Regel falsch sei. IL Herr Klar bemerkte, dass er in seinem Aufsatz über die Blumen- zwiebeln S. 540 d. Monatsschrift ZI. 14 von unten habe sagen wollen, man müsse darauf halten, dass die Zwiebeln in Töpfen nicht eintrocknen. IIL Eine lange Diskussion erhob sich über die neue Reblausconvention. Der Vorstand theilte mit, dass er der Eile wegen selbstständig in (Gemeinschaft mit dem Vorstande der Gesellschaft der Gartenfreunde eine Petition an die grösseren Gartenbau-Vereine Deutschlands gesandt habe mit der Bitte, diese zu unterzeichnen und dem Reichsamt des Innern zuzuschicken. Ein Abdruck der- selben sei auch jedem Reichstagsmitgliede zugestellt. Herr Späth rügte, dass die ungarische Regierung schon jetzt nach der neuen Convention verfaln-e, und keine Gewächse aus Gärtnereien, die Reben rjQ\ 652. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. kiiltiviren, mehr zulassen wolle, obwohl die Convention erst am 17. Mai in Kraft treten soll. Das Rcichsamt des Innern will versuchen, eine Abänderung dieser Massregel durchzusetzen. Das Wort »Terrain < in Art. 3 n ist im amtlichen deutschen 'I'ext durch »Bodenfläche« übersetzt, so dass auf demselben (Grundstücke doch Weinreben kultivirt werden können. Herr Magnus schilderte, wie drückend für die italienische Gärtnerei das dort ganz streng gehandhabte Verbot der Einführung jeglicher lebenden Pflanzen sei. (Italien hat sich bekanntlich der Convention nicht angeschlossen.) Wie er aber aus eigener Anschauung bei seinem Aufenthalt in Italien 1881 be- merkte, thut sich daselbst jetzt eine mächtige Bewegung kund, um die drücken- den Bestimmungen aufgehoben zu sehen. Redner war 4 Wochen auf Sicilien. Trotzdem, dass dort seit 6 — 7 Jahren mit aller Strenge das Einfuhrverbot von Pflanzen aufrecht erhalten wird und man selbst die für's Herbar gesammelten Pflanzen des Redners nicht recht durchlassen wollte, ist die Reblaus im Innern der Insel an Orten, die wenig Handelsbeziehungen haben, aufgetreten und von Targioni Tozzetti constatirt worden. — An der Si)itze der Bewegung steht Prof Inzenga*) in Palermo. Derselbe ist davon durchdrungen, dass alle Sperrmassregeln doch nichts nützen und dass sie der Gärtnerei weit mehr Schaden thun als dem Weinbau Nutzen. Auch in Florenz ist man nach Herrn Magnus an massgebender Stelle geneigt, von den strengen Bestimmungen etwas abzugehen. — Es seien überhaupt diese Massregeln um so überflüssiger, als noch gar keine Beobachtungen darüber vorliegen, dass die Reblaus an an- dern Pflanzen als gerade in unmittelbarer Nähe der Weinstöcke sich auflialte. Der Herr Minister für Landwirthschaft hatte ein Schreiben**) übersandt, laut welchem die Einfuhr von Pflanzen nach den nördlichen Theilen Russlands ohne Attest gestattet, nach den südlichen aber ohne alle Ausnahmen verboten ist. Herr Späth hätte lieber gesehen, dass Russland sich der Convention an- geschlossen hätte, da jetzt also der Import nach Südrussland, der gerade der wichtigste sei, fast unmöglich gemacht werde, denn alle Pflanzen über War- schau etc. statt über Triest zu schicken, käme viel zu theuer. IV. Herr Wittmack legte gedörrte Aepfelscheiben und Birnen vor, die Herr von Uslar in Hildesheim nach amerikanischer Art auf der von ihm in Gartenzeitung 1882, S. 39 beschriebenen und abgebildeten Dörre getrocknet hatte. Dieselben fanden wegen ihrer vorzüglichen Qualität den lel)haftesten Beifall und sprach Herr Späth den Wunsch aus, dass diese Methode in Deutsch- land recht verbreitet werden möge, (jerade in Jahren wie das jetzige wisse man auf dem Lande oft nicht, wohin mit all dem Obst; wenn die Landbewohner sich aber entschliessen könnten, mehr Dörren (wenn auch vorläufig selbst die älterer Construction) aufzustellen, so würde man bald den grossen Nutzen des Obstbaues einsehen und sich auch daran machen, mehr Obstbäume zu jjflanzen. Im letzten Jahrhundert habe der Obstbau in manchen Gegenden eigentlich *) I. Giuseppe Inzenga, Quaestione attuale sulla fillossera. Palermo, Ufficio tip. di Michele Amenta 1881. 2. Targioni Tozzetti ed Inzenga, Corrispondenza tillosserica (Estratto dagli Annnli di Agricoltura siciliana 1S81, No. 115 u. 116). **) Abgedruckt in Gartenzeitung Heft 2, S. 109. 652. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. [11'' wenig Fortschritte gemacht. Grosse Summen, die jetzt für getrocknetes Obst in's Ausland gehen, könnten im Inlande l)leiben, wenn man nur mehr CJbst pflanzte. Herr Wittmack erörterte, dass Herr Ur. Kalender in Cöln wohl zuerst auf die amerikanischen Obstdörren (System Reynolds) aufmerksam gemacht habe, Herr Hüttig aber bemerkte, dass wohl ihm die Priorität gebühre, da er bereits 1879 '^ der Vossischen Zeitung nach Original -Mittheilungen aus Californien darauf hingewiesen. Herr Sjjäth sprach den Wunsch aus, dass das Museum der landw. Hoch- schule eine amerikanische Dörre beschaffen möge. Der Director empfahl, dass der Verein einen kurzen, i)opulär gehaltenen Aufsatz über diesen Gegenstand den I^andräthen und landw. Vereinen mit der Bitte um möglichste Verbreitung zur Verfügung stellen möge. V. Auf Antrag des Herrn Späth beschloss der Verein, in Gemeinschaft mit der Gesellschaft der Gartenfreunde statistische Erhebungen über Menge und Werth des Imports und Exports von Gartenerzeugnissen in Deutschland an- zustellen. VI. Herr P. Magnus sprach: 1. über die von Herrn Hofgärtner Reuter auf der Pfaueninsel im Jahre 1874 durch Pfropfung erzeugten Kartoffelhybriden, die seitdem ihre intermediären Charaktere bewahrt haben. 2. über die am 13. October 1881 durch den Sturm umgebrochene Firnis Strobiis im botanischen Garten, deren Stamm durch einen Schwamm, Polyponis Schweinitzi, morsch geworden. 3. über das bei dem milden Wetter lange andauernde Blühen vieler Herbstblüher und das vorzeitige Blühen mancher Frühlingsblumen. Ueber alle diese Gegenstände wird derselbe in der Gartenzeitung aus- führlicher berichten. VII. Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen betretfs der Winterausteilung beschloss man, dass den Mitgliedern 5 Karten zugesendet werden sollten; ob Entree zu nehmen, soll den Ordnern überlassen werden. VIII. Im Anschluss an ein Referat des Generalsecretärs über den eben er- schienenen Report on the progress etc. of the Roy. Bot. (iarden in Kew regte Herr Späth, indem er ausführte, dass ein Garten um so mehr Nutzen stifte, je mehr er besucht werde, an, ein Gesuch an Herrn Prof. Eichler betreffs Oefifnung des Berliner botanischen Gartens auch an Sonntagen zu richten. Herr Perring führt aus, dass das bei dem engen Raum und den beschränkten Mitteln sehr schwierig sein werde, dass der Director des botanischen Gartens andererseits aber bereits sehr liberal verfahren, indem er jetzt auch während der Mittagsstunden den Garten betreten lasse. In Kew sei auch der Garten erst von 10 Uhr an geöffnet, hier von 6 resp. 7 Uhr früh. Ausserdem lägen die Verhältnisse hier ganz anders, die grosse Zahl der Sonntagsbesucher in Kew erkläre sich zum grossen Theil dadurch, dass in F^ngland Sonntags fast alle sehenswerthen Lokalitäten geschlossen seien. IX. Vorgelegt wurde u. a. Pfitzer, Beitrag zu einer vergleichenden Mor- phologie der Orchideen. X. Ais wirkhches Mitglied wurde aufgenommen: Herr Kunstgärtner Accum, Berlin. (12) Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. \'crhan(lclt J^erlin den 6. Januar 1882 (City-Hotel, DresdLMierstr. 52/53). Der Vorsitzende knüpfte an den Dank tur die ilim von dem \'orstande Namens der Gesellschaft der Oartenfreinide dargebrachten Glückwünsche zum neuen Jahre seine Glückwünsche für das Wohl der Mitglieder und gab dem Wunsche Ausdruck, dass die Vereinsbestrebungen sich von Jahr zn Jahr grösse- rer Erfolge erfreuen mögen. Darauf lässt er durch den Schriftführer das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und bringt zur Kenntniss der Erschienenen: I. Das Handschreiben Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kron- prinzen vom 4. T'T-n"-'^i" er., wonach Höchstderselbe die von der Gesellschaft dar- gebrachten Glückwünsche zum neuen Jahre huldreichst entgegengenommen hat. »Ich habe den freundlichen Neujahrsgruss des Vorstandes mit auf- richtigem Danke empfangen und nehme gern Veranlassung, denselben mit Meinen besten Wünschen für das Wohl und Gedeihen der Gesell- schaft zu erwiedern. Berlin, den 4. Januar 1882. An den Vorstand der Gesellschaft der (Gartenfreunde Berlins. . (gez.) Friedrich Wilhelm. 2. P^inc Benachrichtigung des Herrn Staatssecretairs des Innern vom 24. De- cember v. J., dass die unterm 3. November v. J. in Bern abgeschlossene inter- nationale Reblausconvention, nachdem dieselbe die Zustimmung des Bundesraths erlangt hat, dem Reichstage zur verfassungsmässigeii Beschlussnahme vorliegt. 3. Ein Schreiben des Gartenbau-Vereins ^>Flora« zu Dresden, worin derselbe für Uebersendung der in der Reblaus-Angelegenheit entworfenen Petition dankt. Zur Tagesordnung übergehend, wurde der Jahresbericht, so wie der Kassen- bericht aits dem vorigen Jahre verlesen und konnten die Erschienenen mit einer gewissen Befriedigung ersehen, dass die Mitgliederzahl sich gegen die des Vor- jahres nicht vermindert hat und dass die Versammlungen sich stets eines regen Besuches zu erfreuen hatten. Die Vermögensverhältnisse der Gesellschaft an- langend, so können auch diese als geordnete und nicht ungünstige bezeichnet werden. Der mit der Abänderung der (rrundbestimmungen der Gesellschaft betraute Ausschuss stattete darauf Bericht über seine Arbeit ab und beschloss die heutige Versammlung, dass Anträge auf Aenderung der Grundbestimmungen von den Mitgliedern auch in der Februar- und März-Sitzung gestellt werden können, in- soweit sie nicht bereits in irgend einer Weise von dem Ausschusse in vorbe- regter Ausarbeitung vorgesehen sind. Da an Stelle des früheren Vereinsorgans s Monatsschrift des Vereins zur Befördenmg des Gartenbaues etc.« die um 2 J( theurere Gartenzeitung getreten, beschliesst die Gesellschaft, letztere auch zu ihrem Vereinsorgane zu wählen und nimmt einen aus der Mitte der Gesellschaft gestellten Antrag an, welcher Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. ;i3) dahin geht, das Mehr von 2 Jt nicht durch Erhöhimg der Mitghederbeiträge, sondern durch Fortfall der bisher zu jeder Sitzung besonders ergangenen ¥Än- ladungen und dadurch zu decken, dass diejenigen Mitglieder, welche sowohl dem Gartenbau-Vereine als der Gesellschaft der Gartenfreunde angehören, denen so- mit der Bezug von 2 Exemplaren der Gartenzeitung zusteht, ersucht werden sollen, auf eins dieser Exemplare zu Gunsten der (icsellschaft der Gartenfreunde zu verzichten. Die Herren Si)äth, Lackner, Wendt, Eggebrecht, Goehren, Pro- fessor Dr. Wittmack, Wredow und Krü])p erklären sich für den Bezug nur eines Exemplars und wird der Schriftführer betraut, sich mit den übrigen Mit- gliedern schriftlich in Verbindung zu setzen. Der Vorsitzende ersucht die Anwesenden, sich durch den nunmehrigen Fort- fall der Einladungen zu den feststehenden Sitzungen nicht lässig im Besuche der — im vergangenen Jahre so rege besuchten — Versammlungen zu zeigen. Zur Aufnahme als Mitglieder der Gesellschaft hatten sich anmelden lassen: 1. Herr Zimmermeister Schröder durch Herrn Sj^äth; 2. Herr Kunst- und Obergärtner Meyer (Charlottenburg) durch Herrn Landschaftsgärtner Strenger; 3. der Eberswalder Gartenbau-Verein durch Herrn Wiehle. Verhandelt Berlin den 20. Januar 1882 (City-Hotel, Dresdenerstr. 52/53J. Nachdem der Vorsitzende die Sitzung eröffnet und das Protokoll der Sitzung vom 6. d. M. hatte verlesen lassen, theilte er den Erschienenen den Wortlaut des Schreibens des Kabinets-Secretairs Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Herrn von dem Knesebeck vom g. d. M. mit, demzufolge Ihre Majestät die Kaiserin der Gesellschaft der Gartenfreunde Allerhöchstihren Dank für die zum neuen Jahre dargebrachteir Glückwünsche aussprechen lässt: -Berlin, den 9. Januar 1882. Ihre Majestät die Kaiserin- Königin haben die beim Jahreswechsel Allerhöchstderselben ausgesprochenen Wünsche mit Dank entgegen zu nehmen geruht und die Ihrer Majestät bewiesene Theilnahme besonders wohlthuend empfunden. Indem Ihre Majestät hoffen, dass das begonnene Jahr den anerkennenswerthen Bestrebungen des Vereins förderlich sein möge, lassen Allerhöchstdieselben dem Vorstand die Versicherung blei- benden Interesses und wohlgeneigter Gesinnung gern ertheilen. Im Allerhöchsten Auftrage (gez.) von dem Knesebeck, Kabinets-Secretair Ihrer Majestät der Kaiserin-Königin. An den Vorstand der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. '< Darauf in die Tagesordnung eintretend, las Herr Garten-Inspector Wredow einen in der Vossischen Zeitung vom 22. December v. J. enthaltenen Artikel (I4j rrotr>ko!l (\{:t Gesellschaft tler Oartunfrfmicle Berlins. vDie Reblaus im Alterthinne« von Rudolph Stoeckel vor. An diesen knüpften sich weitere Betrachtungen über dies verheerende Insect und an die Reichstags- Sitzung vom i6. Januar d. j., in welcher die I. Berathung über die zu Berlin am 3. November v. J. unterzeichnete internationale Reblaus -Convention und die unterm ly. December 1881 in Bern unterzeichnete Zusatzerklärung zu jener Convention stattfand und die einzelnen Artikel der Convention unverändert ge- nehmigt wurden. Der Ausschusii, welcher vor einigen Wochen gewählt worden, um sich mit dem Herrn Oberförster von Schleinitz in Verbindung zu setzen und wo mög- lich günstigere Bedingungen für den Bezug der im Orunewald lagernden Haide- erdc anzubahnen, theilte mit, dass Herr von Schleinitz, falls die Erde nicht mit eigenem Gespann abgeholt wird, die Abfuhr der Haideerde in der Weise gestatte, dass sich die Herren Gärtner etc. bezirksweise zusammenthun und einen gewissenhaften Fuhrmann engagiren, den sie dann bei jedesmaliger Abfuhr der Forstverwaltung namhaft machen. Dadurch , dass früher bald dieser bald jener Fuhrmann die Abfuhr besorgt, seien ihm mancherlei Beschwerden zu Ohren ge- kommen, die er im Interesse der Forstverwaltung abstellen müsse. Später will sich auch Herr von Schleinitz dazu verstehen, die mehrerwähnte Haideerde durch Forstarbeiter stechen und in Haufen aufsetzen zu lassen, so dass es den Gärtnern etc. resp. deren Beauftragten nachher ein Leichtes sein wird, die Ver- ladung der Erde zu bewerkstelligen. Diese Mittheilungen fanden Anklang und werden die Betreffenden sich s. Z. zu Bezirksverbänden zusammenthun. Da der Antragsteller bezüglich des Punktes ad 3 der Tagesordnung xüber die beste Art der Ver])ackung von Blumenzwiebeln für die Versendung« aus- geblieben war, sprach man im Allgemeinen über das Material, welches hierbei augenblicklich am meisten angewendet wird. Das bekannteste zum Verpacken der Blumenzwiebeln sind Buchweizenhülsen. Auf weitere Transporte, wie z. B. aus und nach Japan empfiehlt es sich, die Zwiebeln in ziemlich trockenen Lehm zu verpacken, in nassem Lehm verpackte Zwiebeln sind zum grössten Theile der Fäulniss zum Opfer gefallen. Auch pulverisirte Holzkohle hat sich als gutes Verpackungsmaterial für Zwiebeln und Sträucher bewährt, da die Kohle einmal das Austreiben unterdrückt, dann auch der Fäulniss Widerstand leistet. Bei Hyacinthenzwiebeln, die zu etwas später Jahreszeit einen weiten Transport zu bestehen hatten, hat sich auch Moos, auf welches die Zwiebeln gesetzt wurden, als zum Verpacken geeignet herausgestellt. Herr Wen dt sen. theilte mit, dass er den Vertrieb von Cocusfaserabfall t'iir Berlin und Umgegend übernommen habe. Ueber die Güte dieses Abfalls gehen die Ansichten ziemlich auseinander, zum grössten Theil spricht man sich dahin aus, dass die bei uns zur Vermehrung angewendete Haideerde ganz dieselben, wenn nicht unter Umständen bessere Dienste als dieser Abfall thue. Das für viele Mitglieder nicht günstig gelegene Sitzungslocal in der City hat den Wunsch auf Verlegung desselben, wie z. B. nach den von allen Seiten be- (^uem mit der Pferdebahn zu erreichenden Reichshallen angeregt und wird diesem Wunsche, wenn angänglich, näher getreten werden. Tagesordnung. Mittheilungen. (je) Ta(;es()RI)Nung iVir die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Donnerstag den 23. Februar, Abends 6 Uhr im Hihliotliekzinnner des Vereins, in der liindwirthschaftliehen I loehsehule, liivalidenstrasse 42 [. Empfiehlt es sich, weitere Winter-Ausstelkmgen zu veranstaUen r K\cntUL-ll in welcher Weise ? 2. Herr Wittmack: Zur (beschichte der Caniellien und Azaleen. 3. Wie viel Land wird in der Umgegend von Berlin mit Mail)lumen bestellt und wie viel darauf geerntet? Wie gross ist der Export: 4. Verschiedenes. 5. Geschäftliches. Die geehrten Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Ciartenbaues werden darauf aufmerksam gemacht, dass der Beitrag pränumerando zu entrichten ist und ersuchen wir, denselben ungesäumt per Postanweisung an Herrn Schatz- meister W. Sonntag, Berlin S., Alexandrinen-Strasse 51, einsenden zu wollen. Der Vorstand. Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 3. März, Abends 7'/., Uhr im rothen Saale des City -Hotels. Die Tagesordnung wird vor Beginn der Sitzung niitgetheilt werden. Die zweite März-Versanmilung findet am Freitag, den 17. März, Abentls 7'/, Uhr, statt, und wird die Tagesordnung bei Beginn der Sitzung mitgetheilt werden. Die verehrlichen Mitglieder der Gesellschaft der Gartenfreunde, welche Heft I. der Garten-Zeitung noch nicht erhalten haben, werden ergebenst er- sucht, sich wegen des Nachbezuges desselben direct an die Verlagsbuchhand- lung von Herrn Paul Parey, SW. 91. Zimmerstr., zu wenden. Kletschke. r^^) Gynura aurantiaca. Gynura aurantiaca. Die Compagnie continentale d'horticulture (vorm. J. Lindkn), 52, nie du Chaume, Gent, 5, ru' de la Paix, Paris, macht Folgendes bekannt: Prachtvolle Neuheit für Gartenbeete, welche am 15. April 1882 in den Handel gegelten werden wird. Der bekannte Botaniker am Königl. Herbarium in Kew, Herr X. E. Rkow.n, sagt in der Illustration liorticole« (12. Lieferung 1881), wo er diese vorzügliche Neuheit beschreibt, J'"olgendes: »Die ,,(jynura aurantiaca" ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Compositen, bei welcher die ornamentalen Eigenschaften in solch' hohem Grade vertreten sind, dass man sagen darf; Sie wird in dieser Hinsicht durch kein anderes Gewächs aus derselben Gruppe über- troffen. Der Stengel und die kräftigen, breit geljauten Blätter sind auf ihrer ganzen Oberfläche mit dichtgedrängten, sich ziemlich weich anfühlenden Haaren von wunderschöner, dunkel-violetter Färbung besetzt , was die Pflanze als aus dem reichsten Sammet verfertigt erscheinen lässt. Diese Eigenschaften treten hauptsächlich bei den jungen Blättern hervor; kommt nun noch die brillante Orange-Farbe der Blüthen hinzu, so ist das Aussehen der Pflanze wahrhaft prächtig. Ohne Zweifel wird sie zur Ausschmückung der Gartenbeete, während der Sommerzeit, sehr liebgewonnen und bevorzugt werden.« Diese Pflanze, welche zu noch hervorragenderer Popularität als Iresini Eindeni und Coleus Verschaffelti berufen ist, wird — um ihre allgemeine Verbreitung recht bald zu ermöglichen — zu einem äusserst niedrig gestellten Preise in den Handel kommen: die Einzelpflanze 10 Frcs., sechs Stück 50 Frcs., das Dutzend 80 P'rcs. VERHANDLUNGEN Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss, Staaten lind Fürstenwalde. 5. Herr Rentier Puls, Charlottenburg. 6. » Kunst- und Handelsgärtner Becker, Lockstedt. 7. » Rentier Lademann, Steglitz. 8. » » Goldschmidt, Steglitz. 9. » Garten-Ingenieur Hoppe, Pankow. 10. » Lieutenant a. D. Sommer, Schöneberg. 11. » Rentier Johl, Berlin. 12. » Makler Paul Bernoully, Bei-lin. I. Herr Orth berichtete ausführlich über die Düngungsversuche zu Garten- bohnen, Phaseolus vulgaris, Sorte »Kaiser Wilhelm- , die der Verein auf dem Terrain der Kgl. Gärtnerlehranstalt in Wildpark unternommen. Dieselben hatten im Wesentlichen zu denselben Resultaten wie früher geführt, namentlich wieder dargethan, dass durch Stallmist, der für gärtnerische Zwecke immer der beste Dünger bleiben wird, allein noch nicht die höchsten Erträge erzielt werden, sondern dass man diese noch steigern kann durch Zugaben von Mineraldüngern und durch Kalk resp. Lehm und Mergel. Auch der Kalk allein hatte auf dem armen Boden wiederum durch Aufschliessung der Mineralbestandtheile des Bodens grosse Wirkungen erzielt. Der Vorsitzende sprach dem Herrn Professor Orth wie dem Kuratorium der Gärtnerlehranstalt und Herrn Inspector Lauche; dem Leiter der Versuche, den wärmsten Dank aus. Da die erste Reihe von Versuchen mit diesem 4. Versuch abgeschlossen, so werden Vorschläge zu neuen erbeten. Herr Prof. Orth übernimmt es, auf Wunsch der Versammlung eine kurze, populäre Zusammenstellung der 4 jährigen Resultate unter Berechnung der Kosten der einzelnen Düngungsweisen zum Druck für die Gartenzeitung vorzubereiten. l'jgA 653. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Herr Perring fragt, ob es rathsam sei, Chilisalpeter, den man doch ge- wöhnlich in Wasser gelöst als Kopfdüngung anwende, in fester Form /u geben und mit unterzugraben. Herr Prof. Orth weist darauf hin, dass die Versuche in der Provinz Sachsen das Unterbringen des Chilisalpeters bei tief wurzelnden Gewächsen, z. B. Runkelrüben, sich als sehr vortheilhaft erwiesen, selbst im Hcrl)st wurde er z. Th. schon untergebracht, aber dann nur auf Boden, der nicht an Nässe leidet, da er leicht ausgewaschen wird. Herr Prof. Orth bittet zu versuchen, ob sich Chilisalpeter zu Körnerfrüchten bezahlt mache, derselbe wirkt bekanntlich mehr auf P.lattwuchs und auf die vegetativen Organe überhaupt; bei Erbsen habe er nicht günstig auf die Körnung influirt. Es ist wünschens- werth, den Chilisalpeter in verschiedenen Tiefen im Boden zu haben. Herr Per ring "empfiehlt Versuche zu machen, wie untergegrabener Chili- salpeter auf Spargel wirke. Herr R. Gaertner hat sehr günstige Erfolge mit KaUsalzen gehabt, diese auch in die Ställe eingestreut, was aber im Winter unterlassen werden musste, da das Vieh dann zu nass stand. Dafür wurde dann der Dünger auf der Dung- stätte damit bestreut und dies erwies sich auch als sehr vortheilhaft; nie kam Schimmel hinein. Auch Moder habe er sehr günstig wirkend gefunden. Zum Kompostiren lasse sich getrockneter Moder oder auch gewöhnlicher Torf gut verwenden, derselbe saugt wie ein Schwamm die Jauche auf, bindet die stick- stoffhaltigen Substanzen und wirkt nachher in dem Acker physicalisch, den schweren Boden macht er lockerer, den leichten feuchter. Herr Prof Orth: Wenn man Kainit, ein Gemenge von ca. 30 pCt. schwefel- saurem Kali, 30 pCt. schwefelsaurer Magnesia und 25 pCt. Chlornatrium (Koch- salz) für Sommerfrüchte verwenden will, so thut man gut, denselben schon im Herbst bei nassem Wetter auf das Land zu bringen, da die in ihm enthaltenen Salze leicht durch ihr Zuviel schädlich wirken. Die torfigen Substanzen kann man durch Beimengen von Kalk noch leichter zersetzbar machen und zugleich entsäuern. Herr Neuhauss auf Selchow bei Berlin hat sein Dünger-Quantum durch Beimengen von Torf und Kalk ver- doppelt und erntet jetzt auf leichtem Boden vom Hektar 320 Ctr. Kartoffeln anstatt früher 240 Ctr. Eine besondere Pferdebahn führt den Torf bei ihm aus dem Moor, wo er mittelst einer Brosowsky'schen Torfstechmaschine unter Wasser gestochen werden muss, nach der Düngestätte. Vorher wird er getrocknet und mit Kalk gemengt. Eine längere Debatte erhob sich über die Preise, die bei der Berechnung des Herrn Prof. Orth für Stalldünger angenommen werden sollen. Der Dünger auf dem städtischen Central-Viehhof in Berlin ist für 21 Pfg. pro Centner ver- pachtet; der Pächter (Herr Eyssenhar dt in Lichtenberg) hat aber das Quantum, welches er nicht gebraucht, für 25 Pfg. wieder verpachtet und dieser Unterpächter hat so viel Absatz, dass er selbst nach der Provinz Sachsen den Dünger ver- schickt. Dort stellt er sich auf ca. 40 Pfg. Für Pferdedünger zahlt man in Berlin 30 — 35 Pfg. pro Centner; auf der städtischen Rieselwirthschaft zu Falkenberg wird der Dünger zu 20 — 25 Pfg. verkauft, in Pankow wurden aber im vorigen Jahre 60 Pfg. pro Centner bezahlt. Herr Drawiel bemerkt, dass der Gärtner den Dung mehrmals benutze, einmal für die Mistbeete etc. und dann auf dem Lande, dadurch ermässige sich der Preis. ALan könne im Durchschnitt rechnen, dass ein Morgen ('/^ ha) Gemüse- 653- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (iQ) land zu düngen 60—75 Mark koste, wobei man dann den Dünger für tlie Mist- beete vorher so zu sagen umsonst benutzt habe. Um allen Interessen Rechnung zn tragen, werden 2 Preise ä 25 Pfg. und 50 Pfg. pro Centner Stalldung in die Orth'sche Rechnung eingesetzt werden. IL Herr Lackner hatte sehr schönen, weissblühenden Flieder, Charles X., ausgestellt, und machte darauf aufmerksam, dass dieser eigentlich roth-blau blühende Flieder bei ihm nicht wie ül^lich im Dunkeln getrieben sei, sondern am Licht. Dass er trotzdem weiss geworden, wurde dadurch erzielt, dass er bei einer höheren Temperatur, 22 — 25 "R. getrieben wurde. Er habe dieses Experi- ment auf Anrathen des Herrn Henry Vilmorin gemacht und sei sehr zufrieden. Dieser Flieder besitzt natürlich grünes Laub, anstatt dass der im Dunkeln ge- triebene immer bleich und kränkhch aussieht; die Händler ziehen ihn deshalb auch selbst dem Pariser im Dunkeln getriebenen Flieder vor. Herr Wittmack bezeichnete das von Herrn Lackner begonnene Ver- fahren, dem blauen Flieder am Liclite, nur durch höhere Temperatur weisse Blüthen zu entlocken, als eine ganz neue Aera in der Fliedertreiberei. Es sei diese Erscheinung zugleich pflanzenphysiologisch sehr interessant und wohl noch ganz unbekannt. Herr Lackner bemerkte, schon sein Vater habe die Erfahrung gemacht, dass rother resp. blauer Flieder bei grosser Wärme im Lichte weiss wurde; damals sei aber weisser Flieder noch nicht Mode gewesen und Niemand habe ihm denselben abgekauft. Herr Perring fragt, ob dieser Flieder nicht bei längerem Stehen in kühlerer Temperatur, z. B. im Laden des Händlers blau werde. Herr Lackner ent- gegnet, dass nur, wenn der Flieder 8 Tage bei 8 — 10" R. stehe, die obersten noch nicht aufgeblühten Knospen einen schwach violetten Hauch erhalten, der aber den Händlern sehr gefällt. Bei ihm selbst sei das nicht vorgekommen. Herr Sonntag fragt, ob die Blumen nicht leiden, wenn sie aus der grossen Hitze in kühlere Luft kommen, wozu Herr Lackner bemerkt, dass sie natürlich erst abgehärtet werden müssen. Herr Perring schilderte hierauf nach den Mittheilungen eines Augenzeugen die Art der Fliedertreiberei in Paris. Dort treibt man den Flieder nicht in Töpfen, sondern schlägt grosse Büsche im Herbst im Hause ein, die man vor- her hat ganz schrumpfen lassen; er lässt sich daher viel billiger herstellen als bei uns. Herr Lackner bemerkt, dass der frühe Flieder in Paris nicht so behandelt werde, sondern dass dieser wirklich in Häusern ausgepflanzt werde. — Näheres über diesen wichtigen Gegenstand wird in der Gartenzeitung gebracht werden. III. Grosse Entrüstung erregte ein Aufsatz in No. 3 der deutschen Gärtner- zeitung S. 30 1882 über die 2. Winterausstellung. Der Verein hielt es aber unter seiner Würde, auf diesen Artikel öffentlich zu antworten, zumal aus dem Ganzen hervorgeht, dass der Verfasser das Programm der Ausstellung, obwohl es fast I Jahr vorher schon bekannt gemacht, namendich die Einleitung gar nicht gelesen und daher den eigentlichen Zweck der Ausstellung nicht erfasst zu haben scheint. IV. Laut einer Anzeige des Herrn Kr e läge in Haarlem wollen sich die holländischen Blumenzwiebelzüchter verpflichten, künftig die abgeschnittenen Hyacinthen etc. nicht mehr, wie das im letzten Jahre in grossem Umfange ge- l-yQ\ Protokoll der Gesellschaft der Gartcntreunde Berlins. schehen, in London etc. zu verkaufen, um so ihren Kunden, die von ihnen die Zwiebehi zu theuren Preisen kaufen, nicht zu nahe zu treten. V. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 1. Herr Kunst- und Handelsgärtner Vehmeyer, Berlin. 2. » Rittergutsbesitzer Dr. Dieck, Zöschen bei Merseburg. 3. » Kunst- und Handelsgärtner Kamoss, Charlottenburg. 4. Der Gartenbau-Verein Pankow-Schönhausen. 5. P)ie Kgl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisen- heim a. Rh. Herr Joseph Klar legte keimfähigen Samen von Musa Ensete vor, den er zu 6 J6 per 10 Stück verkauft. Der Same ist jetzt schwer zu haben. Auf Veranlassung des Herrn O. Hüttig hat Herr Apotheker Meyer. Löwen-Apotheke, Berlin W., Jerusalemerstrasse 19, das von Herrn Direktor Gotha in der Monatsschrift 1881 S. 561 sehr empfohlene Nesslersche Mittel gegen Blattläuse vorräthig. Das Liter lässt sich aber nicht zu 50 Pfg. herstellen, sondern kommt auf 75 Pfg. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 3. Februar 1882. (City-Hotel, Uresdenerstr. 52/53). Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, dass Herr Dr. Bolle durch einen Todesfall in der Familie leider verhindert sei, seinen auf der heutigen Tages-Ordnung stehenden Vortrag »Ueber die Verwendung exotischer Gehölze in Parkanlagen« zu halten. Darauf wird das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und von dem Vorsitzenden auf die von Herrn H. Alisch eingegangene Offerte auf Spritzen etc. und auf die Offerte von Kali- und Magnesia- Dünger der Stassfurter chemischen Fabrik aufmerksam gemacht. Zur Fortsetzung der Berathung über die Grundbestimmungen der Gesell- schaft übergehend, wird eiii dahin gehender Antrag, nur über diejenigen §§ zu berathen und zu beschliessen, bei denen zwischen der Kommission zur Aende- rung der Grundbestimmungen und dem Vorstande Differenzen obwalten, ange- nommen. Da nun Differenzen im eigentlichen Sinne des Wortes zwischen der Kommission und dem Vorstande nicht stattgefunden haben, werden die einzelnen §§ verlesen und in der heutigen Sitzung en bloc angenommen, nachdem die bei der Verlesung von einigen Mitgliedern gestellten Anträge sich durch mündliche Auseinandersetzung der Kommissionsmitglieder und des Vorsitzenden hatten be- heben lassen und dem allgemeinen Wunsche dahin Ausdruck gegeben war, statt zweiter und dritter Vorsitzender, zweiter Schatzmeister, zweiter Schrifttührer und zweiter Bibliothekar »Stellvertreter« zu setzen. Der zur Revision der Kasse gewählte Ausschuss erstattete den Kassenbericht, wonach die Kasse in nuisterhafter Ordnung befunden. Da im Übrigen keine Monita zu ziehen gewesen, wurde dem Schatzmeister Herrn von Fürich von dem Vorsitzenden Decharge ertheilt. Den Ktat pro 1882 anlangend, wird von der heutigen Versammlung be- schlossen, die Position für Sämereien zu Versuchszwecken zu streichen, die Po- sition von 160 Mark für Bibliothekszwecke aber bestehen zu lassen. Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (21) Ausgestellt hatte Herr Lackner blühenden in Töpfen getriebenen Flieder (Charles X.), der sich des ungetheilten Beifalls der Versammlung erfreute. Sein Kulturverfahren ist vom Herrn Aussteller bereits im Gartenbau-Verein besprochen worden. Herrn Lackner wurde der Dank der Gesellschaft zu Theil. Herr Hofgärtner Hoffman hatte Hyacinthcnzwiebeln vorgelegt, bei denen das Treiben gänzlich missglückt war. Da die Zwiebehi beim Durchschneiden sich als ganz gesund ergaben, wurde die verunglückte Treiberei auf eine irra- tionelle Verfahrungsweise zurückgeführt; nachträglich hatte Herr Hoffmann auch in Erfahrung gebracht, dass die Zwiebeln unmittelbar nach dem Einlegen in Gläser, in ein helles, warmes Zimmer, in welchem noch dazu Gas brannte, ge- stellt waren. Die Localfrage wurde in der heutigen Sitzung berührt, von den Reichshallen indessen für jetzt Abstaiid genommen. Herr Kaeding meldete Herrn Kunst- und Handelsgärtner Weigt in Schöneberg als Mitglied an. Verhandelt Berlin den 17. Februar 1882. (City-Hotel, Dresdenerstr. 52/53.) Der Vorsitzende erötfnete die Sitzung, liess das Protokoll der Sitzung vom 3. Februar er. verlesen und legte den eingegangenen Jahresbericht des Char- lottenburger Gartenbau -Vereins pro 1881 und den 20. Jahresbericht über die Verhandlungen des Gartenbau-Vereins für die Ober-Lausitz vom i. October 1880 bis dahin 1881 vor. Herr Steindrucker Nicolai hatte ein im Zimmer gezogenes, schön blühendes Anthurium Scherzerianum ausgestellt,' um an demselben zu zeigen, wie dankbar die Anthurien als Zimmerpflanzen sind und wohl verdienen, sich behufs Zimmer- kultur mehr Eingang zu verschaffen. Herrn Nicolai stattete der Vorsitzende den Dank der Gesellschaft ab und wünscht, dass Laien mit ähnlichen Versuchen her- vortreten möchten. Herr Kunst- und Obergärtner Mae ck er bemerkt hierbei, dass die Anthurien sich sowohl durch Samen, wie durch Stecklinge vermehren lassen; wird erstere Vermehrungsweise gewählt, so rathet er, die Aussaaten frühzeitig zu machen, damit die Sämlinge zeitig genug kräftig sind, um gut durch den Winter zu kommen. Der Sämling wie der Steckling werden bis zur blühenden Pflanze immerhin 4 Jahre bedürfen. Mehrere der Herren Gärtner richten an den Verein die Frage, was es mit der am 18. Februar er. in dem Central -Hotel beginnenden Blumen- Ausstellung vereinigter Gärtner für eine Bewandtniss habe und wie sich die Gesellschaft der Gartenfreunde zu diesem Unternehmen zu stellen gedenke? Der Vorsitzende schlägt vor, durch einen geeigneten, den gelesensten Zei- tungen zu übersendenden Artikel darauf aufmerksam zu machen , dass die vor- beregte Ausstellung mit einer Ausstellung der hiesigen Gartenbau-Vereine nicht in Verbindung zu bringen, sondern lediglich ein Unternehmen des Central-Hotels sei. Bei dieser Gelegenheit macht Vorsitzender Mittheilung über die augen- blickliche Lage der von den hiesigen Gartenbau- Vereinen im April 1883 beab- Tagesordnung. Neuheiten von Samen. sichtigten grösseren gemeinsamen Pflanzen- und Blumen -Ausstellung und geht darauf zu seinem Vortrage »über Hcckenanlagen« über. Herr Späth wird dem allgemein ausgesprochenen Wunsche, seinen höchst interessanten und lehrreichen Vortrag durch das Vereins-Ürgan zu veröffentlichen, willfahren, so dass es unnöthig erscheinen dürfte, denselben hier — wenn auch nur en scjuelette — wiederzugeben. Taciesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Dunners tag den 30. März, Abends 6 ihr im Hililiothekzimmer des Vereins, in der landwirthschaftlichen Hochschule, Invalidenstrasse 42. 1. Herr Schotte: Der Park von Watkowitz in Westpreussen. 2. Herr Reinhold Gärtner: Die Verwendung der städtischen Abfallstoffe in Japan. 3. Herr A. Fintelmann: Vorzeigung einer neuen Garten- und Gewächshausspritze. 4. Herr L. Wittmack: Ein neuer Obstbrecher und Zink-Etiquetten von Carl Brandes, Hannover. — Knollige Weinstöcke aus Cochinchina. 5. Verschiedenes. 6. Geschäftliches. Antrag betreffs Abhaltung einer grösseren Winterausstellung im jähre 1884. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 21. April, Abends 7'/., Uhr im rothen Saale des City -Motels. 1. lieber gärtnerische Düngungs-Versuche. Vortrag des Herrn Prof. Dr. Orth. 2. Geschäftliches. 3. Der P'.influss des Winters 1881/82 auf die Vegetation. Referent: Herr Hof- crärtner Hokfnl^iNN. Neuheiten von Samen für 1882 empfohlen im Katalog von Haage & .Schauut in Erfurt. Q Sommergewachse, '^: Zweijährige Pflanzen. 2f. Stauden. 1^ Holzartige Pflanzen. Q Kalthaus. A Warmliaus. No. Pf. 13393. A/oe Periyi, Baker, Bot. Mag. Dec. 1881. Nach den neuesten Erforschungen der Insel Socotra (im Jahre 1880 durch Prof. Balfour, 1881 durch Prof. Dr Schweinfurth) hat sich herausgestellt, dass die Aloe socotrana, welche bisher als die Pflanze galt, welche das echte oder türkische Aloe liefert, gar kein Bewohner der Insel, und dass die bisher in Europa noch nicht eingeführte Aloe Perryi die eigentliche Mutter- pflanze der berühmten Drogue ist. An diese Pflanze knüpft sich schon aus diesem Grunde ein nicht gewöhnliches Interesse. Dieselbe gehört zur Sippe der A. vul- garis, von welcher sie sich durch kürzere Blätter und andere Form der Blüthen unterscheidet 10 S. 80 Neuheiten von Samen. (23) 13394 Aiiiincbmm alatiim grandiflornin , Hort. Q Eine neue grossblumige Form dieser Pf. nützlichen und beliebten Immortelle, die in der Bouquet- und Kranz-Fabrikation unersetzbar ist. Die Blüthen sind ganz reinweiss und doppelt so gross, als die des alten A.alatum, ebenso sind die Samenkörner bedeutend länger, als die der Stammform und ist deshalb anzunehmen , dass diese Neuheit constant bleiben wird Pt. (100 S.) 60 13395. Aqiiilegia nivea grandißora, Haaok & SciiMinr 2^ Die grösstblumigste bis jetzt bekannte reinweiss blühende Aquilegia 1000 S. 2,50, 50 S. 30 13396. Aquilegia .Vervaeneana atroviolacea plaiissinia, Benary. 2). Wenn schon die alte sich treu aus Samen bleibende buntblätterige Species mit iliren halbgefiillten braun- rothen Blumen mit zu den schönsten Aquilegia gerechnet werden kann , so über- trifft diese neue Varietät erstere durch ihre dichtgefüllten tiefvioletten Blumen , die mit der bunten, grün und gelb panaschirten Belaui)ung prächtig contrastiren Pt. (50 S.) 80 Aster sinensis ß, pl., Platz. Q 13397- Rosen-Aster, leuchtend Scharlach, neue brillante Färinmg dieser werthvollen Klasse 1000 S. 7,50, 50 S. 50 13398- Victoria-Nadel-Aster, kupferscharlach, auffallend leuchtende Farbe von herrlichem Effect .... 1000 S. 7,50, 50 S. 50 13399- i^werg-Aster, brillantrosa, prächtiges lebliaftes Colorit dieser zu Gruppen sehr zu empfehlenden Klasse 1000 S. 7,50, 50 S. 50 13400. Aster To-cvns/iendii, Hook. 7_^ Bot. Mag. T. 6430. Seltene sehr schöne Species aus Colorado mit grossen 6 — 7 ein. im Durchmesser haltenden blau violetten Blumen und gelber Scheibe 100 S. 2, — , 25 S. 60 13401. Avbrietia violacea, Dean. 2^, sehr grossblumige dunkelviolett blühende Species 1000 S. 6, — , 25 S. 30 13402. Briza spicata , Lam. Q Sehr zierliche, nicht mehr als 20 cm Höhe erreichende Species, die von den bekannten Briza-Sorten schon durch ihre aufrecht stehenden Blüthenährchen sich wesentlich unterscheidet; die Grösse der einzelnen Aehrchen ist annähernd diesell)e wie bei Briza media; sie stellt eine ganz vorzügliche Acqui- sition zu dem Sortiment der für Bindereien benutzten Gräser dar; nicht nur eignen sich die Blüthenrispen sehr gut zu diesem Zweck, sondern es ist auch bis jetzt eine ähnliche Form unter denselben nicht vertreten. Diese Briza erhielt Herr Audibert in La Crau aus Kleinasien und haben wir von demselben den ganzen Stock er- worben ... Pt. 6o 13403. Cheiranthits maritimus carmineus splendens , Haagk & Schmidt. Q Prachtvolle neue Färbung der Meerlevkoye; im Aufblühen sind die Blumen leuchtend scharlach- carmin, im Verblühen dunkelrosa, sehr effectvoll . Pt. 60 13404. Clarkia elegans carminea plenissima, Platz. Q Neue Varietät mit dichtgefüllten leuchtend carminrothen Blumen 200 S. 60 (Wird fortgesetzt.) Rosen-Neuheiten für 1882. ^'on Carl Gust. Deegen jr., Rosengärtner, Bad Köstritz, Anhalt. Miss May-Paul (Levet), lila'weisslich gestreift, Rückseite roth. Paul Floret (Nabonnand), malvenrosa. Vandermersch-Mertens fNabonnand), quasten- Thee-Rosen. * Beaute de l'Europe (Gonod), gelb schattirt. Comtesse Alban de Villeneuve (Nabonnand), kupferroth, scharlachroth schattirt. Curt Schultheiss (Nabonnand), kupferroth mit { förmige und gelblichweisse Blume. rosa roth und gelb nuancirt. | Hybrid-Thea, Rem. Etoile de Lyon (Guillot), lebhaft gelb. * Camoens (Schwartz) , rosagelb mit weissen F.M.Dos Santos Vianna (Nabonnand), lila-rosa. Madame Cusin (Guillot), purpurrosa, Grund weissgelblich, violettroth. Madame Elise Stchegoleff (Nabonnand), hell- rosa, perlmutterartig. Madame Henri Vilmorin (Nabonnand) , gell:) mit einem rosafarbenen Streifen berändert. Marie Caroline de Sartoux (Nabonnan I), rein- weiss. Melanie Soupert (Nabonnand), reinweisse Blume. -Streifen. Madame Maria Lavalley fNabonnand), rosa- weiss gestreift (Kletterrose). Princesse Imperiale du Rresil (Soupert et Notting), carmin silber lilarosa. Reine Olga de Wurtemberg (Nabonnand), blendend roth (Kletterrose). Noisette. * Caroline Schmitt (Schmitt), lachsfarbig, gelb- lich weiss. (24) Rosun-Ncuheiten für 1882. Madame Chabaud de St-Maudrier (Nabnn- nand), hellroth Madame Julie Lasseu (Nahonnnndj, dunkel- braun. Ile liourbon. * Abbe Girardin (Bcrnaix), atlasrosa, tlunkcl scliattirt. Madeleine de \'aii/,elles (X'igneron), rosa, Mitte lebhafter. K e m o n t a n t M o o s - R o s e. Mousseline (Moreau - Kojjert) , weiss mit rosa Anhauch. Po ly a ntha. * -Mij^nonnette ((juillot), rosa weiss. Rosa 1\ u g o s a. C'onite d'Epremesnil (N'abnnnandj, duftend, violacirtes lila. Diese Sorte stammt aus einem Sämlinge der einfachen Jap. Rose. Hybrid Remontant. Albert la Blotais (Moreau-Robertj, schwarzroth. Ampere (Liabaud), purpurroth mit bläulichem Schein Archiduchesse Elisabeth d'Autriche (Moreau- Robert), rosa. Capucine Liabaud (Liabaud), capuzinerroth. Climbing Capitaine Christy (Ducher et Soeur), kletternde Capitaine Christy. Comte Adrien de Germiny (Leveque et fils), schön lebhaft rosa. Comte de Flandres (Leveque et fds), purpur- roth, schwarz carmin schattirt. Comtesse Henriette Combbs (Schwartz), atlas- rosa. Elisabeth de la Rocheterie (Vigneron), ro<-a ■ silberig. Ernest Prince (Ducher et Soeur), klarroth schattirt. Eugene Transon (Vigneron), glänzend roth. Francois Olin (Ducher et Soeur), kirschroth. * Helene Paul (Lacharme), weiss. Hippolyte Marchand (Vigneron), lilaroth. Intendant Perrie (Vigneron), kirschroth. Jules Monges (Guillot), carminrosa. La Madeleine (Nabonnand), rubinroth, hell nuancirt. Madame Adelaide Cote (Schmitt), bräunlich- roth. Madame Anna (ierold (Soupert et Notting), rosacarmin. Madame Bruel (Levet), carminrosa. Madame Charles Lavot (Vigneron), rosa. Madame Crosy (Levet), chinarosa Madame FortuneeBesson (Besson), fleischfarbig. Madame Gabrielle Meritte (Vigneron), lilarosa. Madame John Twomblv (Schwartz), Johannis- beerroth. * Madame Jules Grevy (Schwartz), lachsrosa * Madame Marie Bianchi (Guillot), lilaweiss. Madame Marie Garnier (Gonod), fleischfarbig. Madame Marie Rcederer (Leveque et fils), kirschrosa carmin. Madame Marthe d'Halloy (Leveque et fils), carminkirschroth. Madame Pierre Margery (Liabaud), rosa. Madame Rosalie de Wincop (Vigneron), lila- rosa. Aladame Yorke (Moreau-Robert), carmin und schwarz. Mademoiselle Marie-Andre (Soupert et Not- ting), carminrosa Mademoiselle Marie Chanvet (Besson), rosa. Pierre Durand (Pernet), rosa. Souvenir de Madame Berthier (Berthier), bläu- lichroth. Tatiana ( )neguine (Leveque et fils) , lilaroth, carminbraun. * Ulrich Brunner (Levet), kirschroth. * Violette Bouyer (Lacharme), weiss m. Haut- farbe. rein weiss gestreift Preis per Originalpflanze 20 — 25 JC, Frühjahrsveredlungen wesentlich billiger. Die mit * versehenen sollen nach Gebr. Ketten in »Dtsch. Gärtnerzeitung <; d. J. S die schönsten sein. D. Red. Versainiiiluii2;eii des Vereins zur Befördernng des Gartenbaues 1882. Jeden letzten Donnerstag im Monnt, 6 Uhr. Von October bis April in der landw. Hochschule, Invalidenstr. 42. Von Mai bis September im Palmenhnuse des bot. Garten. (Im Sept. um 4 Uhr.) Januar Februar I März April Mai Juni Juli I August 1 Septbr. Octbr. Novbr. Decbr. 26 23 30 28 30 [ 27 ' 25 29 27 31 28 26 Sitznngen der Ausschüsse für Blnnien- und Gemüsezucht. Jeden i. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 5 ! 2 : 2 6 4l_| — |_| — |_: 2|7 Sitzungen der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht. Jeden 2. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 12 I 9 ' 9 13 II ! — I _ j _ I _ I _ [ 9 I 16 Versaniiiiluii,£:en der (jesellscliaft der Gartenfreunde Berlins 1882. Jeden Freitag nach dem i. und nach dem 15. im Monat 7'/2 Uhr im City-Hotel, Dresdenerstr. Nr. 52 53. Im Sommer statt der zweiten Monatsversammlung eine Excursion. 61 3|3|i4| 5| 2| 7| 4| 81 61 3|8 20 I 17 I 17 I 21 I 19 I 16 I 21 I 18 I 22 I 20 I 17 I 22 VERHANDLUNGEN .|C8 Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten iin.l der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „OARTEK-ZEITUNO" Auf besonders paginirten Bogen, um dieselben am Schluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. 654. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 23. Februar 1882. Den V^orsitz führte der Director, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Einwendungen dagegen nicht erhoben. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: I. Herr F. J. M. Plumpe, Berlin. 1. Ausgestellte Pflanzen: i. Herr Eggebrecht hatte einen 4jährigen Sämling von Azalea indica ausgestellt, gefallen von Azalea L. Liebig, die mit Bernard Andri befruchtet war. Die Blüthen sind gut gebaut, namentlich bei Tage schön hochroth gefärbt und lässt sich die Pflanze gut treiben. Das betr. Exemplar er- blühte, nachdem es 3 Wochen im temperirten Hause bei 10 bis 12" R. gestanden hatte. 2. Herr van der Smissen und Schwartz-Steglitz lieferten dagegen un- eingewachsenen Marlyflieder in einem hohen Strauch und in abgeschnittenen Blüthenrispen ein. Wie Herr van der Smissen äusserte, beabsichtigt die Firma, den Fheder billiger herzustellen als den in Töpfen getriebenen und ist ihr erster Versuch gelungen. Die Sträucher wurden mit Ballen aus Frankreich bezogen, einfach eingeschlagen und am Lichte bei grosser Wärme getrieben, und wurden dabei weiss, ähnlich wie der von Herrn Lackner am 26. Januar d. J. vor- geführte. (Siehe Verhandlungen« S. 19.) 3. Ausserdem legte Herr van der Smissen abgeschnittene Blumen von Ornithogahim arabicum L. vor, die wegen ihrer zierlichen Form und der schneeweissen Farbe der Blüthenblätter, mit denen die schwarzen Fruchtknoten lebhaft kontrastirten, ein ausgezeichnetes Bouqu et material bilden. Die ganzen Blüthenstände zu verwenden, empfiehlt sich nicht, da die Blumen erst nach und nach aufblühen. Jede Zwiebel bringt einen Stengel mit ca. 18 bis 20 Blumen, die das Dutzend mit 50 Pf. gern bezahlt wurden. Die Pflanze lässt sich sehr früh treiben, anfangs halte man sie nicht zu warm, nachher aber bei grösserer Wärme. 4. Von Herrn Drawiel: Die erste Blüthe einer vom Verein mit schlafenden Augen bezogenen Theerose Mlle. Franziska Krüger. Diese Rose treibt sich gut, am 9. Januar bei 11 bis 15° R. in's warme Haus gestellt, erblühte sie am 23. Februar und hätte schon 8 Tage früher blühen können, wenn sie etwas forcirt worden wäre. Sie entspricht vollständig der Beschreibung des Herrn (2^) 654- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Schultheiss etc., ist als »extra« in der That zu bezeichnen, leidet auch nicht an Schimmel undj verdient Verbreitung. Zu letzterem Zweck stellte Herr Drawiel einige Reiser zur Verfügung. 5. Von der Firma Lorberg Prunus Pissardi Carr., eine Kirschpflaume mit blutrothen Blättern. Herr Brettschneider machte auf die von Herrn C. Mathieu (nach Carriere) in der Monatsschrift p. 1881 S. 356 gegebene Be- schreibung sowie auf die von Herrn Gartenins])ektor Scharrer in Tiflis dazu in der Gartenzeitung 1882 S. 147 gelieferten Bemerkungen aufmerksam und empfahl die Pflanze bestens. Die Zweige sind beim Austreiben rosenroth, das ältere Holz fast schwarz. Herr Späth bemerkte, er habe Prunus Pissardi vor 5 Jahren von Herrn Scharrcr aus Tiflis nebst einer ganzen Kollektion Obstsorten, namentlich per- sischer, aus dem Acclimatisationsgarten in Tiflis erhalten, leider sei damals P. Pissardi nicht gewachsen, während alle anderen gut gediehen. Ein zweites Mal ging es ebenso, erst die im vorigen Jahre erhaltenen wuchsen und besitzt Herr Späth jetzt abgebbar 700 Pflanzen. — Derselbe verbreitete sich dann noch über die erwähnten persischen Obstsorten. — 6. Herr Lauche hatte eingesandt: Chionodoxa Luciliae Boiss.. ein neues hübsches, blau blühendes scillaartiges Zwiebelgewächs aus Syrien (Siehe Monats- schrift 1881 S. 354), sowie 2 weniger bekannte Schneeglöckchen, Galanthus-Arten, G. Imperati und G. plicatus. Beide sind sehr grossblumig, grösser als G. nivalis, obwohl nicht ganz so gross, wie auf den Abbildungen der Kataloge. Zu haben u. a. bei Friedrich Adolph Haage in Erfurt, 10 St. i Mk., loo St. 8 Mk. — G. plicatus ist noch etwas höher als (i. Im])erati. 7. Herr Wittmack legte 2 Apfelsorten aus Siebenbürgen vor, die ihm von einem seiner Zuhörer an der landw. Hochschule, Herrn Edlen von Heidendorff in Mediasd, übergeben waren. Es waren der rothe Stettin er und der Batullenapfel. Letzterer ist bereits im 111. Handbuch der Obstkunde von Jahn, Lucas und Oberdieck Bd. 4, S. 540 u. 550 beschrieben, die vor- liegenden Exemplare waren noch grösser und zeichneten sich durch einen sehr guten Geschmack aus. Besonders wichtig ist dabei, dass er sich bis zum Früh- jahr gut erhält. Herr Ruhlemann-Hientzsch, Berlin, hat den Batullen-Apfel sowie mehrere andere Siebenbürgische Aepfel bereits in Kultur. n. Herr Drawiel fragt an, was aus verschiedenen vom Verein bezogenen Pflanzen geworden wäre. Ihm wurde bemerkt, dass Dracaena Goldieana bei Herrn Inspektor Lauche in der Kgl. Gärtner-Lehranstalt gut gedeihe, dass die Veilchen Herrn Kerkow-Pankow übergeben seien, und von ihm einige davon auf der letzten Winterausstellung ausgestellt waren, dass aber die meisten der vielen zu hohen Preisen angeschafften Veilchen bis jetzt sich nicht als dankbare Blüher gezeigt haben und keinen Handelswerth besitzen. — Die Nelken, welche von Herrn Lemoine-Nancy bezogen wurden, sind Herrn Lackner und Herrn Janiecki übergeben. Herr T,ackner berichtete, dass trotz der sorgfältigsten Behandlung mehrere derselben eingegangen seien, eine einzige weisse ist ge- wachsen, diese blüht aber nicht hübscher als Irma. Herr Lackner beklagte sich bei dieser (ielegenhcit, dass viele Samen von Neuheiten etc., die er vom Verein zur Prüfung erhalten, nicht gekeimt hätten und meinte, dass die betr. Züchter schlechte Samen gesandt. Die ihm übergebenen Palmensainen seien 654- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (2 7) ebenfalls nicht gekeimt. — Herr Drawiel berichtete Aehnliches über englische Cyclamen-Samen. Dem gegenüber konstatirte Herr Hüttig, dass die vom Baron Ferd. von Müller, Direktor Richard Schomlnirgk etc. erhaltenen Eucalyptus-Samen sehr gut gekeimt hätten, was auch Herr VVittmack nach Mittheilungen des Herrn Dr, Grönland bestätigte. Herr Perring bemerkte, dass Palmen-Samen leicht auf dem Transi)ort ihre Keimfähigkeit verlieren könnten; wenn aber andere von Händlern Ijezogene Samen nicht keimen sollten, so müssten die Namen der betr. Händler ver- öffentlicht werden. Herr Wittmack wies darauf hin, dass die von Herrn Drawiel erwähnten Cyclamen-Samen zu theuren Preisen von den ersten englischen Firmen als ganz besonders schöne Neuheiten gekauft seien, es sei doch wohl schwerlich anzu- nehmen, dass diese Firmen dem Verein schlechte Waare senden sollten, da es doch in ihrem Interesse Hege, durch gute Sämereien sich Kundschaft auf dem Kontinente zu erwerben. Herr Drawiel bemerkte weiter, dass er 4 Sorten hochstämmigen Flieder vom Verein erhalten habe, Gloire de Moulin, Alhie Mocquery, Älonsicur Courcelle und Dr. Lindley. von denen er bereit sei, Reiser abzugeben. Herr Lackner hat dieselben Sorten erhalten, es hatten die Bäume aber etwas vernachlässigte Kronen. Herr Späth wunderte sich, dass man diese Fliedersorten vom Auslande bezogen habe, da doch die meisten in deutschen Baumschulen zu haben seien, worauf Herr Per ring erwiederte, dass man Exemplare gekauft habe, die zur Treiberei vorbereitet waren, denn es handelt sich darum, zu prüfen, wie sich diese Sorten im Vergleich zu dem gewöhnlichen Charles X. etc. treiben lassen. III. Erster Gegenstand der Tagesordnung war die Frage: Empfiehlt es sich, weitere Winter-Ausstellungen zu veranstalten? Event, in welcher Weise? Nach einer längeren Diskussion, in welcher namentlich hervorgehoben wurde, dass die am 15. Januar d. J. stattgehabte Winter- Ausstellung der Natur der Sache nach nur eine kleine habe sein können, sprach man sich einstimmig dafür aus, auch ferner Winter-Ausstellungen abzuhalten. Ueber die Art und Weise wurde aber noch kein Beschluss gefasst, da im Jahre 1883 die Winter-Ausstellung wegen der grossen gemeinsamen Berliner Gartenbau-Ausstellung im April desselben Jahres ausfallen muss. Dagegen wird im Jahre 1884 wieder eine Winter-Ausstellung stattfinden und werden alle (iärtner Deutschlands ersucht, sich bei Zeiten auf diese Ausstellung vorzubereiten. IV. Zum 2. Gegenstande der Tagesordnung nahm Herr Wittmack das Wort und hielt einen Vortrag über die Geschichte der Camellien und der sog. indischen (eigentlich chinesischen) Azaleen. Herr Reinhold Gaertner berichtete als Augenzeuge über das Vorkommen der Camellien und Azaleen in Japan, Herr Gaerdt gab Erläuterungen betreffs der Einführung der Azaleen in Berlin. Diese Bemerkungen werden in Verbindung mit dem Wittmack'schen Vortrage in der Garten-Zeitung abgedruckt werden. V. Der 3. Gegenstand der Tagesordnung: Wie viel Land wird in der Umgegend von Berhn mit Maiblumen bestellt und wie viel darauf geerntet? Wie gross ist der Export? konnte nur theilweise beantwortet werden. Die Grösse des Areals ist nicht genau bekannt, die des Exports ebensowenig, dagegen lässt sich nach f2S) 654. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Herrn Drawiel und Herrn Gaerdt annehmen, dass von einer Quadrat-Ruthe (14,2 ^m) jährlich 1500 l)is 2000 bUihbarc und ca. 4000 Fortpflanzungskeime ge- wonnen werden. Herr Bussmann thciltc mit, dass Hendcrson in New-York einst die Fläclie, welche bei Berlin mit Mai-Blumen bestellt ist. auf 25 Morgen = 6 '/^ /la angab, was wohl ziemlich richtig sein dürfte, wenn man mit Herrn Rüppell (in Firma Peter Smith & Co., Hamburg-Bergedorf), welcher die Gesammt- produktion Deutschlands an Maibltmien auf 12 Millionen blühbare Keime all- jährlich schätzt, die Berliner Produktion auf 2 bis 2 72 Millionen annimmt. Herr Drawiel schätzt das Areal auf ca. 20 bis 25 Morgen (5 bis 6 /m.). Derselbe theilte genaue Zahlen über den Ertrag mit: Vor 3 Jahren hatte Herr F. auf 2 '/2 Q^^i^-R- 11,000 blühende Keime geerntet, mithin 4400 p. Qu.-R. — Im Jahre 1880 erntete Herr Drawiel selber von 28 Qu.-R. 67,000 blühbare Keime, also fast 2400 p, Qu.-R., im Jahre 1881 aber von 48 Qu,-R. nur 19,600 Keime d. h. ca. 400 p. Qu.-R. — Im Durchschnitt rechnet Herr Drawiel auf i Qu.-Ruthe 3000 Pflanzkeime überhaupt. Herr Gaerdt bemerkt, dass die meisten Maiblumenzüchter auf i Qu.-R. 2500—3000 Maiblumen pflanzen und davon ernten 2000 blühbare Keime und 4000 Fortpflanzungskeime. Ein Züchter rechnet nach Herrn Gaerdt's Mit- theilungen per Qu.-R. 1500 blühbare und 4000 Fortpflanzungskeime, ein anderer 1900 blühbare und 5000 Fortpflanzungskeime, ein dritter 1200 blühbare und 5000 Fortpflanzungskeime. In schlechten Jahren erntet man kaum tausend, ja, wie auch Herr Drawiel schilderte, oft noch weit weniger. Im Allgemeinen ist aber doch der Ertrag ein sehr hoher. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen; 1. Herr Kunst- und Handelsgärtner Bruno w, Pankow. 2. '■■> » >; Busse, Frz. Buchholz. 3. ~ » » s Becker, Lockstedt b. Hamburg. 4. Herr Rentier Puls, Charlottenburg. 5. Rentier Lade mann, StegHtz. 6. Kaufmann Goldschmidt, Steglitz. 7. » Rentier Johl, Berlin. 8. » Lieutenant a. D. Sommer, Schöneberg. 9. » Makler Paul Bernoully, Berlin. 10. ,v Garten-Ingenieur Hoppe, Pankow. 11. Der Gartenbau-Verein in Charlottenburg. 12. »in Fürstenwalde. Unentgeltlich abzugebende Samen. (29) Unentgeltlich abzugebende Samen für die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Anmeldungen bis zum 16. Mai d. J. beim General -Sekretariat Berlin N., Invalidenstr. 4: A';/;- die JSntntnem aufschreiben! 68. 69. 70. 71. 72. 73- 74- 75- 76. 77. 78. 79- 80. 81. 82. 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. 91. 92. 93- 94- 95- 96. 97- 98. 99- 100. lOI. 102 103. 104. 105. 106. 107. 108. I, Der Güte der Direktion der Königl. Gärten in Kew verdanken wir folgende Samen Abies canadensis. 109 Crataegus coccinea. » Menziesii HO » » glandulosa. Amelanchier canadensis snnguinea. III » maxima. Aralia spinosa. 112. Crus-galli arbutifolia. Azalea pontica princeps. 113- » » prunifolia. » » transparens. 114. macracantha. » vitellina. "5- punctata brevispina. Berljeris chinensis. 116. » sanguinea. i> Darwinii. 117. » tanacetifolia. stenophylla. 118. » » glabra. Betula ulmifolia costata. 1x9. » » odoratissima Bignonia radicans. 120. y virginica. Bocconia cordata. 121. Cupressus Lawsoniana. Carpinus dunensis. 122. » nutkaensis. Catalpa Kaempferi. 123. " sphaeroidea. u speciosa. 125. Deutzia crenata. Celastrus scandens. 126. » » punctata. Celtis occidentalis 127. y staminea. Cerasus laurocerasus colchica. 128. Fraxinus potamophila. » serotina. 129. Gaultheria shallon. !> virginiana. 130. Gymnocladus canadensis. Cercocarpus parvifolius 131- Halesia tetraptera. Cladrastus tinctoria. 132. Hypericum chinensis. Clematis orientalis graveolens. 133- » elatum. Colutea arborescens cruenta. 134- » prolificum. Corniis florida 135- Hex decidua. ^ striata. 136. luniperus Wallachii. Cotoneaster acuminata. 137- Kalmia latifolia. » bacillaris. 138. Leycesteria formosa. » » tloribunda. 139- Lonicera kamschatica. » buxifolia. 140. » xylosteum. » » niarginata. 141. Malionia aquifolium. » - obtusa. 142. » Murreyana. >; frigida 143- Menispermum canadense. laxiflora. .144. Pernettia Drummondi. microphylla. 145- » mucronata. » nunmuilaria. 146. speciosa. » rotundifolia. t 147- Phellodendron amurense. r> Simonii. 148. Philadelphus grandiflorus. » sinensis. 149. Picea Nordmanniana. » tomentosa. 1 150. !> Schrenkiana. (_30l 151. '52. 153- 154- 155 156. •57- 158. 159. 160. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. 169. 170. 171. 172. 173- 174. 175- 176. 177. 178. 179. 180. 181. Unentgeltlich abzugebende Samen. Pinus aristata. » pichta. Pipthantus nepalensis. Pittosporum tenuifolium. Prinos Balfouriana. » verticillata. Ptelea trifoliata. j » variegata. Pterocarya stenoptera. I'yrus amcricana. D arbutifolia var. « spuria pendula. » variolosa. Ketinospora obtusa. i> pisifera. Rhododendron arboreum. » catawbiense. > niaximum. • (gemischte Sorten). Rhiis Copallina » glabra. > toxicodendron radicanS. Ribes sanguineum. » » atrosanguineum. Rodotypus kerrioides. Rosa spec. » Carolina. » fraxinifolia. » rugosa. » sericea. Kubus biflorus. II. Der Güte des Herrn Heinrich Keller Sohn in Darnistadt : 213. Sciadopitys verticillata, japanische Schirmtanne, direkt aus Japan importirte Samen. III. Der Güte des Herrn Hofmarschall v. Saint -Paul: 214. Cryptomeria japonica. Ausserdem stehen zur Verfügung : 215. Proben des chemischen Blumendüngers von Eduard Naumann, Cöthen. Die Zusammen- setzung desselben bürgt für eine gute Wirkung. 216. Samen der amerikanischen Vitis riparia Mchx. , und zwar der Sorte Taylor, die gegen die Reblaus am widerstandsfähigsten sein soll. Von Prof. BLANKENHORN-Carlsruhe. 182. !> phoenicolarius. 183. Skimmia japonica. 184. Smilax spec. (Sikkim). 185 Spiraea ariaefolia. 186. » callosa. 187. » » alba. 188. 2 » glabra. 189. Spiraea calloso indica. 190. 1 Douglasii. 191. » Nobleana. 192. » opulifolia. 193- » j nana. 194. » rhamnifolia. 195- » tomentosa. 196, Staphylea pinnata. 197. Symphoricarpus racemosus 198. Syringa Emodii. 199. Taxus adpressa. 200. Thuja occidentalis. 201. s (Biota) Orientalis. 202. Tilia americana. 203. Vaccinium arctostaphylos. 204. » maderense. 205. Viburnum acerifolium. 206. " prunifolium. 207. Vitis cinerea. 208. i> riparia. 209. Weigelia amabilis 210 Yucca Whipplei. 211. Zenobia grandiflora. 212. » speciosa. Tagesordnungen. (31: Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Donnerstag den 27. April 1882, Abends 6 Uhr, im Bibliothekzimmer des Vereins, in der landwirthschaftlichen Hochschule, Invalidenstrasse 42. 1. Herr Axel Fintelmann: Vorzeigung einer neuen Garten- und Crewächshaus- spritze. 2. Herr Lauche: Ueber Braunschweiger Torfmüll. 3. Herr Wittmack: Dresdens Gärtnereien. 4. Geschäftliches: Antrag betreffs Abhaltung einer grösseren Winter -Ausstellung im Jahre 1884. — Antrag betreffs Hebung der Haumptlanzungen an Chausseen und Wegen. — Etat. 5. Verschiedenes: Rosen von Hrn. HARMS-Hamburg. Kaltflüssiges Kaumwachs. Frostschaden. Vogelschaden etc. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 5. Mai 1882, Abends 71/2 Uhr, im rothen Saale des City -Hotels. 1. Der Einfluss des Winters 1881/82 auf die Vegetation. Referent: Hofgärtner Hoffmann. 2. Die Sperlingsfrage. Referent: Herr Garten-Inspektor Wredow. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedene Mittheilungen. Die Tagesordnung für die Versammlung am 19. Mai wird in der betr. Sitzung selbst bekannt gemacht werden. Herbarien für wissenschaftliche Lehranstalten, Pharmaceuten , Forst- und landwirthschaftliche Anstalten, ersammelt von Reallehrer Seyerlen in Biberach, im Verlag stets vorräthig und nur zu beziehen durch die Verlagshandlung von max Laupheimer in Laupheim. II III. I. Grasherbarien (Gramineen, Juncaceen und Cyperaceen) I. bis V. Serie je 50 Specien inclusive Mappe . . . . a M. 3. 75. Forstwirthschaftliche Grasherbarien (35 Gramineen, 10 Juncaceen und 23 Cypera- ceen, darunter 20 Carices) . M. 5. — Landwirthschaftliche Grasherbarien (19 Wiesengräser, 9 Waidgräser, 14 Unkraut- gräser, 16 saure und schlechte Gräser) M 4 — IV. Süssgräser (20 Wiesengräser, 9 Waid- gräser, 4 Waldgräser) . . . M. 3. 30 V. Landwirthschaftliches Herbar, (25 Futter- kräuter, 25 Ackerunkräuter, 25 Wiesen- Unkräuter) ä M. 7. — VI. Kryptogamenheibar I. bisIV. Serie (Laub- moose, Flechten, Lebermoose) je fünfzig Species . a M. 4. — VII. Alpenpflanzen I. Serie mit 50 Species ä M. 5. - (32) Literatur. Literatur. ßullotin lliensuel tlc 1^ snciete Linneennc de Paris. No. 37. Seance du 6. Juillct 1881. 8. 8 S. J'lERKK über zwei Ej^ii /ia7-is- Arien , E. Loukkiko Pikkri; und E. Baii.I.oni T'ikkkk , die StaniiupflanZcn des gelben und rothen Sandelholzes. Der Weinbau. Organ des deutsehen Weinbau -Vereins. Populäre Zeitschrift für Weinbau, Weinbehandlung und Weinverwerthung. 1882. YTIT. Jahrgang. Verlag von H. Killinger in München. Dr. Fr. Kränzlill. Die von Ru THKNHERG auf Madagaskar gesammelten Orchidaceen. (Separat- abdruck aus tler Zeitschrift d. geogr. Gesellschaft in Bremen). 1881. 8. 11 S. (x. Niederleili. Die Bedeutung Argentiniens für Welthandel und Colonisation. Vortrag, ge- halten im Zvveigverein Leipzig für Handelsgeographie etc. 8. 1 1 S. LyOll-horticole. Revue bi-mensuelle d'horticulture publice avec la collaboration de l'associ- ation horticole Lyonnaise. Redacteur en chef: Viviand -Morel. (^)uatrieme annee 1882. Abonnement 8 Frcs. Dr. L. Wittlliack , Verhandlungen der IX. Allgemeinen Versammlung deutscher Pomologen und übstzüchter in Würzburg vom 7. bis 10. October 1880. Vereinsgabe des deutschen Pomologen-Vereins an seine Mitglieder Braunschweig 1882. 8. 75 S. Dr. Hermann Müller -Tliurgail, Ein Beitrag zur Kenntniss des Stoffwechsels in stärkehaltigen Pflanzenorganen. (Separatabdruck aus dem Botanischen Centralblatt , Band IX. Nr. 6, Jahr- gang III.) 8. 6 S. Dr. Thomas -Ohrdruf, Teratologische und pathologische Mittheilungen. (Separatabdruck aus der Trmischia, Jahrgang 1881. Nr. 9.) Dr. Thomas -Olirdruf, Ueber einige neue deutsche Cecidien. (Separatabzug aus den Sitzungs- berichten des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg XXIII.) Dr. C. Weigelt, Oenologischer Jahresbericht. Bericht über die Fortschritte in Wissenschaft und Praxis auf dem Gesammtgebiete von Rebbau , Weinbereitung und Kellerwirthschaft, er- stattet unter Mitwirkung von Dr. O. Saare und K. Po r tele. Dritter Jahrgang 1880. Mit einem Anhang, enthaltend das oesterreichische Kunstweingesetz und die dasselbe ergänzende k. k. Ministerial Verordnung vom 16. September 1880. Berlin, Paul Parey 1882. 8. 161 S. Versammlungen des Vereins zur Beförderung des (rartenbaues 1882. Jeden letzten Donnerstag im Monat, 6 Uhr. Von October bis April in der landw. Hochschule, Invalidenstr. 42. Von Mai bis September im Palmenhause des bot. Garten. (Im Sept. um 4 Uhr.) Januar Februar März April 1 Mai Juni Juli August Septbr. Octbr. Novbr. Decbr, 26 I 23 30 27 25 29 27 31 28 26 . 30 28 Sitzungen der Ausschüsse für Blumen- und (remüsezucht. Jeden i. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. i^Nur von November bis Mai.) 5l 2j2l 6 4|_|_|_i_-|_| 2|7 Sitzungen der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht. Jeden 2. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 12 , 9 t 9 I 13 [ II [ _ j _ I _ I _ I _ j 9 I 16 Versammlungen der Uesellscliaft der Gartenfreunde Berlins 1882. Jeden Freitag nach dem i. und nach dem 15. im Monat 7'/-' Uhr im City-Hotel, Dresdenerstr. Nr 52 53. Im Sommer statt der zweiten Monatsversammlung eine Excursion. ^1 3 I 3 , 14 I 5 I 21 71 4 I 8 1 6 1 3 I 8 20 I 17 I 17 I 21 I 19 I i6 I 21 I 18 I 22 I 20 I 17 1 22 VERHANDLUNGEN .let Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Terhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" «uf besonders paginirten Bogen, um diiiselben am Schluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Kpaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. 655. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 30. März 1882. Uen Vorsitz führte der Director, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. I. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Ein- wendungen dagegen nicht erhoben. II. Der Direktor Herr Sulzer theilte das Ableben des Herrn A. Goehren, sowie des früheren Mitgliedes und Vorsitzenden, Herrn Wirkl. Geheimen Ober- Regierungs-Rath Oppermann mit, und erhoben sich die Anwesenden zu Ehren der Verstorbenen von ihren Sitzen. III. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 1. Herr Kaiserl. Bank-Agent W. Maurer. 2. » Kommerzienrath E. Lohnstein. 3. » Kaufmann C. Zimmermann. 4. » Senator Dr. Carl Eggers. 5. » Rentier l'heod. Grosser. 6. » Universitätsgärtner Lindemuth. 7. » A. Kluge, sämmtlich zu Berlin. 8. » Fabrikbesitzer Wolff, Nieder- Schönweide. 9. > Der Gartenbau-Verein in Würzen in Sachsen. IV. Ausgestellte Pflanzen. Xanthoceras sorbifolia Bunge, eine reizende Sapindacee aus China*), hatte Herr Inspektor Lauche von der Kgl. Gärtner- lehranstalt blühend ausgestellt. Der Verein hat diese Pflanze im vergangenen Jahre kommen lassen und Herrn Lauche zur Kultur übergeben. Der ganze Blüthenstand gleicht im Kleinen dem einer Rosskastanie, mit welcher die Pflanze auch zur selben Familie im weiteren Sinne gehört. Herr Brandt berichtete er habe bei Max Leichtlin in Baden-Baden den Strauch etwa i m hoch ge- sehen, wo er im Mai blühte, und im Winter nur mit etwas Rohr gedeckt war. Eine Deckung wird bei uns stets nöthig sein, da die Blüthen-Knospen sich schon im Herbste sehr weit ausbilden, im Uebrigen dürfte er vielleicht auch in Nord- deutschland in günstigen Lagen aushalten. Leichtlin hatte seine Exemplare aus dem Jardin des plantes zu Paris erhalten, die meisten sind aber in den letzten strengen Wintern erfroren. Ausserdem hatte Herr Lauche Blüthen von Pirus ussuriensis Max. eingesandt, *) Abgebildet in Lauche, Dendrologie S. 444. f-}A\ 655. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, dieser jetzt sicher als Birne, nicht als Apfel erkannten Foinacee, die u. a. zu einem stattlichen Baume an der Chaussee, welche die beiden Gärten der Kgl. Gärtner- lehranstalt trennt, erwachsen ist. Die grossen weissen Blüthen erscheinen 14 Tage vor denen unserer Birne, sie zeigten sich in diesem milden Frühjahr sogar bereits seit Mitte März. Ferner hatte Herr Lauche einige Zweige von Populus balsamifera L. var. suaveolens (F. suaveolens Fisch.), aus Sibirien, eingesendet, welche der vorigen Pflanze in Bezug auf frühes Austreiben gleichkommt. Die Blätter waren fast vollständig ausgebildet. Die hübsche Friinel vom. Himalaya, Frimula rosea Royle, welche Herr Lauche mit vielem Glück kultivirt (Abbildung im Deutschen Garten 1881 S. 431) und von der ein Exemplar ausgestellt, sieht man auch sehr selten, noch seltener vielleicht die reizende Azalea (Rhododendron) linearifolia Sieb, et Zucc. aus Japan. Sie zeichnet sich, wie schon der Name sagt, durch schmale, linienförmige Blätter aus, ferner aber durch grosse, schön rosarothe Blüthen, deren Krone sehr schmale Abschnitte zeigt; der ganze kleine Strauch war mit Blüthen übersäet. Herr Universitätsgärtner Lindemuth lieferte drei Exemplare von Atnor- phophallus Rivicri in stattlichen Dimensionen ein, während Herr Prinzl. Obergärtner Schotte eine grosse Sammlung Eichenblätter in Herbarienform zur Erläuterung seines Vortrages über den Watkowitzer Park ausgelegt hatte. Ausserdem übergab derselbe Zweige von Juniperus lusitanica Mill. (J. tamariscifolia Ait.), scheinbar mit Krebsstellen bedeckt, die sich aber, wie Herr Lindemuth näher nachwies, als mit dem Pilze Gyninosporangiuni fuscuni behaftet erwiesen. Dieser Pilz bildet im Frühjahre orange- oder braunrothe schleimige Massen an den Zweigen. Die Sporen, die sich darin bilden, keimen nicht wieder auf dem Sadebaum, sondern auf Birnblättern und erzeugen hier den gefürchteten Gitterrost. Herr Joseph Klar hatte sehr schöne />//;«//« chinensis ßnibriata von ü.u.s'^qx- ordentlicher Grösse und vom blendendsten Weiss bis zum dunkelsten Purpur, dabei stark gefranste, ausgestellt. V. Herr Brandt regte an, dass über die zu Versuchszwecken vertheilten Pflanzen ein genaues Verzeichniss geführt werden möchte. Herr Carl Mathieu, der ein solches bisher schon eingerichtet, wurde in Folge dessen offiziell mit der Führung desselben betraut. Die Herren Versuchsansteller werden nochmals dringend gebeten, sobald sich über die erhaltenen Neuheiten ein Urtheil abgeben lässt, schriftlich Bericht zu erstatten. VL Herr Schotte hielt hierauf einen Vortrag über den Park zu Watkowitz in Westpreussen, der u. a. besonders desshalb interessant ist, weil eine Menge südlicher Gehölze etc. im Freien daselbst ausgepflanzt sind, die im Winter überbaut werden. Der Vortrag wird in der Gartenzeitung erscheinen. Ihm folgte Herr R. Gärtner mit einem Vortrage über die Verwendung der städtischen Abfallstoffe in Japan, welcher ebenfalls besonders abgedruckt werden wird. An diesen Vortrag knüpfte sich eine ausserordentlich interessante Debatte: Herr Drawiel meinte, die Japaner würden in der Gärtnerei sicherlich mehr thierischen Dünger anstatt menschlicher Exkremente verwenden, wenn sie ihn nur hätten; für den Gärtner sei Kuh- und Pferdedünger immer besser als Latrine. Herr Gärtner wies auf die Erfolge hin, die der Nachbar des Herrn Drawiel, der verstorbene Rittergutsbesitzer Roeder in Lichtenberg mit Latrine neben 655- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (■ic'S vielen anderen Abfallstoffen erzielt, die er stets nur im flüssigen Zustande an- gewendet, und berichtete ferner, dass er in seiner eigenen Baumschule die mensch- lichen Exkremente, mit Wasser verdünnt, mit sehr gutem Resultat benutzt habe. Hauptsache ist, dass immer wie in Japan, Wasser zugegossen wird, und dass die Masse erst einige Tage gestanden, ausgegohren haben muss. Bei Rosen war der Erfolg erstaunlich. — Wenn man nur erst genügend Leute hat, die es verstehen, wird man die Exkremente überall so frisch anwenden wie in Japan. Will man das nicht, so kann man auch die E.xkremente mit P>de mischen und so den üblen Geruch beseitigen. Ich lasse, sagt Herr Gärtner, in meiner Landwohnung allen Kehricht auf den Komposthaufen bringen, habe in der Küche den Ausguss zugemauert, und müssen die Mädchen sämmtliches Küchen- wasser auch auf den Komposthaufen tragen. Dieser Kompost wird dann mit grossem Erfolge zu Luzerne etc. verwendet. Herr von St. Paul: Ich habe in meiner Landwohnung Wasser-Klosets, die in eine rückwärts, am Abhänge eines Hügels gelegene Grube münden. Vermöge eines Ventils kann der Inhalt der Grube unten herausgelassen, und in Kübeln entweder nach dem Komposthaufen oder nach dem Garten direkt an den Ort des Bedarfs transportirt werden. Ganz besonders wirksam zeigte sich dieser Dünger für Himbeeren; längs des Zaunes, an dem diese standen, liess ich eine Rinne machen und diese nur ein Mal mit Latrine volltragen. Darauf erhielt ich Himbeerruthen von 3 m Länge, die bis in die Spitze hinein trugen; ähnlich bei Rosen und Kohlarten. Herrn Gärtner möchte ich in seiner Schlussfolgerung, betreffs Berlins, ent- gegentreten. Wenn auch vielleicht im Augenblick die Abfallstofife verschwendet werden, so ist doch in Betracht zu ziehen, dass die Fortschaffung der mensch- lichen Exkremente in Berlin das Wenigste war; die Hauptsache war die Be- seitigung des Küchen-, Spül- und Tageswassers. Dazu bedurfte man doch einer Kanalisation. Ich glaube nun allerdings mit Herrn Gärtner, dass die Riesel- felder nach einigen Jahren mit Spüljauche übersättigt und werthlos sein werden, es wird sich aber eine grossartige Verzweigung der Kanäle ausbilden; es werden die Gutsbesitzer ihre eigenen Röhrenleitungen sich anlegen, und wenn ganz Berlin mit einem Strahlennetz von solchen Leitungen versehen sein wird, viel- leicht mit sekundären Pumpwerken, dann wird auch die weitere Umgebung von der Spüljauche Nutzen ziehen. Herr Schwarz bürg: Kloake wird in Handelsgärtnereien sehr viel an- gewendet. Ich dünge z. B. meine Azaleen mit verdünnter Kloake im Sommer 4 — 5 mal ziemlich stark; ähnlich geschieht es in ganz Schöneberg und ebenso in Charlottenburg, namenthch bei Friedr. Schnitze, wo an beiden Orten das Wasser wenig nährende Bestandtheile zu haben scheint. Bei Düngung mit fester Kloake oder Kompost habe ich keine Erfolge gehabt. Das Land erträgt diese übermässige Düngung nicht, Epheu wuchs an der betreffenden Stelle nicht mehr, während er da, wo Pferdedüngung untergebracht war, gut gedieh. Aehnlich bei Herrn Neu mann. HerrDrawiel: Herr Roeder-Lichtenberg hat Kloake in den letzten Jahren fast ganz von der Hand gewiesen, dagegen Urin stets genommen und diesen mit anderen Stoffen gemengt. Mit Kuhdünger kann man so oft kommen wie man will, durch menschliche Exkremente habe ich schon manche Pflanze verdorben, andere freilich gerettet. /-3g\ 655. Versammhing des Vereins 7,ur Beförderung des Gartenbaues. Herr Orth; Die Kloake enthält sehr leicht lösliche Nährstoffe und muss deshalb vorsichtig benutzt werden, weshalb man sie auch viel mit Wasser ver- setzt. In Berlin wird sie ja ebenfalls durch die Kanalisation viel mit Wasser verdünnt. Andererseits kann man sie auch mit Lehmmergel und Torf komi)o- stiren; für die Landwirthschaft ist das sehr vortheilhaft. Wie weit solcher Kompostdünger für feinere Blumen nützlich ist, müsste erst durch Versuche festgestellt werden. Ks scheint mir wichtig, dass schon jetzt die gärtnerischen Kreise Versuche machen, wie man in der Nähe der Kanäle die Jauche zu Nutze machen könne, um, wenn später, wo Berlin ganz kanalisirt sein wird, die mensch- lichen Exkremente der Gärtnerei fehlen, gerüstet zu sein. Ich möchte beantragen, dass der Verein die Stadt Berlin bitte, ihm ein Terrain auf den Rieselfeldern zur Verfügung zu stellen, um mit feineren Gartengewächsen Versuche zu machen. Die Gärtner sollten sich in der Nähe der Rieselfelder auch Terrain kaufen und dieses im Winter, wo die Stadt gern Spüljauche abgiebt, berieseln und so für den nächsten Sommer tüchtig düngen. — Pro Kopf der Bevölkerung rechnet man in den Exkrementen pro Jahr etwa 5 A\i[ Stickstoff, ä i M.. 1,5 /^^ Phosphor- säure ä 0,60 M. und 1,5 /.'^- Kali ä 0,30 Af. Herr Lindemuth: In der Rheinprovinz, wo viel Gemüse gebaut wird, legt man viel Werth aut menschliche Exkremente, besonders z. B. bei Köln, Koblenz und Bonn. Ist der Inhalt der gemauerten Gruben zu dick, so wird er mit Wasser verdünnt und namentlich zu Kohlgemüse, wo man gar nicht genug davon geben kann, verbraucht. In Poppeisdorf werden die Kohlgemüse gewöhnlich im Herbst gepflanzt und im Frühjahr geerntet. Da giesst man die Masse über das ganze Land und wiederholt dieses jedes Jahr. Im Herbst werden auch kleine Gruben neben den Pflanzen gemacht und mit Latrine vollgegossen und später zugefüllt. Das- selbe wiederholt man im Frühjahr. Spinat wächst ausgezeichnet darnach, doch ist bei ihm diese Düngungsart Ekel erregend, obwohl man erst die Blätter zu essen bekommt, die später sich ausbilden; bei Kohl ist von Ekel keine Rede. — Welchen Werth man dort auf die Exkremente legt, erhellt daraus, dass mir in Poppeisdorf der Inhalt meiner Latrinengrube öfter gestohlen wurde. Herr Bussmann: Das Gefahrvolle bei der Düngung mit menschlichen Exkrementen tritt nur dann ein, wenn man sie nicht gähren lässt; im gegohrenen Zustande sind sie nicht schädlich. Herr Blume: Jetzt wird bei der Selterwasser-Fabrikation viel schwefelsaure Magnesia gewonnen und kann man daraus leicht durch Zusatz von phos])hor- saurem Ammoniak phosphorsaure Ammoniak-Magnesia machen. Herr Busse: Ich benutze seit 7 — 8 Jahren zu Gemüse nur menschliche Exkremente, die mittelst eines Schlittens auf dem Felde weiter gefahren und mit einer Wurfschaufel nach beiden Seiten verbreitet werden. Als Kopfdüngung^ namentlich im Herbst zu Spinat, wirken sie ausgezeichnet. Ich habe die La- trine auf gefrornen Boden gebracht, und der Spinat wuchs im Frühjahre prächtig. Ich würde dieselbe auch zu jeder Gemüseart empfehlen. Die mensch liehen Exkremente enthalten aber verhältnissmässig zu wenig Kali, wie mir scheint, und könnte man noch Kali zusetzen. Herr Blume: Kali, speziell schwefelsaures Kali, erhöht die Wirkung eines jeden Düngers, natürlich vorzugsweise bei Kalipflanzen. Bei vergleichenden Versuchen mit Spinat fand ich einen Zusatz von löslichem, doppeltkohlensaurem Eisen sehr gut; aber ;uif eine Giesskannc nur ca. 2 ^{,^ Der Spinat enthält viel 655- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (37) Eisen, und Zusatz von Eisen befördert die Blattbildung ausserordentlich. Der Spinat verlangt ausserdem viel Stickstoff. Herr Jörns: Auf den Rieselfeldern bei Falkenberg gedeihen von Gräsern am besten italienisches Raygras, Timotheegras (Phleuni prateiisc) und franzö- sisches Raygras (Avena elatior); letzteres hält besser aus als das italienische. Von Getreide wuchs besonders gut Sommerweizen und Hafer, sowie Mais, von dem alle drei gebauten Sorten reife Kolben brachten. Ausgezeichnet gedieh ferner der Hanf, so dass mit ihm grössere Kulturen vorgenommen werden sollen. Dagegen wurden die Leguminosen viel vom Mehlthau befallen. Die gefürchtete Versumpfung der Rieselfelder wird nicht eintreten, da die Drainage in der Ausführung begriffen. Wir führen zwar viel Dünger zu, aber wir mähen auch 7 — 8 mal und ernten pro Schnitt vom Morgen {^l^ha) loo — iio Ctr. Herr Johl: Seit 30 Jahren habe ich als Landwirth mit festen Exkrementen gute Erfolge gehabt, von Runkelrüben einmal pro Morgen 24 Wispel. Plüssige Düngung im Herbst und Winter gab sehr gute Resultate bei Sommergetreide, Kohl und Zwiebeln, nicht bei Kartoffeln. Bei Obstbäumen gebe man die Latrine mit Wasser verdünnt (1:20); für Waldbäume ist sie aber schädlich, ein Gastwirth vernichtete sich dadurch alle 15 — 20jährigen Bäume in seinem Garten. Herr Dressler: Wenn man Wildbäume nicht direkt berieselt, sondern die Spüljauche mittelst Gräben zuführt, so sind die Wirkungen sehr günstig. Ahorn machen Triebe von 2 ///. — Uebrigens macht der Vortrag und die Debatte auf mich den Eindruck, als wüssten unsere Landwirthe die Latrine nicht zu ver- werthen. Das ist ein grosser Irrthum, sie holen sie bei Tag und bei Nacht, für Wiesen besonders ist sie unentbehrlich geworden. Herr Gaerdt: Vor der Kanalisation hatten wir den besten Beweis für die Wirkung der Kloake in dem grossen Rixdorfer Kohl; für kohlartige Pflanzen ist überhaupt Kloake allem anderen Dünger vorzuziehen. Herr Bus s mann: Auf schwerem, undurchlässigem Boden wirkt sie nicht so gut. Herr Orth: Ohne Frage kommt in Berlin zu viel Dünger auf die Riesel- felder. Es kommen die F"äces von 150 Personen auf den Morgen, das macht allein an Stickstoff (bei 5 kg pro Kopf) 750 kg, also so viel wie in 100 Doppel- centner Guano; wenn erst soviel Land zur Verfügung steht, dass nur 50 Menschen auf einen Morgen kommen, wie man es als Ideal hinstellt, so ergiebt das immer noch 250 kg Stickstoff, also gleich 35 Doppelcentner Guano (mit 7 pCt. Stick- stoff). Wenn in den Winterbassins die Masse i ;// hoch steht, so wird der Stickstoff zum Theil in Salpetersäure sich umsetzen und diese durch den Boden laufen, da sie wenig vom Boden absorbirt wird. Bei Verwendung von Kloake empfiehlt sich sehr der Jauche -Vertheilungs- apparat nach d' Heureuse, den Schmiedemeister Giese in Bernau fertigt. Herr Per ring: Man kann die allerzartesten Pflanzen, selbst Lechenaultia etc. mit Kloake düngen, wenn man vorsichtig ist, ebenso wie man sie mit Guano düngen kann. Ein Leipziger Gärtner zieht die schönsten Eriken bei Kloäkendüngung und Einzelne unter uns ebenso die schönsten Azaleen, während man vor 10 Jahren darüber gelacht haben würde. — Den Jauchevertheiler von d'Heureuse kann auch ich sehr empfehlen. Herr Gärtner rekapitulirte zum Schluss dahin: Ich will nicht in Abrede stellen, dass Berlins Umgegend ihr Grün zum grössten Theil der Latrine ver- dankt; es ist deren Benutzung meiner Ansicht nach aber noch nicht so im /-g\ 655. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Detail ausgebildet wie in Japan. Bedeutsam scheint mir, dass i) die Ex- kremente in Japan nur im gegohrenen Zustande verwendet und 2) dass sie nicht über das ganze Feld gebreitet, sondern zu jeder einzelnen Pflanze gegeben werden. Letztere Kopfdüngung ist deshalb beliebt, weil sie mehr wirkt und weil man auch weiter damit reicht. VII. Vorgelegt wurden von L. Wittmack die Eticiuetten aus chemisch präjjarirtem Zink, von Karl Brandes, Hannover, Ostertrasse 89. Auf diese wird mit Kupfervitriol geschrieben, und die Schrift ist wegen der Bildung von Kujjferoxydul sofort schwarz. Herr von St. Paul, der sie später auch noch genauer prüfte, hält diese Eti(iuetten für noch besser als die von Girard-Col., da das Zink eine blanke Fläche hat. Herr Perring hält nicht viel von Zinketiquetten , im botanischen Garten sind einige allerdings schon 25 Jahre, aber die Dinte wird undeutlich, auch frisch sehen sie nicht hübsch aus. Am besten ist's, in das Zink die Namen vertieft einzuschlagen und dann mit schwarzer Farbe oder chemischer Dinte nach- zuziehen. Die besten Resultate giebt Zink mit Oelfarbe bestrichen und darauf mit einer chemischen Dinte, die sich mit einer gewöhnlichen Stahlfeder schreiben lässt, beschrieben. — Herr Brandes bemerkt in seinem Schreiben noch, dass Regel, Jäger, Neubert, Eucas und Seelig und andere Autoritäten seine Etiquetten sehr empfohlen hätten und dass seine Dinte sich auch dadurch von den anderen unterscheidet, dass sie sich nicht mit einem weissgrauen Ueberzuge bedeckt und nicht unleserlich wird. Ferner zeigte Herr Wittmack einen neuen Obstbrecher von R. Brandes vor, der sich sehr bewährt haben soll. Es wird das Obst mit demselben nicht abgerissen, sondern abgeknickt, indem eine beliebige Vierteldrehung des Stieles die Frucht sicher zum Fall in den Beutel bringt. Der Ring des Brechers ist mit flachliegenden Zinken versehen, welche sehr gut fassen. Endlich theilte Herr Wittmack mit, dass Herr Axel Fintelmann in einem für die Gartenzeitung eingeschickten Aufsatz als bestes Material, um Bäume an Pfählen zu befestigen, Stricke aus Kokosfasern empfehle. — Bezüglich der Zweckmässigkeit der Kokosfaser für die Vermehrung waren die Ansichten nicht sehr günstig. Herr von Saint-Paul findet zwar keinen Unterschied zwischen ihr und ßraunschweiger geraspeltem Torf, sie ist aber viel zu theuer, in England bezahle man für i Lory nur 25 Mk. Herr Lackner, der seit zwei Jahren Versuche gemacht, konnte nur davon abrathen, weil die Pflanzen zwar sich gut darin bewurzelten (nicht aber besser als im Braunschweiger Torf) , aber nachher, sobald sie nicht gleich verpflanzt werden, absterben. Bei Philodejidron und solchen Pflanzen, bei denen es nicht auf die Bewurzelung, sondern auf das Austreiben ankommt, wird sie ja ganz gute Resultate geben. VIII. Herr Johl fragte an , wie er den Schimmel in seinem Vermehrungs- hause vertreiben könne. Er habe früher sieben Jahre als Unterlage Dachsteine benutzt und darauf den Sand zur Vermehrung geschichtet, im vorigen Jahre seien statt der Dachsteine Schieferplatten gelegt und seitdem sei der Pilz da. Er erkläre sich das so: Früher hielten sich verschiedene Kröten im Hause auf, die jetzt bei der Veränderung hinausgeworfen wurden. Die Kröten waren eifrige Vertilger der Kellerwürmer etc., und da diese jetzt sich in weit grösserer Zahl finden, so könne der Pilz durch sie sehr wohl verbreitet werden. Herr Perring räth die poröse Unterlage, die Dachsteine, wieder einzuführen, Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (39) das werde wohl die Hauptsache sein. — Herr Wittmack hielt eine Verbreitung der Pilze durch Kellerwürmer etc. nicht so ganz für unmöglich, wie denn auch Pasteur die Regenwürmer für Uebertrager des Milzbrandes ansehe, was freilich von Koch bestritten wird. Reinlichkeit und poröse Unterlage bleibe allerdings die Hauptsache. Er bittet um Zusendung des Pilzes. — Um Kellerwürmer zu fangen, wende man, wie Herr Drawiel räth, das bekannte Mittel, ausgehöhlte Kartoffeln, an. Letzterer wies mit Recht darauf hin, dass auch die Witterungs- verhältnisse oft den Pilz sehr begünstigen. — Herr Seh warzbu rg empfiehlt ein massives Haus, reine Erde und Bestreuen mit Kalk. — Herr Brandt benutzt zur Vermehrung ein Gemisch von Haideerde und Torf, dabei aber eine Unterlage von Sphagnum. Bei Sand muss man zu viel giessen. IX. Herr Wittmack theilte mit, dass von Vilmorin, Andrieux et Co. in Paris jetzt Weintraubenkerne aus Kochinchina von Weinen mit knolligen Wurzeln ä Stck. 2 fr. 50 cts. angeboten werden. Diese stammen von einer Cissus-Kxt, welche dort bis in die höchsten Bäume ranken und nach Versuchen des Sammlers Martin, Jardinier en chef du Gouvernement in Saigon einen ganz guten, allerdings nur 5 pCt. Alkohol enthaltenen Wein geben soll. X. Der Orth 'sehe Antrag betreffs der Rieselfelder wurde dem Ausschuss für gärtnerische Versuche überwiesen. XI. Als Mitglied wurde aufgenommen: Herr Hoflieferant F. J. M. Plumpe, Berlin. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 3. März 1882. (City-Hotel, Dresdenerstr. 52/53). Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung in gewohnter Weise damit, dass er das ProtocoU der vorigen Sitzung vorlesen Hess; da gegen den Inhalt desselben nichts zu erinnern war, wird solches der Redaction des Vereinsorgans zum Ab- drucke zugefertigt werden. Das Programm für die Münchener Ausstellung vom 29. April bis 7. Mai er. und das Programm für die vom 6. bis 10. April in der Passage stattfindende, von den selbstständigen Blumenhändlern Berlins und Umgegend veranstaltete Ausstellung von Arrangements abgeschnittener Blumen, sowie der Bericht über die Culturen in dem Garten der Berlinischen Garten- Gesellschaft »Versuchs- garten« im Jahre 1881 werden zur Kenntniss der Erschienenen gebracht. Bezüglich der revidirten Grundbestimmungen der Gesellschaft wurde be- schlossen, dieselben nunmehr in der Weise drucken zu lassen, wie sie in der Sitzung vom 3. Februar er. angenommen, auch fand kein Widerspruch statt, dass den qu. Grundbestimmungen ein Verzeichniss der Mitglieder, sowie der im Besitze der Gesellschaft befindlichen Bücher beigefügt wird. Allgemeine Anerkennung fanden die von Herrn Wen dt ausgestellten, in vorzüglicher Cultur befindlichen, reich und schön blühenden 6 Stück Hydrangea (Thomas Hogg), sowie die von Herrn Eggebrecht ausgestellten Sämlinge von Azaleen und von Priniula chiiiciisis. Herr Bues hatte ein aus Samen ge- zogenes Cyclamcn pcrsiciim. an dem fast nur gefüllte Blumen zu sehen waren, (40) Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. ausgestellt und Herr Späth, als Neuheit, eine aus Samen gezogene Rüster vor- geführt. Die Herren Aussteller Hessen sich über die Cultur der betreftenden Pflanzen des Näheren aus. Herr Kropp meldete Herrn Obergärtner Roehl ('l'hiergartenstrasse 3) als Mitglied an. Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten hielt Hr. Dr. Bolle seinen höchst interessanten Vortrag »über die Verwendung exotischer Gehölze in Parkanlagen; und wird Herr Referent so gütig sein, dem Wunsche der Gesellschaft nachzukommen und diesen Vortrag durch das Vereins -Organ zu veröffentlichen. Die Frage, ob es gerathen sei, hochstämmige Rosen schon jetzt aus der Erde zu nehmen, wurde dahin beantwortet, dass es angezeigt erscheinen dürfte, mit der Freilegung der Rosen schon jetzt vorzugehen, da sie, in Folge des ge- linden Winters, in der Vegetation vorgeschritten und allem Anscheine nach ein den 'l'rieben schädlicher Frost nicht mehr zu befürchten sei. An Stelle der nächsten Sitzung soll, mit zuvor erfolgter Genehmigung des l^esitzers, ein Ausflug in die Borsig'schen Gewächshäuser unternommen werden, und erl)ictet sich der Vorsitzende, die Erlaubniss zum Besuche derselben an geeigneter Stelle zu erbitten. Verhandelt Berlin den 21. April 1882. (City-llotel, Dresdenerstr. 52/53.) Nach Eröffnung der Sitzung und Verlesung des Protocolls vom 3. v. M. theilte der Vorsitzende einen an ihn gerichteten Erlass des Reichsamts des Innern mit, wonach für dieses Jahr nach Ungarn Pflanzen, gemäss der früheren Reblausconvention, gesandt werden können. lieber ein eingegangenes An- schreiben des deutschen handelsgeographischen Museums behielt sich derselbe weitere Mittheilungen vor. Der in der März -Sitzung als Mitglied angemeldete Herr Kunst- und Ober- gärtner Roehl, Thiergartenstr. 3, wird als wirkliches Mitglied proclamirt und die Anmeldung des Herrn Promenaden -Inspectors Kreis zu Braunschweig als Mitglied durch Herrn Gude entgegengenommen. Anknüpfend an die in der Versammlung des Gartenbau-Vereins vom 26. Jan, er. gemachten Mittheilungen über Düngungsversuche, hielt Hr. Prof. Dr. Orth einen längeren, höchst interessanten Vortrag über gärtnerische Düngungsver- suche und ist von dem Herrn Referenten dieser Vortrag für das Vereins-Organ bestimmt; da aber vielleicht vor Veröffentlichung desselben einige Wochen ver- gehen dürften und mancher mit den verschiedenen, vom Herrn Prof. Dr. Orth angegebenen Mineraldünger-Arten Versuche anstellen möchte, dürfte es sich em- pfehlen, hierbei auch den Rath desselben zu beherzigen, der dahin ging, mit den verschiedenen Dungarten, bei Topf-Culturen namentlich, sehr vorsichtig um- zugehen. Auf I Eiter Wasser verwende man i Gramm Dünger, bei feineren Culturen gehe man aber bei 10 Liter Wasser auf 5 Gramm herunter. Als solide, in der Nähe von Berlin belegene, Firmen für den Bezug von Tagesordnungen. (ai^ Mineraldünger bezeichnet Herr Prof, Dr. Orth die Fabrik des Herrn Dr. Colin (Martiniquenfelde) und die des Herrn Poppe in der Neuen Friedrichstrasse. Dem Herrn Referenten wurde der aufrichtigste Dank von den mit gespann- ter Aufmerksamkeit dem Vortrage folgenden Zuhörern zn Theil. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Donnerstag den 25. Mai 1882, Al)ends 6 Uhr, im Palmenliause des kgl. botanischen Crartens. 1. Geschäftliches. — Antrag betreffs Abhaltung einer grösseren Winter- Aus- stellung im Jahre 1884. — Antrag betreffs Hebung der Baumpflanzungen an Chausseen und Wegen. — Neuwahl der Ausschüsse. 2. Herr R. Brandt: Die Riviera im Winter. 3. Goeschke's neue Methode zur Vermehrung der Platanen. 4. Verschiedenes. — Rosen und Erdbeeren von Herrn Fr. Becker, Lockstedt bei Hamburg. — Neue Literatur. — Grosse (Gartenbau -Ausstellung 1883 zu Berlin. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 2. Juni 1882, Abends 71/2 Uhr, im rothen Saale des City -Hotels. 1. Antrag auf Wahl eines anderen Vereinslokales. 2. Die Kultur der I^orbeerbäume und Orangen. 3. Mittheilungen über Ausstellungs-Angelegenheiten. 4. Hat die Befruchtung einer Obstblüthe mit einer anderen Sorte Einfluss auf die Gestalt der im Sommer daraus entstehenden Frucht? 5. Beschluss über die am 16. Juni zu unternehmende gärtnerische Exkursion. Neuheiten von Samen für 1882 empfolilen im Katalog von IIaage & Schmidt in Erfurt. [Fortsetzung aus »Verhandlungen« S. (23).] 0 Sommergewächse. 0 Zweijährige Pflanzen. \ Stauden. |i Holzartige Pflanzen. Q Kalthaus. A Warmhaus. No. Pf. 13405. Diiphi/iiu/ii ConsoIJda ß. pl. Levkoyen- Rittersporn , Icuclitend carmin, Benar)'. 0 Unstreitig die schönste und leuchtendste Farbe, die bis jetzt erzielt und noch in keinem Kittersporn-Sortiment vertreten ist. Es ist ein feuriges Hoch- oder C'arminroth von grossem Effect und besonders dadurch werthvoll, dass die Blumen selbst in getrocknetem Zustande ungebeizt ihre leuchtende Farbe behalten . . . . 100 S. 60 (42) Neuheiten von Samen. No. ... Pf- 1-5406. Diantlins barbahis namis conipactiis albus, Dippe. .2| (^ Reinweisse Varietät der niedrigen Klasse von Bartnelken Pt. ("75 S.J 60 13407. Dracoceplialnin Ritprecliti, Rgl. 4 Neue Species von compactem niedrigem Wuchs und quiriförmig um den Blüthcnstengel sitzenden 3 cm grossen helll^lauen Blumen. 100 S. 2,50. 10 S. 40 1340S. Erigeron anrantiacus, Rgl. 2|. Prachtvolle grossblumige leuchtend orange blühende .Species mit 15 — 20 cm hohen einblumigen Blüthenstengeln . . 100 S. 1,20. 20 S. 40 13409. Erythraea diffusa, Haage & Schmidt. Gartenflora T. 1038. \ Ebenso schön als K. MUhlenbergi, aber von viel leichterer Kultur. Die Pflanze bleibt ganz niedrig, die kriechenden, stark verästelten Zweige mit ihren dicht aneinandersitzenden, fast runden, lebhaft grünen, glänzenden Blättern bedecken den Boden rasenartig; die iilüthen stehen aufrecht und erscheinen in solcher Menge, dass ein Beet dieser Sorte einen einzigen Blüthenteppich bildet; die P'arbe ist ein lebhaftes Rosa, ähnlich wie bei E. Mühlenbergi. Auch zur Topfkultur ist diese Species sehr empfehlenswerth, indem die langen dicht mit Blättern besetzten Zweige über den Rand des Topfes hängen und sich somit zu einer herrlichen Ampelpflanze gestalten, die bei der ihr nothigen Feuchtigkeit auch im nicht blühenden Zustande wirklich schön zu nennen ist. Diese Erythraea hat bisher den Winter im freien Lande ohne Schutz ausgehalten und halten wir sie für eine der besten neuen Einführungen unter den perennirenden Stauden, welche seit geraumer Zeit erschienen sind Pt. (200 S.) 80 13410. Eustoiiia (Lisianthus) exaltatum, Griesebach. Q Q Eine neue Species von derselben .Schönheit und ähnlichem Haljitus wie der beliebte Lisianthus Russellianus; die Pflanze wird 40 — 50 | 61 3|8 20 I 17 I 17 I 21 I 19 I 16 I 21 I 18 1 22 I 20 I 17 I 22 VERHANDLUNGEN Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirten Bogen, um dieselben am Schluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit IS Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin S\V., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. 656. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 27. April 1882. Den Vorsitz führte der Direktor, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Ein- wendungen dagegen nicht erhoben. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 1. Der Verein der Gärtner und Gartenfreunde für das Osthavelland zu Spandau. 2. Herr Banquier B. Oppenheim (Firma R. Oppenhenheim), Bellevuestrasse 3. 3. Herr Stadtrath Holz, Charlottenburg (Westend). I. Ausgestellte Pflanzen: Herr Obergärtner Schmidt hatte aus dem Garten des Herrn Kommerzienrath O. De 11 seh au in Pankow mehrere sehr schöne Azaleen als Schaupflanzen eingeliefert, denen auch seitens der Preisrichter, Herren Drawiel, C. Mathieu und Dressler, der Monatspreis zugesprochen wurde. Es waren die Sorten: Kaiserin von Indien"), gefüllt rosa, grossblumig, sehr empfehlenswerth, Louise Pynaert, gefüllt weiss mit rothen Streifen, Dorothea, weiss mit einzelnen rothen Streifen, Mars, dunkelroth, Jean Vervaene, dunkel mennigroth. Herr Rentier Johl stellte eine Tritoma uvaria aus, die seltsamer Weise zu dieser ungewöhnlichen Zeit blühte. Er hatte sie im kalten Hause ans Licht gestellt, und scheint die Pflanze keine grosse Wärme, sondern Helligkeit zu ver- langen. Die Blumen waren allerdings viel bleicher als bei den im Herbst blühenden Exemplaren. Herr Fr. Harms, Hamburg, hatte eine sehr husche Bennett'sche Hybride- Rose Duke of Connaught eingesandt, unzweifelhaft die beste unter den ersten Bennett'schen Hybriden zwischen Thee- und Remontantrosen. Acht Tage früher hatte Herr Harms zwei andere Rosen: »Niphetos« und »Souvenir d'un ami« dem Vereine zur Beurtheilung übersandt. Von diesen hatte die letztere etwas auf dem Transport gelitten, die »Niphetos« war aber so gross und schön, dass Alle, die sie besichtigten, erklärten, ein solch herrliches Exemplar noch nie gesehen zu haben. Die Blume hatte *) Abgebildet in dem soeben erschienenen Heft V. der Ikonographie der indischen Azaleen von A. van Geert, welche wir zugleich hiermit angelegentlichst empfehlen. 6 / ,^1 656. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. halb geöffnet als Knospe 9 C77i Durchmesser und 7 cm Höhe. Herr Drawiel schätzte, dass sie ganz aufgeblüht 13— 14 rw Durchmesser erreichen würde. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte die Versammlung der Verlesung einer ausführlichen Mittheilung des Herrn Harms über diese Rosen, die in der Gartenzeitung erscheinen wird. n. Erster Gegenstand der 'lagesordnung war die Vorzeigung einer neuen Garten- und Ciewächshausspritze, konstruirt von Herrn v. Sack in Stralau, durch Herrn Axel Fintelmann. Die Spritze wird an einem Riemen um den Hals gehängt, so dass man den kleinen Windkessel, der sich an ihr befindet, vor sich hat. Ein Druck auf einen Hebel genügt, um einen Strahl von 12 in Länge (in der Höhe 11 ///) zu erzeugen. Sie kostet für Gewächshäuser 35 Mk. und für's Freie 45 Mk. Vortheile sind geringerer Wasserverbrauch und feinere, für die Pflanzen zweckmässigere Vertheilung des Wassers. III. Zweiter Gegenstand der Tagesordnung war die Besprechung des Braunschweiger Torfmüll für Vermehrungszwecke. Herr Lauche, der am Er- scheinen verhindert war, hatte brieflich sich sehr günstig über dieses Material, das er von Herrn Philipp Frank, Berlin N., Brunnenstrasse 13, bezogen, aus- gesprochen und wurde das Resultat von mehreren Anwesenden bestätigt. Die Mittheilungen werden in der Gartenzeitung veröffentlicht werden Herr Wittmack sprach im Anschluss hieran über die Verwendung der Torfstreu in Ställen als Ersatz des Strohes und über die Benutzung des fein ge- mahlenen Torfmülls zur Beseitigung des Geruchs in Abtritten. IV. Hierauf widmete Herr Wittmack dem am 19. April verschiedenen grossen Naturforscher Charles Darwin warme Worte der Anerkennung und sprach alsdann über die vom 5. — 10. April in Dresden stattgehabte Ausstellung. Auch dieser Bericht wird in der Gartenzeitung veröffentlicht werden. V. Von Herrn Neidhardt in Erfurt war kaltflüssiges Baumwachs, kalt- flüssiger Mastik, Erfurter Raupenleim sowie Etiketten -Dinte für Zink- und für Holzetiketten eingesandt. Herr Späth bemerkte hierzu, dass in grösseren Baumschulen man stets das gewöhnliche feste Baumwachs nehme, welches sich in dem von ihm kon- struirten Apparat, ein kleines tragbares Wasserbad mit Kohlenfeuerung, sehr leicht erwärmen lasse. Herr Brettschneider ist ähnlicher Ansicht, meinte aber doch, dass selbst für Baumschulen kaltflüssiges Baumwachs nicht ganz zu entbehren sei. Für Privatleute und keinere Verhältnisse überhaupt sei das kaltflüssige Baumwachs bequemer. Herr Drawiel ist der Ansicht, dass das heisse Baumwachs den Gehölzen schade, doch hat Herr Späth das nicht gefunden. VI. Von Herrn Naumann in Köthen war Blumendünger eingeschickt, der zur Prüfung angeboten wurde. Herr Hüttig bemerkte hierzu, dass er mit den verschiedensten derartigen Düngemitteln Versuche gemacht, dass sie aber alle gar keine Resultate gegeben. Die Menge der wirksamen Substanzen sei wohl zu homöopathisch darin ent- halten. — Herr v. St. Paul-lllaire hält die Zusammensetzung des Naumann'schen Düngers, die Herr Naumann vertraulich mitgetheilt, für eine zweckmässige. Er enthält Phosphorsäure, Stickstoff und Kali, also die wichtigsten Pflanzen- nährstoffe in leicht löslicher Form. Der aus Frankreich empfohlene Floral scheine ihm nichts weiter als Chilisalpeter zu sein. 656. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (47) Es handelt sich nach Herrn Wredow bei diesen Bkimendüngern meist darum, den Laien, namenthch den Damen, Düngemittel in appetitlicher Form in die Hand zu geben und, wenn sie nicht zu theuer sind, kann man das wohl gut heissen. Es kommt hinzu, dass diejenigen, welche solchen Dünger anwenden, meist dann auch ihren Pflanzen mehr Pflege widmen, und hilft nicht das eine, so hilft das andere, oder beides. Herr Wredow bemerkte aber, dass Herr Professor Orth kürzlich in einer Sitzung der Gesellschaft der Gartenfreunde davor gewarnt habe, Blumendünger ohne Garantie des Gehaltes zu kaufen, da sonst dem Schwindel Thür und Thor geöffnet werde. So gut wie der Landwirth die künstlichen Düngemittel unter Garantie des Gehaltes kaufe, müsse es auch der Gärtner thun. Für Orangenbäume empfiehlt Herr Drawiel statt künstlicher Düngemittel Malzkeime oder Blut etc. Die künstlichen Düngemittel eignen sich mehr für schnell wachsende, krautartige Sachen, allerdings auch für manche Gehölze. Der vorgerückten Zeit wegen wurden die übrigen Gegenstände vertagt. VII. Der Etat pro 1882, welcher in Einnahme mit 10 300 Mk. und in Aus- gabe mit 9850 Mk. abschliesst, war zur Genehmigung ausgelegt und wurde da- gegen nichts erinnert. Ebenso lag die Jahresrechnung pro 1881 aus, welche von der Rechnungs- Kommission geprüft und, nachdem die Monita erledigt, gut geheissen war. Die Einnahme beträgt hiernach 15 679,62 Mk., die Ausgabe 15 597,61 Mk., Gesammt-Vermögen des Vereins 8949,51 Mk. Es wurden auch hiergegen Ein- wendungen nicht erhoben und dem Schatzmeister für die gelegte Rechnung pro 1881 Decharge ertheilt. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: I. Herr Kaiserl. Bankagent W. Maurer, Berlin. Kommerzienrath E. Lohn stein, Berlin. Kaufmann C. Z i m m e r m an n , B erlin. Senator Dr. Carl Eggers, Berlin. Rentier Theod. Grosser, Berlin. Universitätsgärtner Lindemuth, Berlin. A. Kluge, Berlin. Fabrikbesitzer Wolff, Nieder- Schönweide. Der Gartenbau-Verein in Würzen in Sachsen. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 5. Mai 1882. (City-Hotel, Dresdenerstr. 52/53). Nach Verlesung des Protocolls der Sitzung vom 21. April c. eröffnete der Vorsitzende die heute leider nur spärlich besuchte Sitzung. Da die Sitzungen der letzten Monate wohl hauptsächlich der ungeeigneten Lage des Versammlungslocals halber gleichfalls schwach besucht waren, wurde beschlossen, die Localfrage auf die nächste Tagesordnimg zu setzen und wurden die Erschienenen zugleich ersucht, ein Jeder in seinen Kreisen für einen regeren Besuch qu. Versammlungen möglichst zu wirken. Herr Promenaden-Inspector Kreis zu Braunschweig wurde als Mitglied proclamirt. (48) Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Jahresberichte des Potsdamer Gartenbau -Vereins und des Greifswalder Verschönerungs -Vereins lagen aus und circulirten die Preisverzeichnisse der Holz- waaren-Fabrik von G. Fritze in Lichtenhain bei Oberweissbach (Thüringen), so wie die Preisliste von den Thüringer Holzwaaren-Fabriken und Wasser-Säge- werken von J. M. Krannich zu Meilenbach. Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten wandte sich Herr Hofgärtner Hoffmann seinem Vortrage über den Einfluss des Winters 1881/82 auf die Vegetation zu. Einfluss des Winters 1881/82 auf die Vegetation. Referent ging zuvörderst von der Ansicht aus, dass eine obigen Gegenstand berührende Besprechung wichtig und interessant für den Gärtner sein müsse, wichtig um aus den verschiedenen Thatsachen ein Resultat ziehen zu können, ein solches, das, aus vieljährigen Beobachtungen zusammengesetzt, den in praxi gebildeten Erfahrungsregeln gleichzustellen sei — interessant genug zumal auch für den Botaniker, um spätere aussergewöhnliche Naturerscheinungen be- züglich der Vegetation mit jenen früherer Jahre vergleichen zu können. Nachfolgende Notizen seien anfangs unbeabsichtigt gemacht worden und nur der Umstand aussergewöhnlicher Erscheinungen liege denselben zu Grunde, doch seien der Vollständigkeit halber die Beobachtungen alsdann weiter fixirt worden und so habe sich die Grundlage zu obiger Besprechung einfach von selbst ge- funden. Man behaupte in der Regel, dass ein strenger Winter der Vegetation meist günstiger sei, als ein milder. Der Winter von 1881/82 habe jedoch, bis- her wenigstens, das Gegentheil bewiesen. Erstlich mal sei in practischer Be- ziehung der den Winterpflanzungen immerfort offene Boden insoweit sehr vor- theilhaft gewesen, als die Monate März und April, vorherrschend von Ostwinden heimgesucht, in Verbindung mit einer ziemlich hohen Temperatur sehr viel Trockenheit im Boden erzeugt hätten. Diese sei um so fühlbarer gewesen, je weniger wir von einem ansehnlichen Schnee des Winters 1881 82 reden könnten. Eine derartige Trockenheit lasse das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern zu- mal auf leichtem (trockenen) Boden im Frühjahr mindestens riskant erscheinen und wäre somit die Anpflanzung in den Wintermonaten diesem Nachtheile wesentlich entgangen. Auch wollte Referent in der fortwährenden Thätigkeit eines offenen Bodens etwaigen Ersatz für den Mangel an Feuchtigkeit erblicken, welche uns der diesmalige Winter vorenthalten habe. Ein wesentlicher Gegen- stand aber beträfe in zweiter Linie den Fruchtansatz und man müsse doch ge- stehen, dass nach der diesjährigen Blüthenfülle des Obstes im Allgemeinen ein ungemein reicher Ansatz wohl zu erwarten sei. Freilich habe die Kälte vom II., 12., 13. und 14. April hier und da schädlich eingewirkt,*) so beispielsweise bezüglich der Kirschen in Werder, des Weins im Nahethale, indessen seien diese Schäden nur rein local beschränkt. Für andere Gartenpflanzen habe diese Kälte im Ganzen wenig geschadet. Die Blüthen der Magnolien und der Hyacinthen seien freilich in Folge derselben schnell verwelkt, die Rosen, sowie stellenweis Platanen haben im ersten l'riebe etwas gelitten, indess erstere da umso- weniger, je früher sie ihrer Winterumhüllung entledigt worden seien. Bezüglich *) Leider hat sich dieser Uebelstand im Laufe des Frühjahrs wesentlich zu Ungunsten des Fruchtansatzes erwiesen. Keferent. Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (49) letzterer Manipulation habe sich auch hier als gut bewährt, die Umhüllung, sobald die Temperatur dies bedingte, ohne Rücksicht auf die Zeit baldmöglichst zu ent- fernen. Die Triebe entfalten sich an der freien Luft zwar langsamer, seien dafür aber auch härter, mithin widerstandsfähiger, und trete ein plöt^jlicher Frost ein, so könne ein solcher dem unter Decke gut entwickelten Triebe weit schädlicher sein als den im Freien gewachsenen Trieben. Ein Beispiel hierfür biete die Paeonia arborca, deren Triebe allmählich abgehärtet, den Frösten viel besser Widerstand geleistet, ingleichen einen reicheren Blumenflor entwickelt habe, als die spät von der Decke befreiten Pflanzen, die im Triebe und Knospen hier und da gelitten. Einzelne Sträucher hätten auch in diesem Frühjahre eine ausnahmsweise rege Blüthenfülle gezeigt, so u. A. die hellgelbleuchtende Forsythia viridissima (Zeit der Blüthe 20. März, an welchem Tage das Thermometer + 16° R. zeigte), welche als eine wahre Zierde der Anlagen anzusehen und hinsichtlich derer Referent nur bedauert, dass dieser Strauch im Ganzen so wenig in den Gebüsch-Partien und Anlagen anzutreffen sei. Bereits am 5. December 1881 habe Daphne Mezer eum in den Gärten ge- blüht, anfangs Januar 1882 Coryliis Avellana. Am 11. Januar habe Lotiicera taiarica bereits */4 — i^l^c//i lange Triebe aufzuweisen gehabt. Am 15. Januar blühte Hellebor us niger. Sambucus nigra, Spiraea Lindleyana, Rosa gallica zeigten am 11. Februar schon I Yj- — 2 '/.^ cm entwickelte Blatttriebe. Am 25. Februar: Acer platanoides; Amygdalus persica fl. pl.\ Prunus Padus ; verschiedene Arten Crataegus; Weissbuche {Carpinus Betulus) zeigen 3 — 4 cm lange Triebe. Am II. März blühte Populus tremula und Taxus baccata und zeigte Spiraea prunifolia vollständig entwickelten Blüthenstand. Am 18. März blüthen bereits die Veilchen im freien Grunde. Am 20. März blühten Ulmus campestris, effusa, Prunus Mahaleb , Forsythia viridissima, Hepatica, Aesculus Hippocastanum, Clematis-ArtQn, Acer Pseudoplatanus, diverse Ribes und Philadelphus- Arten, Amelatichier ovalis; Syringa vulgaris und chinensis zeigen entwickelte Triebe und zwar letztere mit vollständig entwickeltem Blüthenstand; Apricose und Cydonia japonica blühen u. s. w. Kirschen blühten Anfang April. Pflaumen z. Z. der Fröste (8.— 12. April). Birnen nach Mitte April. Aepfel gegen Ende April. Dem Herrn Referenten wurde für seine höchst interessanten Mittheilungen der Dank der Gesellschaft zu Theil. Zum Schlüsse geschah der Osdorfer Rieselfelder Erwähnung und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass sich zur Anpachtung von Rieselland seitens der Gärtner weit günstigere Aussichten als früher darböten. Eline spezielle Er- örterung dieser Angelegenheit wird indess noch in einer der nächsten Sitzungen stattfinden. (50) Tagesordnungen. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Uonnerstag den 29. Juni 1882, Abends 6 Uhr, im Falmenlianse des kgl. botaiiischeu Gartens, bei (ielegenheit des 60jährigen Bestehens des Vereins. 1. Bericht über die Thätigkeit des Vereins in den letzten 10 Jahren. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Antrag betreffs Hebung der Baumptlanzungen an Chausseen und Wegen. 4. Definitive Feststellung des Programms für die grosse Winter- Aus Stel- lung vom ig. — 21. Januar 1884. 5. Verschiedenes. Nach der Sitzung freie Vereinigung im Restaurant von Schultz, Potsdamerstrasse 20. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 7. Juli 18S2, Abends 71/2 Uhr, in den Reichshallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Wahl des 3. Vorsitzenden. 2. Verhandlungen und Beschlussfassung über die Feier des im August wieder- kehrenden Stiftungstages. 3. Mittheilungen über Ausstellungs-Angelegenheiten. 4. Hat die Befruchtung einer Obstblüthe mit einer anderen Sorte Einfluss auf die Gestalt der im Sommer daraus entstehenden Frucht? 5. Die Sperlingsfrage. 6. Die Osdorfer Rieselfelder. 7. Beschluss über die am 21. Juli c. zu unternehmende gärtnerische Excursion. Gäste sind stets willkommen. Verschiedenes. Schlesisclie Gesellschaft für vaterländische Kultur. Sektion für Obst- und Gartenbau. In der Sitzung am 15. Februar 1882 sprach Herr Geheimer Medizinalratli Professor Dr. GÖPPERT über Versendung frischer Gewächse und Blüthen. Bereits vor längerer Zeit (Regensb. Flora 1849), bevor noch Eisenbahnen die Kommunication erleichterten, fand ich, dass sich Blüthen durch Einlegen in auf gewöhnliche Weise mit Kork- pfiopfen geschlossene Gläser Tage lang erhielten und sich somit damals in die weiteste Entfernung verschicken liessen. Hineingiessen von Wasser war nicht erforderlich, sondern sogar schädlich, weil bei solchem Verschluss nicht mehr Feuchtigkeit, als die Pflanze ausdünstet, nothwendig ist, die ihr von den Wänden des Glases wieder zukommt und somit wenigstens einige Zeit ihre Erhaltung bewirkt. Allzuviel Feuchtigkeit bedingt nur vorzeitigen Eintritt von Fäulniss und Schimmelbildung, die, wie wir freilich von vornherein bemerken müssen, je nach Verschiedenes. (51) der Individualität, auch bei unserer Methode ebenfalls, aber nur später, eintritt. Jedoch hat man davon wenig Notiz genommen und Botaniker wie Gärtner ziehen es immer noch vor, die Erhaltung solcher Sendungen dem glücklichen Zufall zu überlassen. Mit BlUthen allein ist nun freilich ein praktischer Zweck, den ich hier bei Exkursionen in unsern Gebirgen zugleich im Auge habe, nicht viel zu gewinnen, von Sendung ganzer Pflanzen muss auch die Rede sein. Auch dies lässt sich leicht erreichen, insbesondere bei zierlichen, winzigen, in Rosettenform wachsenden Alpenpflanzen , durch das einfachste Mittel , durch blosses aber sorgfältiges Ein- schliessen in Wachspapier, worin sie sich viele Tage erhalten. Nach einigen Tagen bei weiteren Reisen kann man wohl einmal öffnen und nachsehen, ob etwa ein Missverhältniss in der natür- lichen Ausdünstimg und Wiederaufnahme der Feuchtigkeit eingetreten ist und dann durch vor- sichtiges Hinzutröpfeln von Wasser das Missverhältniss ausgleichen, der allgemeinen Verwendung dieser einfachsten aller Verpackungsweisen steht aber nichts entgegen und sofort sollte bei allen solchen Exkursionen Wachspapier zu den steten Reiseutensilien gehören. Wünschenswerth im höchsten Grade erscheint, dass sich die industrielle Thätigkeit dieser Richtung zuwende und sich auch auf entferntere Gegenden erstrecke, wie z. B. auf Ober-Italien, auf den unvergleichlich schönen, im Winter blüthenreichen Küstenstrich des Mittelländischen Meeres, auf die Riviera, die Umgegenden von Bordighera, wo ein deutscher Gärtner, Herr Winter, grossartige Kulturen pflegt, Paris z. B. mit Veilchen und Rosen versorgt, natürlich auch anderweitige Aufträge über- nimmt, Mentone, Nizza, Cannes. So empfingen wir schon Anfang fanuar unvergleichlich schöne Varietäten von Anemonen, Ranunkeln, Lapagerien U.A., prächtige Blüthen des australischen, jetzt im Süden schon ganz eingebürgerten Riesenbaumes Eucalyptus globulus, von unserem damals in Nizza zur Herstellung seiner Gesundheit verweilenden, nun aber glücklich hergestellten Kollegen, Herrn Römer, alle in trefflichster Erhaltung, wodurch der kaum noch erforderhche Beweis geliefert wurde, welch köstliche Dekorationen unseren gärtnerischen Schaufenstern auch in der rauhen Jahreszeit zu Theil werden könnten. Bei Gelegenheit der Uebersendung der fernen Pflanzen des Südens und der Alpen wollen wir dabei auch an die ohne alle und jede Schwierigkeit verschickbaren zierlichen Gewächse unseres, bis jetzt nur zu sehr in den Hintergrund gestellten Riesengebirges erinnern, welches unter allen deutschen Mittelgebirgen durch seine hohen baumlosen Kämme, durch die aus gewaltigen Trümmern aufgebauten Felsengipfel und schauerlich schroffen Gründe allein nur mit Recht an die Erhabenheit der Alpen erinnert, und dabei auch soviel solcher ausserordentlichen Pflanzenschätze birgt. Nur wenige alpine Blüthen kommen an Schönheit den im Juni und Juli so verbreiteten Alpenprimeln Primula minima gleich, ferner nenne ich den Teufelsbart, die golden silberglänzenden Gräser (Avena flexuosa), die Wollgräser (Eriophorum), die überall unter dem Knieholz verbreitete Siebengestirnblume (Trientalis europaea), eine echt mystische Pflanze, mit Siebenzahl in allen ihren Theilen, Laub, Blätter, Blumen, Kelch, Staubfäden, Kapseln; dunkelrothe Achilleen, goldgelbe, orangefarbene Hieracien u.v.a.; den im Spätsommer überall aus dem Knieholz hervorleuchtenden, prächtigen, blauen Enzian und viele andere, die alle gärtnerische Handelsbeziehungen verdienen, wozu auch andere Gebirgsgegenden, \\'ie die Graf- schaft Glatz, Eulengebirge, Materialien liefern und die zahlreichen, überall jetzt entstandenen Gebirgsvereine die Hand bieten könnten. Ohne Sammlung keine Kenntniss! Möge man auch diese überall leicht auszuführenden Vorschläge nicht unbeachtet lassen, und es ihnen besser ergehen , als so manchem andern , wie z. B. die immer noch wenig beachtete wiederholt em- pfohlene Einführung der im zeitigen Frühjahr unsere Wälder zierenden Gewächse, von denen ich so viele für den Scheitniger Park, zoologischen Garten und unsere Promenaden ohne besondere Nachfolge besorgt habe. Eine wahre Winterblume, auch Christwurzel, wegen ihrer Hauptblüthezeit um Weihnachten so genannt, schwarze Nieswurzel, Helleboius niger aus den österreichischen Alpen, wo sie ungemein häufig wächst, ziert gegenwärtig unsere Promenaden. An Tausend sind hier im Winter aus den steirischen Alpen bereits angelangt. Die Nieswurzel gehört zu den ältesten Arzneimitteln, wenn auch nicht, wie man oft meint, die des Hippokrates, Helleborus orientalis, die sich im hiesigen botanischen Garten befindet, in welchem, beiläufig bemerkt, die Entwickelung der Alpenflora bereits begonnen hat, die zur allgemeinsten An- schauung gebracht werden soll. E. H, Müller, Sekretär der Sektion. (52) Verschiedenes. — Preisverzeichnisse. — Versammlungskalender. Der Blnmendiinger Ton Eduard Naumann, Cöthen, Bahnhof. Obiger Dünger erfreut sich mehr und mehr der Beachtung des Publikums, wie der Fachleute, was man auch aus einer Empfehlung des Herrn Direktor E. Michei.sen, Hildesheim, der gute Resultate damit erzielte, ersieht. Um sein Düngepulver noch weiter einzufuhren und die Anwendung desselben namentlich für grosse Gartcnanlagen zu verbilligen , hat E. Naumann den Preis dafür bei Entnahme von mindestens '/i Ctr. noch mehr herabgesetzt. Zu diesem Zwecke verpackt er das Fabrikat neuerdings auch in Kisten von 25 Pfd. Inhalt und berechnet die Kiste mit 1 1 M. 50 Pf., so dass das Pfund auf 46 Pf. zu stehen kommt, worauf den Verkaufsstellen noch 10 pCt. Rabatt bewilligt wird. Die neue Gebrauchsanweisung lautet folgendermassen : Man nimmt auf ein Liter Giesswasser ein Gramm (eine Messerspitze voll) meines Dünge- pulvers, löst es im Wasser möglichst auf und begiesst mit dieser Mischung die Blumen eben so oft, wie es bisher mit reinem Wasser geschah. Für Gewächshäuser und grössere Garten- kulturen rühre man vor dem Gebrauch das Düngepulver mit dem Wasser ordentlich durch und nehme auf 100 Liter Wasser '/2 Pfund Düngepulver zur Mischung; empfehlenswerth ist es ferner, beim Beginn der Blüthe das Giessen mit der Nährstoflflösung etwas einzuschränken und diese Lösung und reines Wasser nur noch abwechselnd zu verwenden. Um eine Mistbeet - Erde , ausreichend für loo sogenannte Resedatöpfe, in einer bisher nicht gekannten Vorzüglichkeit herzustellen, genügt es, '/aPfund meines Düngepulvers (20 Pfennige an Werth) innig darunter zu mischen. Die Düngung der Gartenbeete, Rasenplätze etc. durch einmaliges Ausstreuen des Düngepulvers geschieht mit einem .Quantum von i '/z höchstens 2 Pfund per Quadratruthe. Eingegangene Preisverzeichnisse. Wm. K. Harris in Philadelphia P. A. (Lilium Harrisii). — G. P'ritze in Lichtenhain bei Oberweissbach in Thüringen (Holzwaarenfabrik). — Gt. van Waveren & Kruyff in Sassenheim bei Haarlem (Haarlemer Blumenzwiebeln). — C. L. Klissing Sohn in Barth in Pommern (Nach- trag zum Pflanzenverzeichniss Nr. 29 und zu den Specialverzeichnissen Nr. 25 und 27). — James Veitch & Sons, Royal exotic nursery, 544 King's Road, Chelsea (Catalogue of plants including noveltics for 1882). — Goessel & Wendisch, erste deutsche Pilzzüchterei in Strehlen bei Dresden. Versamiiilun^en des Vereins zur Beförderiiiijs? des Grartenhaues 1882. Jeden letzten Donnerstag' im Monat, 6 Uhr. Von October bis April in der landw. Hochschule, Invalidenstr. 42. Von Mai bis September im Palmenhause des bot. Garten. (Im Sept. um 4 Uhr.) Januar Februar März April 1 Mai Juni Juli August Septbr. Octbr. Novbr. Decbr, 26 23 30 27 25 29 27 31 28 26 30 28 Sitzungen der Ausschüsse für Blnmen- nnd Gemüsezncht. Jeden 1. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 5l 2i2i 6t 4l — I — I — I — I — I 2|7 Sitzungen der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht. Jeden 2. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 12 ! 9 ' 9 . 13 i II ] _ j _ I _ I _ I _ I 9 I 16 Versamniluiigeu der (Tesellschaft der Gartenfreunde Berlins 1882. Jeden Freitag nach dem i. und nach dem 15. im Monat 7'/2 Uhr im City-Hotel, Dresdenerstr. Nr. 52/53. Im Sommer statt der zweiten Monatsversammlung eine Excursion. 6] 3131 14 I 5| 2| 7| 4| 81 61 3|8 20 I 17 I 17 1 21 I 19 I 16 I 21 I 18 I 22 20 I 17 I 22 VERHANDLUNGEN des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirtcn Bogen, um dieselben am Schluss jedes Baude« im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 I>fg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e e t übersandt werden. Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den letzten 10 Jahren, bei Gelegenheit seines 60jährigen Bestehens am 29. Juni 1882 erstattet Namens des Vorstandes. Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues kann heute mit einem gewissen Gefühle der Befriedigung auf eine sechszigjährige Thätigkeit zurück- blicken. Nicht aber soll es heute die Aufgabe sein, Alles das zu schildern, was vor vielen, vielen Jahren durch den Verein geschehen, denn es hiesse das für die jetzigen Mitglieder und ihren Vorstand gewissermassen, sich mit fremden Federn schmücken; es möge heute nur der Blick die letzten Jahre streifen. I. Ausstellungen. Das fünfzigjährige Bestehen des Vereins wurde be- kanntlich durch eine grosse Ausstellung im Wilhelms-Gymnasium in der Bellevue- strasse im Juni 1872, durch ein Festmahl im Englischen Hause und durch eine Festfahrt nach Potsdam unter Führung des Herrn Hofgarten-Director Jühlke gefeiert, woselbst Se. Majestät der Kaiser, der Allerhöchste Protector des Vereins, im neuen Orangeriehause den Mitgliedern und ihren Damen ein glänzendes Dejeuner dinatoire veranstalten Hess. Jene Ausstellung in den Räumen des Wilhelms-Gymnasiums in der Bellevue- strasse bot des Interessanten und Seltenen aus Deutschland und Belgien un- endhch viel, leider aber war das Wetter nicht günstig, der Besuch schwach und das Lokal erforderte viele Ausgaben, so dass schliesslich trotz namhafter Unter- sttitzungen vom Ministerium für Landwirthschaft etc. und von Privaten die Vereinskasse noch 9387,27 Jl, d. h. fast ihr ganzes Vermögen zuschiessen musste, um das Deficit zu decken. Mit leerer Kasse begann der Verein also sein neues Decennium, aber er verzagte nicht. Dank der thatkräftigen Unterstützungen der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften, einiger Vereins-Mitglieder, namentlich eines Ungenannten, konnte vom 2. bis 6. Mai 1874 im Tattersall bereits wieder eine grosse Aus- stellung veranstaltet werden, die fast alle früheren in den Schatten stellte. Im Jahre 1875 ^^^'^ dann am 20. und 21. Juni in der Flora bei Gelegenheit des Stiftungsfestes eine kleinere Ausstellung statt, die leider sehr abstach gegen die in den ersten 30 — 40 Jahren am Stiftungstage abgehaltenen grossen. Der Mangel an decorativen blühenden Topfpflanzen, vor allen an Azaleen und Ca- mellien im Sommer hat mehr und mehr dahin geführt, den Juni als einen für Ausstellungen ungünstigen Zeitpunkt zu betrachten. Im Jahre 1876 folgte vom 6. bis 9. April eine sehr gelungene und reich be- suchte Ausstellung im Admirals-Garten, die zum Besten der Ueberschwemmten in Ostpreussen 1051,95 Jl Ueberschuss ergab. 7 fCA) Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Am 24. Juni 1877 veranstaltete der Verein zur Feier seines Stiftungsfestes und zugleich der 600. Versammlung wieder eine kleinere Sommer-Ausstellung im Englischen Hause, die eine Reihe der seltensten Gewächse, namentlich aus der Königl. Clärtnerlehranstalt und aus dem Garten der Frau Rittergutsbesitzer Reichenheim aufwies. Um einmal eine Abwechselung herbeizuführen und namentlich auch die für beide Theile störende Concurrenz mit der Gesellschaft der Gartenfreunde Ber- lins zu vermeiden, beschloss der Verein, im Jahre 1878 es mit einer Herbstausstellung zu versuchen. Diese fand vom 14. bis 22. September in der Flora statt und bot ein ausserordentlich reiches Bild, in welchem besonders die zur üppigsten Entwickelung gelangten Blattpflanzen recht zur Geltung kamen, wozu übrigens der schöne Rahmen der Flora selber nicht wenig beitrug. Zum ersten Male waren auf dieser Ausstellung auch Dresdener, Leipziger und Alten- burger sowie Berliner Handelspflanzen in grossen Posten ausgestellt, über welche am Schluss eine Auction abgehalten wurde. Ermuntert durch diesen Erfolg kam der Verein gern den Wünschen des Comit^s der Berliner Gewerbe-Ausstellung von 1879 nach und veranstaltete vom 31. August bis 16. September im Garten der gedachten Ausstellung eine farben- reiche und sehr gewählte Ausstellung, bei der zum letzten Male die Palmen des leider kurz vorher verstorbenen Geh. Commerzienraths Ravene noch einmal im Ganzen sich präsentirten. Den grössten Erfolg, ja man kann wohl sagen eine neue Aera des Aus- stellungswesens rief der Verein durch den Beschluss hervor, einmal eine Win- ter-Ausstellung abzuhalten, um zu zeigen, was trotz der Concurrenz aus Süd- Frankreich und Italien sich in Deutschland im Winter zur Blüthe bringen lasse. Reicher Lohn von allen Seiten ward dem Verein für seine erste, vom 15. bis 17. Januar 1881 im Centralhof der landwirthschaftlichen Hochschule veranstaltete Winter-Ausstellung zu Theil und die Nachfrage nach Winterblühern ist seitdem zusehends in ganz Deutschland im Steigen begriffen. Alte vergessene, sehr schön blühende Pflanzen werden wieder an's Licht gezogen, manche neue zu dem Zwecke eingeführt und vor allem durch neue Kultur- resp. Treibmethoden versucht, Deutschlands Gärtnerei bezüglich der Winterblumen zu höherer Voll- kommenheit empor zu heben, und in der That, unsere Kunst hat bereits in der FHedertreiberei, der Rosentreiberei und der Nelkenzucht wesentliche Fortschritte aufzuweisen. Nicht so glücklich war der Verein mit seiner zweiten Winter- Ausstellung am 15. Januar 1882; sie sollte nur eine kleine sein und sich nur auf neuere oder ältere, weniger verbreitete Pflanzen beschränken, alle bekannten und bewährten Kulturen waren ausgeschlossen. Leider zeigte sich aber, dass solche Pflanzen allein doch kein hinreichendes Ganze bilden und ist deshalb jetzt beschlossen, am 19. bis 21. Januar 1884 wieder eine grosse Ausstellung aller Winterblumen, älterer und neuerer, zu veranstalten. Für die zweite Hälfte April 1883 ist dagegen eine grosse gemeinsame Aus- stellung der Berliner Gartenbau- Vereine geplant, zu der der Verein 3000 M fest und 3000 JC als Garantiefonds bewilligt hat. Im Ganzen hat der Verein in den letzten 10 Jahren 7 Ausstellungen ab- gehalten, darunter 5 grössere und 2 kleinere. 2. Mitglieder. Die Mitgliederzahl betrug am 21. Juni Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. ('5 0 1873 375 1878 420 1874 374 1879 420 1875 379 1880 437 1876 410 i88t 423 1877 406 1882 437 Was speciell das letzte Jahr anbetriffl ;, so sind 1881 vorhanden gewesenen MitgHedern durch den Tod 8, durch freiwilHges Aus- scheiden 2 2, im Ganzen 30 ausgetreten, es verbUeben 393 ; hinzugekommen dagegen 44, so dass der augenbUckUche Bestand 437 beträgt. Von diesen sind hiesige 251, auswärtige 186, Berufsgärtner 213. — Sehr erfreuHch ist es, dass unter den neu hinzugetretenen Mitgliedern sich mehrere Gartenbau-Vereine und Lehranstalten befinden, so der Verein zu Leobschütz, die Obst- und Weinbau-Lehranstalt zu Geisenheim, der Gartenbau-Verein zu Charlottenburg, der in Fürstenwalde, der in Pankow-Schönhausen, der für das Osthavelland in Spandau und der in Würzen im Königreich Sachsen. Ehrenmitglieder zählte der Verein am 26. Juni 1881 20, davon sind ver- storben die Herren Bouchd, Nowikoff und Rum in, neu ernannt ist Herr Alph. Lavallee, Präsident des französischen Gartenbau-Vereins in Paris. Vergleicht man die Zahl der wirklichen Mitglieder gegen die vor 10 Jahren, so ergiebt sich allerdings ein Zuwachs von fast 60, oder 16 pCt., und ist es er- freulich, dass die Zahl von Vierhundert, welche der Verein im 5. Decennium wohl selten erreichte, seit 1876 stets überschritten ist, aber es ist doch recht zu be- klagen, dass jene Tage nicht wiedergekehrt sind, wie sie bei und nach Grün- dung des Vereins eingetreten. Beim Stiftungsfeste am 22. Juni 1823 im Kempfer-. sehen Lokale, »im Thiergarten No. 46« betrug, trotzdem der Verein seine erste Sitzung mit 90 Theilnehmern erst am i. T3ecember 1822 gehalten hatte, die Zahl der Mitglieder bereits 523, bei dem 9. Stiftungsfeste am 19. Juli 1831 930, ausser- dem 43 correspondirende und 136 Ehrenmitglieder. Am Festmahle nahmen 1831 315 Personen Theil und der Schmuck des Festsaales (d. h. die Ausstellung in der Singakademie) erfolgte durch 2400 blühende und 600 grüne Pflanzen. Die Festausstellung war nur i Tag und sogar nur von 9 — 12 Uhr geöffnet und doch betrug der Besuch 2500 Personen. — Am 20. Stiftungsfeste, 19. Juni 1842, im Königl. Akademiegebäude waren ausgesteint 3379 Topfgewächse, worunter 805 aus den Königlichen Gärten, 64 Körbe mit Früchten, 21 Ananas in Töpfen, 44 Erdbeerstauden und 14 Blumenarrangements. Die Zahl der Mitglieder hatte aber bereits abgenommen, es waren 725 wirkliche, 408 Ehren- und 59 korre- spondirende Mitglieder. Das Vereinsvermögen betrug 18 383 M- Leider ging dies Vermögen 9 Jahre darauf, wo es noch 16 590 Jt betrug, durch den Kriegsrath Heynich gänzhch verloren, ein trauriger Anfang für den damaligen neuen Director, Prof. Alex. Braun. Unzweifelhaft war es nicht die Schuld der Vereinsleiter, wenn die Zahl der Mitglieder abgenommen hatte, die Ursache lag, abgesehen davon, dass im Laufe der Zeit viele Vereine zu anderen Zwecken entstanden und die Kräfte absorbir- ten, gerade in der immer mehr sich ausdehnenden Thätigkeit des Vereins, Ueberall entstanden durch die Anregung desselben neue Vereine und da hielten es die auswärts wohnenden Mitglieder für angemessener, sich dem Verein ihres Wohnortes anzuschliessen als dem Centralvereine. So liegt die Sache theilweise auch noch heute, aber jetzt ist sie fast in's f^ß\ Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, Extrem umgeschlagen und es fehlt den vielen Vereinen die wiederholt von ver- schiedenen Seiten, aber aus mannich fachen Gründen vergeblich angestrebte ein- lieitliche Leitung. Wir haben im Allgemeinen in Deutschland eine zu grosse Zersplitterung der Vereine zu beklagen. Noch kommt hinzu, dass an Orten, wo ein Verein völlig genügend wäre, 2 oder 3 existiren, ja, in Berlin, wenn wir die Umgegend, Charlottenburg, Pankow -Schönhausen, Weissensee mitrechnen, sogar 6. Eine derartig zersplitterte Thätigkeit der Vereine ohne einen Central- punkt, in welchen die Arbeiten und Erfahrungen der einzelnen Vereine zu wei- terer Verbreitung und Nutzbarmachung zusammenfliessen, muss die Erfolge läh- men untl schwächen, während, wenn alle vereint wären, sich eine organische Verbindung der deutschen Gartenbauvereine erreichen Hesse, und ihre Wirksam- keit erheblich gesteigert werden würde, ganz abgesehen davon, dass damit eine, des deutschen Reiches würdige, auch für dessen Behörden und die ein- zelnen Staaten nutzbar zu machende Repräsentation des deutschen Garten- baues in's Leben treten könnte. Auch auf dem Gebiete des Gartenbaues zeigt sich aber in Deutschland nur zu sehr der traurige Partikularismus. Wir wollen durchaus nicht verkennen, dass auch die kleineren Vorort-Vereine wesentlichen Nutzen stiften, dass sie namentlich zur Belehrung über Kulturen etc. viel bei- tragen und dass sie manchem Anfänger Gelegenheit geben. Pflanzen auszustellen, mit denen er sich auf eine grössere Ausstellung nicht wagen würde; aber wenn es gilt, eine grosse Ausstellung zu arrangiren, sollten alle vereint dastehen und Lokal-Interessen bei Seite lassen. — Wie schon oben erwähnt, ist Gottlob unser Verein in der glücklichen Lage, alle Berliner Vorortsvereine zu seinen Mitgliedern zu zählen, wie auch die meisten Vereine in der Provinz. Wünschenswerth wäre aber immerhin ein weit engerer Anschluss aller deutschen Gartenbauvereine an einander, denn wenn es gilt, Hindernisse aus dem Wege zu räumen, so fühlt jeder kleinere Verein, dass er allein die Macht dazu nicht hat. Vielleicht Hesse sich eine ähnliche Einrichtung schaffen wie sie im »Deutschen Landwirthschafts- rath« sich für die landwirthschaftlichen Vereine findet, also ein »Garten- baurath«. 3. Vereins-Organ. Die Wochenschrift des Prof. Karl Koch ward mit Beginn des Jahres 1873 in eine dem Verein gehörende >: Monatsschrift« um- gewandelt — ein Umstand, den man heute nach reiflicher Ueberlegung vielleicht als einen taktischen Fehler bezeichnen muss, insofern eine Wochenschrift weit eher im Stande ist, Nachrichten schnell zu publiciren als eine Monatsschrift. Der Wunsch aber, auch längere Artikel im Zusammenhange aufnehmen zu können, war damals und ist auch heute noch massgebend für ein monatliches Erscheinen. Seit dem Beginn des Jahres 1882 ist eine wesentliche Veränderung insofern mit der Monatsschrift vorgegangen, als der Verein sein Verlagsrecht ruhen lässt und die seit diesem Jahre bei Paul Parey erscheinende -Gartenzeitung« zu seinem Organ erwählt hat. Der General-Secretär ist Redacteur der Garten- zeitung, die auch von der Gesellschaft der Gartenfreunde zu ihrem Organ ge- wählt ist und dürften die bis jetzt erschienenen 7 Hefte der Gartenzeitung wohl Allen beweisen, wie vortheilhaft für den Verein das Abkommen war. Der Ver- leger hat grosse Opfer gebracht, die Zeitung mit vielen Abbildungen ausgestattet und den Vertrieb erhebHch erweitert, so dass die Hoffnung, das Blatt als Gen- Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, (57^ tral-Organ der deutschen (rärtnerwelt betrachten zu können, sich immer mehr ihrer Verwirklichung iiähert. 4. Versuchs garten. Der seit vielen Jahren auf einem Terrain des bo- tanischen Gartens vom Verein unterhaltene Versuchsgarten musste wegen Er- bauung des neuen botanischen Museums 1875 verlassen werden und der Verein erhielt in demselben Jahre ein neues Stück Land von der Stadt Berlin bei Treptow überwiesen; die Kosten der Bearbeitung waren aber gegenüber dem wissenschaftlichen und praktischen Nutzen so hoch, dass der Garten im Jahre 1877 vom Verein aufgegeben wurde. Die inzwischen gebildete Gartenbau- Gesellschaft >. Versuchsgarten •. führt ihn auf eigene Rechnung weiter. Anstatt des Versuchsgartens werden jetzt theils praktische Versuche mit Neuheiten bei Specialisten und in der Gärtnerlehranstalt zu Potsdam gemacht, wozu der Verein das Material liefert, theils aber sind wissenschaftliche Versuche unter Leitung der ersten Autoritäten, übet die wiederholt eingehend berichtet ist, vorgenommen worden. In diesem Jahre werden ganz besonders interessante Versuche sowohl in der Gärtnerlehranstalt wie bei Privaten gemacht. — Von den bei Specialisten erprobten Sameii vertheilt der Verein gewöhnlich im Frühjahre an seine Mit- glieder; ausserdem war er durch Güte der Herren Ferd. v, Müller, Melbourne, Rieh. Schomburgk, Adelaide, Scharrer-Tiflis, des Königl. Gartens in Kew und mehrerer Anderer in der Lage, auch manche anderen Samen zu vertheilen. — Im letzten Frühjahr wurden 2346 Samen-Portionen, darunter zum Theil sehr werthvoUe, sowie 90 Proben Kartoffeln, vertheilt. 5. Hülfsunte rricht. Eine der wichtigsten Neuerungen in den letzten IG Jahren ist die unentgeltliche Ertheilung von Unterricht an jüngere Gärtner. Der Verein plante diesen Gedanken im Jahre 1879, ^^^^ brachte ihn in Ge- meinschaft mit der Gesellschaft der Gartenfreunde im Winter 1879/80 mit grossem Erfolge zur Ausführung. Auch in den beiden letzten Wintern ist der Unterricht fortgesetzt worden und sei allen Herren, die in so uneigennütziger Weise sich zur Verfügung stellten, der verbindlichste Dank gebracht. -^ Ganz besonders gebührt derselbe den Herren Garten -Direktor Neide und Stadt- Obergärtner Hampel, w^elche den Zeichenunterricht den ganzen Winter hindurch leiteten. Die Zahl der Zuhörer betrug im ersten Winter 154, im zweiten 102 und im dritten 86. Der Unterricht besteht bis jetzt nicht in einer planmässigen schul- gerechten Unterweisung, sondern in einzelnen Vorträgen über die verschiedensten Kulturmethoden, über Botanik, Heizung, Gewächshausbau etc. 6. Kaiser Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung. Bei Gelegenheit der goldenen Hochzeit unseres allverehrten Kaiserpaares hat der Verein, dessen Protektor Se. Majestät der Kaiser, in Gemeinschaft mit anderen deutschen Gartenbau- Vereinen eine Stiftung unter obigem Namen errichtet, deren Zinsen zur Unterstützung talentvoller jüngerer Gärtner, wie hülfsbedürftiger älterer Gärtner und deren Hinterbliebenen bestimmt sind. Bis jetzt hat eine Vertheilung noch nicht stattgefunden, da das Kapital erst 3012,60 J:/ beträgt, auch keine Anmeldungen vorlagen. 7. Lokal undBibliothek. Nach dem Uebergange des General-Sekretariats von Prof Koch an Dr. Filly 1873 war die erste Aufgabe, ein Lokal für die Bibliothek zu beschaffen und eine Neuordnung und eine Katalogisirung der- selben vorzunehmen, da die 4. Auflage des Katalogs von 1852 längst veraltet (cS) Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. war. — In dem Sachse'schen Hause, Taubenstrasse 34 ward ein geräumiges Zimmer gemiethet, welches auch zu den Ausschusssitzungen, die von jetzt ab eine regere Thätigkeit entwickelten, diente. Erst nach dem Tode des Dr. Filly war die Katalogisirung beendet, die ganze Bibliothek ward neu aufgestellt und jedem Mit- gliede zugängHch gemacht. Bereits im Jahre 1875 ^ber konnte dieses Lokal wieder verlassen werden, denn durch die (lewogenheit Sr. Kxcellenz des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten wurden dem Verein un- entgeltlich zwei geräumige Zimmer im alten Ministerialgebäude, Schützenstrasse 26, welches damals als landwirthschaftliches Museum diente, behufs Aufstellung der Bibliothek überlassen und ausserdem der frühere Sitzungssaal des Ministeriums zu den Monatsversammlungen eingeräumt. Nachdem 1880 der grossartige Bau der landwirthschaftlichen Hochschule, Invalidenstrasse 42, vollendet war, hat Se. Excellenz der Herr Minister Dr. Lucius bereitwilligst einen parterre gelegenen Raum dem Verein für seine Bibliothek und für die Ausschusssitzungen, sowie das grosse Auditorium zu den Monats- versammlungen zur Verfügung gestellt, wofür wir demselben nicht genug Dank sagen können. Die Bibliothek wurde im abgelaufenen Jahre von 105 Personen besucht und daraus 378 Bände entliehen, abgesehen von vielen Zeitschriften, welche Ausschuss- mitglieder entnahmen. 8. Vereins-Versammlungen fanden alle Monate einmal, mit Ausnahme des August, statt und wurden im letzten Jahre darin folgende grössere Vorträge gehalten ; den 26. Oktober 1881. O. Hüttig: Ueber die ^'ermehrung der Obstbäume durch Stecklinge, den 26. Oktober 1881. Prof. Ascherson: Neue Gräberfunde in Egypten. den 30. November 1881. R. Gärtner: Essbare und technisch wichtige japanische Algen. den 29. December 1881. P. Magnus: Ueber Kartoffelhybriden, Pinus Strobus und vorzeitiges resp. verspätetes Blühen, den 26. Januar 1882. A. Orth: Bericht über die vom Vereine angestellten Ver- suche betreffs verschiedener Düngung bei Gartenbohnen. den 23. Februer 1882. Prof. Wittmack: Geschichte der Camellien und Azaleen. den 30. März 1882. Schotte: Der Park zu Watkowitz, Westpreussen. den 30. März 1882. R. Gärtner: Die Verwendung der städtischen Abfallstoffe in Japan, den 27. April 1882. Prof. Wittmack: Die Dresdener Ausstellung. den 25. Mai 1882. R. Brand: Die Riviera im Winter. Die technischen Ausschüsse arbeiteten während des Winters ohne Unter- brechung und gab es in ihren Sitzungen oft Gelegenheit zu lebhaften interessanten Debatten. Fast alle wichtigeren Fragen wurden von ihnen erst geprüft und ist der Verein den Ausschussmitgliedern für ihre Mühewaltung vielen Dank schuldig. Gleicher Dank gebührt den Mitgliedern des Ausschusses für das Etats- und Kassenwesen, welcher mit Sorgfalt die Kassenverhältnisse geprüft hat. Der Verkehr des Vereins mit auswärtigen Vereinen ist ein regerer geworden. Zu dem 25jährigen Jubiläum des Gartenbau-Vereins für Schleswig-Holstein 1881 bewilligte der Verein eine grosse silberne, eine kleine silberne und eine bronzene Medaille; ein Gleiches soll erfolgen bei dem 25 jährigen Jubiläum des Jahresbericht des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (59) Bremer Vereins im August d. J, und bei dem des Ratiborer Vereins im Sep- tember d. J. Im Tauschverkehr steht der Verein mit 72 Gesellschaften, gegen 68 im Jahre 1872. Regen Antheil nahm der Verein auch an dem Institut der Wandergärtner, welches auf Anregung des Herrn Hofgarten -Direktors Jühlke vom Club der Landwirthe und dem Teltower landwirthschaftlichen Verein, zunächst für die Provinz Brandenburg und die umliegenden Provinzen, ins Leben gerufen ist. Es steht zu hoffen, dass auf dem Lande die Liebe zum Obstbau mehr zunehmen wird, wenn den Besitzern Gelegenheit geboten wird, ihre Obstbäume, sowohl Formbäume als Hochstämme von einem tüchtigen Sachverständigen schneiden zu lassen. Alles in Allem genommen haben wir in den letzten 10 Jahren, das dürfen wir wohl sagen, Fortschritte gemacht. Wir hatten kein Vermögen mehr, als das Jahrzehnt begann, besitzen aber jetzt doch wenigstens den kleinen Betrag von ca. gooo Ai\ die Bibliothek war ungeordnet, ohne Katalog, ohne Neuanschaffungen, sie ist jetzt im geordneten Zustande, zwei Nachträge zum Kataloge sind bereits nöthig geworden. Wir hatten kein eigenes Zimmer für die Bibliothek und für die Versamm- lungen, auch das ist uns durch die Gewogenheit des Herrn Ministers für Land- wirthschaft gewährt. Wir hatten wenig Beziehungen zu anderen Vereinen, vor allem zu unserer Schwester, der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins, wir sind dagegen jetzt mit letzterer eng befreundet und gehen in allen wichtigeren Fragen mit ihr Hand in Hand. Auch der Unterstützung der anderen Vereine, insbesondere des zu so schöner Blüthe gediehenen Hamburger Vereins, erfreuen wir uns, wenn wir derselben bedürfen, und so können wir denn ziemlich getrost in die Zukunft schauen. Nicht verhehlen können wir uns aber, dass der Verein, was Berlin betrifft, im Verhältniss zur Zunahme der Stadt nicht entsprechend zugenommen hat und dies hat wohl leider seinen Grund zum Theil in dem Rückgange der Privat- gärtnerei hierselbst. Alle schönen Sammlungen bis auf die B o r s i g'sche, Reichen- heim'sche und Killisch von Horn'sche sind aufgelöst, neue von Bedeutung bis jetzt erst wenige hinzugekommen. Die Liebe zum Gartenwesen allerdings hat zugenommen, die vielen Villengärten vor den Thoren beweisen das, aber es fehlen jene wohlhabenden Liebhaber, die wirklich Opfer bringen, um eine schöne Pflanze zu haben, Liebhaber, welche die Blumen nicht bloss zur Decoration für ihren Ballsaal ziehen, sondern die auch selber ein Verständniss der Blumen, eine Kenntniss ihrer Arten sich zu erwerben suchen wollen. Dazu wäre ihnen in unserem Vereine eine vortreffliche Gelegenheit gegeben und es wäre dringend erwünscht, wenn die Zahl der Liebhaber wieder mehr zunähme. Doch nicht allein der reich mit Glücksgütern gesegnete Liebhaber, auch derjenige, dem nur beschränktere Mittel zu Gebote stehen, kann viel zur Hebung des Gartenbaues beitragen. Für solche würde es sich besonders empfehlen, sich Specialsammlungen anzulegen, in denen sie dann bald verhältnissmässig Grosses leisten könnten. Leider hat die Passion für Specialitäten, wie z. B. Cacteen, Agaven, Cap-Zwiebeln etc., selbst Farnen, unter den Laien sehr ab- genommen und in Folge dessen ist die Kenntniss dieser Pflanzen auch sehr vernachlässigt worden. (6Ö) ^57- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Ein erfreulicheres Bild als die I.iebhaber-Thätigkeit gewährt uns die Thätig- keit der Blumenhändler. Vergleicht man die heutigen Blumenläden mit denen vor lo Jahren, so ist einer der in die Augen fallendsten Unterschiede die Zahl und die Eleganz der jetzigen. Die grösseren Städte Deutschlands, namentlich Berlin und Frankfurt a. M., können sich darin unbedingt heute mit allen Haupt- städten Europas messen, und diese hervorragenden Leistungen, wie sie sich erst kürzlich in einer Special-Ausstellung für Blumenarrangements in Berlin be- kundeten, haben auch eine mächtige Anregung zur Förderung der Treiberei ge- geben. Die nächste Folge war allerdings nicht diese, sondern, da das Material sich hier nicht vorfand, der Import von abgeschnittenen Blumen aus dem Süden, die Concurrenz nöthigte dann die deutschen Gärtner zur Gegenwehr. Die Ansichten, welcher Art diese Gegenwehr sein sollte, waren verschieden; der Verein zur Beförderung des Gartenbaues schrieb auf sein Panier: vHebung der eigenen Kulturen«, und dieses Wort, es hat gezündet. Die Treib-Kultur, die Anzucht blühender Pflanzen für den Winter hat seitdem, wie schon oben er- wähnt, verhältnissmässig ausserordentliche Fortschritte gemacht und die F'urcht, dass durch die südliche Concurrenz den deutschen Gärtnereien Schaden zu- gefügt würde, ist zum Theil unbegründet geblieben. Der Import aus dem Süden besteht unbehindert, ja in vermehrtem Masse fort, aber im Inlande gezogene Blumen, namentlich Rosen, finden fast alle ebenso zahlreiche Nachfrage wie früher, nur die Preise der Camellien und Veilchen haben darunter gelitten. So bestehen denn Import und eigene Kultur ganz verträglich neben ein- ander; der Blumenhändler aber hat den Vortheil, dass er eine weit grössere Auswahl von Blumen zur Verfügung hat, und dadurch wird indirect auch die Liebe zu den Blumen, sowie — wenn auch in geringerem Masse — die Kennt- niss derselben im Volke vermehrt. 657. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 25. Mai 1882. Den Vorsitz führte der Direktor, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. I. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Ein- wendungen dagegen nicht erhoben. II. Zum Mitgliede wurde vorgeschlagen: Herr Handelsgärtner Gör seh in Pankow bei Berlin. III. Anstatt des i Treppe hoch belegenen Zimmers im Palmenhause, wel- ches der Verein sonst zu seinen Versammlungen benutzte, ist ihm jetzt das parterre gelegene von der Direction des botanischen Gartens zur Verfügung gestellt worden. IV. Ausgestellte Pflanzen: i. Aus dem Königl. botanischen Garten waren durch Herrn Inspector Per ring eine grosse Zahl schön blühender Gewächse aufgestellt, deren Verzeichniss in der Gartenzeitung veröffentlicht werden wird. — (ianz besonders machte Herr Perring auf die so vielfach neuerdings von Linden besprochene Gynura aitraritiaca aufmerksam, die sich ganz identisch mit einer im Berliner botanischen Garten befindlichen Senecio sp. aus Ceylon erweist. Auch Herr Hofgärtner Maurer- Jena hat bekanntlich schon darauf hingewiesen, dass Gynura eine alte Pflanze sei. Ausserdem sind hervorzuheben: 657' Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (5l) Fuchsia procumhens, eine reizende Ampelpflanze, Boronia elatior Bark., Australien, einen kleinen pyramidenförmigen Strauch bildend, der dicht mit pfirsichrothen Bliithen übersäet war, rdargoniiiin holosericcuni elegans vom Cap, eine sehr schöne, selten gesehene Species, die 2 oberen Blumenblätter dunkelroth, die unteren blassrosa. In trefflicher Kultur waren die ausgestellten Orchideen, so- wohl die tropischen, wie z. B. Odontonglossum Reichenheimiana Lindl., Mexico, Saccolahium guttatum splcndens Lindl., Java, als auch die Orchideen des freien lyandes, wie Cypripediuin parviflorum, C. occidentale, Ophrys expansa und O. cxaltata. 2. Herr Brandt-Charlottenburg hatte eine Collection der neuesten Kreuzun- gen von Begonia discolor mit B. Rcx vorgeführt. Die schönsten sind Edouard Pynaert und Florifere, welche schon sehr hübsch die weisse, silberne Zone auf den Blättern wie B. Rex zeigen, dabei aber den höheren Wuchs von B. discolor besitzen. Sie sollen sich bekanntlich dadurch auszeichnen, dass sie auch im Freien, im Halbschatten verwendet werden können. — Herr Obergärtner Schmidt stellte aus dem Garten des Herrn Comnierzienrath De 11 seh au eine Anzahl herrlicher Hortensien aus; es waren dies einjährige Veredelungen mit 6 — 7 Blüthendolden. 3. Herr C. Mathieu-Charlottenburg übergab eine Bennettsc he Kreuzung zwischen Thee- und Remontantrosen Viscountcss of Falnwuth. Diese Rose hat das Ansehen der -»hi Franca, aber den herrlichen Geruch der CentifoUa; leider ist sie, wie die meisten Bennettschen Züchtungen, ein undankbarer Blüher. 4. Herr Schotte legte aus dem Garten Sr. K. Hoheit des Prinzen Carl auf dem Pfingstberge grosse lange Gurken iDuke of Fdinburgha. vor, sowie einen Apfel, der sich ausserordentlich lange hält und vom Prinzen Carl sowohl deswegen, wie um des guten Geschmacks halber sehr geschätzt wird. — Der anwesende Herr Lauche bestimmte den Apfel als »grüner Fürstenapfel«. Ueber die Gurke erhob sich eine lange Debatte. Herr Schotte bemerkte, dass er sie ausgewachsen bis 75 cm lang gehabt habe, dass sie nach englischen Berichten selbst 90 cm lang werden solle. Sie besitzt ein feines Fleisch, wenig Kerne und sei sowohl zum Salat wie zum Einmachen geeignet. Von anderer Seite wurde darauf hingewiesen, dass das Berliner Publikum diese und andere von den gewöhnlichen Aal- und Schlangengurken abweichende Sorten nicht kaufe und dass sie deshalb nur für Privatgärtnereien sich eigne. Auch lasse sie sich nicht im Freien kultiviren. Allgemein wurde hierbei bedauert, dass die Berliner Hausfrauen sich so wenig auf Neuheiten von Gemüsen einlassen wollen und Alles nicht essen, was sie nicht aus langer Erfahrung kennen. Sie kaufen auf dem Markt keine blauen Kohlrabi und keine gelben Kohl-(Steck)-Rüben, obwohl beide feiner sind als die betr. weissen Sorten, keinen Rhabarber, keine Kerbelrüben, keinen Bleichsellerie, keinen Seekohl, keinen spitzen Kopfkohl, keine Zuckerwurzeln, keine weissen Gurken etc. Wohl aber zahlen manche Herrschaften für einzelne dieser Dinge in Delikatessenhandlungen hohe Preise, z. B. für eine weisse Gurke 3 Mark, weil sie dann ausländische sind oder wenigstens als solche gelten. Man rieth, die grösseren Restaurants zu ersuchen, die Neuheiten zu kau- fen und sie auch unter der Bezeichnung des neuen Namens auf den Tisch zu bringen. Es müsse die Speisekarte also in solchen Fällen den Namen der Sorte enthalten, z.B. Gurkensalat von der Gurke yWukc of Fdifil)urgh<^, (ß2) 657. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Compot von Rhabarber »Queen Victoria«, Kohl: >(Ulmer Spitzkraut)«. Auch wurde auf den Hausfrauen-Verein hingewiesen, der schon manches Neue eingeführt habe, darunter auch etwas den Rhabarber. Die Preisrichter sprachen den Hortensien des Herrn Schmidt den Monats- preis, den Begonien des Herrn Brandt eine kleine silberne Medaille zu. V. Hierauf beschloss der Verein, in der 3. \Voche des Januar (etwa vom 19 — 21. Januar 1884), also einige Tage später als bisher, eine grössere Winter- ausstellung abzuhalten und das Programm von den Ausschüssen für Blumen- und Gemüsezucht baldigst entwerfen zu lassen. VI. Herr Brandt berichtete hierauf über seine Reise nach der Riviera und legte eine stattliche Zahl schöner Photographien jener herrlichen Gegend, so wie zahlreiche getrocknete Pflanzen daher vor. — Desgleichen ein Ei aus dem Marke der Agave americana, ein Falzbein aus einem Blüthenzweige solcher Agave, sowie Früchte der Bergamotte und von Psidium pomiferuin. VII. Betreffs Vermehrung der Platanen bemerkte Herr Klar, dass sie auf Moorboden sehr leicht aus Stecklingen wachsen, Herr Lauche theilte mit, dass sie aus mehrjährigem Holze sehr leicht zu ziehen sind. VIII. Bezüglich der von Sack'schen Spritze bemerkte Herr Perring, dass sie einen zu schwachen Strahl gebe und zu theuer sei, für kleinere Häuser seien die gewöhnlichen Gartenspritzen, für grössere die Hydro netten zweckmässiger und billiger. Hydronetten mit continuirlichem Strahl haben sich bis jetzt nicht bewährt. IX. Die statutenmässige Wahl der technischen Ausschüsse fand hierauf statt und ergab das durch die Herren Klar und Koopmann vorgenommene Skruti- nium folgendes Resultat: I. Ausschuss zur Vorbereitung der Neuwahl des Vorstandes. 1. Herr Rittergutsbesitzer J. Ho ff mann. 2. » Gärtnereibesitzer C. Lackner. 3. » Königl. Oekonomierath Noodt. 4. » Garten-Inspector Per ring. 5. » Königl. Oekonomierath Späth. IL Ausschuss für Erziehung von Blumen und für Treiberei. 1. Herr Gärtnereibesitzer R. Brandt. 2. » Gartenbau-Director Gaerdt. 3. » Gärtnereibesitzer Lackner. 4. » » C. Mathieu. 5. » Garten-Inspector Per ring. 6. » Hoflieferant G. A. Schultz. 7. » Gärtnereibesitzer Schwarzburg. III. Ausschuss für Gehölzkunde und bildende Gartenkunst. 1. Herr Dr. C. Bolle. 2. » Stadt-Obergärtner A. Fintelmann. 3. » Obergärtner Klaeber. 4. » Garten-Director a. D. Koopmann. 5. » Oberlehrer Dr. M. Kuhn. 6. » Hofmarschall a. D. von Saint Paul-Illaire. 7. » Garten-Inspektor Wredow-Berlin. 657- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (63) IV. Ausschuss für Obstbau. 1. Herr Garten-Inspector Fintelmann. 2. » Gartenbau-Director Gaerdt. 3. » Privatier R. Gärtner. 4. » Garten-Inspector Lauche. 5. » Gärtnereibesitzer C. Mathieu. 6. » Lehrer R. Schnitze. 7. » Oekonomierath Späth. V. A u s s c li u s s f ü r Ct e m ü s e z u c h t. 1. Herr Thierarzneischul-Gärtner Bussmann. 2. » Gärtnereibesitzer C. Grass. 3. » » Drawiel. 4. >. Obergärtner Eggebrecht. VI. » Samenhändler Joseph Klar. » Gärtnereibesitzer Neukirch. » Lehrer R. Schnitze. Ausschuss für Revision der Kasse und der Bibliothek etc. I. Herr Apothekenbesitzer August in. » Rittergutsbesitzer Berend-Beeren. » Oberlehrer Dr. M. Kuhn. » Fabrikbesitzer Protzen. » Geh. Rechnungsrath Schmidt. X. Vorgelegt wurde ein Schreiben des Herrn Scharrer-Tiflis, desgleichen ein Schreiben des Herren L. Groth-Guben über dortige Gartenbauverhältnisse. XI. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 1. Herr Banquier B. Oppenheim, Bellevuestrasse 3. 2. Herr Stadtrath Holz, Charlottenburg (Westend). 3. Der Verein der Gärtner und Gartenfreunde für das Osthavelland zu Spandau. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Donnerstag den 27. Juli 1882, Abends 6 Uhr, im Palmeuhanse des kgl. botanischeu Garteus, 1. Ausgestellte Pflanzen. 2. Modificirter Antrag des Gehölz- und Obst-Ausschusses, beü-effs Hebung der Obst- etc. Pflanzungen. 3. Verschiedenes. Bemerkung. Da das Königliche botanische Museum Montags und Donnerstags von 3 bis 6 Uhr unentgeltlich geöffnet ist, so' empfehlen wir den geehrten Mitgliedern einen Besuch dieser höchst sehensiverthen reichhaltigen Sammlung vor der Vereinssitzung. (6a) Tagesordnung. — Abzugebende Samen. — Versammlungskalender. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 4. August 1882, Abends 7^/2 Uhr, in den Reichshallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Bericht der Commission zur Vorbereitung des am 14. August c. stattfindenden Stiftungsfestes. 2. Mittheilungen über Ausstellungs-Angelenheiten. 3. Die Osdorfer Rieselfelder. 4. Ueber Mittel gegen die in den Gärtnereien sicli geltend machenden schädlichen Insecten, namentlich rücksichtlich der Rosen. Unentgeltlich abzugebende Samen für die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Ni/r die Nununem aufschreiben! A. Von Herrn Inspektor Scharrer in Tiflis. Nr. 217. Abies Nordmanniana. D 218. Abies Orientalis. » 219. Vitis vinifera, wild-wachsender Wein. B. Japanische Samen von Herrn Hofmarschall v. Saint Paui.-Ii.laire in Fischbach. 220. Abies Veitchiiü! 1 223. Tsuga Sieboldii. 221. » firma. 224. Cercidiphyllum japonicum. 222. Pinus koraiensis. I Versammluii2;eii des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 1882. Jeden letzten Donnerstag: im Monat, 6 Uhr. Von October bis April in der landw. Hochschule, Invalidenstr. 42. Von Mai bis September im Palmenhause des bot. Garten. (Im Sept. um 4 Uhr.) Januar j Februar März April Mai Juni Juli August Septbr. Octbr. Novbr. Decbr, 26 23 30 27 25 29 27 31 28 26 30 28 Sitzungen der Ansscliiisse für Blnmen- und Gemüsezucht. Jeden i. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 5 I 2 1 2 I 6 i 4|_|_i_i — [_j 2|7 Sitzungen der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht. Jeden 2. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 12 ; 9 I 9 [ 13 I II j _ I _ I _ I _ j _ j 9 I 16 Versammlungen der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins 1882. Jeden Freitag nach dem i. und nach dem 15. im Monat 7'/2 Uhr im City-Hotel, Dresdenerstr. Nr. 52/53. Im Sommer statt der zweiten Monatsversammlung eine Excursion. 6| 3|3|i4) Sl 2| 7| 4j 81 61 3|8 20 I 17 I 17 I 21 I 19 I 16 I 21 I 18 I 22 ] 20 I 17 I 22 VERHANDLUNGEN des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten un,l ,1er Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandliiniren erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirtcn Bogen, um dieselben am Schluss jedes Bandes im Zusammenliaiig heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Vtg.) pro Bpaltzcile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin S\V., 91 Zimmerstr., direct übcrsnndt werden. 658. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (öojähriges Bestehen des Vereins.) Berlin, 29. Juni 1882. Den Vorsitz führte der Direktor, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. 1. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Ein- wendungen dagegen nicht erhoben. II. Ausgestellte Pflanzen, i. Aus dem Kgl. botanischen Garten hatte Herr Inspektor Perring wiederum eine Anzahl der schönsten blühenden Pflanzen auf- gestellt. Die Liste derselben ist in der Gxartenzeitung, Juliheft, abgedruckt. Herr Perring machte besonders aufmerksam auf eine schöne gelb blühende Isinene: J. Amancaes, sowie auf das blühende Authiirium Andreanum, eines der stärksten in dem Handel befindlichen Exemplare. Herr Gaerdt berichtete über die (beschichte des Anthurium Andreanum. Linden in Gent verkaufte die ersten Samenpflanzen zu 500 Eres.; als bald darauf Lehmann aus Amerika reichlich Samen nach England und Deutschland sandte, ermässigte sich der Preis auf 100 Eres, und soviel zahlte Herr Gaerdt selber vor 2 Jahren für eine kleine Pflanze mit 3 Blättern; Rothschild in Wien kaufte ein grosses Exemplar für 1000 Eres. Es ist Anthurium Andreanum mit seiner scharlachrothen netzig- maschigen Blüthenscheide und dem weissen Kolben jedenfalls eine höchst interessante Pflanze; ob sie schöner ist als A. Scherzeria num will Herr Gaerdt dahin gestellt sein lassen. 2. Eerner richtete Herr Perring die Aufmerksamkeit auf ein reiches Sorti- ment abgeschnittener Odier-Pelargonien, eingesandt von dem wegen seiner Pelar- gonien-Kultur rühmlichst bekannten Züchter JoH. Edmund Lehmann in Dresden. — Der Verein hatte im vorigen Jahre 12 der besten eigenen Züchtungen von Herrn Lehmann kommen lassen und Herrn Gaerdt zur Kultur übergeben. Zufällig hatte Herr Gaerdt auch von diesen Pflanzen die Blüthen mitgebracht und war man allgemein bei beiden Sammlungen des Lobes voll. Die Fortschritte in der Odier-Pelargonienzucht bestehen nach Herrn Lehmann, wie Herr Perring mit- theilte, in der Erzielung eines kürzeren gedrungenen Baues der Pflanze, eines grösseren Blüthenreichthums und. hübscher gekräuselter Blumenblätter. Die Earben sind ziemlich dieselben geblieben. Herr Gaerdt bestätigte dies; der Wuchs ist in der That gedrungener, aber neue Farben sind seit 20 Jahren, wo die Odier-Pelargonien aufkamen, wenig entstanden und scheint es, als wenn der Earbenkreis bereits durchlaufen. Die alten MiELEz'schen Sorten haben heute noch Werth. 3. Herr Drawiel legte vor: a) eine Erbse, Laxtons Minimum, vom Verein als Neuheit bezogen. Sie ist sehr niedrig, besitzt aber vor unserer alten Krup- tßQ 658. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. erbse keinen Vorzug, b) Rosenblätter, deren Blattsubstanz von den bläulich- grünen Afterraupen der Rosenwespe Hylotonia rosarum KL stark abgefressen war. Die Larven der Blattwespen unterscheiden sich durch ihre 9— 11 Paar Beine leicht von den echten Schmetterlingsraupen, die nur 8 Paar Beine haben. -- Bestreuen mit Schwefelblüthe hat nichts geholfen, c) Fliederblätter, die von der Larve einer Minirniotte, Tinea syringella Schrank, minirt waren. Als Vertilgungsmittel benutzt Herr Späth für Rosenblattwespen Staubkalk, mit dem er die Blätter bepudert. Andererseits wurde bei niedrigen Rosen em- pfohlen, Kntcii in den (larten zu lassen, da Enten den Pflanzen keinen Scha- den thun. 4. Herr Schwarzburg legte eine 2 jährige kranke Pflanze von l'runiis sinensis vor. Es zeigte sich öfter auf seinen Quartieren, dass einige und zwar gerade die grössten Exemjjlare gelbe Blätter erhielten, ohne dass irgend eine Ursache zu ergründen. Von Einigen wird angenommen, dass zu grosse Saftfülle die Ursache sei. 5. Herr Koupmann überbrachte aus dem (harten der Herren Metz & Co. in Steglitz sehr schöne Exemplare (6 Sorten) der neuen gefüllten Gaillaniia picta var. Lorenziana, benannt nach ihrem Züchter Herrn Lorenz in Erfurt. — Seit einigen Jahren zeigen die Gaillardien bekanntlich das Bestreben, gefüllte Blumen zu bilden. Die Füllung erfolgt hier aber nicht wie bei Georginen und Astern durch Verwandlung der inneren röhrenförmigen sog. Scheibenblumen in zungenförmige Rand- oder Strahlenblumen, sondern umgekehrt, die Rand- blumen verwandeln sich in Röhrenblumen. — ], eider entwickeln sich die Schei- benblüthen aber noch nicht gleichzeitig mit den Randblumen und erst 8 — 10 Tage nach dem Aufblühen erscheint die Blume ganz gefüllt. — Die Sorten sind noch eben so wenig konstant wie die älteren Formen der einfachen Gaillardia und muss man gute Sorten daher durch Stecklinge vermehren. 6. Herr Lubatsch, Zossen, übergab lilätter von Schwarzwurzeln, Scorzonera, die stark mit einem weissen Pilz befallen waren. Herr Wittmack bemerkte dazu, dass es Cystopus eubicus sei. 7. Herr Wittmack legte eine neue Chamaepcucc vor, die Herr Carl Sprenger in Portici bei Neapel ihm zugesandt. Nach dessen Begleitschreiben ist es wahrscheinlich ein Bastard zwischen Ch. Diacantha und Ch. Casahonae. Dieselbe wird als C. Sprengeri Wittm. (Hybride) beschrieben werden. 8. Von Herrn Max Leichtlin, Baden-Baden, waren Blüthen und Blätter der Ckmatis coccinea Cray (Cl. Pitcheri der Revue hört, nicht Torray et Gray) eingesandt, die wegen ihrer herrlichen granatrothen Farbe sehr auffielen. 9. Herr Axel Fintelmann hatte aus dem Garten der BerHnischen Garten- baugesellschaft -^>Versuchsgarten« Mimulus giganteus ausgestellt, der eine Varietät von M. quin ijuev II Inerus zw sein scheint. Diese Pflanze lässt sich gut überwintern; behufs der Vermehrung wird sie im Frühjahr getheilt und in gute mit etwas Lehm vermengte Mistbeeterde gepflanzt. Um grosse Blumen zu erzielen, muss sie unter Fenster gehalten und beschattet werden, im Freien werden die Blumen klein. 10. Herr von Saint Paul-Illaire übersandte Zweige in- und ausländischer Conifereren mit den bekannten ananasartigen Gallen der Fichten-Galllau s, Chermes viridis und coccinea Ratzeburg (Ch. abietis L.) Nach ihm zeigen sie sich nur an den echten Fichtenarten, nicht an Tannenarten, verunzieren aber in diesem Jahr die Pflanzen sehr. 658. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (67) III. Das in 50 Exemplaren zur Berathung und Beschlussfassung vorgelegte Programm für die im 1884 projektirte grössere Winterausstellung wurde en bloc angenommen. IV. Hierauf verlas der Generalsekretär zur Feier des 60. Stiftungstages des Vereins den statutengemäss zu erstattenden Jahresbericht. Derselbe umfasste die Wirksamkeit des Vereins für die letzten 10 Jahre seit der 50jährigen Festfeier im Jahre 1872 und fand alsdann die Neuwahl des Vorstandes statt. Herr Lackner war ersucht, das Präsidium während dieser Wahl zu übernehmen und ergab das durch die Herren Hofgärtner Brasch und Garten-Inspektor Fintelmann vorgenommene Skrutinium die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. Sämmt- liche anwesende Vorstandsmitglieder nahmen die Wahl dankend an. Herr Lackner dankte Namens des Vereins dem Vorstande für seine bisherige erfolg- reiche Leitung. V. Nächster Gegenstand der Tagesordnung war die Berathung eines An- trages der vereinigten Ausschüsse für übst- und Gehölzzucht: a) bei den betr. Behörden dahin vorstellig zu werden, dass an den tech- nischen Hochschulen für solche Studirende, die sich dem Wegebau widmen wollen, eine Vorlesung über Baumpflanzung an Wegen gehalten und auch beim Examen darauf Rücksicht genommen werde. b) desgleichen zu veranlassen, dass die unteren Wegebaubeamten, Strassen- aufseher etc. an den pomologischen Instituten oder sonst an geeigneten Orten mehr als bisher i^raktische Unterweisung im Schnitt der Bäume erhalten. Während gegen den Antrag b nichts einzuwenden war, machten sich gegen den Antrag a manche Stimmen geltend. Es wurde bemerkt, dass nach Erkundigungen an geeigneter Stelle auf Erfüllung des Wunsches nicht zu rechnen sei, da die Baubeflissenen bereits mit Lernstoft' überfüllt seien und ein solches Kolleg wenig besucht werden möchte. Wirksamer dürfte es sein, wenn die Provinzial- resp. Kreisverbände, denen jetzt der Chausseebau obliegt, ersucht würden, von dem anzustellenden Wegebaubeamten Kenntnisse in Auswahl, Pflanzung und Behandlung der Bäume zu verlangen. Nach Herrn Wredow ist der Haupt-Krebsschaden die Submission. Meist ist das Geld verbraucht, wenn es an's Bepflanzen kommt, die Bäume werden an den Mindestfordernden vergeben und leider finden sich Leute, die um jeden Preis die Arbeit übernehmen. Sie kaufen dann natürlich das schlechteste Material und pflanzen dies auch schlecht. Herr Lubatsch stimmt dem bei. l)ie Vorschriften bei Submissionen sind oft bei den billigen Preisen ganz unausführbar. Man verlangte z. B. für eine Chaussee 2^12" starke Kirschbäume, i m tiefes Baiunloch (excl. Pfahl) und zwei- jährige Garantie. Da gingen die Gebote von 2,70 M bis 1,50 J^. hinunter. Selbstverständlich erhielt der letztere Bieter den Zuschlag; doch was kann er dafür leisten? In einem Falle verlangt man sogar vom Unternehmer die Verpflichtung, dass er den Schaden ersetze, der durch Natur-Einflüsse entstände. Man sollte ferner mehr Obstbäume als Wildbäume an solchen Chausseen, die nicht in der Nähe grosser Städte liegen, pflanzen, wie das z. B. seitens der Kreisbaumschule bei Dahme geschehen. Das gute Beispiel wirkt dann auch auf die Landbewohner. fAg\ 658. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Auch das Ausputzen sollte nicht an den Mindestfordernden vergeben werden, denn der sucht natüdich nur recht viel Holz herauszusägen. Zu Aufsehern wählt man leider oft Leute, die gar kein Verständniss vom Baumschnitt und der Baumbehandlung haben. In einem Falle verlangte man, dass die Bäume — es sollten Pappeln sein — im Herbst gepflanzt würden; sie gingen zu 90 pCt. ein, weil die Papjjel nicht im Herbst gepflanzt werden kann. Der Unternehmer musste sie ersetzen, im nächsten Jahre aber gingen wieder viele ein. Herr HürriG machte auf seine Erfahrungen in Schweden aufmerksam. Kr habe dort als Frovinzial-Gartenclirektor 10 Jahre lang den Lehrern, die bereits eine feste Stelle hatten (nicht den Seminaristen, denn diese haben kein Interesse daran), Unterricht im Obstbau ertheilt, auch bei Vielen Schulgärten errichtet; das habe sehr gute Erfolge gehabt. Lehrer und Schüler haben die Bäume Heb gewonnen und des Lehrers Beispiel hat auf die ganze Gemeinde gewirkt. Herr Rupkk, Vorsitzender des Ciartenbau-Vereins für das Osthavelland in Spandau, bestätigte dies für Picheisdorf, wo ebenfalls ein Lehrer, zugleich ein bedeutender Rosenzüchter, viel Gutes gestiftet. An der weiteren Diskussion betheiligten sich die Herren Sulzer, Perring, Orth u. a. Schliesslich wird der Antrag a abgelehnt, die Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht aber ersucht, neue Vorschläge zu machen, um den Zweck zu erreichen. VI. Herr Drawiel regte an, dass die technischen Ausschüsse auch im Sommer tagen möchten. — Es soll dies den einzelnen Ausschüssen überlassen werden. VII. Als wirkliches Mitglied wurde aufgenommen: Herr Handelsrärtner (iOERSCH in Pankow. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 2. Juni 1882. (Reichshallen, Leipzigerstr 77). An Stelle des auf Reisen befindlichen ersten Vorsitzenden, Herrn Oekonomie- Raths Späth, übernahm Herr Lackner den Vorsitz, Hess das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und trat, nachdem solches unbeanstandet angenommen, in die Tages-Ordnung. Zuerst die Localfrage berührend, wurde beschlossen, den Reichshallen in der Leipzigerstr. den Vorzug vor den anderweit vorgeschlagenen Localen zu ge- ben, weil dieses seiner Lage wegen sich als das geeignetste Local für unsere Versammlungen ergeben habe. Bei dem Besitzer der Reichshallen wird angefragt werden, ob und unter welchen Bedingungen der bereits in Augenschein genom- mene, nach hinten belegene Saal der Gesellschaft der Gartenfreunde zu ihren quest. Sitzungen überlassen werden könnte. Zur Frage bezüglich der Kultur der Lorbeerbäume und Orangen übergehend, glaubte man diese noch als eine offene betrachten zu dürfen, um so mehr, als der Fragesteller nicht erschien. Das in der heutigen Sitzung gelieferte Material untl die in derselben zu Tage getretenen Ansichten über das Kulturvertahren Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (69) obengenannter Bäume werden s. Z., zugleich mit dem durch langjährige Erfah- rung begründeten Urtheil des Herrn Hofgärtners Brasch bezüglich der Orangen- Kultur, in extenso ausgeführt werden. Wegen Abwesenheit des Herrn Späth wird den Mittlieilungcn über Aus- stellungs-Angelegenheiten später entgegengesehen. Bei der vorgerückten Zeit glaubt man der Plrörtcrung der nicht iniwichtigen Frage: »Hat die Befruchtung einer Obstblüthe mit einer anderen Sorte Einfluss auf die Gestalt der im Sommer daraus entstehenden Frucht für heute nicht näher treten zu sollen, dieselbe wird vielmehr einer s])äteren Sitzung vor- behalten. Die am 16. d.M. zu unternehmende gärtnerische Exkursion soll dem Schloss- garten zu Charlottenburg gelten, unter Voraussetzung des Einverständnisses mit Herrn Hofgärtner Nietner daselbst. Herr Rentier J. Hofp'mann hat der Bibliothek zwei colorirte Abbildungen, auf denen die Phylloxera vastatrix in ihren verschiedenen Stadien zur Anschauung gelangt, gütigst überwiesen, wofür dem Herrn Geschenkgeber gedankt werden wird. Ausgelegt war ein Stück Haideerde, wie solche in der Nähe von Königs- VVusterhausen vorkommt. Dieselbe soll der in dem Grunewald gestochenen Erde gleich kommen, sich indessen billiger als diese stellen. Herr Wahlsdorf und die Gartenverwaltung in dem Erziehungshause am Urban, welche diese Erde schon länger bei verschiedenen Kulturen verwendet haben, sollen um nähere Angabe derjenigen Pflanzen ersucht werden, die sich mit gutem Erfolge in dieser Erde kultiviren lassen; und wird es von dem Urtheile vorbenannter Firmen abhängen, ob mit der Königs-Wusterhausener Haideerde in grösserem Umfange gearbeitet werden kann. Verhandelt Berlin den 7. Juli 1882. Auch in der heutigen Sitzung übernahm Herr Lackner den Vorsitz. Der- selbe lässt das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und wird dieses, da es in Kürze den Gang der Verhandlungen richtig wiedergiebt, unbeanstandet an- genommen, s. Z. der Redakdon der »Garten-Zeitung, zur Veröffendichung über- sandt werden. Herr Wredow reterirte über die im Juni stattgehabte Exkursion in den Schlossgarten von Charlottenburg. In seinem Bericht hob derselbe die Liebens- würdigkeit des Herrn Hofgärtners Nietner hervor, der es sich trotz des Unwetters nicht hatte nehmen lassen, die Theilnehmer an diesem Ausfluge auf so manches seinen Wirkungskreis in sich schliessende Interessante an Pflanzen etc. auf- merksam zu machen. Zum ersten Punkte der Tagesordnung übergehend, schritt man, den neuen Grundbestimmungen zufolge, zur Wahl des dritten Vorsitzenden. Herr Garten- Inspektor Wredow wurde fast einstimmig zum dritten Vorsitzenden gewählt. Derselbe nahm, dankend für das ihm entgegengebrachte Vertrauen, die Wahl an und wird, wenn er, wie er betont «ja einmal» in Funktion treten sollte, seines Amtes mit Lust und Liebe warten. Vor der Wahl war das Schreiben eines Mit- gliedes eingegangen, wonach dassell^e an dem heutigen Erscheinen einer Reise ryQ\ Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. halber behindert, seine Stimme für Herrn Wredow abgiebt. Die Stimme, da schriftlich, nicht persönlich abgegeben, wird für ungültig erklärt und wird auch für die Folge hiernach verfahren werden. Im Weiteren wurde die Frage bezüglich des am 14. d. M. wiederkehrenden Stiftungsfestes behandelt. Die Versammlung wählte in das Comittf zur Vor- bereitung dieser Feier die Herren Wredow, Mosisch und Kletschke, mit der p^rmächtigung, Mitglieder der Gesellschaft zu cooptircn, macht jedoch dasselbe, bei der Kürze der Zeit, zugleich verantworthch, mit einem fertigen Trogramm vor die um 4. August stattfindende Monatsversammlung zu treten. Da der Herr Referent, welcher sich vorbehalten, Mittheilungen über An- gelegenheiten der im Jahre 1883 geplanten grossen gemeinschaftlichen Aus- stellung zu machen, ausgeblieben war, beschränkte sich der im Ausschuss für diese Ausstellung wirkende Herr Lackner darauf, die Ausstellung als gesichert hinzustellen und anzudeuten, dass bereits aus verschiedenen Gegenden Deutsch- lands und aus mehreren Provinzen Preussens Anmeldungen auf Beschickung dieser Ausstellung vorlägen. Die Frage »hat die Befruchtung einer Obstblüthe mit einer anderen Sorte Einfiuss auf die Gestalt der im Sommer daraus entstehenden Frucht?:, darf für den Augenblick noch als eine unerledigte und offene betrachtet werden, da be- stimmte Erfahrungen hierüber nicht gemacht, oder nicht bekannt geworden sind. Herr Hauptlehrer Üppler, General-Sekretair des Ratiborer Gartenbau -Vereines zu Plania, hatte zwar schriftlich mitgetheilt, dass er in Folge einer künstlichen Befruchtung verschiedener Obstsorten an der im Sommer daraus entstandenen Flucht bezüglich der Form eine Verschiedenheit wahrgenommen habe, indessen steht dieser Fall bis jetzt wohl als vereinzelt da. Herr Baumschulenbesitzer Mosisch, welcher diese Frage für nicht unwichtig und wohl werth hält, darüber weitere Erfahrungen zu. sammeln, spricht den Wunsch aus, dass auch Andere seinem Beisi)iele folgen und durch Beobachtungen zur Klarstellung dieser Furage beitragen mögen. Der bei Verlesung dieses Protokolls in der Sitzung vom 4. August c. an- wesende Herr Späth bemerkt hierzu, dass in diesem Jahre in seinen Baum- schulen bei künstlicher Befruchtung von Erdbeeren keine wesentlichen Verände- rungen der Formen zu Tage getreten sind. Nachdem schon zu verschiedenen Malen »die Sperlingsfrage ^> auf den Tages- ordnungen figurirt hat, ist Herr Wredow heute in der glücklichen Lage, seinen F'eldzug gegen den Sperling zu eröffnen, in dem er namentlich von den Herren Weber und Drawiel (Lichtenberg), Jansa (Rixdorf) unterstützt wird. Mag auch hier und da dem Sperling das Wort geredet werden, so sind diese Stimmen doch sehr vereinzelt und mag der Sperling auch immerhin zu Zeiten, namentlich in den ersten Tagen, in denen er seine Brut mit zarten Kerb- thieren füttert, einigen Nutzen stiften, so ist die Zeit dieser Fütterungsart doch eine zu kurze und der Nutzen gegenüber dem Schaden, welchen er den Korn- siieichern, Getreideböden, Gärten und F'cldern anthut, ein zu verschwindender, als dass der Grund, dem Sperling das \^'ort zu reden, seine Berechtigung fände. Dem Landmann, wie dem (iärtner, dem F'orstwirthe und dem Weinbauer ist er ein unliebsamer Geselle, denn in Feld, Wald und Flur, sowie in den ^Vein- bergen richtet er durch Abfressen der jungen Saaten, der Gemüse etc., durch riütokoU ilcr Uesollschaf'l der GartcjutVcumic Berlins. ^7 l ' Abbeissen der Obst-Knospen, später auch in den Weinbergen durch Anpicken des Obstes und der Weinbeeren sehr beträchtUchen Schaden an. Der wesentlichste Schaden, welchen der Sperling verübt, darf aber auch darin gesucht werden, dass er die allernützlichsten Vögel, wie Staare und Meisen, welche als Gewürm fressende Vögel vollen Anspruch auf unsern Schutz haben, verdrängt und den befiederten Sängern den Aufenthalt in solchen (Järten, welche er beherrscht, mehr oder weniger verleidet. Es würde zu weit führen, hier ausführlich das Sündenregister des Sj^erlings folgen zu lassen, und ist man mit unserm berühmten Dr. Brehm darin einig, dass der auf Kosten des Menschen lebende schmarotzernde Sperling dessen Schutz nicht verdient. In diesem Sinne beschliesst denn die heutige Versammlung, höheren Orts dahin vorstellig zu werden, dass der Sperling von der Liste derjenigen Vögel gestrichen werde, welche sich des Schutzes der Menschen zu erfreuen haben. Da der grinie Hänfling nach den von Herrn Weber (Lichtenberg) gemachten Mittheilungen, die sowohl aus eigenen Beobachtungen, als auch aus denjenigen seiner Freunde und Nachbarn resultiren, hinsichtlich des Schadens, welchen er den Sämereien aller Kohl-, Mohn-, Hanf- und Rübsenarten, namentlich auch der Grassaat zufügt, keinen Anspruch auf Schonung verdient, wird derselbe in den gegen den Sperling gefassten Beschluss mit einbegriffen. Dem schriftlich unterbreiteten Wunsche des Herrn Hoffmann -^die Besprechung bezüglich der Osdorfer Rieselfelder einer späteren Sitzung vorzubehalten , wird genügt. Von den verschiedenen Vorschlägen für die am 21. Juli er. stattfindende Excursion wird für den Besuch des Parks von Babelsberg und Glienecke gestimmt. Herr Drawiel meldet Herrn Gärtnereibesitzer Belig in der Boxhagenerstrasse als Mitglied an. Die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues im August fällt aus. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 8. September 1882, Abends 7^2 Uhr, in den Keichshallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Mittel zur Vertilgung der in diesem Jahre so häufig auftretenden schädlichen Insecten. 2. Geschäftliches. ■i. Osdorfer Rieselfelder. 1 ,, . , , Ti . , . ) Referent: Hof^ärtner Hüffmann. 4. Reiseskizzen. j ^ ^72) Verschiedenes. — Versammlungskalender. Verschiedenes. Die «Gesciischnft der Gnrtcnlieundc licilin.s« fL'icrtc am 14. Angii>t d. f. ihr 39. Stiftungsfest durch eine Fahrt nnch dem neuen Kierhriuschen hinter Treptow. Die vereinigten Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht machten am 10. August eine Kxkursion nacli den SPÄTlTschen Baumschulen und besichtigten diese ca. 100 ha umfassenden Anlagen, von Herrn Si'ÄXH selber auf's freundlichste empfangen und geführt, in der eingehendsten Weise. Alle waren einstimmig der Ansicht, dass diese Baumschulen zu den ersten in ganz Europa gehören. Boden, Düngung, Wuchs, Kultur, Nomenklatur und — Sauberkeit von allem Unkraut, alles war gleich vortrefflich. Am 14. September wird man, einer Einladung der Herren MrcTZ & Co. in Steglitz folgend, deren neue Etablissements daselbst besichtigen. Reblans - Convention. Der Reichsanzeiger vom 22. fuli 1882 (Nr. 170) veröffentlicht den Wortlaut der am 3. November 1881 zu Bern geschlossenen neuen Convention, die jetzt ratificirt ist. Belgien ist derselben nachträglich beigetreten. \\ ir haben die Convention schon im Januarheft Seite 55 gebracht; unsere Uebersetzung weicht nicht w^esentlich von der officiellen ab, nur ist in Artikel 3a das Wort »terrain« mit i>Bodenfläche<; (einer offenen oder umfriedigten Pflanzung) übersetzt. Im Artikel 1 1 behalten sich die vertragschliessenden Staaten vor, s. Z. Abänderungen in Vor- schlag zu bringen. Die Ausführungsverordnungen für Deutschland werden, wie wir hören, dem Bundesrath bald nach dessen Wiederziisammentritt am 15. (Jetober 1882 vorgelegt werden. Längere Eeimfähigkeit des Samens der Rose von Jericho. Fräulein Therese SäLTZER in Eisenach schrieb uns im F'rühjahr dieses Jahres, sie habe von einer sog. Rose von Jericho (Anastatica hierochtintka, Cruciferae), die ihr verstorbener Vater 1873 auf der Wiener Weltausstellung kaufte, jetzt die Samen abgenommen und seien diese schon nach 2 Tagen aufgegangen. Später hat sie freilich manche der jungen Pflänzchen in Folge von Wurmfrass verloren, und nur eine einzige, die sie uns jetzt übersandt hat, ist gewachsen. Dieselbe hat bereits die kurzen gedunsenen, mit einer Spitze versehenen Schötchen gebildet. Versaiiniilini?::eii des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 1882. Jeden letzten Uonnerstaa: im ?iIonat, 6 Uhr. Von Octobcr bis April in der landw. Hochschule, Invalidenstr. 42. Von Mai bis September im Palmenhause des bot. Garten. (Im Sept. um 4 LTir.) Januar Februar März April Mai Juni Juli August Septbr. Octbr. Novbr. Decbr. 26 ' 23 ' 30 ' 27 ' 25 ' 29 I 27 I — ' 28 ' 26 ' 30 I 28 Sitzungen der Ausschüsse für Blumen- und (iemüsezucht. Jeden i. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 5 1 2 2 ' 6 4 I _ 1 _ , _ j _- I _ ■ 2 I 7 Sitzungen der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht. Jeden 2. Donnerstag im Monat, 6 Uhr, Invalidenstr. 42. (Nur von November bis Mai.) 12 99 13 II _ _ _ _ j _ 9 I 16 Versammlungen der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins 1882. Jeden Freitag nach dem i. und nach dem 15. im Monat 7V2Uhr in den j>Reichshalleni, Leipzigerstr. 77, Im Sommer statt der zweiten Monatsversammlung eine E.xcursion. 61 3|3|i4| 5| 2| 7| 4| 81 61 3|8 20 I 17 I 17 I 21 I 19 I 16 I 21 I 18 22 20 I 17 I 22 VERHANDLUNGEN des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirten Bogen, um dieselben am Sohluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 4. August 1882. (Reichshallen, Leipzigerstr. 77). Nach Verlesung des Protocolls der vorigen Sitzung eröffnete der Vorsitzende die heutige Sitzung mit der Trauerbotschaft von dem Heimgange des um den Obstbau in Deutschland so hochverdienten Herrn Dr. Lucas. Um das Andenken des Heimgegangenen zu ehren, erhoben sich die Erschienenen von ihren Sitzen. Eingegangen war das Programm der vom 26. — 28. August in Weissensee stattfindenden, von dem Vereine der Gärtner und Gartenfreunde für Weissensee und Umgegend veranstalteten J^lumen-Ausstellung, und circulirte die Offerte der chemischen Blumendünger-Fabrik von Eduard Naumann in Cöthen, mit Angabe betr. Fabrikpreise sowie Gebrauchsanweisung des Blumendüngers. Ueber den Statutenentwurf sowie Aufruf zum Beitritt der »freien geistigen Vereinigung der gesammten Gärtnerwelt«, und den gleichen Zwecken huldigenden Aufruf der Garten-Gesellschaft »Feronia« zu Dresden, glaubt man aus dem Grunde zur Tages-Ordnung übergehen zu können, dass nachgerade genug gärt- nerische Vereine existiren, die sich den Schutz und die Förderung der gärtnerischen Interessen Ernst sein lassen. Bei Mittheilung dieser Anschreiben wurde aus der Versammlung an den Vorsitzenden die Frage gerichtet, bei welchem Ressort die Gärtnerei die Ver- tretung ihrer Interessen zu suchen habe, als Gewerbe bei dem Ministerium tür Handel und Gewerbe, oder als Zweig der Landwirthschaft bei dem Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten? Vorsitzender beantwortet diese Frage dahin, dass die Gärtnerei ihre Vertretung bei dem letzteren fände, was schon daraus hervorgehe, dass als Vertreter der gärtnerischen Interessen Herr Schmidt aus Erfurt in das Landes-Oekonomie-KoUegium gewählt sei, an welchen unter Umständen sich zu wenden es jedem Gärtner frei stehe. Ausgestellt hatte Herr Eggebrecht eine ziemlich umfangreiche Schaale mit Nertera depressa, die durch ihre orangerothe nach Tausenden zählenden Beeren einen reizenden Effekt hervorruft. Ueber die Kultur dieser Rubiacee liess sich Aussteller fast in derselben Weise wie früher aus. Herrn Eggebrecht stattete der Vorsitzende den Dank der Gesellschaft ab. Das von dem Comite zur Feier des Stiftungsfestes vorgelegte Fest-Programm wurde von der Gesellschaft angenommen. Herr Späth berichtete darauf über den augenbUcklichen Stand der für das Jahr 1883 im April geplanten grösseren gemeinsamen Garten- etc. Ausstellung und richtete schliesslich an die Anwesen- den die Frage, ob sich wohl Jemand bereit finden möchte, englische Rosen zum Treiben zu übernehmen, um auf diese Weise endlich einmal auf einer Berliner Ausstellung Rosen vertreten zu sehen, wie solche die enghschen Ausstellungen 9 /-.\ Tagesordnungen. — Winter-Ausstellung. zieren. Da für heute Niemand diese Frage beantworten kann, sieht Fragesteller späteren Anerbietungen entgegen. Die auf der heutigen Tages-Ordnung stehende Fragen: »Ueber Mittel gegen die in den Gärtnereien sich geltend machenden schädlichen Insekten, nament- lich rücksichtlich der Rosen« und die auf der Tages-Ordnung vom 8. September stehende Frage: »Mittel zur Vertilgung der in diesem Jahre so häufig auftreten- den schädlichen Insekten« decken sich zum grossen Theil und werden daher in dem Sitzungs-Protokolle vom 8. September er. näher erörtert werden. Der in der Juli-Sitzung von Herrn Drawiel jr. angemeldete Herr Gärtnerei- besitzer Belig in der Boxhagenerstrasse wird als Mitglied der Gesellschaft pro- klamirt. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues Donnerstag den 28. Septeniber 1882, Nachmittags 4 Uhr, im ralmenhause des kgl. botanischeu (Jartens. 1. Eignet sich der italienische Riesen-Blumenkohl für Norddeutschland? 2. Bericht über die grosse Ausstellung des Verbandes italienischer Gartenbau- Vereine in Turin vom 8.— 17. September d. J. 3. Bericht über die Jubiläums-Ausstellung in Bremen. 4. Verschiedenes. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 6. October 1882, Abends 7'/2 Uhr, in den Reiclishallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Beschlussfassung in Angelegenheit der Haide-Erde. 2. Geschäftliches. 3. Reiseskizzen. Herr Hoffmann. 4. Osdorfer Rieselfelder. (Bericht und Vorlage der Commission.) Grosse Winter-Ausstellung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten vom 19. bis 21. Januar 1884. Programm für die dritte vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten vom 19. — 21. Januar 1884 zu veranstaltende dreitägige grosse Ausstellung solcher blühender Pflanzen, welche gute Bouquetblumen liefern oder als Marktpflanzen zu verwerthen sind, desgl. ab- geschnittener frischer Blumen, bunter Blätter, Farnwedel etc. für Bouquets, sowie Arrangements aus solchen, getriebenem Obst und getriebenem Gemüse. I. Ehrenpreise (falls diese, wie zu erhoffen, s. Z. bewilligt werden sollten). I. Für die hervorragendste Leistung, die goldne Medaille S. Maj des Kaisers. Winter-Ausstellung. (tO 2. Für die zweitbeste Leistung, der Preis Ihrer Majestät der Kaiserin. 3. Für Flieder die grosse silberne Medaille für Leistungen im Gartenbau vom Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten. 4. Für Amaryllis desgl. 5. Für Nelken desgl. 6. Für Cyclamen die kleine silberne Medaille des Ministeriums für Landwirth- schaft etc. 7. Für Eucharis desgl. 8. Für. Poinsettia desgl. 9. Für Veilchen die broncene Medaille des Ministeriums für Landwirthschaft etc. 10. Für Reseda desgl. 11. Eür Eriken desgl. 12. Für getriebenen Spargel desgl. 13. Für getriebene Champignons desgl. II. Vereinspreise. A. Blühende Pflanzen. 1. Für reichhaltige Zusammenstellungen verschiedener Pflanzen (Topfgewächse, Gehölze, Rosen, Stauden, Orchideen, Zwiebelgewächse) i. Preis i goldene Medaille und 100 Mark Geldpreis. 2. Preis i grosse silberne Medaille und 50 Mark Geldpreis. 2. Für getriebene Rosen in vorzüglicher Kultur in 12 Exemplaren und 6 Sorten, mit richtigen Namen i. Preis i goldene Medaille und 100 Mark Geldpreis. 2. Preis I grosse silberne Medaille und 50 Mark Geldpreis. 3. Für 6 Exemplare Rosen i. Preis i grosse silberne Medaille und 50 Mark Geldpreis. 2. Preis i grosse silberne Medaille. 4. Für Neuheiten in einem oder mehreren Exemplaren i. Preis i grosse silberne Medaille und 30 Mark Geldpreis. 2. Preis i grosse silberne Medaille. 3. Preis i kleine silberne Medaille. 5. Für ältere bisher nicht genügend im Handel verbreitete blühende Pflanzen in einem oder mehreren Exemplaren i. Preis i grosse silberne Medaille. 2. Preis i kleine silberne Medaille. 6. Für eine Gruppe Bouvardien i kleine silberne Medaille. 7. Für eine Gruppe Remontant-Nelken 30 Mark Geldpreis. 8. Für eine Gruppe Prim. chinens. i. Preis i grosse silberne Medaille. 2. Preis i kleine silberne Medaille. 9. Für eine Gruppe Veilchen i. Preis 20 Mark Geldpreis. 2. Preis 15 Mark Geldpreis. IG. Für eine Gruppe Maiblumen i. Preis i grosse silberne Medaille. 2. Preis I kleine silberne Medaille. 11. Für eine Gruppe Hyacinthen, Tulpen etc. i. Preis i goldene Medaille. 2. Preis I grosse silberne Medaille. 12. Für eine Gruppe Cinerarien 30 Mark Geldpreis. 13. Für eine Gruppe Zwiebelgewächse (sog. Cap-Zwiebeln) i kleine silberne Medaille. 14. Für eine Gruppe Citrus chinensis. i grosse silberne Medaille. 15. Für eine Gruppe Azaleen i. Preis i goldene Medaille. 2 Preis i grosse silberne Medaille. (76) Winter- Ausstellung. i6. Für eine Gruppe Rhododendron i grosse silberne Medaille. 17. Für eine Gruppe Camellien i grosse silberne Medaille. 18. ]'"ür eine Gruppe Cyclamen 30 Mark Geldpreis. 19. Für eine Gruppe Gardenien i grosse silberne Medaille. 20. Für eine Gruppe getriebener Stauden i grosse silberne Medaille. 21. Für I Sortiment getriebener Sträucher i. Preis i goldene Medaille. 2. Preis I grosse silberne Medaille. 22. Für Luculia gratissima i grosse silberne Medaille. 23. Für gemischte Gruppen blühender Pflanzen i. Preis 1 grosse silberne Medaille. 2. Preis I kleine silberne Medaille. 3 Preis i broncene Medaille. 24. Für Schaupflanzen 3 Preise, i grosse silberne, i kleine silberne und eine broncene Medaille. B. Abgeschnittene Blumen, Farnwedel, bunte Blätter etc. 25. Für abgeschnittene Rosen mit langen Stielen und richdgen Namen i. Preis I grosse silberne Medaille und 30 Mark Geldpreis. 2. Preis i grosse silberne Medaille. 26. Für abgeschnittene Blumen, bunte Blätter, Farnwedel, Bindegrün, Beeren und andere Pflanzentheile, die sich zum Binden eignen, von jeder Sorte I Dutzend i. Preis i grosse silberne Medaille. 2. Preis eine kleine silberne Medaille. 3. Preis i broncene Medaille. C. Für Arrangements aus Blumen. (Iniportirte Blumen aus Italien und Südfrankreich sind ausgeschlossen.) 27. I. Preis I goldene Medaille. 2. Preis i grosse silberne Medaille. 3 Preise ä I kleine silberne Medaille, 4 Preise ä i broncene Medaille. D. Für getriebenes Obst und Gemüse. 3 Preise: i grosse silberne, i kleine silberne und i broncene Medaille. Ausfallende Preise stehen bis zum Gesammtwerthe von 500 Mark zur Ver- fügung der Preisrichter. Allgemeine Bedingungen. 1. Die Betheiligung an der Ausstellung steht sowohl Mitgliedern des Vereins wie auch Nicht- mitgliedern frei. 2. Alle ausgestellten Pflanzen und abgeschnittenen frischen Blumen etc. müssen vom Aussteller selbst gezogen, d. h. mindestens zur Blüthe gebracht sein. Bei der Preiszusprechung ist die geographische Lage des Ortes, an welchem der Aussteller wohnt, in Betracht zu ziehen. 3. Alle auszustellenden Gegenstände müssen spätestens bis 3 Tage vor der Ausstellung bei dem Ordner, unter Angabe des erforderlichen Raumes, angemeldet werden. 4. Die Einlieferung der Ausstellungs-Gegenstände muss am Tage vor der Ausstellung bis Nach- mittags 4 Uhr erfolgen. Abgeschnittene Blumen, Blätter etc. können noch am Eröffnungs- tage der Ausstellung bis Morgens 9 Uhr eingeliefert werden. 5. Jeder Aussteller hat an den Ordner ein doppeltes Verzeichniss seiner Ausstellungs-Gegen- stände einzureichen und kann seine Firma sofort an denselben anbringen. 6. Die Preisvertheilung findet -durch 7 vom Vorstand später zu ernennende Special-Sachverständige statt, von denen schon 5 beschlussfähig sind. 7. Kein Aussteller darf zugleich Preisrichter sein. 8. Die ersten Preise dürfen nur für ganz hervorragende Leistungen zugesprochen werden. 9. Der Name des Ordners und das Lokal der Ausstellung wird später bekannt gemacht werden. VERHANDLUNGEN .!es Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kg!. Preuss. Staaten un.i Jei- Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GAKTEN-ZEITDNG" auf besonders paginirten Bogen, um dieselben am Schluss jedes Bandes im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Oartcn-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. 659. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 27. Juli 1882. Den Vorsitz führte der Direktor, Herr Wirkl. Geheimer Rath Dr. Sulzer, Excellenz. 1. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Ein- wendungen dagegen nicht erhoben. IL Ausgestellte Pflanzen. Herr Gaerdt führte aus dem Borsig'schen Garten vor: i. Haemanthus puniceus Z. , eine fast vergessene alte A/naryllideae vom Kap, die sich unter Umständen auch als Winterblume eignet. — In der Flora zu Charlottenburg blüht sie z. B. immer im Winter. 2. Ixora coccinca L. (Rubiacee) aus Ostindien, ebenfalls eine ältere Pflanze, die ganz besonders in England und Russland beliebt ist. Eeider wächst sie langsam und wird bei uns wohl kaum Marktpflanze werden, obwohl sie in Eng- land auf den Blumenmärkten verkauft wird. 3. Eine reiche Auswahl abgeschnittener Nyinphaeeii ; darunter die herrliche tief dunkelblau blühende N. zanzibariensis Casp., von der in der Gartenzeitung 1882 Heft I eine leider nicht entfernt die Schönheit der Blume wiedergebende Abbildung geliefert wurde. Ferner die blasser blau gefärbte N. madagascariensls D. C?; sodann die von C. BoucHß zuerst gezogenen Kreuzungen von iV; rubra und N. dentata in schönen Exemplaren etc. Als besonders merkwürdig ist eine Prolifikation bei N. stellata W. zu verzeichnen. Diese bildet nämlich seit dem vorigen Jahre bei Herrn Gaerdt häufig auf der Oberseite der Laubblätter von dem Centralpunkt der Nerven ganz verkürzte Achsen aus, die 6 — 10 klei- nere Blumen und zahlreiche Blätter und Wurzeln tragen ; die Wurzeln entwickeln sich an der Basis dieser Achse, also oberhalb (nicht unterhalb) der Spreite des Hauptblattes. — Der Gegenstand wird noch durch Abbildungen in der Garten- zeitung näher erläutert werden. Herr Gaerdt bemerkte weiter, dass die JVy/np/iaeen im Teiche des Borsig'- schen Gartens, der mit dem warmen Wasser aus der Fabrik gespeist wird, so üppig wüchsen, dass sie gar nicht dazu kommen, Knollen anzusetzen oder im besten Falle die Knollen so weich bleiben, dass sie nicht den Winter über dauern. Er müsse deshalb sie immer von Neuem beziehen und verdanke sie stets dem hiesigen botanischen Garten. Herr Perring machte unter den vielen schönen vom botanischen Garten ausgestellten Pflanzen besonders aufmerksam auf Cereus nycticalus Link, Mexiko, die sogenannte Prinzessin der Nacht, welche sich von der Königin der Nacht, Cereus grandiflorus Mill. Antillen, dadurch unterscheidet, dass sie rundere Stengel, nicht so viele Stacheln (die schwärzlich, nicht gelbhch sind) und weniger wohl- riechende, rein weisse, nicht aussen gelbliche Blumen hat; ferner auf Bauera /«gl 659. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. rubioides Andr., einen zu den Saxifragaceen gehörigen Strauch aus AustraHen, der 3 mal im Jahre seine schön purpurrothen Blumen entfaltet, im Winter, im Frühjahr und im Nachsommer; er empfiehlt sich ganz besonders als Winterblüher. — Struthiola Hneariloba Meissn. blüht ebenfalls 3 mal, aber nicht so schön; Tro- cheüa Erythroxylon Benth. von St. Helena, Strauch aus der Familie der Bütt- neriaceen, mit wenigen grossen, weissen Blumen; Lechenaultia formosa R. Br., sehr schön, früher viel als Schaupflanze gezogen; Begonia corollina, blüht schon als .kleine Pflanze recht hübsch, Blumen klein; Tillandsia stricta, Weine Axt, T. Saun- dersii wegen der hübschen Blätter interessant, endlich auf Orchis globosa L. und andere Alpenpflanzen. 5. Herr Lackner übergab Blüthenzweige der neuen Ceanothus- Axt ;Gloire de Versailles«, die der Verein von Lemoine in Nancy hatte kommen lassen. Es war ein kleines Pflänzchen, das sich jetzt zu einem Busche von circa i /// Durch- messer und I >ii Höhe entwickelt hat. Seit 3 Wochen ist er über und über mit blaulila Blüthenrispen bedeckt und verdient diese Sorte in vollstem Masse empfohlen zu werden. — Selbst als kleine Solitärpflanze dürfte sie sich hübsch machen. Besonders passt sie auch wegen der langen Rispenstiele zu Boucjuets, zumal die Blumen nicht leicht abfallen. Zur Treiberei dürfte sie sich aber wohl schwerlich eignen. In einem Ueberwinterungsschuppen (sog. Japan) ausgepflanzt, hat sie bei Herrn Lackner ausgehalten; bei Herrn C. Mathieu ist sie dagegen im vorigen Winter erfroren. Herr Brandt, auf dessen Empfehlung hin der Verein sie hatte kommen lassen, fügte noch hinzu, dass sie bei ihm bereits im vorigen Jahre geblüht, dass aber die Exemi)lare, die er in Versailles beim Nachfolger von Herrn Moser gesehen, seiner Erinnerung nach noch dunkler blau gewesen wären. in. Von mehreren Seiten war angefragt, in welchem Mischungs-Verhältniss die von politischen Zeitungen empfohlene Düngung mit Salpeter und Gyps zur Champignonzucht bereitet werden müsse. Genaue Auskunft konnte nicht gegeben werden, im Allgemeinen fand man es sehr erklärlich, dass Salpeter (Stickstoff enthaltend) die Entwickelung der Pilze fördern werde, vielleicht auch etwas der Gyps. Dass man aber allein in einem Gemisch beider, ohne Stalldünger, mit Vortheil Champignons ziehen könne, sei wohl kaum glaublich. Bei dieser Gelegenheit wurde auf einen ziemlich pomphaften Prospekt über Champignon -Zucht vom Ingenieur und Fabrikanten Jos. Nepp in Prenzlau hin- gewiesen. Wenn nun auch die daiin angeführten Erträge der Pariser Champignon- Kulturen vielleicht etwas hoch gegriften sind, so ist es doch unzweifelhaft, dass in Deutschland die Champignonzucht noch weit mehr als Specialität betrieben werden könnte. — Ob und mit welchem Erfolge Herr Nepp bereits Anlagen nach seinem System (Pulsion und Aspiration der Luft) ausgeführt, war Niemandem bekannt. Ferner wurde auf die Zucht von Pilzsporen (Samen) aller Art des Herrn Rössel in Dresden aufmerksam gemacht. Dieser gewinnt nicht nur vom Cham- pignon, sondern auch von Morcheln, Steinpilzen etc. die Sporen und verkauft sie. Seine Schrift über künstliche Pilzzucht ist leider verhältnissmässig sehr theuer und zugleich sehr mystisch. Die Sache selbst verdient aber die vollste Beachtung. Ein Ersuchen des Flerrn L. Naumann, Köthen- Bahnhof, von Vereinswegen vergleichende Versuche mit seinem Blumendünger anzustellen, wurde nach längerer 659- Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. (VO) Debatte abgelehnt, indem man der Ansicht war, dass für die eigentlichen Gärt- ner diese Geheimmittel zu theuer seien, dass aber jeder Laie die Versuche selber anstellen könne. Der Verein erklärte sich hierbei nochmals dafür, dass bei derartigen Blumendüngern der Gehalt an Stickstofif, Kali und Phosphorsäure etc. angegeben sein müsse, ähnlich wie das der Landwirth verlange. — Dass in einzelnen Fällen künstlicher Dünger gar nicht wirken soll, wie Herr Hüttig beobachtet zu haben glaubt, erklärte Herr Lackner dadurch, dass der betreffende Boden vielleicht an und für sich schon sehr reich war. Herr Schwarzburg betonte, dass der Gärtner vor allen Dingen auch seine Giesswasser imtersuchen lassen müsse. Leider wären für gärtnerische Zwecke erst wenige Versuchsstationen vorhanden. — Herr Lackner hielt eine chemische Untersuchung des Bodens bei den verschiedenen Mischungen der Erde in der Gärtnerei für viel schwieriger als in der Landwirthschaft ; die empirischen Ver- suche seien das beste Mittel, um zu erfahren, was gerade auf dem betreffenden Boden am Besten gedeiht. IV. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Berathung über einen modificirten Antrag der Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht vom 13. Juli. Der- selbe lautet: »Der Verein wolle Se. Excellenz den Herrn Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten bitten, versuchsweise zunächst in der Provinz Brandenburg von Staatswegen einen praktisch erfahrenen Provinzial- Garten-Lispektor anzustellen.« In der Motivirung wurde hervorgehoben, dass die Hoffnungen, durch Kreis- gärtner den in einzelnen Gegenden noch so sehr darniederliegenden Obstbau zu fördern, sich nur zum Theil verwirklichen würden, wenn diese Kreisgärtner zugleich einer Kreisbaumschule vorstehen ; denn gerade zu der Zeit, wo sie von den Kreiseingesessenen in Anspruch genommen werden, haben sie in ihrer Baumschule selber sehr viel zu thun. Andererseits sei es auch wohl nicht zu erwarten, dass durch das Institut der Wandergärtner Erfolgreiches erzielt werden würde. Trotz der aufopfernden Fürsorge, die von den Begründern dieser Institution in der Mark kundgegeben, sei es nicht möglich, die Wandergärtner das ganze Jahr zu beschäftigen; in Folge dessen fänden sich nur junge Leute, die solch eine Stelle in Ermangelung eines Besseren übernehmen. Oft fehlt ihnen auch die nöthige E^rfahrung, vor • allem besitzen sie aber nicht die nöthige Autorität und werden meist von Denen, die ihre Hülfe in Anspruch nehmen, als Tagelöhner angesehen. Soll wirklich Nutzen geschaffen werden, so muss es ein erfahrener, praktisch- und theoretisch gebildeter Gärtner sein, der vom Staate angestellt ist und nicht von dem Einzelnen abhängt. Er muss h'ei sein von der Sorge um die eigene Baumschule und das ganze Jahr den Behörden, Kreisen und Gemeinden etc. zur Verfügung stehen. Seine Hauptaufgabe würde sein, bei Anlage neuer Chausseen und Vicinalwege mit Rath und That zur Hand zu gehen, die Aus- wahl der zu pflanzenden Bäume, ob Wild- oder Obstbäume, die Sorten, die Art der Pflanzung, des Schnittes etc. zu bestimmen sowie auf die Mängel der be- stehenden Pflanzungen aufmerksam zu machen. Daneben müsste er dann An- weisung zum rationellen Schnitt der Bäume geben, ohne aber selber diese Ar- beit für ganze Gärten oder gar Chausseen auszuführen. Wenn die Zeit es ge- 10* /gQ\ 659. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. stattet, könnte er ausserdem Vorträge in den Gemeinden halten, andere An- lagen, z. B. Spargelkulturen, Schulgärten anlegen und dieselben inspiciren. Herr Lindemuth bemerkte, dass im Regierungs- Bezirk Cöln die Gemeinde der Schule ein Terrain von 4 ar zur Verfügung stellen muss, dass dies aber nur da geschieht, wo sich der Schulinspektor dafür interessirt. Im Kreise Sieg habe er auf Veranlassung des Schulinspektors Vorträge gehalten und gute Er- folge erzielt. Nach längerer Debatte wurde dieser Antrag angenommen und die vereinigten Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht mit der Abfassung des Gesuches und ausführlicher Darlegung der Motive beauftragt, zugleich wurden sie ersucht die Herren Hüttig und Lindemuth hinzuzuziehen. V. Herr Ferring bat, in den Sprechsaal der nächsten Nummer die Frage aufzunehmen: »Emi)fiehlt sich der italienische Blumenkohl für Norddeutschland?« So viel er wisse, habe man bisher damit keine gute ^Erfahrungen gemacht, er sei wenigstens später als der Erfurter. Herr Klar bemerkte, dass er bedeutend grösser werde, aber auch lang- samer wachse. Herr Lubatsch hat vom italienischen bisher keine nennenswerthen Erfolge gehabt, dagegen gab der algierische bessere und der Frankfurter Riesen-Blumen- kohl die besten Resultate. Letzterer muss im März im warmen Kasten aus- gesäet und im Mai verpflanzt werden. Bei fruchtbarem Wetter entwickelt sich die Blüthe bald, einige Köpfe ziehen sich aber bis Oktober damit hin. Man kann sie aber in dem Falle ausziehen und in einem kalten Kasten einpflanzen, wo dann noch die Blüthen sich ganz gut entwickeln. Der Same des italienischen Blumenkohls, den er dies Jahr von Dammann & Co. in Portici bei Neapel durch Vermittelung von Prof. Wittmack erhalten, sei erst spät angekommen und konnten die Pflanzen erst im Juni ausgepflanzt werden; sie berechtigen aber bis jetzt zu den besten Hoffnungen. Aehnlich ist es bei Herrn NEUKiRCH-Pankow. '^■■) Herr Wredow bemerkte, dass nach dem Artikel des Herrn Sprenger im 8. Heft der Gartenzeitung der Blumenkohl in Neapel im Spätsommer und Herbst gesäet und dann im März und April geerntet zu werden scheine. In der grossen Sommerwärme würde er bei Neapel gewiss nicht gedeihen. Herr Lubatsch säet" seinen Blumenkohl ebenfalls ¥Lnde August und hat dann, ebenso wie vom Weiss- und Rothkohl viel früher Köpfe. Der Frankfurter Blumenkohl hat übrigens den späten Frost in diesem Früh- jahr nicht ertragen, der Erfurter Zwerg ganz gut. Die Diskussion soll in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. VL Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 1. Herr Gärtnereibesitzer R. Moncorps, Berlin. 2. -^^ Kunst- und Handelsgärtner Tubbenthal, Charlottenburg. 3. > Obergärtner Haeckel, Alsen. 4. » Kommerzienrath Schering, Charlottenburg. 5. » Kunst- und Handelsgärtner C. Louran (Firma Posse), Düsseldorf. '•') Herr Neukirch legte in der Sitzung der vereinigten Ausschüsse für Blumen- und Ge- müsezucht vom August wahre Riesenexemplare des ÜAMMANN'schen Kohles von vorzüglicher Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. f8l^ Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Verhandelt Berlin den 8. September 1882. (Reichshallen, Leipzigerstr, 77.) In Vertretung des anderweitig behinderten Vorsitzenden leitete der dritte Vorsitzende Herr Garten-Inspector Wredow die heutige Versammlung. Derselbe Hess das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen, welches, da gegen den Inhalt kein Widerspruch erhoben, dem Protokollbuche einverleibt wurde. Herr Wredow meldete als neue Mitglieder Herrn Gärtnereibesitzer C. Rohrbeck, Oranienstr. 188 und Herrn t^isenmöbelfabrikant C. Schulz, Lindenstr. 105 an. Darauf in die Tages-Ordnung tretend, beschäftigte man sich eingehend mit der Frage: »Welche Mittel sind gegen die Blutlaus anzuwenden?« Die gefahrvolle Bedeutung dieses Insectes, welches an dem blutrothen Kern mit wolligem, schneeweisem Kleide zu erkennen ist, beweisen z. lli. die in vielen Fachschriften und Zeitungen niedergelegten Mittel gegen dasselbe. Indem die Blutlaus die Rinde der zarten Zweige des Apfelbaumes mit ihrem Rüssel durchbohrt, um den Saft auszusaugen, entstehen jene Narben, brandige Stellen und zuweilen selbst der Krebs an den betreffenden Stellen des Baumes. Nach Taschenberg's Entomologie erscheinen im Spätherbst die geflügelten Weibchen, welche nach der Begattung ihre Eier an den Wurzelkopf der befallenen Bäumchen legen. Von hier aus kriechen im nächsten Frühlinge die ausgeschlüpften Jungen immer höher hinauf und treiben ihr Unwesen den Sommer hindurch bis in den Herbst hinein auf vorangegebene Weise. Neben dieser Vermehrungsart sollen indess auch einzelne Individuen der Blattlaus überwintern. Da sehr häufig die jungen Apfelbäume in den Baumschulen (die Bludaus zieht die feinen Obstsorten den wilden Stämmchen vor) an den Verheerungen dieser Aphis*) zu leiden haben, ebenso aber auch die einzelnen werthvollen Obst- sorten der Obst- und Hausgärten von diesem Insect heimgesucht werden, dürften wohl die Mittel zur Vertilgung des Feindes am Apfelbaum, welche in entomolo- gischen Werken etc. angegeben, hier Erwähnung finden. Dennoch wird es Sache der Obstbaumbesitzer sein, zu prüfen und s. Z. zu veröffentlichen, mit welchen Mitteln erfolgreich gegen das mehrerwähnte Insect vorgegangen ist. In Taschenberg's Entomologie (187 1) finden sich folgende Mittel angegeben: 1. ca. 2 Loth Terpentinöl, 2 Pfund getrocknete und gesiebte Thonerde mit 4 Quart Wasser vermischt, zum Bespritzen der befallenen Zweige zu benutzen; Bestreichen ist sicherer. 2. Gasrückstand mit Wasser vermischt in dem Verhältniss von i zu 25, also stark verdünnt, gleichfalls zum Bestreichen (resp. Spritzen) empfohlen. 3. Da die jungen Thiere, von dem Stammgrunde im ersten Frühjahre in die Höhe kriechen, so lassen sie sich durch Theerringe fangen und tödten. 4. Im Herbste um die Bäume ausgelegtes Moos benutzen die Eier legenden Weibchen, um hier ihre Eier in Sicherheit zu bringen. Durch Verbrennen desselben im ersten Frühjahre wird viel Brut vertilgt, nur muss das Einsammeln des Mooses alsdann mit Sorgfalt erfolgen. Qualität vor. Ebenso Herr Lubatsch in der Versammlung am 28. Septbr. Ueberhaupt sind inzwischen alle Urtheile über denselben sehr günstig ausgefallen. S. nächste Nummer. Red. *) Es ist dies irrthümlich als Aphis bez. Insect = Schizoneura lanigera Hausm., Blutlaus oder wolltragende Rindenlaus, Refer. (82) Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. In Dr. Frank's Handbuch »die Krankheiten der Pflanzen« geschieht der sub 1 bis 4 aufgeführten Mittel ebenfalls Erwähnung. In No. 34 der Sonntagsbeilage zur N. A. Z. d. d. 20. August c. wird seitens der Königl. Lehranstalt für 0])st- und Weinbau in Geisenheim naclifolgendes Mittel gegen die Bludaus als unbedenklich und vorzüglich wirkend anempfohlen: 50,^ schwarze Seife, 100 ^i,»- Fuselöl, 200 ^i,'' Weingeist und 650^^ Wasser zu- sammen gemischt. In der Wochenbeilage No. 13 der »Post« d. d. 12. September c. finden sich nachstehende Mittel angegeben: »Das einfachste Mittel ist das wiederholte Abwaschen des ganzen Baumes, d. h. des Stammes, der Aeste und der befallenen Zweige mit Weingeist, oder auch mit einer Mischung von i kg Alaun, 2 kg Soda imd 15 /Wasser; auch das Bespritzen des Baumes mit einer Mischung von 16 g Oxalsäure und i / Wasser wird empfohlen; nach dem Laubfalle kann man auch heisses Wasser anwenden oder das Abwaschen mit Seifenwasser mit 5 pCt. Petroleum. Gleichzeitig sollte man aber stets den Erdboden unter der Krone einen Spatenstich tief ausgraben und diese Erde reichlich mit gelöschtem Kalk ver- mengen.« Das von der Lehranstalt in Geisenheim angegebene Mittel ist höchst wahr- scheinlich das sogen. »NESSLER'sche«. Herr Hoffmann bemerkt hierzu, dass Herr Lucas — wie er sich gelegentlich eines Besuches der LuCAs'schen Obst- gärten überzeugt, dieses Mittel mit Erfolg gegen die Blutlaus anwendet. Von einer Verwendung mit Petroleum ist — wie die Erfahrung gelehrt — abzurathen, oder nur in sehr verdünntem Zustande. Jedenfalls sj^ielt das Fett und je schlechter desto wirksamer, das beste Mittel gegen die Blutlaus. Herr Wredow hat in Gärten durch das wiederholte Bespritzen der Obst- bäume mit reinem Wasser gute Erfolge gegen das Insect erzielt. Von dem mehrerwähnten Zerstörer der Obstbäume gar keine Notiz zu nehmen und denselben schalten und walten zu lassen, sofern Apfelbäume, die Jahre lang von der Blutlaus befallen, sich mit einem Male ohne weiteres Zuthun später frei von derselben zeigten und wie früher freudig fortwuchsen und Früchte trugen, ist nicht rathsam. Es erscheint nur angezeigt, bei der Anwendung von Mitteln gegen schädliche Insecten sehr vorsichtig zu Werke zu gehen, da leicht durch zu starke Dosen der Obstbaumbesitzer mit dem Verschwinden der Insecten den Verlust seiner Bäume zu beklagen haben würde- Ausgestellt hatte Herr Eggebrecht eiiien sehr schönen Fuchsiensämling. Dieser, durch reicheres Blühen und schönen gedrungenen Bau von der Mutter- pflanze sich auszeichnend, war aus Saamen von »Schneewittchen« gefallen. Herr Eggebrecht zeigte ferner an einem reichbewurzelten Stecklinge von Puiiica granatum, wie man am schnellsten und sichersten dadurch, dass man Granatenzweige in Wasser stellt, in den Besitz bewurzelter Stecklingspflanzen gelangt. Herr Weber (Lichtenberg) legte einige Tomaten (Präsident Garfield) vor und empfiehlt diese besonders reichtragende Art. Herr Neumann (Schöneberg) hatte eine schöne blühende » Tritoma Mac' Owanii mitgebracht, welche durch ihr willigeres und reichlicheres Blühen den Vorzug vor der Tritoma iivaria verdient. Tagesordnungen. (83] Der Vorsitzende dankte den Herrn Ausstellern. Herr Hoffmann sah sich durch ein Schreiben der König]. Forstverwaltung veranlasst, wieder auf den Bezug der Haideerde aus dem Grunewald zurück- zukommen und schlägt vor, über diese Angelegenheit noch einmal gründlich in den Vereinen zu verhandeln. Als Ersatz für die Grunewalder Haideerde wurde Torfstreu, sowie die auf dem Bahnhofe Wusterhausen zu beziehende Erde vorgeschlagen, auch stellt der als Gast anwesende ßaumschulenbesitzer Herr Gärtner zu Zechlin den Herren Gärtnern anheim, von seinem Territorium Erde zu beziehen, von der er glaubt, dass sie die Grunewalder Erde ersetzen dürfte; er selbst habe mit derselben in jeder Beziehung günstige Erfolge erzielt. Zur Vorbereitung dieser Angelegenheit für unsern Verein werden die Herren Hoffmann, Grass und Weber gewählt. Die Frage wegen der Rieselfelder bleibt, da die Ansichten hierin augen- blicklich noch weit auseinander gehen, ferneren Besprechungen vorbehalten. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues Donnerstag den 26. October 1882, Abends 6 Uhr, in der Kgl. laudirirtlischaftlichen Hochschule, luvalidenstr. 42. 1. Vorlage der zu Versuchszwecken gebauten Kartofteln und Bericht. 2. Vorlage der in der Kgl. Gärtnerlehranstalt zu Versuchszwecken gebauten Kohlrüben und Bericht. 3. Vorlage von siebenbürgischem Obst. 4. Vorlage schwedischer Harken und Etiketten aus Pfeifenthon von Kayser und ^VIENCKE, Hamburg. 5. Wünsche's neue Methode zum Dörren von Obst und Gemüse. 6. Der Fürstlich Fürstenbergische Hofgarten zu Donaueschingen. 7. Beschluss darüber, die Versammlungen wieder Mittwochs abzuhalten. Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 3. November 1882, Abends 7^2 Uhr, in den Reichshallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Fortsetzung der Reiseskizzen. Herr Hoffmann. 2. Geschäftliches. 3. Bericht und Vorlage der Kommission für die Osdorfer Rieselfelder-Angelegen- heiten. 4. Welche Erfahrungen liegen vor bezw. der Heizung der Gewächshäuser mit Briquettes? 5. Welches ist die für Obstbäume geeignetste Etiquettirung? 6. »Einiges« über die Kultur des Rhabarbers. 7. Auf welche Weise werden Komposthaufen am zweckmässigsten zum fertigen Gebrauch für den Garten zubereitet? (^a) Eingegangene Preisverzeichnisse. Eingegangene Preisverzeichnisse. Raffai'llo Mcrcntclli in J'lorenz (Cntalogo delle Camelic, Rose, Catalogo speciale, Catalogo generale dcgli alberi ed arbusti fruttiferi ed ornamentali a delle plante da stufa e da tepidaria). — Allcssandro Ramello in Biella (Catalogo e prezzo corrente dei vegetali disponibili per Tanne i8Si). — Antonio Borsani in Mailand (Catalogo degli alberi fruttiferi). — G. Roda e Pigli in Turin (Catalogo dei vegetali). — Fratelli Ferrario in Mailand. (Catalogo dello stabilimento d'orticoltura). — Dammann & Co. in Portici bei Neapel. (Engros-Preisliste von Gemüse-, Blumen-, landwirthschaftlichen und Gehölzsamen, Blumenzwiebeln etc.). — Domenico Cerutti in Pallanza (Lago maggiore) (Stabilimento d'orticoltura c fioricoltura, supplemento al catalogo generale). — Compagnie coiitinentale d'horticulture (societe anonyme), ancienne firme J. Linden in Gent (Soneriles nouvelles). — Königlich-Prinzlich-Niederländische Baumschulen in Muskau O.-L. (ITnuptkatalog Herbst 1882 — Frühjahr 1883). — Otto Eichler in Grünberg i. Schi. (Fabrik eingelegter und gedörrter Früchte und Gemüse, Obstsiederei, Versandtgeschäft frischer Früchte, Obst-, Rosen- und Gehölzbaumschule). — Julius IToffmann in Naumburg a. S. (Herbstofferte über Blumenzwiebeln, Baumschulartikel , Fruchtpflanzen und Samen). — K. K. chemisch-phy- siologische Versuchsstation für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg bei Wien. — Wilhelm Pfitzer in Stuttgart (Rosen, holländische Blumenzwiebeln, Topf- und Freilandpflanzen, Sträucher, Beerenfrüchte und Samen). — Emil Liebig (vormals L. L. Liebig) in Dresden (Special-Kulturen von Azaleen, Camellien, Rhododendron, Eriken und Rosen) — Abraham Zimmermann in Aarau (Obst- und Zierbäume, Frucht- und Ziersträucher, Nadelhölzer, Rosen, Erdbeerpflanzen, Hol- ländische Blumenzwiebeln, Gartengeräthschaften etc ). — Auguste van Geert in Gent (Haupt- Pflanzenverzeichniss). — J. L. Schiebler & Sohn in Celle (Erdbeeren). — Obst- und Gartenbau- schule in Bautzen (Obstbäume, Rosen etc.). — Josef Radig in Ottmachau (Rosen). — Joseph Schwartz in Lyon (Rosen). — Vilmorin, Andrieux & Co. in Paris (Catalogue des ognons a fleurs et fraisiers und Semis d'automne). — Friedrich Adolf Haage jr. in Erfurt (Blumenzwiebeln, Knollengewächse etc). — Gebrüder Koch in Grabow a. O. (Stettin) (Haarlemer Blumenzwiebeln, Pflanzen für Winterflor, diverse Bäume und Sträucher). — Julius Monhaupt Nachfolger (Haar- lemer Blumenzwiebeln, Sämereien etc.). — Elhvanger & Barry in Rochester — W. C. Denzel in Schwab. Gmünd (Haarlemer Blumenzwiebeln, Knollengewächse, Samen, Bäume, Beerenobst, Zimmer- und P'reilandpflanzen etc.). — B. Müllerklein in Carlstadt am Main (Obstbäume, Beerenobst, Rosen etc.). — Christof Steinpöck in Altlengbach N.-Oestr. (Voralpen- und Alpen- pflanzen, Knollen, Zwiebeln, Stauden, wie gepresste vmd geschnittene Alpenblumen und Samen.), — J. F. Loock in Berlin NW., Friedrichsstr, loi (Bouquet- und Kranzfabrik, Kunst- und Handels- gärtnerei, Engros-Preiscourant.). — Louis van Houtte in Gent (Azaleen, Camellien , Rhododen- drons, Andromeda, Daphne, Erica, Kalmia, Laurus, Magnolia etc. etc.). — Georg W. Gaedertz in Feuerbach-Stuttgart (Obstbaumschulen). — Eid. Pynaert van Geert in Gent (Arbres, arbustes et plantes rustiques de pleine terre). — L. Trillon, Meunier & Vallet in Les Rosiers an der Loire (Samen-Offerte der neuen Ernte). — Ranieri di F. Co Pini in Livorno (Catalogo generale illustrato di sementi di cereali, foraggi, ortaggi e plante di fiori e di bulbi, radiche, e tuberi da flore etc.). — Giardino botanico della Villa Ada (Lago maggiore) (Catalogo generale e prezzo corrente delle piante da serra e da piena aria, und catalogo speciale per bulbi, cipolle, rizomi e radiche a flore). — Fernando Scarlatti in Florenz (Catalogo generale Nr. 21. Stabili- mento agrario-botanico con gran magazzino di Erbe secche da ornamento per mazzi di fiori e chirlande). — S. Kunde und Sohn in Dresden (Gartenwerkzeuge). — V. Lemoine in Nancy (Extrait du prix-courant No. 91). — Lambert u. Reiter in Trier (Obst- und Zierbäume, Rosen, Nadelhölzer und Wildlinge). — Baumschulen des Rittergutes Dauban bei Nieder-Oelsa (Förster Georg Schkade) Gehölzsämlinge). — Vilmorin, Andrieux & Co. in Paris (Gladiolus etc.) — Lambert u. Reiter in Trier (fibst- und Zierbäume, Sträucher, Rosen, Nadelhölzer und Wild- linge). — J. J. Kunze (Inhaber Franz Kunze! in Altenburg\ Engros-Preisverzeichniss von Dra- caenen, Palmen etc. für Herbst 1882. — Metz & Co., Steglitz bei Berlin, Haupt-Baumschulen- Katalog. — Kgl. Landesbaumschule zu Potsdam (Alt-Geltow), Haupt-Katalog. — Andre Leroy ses enfants succcsseurs, Angers (Maine-et-Loire), Extrait du catalogue general des pepinieres. VERHANDLUNGEN (los Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Kgl. Preuss. Staaten und iler Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Die Verhandlungen erscheinen in der „GARTEN-ZEITUNG" auf besonders paginirtcn Bogen, um dieselben am Sehluss jedes Bandes Im Zusammenhang heften lassen zu können. — Inserate für die Garten-Zeitung von Mitgliedern werden mit 15 Pfg. (statt 35 Pfg.) pro Spaltzeile berechnet, falls dieselben der Verlagsbuchhandlung von Paul Parey, Berlin SW., 91 Zimmerstr., d i r e c t übersandt werden. 660. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Berlin, 28. September 1882. Den Vorsitz führte Herr Gartenbau-Direktor Gaerdt. Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden Einwen- dungen dagegen nicht erhoben. I. Der Vorsitzende zeigte zunächst den Tod des langjährigen correspondi- renden Mitgliedes, Herrn Dr. Ed. Lucas an, und widmete dem verdienten Po- mologen warme Worte der Theilnahme. IL Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 1. Frau Rittergutsbesitzer von Brandt auf Pellen bei Zinten, üstpr, 2. Herr Rentier Joseph Dr£ge, Berlin, Lützowstr. 32. IIL Ausgestellte Pflanzen. Der Tisch war diesmal so reich gedeckt, dass kaum Raum für alle Gaben war. Auf dem Hur des Palmenhauses hatte Herr Lubatsch- Zossen Köpfe von italienischem Riesen-Blumenkohl von 25 cm, desgl. Frankfurter Riesen von sogar 34 cm Durchmesser ausgestellt. Ferner einen neuen gelben, sehr feinrippigen Wirsing (Saat aus Bernburg), der sich gut über Winter hält, einen blutrothen Riesen -Rothkohl von Doppler, Erfurt, sehr fest, und seine eigene Züchtung, verbesserte Schlangengurke, die sich auch zum Treiben sehr eignet, von 35 cm Länge, Seine Leistungen erregten nicht nur das Literesse der Fachmänner, sondern namentlich auch das der Damen, die das Palmenhaus besuchten und wurde ihm verdientermassen der Monatspreis dafür zuerkannt (Preisrichter waren die Herren G. Fintelmann, Lackner und Schwarzburg). Im Sitzungssaale selbst prangten herrliche Begonien des Herrn C. Hirt in Uelzen, abgeschnitten, in Kästen hübsch arrangirt. Es waren zum kleineren Theil einfache, zum grösseren Theil gefüllte Sorten. Als schönste Nummern no- tirten wir Nr. 131, 282, 117, 48, 126, 98 Beg. Sede/ii hijbrida plena 48, 171, Bcg. macrophjlla grandiflora Nr. 35, 65, 48, 55, 60. Ihnen wurde ein p:hrendiplom zugesprochen, zugleich aber bemerkt, dass manche der zu theuren Preisen vom Verein von Herrn Hirt bezogenen Sämlinge keine gefüllten Pflanzen oder keine hübschen Blumen geliefert hätten; auch die von anderer Seite von Herrn Klis- SING bezogenen wären nicht schön gewesen. Man dürfe aber nicht nach einem Versuche den Stab darüber brechen. Herr L. Schiebler & Sohn, Celle, hatten ein Sortiment von 30 schönen Hasel- nüssen ausgestellt. Herr NEUMANN-Schöneberg zeigte Tritoma Mac Oivaiii vor, die oft 6 Blüthen- stiele entwickelt und vor T. aurea grosse Vorzüge hat. Herr Obergärtner Haeckel hatte aus dem Garten des Herrn Geh. Kommer- zienrath Conrad in Wannsee eine Anzahl Birnen überbracht, darunter eine II /g5) 660. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. ausserordentlich grosse Clairgeau vom Hochstamm, 2 ganz verschiedene Formen von einer zweifelhaften Liegel's Butterbirn (nach Herrn C. Mathieu Herzogin von Angoul^me) von demselben Baum (Hochstamm), ferner van Marum etc. Herr Pkrring machte auf die vom botanischen Garten ausgestellten Pflanzen aufmerksam, namentlich auf Stapella de Smeet'iana, eine der schönsten Stapelien, desgl. S. asterias , kleiner und dunkler, Odontoglossum grande, eine ältere, aber immerhin eine der schönsten Arten; verschiedene Eriken in kleinen, buschigen Exemplaren ; eine neue weisse AmarijUideae, von Herrn Obergärtner Th^usch, dem Begleiter des Major von Mrchow, aus Westafrika übersandt, ähnlich wie Hyme^ nocaUls adnata Ilcrh. und mehrere Varietäten von Rochea falcata, von denen sich die var. floribunda und uiinor sehr für den Markt eignen. Herr Gaerdt bemerkte hierbei, dass Odontoglossum grande uns an einen der fleissigsten Sammler, Herrn Warscewicz erinnere, der es s. Z. eingeführt. Herr Schotte -Potsdam legte Proben der zum Versuchsanbau vom Verein bezogenen Kartoffeln nebst genauen Angaben vor und wurde auf Anregung des Herrn Dressler beschlossen, alle anderen Versuchsansteller zu ersuchen, zur Sitzung des Gemüse- und Blumenausschusses am 19. Oktober ebenfalls Proben nebst einem schriftlichen Bericht einzusenden. Herr Schotte legte ferner 3 Jahre alte, noch sehr wirksame Champignon- brut vor. Diese hatte sich s. Z. in einem Beet der warmen Abtheilung ge- bildet, das 2 Jahre für Blattpflanzen benutzt und etwa y., m hoch mit Lohe be- deckt war. Die Lohe war schliesslich aufgerissen und sollte zum Brennen be- nutzt werden. Da zeigte sich, dass sie ganz von Champignon-Mycel durch- zogen war und wurden nicht weniger als 7 Centner solcher Brut gewonnen. Er; ist also sehr leicht, sich Champignonbrut zu erzeugen, indem man in eine Gewächshausabtheilung, die während des Sommers leer steht, im Frühjahr eine Lage Mist und darauf eine Lage Lohe oder trockene Erde bringt und über Sommer liegen lässt. In diesem Jahre habe er dasselbe Beet so vollgepackt und ebenfalls schöne Brut erhalten. Herr Drawiel bemerkte, dass, wenn man Pferdedünger benutze, sich die Champignonbrut bekanntlich sehr leicht einstelle. Herr Lubatsch führt an, dass bei ihm die sonst massenhaft vorhanden gewesene Champignonbrut jetzt ganz verschwunden sei. Wahrscheinlich ist nach Herrn Drawiel zu grosse Nässe daran schuld. IV. Alsdann trat man in die Tagesordnung ein: I. Gegenstand war die Berathung der Frage: Eignet sich der italienische Blumenkohl für Norddeutschland ? Schon durch die vorgelegten vorzüglichen Köpfe des Herrn Lubatsch wurde dies bejaht. Herr Lubatsch bemerkte: Ich habe den Samen dieses Kohles vom Verein erhalten, der ihn von Daäblann & Co. in Neapel*) bezogen hat. Er kam erst spät an, so dass die Stauden erst am 6. Juni ins Freie gepflanzt werden konnten. Trotzdem hat er sich gut ent- wickelt und ist als ein entschieden früher zu bezeichnen. Der Frankfurter bildet noch grössere Köpfe**), zieht sich aber mit dem Blühen bis November hin und muss dann abgeschnitten und in einen Kasten gesteckt werden , wo sich die Köpfe dann noch ausbilden. *) Siehe Beschreibung und Abbildung »Garten-Zeitung« 1882. S. 346. **) Später erzielte Ilr. Lubatsch vom italienischen ebenso grosse Köpfe, wie vom Frankfurter. 66o. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, (8/ Herr Drawiel bestätigte ebenfalls, dass die Kulturversuche mit dem Dam- MANN'schen Blumenkohl sehr gut ausgefallen; nur zum Treiben werde er sich nicht eignen, denn die Blätter sind i tn hoch und passen also nicht unter die Fenster, als Herbstpflanze ist er vortrefflich. Herr Neuku^ch- Pankow hatte bereits in der Sitzung des Gemüse- und Hlumenausschusses am 3. August wahre Riesen-Exemplare des italienischen Blumenkohls vorgelegt und sich überhaupt sehr günstig darüber ausgesprochen. Er kommt gerade zu einer Zeit, wo der Erfurter Zwerg aufgehört hat. Herr Perring bemerkte, er habe die Frage gestellt, weil er vor einigen Jahren, allerdings auf nicht sehr geeignetem Boden, mit italienischem Blumenkohl keine guten Resultate erzielt. Jetzt sei er eines Besseren belehrt und empfehle, dass der Verein noch einmal Samen beziehe. Ausserdem empfahl Herr Gaerdt, parallel damit den sog. egyptischen zu ziehen, der nach Herrn Blume bis 2 kg schwer werden soll, vielleicht aber iden- tisch ist mit dem italienischen. Herr Drawiel bemerkte, dass man im eigenen Lande auch sehr gute Sorten habe, Herr Gaerdt habe z. 15. -von einer sich besonders auszeichnenden Staude des Erfurter-Zwerg-Blumenkohls Samen geerntet, der ganz vorzügliche Pflanzen gebe. Herrn Gaerdt ist die Sorte jetzt abhanden gekommen, nur Herr Drawiel besitzt sie noch. V. Hierauf erstattete Herr Wittmack Bericht über die grosse Turiner Ausstellung und wird derselbe im November und Decemberheft der Garten- Zeitung abgedruckt werden. Auf die Bemerkung des Redners, dass man in Norditalien das strenge Ver- bot der Einfuhr von Pflanzen ziemlich gut zu umgehen wisse und fast alle Neu- heiten daselbst besitze, entgegnete Herr Magnus, dass in Sicilien dem nicht so sei. Man habe viel dadurch zu leiden; nur eine gute Folge habe es gehabt; die grossen Villenbesitzer in Sicilien fangen an, mehr Samen-Kulturen anzustellen. Sie lassen aus allen Weltgegenden Samen kommen und dabei finden sich dann oft neue Arten, so unter Aloe in der Villa Visecker bei Palermo 2 neue Arten, die Todaro in seinem Hortus panormitanus beschrieben. Es wäre gewiss gut, auch bei uns mehr Samen -Kultur zu treiben und z. B. anstatt kostspieliger lebender Orchideen etc. deren Samen einzuführen. — Dass die Gärten Itahens oft in einem schnörkeligen Geschmack angelegt, erklärt sich nach Herrn Magnus wohl zum Theil daraus, dass sie meist an Abhängen der Gebirge liegen und der Gartenkünstler angewiesen ist, auf verhältnissmässig kleinem l'errain eine Mannichfaltigkeit herzustellen. Dazu kommt noch der andere -Lichteftekt und der meist fehlende Wald. VI. Herr Magnus hielt alsdann unter Bezugnahme auf A. Millardets Schrift*) einen Vortrag über den sog. falschen Mehlthau des Weinstocks, Peronospora viticola und schilderte namentlich auch die Wanderungen desselben nach Osten. Der Vortrag wird besonders abgedruckt werden. Ferner sprach derselbe über die sog. Wurzelfäule des Weinstocks, Pourridii oder Blanc des racines, welche gleichfalls Millardet**) genauer beschrieben. *) A. MiLLARDET, Essai sur le Mildiou. i Fr. Paris, G. Masson 1882. 9 S. 2 Holzschn. **) A. MiLLARDET, Pourridic et Phylloxera, etude comparative etc Paris, G. Masson 1882. 43 S. und 4 Tafeln. (Beide Schriften empfehlen wir den Interessenten angelegentlichst. D. R.) /gg") 660. Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. Diese Krankheit wird durch das Gewebe eines Schwammes, des Agaricus vielleus veranlasst, das in Form wurzelähnlicher Stränge (Rhizomorpha) die Wurzeln um- giebt. Von RoB. Hartig ist zuerst der Zusammenhang der Rhizomorpha mit dem Agaricus mellcus und der Schaden des letzteren für Kiefern und andere Bäume nachgewiesen. Millardet hat nun beobachtet, dass da, wo Weinfelder auf früheren abgeholzten Eichenwaldungen angelegt werden, sich nach ca. 20 jähren die Wurzelfäule zeigt. Der Pilz scheint erst in die alten Wurzeln einzudringen, deren Rinde mehr Risse zeigt. Seine Wirkungen sind leicht mit denen der Reblaus zu verwechseln, denn auch bei dieser faulen die Wurzeln, und zwar nach 2 Jahren ab. Häufig werden solche reblauskranke Wurzeln dann noch vom Pilz befallen. Gegenmittel: Entfernung der alten Pflanzen, Um- geben des befallenen Terrains mit breiten und tiefen Gräben, durch welche die Rhizomorpha nicht dringen kann. VII. Herr Brebeck fragte an, ob die bei Bordeaux neu entdeckte Krank- heit ■>>Maladic iioircs, bei welcher die Blätter schwarz werden und abfallen, während der Stock fault, identisch sei mit der Rhizomorpha. Herr Magnus konnte, ohne den Artikel gelesen zu haben, hierauf nicht antworten. — Nach Herrn Brebeck glaubt man die Krankheiten des Weins dort am besten dadurch verhindern zu können, dass man neue Anpflanzungen und zwar aus Samen, nicht aus Stecklingen macht. VIII Herr Perring legte dann aus dem botanischen Garten die interessante aufrechte grossblättrige Form der bekannten aus China und Japan stammenden Kletterpflanze Fici/x stipidata Thunbg. vor, die sich erst bildet, wenn die Pflanze sich zum Blühen anschickt. Während sonst die Zweige be- kanntlich wurzelnd resp. kletternd sind, und schief eiförmige kleine Blätter tragen, zeigen sich, wenn die Pflanze ein genügendes Alter erreicht und nament- lich da, wo sie recht an's Licht tritt und keine Gelegenheit zum Anheften mehr findet, allmählig stärkere, aufrechte fruchttragende Aeste mit viel grösseren, oval länglichen, oft etwas herzförmigen Blättern. Diese Form lässt sich (allerdings ziemlich schwer) durch Stecklinge vermehren und erhält man dann aufrechte Pflanzen, also Alles ähnlich wie beim Epheu. Solche baumartige Formen sind namentlich in Itahen häufig, so am Lago maggiore*) und Comer See, ferner an einer alten Kloster-Ruine zu Fieosele bei Florenz, wo nach Herrn Lackner eine einzige Pflanze eine ganze Wand bekleidet und die verschiedensten Uebergangsstadien zeigt; in dem Garten der Serra di Falco bei Palermo, wo nach Herrn Demäü.er eine Ruine ganz mit Ficus stipiihita bedeckt ist, der eben- falls die verschiedensten Formen darbietet. Herr Perring wies ferner darauf hin, dass entgegen der Bemerkung des Herrn Hüttig (S. 462 der »Garten-Zeitung•> Oncidium tigrinuni'i in ungefähr 150 Exem- plaren mit mehreren Hundert Exemplaren von Orchideen wie -»Lacäa ancepsa, DEpidendronn etc. aus der Heimath kommen. Diese Exemplare kamen in einem sehr verwahrlosten Zustande an, jedoch gelang es mir, dieselben durch die auf ihre Kultur verwendete Mühe und Sorgfalt so weit heranzubilden, dass es ihnen heute schwer anzusehen ist, dass sie einen so langen Transport durchgemacht haben. Protokoll der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. (90) Die Oncidien, wie überhaupt mehrere Arten von Orchideen eignen sich ganz vortrefflich zur Bouquetfabrikation und erfreuen durch ihre lange Blüthendauer und ihren feinen Duft. Bei dem Culturverfahren, welches Aussteller — beiläufig gesagt — nicht für schwieriger, als das mancher anderen Pflanze hält, habe er hauptsächlich darauf gesehen, dass die I,uftknollen nicht zu viel Feuchtigkeit erhielten, bevor sich der junge Trieb entwickelt und neue Wurzeln sich gebildet haben. Ob die Orchideen sich bei uns einbürgern und einen solchen Markt wie in England finden werden, muss die Zukunft lehren. Für Vorführung dieser höchst interessanten Blume wurde dem Herrn Aus- steller neben dem Dank der Gesellschaft der Monatspreis zuerkannt. In Betreff" des Bezuges der Haideerde aus den Grunewalder Forst formulirte Herr Hoffmann seinen Antrag dahin, die P'orstverwaltung zu ersuchen, die Haideerde von Forstarbeitern stechen und aufsetzen zu lassen und wie bei anderen Forstprodukten, es einem Jeden freizustellen, welches Quantum von dieser Erde er kaufen und von wem er dieselbe abfahren lassen will. Dieser Antrag wurde angenommen. Herr Hoffmann legte Proben der von Gebr. Arzt, Michelstadt i. Odenwald bezogenen, incl. Transport pro Pfd. 20 Pf. kostenden Hornspäne vor und machte auf die Feinheit des Fabrikates bez. Topfkulturen besonders aufmerksam. Gleichzeitig geschah von derselben Seite des Rauchverbrennungsapparates von Baumeister W. J. Wegner, Berlin, Markgrafenstr. 76 Erwähnung, sofern eine derartige Vorrichtung an den Heizungen der Gärtnereien sehr vortheilhaft erscheine. Zur näheren Besichtigung dieses Apparates wurden die anwesenden Mitglieder alsdann eingeladen. Da mit dem 20. d. M. die gärtnerischen Ex- cursionen schliessen, bestimmte man diesen Tag zu einem Besuche des bo- tanischen Museums und wird Herr Direktor Dr. Eichler ersucht werden, sich auch seinerseits mit unserm Beschlüsse wenn möglich einverstanden zu erklären. Darauf füllte Herr Hoffmann den Rest des Abends mit seinen Reise- mittheilungen aus. Herr Gärtnereibesitzer Rohrbeck und Herr Fabrikant C. Schulz wurden als Mitglieder proclamirt. Tagesordnung für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues Donnerstag den 30. November 1882, Abends 6 Uhr, in der Ka:l. laudwirthschaftliclieii Hochschule, Invalideustr. 42. 1. Vorlagen: Eine neue Bouvardia von Herrn Boettcher in Hamburg-Eimsbüttel. 2. Bericht über die in der Kgl. Gärtnerlehranstalt zu Versuchszwecken gebauten Kohlrüben. 3. Nochmalige Berathung über die Frage, ob die Versammlungen anstatt Donners- tags wieder Mittwochs abzuhalten und zwar am ersten Mittwoch im Monat. 4. Bericht des Herrn R. Brandt über die Ausstellung in Bremen. 5. Die grosse Ausstellung in Berlin vom 15. — 23. April 1883. Tagesordnung. — Verschiedenes. (qj^ Tagesordnung für die Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. Freitag, den 8. Decembcr 1882, Abends 7'/2 Uhr, in den Reichshallen, Leipzigerstrasse 77. 1. Wahl ev. neuer Mitglieder des Vorstandes. 2. Geschäftliches. 3. Vorlage der Kommission, betr. die Osdorfer Rieselfelder. 4. Zweckmässigste Eticiuettirung für Obstbäume. Borichtigimg: Der als wirkliches Mitglied des Vereins z. B. d. G. aufgenommene Ober- järtner Haeckel wohnt Colonie Alscn bei Dreihnden, per Berlin W. Azaleen -Neuheiten eigener Zucht von Emil Liebig in Dresden. (Pflanzen ä Stück und Sorte 6 Mark — Die Collection von q Sorten 45 Mark.) Nr. 93. Alpenrose, frisches schönes Rosa, Blume von erster Grösse, ganz dicht und reich gefüllt. Sie stammt von Az. Kaiser Wilhelm, die sie an Grösse übertrifft. 94. Carmen, leuchtend blutroth, Farbe von Az. Pluto, gross und etwas gefüllt. Sie hat sich bei wiederholten Versuchen als eine der besten Treib- Azaleen bewährt und ist als solche nicht genug zu empfehlen. 95. Charles Darwin, prachtvolles Weiss, oft von lebhaft rothen Strahlen durch- zogen. Die reichgefüllte Blume ist am Rande nicht nin- stark ge- kräuselt, sondern auch gefranzt. Eine ganz neue graciöse Erscheinung. 96. Edelweiss, rein weiss, einfache zirkelrunde Blume von mittler Grösse. Eine bedeutende Verbesserung von Az. Blanchard, der sie in Blatt, Wuchs und früher Treibbarkeit gleicht. 97. Gertrud, reinstes Schneeweiss, ohne jede Spur einer Zeichnung, deshalb von blendender Reinheit. Die tadellose Färbimg und dichte Füllung, sowie ihr Blüthenreichthum und Wuchs werden diese Azalee zu einer der beliebtesten machen. 98. Graf Franz von Thun, brillantes Atlasrosa, stark gefüllte grosse Blume, Pflanze vom kräftigsten kugeligen Wuchs und sehr reichblühend. 99. Gräfin Anna von Thun. So schöne reinweiss gefüllte Azaleen in den letzten Jahren in den Handel gekommen, so werden sie doch durch diese Neuheit an Farbenreinheit und Füllung, an gutem Wuchs und Blüthen- reichthum noch übertroffen. 100. Professor Wittmack, scharlachzinnober, hellleuchtende gute Farbe. Sie vereint in sich die frühe und reiche Blühbarkeit und den Wuchs der Az. Ida mit der schönen Form und Füllung der Az. Wilhelm Scheurer. loi. Violetta, weiss, sehr reich und dicht mit dunklem Violett gestreift, ganz neue Farbenzusammenstellung. Deukmal für E. Koch. Bestand Mk. 2098,90 Von den Herren: C. von Wolkenstedt in Pettcoff und Katzer & Ender, Petersburg " 30,00 Zinsen von Mk. 1800. 4'/-2 proc. Berliner Pfandbriefe, Juli- Coupon 1882 ". . •> 40,50 Von Herrn Dr. DiECK, Zöschen bei Merseburg . . . ■ ■ ■> 12,00 Summa . . . Mk. 2181,40 (92) Inhalts -Verzeichniss. Inhalts -Verzeichniss. 651. Versammlung des \crcins zur Beförde- rung des Gartenbaues i 652. do. 9 653- tlf. 17 654. do. 25 655 do. 33 656. do 45 657. do 60 658. do. 65 659. do. 77 660. do. 85 Verlegung des Sitzungstages des Vereins vom Mittwoch auf Donnerstag I Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den letzten 10 Jahren, bei Gelegenheit seines 60jährigen Bestehens am 29. Juni 1882 erstattet Namens des Vorstandes . -53 Programm der grossen Winter- Ausstellung des Vereins zur Beförderung des Garten- baues vom 19. — 24. Januar 1884 ... 74 Sitzung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins am 2 do. do. do. do. do. do. do. do. do. do. do do. do. Sitzung der Schlesischen Gesellschaft für vater- ländische Kultur, Sektion für Obst- und Gartenbau am 15. Februar 1882 ... 50 Abzugebende Samen 4, 29, 64 Anthurium Andreanum 65 Ausstellung im Jahre 1883 i Azaleen-Neuheiten eigener Zucht von E.Mii, LiKBiG in Dresden 91 Bauera rubioides Andr 77 Baumwachs . . 46 Befruchtung der Obstblüthen mit einer anderen Sorte . . 70 Begonien -Kreuzungen 61 Beiträge zum Koch -Denkmal . . . . 8, 91 Blutlaus 81 Cereus grandiflorus Mill 77 Cereus nycticalus Link 77 Ceanothus »Gloire de Versailles« .... 78 )ezem 3er 1881 . . =; am 16. Dezember 1881 7 am 6. Januar 1882 12 am 20 Januar 1882 13 am 3 Februar 1882 20 am 17 Februar 1882 21 am 3 März 1882 3P am 21. April 1882 40 am s. Mai 1882 47 am Juni 1882 68 am 7- Juli 1882 69 am 4- August 1882 73 am 8. September 1882 81 am 6. October 1882 89 Champignonkultur Cissus als Wein Dünger in der Gärtnerei Dungungsversuclie in der Gärtnerlehranstalt in Wildpark Einfluss des Winters 1881/82 auf die Vege- tation. Von HOKK.MANN Etiquetten für Pflanzen Gaillardia picta var. Lorenziana .... Gurke »Duke of Edinburgh« Gynura anrantiaca 16, Haideerde aus dem Grunewald .... 83, Ismene Amancaes Italienischer Blumenkohl 80, Keimfähigkeit der Rose von Jericho . Kellerwürmer als Pilzverbreiter Kloake für Gärtnereien Kokosfaserstricke als Bindematerial für Bäume Korrespondenz der Königl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim a. Rh. Kultur der Lilien Künstlicher Blumendünger. VonNAU.MA.NX 46, Latrine in der Gärtnerei Literatur 32, Maiblumenkultur bei Berlin Neuheiten von Samen für 1S82. \'on Haage & Schmidt 22, Neuwahl der Ausschüsse Nymphaea zanzibariensis Casp Obstdörre Odier- Pelargonien Pancratium speciosum Salisb Pflanzenetiquetten Pilzverbreitung durch Kellerwürmer . . . Preise, vertheilt bei der 2. WinteraussteUung des Vereins zur Beförderung des Garten- baues Provinzial - Garteninspektoren Prunus Pissardi Punica granatum- Stecklinge Reblaus -Konvention 6, 9, Rose MUe. Franziska Krüger Rosen -Neuheiten für 1882. Von C. G. Dkegen jun \0N S ACK'sche Garten- undGewächshausspritze Sperlingsvertilgung Torfmüll zu A'ermehrungszwecken .... Treiben von Ranunkeln und Anemonen Treiben des Flieders Tritoma uvaria Tritoma Mac' Owani 82, Versendung frischer Gewächse und Blüthen Winterausstellung 1882 Winterausstellungen Wurzelfäule des Weinstocks Zinketiquetten 39 34 IT 38 66 61 60 90 65 86 72 39 35 38 44 7 52 35 43 27 41 62 77 II 65 2 38 39 79 26 82 72 25 23 46 70 46 6 19 45 85 50 I 27 88 38 — ={<^ =^ o* Druck von Gebr. Unger (Th. Grimm), Berlin SW., Schönebergerstr. 17a. 3 5185 00254 39C ^^B ^m^